bä etatmLtzigen Stetten iviberftrertet icbarfy den Grunbsatzrn. der Gerechtigkert und Billigkeit. Die Nachteile, die hieraus der Rechtspflege erwachsen, stechen in keinem Verhältnis zu den dadurch erzielten Er spar wissen."
Ein Antrag, Gerichtsasfessoren als Mitglieder in den Verein üufznnehmen, wurde durch Mehrheitsbeschluß abgetönt. Bei aller ^chmpathie erschien es der überwiegenden Mehrheit der Versammlung richtiger, die Mitchiedschaft, wie bisher, auf Richter und Staatsanwälte zu beschränken. Der Vorsitzende betonte, dass man Gewicht daraus lege, die guten Beziehungen, die seither mit dem .Assessorenvcrdand bestanden haben, zu erhalten.
Landgerichtsrat Schudt - Gießen, Amtsrichter Conradi- Osjcnüach und Amtsrichter Brehm-Mainz wurden neu in den Vorstand gewählt. Scnatspräsident Dr. Keller, welcher mehrere Jähre Vorsitzender des Vereins und 10 Jahre lang Schriftleiter der vom Verein hcrausgegebenen „Hessischen Rechtsprechung" gewesen war, wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Als Ort der nächsten Hauptversammlung wurde Mainz bestimmt.
Senatspräsident Dr. K e l l c r hielt schließlich einen fesselnden Vortrag über den Borentwurf zum Strafgesetzbuch, an den sich eine anregende Besprechung knüpfte. Ungeachtet einzelner Beanstandungen erachtet man den Vorentwurf als eine geeignete Grundlage für die Reform.
Ein gemeinsames Mittagsmahl bildete den Abschluß der Versammlung.
Ausstellung von Hunden aller Rasten.
th. Gießen, 30. Mai.
Der in Kreisen der Kinologen weit bekannte Verein Hundesport für Gießen und Umgegend hatte gestern seine Ausstellung auf der Liebigshöhe gut vorbereitet. Die Direktion der Straßenbahn, die bei den Hundsbesitzern gerade nicht im Geruch der Hundesreundlichkeit steht, weil sie mit Recht in unserer Trambahn die Mitnahme der Hunde verboten hat, empfand gestern doch ein menschlich Rühren mit den Ausstellern und gestattete in einigen eingestellten Sonderwagen die Mitnahme der Tiere. Der Besuch der Liebigshöhe gestern ivar sehr gut. Die Beamten der Wach- und Schließgesellschast, die außer der Nachtwache auch den Billetverkauf ausiührten, hatten am Nachmittag alle Hände voll zu tun, denn über Tausend zahlende Personen hatten die Ausstellung besucht.
Wundervolle Tiere waren zur Schau gebracht; hervorragendes MateriLl war besonders unter den Jagdhunden vertreten, aber auch uetec den deutschen Doggen, den deutschen Schäferhunden, den Dobermannpinschern, den Terriers, den Boxcrhunden nnb der großen Familie der Pinscher fand der Hunde- und Tierfreund viel schöne und sehensivertc Tiere. Am klügsten schauten unstreitig in das Gewimmel die Pudel drein. Besonders die ersten Preis- vndel, Prinz Arco v. Königstuhl und Prinz Eitel v. Rödelheim, sie blickten auf das sonstige Hundevieh höchst herablassend nieder. Unter den weiblichen Besuchern der Ausstelstlng erregten natürlich die Schoßhündchen und die klemsten der Kleinen, die Zwerghunde, besonderes Interesse. Zu bedauern war, daß bis zum Schluß der Ausstellung die Präiniierungsergebnisse nicht sänstlich zu haben waren. Die Preisrichter hatten bei der Menge der Tiere (360) bis zum Abend zu tun, so daß das Ergebnis erst heute festgestetll werden kann.
Gesangswettftreit in Grotzen-Lmden.
A Großen-Linden, 29. Mai. Heute pilgerten die Be- wohrrer der Umgegend Gießens in Scharen hieher. Ter Gesangverein „Harmonie" feierte sein 60jähriges Jubiläum und verband damit einen Reform-Gcsangswettstreit. Schoir die Einladung hierzu hatte einen starken Änklaug gefunden, und heute war die Beteiligung sehr groß. Um 9^ Uhr konnte unter großem Zudrang bas Wettsingen in der Turnhalle beginnen. Obwohl nur drei Preisrichter arbeiteten, ging doch alles sehr flott von statten, lieber die Leistungen der Vereine herrschte allgemeines Lob. Um 2 Uhr wurde der Festzug in der Bahnhofstraße ausgestellt. Im Zuge marschierten die Kapelle des Kaiser-Wilhelm-Regimenls und die Kapelle Sames-Holzheim. Um den schön gelegenen Fest- platz inmitten des Städtchens muß man Großen-Linden beneiden. HaüptlehrerF.Bach hielt die Festrede, in der er besonders betonte, die Gesangvereine erstrebten eine dreifache Harmonie, nämlich die Harmonie der Töne, der Geselligkeit und der Stämme Deutschlands, keines dieser drei Ziele dürfe vernachlässigt roerben. Sein Hoch galt der Harmonie im Sängerleben. Fräulein Anna Hofmann sprach ein von Hauptlehrer Bach verfaßtes Festgedicht und überreichte eine von den Festdamen gestiftete Fahnenschleife.
Aiit kurzen Worten daiikte der Festpräsident Philipp Schmidt für das Geschenk. Nunmehr trugen die Gesangvereine ihre Chöre vor: Gesangverein Lützellinden, Gesangverein Hochelheim, Germania Großeii-Linden, Einheit Allendors a. d. L., Eintracht Hörnsheim, Liederkranz Nieder-Kleen, Harmonie Klein-Linden, Gerinania Kirch- Göns, Germania Lang-Göns, Frohsinn Garbenteich und Eintracht Butzbach. Fröhliches Treiben begann mm auf dem dichtgesüllten Festplatz, das durch das zeitweise leichte Regenwetter mefjt beeinträchtigt wurde. Für Unterhaltung war auch alles geboten: Karussell, Panorama, Schießbude und bergt, mehr. Um %7 Uhr wurden die Preise verteilt.
Das Ergebnis des Wettsingens war: Klasse 1: 1. Preis Frohsinn Lang-Göns mit 217 Punkten. 2. Liederkranz Leihgestern 210 P., 3. Harmonie Rothenditmold 205 P. Ten Ehrenpreis in dieser Klasse errang Harmonie Rothenditmold mit 114 Punkten. Klasse 2: 1. Preis Eintracht Leihgestern 220 P., 2. Konkordia Wetzlar-Nieder- Girmes 212 P., Ehrenpreis Eintracht Leihgestern mit 110 P. Klasse 3: 1. Preis Doppelguartett Neu-Isenburg 220 P. 2. Liederblüte Garbenteich 206 P., 3. Arion Klein-Linden 205 P., 4. Konkordia Klein-Karben 167 P. Ehrenpreis Doppelguartett Neu-Isenburg 113 P Klasse 4: 1. Preis Heiterkeit Annerod 221 P., 2. Liederkranz Burgio lms 203 P., 3. Eintracht Ehringshausen 187 P., Jugendgrund Wicseck 184 P., 5. Konkordia Münchhausen 180 P., 6. Lahntal Dorlar 171 P., Ehrenpreis in Klasse 4 erhielt Liederkranz Burgsolms mit 105 Punkten.
Ter Gesangverein Harmonie ivnrbc 1850 auf Anregung des Lehrers Bergheimer von 12 Herren errichtet, nur zwei Gründer leben noch: Hch. Leun I und Johs. Magnus. 1862 weihte der Verein ferne Fahne. Ter Verein zählt heute 24 Ehrenmitglieder, 46 aktive und 131 passive Mitglieder.
Ans Stadt und Land.
Gießen, 30. Mai 1910.
" Vom Großh. Hofe. Entgegen den Nachrichten in der Presse von dem Besuche des Kaisers und der Kaiserin von Rußland im Sommer wird der „Darmst. Ztg." von maßgebender Seite mitgetellt, daß dem Großherzogspaar der Besuch in diesem Jahre bis jetzt nicht in Aussicht gestellt ist. Es ist deshalb auch unrichtig, daß die Sommerpläne der Großherzogltchen Familie mit Rücksicht auf den erwarteten Besuch abgeändert worden seien. Der Aufenthalt in einem englischen Seebad war von vornherein für die Zeit von Mitte Juni bis Mitte Juli in Aussicht genommen.
** In Audienz empfangen wurden am Samstag vom Grobherzog u. a. Oberlehrer Zimmermann von Schotten und Negicrungsrat Langermann.
** Iustizpersona 1 icn. Der Großherzog hat den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Beerfelden Philipp Bechtold zum Staatsa.nwalt am Landgericht der Provinz Rheinhessen, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Osthofen Johs. Schäfer zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Worms, hen Gerichtsassessor Dr. Max M a y aus Worms zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Osthofen, den Ge- richtscrssessor Ludw. Stenz aus Mainz zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Beerfelden, den Notar mit dem Amtssitz in Alz-ep Friedr. Karl Bohn zum Notar mit dem Amtssitz in Oppenheim ernannt.
• • Landwirtschaftskammer. In der Sitzung des Vorstandes der Landwirtschaftskammer am Freitag wurde beschlossen, die landw. Studienreise nach Dänemark auf zugeben, da infolge der in Oberhessen stattsindenden Reichstagswahl eine ganze Reihe von Anmeldungen zurück- I gezogen wurde.
* * Der 2. Hessische Hebammen-Derbands- t a g inirb am 9. Juni in Darmstadt abgehalten. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Bericht über das verflossene BerbändSjahr. Kassenbericht. Vortrag des Prof. Dr. v. Franque in Gießen über Querlage und Zerreißung der Gebärmutter. Vortrag des Dr. Heil in Darmstadt: Welche Geburtsfälle bedürfen der Krankenhauspflege? Vortrag des Prof. Dr. Walther in Gießen: Das Verhältnis Mischen .Hebamme und Pflegerin. 7. Vortrag des Kreisarzt Dr. Balser in Mainz: lieber Wochenbettfieber in Stadt und Kreis Mainz und die Standesordnung. .Vortrag des Dr. Kupferbcrg, Direktor der Großh. Hebammen- Lehranstalt Mainz (Thema Vorbehalten).
* * Gießen im Bild. In dem bekannten Ansichtskartenverlag R. Tuck 6c Söhne ist eine Serie von sechs Postkarten erschienen, die sechs hübsche Ansichten von Gießen wiedergibt. Die einzelnen Karten sind nach Gemälden des französischen Malers N. Der au d in der bekannten und geschätzten „Oilette-Manier" hergestellt und zeigen Gießen von seiner schönsten Seite. „Eine Gesamtansicht" der Stadt von der Südostseite ist sehr schön gelungen, aber auch das bekannte Motiv „Partie an der Lahn", „Burg Gleiberg" im Abendschein, der „Marktplatz" mit den prächtigen Fachwerkbauten des Rathauses und der alten Engetapotheke, der „Landgraf-Philipp--Platz" mit seiner malerischen Gestaltung ist sehr gut gelungen. Das neue Gießen wird durch eine, hübsche Wiedergabe des „Stadttheaters" dargestellt. Die neuen Karten, die zu den künstlerisch wertvollsten gehören, die wir von unserer Stadt besitzen, werden jedenfalls viel Gefallen finden.
** Neunzigjährige in Ob erh e sse n. In Birklar bei Lich starb die älteste Einwohnerin Frau Schneider. Sie war 95 Jahre alt. — In Dauern heim starb der 93jährige Johannes Heeg. Er war lange Jahre Waldarbeiter. — In Bingenheim lebt der in weiten Kreisen bekannte Flurschütz Schwab. Er steht im 94. Lebensjahre und ist noch sehr frisch und rüstig. Seinen Haushalt besorgt er selbst. In früheren Jahren hat er manches erduldet. So erlitt er u. a. dreimal Beinbrüche.
** Wahres Geschichtchen. Der kleine achtjährige Hans aus Darmstadt war beim Onkel and Tante in Gießen zum Besuch. Ms Residenzler fühlte sich der kleine Mann über die Gießener sehr erhaben. Als er das Kriegerbenkmal sah, meinte er : Ach Tante, das ist doch gar nichts gegen unser Ludwigsdentmal in Darmstadt. Das Schloß betrachtete er lachend und erklärte, in Darmstadt sei das Schloß wohl hundertmal größer. Die Wieseck bezeichnete er als unbedeutenden Graben gegenüber der Woog in Darmstadt usw. Schließlich bemerkte die Tante belustigt, „du Darmstädter Heiner, dir kann auch keiner was recht machen". „Tante," meinte der Bube, „wenn du Heiner zu mir sagst, sollst du mal sehen, wenn das unser Großherzog erfährt. Dann fängt er mit Gießen Krieg au; wieviel Soldaten habt ihr denn in Gießen? Als die Tante erklärte, ein Regiment Infanterie, meinte Hans: „Das ist doch gar nichts, dann seid ihr in Gießen verloren, wenn es zum Krieg kommt, denn wir in Darmstadt haben viel mehr Regimenter."
L. Friedberg, 29. Mai. Heute nachmittag fand eine Zusammenkunft des Wetterauer Reitervereins auf der Rennbahn der Seewiese statt, dem sich später eine gut besuchte Generalversammlung in der „Harmonie" anschloß. Am 26. Juni soll ein Reiterfest des Wetterauer und Gießener Reitervereins auf der Rennbahn der Seewiese stattsinden. An dem Preisreiten können sich Herren und Damen beider Vereine beteiligen. An das Reiten wird sich ein Schaufahren (für Herren und Damen) anreihen. Man erwartet eine große Beteiligung aus weiten Kreisen.
-o. Nieder-Olm bei Mainz, 29. Mai. Hier hat sich heute nachmittag ein schweres Ballonunglück ereignet. Es fand der Aufstieg eines Militärballons statt, der von sechs Mann besetzt war. Als das Kommando zum Loslassen erfolgte, wurden zwei haltende Soldaten in die Seile verwickelt und konnten sich nicht mehr rechtzeitig daraus befreien. Beide wurden von dem aufsteigenden Ballon hängend mitgenommen. Der eine Mann stürzte aus etwa 10 Meter Höhe herab und blieb bewußtlos liegen. Der zweite hielt sich so lange fest, bis ihn die Kräfte verließen, er stürzte aus einer Höhe von etwa 60 Metern ab und war sofort tot. Auch der andere Mann soll gestorben sein.
-o. Oppenheim, 29. Mai. In der Angelegenheit des Notars Justrzrat Hubert ist mitznteilen, daß eine Reihe Amtsverbrechen festgestellt wurde, die schon jahrelang zurückliegen. Zum Teil sind die Fälle in ihren Einzelheiten unglaublich. Nur durch das unbegrenzte Vertrauen und die allgemeine Hochachtung, die der' Mann genoß, läßt sich das Geschehene erklären. War Hubert doch auch seit langen Jahren Beigeordneter. Bei allen An- und Verkäufen des hessischen Staates war er als 'Notar herangezogen. Die Familie eines armen Fabrikschlosscrs hat Hubert durch schwindelhafte Manipulationen um ihr Vermögen gebracht, dies ist aber nur ein Fall von vielen. Dabei ist das veruntreute Geld — das Notariat warf jährlich etwa 35000 Mark ab — in liederlichster Weise von Hubert und einigen Familienangehörigen vertan worden. Hasardspiele und das „Ewig-Weibliche" verschlangen Unsummen. Nach dem Tode Huberts, der allem Anschein nach durch Vergiftung erfolgte, haben sich mehrere Frauenspersonen gemeldet, die Mimcnte beanspruchen. Eine der Damen, die' drei Kinder- versorgt haben will, begehrt allein mehrere Millionen Mark. Der Skandal, den .Hubert in Oppenheim und Umgebung hervorgerufen hat, ist nicht zu beschreiben; manche keinen Leute, die durch Hubert um ihr Vermögen gekommen sind, stehen am Rand des Wahnsinns. Einige ländliche Sparkassen sollen erhebliche Verluste erleiden. Die hauptsächlichsten Opfer der Hubertschen Verbrechen sind kleine .Handwerker und Bauern, weil von ihnen am leichtesten die Unterschriften zu haben waren, ohne daß Anweisungen erfolgt waren. Inzwischen hat das Amtsgericht aucty einen Nachlaßpfleger bestellt. Auf dem Notariat wird Tag und Nacht gearbeitet, um Ordnung in die Papicrhanfen zu bringen und die Verbindlichkeiten festzustetten. Noch am Tage vor seinem Tod (27. April) war Hubert in Mainz in vergnügter Gesellschaft Immer noch treffen aus den verschiedensten Orten Rheinhessens Leute hier ein, um sich über das Schicksal ihrer Hubert anvertrauten Gelder zu erkundigen. Die Behörde täte gut daran, eine öffentliche Erklärung zu dem Fall abzugebcn, um wenigstens übertriebenen Gerüchten beu Boden zu entziehen.
□ AuS Kurhessen, 29. Mai. Nach der Ferüg- stellung der Edertalsperre will man die gewaltige Wasserkraft als elektrische Ueberlandzentrale der Allgemeinheit diewst- bar machen. Man dachte zunächst an eine Gesellschaft auf genossenschaftlicher Grundlage. Jetzt wird mitgeteilt, daß die Staatsbehörden beabsichtigen, in Verbindung mit einer Landes- Melioration eine derartige Anlage zu errichten und dazu nicht nur die Kraftquellen der Edertalsperre, sondern auch die anderer Flüsse, z. B. der zu errichtenden Dinneltalsperre zu benutzen. Auf diese Weise wäre es möglich, einen äußerst geringen Elektrizitätspreis zu bieten.
Dr. Kodfs goldene; Berufsiubiläum.
16. Stiftungsfest des Vereins hessischer Zahnärzte.
Gießen, 30. Mai.
Unser Mitbürger Zahnarzt Dr. mcb. G. W. K o ch konnte nm Samstag sein goldenes Berufsjubiläum feiern, ein Ereignis, das in der zahnärztlichen Welt ganz Deutschlands wohl zum erstenmal vorgekommen sein dürfte unb deshalb von Nah und Fern bic Berussgenossen des Jubilars in großer Zahl hier zu-- sammcnführte, um ihrem Altmeister, dem hervorragenden Mitbegründer der zahnärztlichen Berufsorganisation, ihre Verehrung, zu bezeugen.
Dem schlichten Sinn des Jubilars wird es wohl am meisten entsprochen haben, daß man nicht bloß feierte, sondern die bc ruslichc und sachwissenschaftliche Jahrestagung des Zahnärztlichen Vereins seiner engeren Heimat damit verbunden hatte. Tadurch wechselte die ernste wissenschaftliche Arbeit mit den einzelnen festlichen Veranstaltungen zu Ehren Dr. Kochs in bester Weise ab.
Einem Empfangsabend im Hotel Großherzog am Freitag abend, der in schönster Weise verlies, schloß sich zunächst am Samstag vormittag 9 Uhr die Mitgliedersitzung des Vereins hessischer Zahnärzte an, die in der Freimaurerloge ftattfanb.
Um 11 Uhr versammelte sich dann im Festsaal der Loge eine stattliche Versammlung zur eigentlichen Jubiläumsfeier. Es hatten sich eingefunden der Rektor der Laubes-- itniücrjität, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Strahl, der Vorsitzende, der zahnärztlichen Prüfungskommission, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Bostroem, Regierungsrat Welcker als Vertreter der Provinzialdirektion und des Kreisgmtes, Beigeordn. Keller und eine Anzahl Stadtverordneter, Mitglieder der Freimaurerloge, sowie zahlreiche Berufsgenossen und Freunde des Jubilars.
Der Vorsitzende des Vereins hessischer Zahnärzte, Herr Kohle r - Tarmsldt, feiaerte als erster Redner Dr. Koch, beffen Persönlichkeit ein gutes Stück der Geschichte der deutschen Zahnheilkunde bedeute und hervorragend dazu beigetragen habe, daß die deutschen Zahnärzte einen guten Namen in der ganzen Kultur - Welt haben. Er gedachte weiter der großen Verdienste, die sich Dr. Koch als Vorstandsmitglied des Zentralvereins deutscher Zahnärzte, als Mitgründer des Frankfurter zahnärztlichen Vereins und als Gründer und langjähriger Vorsitzender des Vereins hessischer Zahnärzte um die Berufsorganisation der deutschen Zahnärzte erworben habe. Er beglückwünschte namens des hessischen Vereins den Ehrenvorsitzenden desselben und überreichte im Auftrag des Zentralvereins deutscher Zahnärzte dem Jubilar die Urkunde über seine Ernennung zum Ehrenmitglied.
Namens der Freimaurerloge sprach Kaufmann T r i b u s Herrn Dr. Koch, als dem ältesten Mitgliede der Loge, das im nächsten Jahre sein 50 jähriges Maurerjnbiläum feiern könne, zum Berufs« lubihäum herzliche Glückwünsche aus.
Beig. Keller begrüßte im Nomen der Stabt dann die erschienenen Gäste und sprach über die Bedeutung der Zahnheilkunde in sozialhhgienischer Beziehung beherzigenslverte Worte. Auch beglückwünschte er den Jubilar, den Gießen mit Stolz seinen Mitbürger nenne, als den Bahnbrecher der zahnärztlichen Wissenschaft in Hessen, im Auftrag der Stadtverwaltung zu seinem goldenen Jubiläum.
Für die Landesuniversität sprach der Rektor, Geh. Medizinalrat Dr. Strahl, unter Hervorhebung der Tatsache, oaß Dr. Koch seit 31 Jahren als Mitglied der zahnärztlichen Prüfungskommission mit der Universität in engster Weise in Beziehung stehe.
In ähnlicher Weise verbreitete sich Geh. Medizinalrat Dr. Bostroem als Vorsitzender der Prüfungskommission über Dr. Kochs Tätigkeit, dessen gerechten und lauteren Charakter als Prüsungskommissär hervorhebend und zugleich wünschend, daß das von Dr. Koch angestrebte zahnärztliche Institut bald erfteben möge.
Privatbozent Tic. Glaue überbrachte die Glückwünsche der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, Kreisarzt Medizinalrat Dr. Haber körn die des Kreisgesundheitsamts und Zahnarzt Borchardt-Frankfurt n. M. die des Vereins Frankfurter Zahnärzte (dessen Ehrenmitglied der Jubilar ist), indem er ihm als Ehrengabe einen silbernen Becher überreichte.
Weiter sprachen Vertreter des Vereinsbundes deutscher Zahnärzte, des Vereins Hessen-Nassauischer Zahnärzte und des Zahnärztlichen Vereins zu Kassel. Für die früheren Schüler und die Freunde des Jubilars widmete ihm Zahnarzt Nepp-Darmstadt herzliche beglückwünschende Worte. ,Als Ehrengabe überreichte er eine künstlerisch ausgestattete Adresse und 2 Statuetten.
Unter den zahlreich eingegangenen Glückwunschschreiben und Telegrammen befand sich auch ein solches vom hessischen Mini- fterhtm des Innern.
Dr. Koch dankte mit herzlichen Worten für die zahlreichen Ehrungen und Glückwünsche, worauf ein Festvortrag von Pros. Dr. Michel- Würzburg über die „Aetiologie der Karies" die eindrucksvolle Festsitzung beschloß.
Hieran reihte sich eine wissenschaftliche Sitzung, die am Sonntag vormittag im Anatomiegebäude fortgesetzt wurde. Vorträge und Demonstrationen fanden statt von den Herren Dr. I. Albrecht - Frankfurt, Bode- Hannover, Privatdozent Dr. E n l e r - Heidelberg, Köhler-Darmstadt, Professor Dr. A. Michel- Würzburg, Mohr- Köln, Privatdozent Dr. Reich- Marbnrg, O. Riechelmann - Straßburg, Prof. Dr. Römer- Straßburg, Dr. C. Rumpel- Berlin, Dr. S a l z m a n n -Frank furt, A. Witzel - Wiesbaden, W o l p e - Offenbach und Dr. Z i m mcr - Pforzheim. Zahnarzt Repp- Darmstadt sprach über die Steuerveranlagung in Hessen; er empfahl den Zahnärzten dringend eine kausmännuche Buchführung. Einen interessanten Vortrag, der auch für weitere Kreise großes Interesse hatte, hielt Dr. Koch- Gießen über die Z a h n h e i l kun d e vor 5 0 Jahren. Wir. werden auf ihn noch näher zurückkommen.
Am Samstag abend vereinigte im Saale des Großherzogs von Hessen sich eine große Zahl hiesiger und auswärtiger Freunde Dr. K p ch s zu einem Festkommers, der in schönster Weise verlief. Nach einer Begrüßung der Gäste durch Zahnarzt Köhler-Darmstadt feierte derselbe Redner Kaiser und Groß herzog.^ Dann kommandierte Prof. Dr. Römer. Straßburg einen Salamander auf den Jubilar. Ihm schloß sich Oberst von Müller mit einem dreifachen Hurra auf Dr. Koch, der am 29. Mm seinen 79. Geburtstag feierte, an. Dr. Koch dankte mit bewegten Worten für alle Ehrungen. Unter den gesungenen Kommers-- liedern gefielen namentlich zwei, deren eines den Jubilar feierte- während das andere allerlei aus dem Berufsleben der hiesigen Zahnärzte verriet. Der iiwffizielle Teil des Kommerses brachte • ernste und heitere Deklamationen der Herren G ü hne und Norden, sowie Frln. Koch, die außerordentlich gefielen unb lebhaft beklatscht wurden. Im Verein mit Frau Gühne und Fräulein Hiller, sowie Herrn Goll spielten dieselben Künstler recht flott ein hübsches Lustspielchen „zum Einsiedler", das mit großem Beifall aufgenommen wurde.
Bei dem Festessen am Sonntag, ebenfalls im Großherzog, sprachen Zahnarzt Repp-Darmstadt auf Dr. Koch, Zahnarzt Köhler- Darmstadt auf die Damen unb Prof. Dr.. hierin er auf die zahnärztliche Wissenschaft, letzterer, indem er die Notwendigkeit der Errichtung einer zahnärztlichen Klinik an der Landesuniversität treffend beleuchtete. Ein A n s f l u g nach dem S ch i r f c n b c r g bildete den Abschluß der in allen Tellen schön verlaufenen Tagung.


