Ausgabe 
28.2.1910 Erstes Blatt
 
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1 21496 und der Schriftsteller Dr. Erdmann (Soz.) 13 382

Marx wurde somit, was man nicht anders,

Stimmen.

erwartet hatte, gewählt.

zahlreich erschienenen Zuhörern teilweise sogar bei offener Bühne I seine Lebensweise nicht geändert, noch heute arbeitet er als>schmick! starken und herzlichen Beifall. War auch die Regie im einzelnen m den Eiienbahmuertilatten, und als nttin rchr zu befhmmetH klug zu Werke gegangen, so wäre doch die Einlage im dritten Bild suchte, ,eme ganze Arbeitskraft nur noch 'eurer^unsk zu wibnuM Zweckmäßiger im Kreis der Gäste gespielt worden, wie das sonst meinte er nur lächelnd:Ein ehr,ames vandwerk halt Lech und

Seele gesund".

ng einen Erfolg, wie er mit dem ^ute gilt er in der literarischen 2SeU als ein anerkanntes Talcur,

SR&ffi.S b°i benl«m d°m mm, j,ch G°°°es °-r»uA. über Alft-d Willms hm

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Kreide zu erringen verstand.

So Hot das Ministerium Ewald in dem eingetretenen Postenwechsel eine Veränderung erfahren, die gewiß überall im Lande mit Zustimmung und Befriedigung begrüßt werden und dem Großherzogtum zum Segen gereichen wird!

R-B Darmstadt, 28. Febr. Der Großl,erzog hat bereits gestern mittag in der Audienz der Minister Ewald, Braun und Hombergk zu Bach das Dekret unterzeichuet, nach dem Braun zum Finanz- Minister und Hombergk zu Bach zum Minister des Innern ernannt wurden. Die Minister Braun und Hombergk zu Bach hatten sich zu Staatsminister Ewald begeben und fuhren mit ihm um V212 Uhr zum Grotzherzog, wo sie eine lange Audienz hatten.

Vie Reichslagsstichwahl in Mülheim.

M ü l h o i m a. R h., 26. Febr. Bei der heutigen Reichs- tagsstichwahl im Wahlkreise Mülheim a. Rh.-Wipperfürth- Gummersbach erhielt Oberlandesgerichtsrat Dr. Marx (Ztr.)

Anträge in der zweiten hessischen Kammer.

T«r Abg. Dr. Gl äs sing hat der Zweiten Kammer solgcndar Antrag eingcreicht: , .

Tic Kammer wolle tue Regierung' muchen, erne sondere Gesetzesvorlage vorzulegen, rooiwt) die G c m e > n d ej zur E r h ebun ä i 11 bi r c t tf r S t e ii e r n innerhalb der durch: bie Reichs- und Landesgesetze zurzeit gezogenen Grenzen befugt '"'Die Bezirksvereinigung Hessen des Verbandes Deutscher Rechts an walts - und No ta r ia t s bu rea u dea mteu hur fttlgende Bitte cingebracklt: m .

Tie Kammer wolle beschließen, die Grvtzherzoglrchr Regrerungl zu ersuchen: . , .

bei der infolge der Einführung der ZivilProzeßMovelle erfordere lich werdenden Vermehrung des Personals j?cr 6>erichtsschreibe^ rcien in erster Linie bie infolge des Gesetzes entlassenen Rechts­anwalts- und Notariatsgehilsen zu berücksichtigen.

Der sranzösische Solltarif.

Paris, 27. Febr. Die französische Deputierten-q Dämmen genehmigte die Erhöhung der Steuer auff Tabak, insbesondere auf fremden Tabak. Mehrere Redner bekämpften sodann die Paragraphen des Finanzgesetzes, die für bestimmte Weine, namentlich solche aus der Champagne, eine sichtbare KennzeichnungdesUrsprungs verlangen. Nach ihrer Meinung würde die unbequeme Maßregel nur den geringe wertigen oder gefälschten Weinen zugute kommen. Demgegen-f

- Gießener S t ad t t h e at e r: Robert und Bert­ram. Raedcrs beliebte und gern gesehene Posse R o b e r t unö Bertra m erzielte gestern unter Hermann N o r d t u^ [tilgeremtex Leitung einen (Syolg, wie er mit dem lMttgeu Ätf:elmenihKt seit Jahr und Tag verbunden ist.

Der Planet Mars nach neueren Untersuchs ungen heißt ein großer Aufsatz, den Svante Arrhcnius, der schwedische Astronom, im Märzheft der FleischerschenDeut-, scheu Revue" (Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt- veröffeiltlicht. Nach eingel>ender kritischer Besprechung der verschiedenen Mars- thoorien, mob-ei er namentlich auch die Aittnungen FlammarionÄ imb Lowst.s würdigt, kommt er zu diesem Schlußergebnis: ,«Alles Ceutet demnach darauf hin, daß der Dbars ein gefrorenes Planet ist, auf dem kein Platz fürorganische Wesen, gesck-weige denn für intelligente Wesen ist. Es ist deshalb nötig, eine Erklärung der Erscheinungen auf dem Mars aufzufinden.', die nicht mit hypothetischen grünen (Warten der Marsbewohner und noch weniger mit Ingenieurarbeiten von unerhörten Tim;v. Itonen operiert. Aus diese Weise kann man natürlich alles . . klären", besonders wenn die Intelligenz der Marsbew^>-u<^o groß angenommen wird, daß wir ihre Pläne nicht zu enträtseln! vermögen. Wie ich zu zeigen versucht habe, jft Kn' Verständnis! der Marsersäreinungen mit Hilfe der von der (Srbc bekannten Kräftch gar nicht unmöglich. Ebenso ivie alle genauen Beobachtungen! über den Maxs zeigt diese Untersuchung, daß der Mars eine fast ausgestorbene Welt ist. Sobald die Atmosphäre zufolge der Ab-» lül/lung und Verwitterung verschwindet, wird der Mars ebenso un-- veränderlich wie der Mond sein. Sckzon längst ist alles Leben! dort ausgestorben, wenn es überhaupt je ausgetreten ist." Die ganze Sache wird also immer verwickelter, denn in den letzten Jahren hat jeder Astronom seine eigeneMarstheorie" entwickelt, unb jeder halt den anderen für einen Phantasten. Wann wird« lvimnen der Tag, der uns unwiderleglich belehret ?

Deutsch auf der Spei sek ar te. Die schweizer Gast­wirte stehen zmveiten, besonders in Sachen der Kochkunst, mit der deutschen Sprache auf gespanntem Fuße, unb deswegen hat der Deutsch-schweizerische Sprach-Verein ihnen ein kleines Wörtz r- buch übergeben, das sie in dringenden Notfällen zu Rate sieben sollen. Nun tischte ein Gastwirt eines schönen Tages einer Gesell­schaft von Sprachgelelpten ein Gericht auf, das bisher immer alsris de veau ä la jardiniäre" anfgesührt worden war les ist .Kalbsmilch mit Gemüse Es mußte unbedingt deutsch aus-! gedrückt werden, und nach.längerem Worterbnehivätzen brachte der Sprack künstler dann die treffliche Uebersetzung zustande:Das Lächeln dcs Kalbes an der Gärtnerin".

Kleine Chronik ans Kunst und Wissenschaft, Seinen 70. Geburtstag begeht am 28. Februar der Direktor dep Augenklinik an der Universität Heidelberg, Geh. Rat Prof. Dr. med. Theodor Leber.

vielseitigen Tätigkeit in der inneren Verwaltung und auch als Leiter des Ministeriums des 3'iinern soviel Umsicht und Geschick, klaren Blick und guten Willen bekundet, daß man ihnr auch für seine neue, schwierige Aufgabe als Finanz­minister volles Vertrauen entgegenbringen muß. Er ist zudem auch durchaus fein Neuling auf dem Finanzgebiete. Es sei bitt daran erinnert, daß er nach Ablegung ferner juristischen Examina viele Jahre bei den verschiedenen Kreis- ämlern tätig war, zuletzt in Mainz, von wo er auch nach Berufung des damaligen Provinzicudirektors Rothe mit tns Ministerium überfraL Er kam als Obersinanzassefsar und Hilfsurbeiter ins Finanzministerium und hatte hier reiche Gelegenheit, sich gründliche Kenntnisse über das Finanz­wesen zu erwerben. Als Minister des Innern war ihm zudem seither schon das ganze Finanzgebaren der Städte uni) Gemeinden unterstellt, und das von thm gemeinsam mit Ministerialrat.Weber herausgegebene Staatshandbuch beweist, welch vielseitiges, umsaftendes Wissen der neue Finanzminister zur Lösung der ihm gestellten außerordent­lich schwierigen Aufgaben mit sich bringt.

Dem neuen Minister des Innern, Herrn v. Hom­bergk zu Vach geht der Ruf eines ausgezeichneten, m 30jähriger Diensttätigteit erfahrenen Beamten voraus. Er ist am 6. März 1857 in Darmstadt geboren und hat die Gym nafien in Darmstadt und Offenbach besucht, wohin fein Vater als Hauptmann bei den I igern übersiedelte Nach Vollendung seiner juristischen Studien in Gießen und Berlin war er zuerst beim Amtsgericht in Darmstadt beschäftigt, wo er dann nach dem Staatsexamen, das er bestand, 1883 zum Polizeiinspektor ernannt wurde, bis er nach kurzer Tätigkeit beim Kreisamt Schotten im Herbst 1886 zum Kreisamtmann in Worms ernannt wurde, wo er über em Jahrzehnt verblieb. Zum Kreisrat ernannt, übernahm er 1897 das Kreis amt zu Alzey und im Herbst 1900 kam er als Kreisrat nach Offenbach, von wo er im Herbst 1908 zum Provinzialdirektor der Rheinprovinz an Stelle des nach Berlin versetzten Herrn v. Gagern nach Mainz berufen wurde. Herr v. Hombergk hat sich namentlich in seiner langen, er­folgreichen Tätigkeit in Offenbach und zuletzt in Mainz als ein hochbefähigter und gewandter, von strenger Pflichttreue und großem Gerechtigkeitssinn erfüllter Beamter erwies en, der sich auch in schwierigen Lagen auss Beste bewährte und auch im persönlichen Verkehr rasch bie Sympathien aller

Die Reise drr Grafen Aehrenthal. ;

München, 26. Febr. Heute, nachmittag gab bet Prinzregent zu Ehren des Grafen v. ckehrenthal Hof­tafel zu 24 Gedecken, zu welcher noch geladen waren., die Mitglieder der österreichisch-ungarischen Gesandtschaft, samt- liche bayerischen Minister uno Hofchargen.

Graf Aehrenthal stattete heute mittag dem preußischen Gesandten Dr. v. Schloezer einen halMündigen Bef uch ab und besichtigte später die Schackgalerie, das Deutsche Museum und das Nationalmuseum.

Wien, 27. Febr. Graf Aehr en th al ift heute vor­mittag hier wieder eingetroffen.

Konjcrt des vauerschen Gesangvereins.

Zur Feier seines 46. Stiftungsfestes veranstaltete der Bauer'sche Gesangverein" am Sonntag ein Konzert in der neuen Aula. Der etwa 70 Sänger zählende Chor, der unter der ziel- bewußten Leitung des Herrn Otto Görlach fteht,_ bewies aufs neue seinen guten Ruf und zeigte durch seine Vorträge, daß tüch­tiges Können und ernstes Streben in ihm steckt. Mit Liebe und Begeisterung ist da jeder einzelne Sänger bei der Sache und ge­horcht dem leisesten Winke seines Dirigenten. Von den zum eil recht schwierigen Chören seien besonders erwähnt:Des Geigers Heimkehr" undDie beiden Särge", beide von Fr. Hegar, bie mit vorzüglichem Vortrag unb sauberer Ausarbeitung gesungen wurden Ferner:O Lust am Rheine" unb's Liesel", zwei Lieder hiesiger Komponisten: ersteres von unserem Universitäts- Musikdirektor G. Trautmann stellt an die Tenöre große Anfor­derungen .hohes C) und war durch seine Frische und Natürlichkeit von besonderer Wirkung, letzteres gefiel sehr durch seinen volks­tümlichen Charakter. Auch alle übrigen Lieder legten Zeugnis ab von dem guten Geschmack und der vornehmen Auffassung des Dirigenten. Schade, daß selbst bei diesem erstklassigen Verein die Tenöre zu wenig Wohlklang besitzen, am besten gelangen, bte hohen Töne im Falsett. Vorzüglich waren die Bässe, bte stets weich und schön klangen, und dadurch das zarteste Pianiftimo zu wunderbarer Wirkung brachten. Eine Enttäuschung bereitete die als Solistin gewonnene Frl. Ella Schmücker aus steglttz- Berlin, sie sang mit etwas spröder, zum Tremolieren neigender Stimme u. a. Lieder von Weingartner, Hugo Wolf und Mozart. Jedenfalls war die Dame schlecht disponiert, denn auch im Vor­trag fehlte die rechte Wärme. Mit SchumannsNovellette,, GriegsLyrisches Stück" und MendelsohnsRondo capriccioso kam unser heimischer Pianist Herr Julius Hahn zu Wort. Seine ausgezeichnete Technik konnte er besonders bei Mendelssohn ent­saften, während Schumann und Grieg in der Auffassung die Seele vermissen ließen, auch war bei letzterem das Tempo zu sehr überhastet. Die Begleitung der Lieder wurde in 'feinfinniger Weise - fast zu dezent gleichfalls von Herrn Hahn ausgefuhrt.

EinSchmied als'Dichter. Aus London ttftrb berichtet: Das bevorstehende große Festmahl der Poetry Recital Society, das zu Ehren der Nachkommen berühmter englischer Dichter veranstaltet wird, wird als Ehrengast auch einen lebenden Dichter an der Tafel sehen, dessen Ruf erst .seit kurzem an die Leftenllichleit gedrungen ist, Msved Williams, den Schmied, der, am Tage mit rauher Hand den Hammer führt und in seinen freiem eüunbcn dichterische Werke geschaffen hat, bie in der literarischen Welt Engla. s Aufsehen erregt haben. Alfred Williams ist noch ein mngcr .stann. Als Kind armer Leute wurde er in einem Land- fteden in der Nähe von Swindon geboren; selbst die Absolviernnp der Volksschule blieb ihm versagt, denn schon in. frühem Alter mußte der Knabe als Aushilfe bei Landarbeiten sich selbst fein Boot suchen. Mit 11 Jahren verließ er die Schule. Drei Jahre später sattelte er um und wurde Lehrling in ben Eisenbahnwerk­stätten, wo er mit der Seit zum Schmiedegesellen aufrückte und beute als SckMied am Dampfhammer arbeitet. Mit 20 wahren mürbe der junge Williams ein leibensckinftlicke'' Leser, und dio Lektüre lehrte ihn bald, die Lücken seiner Bildung b !stx empfinden. Als er Milbon und Shakespeare gelesen hatte, eiiic .1 er sich, in seinen Freistunden au studieren und wurde Hörer eines eng­lischen Kollegs .für Literaturgeschichte in Ruskin hall. Er war ehrgeizig, intelligent, faßte leicht auf, erlernte mit verblüffender Leickchaftit Latein und später auch Griechisch und, Französisw. Am Albend, wenn er von der Arbeit auo den Werkstätten heim- kehrtc, versenkte er sich in bie Welt der Dückser, las Plato in der Ursprache, Virgil und Horaz. Vor 'm em erschienen seine ersten Gedickte in einem Band gesammelt. Mit einem ^ch an spiel in Pensen errang er die höchste Anerkennung von ©tmnburne, unb

Der günstige Abschluß der russischen Budgets.

P e t e r s b u r g , 26. Febr. Bei der Fortsetzung der Budget aussprache in der R e i ch s d u m a sprachen die Na ti onal i ft ero ihre Genugtuung über den günstigen Abschluß des Budgets aus, bemängelten aber die Bevorzugung der Grenzgebiete autz Kosten des zentralen Rußlands. Die Redner der Opposition, führten die Bilanzierung des Budgets aus eine Besserung der Finanzlage des Landes zurück; von V o l k s w o h l st a n d könnck aber noch keine Rede sein. Bestimmte Richtschnuren mußten für die Reichswirtschaft eingeführt werden. Die reformatorischen An­regungen der Duma zur Hebung der Wehrmacht, nament­lich der Flotte, seien noch immer nicht erfüllt.

Die Redner der Linken wollen in dem Abschluß des Staats-" Haushalts eher einen Beweis der äußersten Jnanfpruchnahmeals der Zahlungsfähigkeit des Volkes sehen. Während für den Mtlr- taxi'Mins enorme Summen aufgewandt würden, geschähe nichts zur Hebung der produktiven Kräfte des wirtschaftlich zurückgebli^ benen Landes. Die Arbeitergruppe und Sozialdemokratie wür­den daher gegen das Budget stimmen.

üblich ist. Diese Satomc-Parodie sand ebenso wie die übrigen Einlagen und bas Lied bes Rösel außerordentlichen Beisall. Von den Darstellern ist natürlich das lustige Gaunerpaar an erster Stelle zu nennen. Hermann Porben als Bertram und Paul U r b a n als Robert spielten mit ergötzlichem Uetermut und statteten ihr Spiel mit so viel gut angebrachten Einzelheiten aus, das?, man sich aufs beste unterhielt. Köstliche Gepalten schufen auch Kurt G ü h n e als Jpelmeyer, Edgar P a u l Y als Strambach und Rudolf Goll, in ausgezeichneter Maske, als Eorbuan. Fesch und flott war Lore Scholz als Rösel, sowie alsPathologische" und Elev, recht lustig auch Luise von Gloeden als Michel, doch wäre diese Rolle wohl besser mit einem Herrn besetzt morbem Ergötzlich war Aba Pauly als Kvmmerzienrätin. Die Musik wurde von unserer Regimentskapelle gut ausgeführt.b-

Die heutige Nummer umfafjtJ2 Seiten.

Das neue Ministerium Ewald, Braun, v. hombergk.

R. B. Darmstadt, 27. Febr.

Der Großher-og Ernst Ludwig hat am Sonntag mittag um 12 Uhr die drei Herren Staatsminister Dr. Ewald, Minister Dr. Brann und den derzeitigen Provinzialdirct- tor der Provinz Rheinhessen v. Hombergk bei sich im Palais emvfangen und mit ihnen eine längere Konferenz gehabt. Nach dem, was bisher schon über die Lösung der ieilweisen Miniisterkrisis in den letzten Tagen verlautete, darf man wohl als sicher annehmen, daß man in den drei genannten .Herren die zukünftigen Leiter der Regierung zu erblicken hat und die Publikation der neuen Verteilung der drei Ministerportefeuilles schon in allernächster Zeit erfolgen wird, nämlich Dr. Ewald: Staatsministerium und Justiz, Minister Dr. Braun: Finanzen und v. Hombergk zu Vach: Inneres. .

Die durch den Rücktritt des Finanzministers hervor- qerufene Krise findet damit eine schnelle und glückliche dösung. Es darf als ein besonders günstiger Umstand be­trachtet werden, daß die Minister Ewald und Braun nicht, wie man zuersst befürchten mußte, die verlorene Sache des finanzministers zu der ihrigen machten und gemeinsam mit ihm den Großherzog um ihre Entlassung gebeten haben. Tazu lag auch nach unserem Dafürhalten nicht der geringste Anlaß vor, denn die Klippe, an welcher das Schifflein des Lerrn Gnautb gescheitert ist, der Zeitpunkt und das Maß der veristärkten Schuldentilgung war eine reine Opportuni^ läts- -ober Geldfrage, die mit irgendwelchen prinzipiellen Meinungsdifferenzen zwischen Regierung und Volisvertre- >ung nicht das Mindeste zu tun hat. Man begreift auch heute in der Bevölkerung noch nicht, weshalb sich der Mi­nister eigentlich so unerschütterlich fest auf die erhöhte Schuldentilgung gerade im gegenwärtigen Moment versteifte und jeden Verständigungsversuch, an denen es der Finanz­ausschuß der Zweiten Kammer wahrhaftig nicht fehlen ließ, einfach von der .Hand wies, nachdem er das bekannte schroff ablehnende Exposee gegen die erste Kämmer vom Stapel gelassen hatte.' Denn wenn es dadurch wirtlich zu eurem ernsten Konflikt mit der Ersten Kämmer gekommen wäre, so hätte der Minister doch nur wenig Aussicht auf Erfolg hegen dürfen, da sich bei einer Durchstimmung beider Kam­mern zweijellos ein' Teil der Mitglieder der Zw.i en Kammer auf die Seite derjenigen gestellt hätte, die einer Schulden­tilgung durch Steuererhöhung nicht das Wort reden wollten. Ter Minister hatte zudem selber nicht konsequent gehandelt bei der Einbringung seines Amortisationsvorschlags. Nach den aufgestellten Plänen wären nämlich 2,7 Millionen Mark im laufenden Etatsjahr erforderlich gewesen; man begnügte sich aber damit, nur 1,7 Mill, dafür einzustellen, obwohl aus den Eisenbahnen nach dem im preußischen Haushalt se,t- gestellten Ueberschußanteil Hessens und aus dem Ausglerchs- sonds 2,3 Millionen Mark zur Verfügung gestanden hatten.

Das Verbleiben des Staatsministers aus seinem Posten bietet zunächst eine Gewähr dafür, daß an .den allgemeinen Richtlinien der Regierung nicht gerüttelt wer­den wird, und es ist erfreulich, daß gerade er gelegentlich der Ausschußberatungen am deutlichsten seme Bereitwillig­keit betont hat, an einer durchgreifenden Vereinfachung der Staatsverwaltung und Verbilligung des ganzen Verwal­tungsapparats nach Kräften mitzuarbeiten.

Finanzminisktt Dr. Braun hat in seiner bisherigen

Nr. 49 Erstes Blatt 160. Jahrgang Montag 28. Februar 1910

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