Ausgabe 
22.12.1910 Erstes Blatt
 
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v Vlebenk»hf, 81 De» Mk Rücksicht traf Re sdve Bapt bei Osterfestes im Jahre 1911 ordnete die Negierung an, buu m allen ihrer Aussicht unterstellten Schulen daS lausende Schuljahr mit dein 3 1. März geschlossen wird, und hab tot neue Schuliahr am 1. April zu beginnen hat. Tie Lage der Osterferien bleibt davon unberührt.

Lln Splonagcprojeß gegen englische Offiziere.

Leipzig, '21. Dez.

Eteute vormittag begtnrn vor dem vereinigten zweiten vnd dritten Strafsenat deS Reichsgerichts bcr Prozeß gegen den englischen Kapitän Trend) und den fearlneleutnant Brandon Rach A frus und Br- eibigung der Zeugen und des Dolmetschers durch den Dor- iyrnden Dr Menge wurde der Erössnunysbeschluß vcr- e)en. Die Angeklagten werden beschuldigt, im A. g st 1910 n verschiedenen Orten des Deutschen Reichs Zeichnungen und andere ®eg nftänbe, b<ren G-himhaltung m Interesse der tianbedverteiDigung erforderlich sei, in um Besitz der Angestellten des englischen Nachrich- endiensteS resp deren Vertretern gebracht zu haben Beide geben im allgemeinen zu, sich Kenntnis mckckärrscher Dinge verschafft zu haben.

Zuerst wird Brandon bemommm und ein Bries BraudanS an Trend) verlesen; hieraus w rden eine Anzahl Instrumente vorgezeigt, die die beiben mit sich führten, rote tzöheutvlnkcl, ein photographischer Apparat. Doppelaläser usw. Dann wird der Tatbestand besprochen. In Lon­don verabredeten sich die beiden Offiziere Lrench aing Aucrft nach Kiel, von dort nach Bulk. daraus treuen sich beide Offiziere in BrunSbüttel und be­gaben sich dann nach Cuxhaven, Dcemerhafen, Sylt, Helgoland, Nordernen, Wangeroog Beide sübrten dort Zeichnungen, photographische Nus na ym en und Messungen auS In Brunsbütt-.l hatten sie sich die Aufstellung der Geschütze ausgezeichnet Bon Wamgeroog und Langeoog gingen beide nach Juist und Von dort nach Borkum.

die Wassertiese und anderes angegeben, sowie die von den Brücken ausgehenden Eisenbahnen vermerkt. Der Sach­verständige erklärt, daß alle drotlzen, besonders die and* Isthrliehen und genauen Tiefenmessungen, nur gemacht wor­an sein können, um fest zu stellen, wie große Kriegsschiffe anlegen können, um Truppen­landungen auSzufsthren. In Frage kämen Tor­pedoboote und kleine Kreuzer. Er erklärt di.e Einzelheiten au einet Karte und weist auf die Wichtigkeit der einzelnen Anlaaen hin. Als einen Beweis der Sorgfältig­keit der Auszeichnungen der beibenjüljrt er an, daß einmal angegeben wurde, daß an dem

«führt er an, daß einmal i____e v Anlegeplatz eiserne Ringe

xum "Befestigen der Taue vorgesehen seien.

Der sachverständige Korvettenkapitän lagert verlad die Notizen der Angeklagten über Cuxhaven, enthaltend die Angabe über Willenbrecher, Kohlenschirppen und weiße Klippen, die bei der Flut unfid)tbar seien. Ec verlas jerner den Fragebogen Über Norderney. Einer l-andelt van einem geschlossenen Gebäude nach Bericht 1907, Militär- povcken oienetib". Bei Kiel wurde noch eine bedeutsame Scheiuwerjerste!lung erkundet. Die Landungsflotte erkenne daraus, woher das erste Geschütz, feuererroartbarift. Außerdem ist eine Haubitzbatterie in die Landkarte eingezeichnet und Skizzen und Photos von Friedrichsort und Curhaven vorhanden. In tue Skizzen sind die Datteriestellungen eingezeichnet, mit Sex­tanten und Kompaß sestgestellt. Die Messungen tncrben von dem Sachverständigen alS außerordentlich exakt de-

hier versuchten beide eines Abends, die Lage eines Scheinwerfers und einer Batterie fesizusllten. Am 82. Aug abenbd wurde Brandon vom Posten der Datierie ver- hastet. Trench wurde am andern Morgen von der Po- lizci [cflßcnommeu. I n wessen Austrage sie ar­beiteten, verweigerten beide anzugeben.

Ans die Frage des Vorsitzenden, ob die Oessentlichkeit auSzuschließen sei, sührte Reichsanwalt Richter auS: ES fei notorisch, daß seit Jahren in der englischen Presse und im englischen Publikum die Ansicht verbreitet sei, daß Deutschland einen Angriff auf England plane und daß England mit Spionen überschüttet werde Dagegen er­gebe sich aus dem der Anklage zugrundcliegeichen Tat­bestand unzweifelhaft, daß zwei atuoe eiiglifdje Offiziere die deutschen Küsten und Küstenbefestigungen, die lediglich defensiven Charakter haben, auS.unbschust-ten und Erkun­digungen eiirzuziehen versuchten, die lediglich für einen plötzlichen und unvorhergesehenen A n- griff einer fremden Macht au| Deutschland Bedeutung haben könnten; er bitte deshalb, in der öfsentlichen Verhandlung fortzufahren.

Der Verteidiger Dr. von Eordon jagte: Es wäre in der Presse fäljchrich behauptet worden, daß Deutsche mit bet Spionagesache zu tun hatten, was in dec Öffentlichkeit tu widerlegen sei. Nach Vernehmung der beiden Zeugen, Leutnant Buschmann, wachtl-abender Ofstzter auf Borkum und des Kanoniers Worm, welcher den Leutnant verhaftete, wurde kurz vor 12 Uhr eine halbe Stunde Pause gemacht.

Um 12 Uhr 25 Minuten wurde die Sitzung wieder auf- ?enommen. Der Sachverständige Korvetten- apitän Taeaert verliest die bei der hauSsuü-Ling in einem Hotel aufgefundenen Aufzeichrmilgen, die sich auf Brunsbüttel und die Nordseeinseln beziel-en, zitiert il a die Stellen auS dem englischen Exerzierreglement, die sich auf Landungen an feindlichen Küsten beziehen und erläutert, daß sie von den beiden Angeklagten aus bad genaueste befolgt worden sind. Zunächst werden die Auf­zeichnungen über Brunsbüttel, Sylt, Am rum und Föhr be­sprochen. Die Angeklagten führten die sJtotuen sehr genau, besonders über die Geschützstellungen an den Landungs­brücken. Von den Landungsbrücken wurde sogar bte Länge,

nnden. Eure Skizze zeigt die Lage einer Schnell- euerbatterie auf Helgoland. hierbei ist die Lage edes einzelnen Geschützes und die Kommandeurstellung be­zeichnet, ferner eine Batterie am Südoststrand, Kasernen und Magazine und die Lage zweier Gescl-ütz türme aus der yiordweststrecke. Auch die Ausschachtungen für neue An- lagen zu Befestigungswerken sind genau beschrieben.

Der Verteidiger von Gordon mied darauf hin, daß sich die große Batterie auf Helgoland unmittelbar an der Promenade befinde. Dies wurde von Oberleutnant Donatz bestätigt. Alle Erkundungen körnten von äff ent- lichen Wegen aus ßemacht sein.

Korvettenkapitän T a e g c r t fuhr fort: Don der Befesti­gung bei Wangeroog unirben genaue Aufnahmen gemacht. Eine Notiz besagt, eine bestimmte Ecke habe telegra* phische Verbindnitg mit der Insel. Dies fei von Bedeu­tung, ba b le Annäherung einer feindlichen Flotte von dieser Ecke aus gemeldet werden könne. Die Aufzeichnungen erstrecken sich sogar auf dir kleinsten Einzelheiten, Viehbestand, Gebäudezahl auf der Insel und die LebenSurülewerjorgung. (Süie weitere Skizze

tautet: SÜrtnt Gebüvde gesehe-n, Me STtnfn enkheckken Themen.

Auch die Lage der Kabel ist genau bezeichnet worden.

Hierauf beringte der Vorsitzende um 3i/> Uhr bie Sitzung auf morgen früh 9 Uhr.

öcricbtsfaaL

R. B. Darmstadt, 21. De». Das Krieg-aericht der 25. Division verhandelte heute nachmittag einen Manövrrvor- fall, der in der oberhessischen Qtegeiib damals er ne gewisse Auf­regung hervorgerusen hatte und auch in der dortigen Presse erörtert worden war. Angeklagt war der 37 Jahre alte Gen- darmeriewachttneisler Johann Krüger aus Marnz, wegen Miß­brauch- der Amtsgenmlt und unzulässigen Austretens gegenüber dem Zimmermeister Karl Bausch von Langsdorf, dem dortigen Bürgermeister Sck)iele und dem Abg Köhler-Langsdorf. Es war am 17. September d. 3-, als voS Manöver bei Langsdorf eine größere Anzahl von Zuschauern, darunter auch Bausch alt­gezogen hatte. Ter als Landgendarm zur Aussrcht herango- -ogene Krüger, nach Zeugnis ferner Vorgefetztt-n ein ruhiger Beamter mit bester sZ-ührung, hatte im Lause des Tages wiederholt seine Mühe, das Publikum zur Verhütung von Flurschaden, fernzuhalten. Hierbei betraf er den Bausch nebst anberen aus einem Korwsfelacker und verwies ihm dies, worauf Bausch vom übrigen Publikum auSgelacht wurde. Der G ndarm sch-int dies aus fick bezogen zu haben, ries den Bausch nochmals heran und befahl ihm. vor fernem Pferd her nach dem On zu gehen Da Bausch hierzu nicht gleich Ddiene machte, sagte Krüger: Wenn Sie nicht gehorchen, werden Sie mal sehen, wie ich mit Ihnen Schlitten fahre. B. gina nun mit und begegneten sie unterwegs dem Bürgermeister von LangSdors. AlS der Bürgermeister Schiele fragte, waS loS sei, erhielt er von dem Angeklagten die barsche Antwort, er feil aus sein Bureau gehen, er werde ihn den Mann vorfuhren. Baulsh hatte gleich seinen Namen angegeben, und der Gendarm iah, nach einer kurzen Wegstrecke von feiner übereifrigen Absicht ab. Dem Abg. Köhler batte er aus dessen Frage kurz erwidert, er solle ihn nicht in seinem Dienst stören. Das Kriegsgericht falue den Fall milde auf, erblickte darin nur eine unzulässige Behandlung von Zivil­personen und ließ es, in Anbetracht der bisherigen Führung Krügers, unter F-reisprechung wegen des Verhaltens gegen den Abg Köhler, für die beiden anderen Fälle bei insgesamt drei Tagen gelinden Arrest beroenben.

F C Wiesbaden, 21. Te». Bei der hiesigen Siaats- Qnroaltfcbnft ist ein Verfahren anhängig gegen den Vorstand der Nassauischen Dauernbank (Bank des Nasfauischcn Bauernvereins, Gkiwssenschast m. b. $). in Nicderlahnstrin) wegen wissentlich falscher Liersicherungs-dlbgabe an die zuständige Gerichtsbehörde, d. h. an das Amtsgericht Nicderlahnstrin (Vergehen aus § 147 des Reichs-Genossenschafts-GeseyeS) Der Vorstand besteht untrer anderem aus dem Generalsekretär Peter Kirchen in Psasfendorf der Niederlahnstrin, tzospachler W. ä Wengen in Marrenberg bei Camp, Arthur Stachly, $>of Offenthal bei St. Goarshausen.

Oldenburg, 21. Dez. Das Schössengericht verurteilte einen Z a h n a r »t, der einer Verkäuferin anstatt, wie sie wünschte, einen Zahn zu plombieren, Zähne ausgezogen hat, wegen K ö r- DerD^rlPhunq *ii zwei Monaten Gefängnis. In einem anderen Falle wurde er zu 50 Mk. Geldstrafe verurteilt, weil ei eine PaiieNlin gegen ihrer Willen nartotiiierte und ihr mehr Wurzeln entfernt hatte, als sie wünschte. TaS Ger'cht nahm an, datz der Zahnarzt aus Gewinnsucht gehandelt habe und hielt deshalb mildernde Umstände nicht für gercchlserligtt

(Ein schwer« Grubenunglück.

Ein schweres Grubenunglück, das noch nicht völlig aufgeklärt ist, ereignete sick im Boltoner Kohlenbergwerk. Seither gingen uns darüber folgende Meldungen *u:

Manchester, 21. Dez. In der Kohlengrube des »uton- bergwerks in Bolton find 290 Arbriter dadurch eingeschlos - f e n, daß fick die Förderfchalen in den Schacht einklemmten. Die Luftzufuhr ist behindert. Es wird eine schwere Katastrophe befürchtet. Bisher wurde ein Arbeiter ge­rettet. Nach einer anderen Meldung ereignete sich eine folgen­schwere Explosion, der fast alle eingeschlosseneir Arbeiter zum Opfer fielen.

Manchester, 21 De». Die Ex ploston im Boltoner Kohlenbergioerk wurde vermutlich durch Anzünden eines Zünd­holzes ober Zerbrechen einer Lampe heroorgerufen, da die Grube rire der sichersten des Landes Ist. Ein Unterdirektor, der versuchte, ohne Apparat sich an den Rettungsarbeiten zu beteiligte, ist erstickt. Ein Mann der Rettnngsabteilung sprach die Ansicht aus, daß fast keine Hoffnung besteht, bie eingeschlossenen Bergleute zu jetten. Der Rettungsmannschaft ist eS unmöglich, in die Grube einzudring^n Die Zahl der zur Zeit der Explosion in der Grube befindlichen Bergleute wird auf 350 geschätzt. Der RegicrungSinspektor ist nach Prüfung der Sachlage zu der Ueder- zeugung gelangt, daß alle in der Grube befindlichen ar­beitet nmgekommen sein müssen.

Kleine Tageschronik.

In Verlin wurde ein Mann sestgenommen, der Über die LebenSverhälttiisse der ermordeten Frau Dossmann genau Bescheid wußte und stets Zutritt zu ihrer Wohnung hatte. Er wurde gestern bis in die späten Nachtstunden Hinern in den Räumen der Frau Loffmann einem eingehenden Verhör unter­zogen und in Polizeigewahrsam genommen.

In der tzaarbeatbeitunassabrik in Köln wurde ein* gebrochen und Haare und Zöpfe im Werte von 15 000 Mk gestohlen. Don den Dieben fehlt jede Spur.

Der verstorbene Bergwerksbesltzer Adolf Schn erd er hinter­ließ, wie au« Teplitz gemeldet wird, für die Errichtung eines WaifenHauses testanlentarisch vier Millionen Kronen.

Oberbürgermeister Pabst von Weimar ist cm einem Herz­schlag gestorben.

In Zittau starb die ältesteFran Sachsen - Eleonore Geier, geb. Decker^ kurz vor der Vollendung Ihres 105. Lebens­jahre-. Sie war bi- kurz vor dem Tode geifdg und körperlich rüstig.

Am Mont Plane bei Schluderbech wurde eine Militär­patrouille, auS einem Osfizier und sechs Soldaten bestehend, von einer Lawine verschüttet. Der Offizier konnte sich retten, während die Soldaten getötet wurden.

In Hannover erichvh sich ans Fvräü vor einem schlechten Zeugnis ein Untersekundaner im Stadttvalde.

Als am Mittwoch nachmittag gegen 5'/, Ubr der nach Bremen fahrende Personenzug Nt. 703 den Eifenbahnübergang in der Bo ha nn isst raße in Hemelingen passierte, hoben vier auS cmelingen stammende Mädchen im Alter von neun biS dreizehn Jahren einen Schrankenbaum eigenmächtig hoch und versuchten, trotz des warnenden Zurufes deS auf der anderen Seite deS Eisenbahnüberganges stehenden Wärters das Geleise zu Überschreiten. Der in diesem Augenblick von Bremen kom­mende Eilgüterzug Nr. 6012 erfaßte die Kinder, von denen drei durch Ueberfabren auf der Stelle getötet wurden, während das vierte schwer verletzt wurde und inS Iktankenhaus ge­bracht werden mußte.

Die Geineindeverwalkung von Dijon ließ daS deutsche Kriegerdenkmal, daS vor einiger Zeit von Böswilligen beschädigt worden war, sofort wieder in Stand setzen.

In dem Konkursverfahren des Besitzers des Seebades Hei- l i g e n b a d John M a r l i 11, beschloß daS Gericht, die gänz- lidye Einstellung des Verfahrens, da keine Aktiva vor* handcn sind. Nicht einmal die entstandenen Kosten Fbiuien ge­deckt werden.

Bei dem Einsturz eine- Getrridesprichers in Nikolajew wurden dreißig Arbeiter verschüttet. Bisher wur­den fünf Leichen geborgen.

In Pompeji wurde tne v ersteinerte Leiche einer Frau auSgegraben, die mit der rechten Hand eine Anzahl Juwelen hielt und zwei ganz mit Icrlen geschmückte Ohrgehänge von wunderbarer Fein heck.

Vet etrtfln Brande in TtneinNattl, der einen Häuserblock im Fabrikviertel zerstörte, sind zwei Mensche« umgekommen. Der Schaden beträgt etwa zwei Wckliouat Dollars. ,

Der Stand der Cholera auf Madeira gibt »u Be­sorgnissen Anlaß. Bis letzt sind 300Ö Todesfälle vorgekonr- rnen. In der Stadt Machiat griff die Menge die öfseitttiche« Gebäude und die Apotheken an und vernichtete die neuzeitlichen Medikamente, bis ankommende Truppen, die mit scharfen Patronen feuerten, sie auseinander jagte. Auch in Funchal und Santa Cruz kam es zu Zusammenstößen von Einwoh- neht und Militär.

Gestern abend überfielen auf der Bahnstation Pabianice vier bewaffnete Männer die Güterbahnkasse und raubten etwa 7000 Rubel, worauf sie spurlos entkamen.

Nach einer Meldung aus Newyork sprang im Brook­lyner Theater während der Aufführung rin Wolf, der mit* zuwirken hatte, in den Zuschauerraurn und biß neun Per­tönen; schließlich trieb ein Schutzmann das Tier auf die Bühne zurück, wo es eingefangen wurde.

DauöcL

Berlin^ 21. Dez. Der Vorstand' des Kalisyndi­kats teilte in brr Gesellschafter Versammlung mit, daß der Absatz im November 2,7 Millivnen Mark höher sei, als im aleichcn Monat des Vorjahres. Der Mehrabsatz in den ersten elf Monaten 1910 beträgt 4,3 Millionen. Tas Dezembergefchäft, besonders nach Amerika, hat fich sehr gunftig entwickelt, |o daß mit einem PluS von reichlich drei Millionen gerechnet werden darf; der gesamte Mehrabsatz der Syndikatswerte im Jahre 1910 muß danach auf 78 Millionen angenommen werden. Wie schon früher bekannt gegeben wurde, kommen die außersyndikatlichcn Verladungen, welche zu SyndikalSpreifen berechnet werden und sich auf rund 25 Mil­lionen belaufen, hinzu. Die Gesellfchasterversammlung beschloß einsttmmig die AusnalMe der GewerkschaftAmelie" mit der durch die Vertrilungsstelle zugewiesenen Dcteiligungsziffer. Ferner genehmigte die Ver)animlung Die Verträge mit Den ^ouDeilabnteiLi In letzter Zeit feien in der Presse Statistiken erschienen, wonach der Kaliobfatz nach einigen europäischen Ländern äuriidgegangert sein soll. Diese Angabeti feien unrichtig. Fast nach alten Län­dern Europas, besonders nach England und Rußland, erfuhr der Absatz eine befriedigende Steigerung.

sc. Französisches Vieh. Man schreibt uns: Gelegent­lich Der Hauptversammlung des Mitteldeutschen Vichhändler-Ver- einS in Frankfurt a. M. äußerte sich ein Frankfurter Großvich- bäubler zu ihrem Berichterstatter über die Einfuhr französischen Viehes folgendermaßen.- Ich habe, nachdem die Einfuhr franzö- fischen Viehes in verschiedenen deutschen Bundesstaaten gestattet war, dreimal den Viehmarkt in La Billete bei Paris besucht, große Transporte dort angetauft, nach München und Nürnberg überführt und an genannten Orten abgesetzt. Tie beiden ersten Male ging das Geschäft leidlich, aber als ich am 15. Dezember den Markt besuchte, waren infolge einer Heberschwemmung desselben mit deutsck-en Händlern und Metzgern die Preise so gestiegen, daß von einem Nutzen die Rede nidit mehr fein konnte. 3023 Stück Rinder waren angetrieben, 1200 weniger als acht Tage zuvor^ Ter Aufschlag für das Stuck betrug 50 bis 60 Franken, gegen bat am vergangenen Markttag gezahlten Preis. Die Käufer waror aus Straßburg, Metz, Mühlhausen, Karjsnihe, Mannheim, Mainz, Ludwigshafen, Münchai, Nürnberg und Darmstadt, Händler und Metzger, letztere von ihren Innungen gesandt, meistens Leute, die der französischen Sprache nicht mächtig, wenig vertraut mit den Verl)ättnissen, weshalb sie beim Handel außer dem Groß- kommftsär noch verschiedener Untcrkvnimissäre beDürfen, wodurch jedes Stück Vieh sich um 15 Franken erhöht. Die Qualität der französischen Rinder ist erstklassig, vollsleischise ausgemästet« Ochsen höchsten Schlachtwertes, die sich vorzüglich schlachten, wie ich mich bei einem Metzger in der Rheinstraße in Wiesbaden, der auf dem Maiirzer Markt einen 15 Zentner schweren franzö­sischen Ochsen erstaiiden unb geschlachtet hat, erkundigte. Vorteil« lehixi) bringt uns Händlern sowie Metzgern und Konsumenten die Eiiifuhr des französischen Viehes nicht. Daß infolge der De ff* nung der Grenzen nach Frankreich ein Abschlag des Fleisches bezw. ein Rückgang der Viehpreise ein getreten, muß verneint werden. Die Baissebeiocgung nämlich l-atte bereits eingesetzt, bevor franzöiisä-es Vieh auf dem deutschen Markt erschien. Ich muß beinerien, daß, als ich am 15. Dezember in Paris weilt«, mir ein Großgrundbesitzer au- der Magdeburger Gegend eine« großen Transport Ochsen prima Qualität telegraphisch nach Franö* furt hin anbot unb zivar 3 Mark bni Zentner billiger, als ich Ock-sen auf dem Marche aux bestianz gezahlt hatte. Wir Händler haben erfahren, daß es besser getvesen wäre, die Grenzen mären geschlossen geblieben und unseren Gescl-äften daheim nachgegangcn, als das Geld nach dem Auslande zu tragen. Also die Grenzen zu zum Schutze unserer blühenden heimischen Diehztlcht, dagegen weniger rigorose Bcsttmmungen bei Vorkommen von Seuck-cn^ So existiert eine Verordnung auf dem Frankfurter Viehhof, die einzige derartige im Königreich Preußen, die besagt, daß Lieh aud) dem ganzen Beobachtungsgebiet, wo Maul- und Klauenseuche herrschen, in Frankfurt nicht aufgetrieben werden darf, also auö Orten, die eventuell weit entfernt vom Seud-enHerde liegen. Sy mar zum Beispiel bei Ausbruch der Seuche in Fechenheim verboten, aus dem entfernt liegenden Wachenbuchen, das im Sperrgebiet lag, Vieh nach Frankfurt auf den Markt zu bringen. Durch solche Bestimmungen rnird der Handel ersdpvert und zahlreiches Vieh ihm entzogen, es herrscht dadurch Viehknappheit.

Märkte.

L. Friedberg, 21. Dez. Ter Schweinemarkt war mittelmäßig befahren, da nur Tiere auS dem Kreise Friedberg zu Markte gebracht worden toaren und in Butzbach heute auch ein 'Biehmadi abgthatten wurde. Immerhin toaren einige hundert Ferkel aufgetneben, meistens gesunde, schöne Ware. Die Raufet waren zahlreich erschienen und eS entwickelte sich ein lebhafter Handel. Ganz kleine Ferkel kosteten das Paar 30 Mk., größere Ferkel und Einleger das Paar 40 und 6o Mt. Ter Viehmaikt iDuröe erst gegen 1 Uhr geräumt. Der Krämermarkt war seit langen Tlonaten nicht so gut rote die-mal. Auch sonst herrschte in Den Läden der Ltadt lebhaftes Treiben.

Amtlicher Wetterbericht.

Deffentlicbc Wetterdienststelle Gießen.

WetterauSückten in Hessen am Freitag dem 23. Tez. 1910: Heiter bis nebelig, noch etwas kälter, trocken.

Letzte Nachrichten.

AuS der Zweiten Hejfischerr Kammer.

R.B. Darmstadt, 22. T«z. Die heutige Sitzung bet Zweiten Kammer begann um i/8U Uljr bei sehr schwach besetztem Hause. Die noch ausstehenden Anikel Der La n d ge - meindeordnung wurden ohne BesprodMng nach den An­trägen des AussclZusseS angenommen. Ein von Abg. Leun zu Artikel 84 gestellter Antrag wegen der Festsetzung des Zeitpunktes der Stichwahl, wurde zurückgczogeii, nacktem der Ausschuß ein Ersuchen an die Regierung beantragt hatte, daß bie engeren Wahlen so bald alS möglich angesetzt werden sollen. Mit der Annahtn« dieses ErsudZeils war die Beratung der Landarmerndeordnunyt erledigt. ES begann sodann die Dera tun g Der Regierungs­vorlage über die Verwaltungsrechtspflege. Staats­minister von Homberak eröffnete sie mit einigen allgemeinen, Bemerkungen. Der Berichterstatter Abg. Tr. G u t f l e i s ch sprach sich für die Annahme des Gesetzentwurfes aus, der einen fonschriu- lrcheu Charakter trage.

Nach kurzer weiterer Aussprache wurde die ganze Vor­lage angenommen, worauf sich die Kammer um s/*12 Uhr auf uickestimmtc Zeck vertagte.

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Paris, 22. Dez. Ministerpräsident Briand wird dta Gese^entwürse zur Unterdrückung Der Eisenbahn-Ausstände heut« der Kammer vorlegen. Sie kommen aber erst nach Erledigung des HauShoUS, also ntzcht vor März nächsten Joh-es, iut LcratunL