(Elftes Blatt
160. Jahrgang
General-Anzeiger für Gberhefsen
Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten-
Verehrung
den
be- die
Dem Eroßherzog!
(Süßen, 25. Nov.
Das Hessenvolk bringt heute seinem Großherzog Ernst Ludwig zu seinem 42. Geburtstage die herzlichsten Glück- und Segenswünsche dar. Bei dem monarchischen Gefühl, das sich gerade in den Hessenherzen befestigt hat, bedeutet der frohe Tag im Hause deS Landesherrn auch einen Freudentag des Volkes. Der Blick wendet sich auf das zurückliegende Jahr, und wenn eS friedlich intb fördernd gewesen ist, so klingt daS -«.Glück aus!" umso lebendiger und freudiger. Draußen in der Wett ist es zwar stürmischer zu- gcgangen, und im großen deutschen Vaterlande klirren noch die Schwerter von inneren Kämpfen. Der wieder eröffnete Reichstag tut eS kund mit den besorgten Fragen Über Flcisch- teuerung und GotteSgnadenpoliE Aber mag im Auslande das dumpfe Grollen der Revolutionen und Umwälzungen uns auch über die Grenze herüberschallen: der monarchische Geist, der Sinn für Ordnung und uralte deutsche Art lebt noch in unserem Volke. Wir tragen kein verlangen nach republikanischen Zuständen, wie sie sich etwa in Frankreich oder den amerikanischen Staaten entwickelt haben, und ruiser Glaube und unsere Zuversicht gründet sich auf daS, waS nach deS Dichters Wort seststehcn soll wie FelS im Meere.
Tie Persönlichkeit unseres regierenden Herrn in Hessen ist in ihrer Schlichtheit unb Vornehmheit so verschieben von den Männern, die in Republiken um die oberste Führerschaft ringen und denen aus hohem Sitz doch immer die Gunst oder Ungunst der Parteien anhängt. Man denke nur an Roosevelts groteske Umzüge, und an die Staub- und Schmutzwolken, die so eine Wahl aufwirbelt! Gewiß, auch Monarchen können, dafür hat die Geschichte Beispiele genug, gleich anderen Führern ihrem Volke Sorgen bereiten. Aber wo wäre der hessische Volksgenosse, dem cs einfallen könnte, ob irgend einer Regierungshandlung des Großherzogs Unwillen oder Sorge im Herzen zu tragen? Und sein
Bitternisse des Tages hinaushebt, die Harmonie befreiender Künste, erhebt auch sein Herz, führt auch seine Wege. Wie selten verläßt er den heimatlichen Boden, wie wenig steht sein Sinn nach äußerem Glanz und hohlem Schein! Der Zar aller Reußen entfloh mit seiner Gemahlin dem rauschenden Glanz seines Hofes in das stille Asyl, wo Hci- matliebe und schlichter Sinn ein gastliches Dach voll Wohlbehagen bereitem Und die Reise nach Paris, die das Großherzogspaar vor acht Tagen angetreten hat, zeigte es auf den Spuren nützlicher Anregungen, die eine so große Metropole der Kunst und Kultur reichlich bietet.
Das Glück, das Großherzog Ernst Ludwig an der Seite seiner gesinnungsverwondten Gemahlin gesunden hat, strahlt mit hellem Glanze in die Herzen der Hessen. Weilte er im welschen Lande, so wußten wir es doch, daß sein Ohr den Ton der heimatlichen Kirchenglocken hören, daß sein Auge die Fahnen wehen und die Ruse vernehmen würde, die ein treues Volk in Stadt und Land zur Freude versammelt. Der Landeshe rr weilt seit gestern wieder in feiner Residenz. Die frohbewegten Oberhessen, die „engeren Landsleute" seiner Gemahlin, vereinigen sich mit uns, um von Herzen zu rufen: Heil dem Großherzog!
'ÄmÄ BotanoMlrai verlas der BrllhI'Ichev Unlv.'yqch. und StrindrnSer«, R. Lange. Redaktion. Lrpeditlon und bl« vor>numg4»Utzr. Srptdltion fPr VLdinzen: vahnhosftratze 16a. - Telephon Nr. 50.
Nk. 277
Der Slrhe»er ftgrtpr triibcitu idaüd), auuar eonmag«. - Beilagen: viermal wöcventltch -UtzencrZamlUendlätter: gfDeimülivödienll.KtdSi blatt für den NreirSiehen (i'ienßiüg unbyreiiaa); mxiiruil monatt. fanb» »irlschaftttchrrcitfrogeg steuNpiech - Amchtustrr jüi bic Reduknim 113, Verlag u. ExpeDU'oii 51 Adiesie für Tcpefc^ea:
Uuzeiger Gieße».
Revolution in Mexiko und Brasilien.
Reben der Union schienen auf dem amerikanischen Kontinent Mexiko und Brasilien zu den gcfestigsten Staats- wesen zu gehören. Wenigstens blieben sie seil Beginn dieses .Jahrhunderts von allen Revolutionen und Reooiutiönchen, wie sie in den übrigen mittel- und sudamerikanischen Repu- bliien gang und gäbe sind, verschont, weil es ihren Präsi- Lenten gelang, die Regierungsgewalt auf eine Armee zu Itu^en, die für amerikanische Berhultnijse immerhin als gut und zuverläsiig bezeichnet werden mutzte. Nrnnut man uoch hinzu, daß sowohl Mexiko, als auch Brasilien sich emes stetig steigenden wirtschastlichen Aufschwungs er- sreuten, so schien wirklich dort ein d'tahrboden sur revolutionäre Umtriebe nicht vorhanden zu sein. Und doch M es nun in beiden Landern zu Revolutionen gekommen, gerade zu einer Zeit, wo in den Persönlichkeiten des alten ^or,irio Diaz uno des Marschalls Hermes da Fon,eca ganz gezeichnete Männer an der Spitze dieser Republiken
Ais die ersten Nachrichten über die Lynchung zweier <lnnrlianer durch Mexikaner im Grenzgebiet von Texas nach Europa gelangten, glaubte man diesen Vor.all zuruct- suyren zu müssen aus Dij,erenzen, wie sie dort schon öfters vorgetommen sind, und maß ihnen temerlei Bedmtuna für bis innere Ruhe Mexikos selbst bei. Ader nur zu bald zeigte es sich, daß in diesem Ereignis lediglich dcr Hag Legenden uniousreundiichen Praswenten, P^r.irio Diaz, oum Ausdruck gekommen war, den man — ob mit Recht
scheiden sten Menschen über den Kampf unb
Privatleben stößt uns nicht minder und treue Anhänglichkeit ein. WaS
oder Unrecht, bleibe dahingestellt — der Abhängigkeit vom Morgantrust unb seinen wirtschaftlichen Unternehmungen zum Schaden Mexikos beschuldigt, und dessen Wiederwahl zum Präsidenten man deshalb zu verhindern trachtete. Zwar schien es zunächst, als würden die Regierungstruppen der Empörung im nördlichen Mexiko leicht Herr werden können, zumal es am 18. November gelang, die Fäden der gegen Porfirio Diaz gerichteten Verschwörung aufzudecken. Aber das Ausslackern des Ausstandes in vielen weit voneinander entfernten Städten zeigte bald zur Genüge, daß es sich nicht um lokale Unruhen handelte, und bewies auch, daß es der Regierung keineswegs gelungen war, alle Führer der Aufständischen in die Hand zu bekommen. Zwar wurden die Regierungstruppen noch immer der Aufständischen Herr, aber da es nicht gelang, ihr eigentliches Haupt und die Seele der ganzen Erhebung, Francesco Madero, gefangen zu nehmen oder sonst unschädlich zu machen, breitete sich der Ausstand immer weiter aus unb fyat jetzt auch den Süden ergriffen.
Es ist, da sowohl die Regierung, als auch die Insurgenten die Depcschenzensur äußerst streng handhaben, schwer, sich von der tatsächlichen Lage in Mexiko ein richtiges Bild zu machen. Denn während auf der einen Seite gemeldet wird, daß der Aufstand noch im Fortschreiten begriffen sei, daß die Indianer den Fahnen Maderos zuströmen, daß die Regierungstruppen unzuverlässig geworden seien, ja, Francesco Madero sich schon zum provisorischen Präsidenten habe ausrufen lassen, und Porfirio Diaz ermordet worden sei, wird von anderer Seite alles dieses geleugnet und betont, daß mit Ausnahme der Stadt Guerrero überall Ruhe herrsche und die Regierung Herrin der Lage sei. Man wird abwarten müssen, welche Version die richtige oder besser die richtigere ist. Mögen aber auch die Meldungen über die Dortigen Ereignisse übertrieben sein, augenscheinlich geht in Mexiko etwas vor, das geeignet ist, schwere Besorgnisse zu erwecken. Die Union, die völlig auf Seiten Porfirio Diaz' steht, und die ihm schon früher seine in die Vereinigten Staaten geflüchteten Gegner auslieferte, hätte sonst schwerlich Truppen zum Schutte von Texas und ihrer in Mexiko lebenden Staatsangehörigen mobilisiert.
Noch weniger durchsichtig sind augenblicklich die Verhältnisse in Brasilien, von wo über London durch Privatnachrichten erst heute verlautet, daß die Flotte gemeutert und Rio beschossen habe, und audi im Lande, in Rio de Janeiro selbst, ein Aufstand ausgebrochen sei. Demgegenüber wird nun allerdings von offiziöser Seite versichert, daß von einem Aufstande keine Rede sein könne und die Meuterei der Flotte iljeen Grund nicht in politischer Unzufriedenheit, sondern lediglich in Differenzen der Offiziere mit den Seeleuten habe, die ihre Lohn- unb Arbeitsbedingungen gern verbessern wollten.
Es mag vorläufig dahingefieckt bleiben, welche Lesart über die brasilianische Revolution die richtigere ist. Jedenfalls fehlt es auch in Brasilien nicht an politischem Kou- sliktsstojf. Hermes da Fonseca ist zwar ungefähr erst seit acht Tagen Präsident Brasiliens, aber wie er schon bei )einer Wahl eine Opposition von 200 000 gegen 450 000 Stimmen vorfand, die ihn als alten und ausschließlichen Militär nicht für die Präsidentenwürde geeignet hielt, so hat diese Zivilistenpartei augenscheinlich die mehrfachen Auslandsreisen des Marschalls dazu benutzt, weiter gegen ihn zu wühlen und ihre Anhängerschaft zu verstärken. Außerdem sind zwei Momente der Präsidentschaft da Fon- secas nicht günstig, nämlich erstens die Tatsache, daß eine gewisse Gruppe von Importeuren unb Börsenspekulanten die Valuta zu erhöhen trachtet, sich deshalb der Zivilistenpartei angeschlossen und so eine gewisse Unruhe im Lande hervorgerufen tyat, und zweitens die Tatsache, daß Hermes da Fonseca ein Ministerium berufen hat, in dem der Norden des Landes gar nicht, und führende Staaten, wie Sao Paulo, Bahia, Minas Gcracs, nur unzureichend vertreten sind, so daß sogar die Mehrheitspaiueien aus ihrer Mißstimmung gegen Fonseca keinen Hehl machen.
N e w y o r k, 24. Nov. Nach einem Telegramm aus Ciudad hat die Regierung Porfirio Diaz die Einziehung des gesamten Eigentums Maderos angeordnet, dem ausgedehnte Besiptümer im Norden Mexikos gehören. Die Regierungstruppen haben große Mengen Sprengstoff beschlagnahmt, die m» Minenmaterial aus den Vereinigten Staaten eingejührt sein sollen.
Erklärungen der amerikanischen Regierung.
Mexiko, 24. Nov. Die hiesige Presse ist ohne Nachricht. Das Kriegsdepartement gibt bekannt, daß in allen Orlen, wo Unruhen uorgcEommcn sind, die bi u h e w i e d e r h e r g e st e l l t ist, augcr in der Stadt Guerrero. Der mexikanische Finanzministcr erteilte aus eine Anfrage über den Ausbruch einer Revolution in Mexiko folgende telegraphische Antwort: Die fraglichen Kabcl- meldungen sind unsinnig übertrieben. Die Unruhen in Torreon und Umgebung sind von keinerlei Bedeutung: die Regierung ist Herrin der Lage. Es ist keine Rede davon, daß irgend ein Soldat zu den Ausrührern übccgegangen ist oder daß die Städte Chihuahua oder Puebla in Gefahr waren, in ihre Hände zu fallen. Dte Regierung steht im telegraphischen Verkehr mit dem ganzen Lande und dem Auslande. Tie Lage ist nicht beunruhigend: der einzige Grund der Beunruhigung sind die von übelwollenden Leuten ausgehenden Sensiationstele- g ramme.
Die Meldungen aus Brasilien.
London, 24. Nov. Ein hiesiges Blatt veröffentlicht Privatmeldungen, wonach die Lage in Rio de Janeiro bedeiiklich sei. Das Geschäft stockt. Es seren jedoch zwischen den Seeoffizieren, die sich an Land befinden sollen, und den Meuterern Verhandlungen im Gange. Die Londoner brasilianische Gesandtschaft erhielt von ihrer Regierung Die Meldung, daß die Besamung des Linienichif.es „Minas GerdeS" gemeutert und den Kapitän und drei Offiziere e r- i r o r d e t hat. Die Leute verlangten höhere Löhnung und
s?.k.niger Arbeit. Später meuterte auch die Mannschaft deS Linien schiff es „Sao Paolo". Beide Besatzungen hätten gedroht, Rio de Janeiro zu beschießen; tatsächlich seien auch einige Schüsse abgegeben worden. Die Angelegenheit sei unpolitischer Natur. Tie Regierung versuche, die Uebergabe beider Schiffe ohne Kampf zu erreichen. Das Heer sei regierungstreu: und Die Stadt ruhig.
be Janeiro, 24. Nov. Die aufrührerischen S ch l f f e, die die Nacht über sich auf dem freien Meer aushielten, und in den Hafen zurückgekehrt. Ein Funkentclegramm des Matrosen des Sclstsses „Minas Gerdes", Joao Candida, des Führers der Bewegung, an die meuternden Schiffe, wurde von der Funkenstation der Stadt ausgefangen. Darin wird ihnen empfohlen, sich ruhig zu verhalten und nicht ohne Befehl des „Minas Gerdes" mit den Geschützen zu feuern. Der Verkehr in der Stadt ist normal. Der gestern verursachte Schaden ist unbedeutend.
Nach Kabelnachrichten aus Rio de Janeiro haben die Meu-, terer der Regierung ihre_U e 6 e r g a b e angeboten. Der Senat hat einstimmig den Amnestieoorschlag angenommen. Die Kammer hat ihre Beratung noch nicht beendet.
Sreitag, 25. November
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Anzeigenteil: H. Beck,
Der Kampf um die englische Verfassung.
London, 24. Novbr. Das Oberhaus nahm die Finanz- bill m allen Lesungen an, nachdem Lord Middleston gegen das Verfahren der Regierung bezüglich des Budgets Wideripcuch erhoben hatte. Bei Fortsetzung der Erörterung über die Entschließungen von Lord Lansdowne wies der Lordkanzler die Behauptung zurück, daß die Auslösung zum Vorteil von der Home Rule erfolge. Der Kanzler kritisierte sodann die Entschließungen Lansdownes. Er zöge die bestehenden Uebelstände den durch die Entschließungen vorgeschlagenen vor, die keine Hoffnung erweckten, daß die Liberalen in Zukunft mehr Berücksichtigung finden würden als bisher.
Lord Curzon erklärte, die Entschließungen seien ein ehrlicher, ernster Versuch zur Reform. Tie Lords Numburnholms und Brassey traten für die Regierung ein. Von der Regierung sprach als letzter Viscount Morley. Er gab her Vermutung Ausdruck, daß die Bereitwilligkeit, welche die Lords gezeigt hätten, ihre Privilegien aufzugeben, auf eine Täuschung hinauslaufe. Die Form der Entschließungen gebe dem Verdacht Raum, daß die Lords unter dem Vorwande, das Obe>haus zn reformieren, daS Unterhaus schachmatt setzen sollten.
Tann wurde dem Anträge LanSdowneS, bas Oberhaus möge sich als Ausschuß konstituieren, um die von ihm eingebrachteu Entschließungen zu beraten, zugestimmt. Die Entschließungen selb st wurden darauf angenommen. Das Haus beschloß dann ferner, daß die Resolutionen Lansdowne und Rosebery dim Unterhause mügeteilt werden.
London, 24. Novbr. In einer Wahlkundgebung derunabhängigenArbeiterpartei wird erklärt: Wenn die Regierung des Volkes zur Tatsache werden solle, müsse das Oberhaus gänzlich abgeschafst werden. Die wollten weder die Liberalen noch die Konservativen. Aber nichts anderes werde genügen.
Die Anhängerinnen des Frauenstimmrechts^ die am Freitag verhaftet worden waren, sind ohne Vernehmung von Zeugen auf Anlaß des Ministers Churchill in Freiheit gesetzt worden, da sie nur d e r Verhinderung des Verkehrs angeklagt waren. 62 Anhängerinnen des Frauenstimmrechts, die angeklagt waren, Fenster zertrümmert und Polizeiagenten angegriffen zu haben, wurden zu Geldstrafen unb zwar größtenteils von fünf Pfund Sterling oder zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Viele von den Verurteilten zogen die Gefängnisstrafe vor. Die Frauen, die gestern morgen die Wohnung des Präsidenten des Ministerrats ange-' griffen hatten, erschienen ebenfalls vor dem Polizeigericht in Bowstreet. Der Richter betonte, daß die Zurückziehung der Anklagen eine Ermutigung zu weiteren Gewalttätigkeiten bedeute.
Aus dem österreichischen Abgeordnetenhaiisf"
Wien, 24. Nov. Die „Neue freie Preise" meldet:' Vor der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhuufes fand eine Beratung statt, in der Ritter von Wossilko den Antrag stellt^, man möge Tolstoibei Beginn der heutigen Sitzung einen Nachruf widmen. Der Präsident des Abgeordnetenhauses erklärte den Obmännern, daß er den Wunsch ablehne mit der Begründung, daß man der ablehnenden Stellung der Christlich-Sozialen zu dieser Frage Rechnung tragen müsse.
Der dem Abgeordnetenhaus vorgelegte Budgetvoranschlag für das Jahr 1911 weist ein Gesamterfordemis von 2 818 196 736 Kronen und eine Gesamtbedeckung von 2 818 507 772 Kronen auf, mithin einen Ueberschuß von 311036 Kronen. Die Steigerung der Ausgaben in 1911 stellt sich aus 897/io Millionen, die der Einnahmen auf 143*7x00 Millionen. In dem gleichzeitig vorgelegtcn sechsmonatlichen Budgetprovisorium wird um die Ermächtigung einer Kreditoperation im Ausmaße von mehr als 135 Millionen (effektiv) angesucht, von denen 117 Millionen für Investitionen auf die Staatsbahnen bestimmt sind, während der Rest zur Tilgung der allgemeinen Staats- schuld (Lotterieanlehen) bestimmt ist.
Der F i n a n z m i n i st e r hob in seinem Exposs hervor, es sei nur mit Anspannung der Einnahmen und her entsprechenden Einschränkung der Ausgaben gelungen, ein Halbwegs günstiges Budget für 1911 herzuüellen, weil man sich vor einer besseren Konjunktur befinde unb die bisherigen Steuereingäuge des laufenden Jahres ein bedeu- deutendes Plus gegenüber dem Vorjahre aufweifen. Eine Ordnung im Staatshaushalt trete aber erst ein, wenn das Staatsbudget auf eine sichere Eimiahmesumme gestellt werde, was ohne Durchführung d'eS vorgelegten Steuerprogramms, von dem die Regierung keineswegs zuruck- trete, nicht möglich fei. Hinsichtlich der in das Budgetprovisorium eingestellten Auleiyeermächtigung, weil mit der Emission bis zum nächsten Juni nicht gewartet werben könne, verwies der Minister auf die Schwierigkeit in der Begebung neuer Emissionen unb betonte, daß die westlichen Markte, wie das letzte Beispiel Ungarns lehre, Oesterreich verschlos,cn seien und man lediglich den Jnnenmarkt mit em wenig Nachhilfe aus Deutschland zur Verfügung habe, da Teuijchtaud Lein ausreiMnd Lrastiges zlaxiital-


