Ausgabe 
30.6.1910 Viertes Blatt
 
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160« Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 123

Gietzener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme des SormtagS.

Seneral-Anzeiger für Oberhessen

DieSiebener Familienblatler" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, bad Lreisblatt für den Kitts Sietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zelt» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Montag 30. Mai 1910

Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen Unwcrsrtäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e^®5L RedaktionreENL Tel.-AdruAnzeigerGießen.

Die Reichsverfichenmgsordnung.

Berlin, 28. Mai.

Der Reichsver sicherungsausschuß führte heute die Aussprache fiter die Frage der Dersicherungsämter fort. Es liegen hierzu mehrere Abänderungsanträge vor. Ter Ausschuß hat sich dahm v-erftändigt, daß die Namen von Mitgliedern und auch selbst die Fraktionen, von denen Anträge gestellt werden, nicht ui der Presse genannt werden sollen. Ein Antragsteller führt aus, bic verbündeten Regierungen wollen es den Einzelstaaten über­lassen, wie sie sich einzurichten gedenken. Er beantragt, dem § 34 folgende Fassung zu geben:Die Geschäfte der unteren Aussichts- behörde in Angelegenheiten der Rcichsversichcrung sind Gemeinde- bclwrden oder Staatsbehörden zu übertragen. Das Nähere be- stimntt die Landesgcsetzgebung. ^2o dieses Gesetz die Hinzuziehung vvn Beisitzern vorschreibt, sind dieselben je zur Hälfte aus Arbeit­gebern und aus Arbeitnehmern zu entnehmen/' Auf diese Weise glaubt der Antragsteller enorme Kosten zu sparen, die der sozial- politischcn Wirksamkeit der Versicherungsträgcr zugute kommen nmrden.

Von anderer Seite des Ausschusses lvird die Einführung von Versicherungsämtern ebenfalls nicht für nötig gehalten. Ge­heimrat S p i c l h a g e n, der Vater der Reichsversicherungsämter, führt aus, daß die Tätigkeit der unteren Instanzen nicht all­gemein ideal sei. Welche Behörde in dem einen oder m dem anderen Falle zuständig sei, sei nicht immer leicht zu entstlmden. Hier solle eine Zentrale als Unterbau für das große Versicherungs­werk geschaffen werden. Gewisse. Arbeiten werden den Ver- sick-erungsträgern abgenommen. Tie Selbstverwaltung soll nicht beschnitten werden. Das Reichsversicherungsamt ist überlastet, die Rechtseinheit ist gefährdet. Die Entlastung kann nur aus dem vorgesckstagenen Wege erfolgen. 'Die lokale Instanz liegt durch­aus im Interesse des Arbeiters. Ter Borwurf weiterer Bureau- kratisierung müsse entschieden zutückgewiesen werden. Tie eigene Bezeichnung als Bersichernngsämter bezw. Oberversicherungsämter sei notwendig, um den einheitlichen Aufbau klar vor Angen zu stellen. Tie. Abönderungsanträge bedeuteten eine Verbesserung des Bereinheillichungsgedankens.

Scaatsslckretär Delbrück gibt einen historischen Uebcrbüd über die Entwicklung unserer Versichernngsgesetzgebung. Finanziell sind nicht immer günstige Ergebnisse zu verzeichnen gewesen. Die Erfahrungen des einen Versicherungszwerges konnten nicht nutzbar gemacht werden für die anderen Zweige. Diesem Uebelstande soll die vorgeschlogene Organisation abhelfen. Die Kosten werden nicht so groß sein wird, wie vielfach angenommen wird. Der Name verbürgt die kurze Adresse der zuständigen Stelle im Interesse von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Ter Staatssekretär hebt noch einmal alle Vorzüge der vorgeschlagenen einheitlichen Orga- stisation hervor. Sie sei keineswegs ein Verlegenheitsprodukt, sondern wohl erwogen.

Ein anderes Mitglied betont m seinen Ausführungen in erster 2mir den Ärbeckerstandpunkl und wünscht reine Reichsinstitutionen unter Ausschaltung des Staates und der Gemeinden. Der Redner empfiehlt den gemeinsamen Unterbau.

Bon anderer Seite wird betont, es würde kein Unglück sein, luenn das Reichsoersicherungsamt lediglich Revisionsinstanz bleibt. Der Redner versucht nachzuweisen, daß der Anschlag der Re­gierung weit überfrhritten werden wird. 12 bis 13 Millionen seien fieber erforderlich. Wenn man aber mit den Versicherungs- ämlern spare, verlören sie viel von ihrer Bedeutung für den Versicherten. Die Sonderversicherungsämter seien zu verwerfen. Es liege gnr kein Grund vor, die Betriebskrankenkassen des Reichs Und der Einzelstaaten anders zu behandeln als die übrigen. Darunter leide auch der Gedanke der allgemeinen Auskunfts­stellen Uebrigens brauchten wir diese behördliche Auskunftsstelle gar nicht Es liege eine große Gefahr darin. Die Regierung sollte nicht immer neue Funktionen übernehmen, sondern sich zu entlasten suchen.

Ten Ausführungen der letzten Redner trat Ministerial­direktor Caspar, unterstützt Vvn mehreren Ausschußmltglredern, in den meisten Punkten entgegen. Ein klares Bild über die Stellung des Ausschusses zu der Frage der Organpatwn laßt

sich heute noch nicht gewinnen, da die einzelnen Redner nur für ifae Person spraclzen. Die Aussprache wird Montag nachmittag fortgcführt.

Die Suterhmg der ZtM Gichen zur Lervisilasse C.

Gelegentlich der vorjährigen Beratung des Reichsbesoldungs- gesctzes hatte bekanntlich der Abg. Köhler bei der Zweiten Kammer den Antrag eingebracht, die Regierung zu ersuchen,

1 Tic Verhältnisse der Stadt Gießen inbezug auf Woh- nungs- und Lebenshalttmgs-Auswand der in ihr dornizil. rten Reichs- und Staatsbeamten einer genauen Prüfung zu unter­ziehen und hiernach das alles mit denselben Verhällnissen in der Stadt Darmstadt zu vergleichen;

2 durch ihre Bevollmächtigten zum Bundesrat wwohl in dieser Körperschaft, wie im Reichstage und in Einwirkung aut die Königlich Preußische Regierung (den Preußischen Eisen­bahn-Minister) eine Besserstellung ber Stabt Gießen, wie sie im Beschluß des Preußischen Abgeordnetenhaufes ge­plant erscheint, zu bewirken.

In der dem Antrag beigegebenen Begründung suchte, der Antragsteller durch den Hinweis auf die hohen Wohnungsmiet- und Lebensmittelpreise in Gießen und ferner durch den .Hinweis auf die Einreihung der Residenzstadt Darmstadt in die Servis- klasse B den Nachweis zu erbringen, daß die Zuteilung der Stadt Gießen in die Servisklasse C eine ungerechtfertigte Zurücksetzung der Beamten in Gießen bedeute. Der vierte Ausschuß, der ,ich mit der Beratung dieses Antrages zu beschäftigen hatte, erhielt dazu von der Regierung folgende Erllärung:

Nach der Auskunft, welche der Regierung über das für die Einreihung der Stadt Gießen in die Ortsklasse C zum Entwurf des Reichsbefoldungsgesetzes maßgebend gewesene Material erteilt worden ist, waren am 1. Januar 1907 Offi­ziere und Beamte des Reichs, sowie Beamte Preußens, welche keine Dienstwohnung inne hatten, vorhanden:

in den Wohnungsgelbzuschußtarifklassen

II III IV V VI zusammen 1 25 17 227 394 664.

Mietangaben lagen von 368 Offizieren und Beamten aus Gießen vor. 'Ter auf Grunb dieses Materials im Reiche amt­lich errechnete Einheitszimmerpreis belief sich für Gießen auf 125 Mk., der Einheitszimmerpreis in Preußen auf 111 Mk. Hier­nach wurde Gießen in die Ortsklasse C eingereiht, welcher alle Orte mit einem durchschnittlichen Einheitszimmerpreis von 121 bis 160 Mark zu gewiesen sind. Insoweit in dem Antrag des Abg Köhler auf die Höhe der in Gießen aufzuwendenden Mieten hingewiesen wirb, ist hervorzuheben, baß bic m Aus­sicht genommenen Wohnungsgelbzuschüsse etwa % der M iete nach Abzug ber ortsüblichen Nebenkosten zu becken bestimmt sind, in Gießen mithin bei burchschnittlichen Mieten für die Unterbeamten vvn 425 Mark sowie für bte mittleren Beamten von 755 Mark ausreichend wären. Die Miet ent schä- bigintg der Volksschullehrer, auf bie Bezug genommen wirb, beträgt allerbings für Gießen 600 Mark, hierbei ist aber zu berücksichtigen, baß nach Art. 8 bes Gesetzes über b:e Gehalte ber Volksschullehrer (in ber Fassung der Bekanntmachung vom 30 Oktober 1905) denselben freie Wohnung zusteht oder statt dessen der volle Betrag des Mietpreises für emo angemessene Wohnung zu zahlen ist.

Was den in dem Antrag des Herrn Mg. Köhler hervor- gehobenen Vergleich ber Städte Darmstadt und Gießen betrifft, so sind in ber Beantwortung der Anfrage ber Herren Abgg. Tr. Osann und Dr. Glässing vom 15. Mai l. I., betreffend die Einreihung ber Stadt Darmstadt in die WohnungsgeldNasse C, bie Verhältnisse ber letzteren Stabt näher besprochen, unb es wird bas Material, welches für biese Einreihung maßgebend war, dort ausführlich mit geteilt. Nach bem Ergebnis jener Ermittelungen war für bic Stabt Darmstadt der durchschnittliche Einheitszimmerpreis auf 158 Mark festgestellt worben, unb es ist hieraus ersichtlich, daß in ben Ausführungen ber in bem Antrag des Herrn Abg. Köhler mitgeteilten Zuschrift von Reichs- beamten und Beamten des hessisch-preußischen Eisenbahngemein- schaftsdienstes zu Gießen m i t Unrecht bic Verhältnisse

von Darmsta bt zum Vergleich herangezogen werben. , . . . ... ..

Es muß schließlich noch hervorgehoben werden, daß rur bie Feststellung ber Wohnungsgelbzuschüsse derLebenshchtungs- Aufwand", ber in bem Antrag des Herrn Abg. Kohler ebenfalls hervorgehoben wirb, in keiner Weise in Betracht kommt.

Nach ben oben mitgeteilten Verhältnissen wirb es für bte Großherzogliche Regierung nicht möglich sein, im tsinne bes auf Seite 5 bes fraglichen Antrags formulierten Ersuchens Anträge zu stellen oder dem Bevollmächtigten in Berlin Anweisung zu erteilen. , m .

Nach ben letzten ber Großherzoglichen Regierung zuge- gattgenen Mitteilungen ist in ber KomMission bes Reichstags erne Heraufsetzung ber Stabt Darmstadt in eine höhere Ortsklasse abgelehnt worden. Nach denselben Mitteilungen ist in den Kommissionsver Handlungen die Einreihung Gi cirs in eine höhere Ortsklasse nicht zu erwarten. Nach diesem Stand der Sache würde es sich eventuell empfehlen, eine Geltendmachung oder Befürwortung der in dem Antrag verfolgten Interessen in ben weiteren Verhandlungen bes Reichstags burch -Ibgcotbncte desselben -anzustreben, sofern nach dem oben mitgctciU.cn Material ein Erfolg hiervon erwartet wirb."

Der Ausschußberichterstattcr, Abg. Uebcl, teilt die vor stehenbe Zuschrift im Wortlaut mit und bemerkt dazu: Nach dem mittlerweile in Kraft getretenen Rcichsbcsolbungsgosetz vom 15. Juli 1909 ist sowohl Darmstadt, wie Gießen, ben Ergebnissen der angestellten amt li dien Ermittelungen über die Mietpreise entsprechend, d e r S c r v i s k l a s s e 6 z u g c tie 111. Die Reichsbeamten in Gießen sind somit benitmigen in Darrn- stabt gleichgestellt. Im übrigen dürfte durch die Mitteilung des Antrages an die Großhcrzoglichc Negierung und beten oben ab* gebrühter Nückäußerung dem Anträge entsprochen fern. Der Ausschuß beantragt daher einstimmig: den Antrag Kohler für erledigt zu erklären. '

hessischer Richtertag.

Frankfurt a. M., 29. Mai.

Der Hessische Richterverein, der älteste Lanbcsrichterverein Deutschlands, hielt am Samstag hier seine elfte ordentliche Hauptversammlung ab, bic gut besucht war Der Vor- sitzenbe, Oberstaatsanwalt von Hessert, gab ein -Schreiben bes Justizministeriums bekannt, toonadi der Iustizminister unb seine Räte burd) dringende Dienstgeschäfte verhindert sind, der Tagung beizuwohncn. Das Andenken des kürzlich verstorbenen Landesgerichtspräsibenten Herzberger würbe in üblicher Weife geehrt. Der Geschäftsbericht des Vorsitzenben ergab, daß bic hessischen Richter bem Verein fast ohne Ausnahme angehörem, Im Hinblick auf die Aussprache, die sich an eine auf ber vorigen Hauptversammlung gefaßte Entschließung geknüpft batte, wurde hervorgehoben, daß ein daran beteiligter Landtagsabgeordnetev den ersten Teil der Entschließung, in bet ausdrücklich das Recht des Landtags zur Kritik anerkannt ist, nicht gelesen zu haben scheine. Es mürbe mitgctcilt, daß ber Vorstand des Vereins zur Rücksprache über die von den Richtern hinsichtlich ber Besolbungsresotm vor­getragenen Wünsche bis jetzt von bem Ministerium nicht empfangen würbe. Man hielt eine regere Beteiligung bet Richter am öffent­lichen unb auch am politischen Leben für nötig. Eine solche würbe am 'besten innerhalb ber pjolitischen Vereine geübt. Bei öffentlichem Auftreten fei Vorsicht geboten und alles zu vermeiden, was zur Erschütterung des Vertrauens führen könne. Es wurde bargelcgt, welchen Verlauf die Verhandlungen über das passive Wahlrecht der Amtsrichter genommen haben unb daß man hoffe, ber Beschluß der Zweiten Kammer wurde Gesetz werben. Auch diesmal wurde betont, baß für bie Fortbildung der Richter mehr geschehen müsse. Die jüngsten Sparsamkeitsmaßnahmen des Justizministeriums, wie Nichtbesetzung etatmäßiger Stellen sogar am Obcrlandcsgetickt unb bic Verwendung unbciolbetcr Assessoren kamen zur Sprache. Die Ansicht der Versammlung wurde in folgender, einstimmig an­genommener Entschließung ausgesprochen:

Der Hessische Richtervetein erkennt an, daß bei der jetzigen Finanzlage Sparsamkeit in der Staatsverwaltung^geboten ist. Die Hessische Justizverwaltung hat von jeher hinsichtlich der persönlichen Ausgaben diese Sparsamkeit geübt. Tic Heran­ziehung der Assessoren zur unentgeltlichen Aushilselcistung sogar

GLetzenev Stadttheater.

Der Opernball.

Operette von V. Leon und H. v. Waldberg, Musik von Richard Heuberger.

Richard Heuberger ist trotz seines Alters er wird in wenigen Tagen 60 Jahre alt noch lange nicht so bekannt und geschätzt, wie es dem feinen und eigenartigen Ton­dichter zukäme. Seine lustige OperetteTer Opern- b a l l", die nach einem älteren Schwank bearbeitet rft, hat noch nichts von ihrer lebensfrischen Art verloren und die eingestreuten Lieder mit ihrer reizvollen Melodik hittien auch gestern das 'Publikum wieder zu starkem Beifall hin- qeriffcit. Das Lied vomFußband", das Alma Walle mit neckischer Munterkeit sehr nett vortrug, mußte teilwefte wiederholt werden, und auch die übrigen, wieUeberall, überall auf der Welt" (ich zitiere nach dem Gedächtnis, da kein Textbuch zu haben warf, das Liedchen vom See­mann, der Liebesbrief, die Liebesunterweisung u. a. wurden mit Begeisterung ausgenommen. Zur Erheiterung trug dor allem das famose Minenspiel des tatendurstigen Pantoffel­helden bei, der von Richard Heising mit drolliger Komik und ausgelassener Laune dargestellt wurde. Als seine mo­ralische,'anqejalfrte Frau entwickelte Tilly Stark die nötige Zimperlichkeit. Joses Fery spielte den abenteuer- lustigen Provinzjftädtcr mit Humor und Schneid und Maria Werten wußte das arme, kleine Frauchen sehr anmutend wiederzugeben. Ihr Lied Ueberall, überall aus dar Welt ist es schön, sand, wie schon erwähnt, eine sehr herzliche Aufnahme. Eine prächtige Karikatur schuf Erich Schon- selder als Oberkellner Philippe, der den sehr mageren zweiten Aufzug glücklich belebte. In ihrer kecken Rolle als Kammermädchen zeigte sich Grete Brill, die vom vorigen Jahre her noch in guter Erinnerung steht, von chrer günstigsten Seite. Ihre stimmlichen Mittel wiefen fowohl an Reinheit als auch Kraft des Tones eine erfreuliche Entwicklung auf. Bon den übrigen sind noä) -Herta Schroth und Karl Tralow als .Ehepaar Dumenrel zu nennen.

Der zweite Aufzug brachte eine Tanzeinlagc der Ge- schlvister E o r t i n i unter Leitung des Balettineifters <y. Eorrini. Sie tanzten zuerst einen russischen, dann einen Zigeunerrauz, die ebensoviel Beifalls fanden, wie die tnt folgenden Zwischenakt ausgesührten spanischen Tänze und der Ccckewall.

Die DLusit wurde von Herm. Weinack sowohl bei der Operette als auch bei Begleitung der Tänze gut geleitet, wenn

auch einige Keine Schwankungen jedenfalls durch eine Umbesetzung hervorgerufen nicht ganz zu vermeiden waren, namentlich bei dem Einsatz zu dem Duett der beiden Lebemänner im ersten Aufzuge. Die Leitung der Auffüh­rung besorgte Rich. Helftng mit glücklicher Hand. p.

Konjert zum Vesten des Saalbaufonös.

Um das Interesse für den Saatbau neu zu beleben, veranstaltete gestern ber Fronbauerfd)c Quartettverein in Ver­bindung mit bem Schulerschen Männerchor aus Franksurt a. M. ein Konzert in ber hiesigen Turnhalle.

Da beibe Vereine (zusammen ungefähr 150 Sänger) unter bet Leftung Professors Trautmann stehen, so war man schon im voraus sicher, einen musiüilischen Genuß zu haben.

Daß bte Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern weit über­troffen wurden, war wohl jedem Zuhörer klar, als BruchsVom Rhinn" bie Turnhalle burchbtauste. Von ergreifender Wirkung war PaleftrinasO hone Jesu", in bem das zarteste piamssimo unb größte Forte wunderbar zur Geltung kam. Auch die hierauf folgenden, sehr geschickt verfaßten zwei Lieder im Madrigalstil: Frohsinn" undHeimkchr"von I. Spenge!, erfuhren eine vor­zügliche Wiedergabe.

In Hcgars schwierigem Chor:Die beiden Särge" entfaltete ber Chor seine ganze Kraft unb bewies, daß er ben größten An­forderungen gewachsen ist. Von ben drei Volksliedern, welche ohne alle Finessen mit tiefer Innigkeit vorgetragen würben, mußte aus stürmisd)cs Verlangen dasWiegenlied" von Silcher wiederholt werden.

Als Solisten waren Frl. Hegpesi (Violoncello) aus Köln und Herr Aböls Müller aus Franksurt a. M. gewonnen.

Frl. Hegyesi spielte: Adagio unb Allegro in A-dur von L. Bo- cherini, bannStäubchen" v. L. Hegyesi, Abdagio cantabile von Norbim unb Gavotte von Popper. Die Dame verfügt über saubere Technik unb schönen, klaren Ton, besonbers in ber höheren Lage, auch bic schwierigen Flageolettöne gelangen ihr sehr gut. Bei fernerem fleißigen Studium dürfte sie bald zu ben besten Celli­stimmen zählen.

Herr Adolf Müller fang zuerst:Der Trmmps des Lebens" von Hugo Kann, eine eigenartige Komfwfition im Bailabenstil, bannSalomo", Ballabe von Hans Hermarm, sowieGanz leise" von Hans Sommer unbStelldichein" von Schumacher. Sämtlidie Lieder gelangen Herrn Müller vorzüglich und seine gereifte Sangeskunst noch besonders loben, hieße Eulen nach Athen tragen. Herzlicher Beifall zwangen Herrn Müller zu einer Zugabe.

Das Programm schloß in würdiger Weise mit GriegsLänd­erkennung". Auch hier waren der Chor und Herr Muller (Bary- ton-Solo) auf ber Höhe.

Die Begleitung am Klavier und Pedal-Harm onrum wurde von Herrn Pros. Trauttnann in gewohnter vorzüglicher Weise aus­geführt, X-

Die Schatzgräber des Meeres. Unermeß­liche Schätze sind im Laufe ber Iahrhunbertc mit sinkenden Schiffen in den Schoß des Meeres getaucht. Man kann ruhig von bem größeren Teil absehen, ber auf ewig in unerreichbaren Tiefen liegt, so bleiben bock noch viele Millionen übrig, bic nachweislich an gewissen Stellen in unbebcutenben Meercstiefcn liegen, von ben mittelalterlichen Silberflotten der Spanier bis zu den versunkenen unb versenkten Hilfsschisfen Englands in ben napoleonischen Kriegen. Zu ihrer Hebung siub seit Jahr- bunberten immer roieber Versuche gemacht, Tauchapparatc unb Unterseeboote erfunben, Gesellschaften gegründet, unb nicht immer ohne Erfolg. Eine neue Mcthobe hat jetzt ber bekannte englische Ingenieur Simon Lake vorgeschlagen, um alte vergrabene Schätze aus mäßiger Tiefe, z. B. bie versunkenen Schisse am Eingang ber Zuybersee, zu heben. Er hat ba;u einen schwimmenden Prahm mit großen Tampspumpcn zum Sand- unb Schlamm­baggern bauen lassen. Aus bem Jnnenraume bes Prahms geht ein Stahlrohr von fünf Fuß Weite unb 30 Meter Länge in geneigter Richtung nach unten, bis es an ben Boden stößt. Es kann weiter ausgestreckt unb mehr ober weniger geneigt werben. Unten enthält es eine Arbeitskammer, burd) beren Glasfenstcr elektrische Scheinwerfer bic Umgebung ablcmhtcn. Ist ber Ort bes ver­sunkenen Wracks gefunben, so werben bic Schläuche bes Baggers angelegt unb bie Pumpen gerührt, bic ihre geroaltige^Saugmirtung entfalten und 40000 Tonnen Schlamm in 24 Stunden ver­schlingen können. In wenigen Tagen kann so eine beträchtliche Schicht abgebaggert werben. Ist bas gesuckste Schifte oder was davon noch vorhanden fein mag, bloßgelegt, so beginnt die Arbeit der Taucher. Tic Arbeitstammer wird fest in den Sand gebohrt, bann geöffnet und mit Preßluft erfüllt, so baß sich bic Schatz­gräber im Schutz ber Druckluft unb ber stählernen Wänbe tief in ben Sand und Schlamm hineinarbeiten können. Glückt es an einer Stelle nicht, so richtet man das Tauchrohr auf einen anderen Punkt unb gräbt so den Meeresboben um, wie jene Schatzsucher ihren Weinberg. Schwere gesunbene Gegcnftänbe in er* ben gehoben, Wrackteile gelüftet usw. Auch große mechanische Werkzeuge außerhalb ber Ärbeitskammer treten in Tätigkeit. £af x hat dergleichen schon bei seinen früheren unterseeischen Booten mit Erfolg angetoanbt. Werben sic nun gehoben werden, die Millionen im Mecresschoß? Eines Tages sicherlich wird man einen Teil der einst versunkenen Schätze heben, unb sollten Quo bratmeilen des Meeresgrundes danach abgesucht werden. Ein' andere unb vielleicht wichtigere Ausgabe ber unterseeischen Schatz gröber wird aber bie sein, jene Schätze zu heben, bic bas Meer nicht empfangen hat, sondern fort unb fort erzeugt unb vermehrt: bie Perlen, die Korallen, bie Austern! Ihnen bürste in Zukunft die Tättgkeit all bieser Srfinbungen vorwiegend gewidmet sein.

Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissen sch afl. Julius Wolfs ist in seinem Charlottenburger Heim schwer erkrankt. Das Befinden des fast 76 jährigen Dichters, der vor einigen Monaten seine goldene Hochzeft feierte, gibt zu einiger Besoranis Anlaß.