Erster Naü
M. Jahrgang
Keüag, 25. vezemver W
Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.
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Lhefredakteur: A Goetz, verantwortlich für den politischen Teil: August Voetz; für .Feuilleton*, .BennifchteS* und
monatlich 7L Ps^ viertel- jährlich Dtk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel-
demzufolge auch ttnebcr 384 000 Mark bcnrilligt, und ebenso nrnr es im Jahre 1908, wo am 12. Mai die Verfassungs- resorm angekündigt wurde. Im Hinblick auf diese Bereitwilligkeit der Regierung erhob die Landschaft auch keinen Widerspruch, als im Jahre 1909 die Forderung der Regierung auf 700 000 Mark flieg. Jetzt aber ist, da die Bersassungsreform auch nid)t einen Schritt vorwärts- gekommen ist, ihre Geduld erschöpft. Sie lehnt die jetzt ge- sorderten 1800 000 Mark oo, um so die zaudernde Re- gieruna dazu zu bringen, mit der Verfassungsreform, auch gegen den Willen der Ritterschaft, endlich Ernst zu machen.
Ob man sich in Schwerin dazu entschließt, will uns äußerst fraglich erscheinen. Denn wenn auch der Hinweis
Helme vom Kopfe gefallen. Nur die weißen baumwollenen Zipfelmützen aus den Quartieren, die sie unter den Helmen der Kälte wegen getragen hatten, waren sitzen geblieben.
Die Leichen waren erst gefroren, mm tauten sie auf. entsetzlicher Anblick. Auch das Dorf Oringy passierten wir. Hier war am 10. Dezember früh ein Halbbataillon unseres 32. Regiments von einer liebermacht angegriffen. Sie hatten sich tapfer gewehrt. Das bewiesen die zahlreichen feinblidjen Toten Offiziers und Soldaten, die auf kurze Entfernung bis in das Dors hinein» niedergesckwssen waren. Aber 150 deutsche Soldaten mit ihrem, Bataillonskommandeur waren gefangen. Zum ersten Male sah id) hier zerschlagene Zündnadelgewchre.
Unser Marsch endete schließlich bei Freteyal am Loir. Wir lösten lster unsere 17. Division auf Vorposten ab. Zu unseren Füßen un Grund- floß der Loir. Auf dem jenseitigen Ufer hielt noch die Nachhut der Franzosen. Eine lange Wagenreihe mit anscheinend ganz neuen Plantüchern, hielt auf der Straße. Die feindliche Infanterie machte sich das Vergnügen, unsere Vorposten: zu beschießen. Eine feindliche Batterie beschoß aus kurze Entfernung unsere Ablösungsmannschaften, ohne ihnen zu schaden. Die einschlagenden Granaten versanken im Schlamm und die Splitter blieben wohl meist stecken. Ware unsere Artillerie aufgefahren, so hätte sie die Batterie und die Wagenkolonne vernichtete Es schien ein gemessener Befehl zu bestehen, sich auf nichts einzulassen. Von Bendome herauf donnerten die Kanonen des 10. Korps. Den Franzosen war die Lust vergangen, mit ihrer zerrütteten Armee den leicht zu verteidigenden Loir-Abschnitt in halten.
Krieg an der Loire ging in diesen Tagen für das Jahr 1870 zu Ende. Die Franzosen hatten vorläufig genug. Sie waren nickst mehr gefechtsfähig und bedurften der Ruche wrd der Nrn- ordnung ihrer Truppenverbände.
Auch bei uns hatten sich Schäden tzerausgestellt. Schon tm* 10. Dezember mußten mitten auS der Schlacht die Meßzahl unserer leidsten Batterien zurückgezogen werden, sie waren durch' allzustarke Benutzung vollständig unbrauchbar geworden und mußten zu Hause ersetzt werden.
Das Bild aus dem Loirefeldzug wäre nickst vollständig, wenn rch die Stiefelkrankhert in unserer Division nicht erwähnte. Schon anfangs November gab es Soldaten in der Division, die teure Stiefel mehr an den Füßen hatten und deshalb auf den Bagage- wagen mttgeführt wurden als Stiefelkranke. Die Anordnung bah leder Soldat berechtigt wurde, feine defekten Stiefeln mit ledan Franzosen der ilnn begegnete, auszutauschen, fruchtete nichts auch nichts, i»aß wir an den kleinen Stationen in der P eiche ganze Berge von Schul^zeug für die französische Armee bestimmt «LsUüoz « die Franzojw hatten M ta Füßä Äuun ttoä
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Der tkfifwrr erscheuu täglich, außer Sonntags. — Beilagen: d i e t tu a l wachenttid: SletzenerZomilienblatter. Iiuetrnal wöchenllUreir- 1austrrö<nttrri,-letzen (Dtensing und Freitag); zrvennal monntl. tanb»
bog der Flügel zurück. Die feindlichen Granaten schlugen bereits im Rücken der Fechtenden ein. Tie beiden Heerführer untrehielten sich halblaut, tief ent ft Wir sahen auf sie und sahen gespannt auf die Straße, die von der Loire herausführte.
Aus dieser näherte sich eine Reitergruppe in raschester Gangart. In den nächsten Augenblicken raste der vorderste der Reiter auf unsere Führer zu, parierte sein Pferd und die Hand an der Mütze rief er ihnen zu: Meine Herren, wo bin ich nötig, ich komme mit meiner ganzen Korpsartillerie! Tas war der General v. Voigts-Rheetz vom 10. Korps. Er hatte seine Artillerie vvrgezogen und war mit dieser, seiner Infanterie vorausgegangen. General v. d. Tann wies aus den geworfenen rechteri Flügel, Adjutanten sprengen zurück zu der Artillerie und in der nächsten Minute rasten die Batterien in langer Reihe heran. Auf dem tief gefrorenen Boden polterten die Räder über die hohen Mittelrücken der Aecker, stießen in die Grenzfurchen, scheinbar flogen die Räder durch die Luft. Wir begrüßten die heran- rasende Artillerie mit lautem Hurraruf. Sie sahen uns kaum an, die Augen auf die eigenen Pferde und auf die vorderen Batterien gerichtet. Die Batterien klemmten sich zwischen die feuernden Batterien, verlängerten deren Linie, protzten ab und feuerten. ES dauerte eine gute halbe Stunde, da war der Um» gehungSversuch des Gegners gefdatiert und die Infanteriewaffen beeilten sich aus dem Feuer unserer Batterien zu kommen. Auch die Infanterie des 10. Korps griff allmählich ein und gegen abend war die Angriffslust der Franzosen nieder gebrochen. — Zum erstenmale feit drei Tagen tonnten wir in der kommenden Nacht ruhig schlafen. Wir hatten keinen neuen Angriff zu fürchten.
Am 11. Dezember führte die Nachhut der 2. Loire armer noch kleinere Rückzugsgefechte, um der Armee Zeit zu schaffen, ihren Rückzug über die Loire in der Richtung auf le Mans zu decken. Wir folgten der Armee und sahen nun die schauerlichen Spuren des Rückzuges, einer erschöpften geschlagenen Armee. Es war plötzlich Tauwetter eingetreten. Man watete im Schlamm, nach einigen Tagen waren Felder und Feldwege selbst für Infanterie kaum zu passieren. Die Kunststraßen wurden wellenförmig auf der Obersläckie. Der Grundbau versank im Schlamm. Geschütze, Munitionstolonnen, Bagagewagen des Feindes hatten die Straßen schon halb zugrunde gerichtet, unsere Fahrzeuge vollendeten das Werk. Verwundete, Kranke fanden wir in allen Dörfern. Leichen, durch Erschöpfung zimrunde gegangener feindlicher Soldaten, lagen unbeerdigt im Straßen schlämm.
Wir kamen bei der Verfolgung an meinem Gehöft und der niedergebrannten Windmühle vom 8. Dezember vorbei. An der aeschilderten Straße lagen die fieidxn von einem halben Ärtzend
Soldaten« 3m Todes stürz waren ihneq fc« Rauperr-
Erlebnisse aus den Dezembertagen an der Loire vor 40 Zähren.
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Det 10. Dezember brach an. In aller Frühe Begann der Kampf. Wir wurden immer wieder angegriffen. Wir standen auf dem alten Fleck, nur erschien es uns, als ob der Haupd- Angriff unserer Stellung auf dem äußersten rechten Flügel gelte. Unsere gesamte Infanterie steckte allmählich in der Schütznr- linie. Zrrka 300 Mann Infanterie bildeten gegen Mittag die einzige Reserve der Division. General v. Wittich hielt mit feinem Stabe hinter dem Torfe Cravant bei dieser Reserve. Ta tonnten wir von dieser Stelle aus sehen, wie der Kampf in der Schützenlinie immer heftiger wurde, wie sich aber unser rechter Flügel, auf dem jetzt auch Bayern kämpften, immer mehr .zu rückbog. Auch die Artlllerie folgte dieser Bewegung. Adjutanten, preußische und bayerische, kamen, meldeten unserem Timswnär und baten um Unterstützung. General v. Wittich ,beutete auf uns: Das ist alles was ich noch habe und die muß ich behalten. Ter einfachste Mann erkannte, daß es rückwärts ging. Aus dem Torfe Cravant, das seit dem 8. Dezember Don feindlicher Artillerie in Brand geschossen war und das seit dem Tage bei dem zum Glück windstillen Wetter langsam weiter brannte, kamen die Pserdeburschen mit den Pferden der Jn- santerieosfiziere und suchten auf eigene Faust, den Weg rückwärts nach Orleans. Die Leichtverwundeten schloßen sich an, humpelten rücktvärts, sie wollten alle nicht gefangen werden. Nur die fechtenden Truppen zeigten dem Qkguter noch die Stirn Ich war ganz ruhig, komme was tommen mag! Wenn es tfi der nächsten Stunde rückwärts ging, dann wurden wir hart bedrängt und hatten die Bauern und die Franktireurs, die zweifellos in den Wäldern hinter uns steckten, im Rücken. 'Es war eine Situation zum Verzweifeln.
Drei Batterien hielten in unserer unmittelbaren Nähe. Sie nehmen eine artbere Stellung ein und nknbeten sich im engen .Kreise. Ta kam eine Frau aus dem nächsten Gehöft, offenbar hatte fie tagelang im Keller gesteckt, die Mittagssonne blendete sie, die Haare flogen ihr wirr um den Kopf. Sie sah die Geschütze unmittelbar vor sich, und wie eine Irrsinnige schrie sie: la canonabe ya henir! Man mag mich ungläubig aus- ladjcn. In diesem Augenblick sah ich das Schulzimmer und den französischen Lehrer vor mir und ich hörte ihn sagen „Aller ß cheval" reiten usw. Und dann war das Bild verwischt und ich war mit meinen Gedanken wieder auf dem Schlachtfelde von Cravant.
General v. d. Tann kam vom rechten Flügel her, der nun tot rechten Winkel nn rmluex jfccmt lstng. Immer wett«
Line verschärfte Geschäftsordnung für die hessische Kammer?
5b. Darmstadt, 22. Dez. Die tumultartigen Vorgänge der letzten £age in der Zweiten hessischen Kammer haben die Mgg Brauer (Bauernbund) und Genossen veranlaßt, einen auch von dem natlib Abgeordneten Best unterzeichneten Antrag zur landsiandi- schen Geschäftsordnung (Gesetz vom 17. Juni 1874) einzubringen:
„Wir beantragen hohe Kammer wolle beschließen, die Großh Regierung zu ersuchen, dem Act. erwähnten Gesetzes nachstehend^ Fassung zu geben:
1. Der Präsident ist berechtigt, den Redner ans den Gegenstand der Verhandlung zu verweisen. Ist dies während einer Rede zweimal unter Androhung der Folgen geschehen, und spricht der Redner weiterhin nicht zur Sache, so kann die Kammer aus Anfrage des Präsidenten beschließen, daß dem Redner das Wort entzogen wird
Eine Besprechung über diese Anfrage des Präsidenten ist nur mit Zustimmung der Mehrheit der anwesenden Abgeordneten zulässig. ,
2. Der Präsident ist berechtigt, die Mitglieder der Sammer zur Ordnung zu rufen Wird ein Mitglied in derselben Sitzung zweimal zur Ordnung gerufen, so hat der Präsident aus die Folgen des dritten Ordnungsrufes aufmerksam zu machen. Mit dem dritten Ordnungsruf ist das Mitglied durck; den Präsidenten von der Sitzung auszu s ch l i e ßen, nötigenfalls auf dessen Anordnung zu entfernen.
daraus, wie die Regierung das Defizit der „Reuter ei" zu decken gedenkt, geeignet ist, einen starken Druck auf den Landtag auszuüben, weil durch Verkauf von Bauernstellen oder durch eine Anleihe das Domanialvermögen geschmälert oder belastet würde, der Landtag also gezwungen wäre, in Zukunft immer größere Zuschüsse zu betoiMignt, sott nicht das Domanialvermögen allmählich aufgezehrt werden und Mecklenburg-Schwerin vor dem Staatsbanierott stehen, so gsau- ben wir doch nicht, daß die Rltlerschaft darum ihren Wcder- itanb gegen die Verfassungsresorm aufgeben wi:d, oder daß die Landschaft ü)re Haltung gegenüber bet Forderung von 1800 000 Mk. ändert. Das einzige Mittel, um aus ihren Finanznöten herauszukommen, wäre für die RegierungMeck- lenburg-Schwerins, eben mir die Auslosung des Landtags und die Ausoktropierung ber von ihr beabsichtigten Verfassung mit Hilfe der Reichsaesetzgebung Aber daß man in Schwerin dem Landtag nicht damit droht, sondern ledig tich mit einem Angreisen des Dornanialvermögens, gibt doch sehr zu denken und läßt erwarten, daß in Mecklenburg vorläufig alles beim alten bleibt.
jät>rL au3fd)L Beslella. Zeilenpreis: lokal IbPu, artswätts SO Pienniq.
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_ General-Anzeiger für Gberheffen
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3. Der Präsident trifft die erforderlichen Maßnahmen, um die Ausschließung durchzuführen. Er kann hierzu die Sitzung aus bestimmte Zeit aussetzen, den Sitzungssaal und die Tribunen räumen und den ausgeschlossenen Abgeordneten aus den Räumen entfernen lassen, sowie betten Wiedereintritt verhindern.
4. Gegen den Ordnungsruf ober die Ausschließung durch den Präsidenten kann der betr. Abgeordnete spätestens am folgenden Tage schriftlich Einspruch erheben. Das Haus entscheidet frühestens in der nächsten Sitzung nach Eingang des Einspruchs ohne Besprechung, ob der Ordnungsruf ober die Ausschließung gerecht* fertigt war.
5. Erfolgt während ber Dauer der Ausschließung n? anderen als Geschäftsordnungsfragen eine Abstimmung, bei der die Stimme des oder ber ausgeschlossenen Mitglieder hätten den Ausschlag geben können, so wird die Abstimmung in der nächsten Sitzung wiederholt.
6. Bei andauernder Störung ist ber Präs deut befugt, die Sitzung zu unterbrechen oder zu schließen.
Man darf gespannt fein, welches Schicksal der Antrag haben wird.
Ver Vorturner Lpionageprozetz vor dem Reichsgericht.
-4 Leipzig, 22. Dezember.
Ter Prozeß gegen die beiden englischen Offiziere Trench und Brandon wegen Spionage, der seit gestern die vereinigten zweiten und dritten Strafsenate des Reichsgerichts beschäftigt, wurde heute zunächst unter Zulassung der Öffentlichkeit fortgesetzt. Der Vorsitzende, Senatspräsident Dr. Menge eröffnete die Sitzung um 9 Uhr und erteilte das Wort zunächst dem Ob er-Reichsan walt Dr.Z weigert. Der Oberreichsanwalt Uah-m B^ug aus den Bericht eines Lediger Mattes über die gestrige Verhandlung, ivonach er gesagt^ haben sötte, England Plaue einen Heberfall auf Deutschland. Seine diesbezüglichen Auslassungen seien m'cht richtig rotebergegeben worden. Er habe nur ausgesührt, daß die Erkundigungen, welche die englischen Offiziere evngezogen haben, für bat Fall eines geplanten Uebersalles von hohem Wert sein föitnen.
Darauf beriet der Geridstshof unter Ausschluß der Oesf.nt ich- keit über die Zulassung verschiedener Militär- und Zivilpersonc«' »n der geheimen Sitzung. Nach Wiederherstellung der Oeffeniltcfr- feit verkündete der Vorsitzende den Beschluß, daß den Anträgen aus Zulassung seitens der Militär- und Zivilpersonen sbattgegeben nrorden sei, nur den beiden Vertretern des hiesigen englischen Konsuls wurde der Aufenthalt ün Saale während ber geheimen Sitzung nicht gestattet.
Nach Wieder her stettung ber Oesfenttichkeit, die länger als rrvei Stunden ausgesdüossen war, ergreift der Reichsanwatt R i ch- t e r bas Wort zu seinem Plädoyer. Er ging davon aus, daß dec kProzeß in den weitesten Kreisen Aufsehen erregt habe. Die Be- weisaufnalMe sei In voller Oesfentlichkeit erfolgt, wie überhaupt noch nicht in einem Spionageprozeß. Lediglich bei der Erörterung der DefesttgmlgSanlagen aus Borkum sei ün militärischen Jnterenc die Oeffentliä^eit ausgeschlossen worden. Nicht Spionage furcht, sondern wirkliche Interessen der Landesverteidigung kamen hier in Frage. Diese Interessen der Landesverteidigung sirrd durch die systematische Auskundschaftung der deutschen Küstenbeftstig- imgrn gefährdet worden. Die Angeklagten sind Auslailder, fie werden aber selbst das Zugeständnis machen, daß fie hier als Angelwrige eines geachteten Standes, wenn auch eines fremden Staates behandelt worden falb. Wenn sie hier für ihre Handlungsweise Sülme leisten müssen, so werden sie sich sagen, daß sie unter der Anschuldigung eines Verbrechens stehen, das mit Zucht- haussttafen bis zu 15 Jahren geahndet wird: das Gesetz macht keinen Urtterschied zwisd)en Inländern und Ausländern. Dev Reid)sanwatt bespricht dann die gemeinsame Fahrt der beiden Angettagten an der deutschen Nordseeküste und weist darauf hin, daß Trench selbst zugegeben habe, es sei eine ErkundungsfahNl
Der Mecklenburgische versassungrstreit.
Der Mnklenburg^Schweriner Regierung, die bekcornt- ttch ihre Verfassungsreform wegen des Widerstandes der an ihren Vorrechten festt)altenden Ritterfdyaft nicht durchsetz cm kann, ift über Nacht tn der Landschaft, den Bürger- jnciftent, ein BundeSaenosse entstanden. Und zwar indirekt in dein Sinne, daß die Landschaft am 16. Dezember den von der Regierung geforderten Zuschatß zu den Kosten des Landesregiments in Höhe von 1800 000 Mark ablehnte, mit der Begründung, baß sie so beträchtliche, ständig wieder- kehrende Mehrforderungen nicht ohne Erteilung des Budg-t- rochtS bewilligen förme, daß aber die Erteilung des Budget- rechtS an den bestehenden Ständeländtag deshalb nicht im Interesse Mecklenburgs liege, weil fie nur die dort vorherrschende Mackft der Ritterschaft noch weiter starken würde. Mit diesem Votum hat natürlich die Landschaft den resorma- torisd^en Bestrebungen der Regiertmg Hilfe leisten wollen, so daß die Rittersck^st aus Zorn darüber der Regierung nur 1 200 000 Mark bewilligte, mit der Motivierung, daß in Mecklenburg viel mehr gespart werden müsse.
Trotzdem ift, da die Zustimmung der Landschaft fehlt, die Vorlage gefallen, und die Regierung hat in einer Antwort an den Landtag vom 19. Dezember keinen Zweifel daran gelassen, daß sie gewittt ift, dringend eine Verständigung übet bie Verfassungsreform zu fordern. Würden, so beißt es, die Verhandlungen über die Verfassungsresorm scheitern, |o sieht die Regierung nur den einen Weg offen, bie Kosten des Landesregiments entweder aus dem angesammelten Domanialkavitalfonds, der rund 75 Mittionen Mark beträgt und in länottchen Bauemstellen besteht, oder aus einer Anleihe zu decken. Die Verantwortung für diese Unwinfä-astliche Maßnahme weift die Regierung aber dem Landtage zu, der die zurzeit für notwendig erklärte Ver» fassungsreform hindert.
So fragt man sich, nachdem bie Verfassungsfrage noch durch einen Streit über den Haushalt verschärft ift, unwillkürlich, waS jetzt in Mecklenburg geschehen soll. Dic ;<5d)ritte der beiden mecklenburgischen Regierungen finb schon zweimal an dem Widerstande ber Ritter gescheitert und wird jetzt wahrscheinlich dasselbe Schicksal haben. Aber Mecklen burg-Sck)-werin braucht, wie andere Staaten, auch Geld. Und farie die VersassunAsaktion von der Regierung nicht etwa ,airs politischen Gründen eingeleitet wurde, um Mecklenburg dem Konstituttonalismus zuAufül;ren, sondern aus finanziellen Gründen, um die ewigen Geldnöte Mecklenburgs zu heben und die Steuervorrechte der Ritterschaft zu be- ieitigen, so stelft jetzt Mecklenburg-Sck>werin direkt vor chtverer finanzieller Unordnung, toenn die Ritterschaft in er Verfassungsreform frage nicht nachaibt, oder die Regierung nicht den Landtag auflöst unb Mecklenburg die Verfassung aufoktroyiert.
Der Haushaltsstrett, wie er jetzt zum Aus trag kommen soll, schreibt sich sck>on aus dem Jahre 1904 her, wo die Schweriner Regierung vom Landtag einen Zuschuß hon 530 000 Mark zu den allgemeinen Staatsausgaben verlangte, die Stände sich aber nur dazu verstanden, ihr für bie nächsten drei Jahre 384 000 Mark zu bewilligen, wobei die Landschaft ihre Zustimmung zu ber Weiterbewilligung dieses „Av er sums" ausdrücklich von der Lösung der Verfassungsfrage abhängig machte. Im Jahre 1907 gab die Regierung diesbezügliche Versprechungen ab und erhielt


