Ausgabe 
26.11.1910 Drittes Blatt
 
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puTfir gemacht zu Mafien. Der Bund her HaifbWTe aber YreWt'M Volk ins Lager des Freihandels und schafft Gegensätze zwischen Stadt und Land, die kaum noch zu überbrücken sind. (Lachen rechts.) Darum wurde der Deutsche Bauernbund gegründet, um die Schaden zu verhindern, die durch die fanatische Verhetzung des Bundes derLandwicte entstehen. (Sachenrechts.) WirtschaftSfragcn sind ZweckmäßigkeitSsragen, nicht polilische. Hätten die tiberalen Parteien das früher erkannt, dann waren wir weiter. (Zurufe: Fleischnoll Zur Sache!) ~ ' (

Vizepräsident Schultz

untersagt diese Unterbrechungen. Der Redner T)nTt immer noch einen gewissen Zusammenhang mit dem Thema Mrecht, mehr wie andere Redner. (Heiterkeit.) '

Abg. Wachhorflr

Auch in der Fleischfrage müssen gesunde dolkSwirtschastUche Grundsätze beachte, werden unter der Devise; Jedem das Seine! < Beifall b. d- Natl.)

Abg. Kobekt (b. !. P.) t__

Ich will nur über die Fleischnot reden. (Heiterer Beifall.) Diel kommt ja bei der ganzen Aussprache nicht heraus. Wir haben eine Fleischnot. DaS spüren wir auch in der RcichStagSrestauration. Eigentlich sollte man von einer Viehnot sprechen, denn jetzt spannt man den Bauern die Ochsen vom Pfluge, weil sie ein selten schönes Stück Geld bringen. (Oho-Rufe rechts.) Das verstehen Sie nicht. (Zurufe: Wo ist das?) DaS werde ich Ihnen nachher ins Ohr sagen! (Heiterkeit.) Schon Herr v. Podbielkki sagte: Die Fleisch- not ist nur vorübergehend! Er scheint dieses Wort an alle preu­ßischen Landwirtschaftsminister in Erbpacht gegeben zu haben. j(Sehr gut!) Denn jeder stellt sich her und erklärt: Nur abwarten, eS wird schon besser werden. (Sehr gut!) Herr Rupp sprach von dem Luxus in den Fleischerläden. Herr Rupp, decken Sie Ihren Le- henSbedarf in Läden, wo vorn eine Oellampe für 25 Pf. brennt? Heutzutage mutz eine gute Aufmachung da sein. Wer nicht den Zopf aus dem Nacken schneidet, wer nicht mit der Zeit fortschreitet, der kommt unter die Räder! Sie olle, die Sie sich hier versammelt haben (Heiterkeit), sehen doch mich auf ein gefälliges Aeutzere Nun wird imer auf das schöne Vieh hingewiesen. Ja. daS ist ganz nett, aber waS machen wir mit unserem vielen Speck? (Heiterkeit.) Den werden wir nicht loS. (Widerspruch rechts.) Wollen Sie mir billig ein paar Zentner abnehmen? (Grotze Heiterkeit.) Herr von Schorlemer hält die Fleischnahrung ^ür überflüssig. Ich weih nicht, ob er schon Vegetarier geworden ist. (Heiterkeit.) Gestern hat Herr Roesicke für die Warenhäuser und ihr billige« Fleisch Reklame gemacht. DaS war nicht schlau von ihm. Die Negierung sollte endlich rasch handeln, so lange eS noch Zeit ist. Damit der schon angerichtete Schaden nicht unheilbar wird. (Beifall links.)

Abg. Linz (Rp.)'

spricht im Interesse der westlichen Jndustriebezirke gegen den Freiherrn v. Gamp. Die Fleischnot ist zu einer wahren Kalamität geworden. Die Regierung vertritt mit ihrer Stellungnahme nicht daS Gesamtwohl des Volkes, sondern einseitige agrarische Interessen. Man sollte die holländische Grenze weit öffnen! Eine Revision des FleischbeschaugeseheS ist notwendig, der § 12 muh gemildert werden. Lebhaft bedauere ich die Schärfe der Aussprache durch die alten Streitereien zwischen dem Bund bnr Landwirte und dem Deutschen Bauernbunde. Gibt es denn im Reichstage keine sachlichen Debatten mehr? Die Behörden sollten eine Enguete an- stellen über die unmotivierte Spannung zwischen ProdultionS- kosten und Verkaufspreisen. ' '

Abg. Wölzl (Hospitant der Natl.)'? ''

- Wir sind alle mit den Ausführungen unseres FtülllonS- rednerS Dr, Paasche völlig einverstanden. (Bravo!).

Abg. Dr. Hahn (Dd. der Landw.)? ____4

Herr Wachhorst hat hier eine Rede zugunsten deS Banern- bundeö gehalten. Ich bin geneigt, darin eine Arbeit des fleitzigen Kollegen Dr. Böhme zu erblicken. Draußen im Lande redet er gan» ander« al- hier. Herr Dassermann hat Herrn Geheimrat Rictzer einmal al- Parteifreund bezeichnet. Der Honsa-Bund wird aber mit der heutigen Rede WachhorstS nicht einverstanden ^ein. Ich überlasse eS den Nationalliberalen, wie sie sich zwischen diesen beiden Freunden Hansa- und Bauernbund durchfinden werden. Für unS wird das Schauspiel sehr amüsant sein. Wahrscheinlich wird eS ein Eiertanz werden. Der Redner verteidigt die Haltung des Bundes der Landwirte in der Futter- rnittelfrage. Deutschland darf von ausländischen Futtermitteln Nicht abhängig werden, sonst wird eS auch von allem abhängig, was sonst im Auslande geschieht, von ollen Preistreibereien. Erleichtern wir die Einfuhr von Futtermitteln, so kommen wir zu einer Industrialisierung der Schweine.

Mästerei. Dir"Häben dem Zollkarks nur mft Rücksicht auf vcke kleine Landwirtschaft zugestimmt, nicht mit Rücksicht auf die grotzen, die Ostelbier. Herrn WachhorstS Darlegungen über die innere ^olonlsatwn wimmelten von Unrichtigkeiten. Wir wollen ^.Kolonisation organisch vornehmen, aber nicht zum Wohle der Guterschlachter und Landgesellschasten.

Die innere Kolonisation kann nur Erfolge aufweisen, wenn b?n «Regierung großzügig durchgefuhrt wird. Tie Rede des Herrn Wachhorst, die auSgearbeitet sein mag und von ihm hier vorgetragen worden ist (Unruhe links), stimmt mit der Wahrheit nicht überein. (Heiterkeit rechts.) Wenn der Bund der Landwirte mit den Nationalliberalen nicht mehr zusammen- gebt, so ist daS die Schuld der Nationalliberalen. (Rufe links: Zur Sache) Fleisckmotl) Die Herren sprechen hier immer klug, aber wenn es zur Abstimmung kommt, dann kommen .die höheren politischen Rücksichten", denen zuliebe die Rücksicht auf die Land- wirtschaft fallen gelassen wird. Wundervolle Worte, besonders vor den Wahlen, g do e s bei den National- liberalen immer. Herr Wachhorst de Wente bildet sich vielleicht in seiner jetzigen Umgebung auch seine .Meinung auf Zeit". (Heiterkeit rechts.) Es mag ja einige wenige Leute unter den Landwirten geben, die ihm das glauben, daß der Deutsche Bauernbund die richtige Vertretung des Dauern- stcndeS ist, aber die große Mehrheit der Landivirte wird das glauben, was Exzellknz v. Hammerstein-Loxten in Osnabrück gesagt hat.

Exzellenz von Hammerstein hat eck mir zuerst auf dem Provinziallandtag in Hannover gesagt, daß man der Agitation des SauernbundeS entgegentreten müsse. (Heiterkeit links, Zuruf des Abg. Wachhorst de Wente.) Es fehlt mir der Parka- mentarische Ausdruck dafür, welche Schwierigkeiten eine solche Wahrheit, wie die soeben von Herrn Wachhorst bestrittene, daß Herr von Hammerstein^ seine Osnabrücker Rede nicht von mir suggeriert erhielt, zu überwinden hat, um in daS Innere des Abg. Wachhorst einzudringen. (Große Heiterkeit.) Herr von Hammerstein hat auch gesagt, die Kämpfe um die Zukunft der deutschen Landwirtschaft sind noch nicht zu Ende. ES ist die Frage, ob wir uns nach dem englischen Muster entwickeln, in der Richtung des ei iseitigen Exports, wobei die Landwirtschaft geopfert werden müßte. Auch im neuen Reichstag wird eS sich darum handeln, den ^richtigen Zolltarif festzusetzen und danach m den Handelsverträgen die Interessen der Landwirtschaft gti sichern. DaS Lebensinteresse der deutschen Landwirtschaft er­fordert. daß olle Landwirte Zusammenhalten.

Als wir 1902 anderer Meinung waren inbezng auf den Zoll- larif, hat uns das nicht gehindert, wie ein Mann mit Ihnen zusam- men den Zolltan,' zu machen. So sollten Sie auch in Zukunft han­deln, wenn Sie wirklich ehrliche Freunde der deutschen Landwirt- schäft sein wollen. (Unruhe links.) Herr v. Hammerstein hat den Zusammenschluß aller deutschen Landwirte für notwendig erklärt. (Zuruf des Abg. Wachhorst de Wente: unter Ihrer Fühning?) Ich bin bescheiden. (Schallende Heiterkeit links.) Ich maße mir keine Führung an, ich habe nicht den Titel .Präsi- d e n t". (Große Heiterkeit.) Ich glaube, die Konkurrenz, was Be- scheidenheit anlangt, mit Herrn Wachhorst he Wente will ich gut und gern aushalten. Heiterkeit.) Wollen Sie dem Rat des Herrn v. Hammerstein folgen, dann müssen Sie Asche auf Ihr Haupt streu-n. (Heiterkeit.) Dann müssen Sie in sich gehen, die Nationalliberalen verlassen und müssen ginn Bund der Landwirte kommen, denn das sind die Vorkämpfer der deutschen Landwirte. (Stürmischer Beifall rechts.)

Abg. Emmcl (Soz.)r '

In den Kampf zwischen den deutschen Bauern msiche ich mich nicht ein. Kommen Sie unfl doch nicht immer mit Zitaten aus den Sozialistischen Monatsschriften". Die Haltung dieses VlaiteS ist für unsere Partei ganz gleichgültig. Es ist schon oft genug auf den Parteitagen von unS abgeschüttelt worden. Auch der Kaiser hat schon einmal gegen den Brotwucher pro- testiert. Hat die Regierung da- ganz vergessen?, v

Abg. Fegter (fortschr. Vp):

DaS einzige Mittel gegen die Fleischnot ist die VerbiMgmig der Viehproduktion. Darum müssen die Futtermittelzölle sofort auf­gehoben werden. Im Ernste ist der Bund der Landwirte sür die innere Kolonisation nicht zu haben. Seine Politik ist bauernfeindlich. Er will daS Eindringen der kleienn Be­sitzer in die KceiSvertretungen verhindern. Viel Erbitterung hat in Hannover daS Verhalten deS Bundes in der Klostermoorafsäre hervorgerfen. Auch dabei haben wieder ein paar Großgrund- besitzer ins Trockene gebracht. (Hört! hört! links.) Die AuSfüh- rungen des Freiherrn v. Wangenheim im Lande schlauen den Heu- tigen Worten deS Dr. Hahn einfach ins Gesicht. (Hört! hört! links.) Lösen Sie doch die Fideikommisse auf, dann brauchten die Bauern nicht zu darben!

2% Millionen Hektar Land sind in Fideikommissen angelegt. Dabei konimen in Betracht 26 regierende Fürsten, 36 StandeSherren, 28 andere fürstliche Personen, 85 Grafen, 46

Abilge und TITO WrflerW. " Immer zeigte sich, bah bei lofaf Getreidepreisen die Zahl der Fideikommisse stieg. Hohe Preise stärken also den Großgrundbesitz. Tas Gegenteil wäre aber not. wendig. Hier mutz gesetzlich vorgeschritten werden, damit diese Reste de e - F e u d a l st a a t e S aus der Welt verschwinden. Tiefe ficine Klique spielt gegenwärtig noch eine Rolle, ' die ihr weder nach ihrer wirtscl-astlichen Bedeutung zukommt, noch nach ihrer Intelligenz. (Beifall links. Oho-Rufe rechts.)

Abg. Löscher (Rp.):

DaSBerliner Tageblatt" brachte kürzlich einen Artikel zur Fleischnot: ,ES mutz noch mehr gehungert werden!" Dabei wur­den wir wieder hcstig angegriffen, und eS wurde jedem Landwirt eine genaue Buchführung empfohlen. Herr Rudolf Mosse hat drei R'ttergüter. Sicherlich hat er eine vorzügliche Buchführung. Ich erwarte nun, dah er öffentlich nachweist, welche Rente bei der Viehzucht rnb bei der Landwirtschaft eigentlich herauShängt. Du Redner spricht gegen seinen Parteifreund Linz.

Damit schließt die Aussprache, da weitere Wort- Meldungen nicht vorliegen. ES folgen persönliche Demerlungen.

Abg. Wachborst de Wente:

Dr. Hahn hat mir unterstellt, daß ich meine heutigen AuS- führuiigen mir von Dr. Boehme hätte ausarbeiten lassen. Ich erwidere Herrn Hahn darauf, daß er vielleicht einige Erfahrungen auf diesem Gebiete haben mag (Heiterkeit links), die mir aber abgehen. Ich lasse mich nicht von anderen beeinflussen. Er bat weiter erklärt, ich sei einer von den nationalliberalen Abgcord- neten, hie ihre Meinung auf Zeit ha'en. Er wäre doch eigentlich der allerletzte, der iemand einen Vorwurf nach dieser Richtung hin machen könnte, da er mit derselben Ueberzengungstreue. mit der er angeblich heute der konservativen Partei dient, unserer Partei gedient hat.

Abg. Dr.Nocsscke (Kons.): >

Herr Dachhorst hat behauptet, ich hätte im Jahre 1903 in diesen Versprechungen gemacht, die ich nicht gehalten hätte. TaS entspricht nicht den Tatsachen.

Abg. Dr. Hahn: *

Ich habe meiner Verwunderung Ausdruck gegeben, ivie eS kommt, dah Herr Wachhorst heute eine andere Rede hält, als er sie sonst im Lande zu halten gewohnt ist. Ich habe nach den II r# fachen geforscht und habe geglaubt, daß biqc herrliche Aus­arbeitung von einem anberen herrührt. Ich halte bas auft recht. (Unruhe b. d. Nationalliberalen.) Ich glaube auch, bag manche der Herren meine Meinung von bieser Möglichkeit teilen! Wenn Herr Wachhorst sagt, daß er sich nicht beeinflussen läßt, fj weise ich nur auf seinen Entwicklungsgang hin. In einem Schrei- ben an bafl Lanbwirlschaftliche Kasino in Osnabrück hat er fidj gegen eine Besteuerung bc5 ErbeS der Witwen unb Waisen aukfc- iprochen, unb später hat er boch dafür gestimmt. (Widerspruch deSl Abg. Wachhorst.) Tie Annahme, als ob ich jetzt für die konser­vative Partei mit derselben Ueberzeugung eintrete wie früher für die nationalliberale, entspricht nicht den Tatsachen. (Stür­mische Heiterkeit links.) Ich bin nämlich nicht mit dieser angeblichen UeberzeugungStreue für bc5 politische Programm bet Rationallibcralen eingetrcten, sondern habe einen erbitterten Kampf gegen die Parteileitung der Nationalliberalen geführt im Interesse der Nationalliberalen auf dem Lande in Hannover, die fotzt konservativ sind, unb die mich auch gegen die offizielle Parteileitung in den Reichstag hineingebracht haben. Ich habe meine Meinung ebensoweiiig geändert toic meine Landsleute, wohl aber Herr Wachhorst und seine Freunde. .(Beifall rechts.)

Abg. Nehbel (K?ns.):

fterr Dachhorst hat mir unterstellt, daß ich ein Feind der fnne<i ren Kolonisation wäre und sich auf eine Rede von mir im preußi­schen Abgeordnetenhause berufen. Ich habe nur empfohlen, ben E^üS der Domäne Dah!em zum Ankauf von Domänen in ben ge^ mischtsprachigen LanbeSteiten zu verwenden. Es gehört die Animo-' sität eines BauernbündlerS einem konservativen Abgeordneten ge­genüber dazu, mir daraus einen Vorwurf zu machen.

Abg. Wachhorst:

Die Darstellung Dr. Hahns über den Osnabrücker Fall enN fpndH nicht den Tatsachen. Ich habe mich in dem erwähnten Schreiben nur gegen die Nachlaßsteuer ausgesprochen.'

Abg. Dr. Hahn (B. d. Ld.):

Herr Dachhorst berichtet etwa?, was ich gar nicht hehmtpkek habe. Ich habe nur gesagt, daß er sich gegen die Besteuerung des ErbeZ der Witwen und Waisen ausgesprochen. Et hat sich also, wenn das Wort parlamentarisch erlaubt ist, selber in den Schwanz gebissen. (Stürmische Heiterkeit.)

Da- HauS vertagt sicb auf Sonnabend, 11 Uhr: Inter) peklation über die Königsberger Kaiserrede und die anderen Jnterpellattonen. «v

Schluß 6% Uhr.

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