pehdar, bcnt russophile Gesinnung vorgewiwfen wird, sind iim Zunehmen begriffen.
Im Anschluß an die Tarifkonferenz im Weißen Hause zwischen den amerikanischen und den kanadischen Ministern, bei welcher Präsident Taft anwesend war, wurde folgende Erklärung von dem Staatssekretär Knox abgegeben: Die Verhandlungen schließen. Sic haben eine Form angenommen, welche die sichere Aussicht gewährt, daß man unverzüglich zu einer freundschaftlichen Verständigung kommen wird. Man erwartet, daß die offizielle Verlautbarung am 30. d. Mts. zu gleicher Zeit in Washington und Ottawa erfolgen wird.
Aus Washington wird gemeldet: Der Präsident erließ eine Proklamation durch die den Erzeugnissen-aller deutschen Kolonien und der Schutzgebiete der amerikanische Minimaltarif eingeräumt wird.
2lus Stadt rrird Land.
Gießen, 29. März 1910.
** Tageskalender für Dienstag, 29. März. Stadt- t.h e a l e r: „V a s a n t a s e n a". Aniang 8 Uhr.
. Militär ko nzert auf der Liebigshöhe. Anfang 4'/, Uhr.
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** Pfarrdienst Personalien. Ernannt wurden: Pfarrverwalter O l f f zu Oppenheim zum Pfarrverwalter in Badenheim; Pfarraintskandidat Lehrt zu Darmstadt zum Pfarrassistenten in Neu-Isenburg; Pfarramtskandidat Doll zu Wieseckzum Pfarrvikar in Babenhausen (erste Pfarrstelle); Pfarrassistent Hoffmann zu Pfungstadt zum Pfarrver- iralter in Hahn (Diakonat Pfungstadt); Pfarrvikar Schott zu Neunkirchen zum .Pfarrverwalter daselbst; Pfarrvikar Pabst zu Zotzenheim zum Pfarrverwalter daselbst; Pfarrverwalter Trau t m a n n zu Deckenbach zum Pfarrverwalter in Appenheim. Gestorben ist der cvang. Pfarrer Theodor Schell mann zu Appenheim am 3. Mürz. Zur Wiederbesetzung werden ausgeschrieben: die evang. Pfarrstelle zu Rimbach.; deni Fürsten zu Erbach-Schönberg steht das Präsentationsrecht zu; die zweite evang. Pfarrstelle zu Li ch; dem Fürsten zu Solms-Hohensolms-Lich steht das Präsentationsrecht zu; die evang. Pfarrftelle zu Rod heim; den Freiherren Löw von und zu Steinfurth, Steinfurther Linie, steht das Präsentationsrccht zu; die evang. Pfarrstelle zu Eschollbrücken- die evang. Pfarrftelle zu L e e h e i m; die evang. Pfarrftelle zu Nau h e im; die evang. Pfarrftelle zu Raunheim; die neuerrichtete sechste evang. Pfarrftelle an der uinerten Gemeinde Offenbach; die evang. Pfarr- stelle zu Hahn (Diakonat Pfungstadt).
** Lehramts Personalien. Der Groß Herzog hat den von dem Fürsten zu Isenburg und Büdingen in Birslein präsentierten Oberlehrer an der Oberrealschule zu Alsfeld Hans Will als Oberlehrer an der Oberrealschule zu Offenbach bestätigt und den Oberlehrer an der höheren Bürgerschule zu Dieburg Gg. Bock zum Oberlehrer an der Realschule und dem Progymnasium zu Bingen ernannt.
** Lehrerpersonalien. In den Ruhestand versetzt wurden Lehrer Karl Hofmann an der Gemeindeschule zu Alsfeld, Johs. Löffler an der Gemeindeschule zu Gleimenhain und Karl Weber an der Gemeindeschule zu Blofeld auf ihr Nachsuchen und unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste. Lehrer Löffler erhielt die Krone zum Silbernen Kreuz und Lehrer Weber das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. — Erledigt sind: eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Schule zu Gustavsburg (Gemeinde Ginsheim), Kreis Groß-Gerau. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Obbornhofen.
** Das herrliche O st er weiter hatte an beiden Ostertagen die Einwohnerschaft von Gießen und den umliegenden Orten auf die Beine gebracht. In den Waldungen der Umgebung stieß man auf Scharen Wanderlustiger, und in den Hauptausflugsorten Schiffenberg, Hochwart, Annerod, Gleiberg, Dunsberg, Jagdschlößchen, Windhof, Rindsmühle u.'s. w. waren alle Räume überfüllt. In den Waldungen sprießt allenthalben junges Grün aus Büschen und Sträuchern.
” Kirchensteuer. Die Kirchensteuer für die svangel. Landeskirche in Hessen ist für das Rechnungsjahr 1910 auf 12 Proz. und für die katholische Kirche auf 5x/2 Proz. fest- gesetzl worden. Im vorigen Jahre betrug der Zuschlag zur Staatsfteuer 121/,, bezw. 6 Proz., doch erhöht sich die zu zahlende Kirchensteuer sehr wesentlich dadurch, daß der Zuschlag nicht, wie bei der Gemeindesteuer, von dem bisher geltend gewesenen Normalsatz der Staatssteuern, sondern von dem neuen (um 15 Proz. erhöhten) Staatssteuersatz erhoben wird.
Der Gage!.
Heber dem braunen Moor flattert schon der Kiebitz, und auch ui der Pflanzenwelt Dort regt es sich bereits. Bedeutend früher als sonst bat,in diesem Jahre ein Staudengemächs ober Sträuchlein zu blühen angefangeu, das Gagel ober Torsmyrte heißt, baneben noch andere Namen hat und hier in Mecklenburg auf Den Moor- wiesen am Seestrand häufig vorkommt. Es wirb zwei bis bret Fuß hoch unb hat Blüten in Kätzchenform wie die Weiben und andere Laub hol garten. Xie-e BluwU entwickeln jtdj an Den dunkelbraunen Zweiglein vor den Blättern. Die oberseits bunMgrüiicn Blätter ober Blättchen vielmehr erinnern etwas an bie bet Myrte. Es ist ein niebliclMs Gewächs, bas sich besonders bemerkbar macht durch Italien gewürzigen Xujt, Der allen feinen Zeiten eigen ist.
Mirica Gale ist bie von Sinne herrsthrende wissenschaftliche' Benennung dieses Morrgewicch. s. Linne aber ist bei der Pflanzcii- taufe nicht selten ähnlich verfahren wie ein Vater bei der Taufe seiner Kinder: er i,ai seinen lieben Pflanzen ohne Rücksicht auf anderes Namen gegeben, bie ihm besonders gefielen. Den Namen Myrica hat er aus dem Homer, bei dem so die Tamarisken, mit denen vie>e Pslan-e roch sehr wenig Äehnlichkeit hat, genannt find. (Jak aber ist entstanden aus Gagel oder Gagel aus Gute. Gage! heißt die Pflanze in Holland, woher Wohl der Name zu uns gelangt ist, in Frankreich aber heißt sie Gale. Xarau-3 mochte man schließen, daß der Name, der sich jonft nicht erklären läßt, keltischen Ursprungs ist unb baß aus Gale Gagel würbe.
In den Arzneilisten ber Apotheken alter Zeit ftndet man auch verzeichnet: Folia Myrti Brabanticae, Blätter ber Brabanter Myrte. Das führte auch zur Nachforschung in altnieberlänbischen Krauterbüchern, unb da fand ich in dem „Eruybtboek" von Rembert Doboens, von bem ich eine schöne, im Jahre 1608 in Lcyden erschienene Ausgabe besitze, eine als Chamelaeagnus verzeichnete Plfanze, die sonst auch Gagel unb Brabanter Myrte genannt war. Es wirb ba von ihr gesagt, sie komme häufig vor auf unbebautem Lanbe, Heide und Moor in Flandern und Brabant. Dann heißt es, ber Gagel werde häufig von Brauern anstatt bes Hopsens bem Bier zugesetzt, währenb es im Sieben ist, ein Bier mit solchem Zusatz aber steige stark zu Kopfe, mache rasch trunken unb verursache Kopfweh. Also in alter Zeit schon wurde in Brabant, wo bekanntlich einmal Gambrinus, der Erfinder des
Bieres, als König regierte, der edle Gerstensaft verfälscht. Tann sagt Dvdoens oder Dodanäus, wie er als Doktor und Gelehrter sich nannte, daß Gagel, zwischen Kleidungsstücken gelegt, diese vor Motten unb Würmern bewahre. Ein „Mottenkraut", wie unsere Hausfrauen sagen, war er und ist er noch, wie auch ciuc anberc Moorpflanze, ber schöne weiße Blüten tragende Porst.
Als Surrogat des Hopfens wurde Gagel auch in Nieder- deutschland und anderwärts noch verwendet. Sinne bemerkt in seiner Flora Lapponica, daß dieses Gewächs, bas in Lapplanb sehr verbreitet ist, zu solchem Zweck in abgelegenen Gegenden Schwebens bei armen Leuten im Gebrauch fei, unb fügt hinzu: „Unsere Lappländer aber geben weder auf Bier etwas noch auf anderes Gebräu; sie ziehen ihr so klares unb kaltes Wasser vor, das überall umsonst zu haben und so sehr viel gesunder ist."
Der Gagel ist im nördlichen unb nordwestlichen Europa heimisch Und kommt auch in Nordamerika vor, wo er mit englischem Namen „Sweet gale“ heißt. „Sweet" ist in Verbindung mit einem Pflanzennamen soviel wie wohlriechend.
Dies also ist die Pflanze, bie jetzt als erste auf bem Moor, zu blühen anfängt. .Ihr folgt eine Reihe Moorblumen, bereu eine immer reizender ist als die andere. Wer aber sie zu suchen ausgeht, sehe sich wohl vor? Es kann ihm sonst leicht begegnen, baß er auf unsicheren Boben tritt.
Warnemünde. Johannes Trojan.
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— Schumann-Brahms-Fest in Bonn. Der erste Tag des diesjährigen Bonner Musikfestes in Bonn, der 3. Mai, ist Brahms gewidmet. Es werden aujgeführt bie Tragische Ouvertüre, Violin-Konzcrt T-dur, Rhapsodie für Altstimme, Männerchor und Orchester, Variationen über oui Thema von Haydn, Nädie für Chor und Orchester und Sinfonie Dir. 1, E-moll. Am zweiten Tag, 4. Mai, herrscht Schumann mit seiner Sinfonie Nr. 4, T-moll, und seinem „Paradies und ■’.lkri". Die Aäorgenaufführung am 5. Mai, Himmeliahrtstag, vereinigt leide Konrponisten; von Schumann wird die Fantaiie^sür Klavier, ber „Liedertreis" für eine Singstimme unb ein Solo-Quartett (Schön ist das Fest des Lenzes) geboten. Brahms ist mit Klavierstücken, dem Trio für Klavier, Violine und Horn,^Es-dur, den Zigeunerliedern für vier eing> stimmen unb zwei Soloquartetten: Der Abend Fragen, vertreten.
** Fröhlicher Unterricht. Man schreibt uns: Aus dem Gebiete ber Schule vollzieht sich eben eine große Umwälzung. Der Elementarunterricht, die Grundlage der Arbeit aller Schulgattnngen, erfährt eine Neugestaltung. Was schon Pestallozzi und Fröbel verlangt hatten, das soll jetzt zur Tat werden; die Herrschaft des Wortes wird gebrochen und an feine Stelle tritt die Selbsttätigkeit des Kindes, aus der Lernschule soll eine Arbeitsschule werden. Wer die neuen Bestrebungen in Schul- und Lehrerzeitschristen verfolgt, der weiß, wie es sich allerorten regt, um das in der Theorie als richtig. Erkannte in die Praxis umzusetzen. Einige Schulen haben bereits mit bestem Erfolg den Aroettsuntemcht eingeführt, so das Werner-Siemens-Realgym- nastum in Charlottenburg und einzelne Schulklassen in Bremen, Frankfurt unb München, wo Schulrat Dr. Kerschensteiner mit be- lonbercm Nachdruck für die Reform eintritt. Er sah an den Zög- lingcn der Münchener Fortbildungsschulen, daß von all dem mül^ )am in der Schule erworbenen Wissen den jungen Leuten nur ie$r geblieben war und suchte den Grund für diese uner- freundje Tatsache mit Recht in der verkehrten Einrichtung unserer schulen. Wenn das Kind, so folgerte er, sich sein Wissen selbst erarbeitet und nichts bloß gedächtnismäßig ancignet, so besitzt es einen sicheren Schatz für sein ganzes Leben. — Zu den b&-- ninmilen Vertreterinnen der Umgestaltung gehört Frl. Köttner, ixfyrmn in Bremen. Es ist gelungen, die Dame für einen Vortrag in Gießen (siehe Anzeige) zu gewinnen, nachdem sie schon in Hamburg, Hannover, Kiel, Darmstadt Mainz u. a. O. gesprochen unb überall warme Anerkennung gefunden hat. Frl. Böttner hat mit Zustimmung ihrer Behörden ihre Schulklasse im Sinne der Resvrmideen nmgestaltet. Sie wird ihre Unterrichtsweise eingehend darlegen uiid auch bie von ihren Kinbern ausgeführten Arbeiten vorzeigen. Wer bie Kinbesnatur kennt, wirb leicht ein- sehen, baß ein Unterricht, der die Selbsttätigkeit in den Mittelpunkt stellt, in ganz anderer Weise das kindliche Interesse fesselt, als der seitherige Schulbetrieb es vermag. Frl. Böttner redet rnshalb mit vollem Recht vom fröhlichen Unterricht, den die schule in eiltet hoffentlich nickst mehr allzu fernen Zukunft teilen wird. Wer sich selbst ein Urteil über die geplante Neuerung bildeii will, der versäume nicht, den Vortrag zu besuchen Besonderes Interesse wird er auch für Mütter haben, denen bas Wohl ihrer Kinber am Herzen liegt. Daß auch unsere hessische Schule für reformbedürftig gehalten wird, beweist die Entstehung des Bundes hessischer Schulreformer. Er forbert u. a. bie Mitarbeit ber Eltern an ber Gestaltung unserer Schulen. Hier wäre einsichtsvrlleii Vätern und Müttern .Gelegenheit geboten, ihren Einfluß eltenb zu machen.
** Der Bund hessischer Schulrefornter in Frankfurt a. M. veranstaltete am 24. März eine sehr gut besuchte öffentliche Versammlung, in der Lehrer L> ch a r r e l m a n n , der führende Kopf unter den Bremer Reformpädagogen, einen künstlerisch feinen Vortrag über die Wege und Ziele ber modernen Pädagogik hielt. Es entspann lich eine stellenweise sehr heftige Besprechung, bei der aber selbst die Gegner Scharrelmanns, so der Führer des Frankfurter Lehrervereins Stadtv. Rieß zugestanden, daß bie Wirkung des Vortrages „weihevoll" gewesen sei. Es wurde sogar Enttäuschung darüber lauf, daß der Redner so wenig als Kämpfer und fo sehr nur als der väterliche Kindersreund erschien. An anschaulichen Lehrproben stlchtc Scharrelmann zu beweisen, wie ivenig bie heute vorherrschende Frage- und Antworlmethode des Unterrichts in Wahrheit geeignet sei, zuni selbständigen Urteilen zu erziehen. In ganz anderer Weise zieht die moderne Pädagogik des Kindes eigene Kräfte und Interessen zur produktiven Mitarbeit heran. In feinen Büchern^ „Weg zur Kraft" und „Aus meiner Werkstatt", macht Scharrelmann feine Ideen und Erfahrungen auch weiteren Kreisen zugänglich.
** Stadttheater. Es sei nochmals auf die morgige letzte Aufführung von Hermann Bahrs geistvöllem neuem Lustspiel „Das Konzert" hingewiefen» — Füv Sonntag, 3. April, den letzten Spieltag der Saison, ist als Nachmittags- Vorstellung nochmals eine Aufführung des „fidelen Bauern" augesetzt worden, da sich schon bei den Vorbestellungen zur gestrigen Aufführung der Operette heraus- gestellt hatte, daß der großen Nachfrage nach Plätzen nicht in vollem Umfange entsprochen werden konnte. — Zur Sonntag-Abendvorstellung von „Vasantasena" haben Gutscheine Gültigkeit.
** Koloss eum. Bei ausver laustem Hause fanden gestern, am 11. Tage, die Ringkämpfe statt. Sie wurden in schöner Jvrm durchgeiämpst, tretzdem sich ber Franzose wieder von der richtigen Seite zeigte. Wettmeister Weber warf den Bayerischen Herkules in 4V? Minuten. Pierre le B suche r gegen M a'c- b o n a u 1 b mußte nach heißem Kampfe (30 Minuten) unend schieden abgebrochen werden. Der Luxemburger Oster konnte dem Unbekannten nut 16 Minuten standhalten. Mit großem Interesse erwartet man die Entscheidung des Unbefannten gegen Pierre le Boucher.
** Die Prämien für Fischotter und Fischreiher kommen in Wegfall. Nach einer Bekanntmachung des Minisle-- riums ber Finanzen, Abteilung für Forst- und Karneral- verwaltung, werben vom 1. April an für im hessischen Staats
gebiet erlegte Fischottern und Fischreiher Prämien ans der Staatskasse nicht mehr bezahlt werben.
'* Der stenogr. Vortrag de? Lehrersf Müller- Offenbach findet schon morgen (nicht Donnerstag) tm Cafe Ebel statt. (S. Ins.)
Besi tzwech sel. Der von Metzgeruieister Schreiner an die Stadt verkaufte Garten ist nur 1000 (nicht 10 000) Quadratmeter groß.
(!) Großen-Liuden, 28. März. Ein Einbruch ist am Freitag auf der Sandgrube von Gg. Reichardt verübt worden, angeblich sollen Schulkinder bou hier und Klein-Linden die Täter sein. Am Samstag weilten Gendarmen hier mit einem Polizeihund, welcher bald die Spur ber Kinder bis in beide Orte auf nahm. In einer Arbeiterbude war ein Gefach eingcschlageu und Speisen und Getränke entwendet wordeii. — Zu dem Gösangswett- streit des Gesangvereins „Germania", der am Pfingstmontag stattfindet, haben sich 14 Gesangvereine aus Oberhessen unb der Gegend von Frankfurt und Hanau gemeldet.
— Reiskirchen, 29. März. Der Turnverein veranstaltete gestern abend einen Ball, verbunden mit turnerischen Aufführungen unb Theaterstücken. Es wurden mehrere hübsche Pyramiden gestellt — hierunter auch eine Damenpycamide — unb auch die Reck- unb Barrenübungen wurden sehr gut ausgeführt. Zum Schluß führten zwölf Damen unter Leitung des 1. Turnwarts Heinrich Peter einen Fahnenreigen auf. Es war dieses wohl der schönste Teil des Abends.
— Lollar, 28. März. In der evang. Pfarrei Kirchberg, zu der auch unsere Gemeinde gehört, ivurde vom 1. Januar d. I. an eine Pfarrafsi st enten stelle mit dem Wohnsitz in Lollar gegründet.
O Reiskirchen, 28. März. Tie Arbeiten an unserem neuen 'schulhaus haben nun ihren Anfang genommen. Bis zum Herbst ist ihre Fertigstellung zu erwarten unb bis spätestens un nächitxn Frühjahr wird Pas neue Tckmlhaus bezogen werden können.
-ch. Birklar, 28. März. Gelegentlich des hier ausgangs Juni stattfindenden Bezirks krieg er festes des Bezirks Lich-Hungen findet auch die Enthüllung eines Veteranendenkmals in Gestalt eines Gedenksteines statt. Es fei an dieser Stelle erwähnt, dost auch zwei Mitglieder unserer Gemeinde an dem Ehinafeldzug teilgenommen haben.
R. lAltenhain, 28. März. Der Weißbinder Schar f von hier war damit beschäftigt, ein Break anzustreicheu. In einem unbewachten Augenblick machte sich sein vierjähriges Känd an dem Wagen zu schaffen; unglücklicherweise fiel das Break um und auf das Kind. Die Verletzungen, die das Kind dadurch erlitt, w-aren derart, daß, der Tod alsbald eintrat.
= Müschen hei nw 28. März. Sehr frühzeitig hat in diesem Frühjahr unser Storch seinen Einzug gehalten. Er ist schon einige Tage anwesend und mit Lern AuLbesscru seines Nestes beschäftigt.
)( B u tz b a ch , 28. März. Unser Turnverein, einer der ältesten Vereine des Gaues Hessen, feierte heute fein 65jähriges Stiftungsfest und das 1 Oj i Orig c Bestehen der Frauenabteilung. Im „Hessischen Hof" fanden Schauturnen, Theater, Chorgesänge, lebende Bilder und Tanz statt.
— Griedel, 27. März. Heute unternahm ein Einwohner von hier mit seinen beiden Kindern zu Wagen einen Ausflug nach Pohlgöns. Der Vater ließ den Wagen mit beiden Kindern kurze Zeit ohne Aufsicht, in diesem Augenblick raste ein Automobil vorbei, wodurch das Pferd scheute und der Wagen wurde umgeworfen. Während das größere Kind sich durch Abspringen retten konnte, wurde das Kleinere am Kopfe schwer verletzt, sodaß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte.
X Bad-Nauheim, 29. Mürz. Im Interesse des Babes und mit Rücksicht auf die Kurgäste ist hier währenb der Sontraer - monate jede öffentliche Tanzmusik polizeilich imtcTiagt. Dafür konnte sich die Jugend vor Beginn ber bis zum Saesonschlußfest, bei Kirmeß dauernden „tawzloscn" Jahreshälfte heute nochmals üibeiit'iid; austvban, denn in nicht weniger als in fünf Lokalen war Tantzvergnügen und Ball. — Tas herrlich^ Wetter an den Feiertagen brachte den erflcn größeren Fremden st rvm in unsere Stadt unb. in die herrliche Umgebung', die sich jetzt schon in recht schönem Jrühlingsileide zeigen. Die größeren Bauarbeiten, die bas Straßenbild keineswegs verschönern, sind durch bas günstige Wiitterwetter soweit vorgoschritten. wie in keinem der vorhergehenden Frühjahre. Ueberall ist schon gerüstet, gereinigt und ausgebessert worden, viele Häuser und Straßen baden schau an- gefangen, ihren natürlichen uub künstlichen Schmuck anzulegeu, so daß Hessens Lehrern, die sich hier am Mittwoch versammeln, bei gutem Wetter trotz der frühen Jahreszeit doch schon ein würdiger Empfang bereitet wirb. 'eine in unserer Gcgeub mir noch selten anzutreffenbe Einrichtung, ein Gottesbienft
Dirigenten sind Geneialmusikbiieltor Stei aoaci, ans Köln mib Prof. Gräte r s - Bonn.
— Otto R-oquette unb Ro stand. Aus Paris kommt bie bereits mitgcteilte Kunde, baß mau Rostands Hühuei-Komödi., bie mit einem riesigen Reklame-Apparat vor sich gegangen wat, schon wieder vom Spielplan verschwinden lassen will. Man hat die widersPieckiLndsten Urteile über dieses Merk gehört. Die einen nannten es geistreich, die anderen bloß‘innig; aber alle l'llisichl. a waren sich darüber einig, daß es — nangfwcilig ist. Rostand ist Franzose und das genügt natürlich für uns Teittsck/e, um nur mir 1 egeifteitem Augenaufschlag von der Komödie zu reden unb sie göttlich originell zu ftuden. Man wird sie uns im Lause der nächsten Zett vermutlich mit schlechten französischen Provinztrnppen Vorspielen oder sie verdeutschen, unb man Wird sie gebührend Letounbern. Daß lange Jähre vor Ziostarids der geraütlid;e Dichlor des Liedes ,?Noch sind bie Tage der Rosen", ber Darin städtcr Literaturprofessor Otto Roquettc eine deutsche Tiertomödie „Reinecke Fuchs" geschrieben hat, tut Rostands Originalität m dentschjeu Augen natürlich feinen Abbruch. Allerdings verstand ber poesie-innige Schilderer von „Waldmeisters Brautfahrt" nicket bas Reklamehandwerk, wie fein wanzösischer Nachbilbner. Und er war ja auch nur gilt Deutfcher und dazu noch ein^Dichter.
— Der Tod einer der bekanntesten russischen Schauspielerinnen, Vera Ko m m i s s a r j c w S k a j a , wirb aus Petersburg berichtet. Als Tochter eines der besten Sänger der russischen Oper war die Künstlerin im Jahre 1869 geboren. Eine hervorragende Schauspielerin, aber sehr wenig praktisch veranlagt, hatte sie in PeterSümg herbe sinanziellc Eni- täuid;ungen erlitten und stand zudem ihr Lebenlang in crbirterieno Gegensatz zu ber berühmten Sawina, der unboftrittenen Königin des AlexandratHeaters. Aber wie die Sawina Halle sie ihre leiben - sämtliche Bewunderer und Parteigänger, unb ihr plötzlicher Doa erwedt allenthalben die tiefste Trauer. Aus einer Kunstreise in Turkestan war sie so unvorsichtig, in den Kauflaben eines Tartaren einzutreten, um orientalische Teppiche zu raufen. Am folgenden Tage crlronktc sie ebenso wie drei ihrer. Begleiter an den schwarzen Pocken, deren Ansleckungskeim sie sich in dem Laben geholt hatte, ytad) Wenigen Tagen erlag iie der Krankheit.


