Ausgabe 
2.12.1910 Viertes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 285 Wertes Matt

160. Jahrgang

Erscheint tSglfth mit Ausnahme des Sonntags.

txt»ietzeun Larnlltendlätter^ werden dem r9ln.ieifler* viermal wöchentlich deigelegt, das Krelsblati für -en Kreis riehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheine» monatlich zweimal.

Giehener Anzeißer

General-Anzeiger für Gberhchen

Freitag. 2. Dezember |9|0

Rotationsdruck und Vertag der Brühl'fchen UnwersttätS - Bilch- und S teind rucke re i.

N. Lange, Sieben.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul-

strabe 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion: 112. Tel.-Adr«. AnzeigerGretzen.

Durch die Elektrizitätswerke und Installationsgeschäfle zu beziehen. Auerg Seilschaft Berlin 0.17

MWW

WMMM:

70°/o Siromersparnls

Dbg. Dr. Fassbender (Senft.)*A

ien Instituts in Geisen-

Lbg. Dr. Arning (Natl.):

er weggetommen.

Ich mißbillige unter allen Umständen die Ausführungen Dr stresemanns über die Naturheilkundigen. Nach dem Verlauf der Debatte mochte man lieber Kurpfuscher sein als Arzt, denn die K u r p f u s ch e r s i n d h i e r v ie ' u -* ?

adt a. H. In umfassendem Maße waren wir bemüht, festzustellen, wie man namentlich mit chemischen Mitteln dem Sauerwurm zu Leibe gehen könnte, /-ür 1911 hat die Preußische Regierung einen besonderen Fachge­lehrten beauftragt, in den stark heimgesuchten Bezirken deS Rheingaus weitere Experimente zu machen. Der Preußische Staat hat auch schon auf seinen eigenen Domänen umfassende und nicht erfolglose Versuche unternommen. Er war bemüht, auf andern Gebieten, namentlich in der Vervollkommnung des Ver­fahrens mit der Tabakslauge sich zu betätigen. Von den Mitteln, die bis jetzt im Rheingau, in der Pfalz usw. erprobt sind, erscheint am auL-stchtsvollstrn die sogenannte Winter­bekämpfung, weil der Schädling dann nur in der Form den Puppe austritt und so am leichtesten bekämpft werden kann.

auSzusetzen für denjenigen, der eine erfolgreiche und Tetcfit durch­führbare Methode zur Bekämpfung des Sauerwurms findet Bis- her ist e- nicht möglich gewesen, diesen Preis zu verteilen. Im übrigen haben sich Botaniker, Zoologen, Chemiker nicht nur in Deutschland sondern auch hi denjenigen Ländern des Landes, die ebenfalls vom Sauerwurm heimgesucht werden, z. B. Frankreich, sich in umfassenden Arbeiten mit der ftraae einer

Dagegen ist eine Reihe von Einwendungen laut geworden, die sich zum Teil gegen die Wirksamkeit der Methode und gewisse üble Nebenfoloen richten, in der Hauptsache aber geaen den polizeilichen Zwang. Ein derartiges Vorgeqen kann nur bann von wesentlichem Erfolge fein, wenn es bis in die letzten Konsequenzen durchgeführt wird. (Sehr richtig!) Unter­lassung durch einzelne Saumselige ist unter Umständen geeignet, die Früchte oeß Fleißes eines ganzen großen WeinbaugebieteS illusorisch zu machen. (Sehr richtigl) Jedenfalls ist es mit hex' sonderer Freude zu begrüßen, daß Bayern mit der

Winterbekäulpfung

Versuche in großem Stil und in einer Form unternommen hat, die wahrscheinlich ein klares und zuverlässiges Bild über die An­wendbarkeit und den Erfolg der Methode geben wird. Neben der Winlerbekämpfung toirb aber auch aus die Sommer- bekämpfung nicht verzichtet werden können. Die Regie­rung ist aber bereit, in Erwägung darüber einzutreten, ob nicht auch der Zoll für die vom Ausland eingehende Tabaklauge erlassen werden kann, wenn sie zur Be­kämpfung von Schädlingen verwandt wird. *

Frachtermäßigung auf den Reich-eisenbahnen würde nicht von erheblicher Bedeutung sein. Wir werden trachten, das Zusammenarbeiten der Regierungen in dem Augenblick in die Wege zu leiten, wo die Erfahrungen Bayerns im Laufe di-seS Winters die erforderliche Grundlage gege­ben haben werden, oder wenn sonst andere Mittel soweit erprobt sein sollten, daß chre Zuoerlässigkeit angenommen werden kann.

Auf Antrag des Abg. Tahlem (Zentr.) wird die Besprechung der Interpellationen beschlossen.

Abg. Huber (Soz.):

In du Pfalz besteht schon ein dauernder Notstand. Dort sind recht praktische Schutzmaßregeln durch das Abceiben der Rebstöcke vorgesehen. Tie kleinen Winzer wehren sich dagegen nur deshalb, weil diese Maßnahme Mittel erfordert. Diese Mittel sollten den Winzern durch die Regierungen erstattet werden. Dee Kampf gegen dre Rcbschädlinge müßte ebenso. gesetzlich geregelt werden wie der Schutz gegen Viehseuchen. Würde der Weinbau im Osten betrieben werden, so hätten wir längst ein solche- Gesetz.

Bayerischer Ministerialdirektor Dr. StrössearrvtHer:

Dir haben in der Pfalz wiederholt zwischen den Interessenten und den Sachverständigen auf dem Gebiete des Weinbaues Be­sprechungen eingeleitet und auf Grund dieser Besprechungen hat. dann die Lehr - und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in N e ust a d t a. H. praktische Versuche durchgeführt. Insbesondere hat sich die Lehr- und Versuchsanstalt bemüht, in den Kreisen dec Winzer selbst zu wirken. Erst am 10. Oktober hat wieder eine Besprechung stattgefunden, bie speziell über Maß, nahmen zur Bekämpfung bes Sauerwurms zu beraten hatte«, Diese Besprechung hat sich einstimmig für den Erlaß der mehr­fach erwähnten

ZwangSpoNzeivorschrifteu ausgesprochen. Ein durchgreifender Erfolg dieser Polizelvor- schriften ist allerdings nur dann gewährleistet, wenn ihre Au^stüh- rung getragen wird vom guten Willen der pfälzischen Bevölkerung. Wir werden insbesondere die Winzer, die frei­willig sich zur Durchführung der Polizeivorschriften herbeilaffen, auch in finanzieller Beziehung unsere Unterstützung nicht ver« sagen. (Beifall.)

Abg. Dr. Naumann (Fortschr. Dp.)r

Bei keinem Kommerzzweig sind bte Schwankungen so groß wie beim Weinbau. Wir haben in ben letzten dreißig Jahren ein Minimum von 520 000 hl und ein Maximum von 5 Millionen hl pro Jahr gehabt. Aber nicht nur bie Quantitäten, auch bie Qualitäten schwanken. Der Ausgleich zwischen ben guten und schlechten Jahren vollzieht sich in den Kellern des Handels. Der kleine Winzer aber hat nichts davon, daher ist er in Der Redner schildert den Kampf gegen die Schädlinge in den Neckarbezirken, besonders den Sauerwurm. Hoffentlich gelingt der Pfälzerversuch mit der Winterbehandlung. Besser aber als eine durch Strafandrohung erzwungere Tätigkeit ist die Aufklärung.

Durchaus gerechtfertigt ist das Verlangen, den Winzern die Auslagen für Kupfervitriol usw. aus Staatsmitteln zu erstatten. Man sollte auch erwägen, ob man nicht die

Selbsthilfe der Natur

mehr anrufen farm. Die Vögel hat man durch Vernichtung der Wälder vertrieben. Vielleicht errichtet man künstliche Hecken, um diese Bundesgenossen gegen die Insekten wieder anzusiedeln. Vor allem brauchten wir eine Körperschaft, die sich sachverständig mit diesen Fragen beschäftigt. (Beifall.)

Abg. Dr. Dahlem (Zentr.):

Die zahlreichen Zwangsversteigerungen im Winzergebiet be­weisen am besten den herrschenden Notstand. Dcr springende Punkt bei der ganzen Frage ist: Wie gelingt eS, den daniederlisgen- den Winzerpand wieder hochzuvringen? DaS kann nur geschehen durch finanzielle Unterstützung der Winzer. Mit Rat- chläaen sind sie genügend versehen. Allerdings muffen Polizei- Vorschriften erlaffen werden, da man die Bekämpfung der Reb- chädlinge nicht dem freien Willen überlassen kann. /

Freitag 1 Uhr Werterberatung.

Damit schließt bie Aussprache.

Die Vorlage geht an eine Kommission vo« 28 Mitgliedern. v "

Die Interpellation Ober die

Bekämpfung der RcbFchädllnge.

Die Interpellation b t s Zentrum- lautet: Ist der Reichskanzler bereit, unter den Bundesregierungen Erwägungen darüber herbeizufuhren, wie auf Grund einer Verständigung der beteiligten Staaten ein wirksamer Kampf gegen die Rebschädlinge, die fett einigen Jahren so allgemein unb verheerend aurtreten, burchgeführt werden kann?

Die Inte pellation der Rationalliberaken hat folgenden Wortlaut: Ist der Reichskanzler bereit, mit Rück­sicht darauf, daß die Rebschädlinge seit Jahren dem Rebbau großen Schaden zufügen und in Verbindung mit ungünstigen WitterungS- Verhältnissen dieses Jahr in vielen Gegenden die ganze Weinernte vollständig vernichtet haben.

1. in größerem Umfang als bisher Reichs mittel zu deren Bekämpfung (insbesondere für Ersorschong wirksamer Methoden) zur Verfügung zu stellen? 8. Weitere Maßnahmen zu ergreifen, welche diese Bekämpfung dem Winzer erleichtern und verbilligen? 8. Im Einvernehmen mit den beteiligten Bundesstaaten eine

2BC Unb fUrC| wirksame Bekämpfung dex Rebschädlinge

Abg. Dr. Jaeger (Zentr.) begründet die Interpellation seiner Partei, schildert bte Bedräng- n'sse der Winzer unb bie Schäden, die der ganzen Volkswirtschaft dadurch erwachsen. ES ist das gute Recht der Weinbauern, Staats- Hilfe zu verlangen.

Abg. Dr. Blankenhoro (Ntl.)? begründet die nationalliberole Interpellation. Die Schädlinge haben in diesem Jahre einen Notstand herbeigeführt, wie noch nie zuvor. ES ist ein Notjahr nicht nur für Deutschland, sondern für bie ganze Welt. Frankreich z. B. hat nur bie Hälfte deS Er­trages des vorangegangenen Jahres geerntet. Das ist freilich nur ein schwacher Trost. Wir m Baden haben von den 18 Millionen Mark Schaden, der dvrch den Ausfall dieses Jahres verursacht wurde, aflein_ 8 Millionen Mark zu tragen. Es gilt einzugreifen, um für die nächste Zeit den Notstand abguschwächen. Die Regierung hat sich in dankenswerter Weise dazu bereit erklärt, und der Minister deS Innern sich selbst von dem Notstand überzeugt. Zunächst muß et« Steuernachlaß durchgeführt werden. Daneben muß aber eine energische Bekämpfung der Rebschäden eingeleitet werden, damit bie Winzer neuen Mut fassen. Der Staat unb bie ©emeinben muffen Kupfervitriol unb anbere bewährte Mittel liefern und ben Winzern bie Kosten stunden. Die ReichSelsenbahnen müffen Transport­ermäßigungen bewilligen. Da- Reich könnte auf bie Zölle verzichten, bie auf Mittel gelegt sind, die au- dem Ausland bezogen werden. Außerdem könnte eS direkt durch höhere Subventionierung de- Deutschen Wein- b a u v e r e i n S Unterstützung gewähren. Vielleicht könnte e i n

»1 7? -p c c 1 8 hi Zugabe wirksamer Bekamp fungS mittel ausgeschrieben werden.

Polizeiliche Vorschriften, die von mehreren Seiten angeregt werden, wünschen bie äsinger nicht. Nur Richtlinien unb ein gemeinsames Vor­gehen bet beteiligten Gemeinden hält man in ihren Kreisen für angebracht. Vielleicht werden auch Prämien für Vernich, tung von Rebschädlingen angezeigt. Großer Wert ist auf den Vogelschutz zu legen, da viele Vögel die besten Ver- tilget der Rebschädlinge sind. Dor der Einführung der amerika- "'schert Rebe möchte ich warnen, da sie doch»nut schlechten Wein gibt. Alle beteiligten Faktoren müffen den Winzer unterstützen, damit er mit größeren Hoffnungen in bie Zukunft blicken kann. (Lebhafter Beifall im ganzen Hause.)

Staatssekretär Dr. Delbrück: '

Di e Not der Winzer und ihre Klagen find den der. bündeten Regierungen nicht entgangen und bilden für sie den Gegenstand ernster Sorge. Die Leiden, die Jahr für Jahr den Winzern die Frucht ihrer Arbeit zerstören, drängen danach, den Winzern in ihrem Kampf um ihre Existenz zu Hilfe zu kommen. Die Pflicht hierzu liegt aber nach der Verteilung der Kompetenzen zwischen Reich und Bundesstaaten in erster Linie bei den letzteren, und wir haben feststellen formen, daß bie in Betracht kommenden Bundesstaaten sich dieser Pflicht nicht entzogen haben. Die Be- tätigung des Reiches, die nur eine ergänzende und vermittelnde fein kann, muß sich beschränken auf bie Unterstutzuna wissenschaftlicher Bestrebungen, zollpolitische Maßnahmen und evtl. Verein- bar un gen über eine gemeinschaftliche Bekämpfung. Die beiden Vorredner haben darauf hingewiesen, daß neben den Pilzkrankheiten der Sauer wurm der größte Feind der Weinberge ist und daß gerade die Verwüstungen, die er im Jahre 1910 anaerichtet hat. die Hauptveranlaffung zur vorliegenden Interpellation gewesen ist. Nun hat man schon in diesem Kampfe gegen den Sauerwurm eine Reihe chemischer Mittel angewandt, bte auch wirksam gewesen sind, sofern sie rechtzeitig und mit der nötigen Sorgfalt angewandt wurden, vor allem eine Kupfer- k a l k l 5 s u n g. Schon Ende der neunziger Iahte hat die preußische Regierung Veranlaffung genommen,

einen Preis von 2500 Mark

mb. Deutscher Reichstag.

9L Sitzung, $on nerltaa, L Dezember,

Am Dische de- »unbeStaiei: Dr. Delbrück, Dumm, Dr. v. Joncquiäres.

P^sident Graf Schweria-Löwitz eröffnet bte Sitzung um 1 Uhr 15 Mut. * °

Erits üehmg des KurpfuFdiergeletjes.

(Zweiter tag.)

Abg. Dr. Mayer-Kaufbeuren (Zenkr.)'?

Mißstände bestehen, aber bie Vorschläge in der Vorlage schießen weit über das Ziel hinaus. Das Willen macht es nicht allem, eS gibt auch Personen, die ein gewiffeS Talent zum Heilen bestden. .senken Sie an bie Prießuitzfche Wallerheilmethode. Und wieviel Leidenden hat nicht der Pfarrer Kneipp ge- bolfenl Diesen ärztlichen nicht approbierten Talenten darf ibce segensreiche Tätigkeit nicht geschmälert werden.

. Eine Beschränkung der Heiltätigkeit der Nichtapprobierten wäre auch eine arge Beeinträchtigung der charitativcm Werke Welche mummen hat nicht allein Pfarrer Kneipp für Wohltätig- feit auigtioenbet! Wir haben ja jetzt schon sehr viele Einidicän. hingen beS Heilgewerbes. Das Heilen im Umherziehen ist ver­boten, Irrenanstalten bedürfen der Konzession, auch die Tier- Heilung ist eingeschränkt. So oberflächlich wie Abg. Zietsch darf man bie Frage der Verhütung der Empfängnis nicht beurteilen H,er sind die Bestrebunger' der Vorlage nicht von der Hand zu weisen, viel kann man hier von einer Stärkung beS religiösen Verantwortungsgefühl- erwarten.

Abg. Stücklev (Soz.)?

Wünschenswert wäre eine Statistik, wieviel Aerzke in den letzten 10 Jahre» wegen sogenannter Kunstfehler angeklaat worden find.

«erzte, bie vielleicht Leute schwer geschädigt haben, werden mir wegen Runf:feiern verfolgt; wenn Kurpfuscher anneflagt pnb, werden ihre Konkurrenten, die Aerzte, als Sachverständige vernomliien. Diel schlimmer als die von der Vorlage erfaße Kurpfuscherei ist der zunehmende Mystizismus, die Gesundbeterei und hypnotische Scbwmdelei. Man mutz dem Menschen das Recht laßen, sich dort unb so heilen zu laffen. wie er will. Die eigent­lichen grotzen Kurpfuscher würden durch die Vorlage nicht ge- troffen, sie würden sick einfach einen Arzt engagieren. (Sehr richtig! links.) Es werden ja heute schon sehr erhebliche Strafen über angeklagte Naturheilkundige verhängt. Die Aerzte sollen offen sagen, daß sie sich nur eine sehr empfindliche Konkurrenz vom Hälfe schaffen. Die Vorlage sagt, daß das deutsche Volk noch nicht gebildet genug ist, um h,er richtig zu unterscheiden. Wir unterstützen voll bie gesetzliche Bekämpfung der Gcheimmittel, sind aber gegen eine Machtvergröherung des Bundesrats. Ein Redakteur kann sich nicht alle Krankheiten zulegen, um alle im Inseratenteil empfohlenen Mittel zu erproben. (Heiterkeit.

. Der Entwurf ist nur eine mißglückte Gelegenheitsarbeit. Die ' Kurierfreiheit soll auf keine» Fall angetastet werbe». lDeifall b. d. Sozialdemokraten.)

Abg. Dr. Struve (TZp.)r ..

Da» Gesetz darf nicht mit Parteileidenschaft gegen bie «erzte, sondern muß mit dem hier sehr nötigen Ernst beurteilt werben. Mit ben hier schon auf das richtige Maß zurückgeführ- len Aeußerungen deS Abg. Zietsch gegen die Aerzte werden wir uns wohl in der Kommission, wo sie ergänzt werden dürften, auseinandersetzcn. Prof. Pierre Somlo ist in ärztlichen Fragen kerne Autorität und die Aerzte lehnen seine Einmischung Bei die­sem Gesetz ab. Bedauerlich ist eS, wenn

praktische Aerzte Teilnehmer an Schwindelsirrne» werden. Solche Aerzte betrachte ich nicht mehr als meine StandeSgenoffen. Die Aerzte können den Kampf gegen das Kur- pfuschrrtum nicht allein fuhren, der geführt werden mutz im Interesse der Zukunft deS beugen Volkes. (Beifall.) Die Herren vom Zentrum, die sonst überall den arohen Befähigungs­nachweis einführen wollen, wollen auf bem Gebiet her Heilkunde merkwürdigerweise vom Befähigungsnachweis nichts wissen. Herr Faßbender hat gestern die aufklärende und segensreiche Wirkung populärmedizinischer Flugschriften recht lebhaft empfohlen. Es ist doch aber etwa- seltsam, wenn Dr. Faßbender in seiner Broschüre . dich gesund!- die Nudeln und Maccaroni einer bestimmten Firma empfiehlt. Von sehr zweifelhafter Art sind auch sehr oft die sogenannten sexuellen Aufklärungsschriften für pinge Leute.

Abg. Dr. Streskmanv (Natl.)r

Die Zahlen der Vorlage sind nicht e.'iwandsfref. Schon hn Fahre 1879 enthielt das «Berliner .Jntelligenzblatt" 119 In­serate von nicht approbierten Personen. Diese Zahl hat sich derhältnismäßig nur wenig erhöht Ganz falsch ist es, das Königreich Sachsen als Herd des Kurpfuschertums hin- zuftellen. Berlin mit zwei Millionen Einwohnern hat viel mehr Kurpfuscher als Sachsen mit seinen 4% Millionen. Ein Miß- trauen aegen bie ärztliche Wissenschaft besteht nicht. Man darf ober nicht Kreise stören, bie eine gute Aufklärungsarbeit leisten Wie kann man bie Dentisten gewissermaßen als moralisch minberwertig hinstellen. DaS ist geradezu ehrenrührig! Man sollte die Dentisten überhaupt ganz euS dem Gesetz herauSlassen. Die Dlankettvollmachten deS BundeSratS gehen zu weit. ES darf nicht Brauch werden, daß wir immer nur ben Rahmen spanne» und dem BundeSrot bie Ausführung überlassen. Es ch ein

Eingriff in bte persönliche Freiheit, wenn man sich nicht von ber Person behanbeln lassen barf, zu ber man Vertrauen hat. 8 6 ist in der vorliegenden Form un- annehmbar, weil keine Beschwerdeln^tanz gegen den Entscheid der Sachverständigenkommission vorhanden ist. Mit dem Verbot der Tierbehandlung schädigen Sie die Landwirtschaft. Dort hat sich vom Vater auf den Sohn oft mehr Heilkunde vererbt als theoretische Wissenschaft geben kann. Die Sraturheilkundigen leisten eine ernste Aufklärungsarbeit. Sie tragen durchaus gesunde Ideen in bie Bevölkerung. Die rigorosen Formen müssen aus dem Gesetz heraus. Ein geistig minderwertiges Kurpfuschertum wollen wir bekämpfen, schützen müssen wir aber die ehrlich ! streitende» NaturheiltunötLeL. l Bei fall). ;

s wirksamen Bekämpfung beß Sauerwurm? beschäftigt. Ich ber-

Auf die gegen mich gerichteten Angriffe werde ich in dcr auf die Arbeiten des preußisch, Kommission antworten., - - heim unb beß bayrischen in N e u st a