Die „Wahrheitsliebe" der Herren Denninghoff zum Ausstand ihrer Arbeiter.
3n Nr. 279 des „Gießener Anzeigers" veröffentlicht die Firma A. & w. Denninghoff die bisherigen Lohnbezüge ihrer ausständigen Arbeiter.'S Der erste Bild auf dieses Machwerk überzeugt aber schon den Nenner der Verhältnisse, daß man es mit dieser Veröffentlichung auf eine Täuschung der Bierkonsumenten abgesehen hat. (Es ist uns allerdings nicht möglich, die aufgeführten, trockenen Zahlen im Nahmen eines Flugblattes zu zerpflücken, wir wollen aber zur Charakteristik nur einen Fall, den ersten, herausgreifen. Cs war der bestbezahlteste, aber nicht ausständige Mälzer R., der in der Veröffentlichung obenan steht. (Es heißt da:
Name
Wochenlohn
vier
(der nicht getrunkene Teil würbe mit 15 Pfennig per Liter in Bar vergütet.
Sesamt- wochen- lohn
Letzter Zahrezverdienft einschl. Ueberstunden, Spesen etc. laut Auszug für die Berufsgenossenschaft.
R., Mälzer
27.—
pro Tag 6 Liter Bier — wächentl. Mk. 5.40
Mk. 32.40
Mk. 2007.93 (305 Arbeitstage)
3a, wird sich mancher Leser gesagt haben, Mk 2007.93 bei ^ständiger Arbeitszeit, nun, das läßt sich hören! Gewiß, auch wir sind der Ansicht, und wünschen nur, daß die Firma D. all ihre Arbeiter so bezahlen möchte.
Nun heißt es aber doch oben (mit Freibier) „Mk 32.40 Wochenlohn" und „305 Arbeitstage" 305 Arbeitstage hat also Mälzer R. voll gearbeitet- nach Abzug der $onn= und Feiertage von 365 Tagen kann man hieraus schließen, daß R. im Iahre 52 Wochen voll gearbeitet hat. Das macht, Wochenlohn Mk. 32.40 X 52 — Mk. (684.80. was gab doch die Firma D. an? Mk. 2007.93, hier besteht schon ein Minus von Mk. 323.(3. Das seit undenklichen Zeiten den Brauereiarbeitern gewährte Freibier haben die Herren D. bei ihrem Täuschungsmanöver in vollem Umfange in bares Geld verechnet und zum Lohn geschlagen, wir wollen annehmen, daß Mälzer R. die Hälfte seines Freibieres sich absparte, so verringert sich der oben angeführte Wochenlohn noch um Mk. 2.70 X 52 = pro 3ahr Mk. 140.40. Obige Mk. 1684.80 - 140.40 verbleibt Mk. 1544.40 von dieser Summe kommen noch in Abzug die Beiträge (nur die gesetzlichen) für 3nvaliden- und Krankenversicherung, pro Woche Mk. 0.70 X 52 — pro Jahr Mk. 36.40. Letzter verbleib Mk. 1544.40 - Mk. 36.40 verbleibt Rest Mk. 1508.00. Diese Summe hat der bestbezahlteste Arbeiter in der Firma Denninghoff bei 9!/2 ftünbiger Arbeitszeit verdient, vorausgesetzt, daß er, wie gerechnet, die Hälfte feines Bieres in bares Geld umsetzte und von Krankheiten und Unfällen verschont blieb.
3eder objektive Leser, jeder Konsument wird sich aber auch die Frage vorlegen, nun, wenn Mälzer R. der bestbezahlteste Arbeiter der Z. D. war, dann muß er auch eine gewisse Vertrauensstellung bekleidet haben? 3a, so ist es. Cs ist überall üblich, nicht nur im Braugewerbe, sondern auch in anderen Produktionszweigen, daß Arbeiter in verantwortlicher Stellung einen Lohnaufschlag genießen. Wenn wir diese 1508 Mk. mit der Arbeitsleistung und Verantwortung in vergleich stellen, dann ist diese wirklich nicht rühmlich zu nennen.
Dies betraf den Bestbezahltesten, jetzt kommen wir zum schlechtbezahltesten Arbeiter, den die Herrn D. „selbstverständlich" mit noch einigen bei ihrer Aufstellung übersehen haben: 3ugendl. Arbeiter F. Wochenlohn bei durchschnittlich täglicher Areitszeit von 13 15 Stunden Mk. 9.—, pro Tag 1 Ltr. Bier ä 16 pfg. (**««« « üj» 9 00 V ^2 — pro 3abr HIL514.80.
Bei einer normalen Arbeitsleistung kann man diese Bezahlung schon nicht als befriedigend bezMmm, TTQff em Bef em. —"v—
Ausbeutung!
(Es ist häufig vorgekommen, daß §. (und auch anderes von früh >/,7 Uhr bis nachts 2 Uhr arbeiten muhten ohne besondere Bezahlung! Als Entschädigung für 6-8 gemachte Überstunden täglich, dursten diese jugendlichen Arbeiter am folgenden Tage 3 ao. später zur Arbeit kommen ober erhielten teilweise eine geringe Anzahl der gemachten Überstunden bezahlt.
wo bleibt hier die Achtung vor dem Gesetz Ihr Herren Denninghoff? Statt 8 Stunden haben Sie laufend abeiter unter 16 Iahren 13—16 Stunden beschäftigt!
Nun genug von dem, wir können es den Herren D. nachfühlen, wenn sie schreiben: „aus dieser ersten und letzten Veröffentlichung unsererseits"; sie haben wohl das Bewußtsein, daß sie sich mit ihren Veröffentlichungen doch nur tiefer m die Patsche setzen.
Die Herren Denninghoff kommen anschließend an ihre Veröffentlichung zu dem Schluß: „Vie Folge war der vorliegende Gewaltakt." Sehr richtig! 3hr Herren D. in diesem Fall sind Sie aufrichtig, es ist auch ganz unsere Meinung, daß die des. halb die Leute aufs Pflaster geworfen haben, weil die schlechtbezahltesten Ihrer Arbeiter etwas mehr als 50 Pfennig Lohnzulage pro Woche verlangt haben. Dies die Folge ihres Gewaltakts!
Uber nicht die (Überleitung Ihr Herren Denninghoff und auch nicht die beffer bezahlten Arbeiter haben mehr °^ bO Pfennig Lohn. Zulage verlangt, sondern die schlechtbezahlteften, und die größten Schreier find Ihnen, unter Ihren „treuen Arbeitern geblieben.
Aber nicht um die Erzwingung eines höheren Lohnes sind die Arbeiter der §irma Denninghoff in Ausstand getreten, nein, sondern um den brutalen Gewaltakt der §irma Denninghoff abzuwehren.
Bei den Arbeitern Kontraktbruch, bei der Firma Denninghoff Uechtsbruch, was ist schlimmer?
Abgesehen, daß das Koalitionsred)t reichsgesehlich gewährleistet ist, war bisher seitens der Firma Denninghoff das Koalitionsrecht und Betätigung für die (Drganijation, vertraglich zugefichert.
Audi wir überladen jetzt das Urteil der Geffentlichkeit aber nicht unter der Devise, „uns in Zukunft mit Stillschweigen zu verteidigen," sondern wir werden alles ans Tageslicht ziehen, was zur Klärung der Lache dient.
Luch aber Konsumenten, Viertrinker rufen wir zu, laßt Luch durch die Manipuiattonen der Firma Denninghoff nicht irre machen, es mutz doch jedem Leser auffallen, dah die Herren Denninghoff kein Wort der Erwiederung auf unsere Veröffentlichungen, die Schröpfung der Konsumenten betreffend, durch die Vierpreiserhöhung gefunden haben.
Darum kein Trapsen VenningHassbier über die Lippen eines gerechtsuhlenden, sür $ort= schritt und Freiheit strebenden Mitmenschen.
ksoch die Solidarität. W hoch der Boykott.
Die Boptottfommiffion.
Buchdruckerei Nitschkt«vski Lietzen


