ßfrcr wies der Finan-minister darauf fytit, daß eine solche Kenn- -eichnuna von zahlreichen Winzern zum Schutze der echten Weine yegen ausländische Nachahmungen, namentlich gegen den deutschen Schaumwein, gefordert wird. Die Etikette und Stein- pel sollten bestimmt sein, den Konsumenten eine Garantie für die Echthci des Weines zu geben und den Produzenten ein erweitertes Absatzgebiet zu schaffen. Da die öffentliche Meinung zurzeit mit den geplanten Maßnahmen sich noch nicht einverstanden erkläre, sei er, der Minister bereit, diesen Teil der Vorlage zrnmckzuziehen, er sei aber überzeugt, daß die Winzer schon morgen wieder danach verlangen würden.
^Schließlich lehnte die Kammer, wie sic es auch schon im Ausschuß getan hat, die Schuvbestimmungen mit starker Majorität ab.
Aus Hessen.
Wie uirs aus Darmstadt berichtet wird, hielt der dortige Nationalliberale Verein am Samstag abend eine Versammlung ab, in der Reichstagsabg. Landgerichtsdirektor Dr. Heinze- Dresden über die politische Lage im Reich sprach. Der zweite Redner war Herr Reichstagsabg. Dr. Osann, der zunächst die gegenwärtige „kleine Finanzreform" in Hessen näher beleuchtete und namentlich die Unmöglichkeit der Durchführung einer 30%igen Erhöhung der Einkommensteuer nachwies. Die Berechtigung und Notwendigkeit einer verstärkten Schuldentilgung habe im Finanzausschuß niemand verkannt, aber die gegenwärtige wirtschaftliche Depression sei nicht der richtige Augenblick dafür gewesen. Die gemeinsamen Verhandlungen beider Finanzausschüsse hätten überraschend gewirkt und eine Klärung^ der Verhältnisse herbeigeführt, bei der besonders erfreulich die Feststellung mar, daß die hessische Finanzlage nicht derart ungünstig sei, um eine so enorme steuerliche Mehrbelastung, wie sie der Finanzminister verlangte, zu rechtfertigen. Der Redner besprach dann dessen Rücktritt und legte dar, daß das Anwrtisatumsgesetz keinesfalls gegen die Erste Kammer durchzuführen gewesen wäre imd es richtiger gewesen wäre, schon früher, in besserer Zeitlage, damit zu kommen. Die von den Ausschüssen oorgeschlagene Erhöhung der Einkommensteuer um 15 Proz. und der Vermögenssteuer um 20 Pfg. für 1000 Mk., deren erste 1 669 500 Mk., die letztere 849 000 Mk. einbringe, unter gleichzeitiger Vornahme starker Ersparnisse im Haushalt, werde ausreichen, den Fehlbetrag zu beseitigen, chobc: mir zu bedauern bleibe, daß für die .Besserstellung der Beamten für dies Jahr keine Mittel übrig waren.
Deutsches Reich.
■ Wie amtlich aus Berlin berichtet wird, ergaben die Verhandlungen des Finanzministers mit den Vertretern der Frak- tionen, die eine llcbcreinftinuiurng der Regelung derWohnungs- qcldzuschüsse für die preußischen unmittelbaren Staatsbeamten mit den für die Reichsbeamten neueinge- führten bezwecken, daß die Ansichten innerhalb der meiste:: Fraktionen geteilt sind. Ein Teil der Abgeordneten wiuffcht die baldige Einführung einer reichsgesetzlichen Regelung, während der andere Teil Bedenken trägt, weil in der Orlsklasseneinteiltmg, des Reiches eine Reihe von Orten einer niedrigeren Ortsklasse zugeteilt sind, als gegenwärtig in Preußen. .Auf Grund der Besprechung wird innerhalb der Staatsregierung alsbald die Entschließung über das weitere Mrgehen getroffen.
Eche auf Einladung des Sozialdemokratischen Vereiils, des Demokratischen Vereins, des Vereins der Fortschrittspartei, des Rationalsozialen Vereins, der Neudemokratischen Vereinigung und des Vereins für Frauenstinmirecht in Frankfurt am Sonntag mittag 12 Uhr aus der Hundswiese abgehaltene „Riesen-Wahl- Lecküsdemonstration" unter freiem Himmel, an der über 50 000 Personen teilNahmen, und von acht Rednertribünen gesprochen wurde, verlief ohne Zwischenfall.
Unter dem Vorsitze des Präsidenten der Ortsgruppe Mai:rz- -Oppenheim, Kommerzienrat Dr. Bamberger, fand am Sonntag in Mainz unter riesiger Beteiligung in der Liedertafel eine Versammlung des Hansabundes statt, in der der Präsident des Bundes, Geheimcrcrt Prof. Dr. Ri es er über die Aufgaben des Hansabundes sprach. Seine Ausführungen, die mit großem Beifall ausgenommen wurden, unterstützten in längeren Ansprachen Vertreter der Industrie, des Handwerks, des Kleinhandels und der mänrrlichen und weiblichen AngestelltLn. Zum Schluß verbreitete sich der Handelskanunersyndikus Meesmann über die Scküffahrtsabgaben. Er sprach der l-essischen Regierung das Vertrauen des Hansabundes aus unb die Erwartung, daß die Zartere ssen Hessens bei der Einffihrung der Scktzffahrtsabgaben ge- maküt werden.
Aus München meldet man: Bei der Versammlung der Vereinigung der bayerischen Mitglieder des Dcuffchen Schulschi f f v e re ins , der u. a. der Großherzog von Oldenburg, Prinz lüupprecht von Bayern, sowie der Minister v. Brettreich beiwochcken, erstattete am Samstag der Geheime Kommerzienrat Petri Bericht über die bayerische Vereinigung. Sodann hielt Professor Schilling einen Vortrag über Las Thema: „Arbeit und Freude an Bord eines deutschen Schulschiffes". An dem Vortrag schloß sich ein Tiner, bei welchem Prinz Rupprecht einen Trinkspruch auf den Kaiser und den Prinzregenten ausbrachte.
Ausland.
Tie französische Kammer nahm im Verlaufe der Beratung des Finanzgesetzes erneu Artikel an, lvonach die Erb- s ch a f t s st c u e r n nach einem rasch steigenden Satze erhöht werden sollen.
Aus Petersburg wird gemeldet: Im Anitkohkow-Palais sand am Sonntag abend ein Familiendiner statt, an dem der K a i s e r, die Kaiserin- M alter, der K önig und die Königin von Bulgarien, die Großfürsten und Großfürstinnen teilnahmen. — Der aus den 26. Februar fallende Geburtstag des Königs von Bulgarien wurde festlich begangen. Im Wintervalais wurde ein Festgottesdienst abgehalten, dem das Königspaar von Bulgarien, die Großfürstin und Großfürstinnen, mehrere Minister und die Vertreter der diplomatischen Korps beiwohnten. Rach Entgegennahme der Glückwünsche fand bei den: Königspaar Frühstück statt. Die Stadt ist mit russischen umd bulgarischen Flaggen geschmückt.
Tie Aerzte raten, wie aus Stockholm gemeldet wird, dem :-'4 g von Schweden, nach der jetzt glücklich beendeten ^r^LankhsLt zur vollständigen Wiederherstellung seiner Kräfte einige Zeit in elftem milderen Klima zuzubringen; wahrscheinlich findet die Abfahrt wich dem Süden Mitte März statt.
Wie das Konstanttrwpclcc Blatt „Sabah" meldet, ereignete sich am 23. Februar ein neuer Zwischenfall an der bulgarischen Grenze in der Zone Goektepe (Wilajet Adrianopel). Bulgarische Soldaten feuerten aus dem Hinterhalte auf zwei türkische Soldaten, von denen einer getötet wurde.
Wie aus T c V, ■: r a n gemeldet wird, ist zwischen den russischen und den persischen Behörden ein Kvnflikt um die Fis ck ere irechte des Russen Liqnosoff aus dem in den Gols von Enscli mündenden Flüßchen Tschnmußhall entstanden. Lianososf trat in dieß'm Jahre die Fischerei zum ersten Male nicht an persische, sondern an russische Fischer in Unterpacht ab. Als diese in ihre neuen Besitzrechte in Gegenwart des russischen 5ionsw- latsagenten eingeführt werden sollten, wurden sie von persischen Untcrbcamfcn mißhandelt und vertrieben. Tic russische Gesandtschast verlangte Genngtu- n n g. Ti; persische Regierung ’aumt uock. immer die Schuldige:: zu tejkafen und neigen sich, i'.it russischen Fischern den Fluß zu übergeben, unter dem Vorwande, daß mich der Konzession Lianososfs die Pachtrechte nur an Perser über tragen werden könnten.
Gegenüber anderslautenden Gerüchten jteUt eine Rote dcr Agenze Havas fest, daß c-> absolut unrichtig sei, daß der Bries M ulet) HajidS an E l M o t r i, in dem die Annahme des
in Paris unterzeichneten Abkommens mit geteilt wird, unecht ist. Als der französische Konsul in Fez Muley Hasid die Aufforderung Frankreichs überbrachte, erklärte der Sultan, er habe die Abkommen bereits ratifiziert, die Aufforderung hierzu sei infolgedessen gegenstandslos, aber da das Ultimatum den Zweck hätte, gleichzeitig die Ratiffkation der Abkommen, die Unterzeichnung der Anleihe und die Regelung der auf die französische Militärmis'ion sich beziehenden Fragen zu sichern, bemerkte der Konsul, er müsse ausdrücklich um Genugtuung in allen diesen Fragen bitten. Ter Sultan und der Großwesir erklärten hieraus, alle geforderten Genugtuungen sollten gegeben werden. Tie französische Regierung wird diese Anttvort erst nach schriftlicher Bestätigung des Konsuls als erhalten ansehen.
In Teheran fanden gegen die Aufnahme einer Anleihe vom Auslande Protcstvcrsammlungen statt.
In einer Sitzung des Marineausschusses des Repräsentantenhauses teilte, wie aus Washington gemeldet wird, der Ma- rinestaatssckretär mit, er würde die Ermächtigung des Hauses nachsuchen, im Jahre 1911 ein Linienschiff von 32000 Tonnen zu bauen, das etwa 18 Millionen Dollars kosten würde. Bon anderer Seite wurde im Ausschuß daraus hingewiesen, daß die Regierung aus nichtamtlicher Quelle erfahren habe, Japan habe bereits mit dem Bau zweier Schiffe dieser Größe begonnen.
Wie dem Reuter'schen Bureau unter dem 26. Februar aus Darjiling gemeldet wird, stellt sich jetzt heraus, daß der Dakar Lama sich nickt an die indische Regierung wenden will, sondern sich aus dem Wege nach Peking befindet, um seine Beschwerden der dortigen Regierung vorzutragen. Er habe den Weg über Indien gewählt, um sein Reiseziel schneller zu erreichen.
Nach einem in Newyork aus Peking eingetroffenen Telegramm machte der britische Geschäftsträger dem chinesischen Auswärtigen Amt freundschaftliche Vorstellungen bezüglich des Interesses Großbritanniens an der Sage in Tibet, speziell an der Erhaltung des Friedens und der Ordnung an den Grenzen. Der Geschäftsträger erkundigte sich auch formell nach den Absichten der chinesischen Regierung._________________________________________________
Aus staSt und Lund.
Gießen, 28. Februar 1910.
* ** Stadttheater. Es fei darauf hingewiesen, daß für Mittwoch noch eine und zwar unbedingt letzte Aufführung von Oskar Wildes „Salome" ermöglicht wurde. Diese Vorstellung bedeutet zugleich das letzte Auftreten von Frl. Sybil Vane.
* • Geschäftsjubiläu m. Morgen feiert unser Mitbürger Martin Dörr in voller Rüstigkeit sein 25jähriges Geschäfrsjubiläum. Aus kleinen Anfängen heraus hat Herr Dörr es verstanden, sein Geschäft fortgesetzt zu erweitern und in die Höhe zu bringen. Das Streben von Meister Dörr hat denn auch allseitige Anerkennung gefunden, und zur besonderen Festesfreude des Jubilars gehört es, daß er sich am heutigen Tage dankbar des Umstandes erinnern darf, in diesen 25 Jahren ununterbrochen das Vertrauen und die Kundschaft vieler erster Firmen zu besitzen.
* * Schwindler. In letzter Zeit tauchte in verschiedenen Universitätsstädten ein Betrüger auf, der zum Teil recht gute Geschäfte machte. Ec gab an der Wohnung von Professoren in deren Abwesenheit ein Paket nebst quittierter Rechnung einer am betr. Platze befindlichen Buchhandlung ab und gab an, es enthalte vom Herrn Professor bestellte Bücher. In den meisten Fällen bezahlte das Dienstpersonal die Rechnung und später stellte es sich denn heraus, daß es Schwindel war und das Paket nur ein wertloses Buch enthielt. Hier ist der Betrüger bis jetzt noch nicht ausgetreten, es sei deshalb vor ihm gewarnt.
• ** Unverbesserlich. Vor noch nicht 14 Tagen wurde der wegen Diebstahls rückfällige und oft bestrafte Emil Zimmermann von hier aus dem Gefängnis entlassen und am letzten SamStag mußte er schon wieder wegen Diebstahls in Untersuchungshaft genommen werden. Am Jilstizgebäude machte er einen Fluchtversuch und setzte dem ihn transportierenden Schutzmann den heftigsten Widerstand entgegen. Da Zimmermann als Ausreißer bekannt ist, hatte der Schutzmann besondere Vorsicht walten lassen, sonst würde die Flucht wohl geglückt sein.
* * Warnung vor AuswanderunL. Eine Firma Edendale il Eomp. in London macht Propaganda sür die Auswanderung nach der Delta-Kolonie in Argentinien, einem Unternehmen zur Kolonisation des Parana- Deltas. ES sei daraus onsmerlsam gemacht, daß uach zuverlässigen Auskünften dieses Unternehmen den deutschen Auswanderern keineswegs empsohlen werden kann, so daß gegenüber diesen Anerbieten Vorsicht zu empfehlen ift
* * Zeppelin und die Jugend. Die Begeisterung, von der unser Volk nach den großen Taten Zeppelins ersaht wurde, schlug besonders bei oer Jugend in Hellen Flammen auf. Die Glückwünsche und Andichtungen, die Graf Zeppelin gerade von der Jugend empfing, fanden sicherlich allgemeinen Beifall. Eigentümlich erscheint aber eine Bitte, die ein Schüler einer Höheren Schule in Oberhessen an den Grasen gerichtet hat. Er ersuchte vor einiger Zeit in einem "Brief den Grafen Zeppelin um Zusendung von 100 Mark, um sich eine Dhnamomaschine taufen zu können. Vom bevollmächtigten Sekretär des Grasen kam darauf die richtige abweisende Antwort, die durch Zusall auch in die Hände der Direktion der Lehranstalt gelangt ist.
’ * Die Musterungen für den Kreis Gießen haben heute ihren Anfang genommen.
•• Für Oder - M ockstadt, bezw. die bei dem Bank- krach Geschädigten, gab der Fürst zu Isenburg-Büdingen eine Spende von 1000 Mack.
A Klein-Linden, 27. Febr. Eine sehr stark besuchte landwirtsch. Versammlung sand gestern abend im Gasthaus „Deutsche Eiche" statt. Herr Kreutz hielt einen Vortrag übernatürliche und künstliche Düngemittel, ihre Beschaffenheit und zweckmäßigste Verwendung. Dann sprach er noch besonders über den Kartosf el ba u, Kartoffel- iorten und Auswahl von Saatgut. Eine rege Besprechung schloß sich an. Ueber hundert Zentner Saatkartoffcln wurden aus den SaatbauftcUen der Landwirtschaftskammer bestellt. Es wurde aus der Versammlung heraus angeregt, einen lanbro. Verein zu gründen, um öfters belehrende Vorträge über die verschiedensten Gebiete des Ackerbaues und dec Viehzucht zu veranstalten.
A Beuern, 27. Febr. „Heber die Förderungsmaßnahmen der Landwirlschaslskammer inbezug aus die Hebung des Ackerbaus" sprach heute nachmittag Herr Kreutz» Kleiu-Linden un vollbesetzten Saale des Gastwirts Wagner. 'l)ht Ausmeiksamkeit folgten die Zuhörer den Aussührungen. Als Vertreter der Landwirtschafteiammer wohnte der Vorsitzende dcr Ackerbaukommisslon Fenchel -Qberhörgern dem Vorträge bei.
w. Babenhausen, 28. Febr. (Tel.) Dec Oberbahn h ossvorst eher Flügel hat sich gestern in der Gersprenz ertränkt.
L.'Friedberg, 27. Febr. Gestern abend erfolgte an der Fr i ed b e r g - H un g e ne r B a hn str eckc, am Ausgang dos Friedberger Bahnhofs, ein größerer Damm- rutsch. Er ist jedenfalls durch den anhaltenden Regen entstanden. Glücklicherweise wurde der Vorfall rechtzeitig bemerkt und so ein Unglück verhindert. Die Züge mußten vor der Station halten und die Passagiere über die Schienen gehen, nm aus- und einsteigcn zu können. Die Störung wurde im Laufe des Sonntags behoben, so daß die Zügc jetzt wieder regelnräßig verkehren.
A Friedberg, 27. Februar. Landwirtschaftsschüler aus der Rheinpfalz werden im Juni hier zu einem 2—3tägigei: Besuch hier cintceffen, um die landwirt- schastliche Bewirtschaftungsweise der Wetterau kennen zu lernen. Es sollen Ausflüge in die Gegend Friedberg, Butzbach und in den Kreis Gießen stattfinden.
eh. Krofdorf, 27. Febr. Hier fand heute in dem Saale des Gastwirts Freund eine B e r s a m m l u ng ftatß die von mehreren hundert hiesigen Bürgern, sowie von den Ortsvorständen und sonstiaen Interessenten aus Wißmar. Launsbach, Rodheim usw. besucht itxtv. Die Versammlung, die von Bürgermeister Braun einberufen tootben ist, sollte der Bevölkerung Aufklärung über die Vorteile der Elektrizität für Beleuchtungs- und Kraftzwecke, namentlich auch m landwirtschaftlichen Betrieben geben und dadurch der in Aussicht genommenen Versorgung von Krosdorf und den umliegenden Dörfern mit elektrischer Energie vom Gießener städtischen Elektrizitätswerk aus den Weg bahnen. Sürger- merster Braun bemerkte in seinen EiriZangsworten, daß die Gemeindevertretung zuerst die Absicht hatte, Krofdorf mit Gas-Straßenbeleuchtung von Gießen aus auszurüsten. Nachdem aber die elettrifchc Beleuchtung neuerdings sich verbilligt habe, fei beschlossen wordrn, sich wegen Anlage einer elektrischen Ueberlandleikung nach Krosdors und den benachbarten Dörfern pn die Stadl Gießen zu toeuben. Direktor Sto11e vom städtischen Elektrizitätswerk legte dann in eingehendem und allgemein verständlichem Vortrag die Kosten dcr Beleuchtung und der Verwendung elektrischer Kraft in gewerblichen und landwirtschaftlichen Betrieben dar, indem er sie mit den Kosten bei Verwendung von Gas und Petroleum verglich. Er kam zu dem Schluß, daß bei genügender Beteiligung die Stadt Gießen die Ele'irizität hierher wohl zu demselben Preis liefern könne, wie er in der Ltadt bezahlt werde. (Wegen der Wichtigkeit der Frage für weitere Kreise werden wir noch ausführlicher auf die Ausführungen des Direktors Stolte eingehen. Red.^-. Eine an den mit Beffall aufgenommenen Vortrag sich anschließende Besprechung trug noch wesentlich zur Aufkkarui^ bei. In ihr führte Herr Stolle auf Anfragen aus, da»z zweckuuißiger Weise zunächst Krosdors angeschlossen werde und von dieser Leitung aus im Bedarfsfall später Zweigleitungen nach Wißmar, Launsbach, Rodheim ufw. aus geführt würden. Auch die Frage der clektrischen Bahnverbindung mit Gießen wurde ge-strem, jedoch von dem Vortragenden geraten, die Frage der Lichtversorgung zunächst allein AN behandeln, da die Stadt wohl kaum an eine Vergrößerung des Bahnnetzes Herangehen werde, bevor sic über daS finanzielle Ergebnis des ictzigen Straßenbahnbetriebes einen Ueberblick gewonnen habe. Bürgernicistec Braun teilte noch mit, daß demnächst Fragebogen wegen der zu erwartenden Lampenzahl an die Einwohner verschütt werden würden, von deren Ergebnis es abhängen werde, ob Krofdorf noch in diesem Jahr elektrisches Licht bekomme.
X Dutenhofen, 27. Febr. Auf eine 25jährigc Tätigkeit in derKirchengcineinde Münchholzhausen—Dutenhofen blickt in diesen Tagen Pfarrer Gcibel zurück. Herr Geibel ist ein Sohn des in Krosdors 1903 verstorbenen Pfarres Geibel, wirkte früher als Pfarer in Crumbach- Franken dach. Der Jubilar gilt als eine geachtete Persönlichkeit, er verwaltet seit einem Jahrzehnt das Amt eines Kreisschul^ mspektors (Bezirk Wetzlar). Unsere Gemeinde verdankt ihrem Pfarrer gar manche segensreiche Einrichtung, von denen wir nur die Begründung einer Kleinkinderschule und den Erweiterungsbau unserer uralten Kirche erwähnen wollen.
= Biedenkopf, 26. Febr. Das an der Eisenbahn Marburg-Herborn liegende Dörfchen Hartenrod wird in letzter Zeit viel genannt und noch mehr besucht. Nicht die Reize der sog. Hinterländer Schweiz sind es, welche die fremden Gäste jetzt zu Hunderten täglich in jenes Dorf führen, sondern eine Wunderdoktor-Firma, die sick dort etabliert hat. Zlvei fremde Männer haben dort eine Heilanstalt gegründet und ihr Geschäft geht so gut, oaß sie täglich in der Zeitung einen Assistenten und einen Buch- l)alter suchten. Der eine der HeiltünNer soll, wie erzählt wird, früher Gehilfe Bei einein chinesischen Arzt gewesen sein. Ueber den Erfolg der Kuren wird viel geredet und geschrieben, und es gibt genug Leute, die von der Tüchtig- leit der Hartenrod er Heilanstalt überzeugt sind. Anch die Behörden haben sich schon mit den Wunderdvltoren be- schästigt. Neuerdings soll sogar wegen einiger mißglückter Kuren von der Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen sie eingeleitet sein. Trotzdem läßt der Bciricb in Harten' rod nicht nach, selbst aus den Universitätsstädten Marburg und Gießen suchen Leidende dort Rat und Hilfe. Die Bc- völierung von Hartenrod, besonders die Geschäftsleute, sind entzückt von den neuen Dorsgenossen.
X. Hanau, 28. Febr. Die Frage der Errichtung einer elektrischen Ueberlandzentrale steht im Kreise Hanau mit im Vordergründe beS Interesses. Arn Mittwoch beschäftigte sich eine vorn Verbände der lanbro. Genossenschaften cm- berufene Versammlung mit dieser Angelegenheit, gestern hielt der lanbro. Kreisverem Hanau eine Sitzung ab, in der Ober* Ingenieur Stamm vorn Sierncns-Schuckert-Wcrkc über „Tie Elektrizität im Dienste der Lanbroirtschaft" sprach. Die Zweckmäßigkeit ber Errichtung einer elektrischen Ucberlanbzentralc würbe allgemein anerkannt. Dec Kreisausschuß beS Landkreises ist ber Ansicht, baß ber Kreis Hanau selbst als ber berufene Faktor zur Verwirklichung bcS Projektes anzu- fehen ift.
fc. Königstein i. T., 27. Februar. Eine Riefen« Eiche, bie stärkste wohl im Taunus, kam vorgestern im Distrikt „Maihel", Obecföcsterei Königstein, zum Berkau'. Der Baum hatte 21 Kübikmetcc unb ein Alter von zirka 600 Jahren unb würbe gepflanzt • zn ber Zen etwa als Königstein släbtifche Rechte (1312) erhielt. Dcr Baum brachte einen Erlös von über 1700 Mark.


