Ausgabe 
30.4.1910 Zweites Blatt
 
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TieGießener KamilienblSUer" werden dem .Slngetfler* viermal wöchentlich beigelegt, das ',Krebblatl für den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. Die .^andwtttschaftlichrn Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

(Gesetzes Dcrieblt, dann gut das boeiyeiojc s4riort: Ein großer Aufwand unnütz ist vertan! ,

Damit schließt die Besprechung Der Antrag ^chorlemer wird fast einstimmig angenommen, ebenso der nach dem Untrage geänderte § 6. ,

Gegen den Antrag stimmen n. a. Gras Oppersdorfs, tftifr. v. Landsberg, Prinz Arcnberg, Kirschner.

ß 7, der die Bildung der Abteilungen behandelt, wird ohne Aussprache unverändert angenommen.

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen UniversttätS - Buch- und Sleindruckerei. R. Lange, Gießen.

Oie Walftrechtsvorlage im preußischen Herrenhaus.

8. Sitzung, Freitag den 2 9. April.

Am Ministertisch: v. Bethmann-Hollweg, v. Moltke, Wahn- ^^Präsibent Frhr. v. Manteuffel eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 20 Minuten.

Die Einzelberatung wird beim § 6 fortgesetzt, der inc Drrtte-

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: ea^51. Redaltiom^^112. Tel.-2ldruAnzeigerGießen.

(Beifall)

In der Abstimmung werden sämtliche Abänderungsantrage bis auf den Antrag v. Wedel-Piesdorf abgelehnt, und die jo vcr- änderten §§ 8 und 8a angenommen.

Nun wird der bisher zurückgestellte § g ber die Bildung der Abteilungen behandelt, zur Beratung gestellt. . - ,

Dazu liegt folgender Antrag Becker vor: _

1 Entfallen in einem Stimmbezirk auf die erste Abteilung weniger als fünf, auf die zweite weniger als 15 Wähler, so wird die Abteilung auf diese Wählerzahl durch Zuweisung von Wählern aus der nächstfolgenden Abteilung ergänzt.

2 Die zweite Abteilung darf nicht weniger Wähler zahlen als die erste, die dritte nicht weniger als bile zweite.

Berichterstatter Graf v. Behr-Behrenhoff spricht sich gegen den Antrag aus.

Oberbürgermeicher a. D. Becker empfiehlt den Antrag. Der Antrag will hie Möglichkeit beseitigen, daß in her ersten ftlaifc nur ein oder zwei Wähler sich befinden. Das ist ein stetiger Grund

Tie Kultnrlrägerparagraphen,

Die ß8 8 und 8a enthalten die Bestimmungen über die "^Graf^v.^Behr-B ehren Hof empfiehlt die Beschlüsse des Au-schusses u (5d)önai(i),earo[at^; bedauere auch, daß die alten Invaliden und Veteranen sowie bic höheren Post- u,id Forstbeamten in die Paragraphen nicht ausgenommen worden finch

Generalseldmarschall Gras Häseler: .ine Anregung, auch die Veteranen unter die Kulturträger zu bringen, ist nur sehr sym­pathisch Dieser Gedanke geht von enter richtigen nationalen Grundlage aus. Ich bedauere, daß der Vorredner diesen Antrag

Aus einer verlorenen Handschrift der Goten.

Als das älteste uns erhalten gebliebene literarische Denkmal unserer germariischen Vergangenheit stellt sich das von unS schon mehrfach erwähnte Bruchstück einer

alten Hanbschrift dar, dessen Bedeutung der hiesige

Privatdozent Lic. P. Glaue zuerst ertonnt hat. In einem ausführlichen Aufsatz der Deutschen Rundfcksau berichtet der glück­liche Finder über Zeit und Art der Entstehung, sowie über die Schicksale der kostbaren Handschrift. Sie befand sich unter den Pergament- und Papyrusfragmenten, die im Juli 1908 unserer Universitätsbibliothek zugesollen waren, als die vom deutschei« Paporuskartell erworbenen Ankäufe in Berlin verlost wurden. Es waren Bruchstücke von Seiten einer Pergamenthandschrift, die ursprünglich eine Breite von etwa 2122 Zentimeter und eine tzöhe von höchstens 3031 Zentimeter gehabt hatten, sie stammten aus Schßth Abade in Aegypten, einem Ort, der sich in der Nähe der Trümmer des alten Antinoe beendet. Nun waren aber nur von vier Seiten etwa je ein Sechstel erhalten; auf zwei Seiten befanden sich Abschnitte aus der lateinischen Bibelüber­setzung; von den beiden anderen Seiten vermutete man, daß es sich nm ein Stück koptischer Literatur handele. Glaue stellte aber fest, daß cs gotische Buchstaben waren, die auf dem Pergament Vorlagen. Die Bibelstellen auf den gotisch geschriebenen Seiten ließen sich mit Hilfe der lateinischen Handschrift feststellen, da sie die Fortsetzung zu den lateinischen Seiten bildeten. Es ergaben sich Abschnitte aus dem 23. und 24. Kapitel von Lukas, bic unter den bisher gefundenen gotischen Bruchstücken noch nicht vorhanden sind. Auch in dem berühmten Codex Argenteus, der die gotische Bibelübersetzung des Ulfilas enthält, fehlen diese Stücke. Der besondere Wert, der dem neuen Funde einer gotischen Handschrift zukommt, besteht vor allem darin, daß es in Aegypten wieder ans Licht gekommen ist. Zahlreiche germanische Truppen befanden sich im 4. Jahrhundert n. Ehr. in Aegypten, .denn bic neugeworbenen gotischen Soldaten wurden über die verschiedenen Gebiete des römischen Reiches verteilt, um sie an die römische Kriegszucht zu gewöhnen.Wie efn wanderndes Volk" zogen sie nach dem neuen Quartier, ihre Weiber und Kinder auf langen Reihen von Ochsenwagen mit sich führend. So ist auch in Antinoe, wo es schon seit dem Jahre 220 eine Christengemeinde gab, eine gotische Kolonie entstanden, beten Insassen wohl zum größten Teil Christen waren. Wir bürfen also annehmen, baß die Hanbschrift, zu ber das Bruchstück gehört, mit gotischen Trup­pen nach Aegypten und nach Antinoe gewandert ift. Wahrschein­lich gehörte es einem Geistlichen, der aus der heiligen Schrift den Soldaten beim Gottesdienst in ihrer Muttersprache vorlas. Möglich ist es auch, daß die Handschrift sich im Besitz eines gotifdjen Geistlichen befand, der jich mißliebig gemocht hatte

Tung festsetzt. f

Dazu liegt ein Antrag des Frhrn. v. <5 m0rl em c r vor, wonach die Trittelung in Gemeinden unter 10000 An­wohnern für die ganze Gemeinde erfolgen soll, in größeren Ge­meinden nach besonderen Drittelungsbezirken. und zwar fallen in Gemeinden von 1030 000 Einwohnern zwei Trittelungs- bezirke gebildet werden, in größeren Gemeinden für jebe weiteren 20000 Einwohner ein weiterer Drlltelungsbezirk.

Für diesen Antrag hat sich auch die Regierung erklärt.

Oberpräsident ber Rheinprovinz Frhr. d edfotlcmet bc^ grünbet seinen Antrag: Dem plutokratischen Charakter bes -tret* klassennahl rechts soll burch bic Maximierung ber Steuerleistung abgeholfen werben. Andererseits sind in den großen Stabten und Jlibustriebezirkcn eine Reihe von großen Arbeitervierteln entftan- ben Die Folge war, baß bei ber Trittelung in ben Urwahl- bezirken in biefen Vierteln Leute in ber ersten und zweiten Klaffe wählten, bic eigentlich in bic brüte gehörten. In ben zwölf Berliner Wahlkreiicn hat bic Sozialbemokratie in der ersten Ab­leitung beinahe cm Fünftel ber Stimmen erhalten, incher zweiten mehr als bic Hälfte. In ben übrigen preußischen. Stabten fnib 20 Prozent der Stimmen in der zweiten Abteilung der Sozial­demokratie ebenfalls zugefallen. Dabei hat die sozialdemokratifche Anschauung nicht etwa in den wohlhabenderen L.chlchten der Bevölkerung Platz gegriffen. Schuld daran ift lediglich die xnt* telung in den Urwahlbezirken. Es ist ein Gebot der ausgleichenden Gerechtigkeit, daß man in dem Augenblick, wo man den Einfluß ber Plulokratic beschränken will, auch die Demokratisierung, die unserem Wahlrecht von unten her droht, entgegentritt.

Der Geist unseres Antrages ist wesentlich konservativ. Er will dem Einfluß ber bcsitzeiiden und staatserhaltenben Klaffen nicht nur auf bem Lanbc, fonbern auch in ben städtischen unb industriellen Bezirken wieder zu seinem Rechte verhelfen, er be­deutet aber auch ein verständnisvolles Entgegenkommen gegenüber ben Wünschen ber Jiidustrie und bes Handels, unb ich hoffe deshalb, daß er nicht allein auf allen Seiten dieses Hauses Zustimmung, , andern auch draußen im Lande Beifall und Anerkennung finden wird (Beifall., Ich gebe die Hoffnung Nicht auf, daß bic Einsicht unb bic zwingenbc Macht ber Verhältnisse, baß bie Grundlage, bic hoffentlich heute durch bas Herrenhaus geschaffen nird, auch im aiibcren Hause zur Annahme von Vorschlägen führen wirb, welche bic Zustimmung ber Regierung unben tonnen. Ich erwarte bas von der Einsicht ber sogenannten Mlltclpartcien, aber auch von ber Einsicht bcs Zentrums, bas allen Grund hat, die gewaltige Eroberung, bic cs burch Erlangung ber geheimen Stimmabgabe gemacht hat, burch Könzcsstonen auf bem hier von mir berührten Gebiete sicherzustellen.

Präsident Frhr. v. Manteuffel teilt mit, daß ein Antrag auf namentliche Schlußabstimmung über das Gesetz eingegangen ist.

Professor L o e n i n g - Halle: Ich stimme für das Gesetz, weck ich darin einen Schritt sehe, um das geheime uno birefta Wahlrecht zu erlangen, das ich anstrebe. Die Bestimmungen, betreffelid bic Trittelung werden von der Zentrumspresse als solche bezeichnet, bic sich gegen bic bemokratische Wirkung des Ge­setzes richten. Tiese Wirkung mag in einzelnen Wahlkreisen ein- treten Aber von einer allgemeinen Abschwächung des demo­kratischen Charakters kann nicht gesprochen werden. Der Antrag Schorlcmer beseitigt manche Ungerechtigkeiten. Trotz der großen Mängel des Entwurfs stimme ich für ihn. (Bcis lll.)

Oberbürgermeister Wil ms-Posen: Auch ich stimme dem Anträge Schorlcmer zu, weil er geeignet ist, eine Reihe von Un­gerechtigkeiten zu beseitigen.

v Wedel-Piesdorf: Ich gebe mich der Hoffnung hm, daß bic Rücksicht aus diese Errungenschaft die Zentrmnsfraktiow bestimmen wird, dem Gesetz zuzustimmen, auch wenn der Antrag Schorlcmer das Zentrum hie und da in einigen Urwahlbezirken einige Stimmen kosten wird. (Zustimmung.) f ..

Graf Oppersdorfs: Mit der Wahlvorlage fallen die Wünsche ber bürgerlichen Parteien aus lange Zett hinaus be­friedigt werden. Wenn ber Antrag Schorlemer angenommen nnrb, dann wirb das nicht ber Fall sein. Der ganze dibctf dreier gesetz­geberischen Aktion wird bann nicht erreicht werden. Wenn der Antrag Schorlcmer angenommen wird, dann ift der Zweck des

Oberbürgermeister K o e r t e - Königsberg: Ick. möchte mich ausS wärmste für den Antrag Prinz Schonaich-Carobrth aus- sprechen. Ich kann das um so mehr tun, als ich Vertreter einer Stadtgemeinde bin, die ihrerseits alljährlich einen bestimmten Fonds für bic Kriegsteilnehmer ui ben Etat entstellt. Ueblyaftci ^Minister des Innern v. Moltke: Aus bem Wirrwarr von Anträgen, die zu biesem Paragraphen gestellt find, mögen erlernen, wie schwer es ist, die Frage epckwv,end ,n regeln Diese impulsiven Wünsche führen schließlich ins Ufirlose unb er schweren die Annahme des, ganzen Gesetzes außerordentlich. Jedenfalls muß ich büten, baß Sie sich am die Beschlüsse Ihres Ausschusses beschränken. Gegen den Antrag Wedel-Piesdorf lugen

sprachen hätte, sie seien in der Nacht auf eine Anhöhe entführt worden und hätten allda mit brennenden Kerzen in ber Hand einen Tanz aufgeführt. Inmitten bes Reigens hätte ber Böse in Gestalt eines Bockes gestanden unb jedes Weib hätte huldigend eine Rückseite küssen müssen. Dann wären die Lichter gelöscht worden unb eine grausige Orgie habe angehoben. Meister Brussard ließ bie Frauen allesamt verbrennen. Das war einer von den vielen Fällen, in benen ber Glaube an eine Nacht, die alle Hexen um ben Teufel schart, Menschenopfer gekostet hat. Wie kam nun gerade bie nox Walpurgae, vom 30. April zum 1. Mai, dazu, als bic Nacht zu gelten, da ber Satan feine weiblichen Untertanen auf dem Blocksberge versammelte? In heibnisckv germanischer Zeit war ber 1. Mai eine Frühlingsfeier. Sie würbe schon bei Nacht begonnen, auf Anhöhen würben Feuer an- gezünbet, Pferbe geopfert unb Tänze abgehalten. Der Kirche, Die immer mächtiger würbe, war ber heibnische Brauch ein Gräuel, unb um bic alte Feier verbachtig unb verabscheuungs- rcürbtg zu machen, benutzte man ben mittlerweile eingerissene» Hexenglauben. Zwischen 1230 unb 1240 war bei Trier bie erste Hexe verbrannt worben unb scitbem nahm berHexcnbranb^ entsetzlich zu. Zufällig fiel nun ber Tag ber Heiligsprechung ber Aebtissin Walburg von Heidenheim mit dem des Frühlings festes zusauimen unb so würbe bic Walpurgisnacht bie Hexennachl. Tic Kirche aber wob eine Legende, um bicses Zusammentreffen zu erklären. Sie ließ bic Heilige in biefer Nacht zu Eichstätt vom Teufel überfallen werben und in rasender Flucht vor ihm fick) retten. In dieser Nacht haben die Heiligen keine Gewalt, ber Böse ist Herr. Er zieht über bic Erbe und alles muß ihm folgen, sogar bic Geister ber Blumen und Bäume. Bor allem aber bic Frauen, die sich ihm ergeben haben.

Kurze N achrichten ausKunstu. Wissenschaft. Wie die chilenische Gesandtschaft in Berlin mitteilt, findet ini November anläßlich ber Hundertjahrfeier in Santiago beChile eine internationale Ausstellung f ü r Landwirtschaft und landwirtschaftliche Maschinen statt. Nach einer Mitteilung des Professors Münsterberg hat ber Newyorker Bankier Schiff für die Handdüchkrei des m Berlin geplanten amerikanischen Instituts 25 000 Dollars gestiftet. Von ber Akademie ber Wissenschaften in Ofenpest wurden ber derzeitige Rektor der Berliner Universität, Professor für deutsche Philologie, Geh. Regierungsrat Dr. Erich Schmidt, und der Leipziger Straf- rechtslehrer, Wirkt. Geh. Rat Pros. Dr. jur. et theol. Adolf W a ch, zu auswärtigen Mitgliedern ernannt. Ein neues Theater soll Offenbach erhalten. Ter Bau soll an ber Mathilbenstraße nach einem Entwurf von Pros. Hugo Eberhardt in Offenbach er­richtet werden. Das Theater, das etwa 1500 Sitze erhallen soll, ist mit einer Saalanlagc verbunden gedacht und soll 400 000 A'ck. kosten.

zur Unzufriedenheit. ,

Staatsminister a. D v. Köller: Ter,Antrag ift viel zu kompliziert unb nicht durchführbar. Vorläufig soll ber Antrag auf bic großen Städte mit mehr als 10000 Einwohnern befchrantt sein. Wir wollen aber keinen Prezedenzfall schaffen. Denn ist er erst einmal für bic großen kstäbte eingeführt, bann farbeit man ihn auch für die kleinen unb für bas platte Laub.

Ter Antrag Becker wirb auch gegen eine erhebliche Minorität abgelehnt. Für ben Antrag stimmten u. a. bic Staatssekretäre von Tirpitz, Liseo, und bic Minister Baseler unb von Arnun.

Ter § 7 wird unverändert nach ber Regierungsvorlage an­genommen. . . N,

Die §§ 9 bis 14 werben unverändert angenommen. Bei § lo, ber über ben Kreis, aus bem bic Wahlmänner entnommen werben können, Bestimmungen trifft, liegt ein Antrag H a m in vor: In länblichen Stimmbezirken können auch Wahlmänner aus einem angrenzenben länblichen Stimmbezirke gewählt werben "

Der Antrag wird abgelehnt, § 15 angenommen, ebenfo un- Dcränbert ber Rest bes Gesetzes.

As liegt bann

der Antrag York von Wattenburg

vor: Die Bestimmungen bieses Gesetzes können auf bem orbent< lichen Wege ber Gesetzgebung nur mit ber Maßgabe aogeänbert werben, baß in jedem der beiden Häuser eine Mehrheit von zwei Dritteln ber Abstiinmcnben erfvrberlich ist.

Graf Yorkvon Wartenburg zieht seinen Antrag zurück, da er dessen Schicksal voraussehe. (Beifall; Rufe: Nicht doch!.

Graf Finck von Fincken ft ein-Schönberg: Wir sind durch bie gestrige Erklärung des Ministerpräsidenten bezüglich des Antrages Bork bitter enttäuscht worben. Turch bic Ein­bringung ber Vorlage unb burch bic Beschlüsse bes Hauses ist doch gewissermaßen ein Bollwerk genommen, unb es ift boch burchaus kein Geheimnis, baß große Parteien im Lanbc diesen Schritt eben nur als ein genommenes Bollwerk betrachten unb der Ansicht sind, daß nach unb nach bic ganze Festung des

^^SioatSnnnister' a. ©. v. Köller: Weshalb bat deun bic Kommission so viel Wert gelegt auf bic Mitglieder^ des Reicks tags unb des preußischen Landtags? (Sehr gut!) xa kann bodi ber komische Fall eintreten, daß bei einer Auflösung die Abgeord­neten für die Neuwahlen nicht mehr zu den K-uItertragern gc hören, es sei denn, daß sie zehn Jahre Mitglied des Parlament..' waren Wir im Herrenhaus aber sind immer Kulturträger. (Heiterkeit > Ich verstehe diese Bevorzugung nicht für einen Mann, her zufällig ein Mandat hat und der vielleicht mit aOOl gegen 5000 Stimmen gewählt worden ist. (sehr ridjtig!) streichen Sie bic Reichstagsabgcorbneten unb bic Landtagsabgeordnetcn aus ber Vorlage heraus und ich werde meinen Antrag znrückzichen..

unb nach Antinoe in bie Verbannung geschickt worden war, tote es von einigen Geistlichen aus dieser Zeit berichtet ist, ober die Handschrift gehörte einem gotischen Mönche, der m bas berühmte Kloster von Antinoe eintrat und seine gotisch-lateinische ^vangelieii- handjchrift als Erbauungsbuch mitbrachtc. Während Ulfllas für seine gotische Uebcrsetzung des Neuen Testamentes ben griechischen Text benutzte, ist bie Uebcrsetzung ber neuau gefunbenen Hanb- chrift nach einer lateinischen Vorlage gearbeitet. Die bereite vorhanbenen lateinischen Bibelübersetzungen unterzog nun im Jobre 382 ber Kirchenvater Hieronymus einer vollstänbigen Durchsicht, aus ber bic im ganzen Mittelalter allgemein gebräuchliche latei­nische Bibel, bic Vulgata, entstaub. Diese Bibelausgabe bes Hieronymus sanb aber nicht sogleich ben Beifall aller, sondern es regte sich eine Gegenströmung, bic desonbers auch von einigen fchristgelchrten Goten vertreten roorben sein wirb. Es ist nämlich cm Brief bes Hieronymus an zwei gotische 'öibelfenner, Sunja unb Frithila, erhalten, ber in ben Jahren 403405 geschrieben fein muß. Es ist bic Antwort auf ein Schreiben, in bent tounja unb Frithila Einweichungen gegen bic Uebcrsetzung verschiebener Bibelstellen burch Hieronymus erhoben und chre eigenen text- kritischen Grundsätze barlegten. Sunja unb Frithila beschädigten sich also zu Anfang bes 5. Jahrhuicherts bamit, bas Uebersetzungs- toerf ihres Areisters Ulillas zu vervollkommnen^unb es gleichzellig nach ber lateinischen Seite hin zu ergänzen. Sie sinb baher mit größter Wahrschcinlichkell als bie Bermsier ber gotisch-lateinischen Bibelübersetzung anzusehen, auf bie in ber Einleitung zu bem Kober Brixianus, einer in Brescia aufbewahrten lateinis chen Bchclhandschrift, bezug genommen wirb. Die kritische Ausgabe der gotisch-lateinischen Bchcl ist in bem ersten Jahrzehnt des 5. Jahrhuicherts entstanden, nachdem die Goten unter Alanch wieder in bas ihnen angewiesene Illyrien zurückgekehrt waren, bevor sic im Jahre 408 zum zweitenmal gegen Rom aufbrachen, Dem neuen Bruchstück hegt also ein Rest von einer Abschrift ber gotisch-lateinischen Bibel vor, bie halb nach ber Entstehung ber kritischen Ausgabe bes Sunja unb Frithila verfertigt sein muß. Jebensalls muß bic Hanbschrift im Anfang bes 5. Jahrhunderts verfaßt worden sein; sie liegt vor den Codices Brixranus und Argenteus, die beibe bem 6. ober auch schon bcmi 5. ^ahrhunderv zugeschrieben werben. Ein eigenartiges Schicksal war biesem äl­testen uns erhaltenen literarischen Rconument bes Germanentums beschieden: es mußte über das Mittelländische Meer loandern, um anderthalb Jahrtausende in Aegyptens Boden zu ruhen und Dann erst wieder auf germanischen Boden zurückzillehren.

*

Die Walpurgisnacht. Im Jahre 1459 erfuhr der Ketzermeister Peter Brussard zu Arras eine gräuliche Geschichte. Frauen der guten Stadt gestanden ihm, wohl nicht, ohne daß mag etlichen von ihnen vorher mit bei .Marter ernstlich zuge-

nicht weiter verfolgt. _ _r - tM

Staatsminister a. D. von Kveller: Am Herzen liegen nur auch die Volksschullehrer. Ich halte es für wünschenswert, daß auch sie unter die .Kulturträger ausgenommen werden d^rner beantrage ich, bic Provinziattandtagsabgeordneten unb bic Kreis- tagsabgeorbneten unter bie Kulturträger zu rechnen.

von Wedcl-Piesborf: Ich habe zu § 8a einen Antrag gestellt, ber im Wege einer Umgestaltung ber Ziffern brescs Para­graphen bahin führt, baß bic Rektoren mchrklassigcr offen lul^r Schulen nicht bloß, so lange sic tm Amte smb, als Kulturträger gelten, fonbern auch, wenn sic zehn Jahre im Amte gewesen sind, Kulturträger bleiben. Die Sache tarn, erst tn spater. Ätuiibe im Ausschuß zur Beratung unb so ist wohl nur bic ictzige Fassung zu erklären. Um Aiängeln abzuhelfen, könnte man ia viel­leicht auf ben Gebanken kommen, baß auch Personen aufzunehmen seien, welche cpockscmachenbc oder auch nur hervorragende künst­lerische oder wissenschaftliche Werke geschaffen haben. Aber wer soll darüber entscheiden? Bei aller Hochachtung vor unseren Vcrwallungsbehörben, ihnen möchte ich das nicht nbettanen. (Heiterkeit.) Wan müßte bann vielleicht eine Art Jury sckwfien. Mer bas sind ja uferlose Gedanken, xem Anträge, auch bic Kriegsteilnehmer unter bic Kulturträger amzunchmen, kann ich nicht beipflichten. Wohin kommen wir, wenn fetzt ein Krieg ausbricht, zu dem das ganze Heer ausgeboten nnrb, ber aber nach turzer Zell schon beenbet ist, wenn bann alle Leute von mehr als 25 Jahren Kulturträger sein sollen? Es handelt sich hier M nicht barum, Verdienste zu belohnen, sondern dem besonderen Bil­dungsgänge und ber Einsicht in bic Staatsbcburmnse. Reckmung SU tragen. 'Die Lehrer würden allerbings wohl geeignet fein, aufgenommen zu werden, aber cm Bedürfnis dazu ist nicht vor­handen, und cs barf auch nicht außer acht gelassen werben, daß sie ia schon durch die erheblichen Bcsolbungsaufbesscrungcn emen Schritt vorwärts gekommen sind. Auch dem Anttagc Koller widerspreche ich. . m

Oberbürgermeister Wilms-Po,en: Wenn man bie Pro­vinziallandtags- und Krcistagsinllglieber aufnimmt, so müssen wir unbedingt verlangen, daß bic Stabtverorbneten mit bem gleichen Rechte gemessen werden. Lebhaft bedaure ich eS, daß man nicht bic Absolvierung eines Lehrerseminars als zur Aufnahme in bieten Paragraphen ausreichend erachtet hat.

Prinz Sch ö n a i ch-E a r o 1 a t h: Nach den wohlwollenden Worten des Herrn v. Kötter habe ich mich dazu entschlossen, meinen Antrag, bie Kriegsteilnehmer zu den Kulturträgern zu rechnen, wieder einzubrrngen.

Graf von W arten sieben: Als einem der ältesten Mili­tärs hier im Hanse liegt es mir am Herzen, den Antrag des Prinzen Carolath auss wärmste zu befürworten.

Inzwischen sind folgende nunmehr genau formulierte Anträge eingegangen: Der Antrag Prinz Schönaich-Carolath will , unter bic Kulturträger aufnehmen diejenigen Kriegsteilnehmer, die an den Feldzügen von 1864, 1866 unb 187071 ehrenvollen , Anteil genommen, haben. Der Antrag v Ko ekler sicht das »gleiche vor für bic Mitglieder eines preußischen Provinzialland- tags ober Kreistags. Ein Antrag Kocrte will bas gleiche : Recht ben Mitgliedern einer Stadtverordnetenversammlung em- , räumen und ein Antrag Wilms schließlich allen seminaristisch - gebildeten Lehrern, die bie zweite Lehrerprüfung bestauben haben.

Präsident Frhr. v. Manteuffel: Dann werben mir eben > noch längere Zeit versäumen müssen. lHcllerkeit.-

Nr. 100 Zweites Blatt 160. Jahrgang Samstag 80. April 1910

Grldietnl «glich mit Ausnahme des Sonntags. Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen