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Aus Stadt und Land.
Gießen, 26. Februar 1910.
“ Äanftüerein. Da die gegenwärtig ausgestellten StoKettioneR von M. Bethe-Loewe- Leipzig, Albin Egger-Lienz-Wien, Richard Hyrth du Frsnes. Karl Alt-München, Gerard BergSma u. a. schon in den nächsten Lagen in Darmstadt, Frankfurt, Hamburg und Wiesbaden zur Ausstellung gelangen müssen, werden sämtliche Bilder voraussichtlich nur bis zum Donnerstag, 3., im äußersten Falle bis zum 6. März hier bleiben können, weshalb nochmals auf die gegenwärtige reichhaltige und schöne Ausstellung hingewiesen sei. Für die nächste Ausstellung ist u. a. eme Kollektion deS Londoner Malers Austin Brown ««gemeldet, der sich eine Ausstellung von Arbeiten deS Malers HanS von Hayk-München anschließt.
— ,Koche mit Luft". Im Saale des „Prinz Carl" fand auf Veranlaffung der Firma August Kröll, Seltersweg 12, am Donnerstag nachmittag die Vorführung der neuen Kafferolle „Koche mit Luft, Brate ohne Fett" statt. So sonderbar eS klingt, ohne Wasier kochen und ohne Fett braten zu können, so leicht war eS dem Vortragenden, diese Behauptung vor der aus über 100 Damen und Herren bestehenden Zuhörerschaft in die Tat umzusetzen. Er erklärte die schon hinlänglich bekannte Tatsache, daß bei der seitherigen Kochmethode der größte Teil der Nährstoffe den Speisen entzogen und in Form von Fischbrühe, Gemüse- wasier usw. in den Spülstein geschüttet wird. Auch bei dem Kochen von Suppenfleisch gehen die meisten Nährstoffe verloren, die sogenannte Fleischbrühe enthält nur die dem Fleisch entzogenen Salze. Ganz anders ist dies bei Verwendung der Kasserolle SanogreS. Hier wird das Fleisch oder daS Gemüse mit dem nötigen Gewürz, aber ohne Wasier und ohne Fett in eine besonders präparierte Papierhülle gesteckt und in der Kafferolle dem Bratofen übergeben. Sämtliche Nährsubstanzen bleiben den Speisen erhalten, diese sind saftig und schmecken gut. Zum Beweis hierfür hatte der Vortragende Kabliau, Rumsteak, einen Hahn und einen gerollten Schweinebraten in die Kafferolle gelegt und zwar gleichzeitig, um zu zeigen, daß keine Speise den Geruch und Geschmack der anderen annehmen kann. Nach dem Herausnehmen der Gerichte wurden Kostproben herumgereicht, die dem Publikum die Anerkennung abnötigten, noch selten gleich gute Leckerbissen genossen zu haben. Besondere Verwunderung herrschte auch darüber, daß nach den von verschiedenen Damen vorgenommenen Messungen der Schweinebraten während des GarwerdenS um 3x/2 cm gewachsen war, während sonst das Fleisch um ca. 25—30 Proz. eingeht.
** Französische Vorträge. Dr. Lucien Thomäs, Lettor an der Universität, hatte sich in zwei Vorträgen die Aufgabe gestellt, zwei künstlerisch so verschiedene Gestalten wie B. Hugo und Maeterlinck zu schildern, und zwar wurden, um zu einer allgemeineren Auffassung zu gelangen, tunstlerisches Verfahren und Werk dieser Dichter als Dokumente ihrer Lebensanschauungen gefaßt, die durch ihren tiefen Kontrast dem Hörer sich eindringlich näherten. B. Hugo ist in Deutschland viel bekannter als bte meisten seiner Landsleute; und trotzdem schien es, als ob nach diesem Vortrag sein Bild ein klein wenig anders sich darstelle, als gewöhnlich. Des Bortrages
Auszug a. ö. Staildesamtsregifteru der Stadt Sietzen.
Aufgebote.
Febr. 19. Karl Ziegler, Vizeieldivebel, mit Antonie Unverzagt, beide in Gießen. — 21 Friedrich Becker, Stellmacher in Frankfurt a. M., mit Luise Schneucker in Gießen. — 22. Konrad Karl Krämer, Metzgermeister in GieHen, mit Katharine Velten in Göbelnrod. — 23. Johannes Nicolai, Telegraphenarbeiter in Großen» Buseck, mit Anna Herzberger in Echzell. — 24. Eduard Karl Heinrich Sack, Metzgermeisler in Gießen, mit Eva Maria Freund in Schlüchtern. — Robert Stuhl, Kaufmann, mit Luise Berger, beide in Gießen.
EhrschNehungen.
Febr. 19. Bernhard Karl Wepbrock, Schlosser, mit Christin« Bambey, beide in Gießen.
Geborene.
Febr. 15. Dem Schlosser Julius Stohr eine Tochter, Matte Wilhelmine Dorothea Anna. — 16. Dem Eisenbahnschlosser Adam Erbardt ein Sohn, Ernst Martin. — Dern Stukkateur Karl Kallenbach ein Sohn, Otto Alfred. — 17. Dem Schuhmachermeister Peter Bachmann eine Tochter, Anna Christina Elisabeth Katharina. — Dem Kaufmann Max Grünebaum em Sohn, Ernst. - Dem Schuhmacher Christian Weeg eine Tochter. — 18. Dem Kaufmann Georg Heinrich Emil Ritzel ein Sohn, Friedrich Wilhelm. — Dem Feldwebel Heinrich Karl Görnert ein Sohn, Richard Max Rudolf. — Dem Steiger Ludwig Schmidt ein Sohn, Karl Heinrich. — 20. Dem Gerichtsschreiber-Afpiranten Heinrich Ludwig Magfaam ein Sohn. — 21. Dem Bäcker Karl Hilgardt eine Tochter, Luise. — Dem Schneider Konrad Rodamer eine Tochter, Anna Katharine. — Dem Pflasterer Johannes Gehringer eine Tochter, Luise Elise. — Dem Kellner Philipp Lehrmund eine Tochter, Maria .Henriette. — 22. Dem Sergeanten Albm Pilling ein Sohn, Albm Arthur. — 23. Dem Arbeiter Karl Schäfer eine Tochter, Gertrud Regina.
Gestorbene.
Febr. 18. Sandor Weinstock, 9 Alte, alt, Am Niegelpfad 21. — 19. Juliane Elisabethe Kehl, geb. Nassauer, 37 Jahre alt, Ludwig, slraße 40. — 25. Marie Schmidt, geb. Deibel, 74 Jahre alt, Wolfstraße 17.
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Hauptgewicht ruhte darauf, zu zeigen, wie bei ihm die bewußte kurischchilosophische Anschauung das.Primäre ist, wie auf ihrem Boden erst das Kunstwerk erwächst und seine Gestalten Experimente mit von vorherein klar ab gegrenzten Begriffen sind. — Ganz anders Maeterlinck: In ihm hat die französische Kultur sich als formendes Element aufs glücklichste mit der durch das Vlämische, germanischer Art mehr verwandte, beherrschten Grundsttmmung des Charakters verbunden. Er durchdringt die Menschen und ihre Lebensum,stände mit dem sck-arfen Auge des Naturforschers, oder er sieht nicht tote Objekte, alles rührt an feine Seele und fordert sie auf, mitzuschwingen, viel mehr in Leid und nachdenklichenr Ernst, als in Freud. Er ist der Dichter der Moderne, den sein allzu sensibles Herz zu den Philo-- sophen vergangener Zeiten treibt, Verstehen und Ruhe bei ihnen zu suchen. Wer dies Herz läßt chn mit Innigkeit nur bei seinen Wahlverwandten verweilen, und so kommt es, daß Novalis' Schwärmerauge ihn so lange festhält. Das Grundmotiv seines Thsätre ist der tragische Kampf des Menschen gegen die verhängnisvolle Macht der Natur. Er sieht an den großarttgen, atembenehmenden Ereignissen des menschlichen Lebens vorüber, — sie sind jn so selten; oder er sieht die täglichen Sorgen und Mühen der Seele und stellt ihr Lächeln, ihre Tränen der Liebe, ihr verzweifeltes Sich-Auflehnen gegen ihre ruhige Unterwerfung unter das Geschick, das immer sich drehende Rad, in grandiosen Symbolisierungen dar. — Der Vortragende verstand es, durch seine eindringlichen Rezitationen geschickt ausgewählter Stellen des Thöatre die Zuhörer den Gehst Maeterlinck- scher Dichtung fühlen zu lassen; die Szenen aus der „Prin- cesse Maleine", besonders die Gewissensbisse des Königs nach dem Tod der Prinzessin, wirkten in dem verdunkelten Saal mit großer Wucht und legten einen, geheimen Bann über die Hörer. — M. ist in Deutschland vielfach nicht nach dieser "seiner hellsten Seite hin bekannt, die Dr. Thomas liebevoll darstellte. Hier hat er sich sicherlich einige Freunde mehr erworben.
4 Sieb, 25. Febr. Vor etwa Jahresfrist hat sich hier ein Da men turn verein gebildet, der sich unter der Leitung von Lehrer Schneider in der kurzen Zeit seines Bestehens kräftig tirtwli<Mt hat und gegen 30 Mitglieder zählt. Erfreulich ist es, daß Frauen und Mädchen aus allen Bevölkerungskreisen der Stadt ohne gesellschaftlichen Unterschied dabei vertreten sind. In den nächsten Tagen wird der noch junge Verein sein Stiftungsfest in Form eines Familienabends jür die Mitglieder und deren Angehörige begehen. Turnerische Vorführungen, u. ft ein schöner Blumenreigen, sind geplcmt.
bz. Alsfeld, 24. Febr. Heute abend sprach auf Einladung des hiesigen Geschichts- und Altertumsvereins im „Deutschen Kaiser" der Gwßh. Lenkmalspfleger Prof. Anthes - Darmstadt über die Urgeschichte unserer Heimat. In etwa IV2 stündigem Vorträge wurden die Zuhörer durch die verschiedenen Perioden der Stein-, Bronze- und Eisenzeit hindurchgeführt. Vorzügliche Lichtbilder unterstützten die Vorstellungskraft. Sie stellten hauptsächlich prähistorische Funde (Waffen, Scbnruck und Geräte) dar; dock auch kartographische Aufzeichnungen, ,v B. die Siedeluugsanlage auf dem Altkönig, wurden vorgeführt. Am nächsten Sonntag soll das hiesige Altertumsmuseum geöffnet sein. „
s. Marburg, 24. Febr. Zu der fetzt titrf erörterten Frage der Errichtung einer elektrischen Ueberlandzentral- hat nunmehr auch die Reisfeisen-G enossensckmft des hiesigen Kreises Stellrmg genommen. In einer gestern abgehaltenen Versammlung wurde beschlossen, die Destvebungen zu unterstützen, die darauf iw zielen, die ländlichen Ortschaften des Kreises selbst und die günsttg zum Kreise gelegenen Orte benachbarter .Kreise von einer für diesen gesamten Bezirk aus Kosten des Kreises zu erbauenden Ueberlandzentrale aus einheitlich nttt rfeftrifdjem Strom zu her-
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