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04/08/1910 Zweites Blatt
 
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16V. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 180

Erscheint täglich mit Ausnahme des bonntagS.

Die ..Gletzener Famillendlätter" werden dem .Anzeiger* oicrmal wöchentlich beigelegr, das Krcisblatt für den Kreis Lietzen" zweimal roöticntlid). DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion. Expedition und Druckerei: bchul- straße 7. Expedition und Verlag: e«6L Redaktion:^^112. Tel..Adr.:AnzeigerGietzen.

Donnerstag 4. August 1910

A Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen

Unioersitäts - Buch- und Steindruckerei.

L< H R. Lange. Gießen.

sollen, abwälzen können.

Daß noch eilte Reihe von Beamtengeschäften auf niedere Beamte übertragen werden kann, wird seit langem gerade aus der mittleren Beamtenschaft heraus wieder und wieder betont Immer noch ist eine große Summe von leichteren Ar­beiten Beamten zur völligen Ausnutzung ihrer Arbeitskraft mit zu überweisen, die im Wege der Zusammenlegung und Speziali­sierung nach unten abgewälzt werden könnte. Auch ein Post­direktor hat eine ganze Reihe von Arbeiten zu erledigen, die gerade so gut manche auch besser wegen größerer Sachkenntnis von mittleren Beamten erledigt werden könnten.

Deutschtums.

Insgesamt bestehen in den fünf australischen Bundes­staaten 70 deutsche G em ei n d es ch ulen. Davon kommen auf Sudan st ralien allein 54, also über 70 vom Hundert. Dann erst folgt Viktoria mit 13, Neu-Südwales init 2 und endlich Queensland trotz seiner starken deutschen Bevölkerung mit nur einer deutschen Gemeindeschule. In den 54 südaustralisäien Schulen werden insgesamt 1600 Linder deutscher Herkunft unterrichtet. Von Südanstralien aus ist neuerdings auch mit den etwa 900 Deutschen in Tas­manien angeknüpft, und es scheint sich auch dort ein hoff­nungsvolles Arbeitsfeld für deutschen Unterricht er­schließen. _______

Ausruf zur Lrhallung des alten Eichener £iebig=£aboratoriums.

Das alte chemische Laboratorium an der Universität Gießen, in dem von 1824 bis 1852 Justus Liebig seine bahn­brechende Tätigkeit entfaltete, hat für die Entwicklung der Chemie und der gesamten Naturwissenschaften eine so außerordentliche Bedeutung, daß die Pietät der jetzt Lebenden dieses altehrwürdige Institut als einen Markstein, der den Beginn eines neuen Ab­schnitts in der Geschichte der Naturwissenschaften bezeichnet, erhalten und kommenden Geschlechtern unverändert überliefern sollte.

Das alte chemische Laboratorium der Universität Gießen war das erste Universitätslaboratorium, seinerzeit der einzige Platz in der ganzen Welt, wo angehenden Chemikern em mit praktischen Hebungen verbundener Unterricht geboten wurde.

Die bedeutendsten Lehrer der Chemie um die Mitte des vorigen Jahrhunderts sind aus diesem Laboratorium hervorgegMigen, so, um nur die allerhervorragendsten zu nennen, die Deutschen Max Pettenkofer, Remigius. Fresenius, Adolf Strecker, Aug Wilh^ Hofmann, Aug. Kekulä, die Franzosen Charles Gerhardt und Adolphe Würtz, die Engländer Williamson und Playfarr, der Schweizer Marignae.

Wenn jetzt jede deutsche Hochschule ihr wohleingerichtetes Labo­ratorium besitzt an den meisten hat man sogar deren mehrere so ist daS alte Gießener Laboratorium, das anfänglich nur 9, später etliche 20 Schüler faßte, das Urbild aller dieser Institute, die jetzt Tausende von Schülern in die Chemie emführen. Die wissen schaftlichen Arbeiten, die aus ihm hervorgingen, machten die Chemie den alten Geisteswissenschaften ebenbürtig; sein glänzender Ruf, der in Gießen Schuler aus allen Teilen der Welt versammelte, zwang die anderen deutschen Universitäten, auch ihrerseits für chemische Laboratorien Sorge zu tragen, und bis zu den sechziger Jahren galt das Gießener Laboratorium für alle diese neuen Anstalten als Muster. _________________

Die Methode des Unterrichts, die noch heute in allen Insti­tuten zur Anwendung kommt, ist im großen ganzen noch die deA alten Gießener Laboratoriums.

Dieser wissenschaftliche Unterricht der Chemiker bedeutet die! wesentliche Grundlage für die Vorherrschaft der deutschen chemischen! Industrie.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland s-> gut wie keine chemische Industrie. Auf die Gründung des Gießener Laboratoriums durch Liebig und des Meisters umfassende, ine Technik außerordentlich befruchtende Forschertätig leck ist zurua- zuführen, daß die deutsche chemische Industrie ihre staunenswerte Entwicklung genommen hat. Liebig hat man daher mit yi ver­danken, daß der jugenbträftigen, rasch wachsenden Bevölkerung Deutschlands neue große Einnahmequellen erschlossen wurden und die deutsche Volkswirtschaft eine so glänzende Entwicklung nehmen konnte.

Die deutsche chemische Industrie zahlte 1907 an 207 000 Ar­beiter in über 8500 Betrieben fast eine Viertelmrlliarde Löhne/ erzeugte für dreizehnhundert Millionen Mark Produkte und führte davon für dreihundert Millionen Mark aus.

Das Deutschtum in Süd Australien.

Wertvolle Angaben über das australische Deutschtum, zumal das in Südaustralien, entnehmen die Mitteilungen des Vereins für das Deutschtum im Ausland dem an den Verein gerichteten Privatbriefe eines südaustralischen deut­schen Lehrers. Der Verfasser beklagt zunächst die schnelle Verengländerung des Deutschtums in den Städten Austra­liens, zumal in der jüngeren Generation. Er stellt dem das platte Land als Sitz eines noch kräftig pulsierenden deutschen Lebens gegenüber und rühmt hierbei ganz be­sonders Südaustralien als eine Hochburg australischen

Daß das Uebergabeverfahren ftcitoaubenb und schwerfällig ist, j soll zugegeben werden, aber hat der Herr Postdirektor, als em . dazu berufener, auch schon Verbesserungsvorichläge bei seinen , Vorgesetzten vorgelegt ober seine Beamten, wenn er selbst feine . weiß, nach solchen befragt? Bei einer Uebergabe sind aber nicht nur Postwertzeichen zu übergeben, sondern auch Wechselmarken, statistische Marken, Bersicherungsmarlen, Formulare in bald hun­dert Arten, Geldbeträge und Wertsendungen im Betrage von oft Hunderttausenden, sowie hunderte lagernder Postaufträge und Nach­nahmen, abgesehen von noch anderen Gegenständen. Die Auf­nahme ist aber auch nötig zur Fertigung des täglichen, ganz un- eittbehrlichen Kassenabschlusses, bei dem es sich um einen die Ver­antwortung abgrenzenden Vorgang hairdelt, dessen zufriedenstellen­der Ausgang regelmäßig den Beamten einen Stein vom Herzen nimmt Daß diese Aufnahme meistens bet geöffnetem Schalter geschehen muß, ist eine bureaukratische Rücksichtslosigkert, für deren Abschaffung aber bei denhöheren" Beamten, die der Schuh da nicht drückt, keine Gegenliebe zu finden ist. Oder hat der Herr Poktdirektor bei seinem Amte die übliche Art der Uebergabe ab» geschafft? In diesen Blättern fehlt der Raum, um dem Postdircktor hcn Unterschied zwischen den im Privatdienste von Lehrlingen, jungen Mädchen, Laufburschen und Hausdienern wahrgenommenen Geschäften und den für die ganzen Verkehrsverhältnisse so wich­tigen, unendliche Ersatzverbindlichkeiten tn sich schließenden Ar­beiten der mittleren Beamten klar zu machen. Direkt unrichtig i|t feine Angabe, daß mittlere Beamte mit dem Zeugnis zum Ein;.- Freiw.-Dienst ausschließlich zur Bedienung der Telegraphenappa­rate verwendet werden. Auch bestreiten wir durchaus, daß es Schalterbeamte gibt, diestundenlang vor Langeweile bald um­kommen". Hat der Herr Postdirektor solche bei seinem Amte ge­duldet, so ist er ein unfähiger und pflichtvergessener Beamter. Daß der Postdirektor es für eine Kleinigkeit hält, den ganzen Tag , nur Postanweisungen" anzunehmen, muß den Kenner verblüffen. Die Annahme von mehreren hunderten Postanweisungen und neuerdings Postkarten nur bei einer solchen täglichen Zahl Toinmt ein besonderer Postanweisungsschalter in Betracht mit 30 000 bis 60 000 oder iroch mehr Mark aus allen Münzsorten sich zusammensetzender Beträge und deren kassenmäßige Verpackung und Ablieferung ist ein überaus anstrengender und schwierigen Dienst bei dessen Llusübunq der betreffende Beamte fortgesetzt Gefahr läuft, in hohem Grade ersatzpflichtig gemacht zu werden. Ist dem Herrn Postdirektor von beit fast jeden Monat auftretenden hohen Minderbeträgen oft genug bis zu 100 Mark im Einzel- falle nichts bekannt? Welches Privatgeschäft zahlt dem einen solchen Posten Bedienenden Tagegelder von 2,75, 3,50 und 4 Mk. als ganzen Entgelt, wie es in tausenden Fällen die Po|werwaltung tut? Der Herr Postdirektor spricht von einerVereinfachung des viel zu umständlichen Dienstbetriebes". Wodurch wird der Dienst- betricb so umständlich? Durch die in 12 dicken Banden Ab­schnitte der Dienstanweisung enthaltenen minuhoicn, tn her Praxis unmöglich zu bewältigenden Vorschriften Tür alle und lebe möglichen und unmöglichen Fälle, aufgestellt vonhöheren Be­amten" und noch ergänzt von den Herren Postdirektoren durch die örtlichen umfangreichen Geschästsordnungen. Es gibt tauseiide von Beamten, die für den Hauptzweck dieser Reglements den anwhen, daßhöhere Beamte" bei irgend welchen Vorkomntnmen stets einen Sündenbock in deren engen Maschen fangen und ihn in die Wüste schicken können und so einen wesentlichen Teil der eigenen Verantwortung für den Betrieb, den sie doch letten und fuhren

auf Sulz zu wurde durch große Hitze erschwert. Nachmittags um 2 Uhr wurde ein allgemeines Biwak aller Truppenteile de- ohlen; wir bekamen unseren Platz an einem kleinen.Bergabhang auf einem Kartoffelfelde .angewiesen, dessen halbreife fruchte, mit Zwiebeln und Fleisch gedämpft, uns nicht so übel schmeckten. Der warme Sonnenschein lud uns ein, unsere noch vom geitrigen Regen oder vom <Sc^roeifec des heutigen Marsches feuchten Klei­dungsstücke zu trocknen. Kaum hatten wir bielelben an bic Gewebrpiiramiden gehängt, als Generalmarsch geschlagen wurde: es hieß: der Feind rücke in starken Kolonnen an. Wir traten rasch an, wurden aber fast eben so bald wieder zum Einrucken in die eben verlassenen Biwakplätze kommandiert, weil die ganze Sache, was übrigens selten in diesem Feldzüge vorkam, blindev Lärm war. Unsere Feuer brannten noch lustig weiter und da eben eine Verpflegungskolonne emtrat, wurde frisches Fleisch verteilt und das Abendessen war ziemlich opulent. Wenn es nicht in später Abeiidstunde gehörig zu regnen angst an gen hätte, wäre auch dieses Biwak ein angenehmes gewesen, allem schon um Mitternacht war kein trockener Faden mehr an uns.

Das Verfahren, die Zufammensetzung pflanzlicher und tierischer Stosse zu ermitteln, das noch heute tagtäglich zur Anwendung: kommt, entstammt dem alten Gießener Laboratorium; es ist so einfach und rasch auszuführen, daß es die Untersuchung dieser Stosse, an die früher nur die geschicktesten und geübtesten ^orfcher hcrantreten konnten, allgemein zugänglich machte; unter dem! Namen derorganischen Elementaranalyse" bildet es die Grund­lage für die Entwicklung der organischen Chemie, die wenn auch vorübergehend in wenigen Jahrzehnten die Mmeralchemie; weit überflügelt hatte. , .. _

Hm Gießener Laboratorium erwuchsen die Vorstellungen^ welche die Anordnung der Elemente in ben organischen Sub­stanzen verständlich machten und den ersten Keim der heutigen; theoretischen Chemie enthalten.

Wenn jetzt Hunderte von wohlausgebildeten Chemikern ut den landwirtschaftlichen Versuchsstationen ihre segensreiche Wirk­samkeit entfalten, indem sie die Bedingungen für die v ortest hastest» Ernährung von Kulturgewächsen, für die erfolgreichste Züchtung und Mästung der Tiere experimentell erforschen, Wert, Brauch­barkeit und geeignete Verwendung der Futter- und Düngemittel: feststellen, so nehmen Agrikulturchemie und physiologische Chemig miederum ihren Ausgang von dem alten Gießener Laboratorium^

Liebig darf mit Recht der größte Reformator der Landwirt­schaft genannt werden. Selten sind theoretischen Studien solche Erfolge in bet Praxis beschieden gewesen, als lemer Erkenntnis ber Bedeutung der Mineralstoffe Tür die Ernährung her -tzstvnzen^ In Deutschland allein wird der gegenwärtige Verbrauch kunft- licher Düngemittel auf mehr als dreihundert Millionen -carr geichäht^ n.cht nur für die Chemie beginnt mit dem Gießener' Laboratorium die Periode der fruchtbarsten Entwicklung: dieies war überhaupt das erste Universitätsinstitut, m dem vra'm check Unterricht in den Naturwissenschaften erteilt wurde. Was berj Chemie gewährt worden war und sich beim chemuchen llnicrruljt bewährt hatte, das konnte später der Physiologie, Botanik, Phvck^ Mineralogie, Zoologie nicht vorenthalten werden; fo mutz das Gießener Laboratorium als Beginn einer neuen Aera des Hoch­schulunterrichts angesehen werden .

Wie die brandende Flut, so hat Liebigs Werk seine Welles auch nach ferner liegenden Gebieten getragen und vor allem die ganze Heilkunde in nachhaltigster Weise beeinflußt, berat Physiologie und Medizin wurden durch neue chemstche Gedanken und Untersuchungsmethoden in bisher nicht eingeschlagene, erfolg* reiche Bahnen gelenkt. . . , o.

Ein Segen für die getarnte Welt i|t die durch Liebig zw hoher Stufe gehobene Chemie geworden: sie gilt heutzutage als» Helferin bei 'einer der edelsten 9luigaben des Memchen, bar Kranken zu heilen und die Krankheitsstoffe zu vernichtai; jier* hat Arbeitsgelegenheiten und Industrien geschasten, die Tau,enden» und Abertauscnden Unterhalt gewähren, die früher unbrauch-> . bares Gestein und nicht beachteten Abfall m wertvolle Stoste um* wandeln und dem Lande ungezählte Millionen zufuhren: sie hat , gelehrt, die Fruchtbarkeit des Bodens zu mehren unb die Volks-, Wohlfahrt auf mannigfachste Weise zu fördern.

6 August. Empfindlich kühl am Morgen und dazu in nassen Kleidern! Ein warmer Kaffee brachte cm, wenig Leben und Wärme in die erstarrten Glieder. MarschbeTehl um b Uhr um i/27 Uhr standen wir schon zum Abmarsch fertig. Die aufgeweichteu Wege- und Felder erschwerten schr umern Manch, dagegen tat uns der trocknende und wärmende strahl der Morgen- sonne sehr wohl. Um 9 Uhr hörte.'! wir den ersten Kanonen­donner und bald darauf traf ber Befehl ein, baß wir, sowie die hinter uns licgcnben Truppen in Eilmärschen zu dem bereits bei ben Vorposten entbrannten Gefechte heranzuziehen , seien. Jetzt kam Leben in bic Mannschaften, Mut unb Kampfeslust bc fceltc uns alle. Nach ungefähr cinfhnibigcm Marsche längs des Eisenbahudammes hinter Sulz das Mitrailleufenfeuer hörten wir schon ganz genau bogen nur auf einen ziemlich bedeutenden Wiesen gründ ab und hier ließ ber Bataillouskomman beur Major von Sodenstern zum ersten Male in bie|cni Feld juge unsere Fahne enthüllen unb das teuere Banner wehte in ben Lüsten, von unserem donnernden Hurra! begrüßt. Tic beiden anderen neben uns marschierenden Bataillone taten das selbe Wir marschierten in Formation der Angrifiskolonne bis zu dem Dorfe Gunstett. wo unsere 21. Division bereits seit einiger Zeit im .Gefechte sich befand. Auf einer Wiese bei einer Mühle legten wir bav Gepäck ab, und hier lamen schon einzelne Mügeln, von denen eine den Leutnant Kern am Oberarm verwundete, an uns heran. Wie wohl mancher meiner Kameraden in jener Stunde, benutzte ich die uns vergönnte kurze Rast, um meinen Leib und Seele in die Hände meines Gottes zu Empfehlen und habe da so recht erfahren, welch eine Kraft und stärke im Gebete liegt:mit meinem Gott kann ich über die Mauern springen!" sagt der Kriegsheld David.

linier weiterer Vormarsch führte uns (gegenM2) übet ein Kartoffelfeld an einen ^8ergeSabhang, dessen Höhe bewaldet roar Die .Waldlisiere war von Zuaven und Turkos belebt, bie wir halb zurückbrängten, worauf im Walde das Gel echt erjt recht hitzig wurde. Unser .Avancieren ging indesfen IQ rasch,

daß wir einmal Flankenfeuer bekamen, doch erreichten wir glück­lich die jenseitige Waldlisiere. Tort, an einem Wiesengrunbe, dem gegenüber wieder ein Wald unb vor diesem ein ^steinbrunjl ich befand, kam bas Gefecht zum Stehen und kostete Piel Leute. .Hier wurde auch .unser Hauptmann am Oberarm unb an dev Brust schwer verwundet. Abermals wurde avanciert unb abermals stand bas Gefecht bei Fröschweiler, wo Maior v. -Loden- ftern durch einen Schuß in ben Vorderarm verwundet wurde. Unsere Lage war, da unsere Reihen sehr gelichtet waren, eine kritische da verschaffte uns bic ausgezeichnete, Wirkung unterer Artillerie Luft.Tas .Ganze avancieren!" hieß es und vor­wärts gings gegen den Feind, ber bei diesem An laufe an umcti\ Bataillon' allein acht Geschütze verlor. Noch einmal hielt er uns hinter F-röschweiler.stand, allein das wackere Eingreifen depj Württemberger mit uns -zugleich brachte ihn wieder zum Weichen7 da jagte Kavallerie, Kürassiere unb Lanciers heran kaum einige Minuten Schnellfeuer von unserer Seite unb nach eiiiiganWorten: der Franzosen--bie Kavalleriedivision Bonnemain war nicht mehr^

Gegen 6 Uhr abends war bie Schlacht von Wörth zu Ende;, ein herrlicher Sieg, freilich auch mit vielen teuren L Pfern blutig erkauft, war errungen. Unsere 1. Kompagnie hatte allein drei Offiziere verwundet, unb 50 Mann, darunter 9 jtote, verloren< unferem XI. Armeekorps aber ward an diesem Tage schon die besondere Auszeichnung, daß .auch sein Führer, General von Bose sich unter ben Verwundeten befand: nhon bei Leitung des Gefechtes ber 21. Infanteriedivision am Niederwalde hatte en. einen Schuß in die Hüfte bekommen, war aber trotzdem zu l'teri c geblieben. Beim Vorgehen gegen Fröschweiler trat ihn bie zwecke Kugel unb durchbohrte ihm einen Fuß, wodurch ihm die Fort­führung des Kommandos unmöglich gemacht roinbe; neben ihrrn wurde bei dieser zweiten Verwundung der GeneralstabsoUizierl Premierleutnant v. Heineccius getötet.

Qum ersten Male in meinem Leben sah ich hier, namentluti an der Straße von Fröschweiler nach Wörth bis hinunter nach Elsaßbausen, das Entsetzliche eines Schlachtfeldes. Die Verwun­deten mären so zahlreich, daß es unmöglich war, einem leben raicha Hilfe zu leisten, so viel auch mir, selbst zum Umfallen ermattet, an ihnen taten, was wir nur konnten.

^cichdein in der Nähe des brennenden Dorfes Frösckweileck Se König! Hoheit der Kronprinz an uns vorübergekommen war und uns begrüßt hatte, bezogen wir oberhalb Wörth an einem, Bergabhange unser Biwak und lagen auch hier zwilchen -toten unb Verwundeten. Unseren brennenden Durst zu Ustchen war fast unmöglich, da das vorhandene Wasser größtenteils mit Blut vermischt, stellenweise auch ganz rot gefärbt war. doch gelang esd uns nach einigem Suchen no»h trinkbares Wasser 1 men^ In den massenweise umherliegenden franzöfischen Tornistern faii» ben wir Rationen von Brot, Speck unb Kaffee, die uns zmnt

nbbrote dienen mußten. Da auch wollene unb leinene Deckens um herlag en, so konnten wir uns mit denselben ein passables Nacht« lager herrichten, in welchem wir jedoch in der folgenden Nackst;

u wegen der Aufregung, bie der vergangene 2ag verursacht, mehr aber noch wegen des wahrend der Nacht stark gehandhabte^ Patr-ouilleit-Dienstes, wenig Schlaf sanden^

Dir Tage von Weißenburg und Wörth.

Heute, ant 4. August, sind 40 Jahre dahingegen seit die ewig denkwürdige Schlacht fti Weißenbura dem deut- < scheu Heere den ersten großen Sieg rn FerndeSlwnd brachte. i Das uns vorliegende Kriegstagebuch eines '.)cttburgerL' unserer Stabt Gießen, des .Herrn Gutsverwalters W.M e r u, ber als Angehöriger bes 83. Regiments in Kastel nicht weniger als 22 Schlachten mitgemackO hat, bringt auch interessante Aufzeichnungen aus ben ersten Augusttagen. Bei Weißenburg kam seine Abteilung nicht mehr zum Ein­greifen, bageaen aber bei Wörth. Wir fallen hier bic schlichten Schilderungen wörtlich folgen, sie führen am besten in die Spannung der damaligen Zeit zurück:

4 o( lt q u ft Um 2 Uhr morgens wurde alarmiert unb rafch Kaffee gekocht. Ter Regen wurde immer stärker und wurden wir noch vor Antritt des Marsches durchnäßt Der heutige Marsch ging auf zum Teil recht erbärmlichen, durch den Regen arunbloß geworbenen Wegen über Fechenheim, Rohrbach, Winden und Billig­heim der französischen Grenze zu. - Zwischen 10 und 11 Uhr vernahmen wir zum ersten Male den Kauonendonn^ von Weißeir bürg her unb überschritten bald barauT bet vagenbach das ö'luWn Lauter unb zugleich die französische Grenze. Xie Helme wurden abgenommen unb dreimal ein tausendstimmiges Hurra. tut tfeier dieses wichtigen Augenblickes angestimmt Nur ^hr Ilmgsam konnten wir uns bann durch den zwei Stunden ^n^en Vienwalb bewegen: da wir bie Straße Tür Artillerie und MumtionS- kolonnen frei lassen mußten, marschierten wir rechts und Imks der Straße. Vor xins tobte ber Kampf immer heftiger, bas knarrende Geräusch ber Mitrailleusen, das wir Anfangs für Salvenfeuer hielten, drang zum ersten Male an unter Ohr unb zum ersten Male erblickten wir hier Verwundete (Marburger Jäger », bie vom Gefechtsselde zurückgebracht wurden. Unserer Er­wartung, heute nocki vor den Feind unb ins Feuer zu kommen, wurde indessen nicht entsprochen: außer Artillerie-u. Kavallerieabteilungen nahmen von ber 22. Inf . Division keme Truppen am Kampfe teil.

Wegen 4 Uhr nachmittags war die schlacht von Weißenburg mit unferem Sieg beendet ber erste Lorbeer, wenn auch ohne Unsere Mithilfe, errungen und uns blieb nichts übrig, als mit hungrigem Magen nach dem uns angewiesenen etwa tot mibe entfernten 'Biwaksplatze zu marschieren, wo alsbald nach unierer Ankunft bie Feuer loderten unb in ben Kesseln das empfangene Fleisch schmorte und kochte. Hier figurierten zum ersten Male die rohen Beefsteaks, weniger der Gourmandise wegen, als um rasch etwas tn ben Magen zu bekommen. Unb cd tat J ot lut) zu occilen' Kurz nach Beginn des Abkochens würbe das I. Batail­lon auf Vorposten kommandiert. Nach einer halben stunde mar schienen wti ab unb bezogen die angewiesene Vorpostcnstcllung; bic Feldwache der 1. Kompagnie stand an ber Straße nach Fort S Loui.',. Unser Biwak auf einem Kleeackcr war erträglich.

5 An g u st. Ich mußte früh morgens eine Meldung an das Dioisionslommaiibo überbringen unb nahm von dort den Befehl des Abmarfches mit zurück. £er angetretene Vormarsch

politische Tagesschau.

Mängel in der Postorganisation?

Wir gaben vor einigen Tagen eine interessante Zuschrift eines Postdireltors an dieRhein.-Wests. Ztg " wieder, bie besonbers in Postbeamtenlreiseu Aufsehen erregte. Wir werden aus biesen Kreisen um bie Wiebergabe einer Ent­gegnung gebeten, bie bieDeutschen Nachr." am Freitag gebracht haben. Der Verfasser ist offenbar ein mittlerer Postbeamter, der den ersten Ausführungen zum Teil bic Richtigkeit nicht bestreitet, zum übrigen Teil aber in scharfer Weise Stellung nimmt. Er schreibt n. a.: