Ausgabe 
28.4.1910 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

1- Ma» geimfit. |$ . Seliersweg L LaLu,

?esS6n

"Stamm

yaubethtoi fti*h

*«^*>555

Alltüt Saife

...

BeUülM'fi,

betall Vertret« « zum Vertrieb unim «LLk^V

16*Hdi

Gustav doch, Nanzenbach Dlür,

um, anaphn?«

AeS,* A-

*ita W

t gejucht. iS?

Carl Notvack.

iige General-Agentur iu: ,r Bureau gewandten, enc n, jungen Mann alt

Lehrling.

lüiuna vom 1 wtW* eiben notmlua^ v. M eucnroeftMIL W

zrcmerlrdrling ßeiudjt r Karl dimmcnnani Neuen Laue li

SCI

ÖU1UUIHH, .

2diieibmaimme puröc- icft schreibt, zum. u t gesucht. 2chr. Ängeb. ne. d?Geyattsanivr u-.^ene^ er Q3613 an den Gies,

w«

;ran®c'.j -lnkE-i-tl

hrlmg oder

5] sofort gegen BeraUtum cr iiWeiiienberg,MausbD,

^riitibaucrnieWt.

»/«ÄmKL

Rl

, »KSs-L

DonnerStag 28. April 1910

160. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 98

Gießener Anzeiger

Erfchetnt KgNch mtt Ausnahme deS Sonntag».

General-Anzeiger für Oberhesfen

DieStetzener KnnilienblStler" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblati für öen Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erfchemen monatlich zweimal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Stcindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^51. giebaftion-.e^ 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGleßen.

Deutscher ^Leichslag.

74 Sitzung, Mittwoch, 27. April.

Am BundeSratStisch: Wermuth, Schön.

Präsident Graf Schwerin-Löwitz eröffnet die Sitzung 2 Uhr 15 Minuten.

Auf der Tagesordnung steht die 3. Beratung der Verein- barung über die Verlängerung des deutfch-fchwe- difchen Handelsvertrages bis zum 1. Dezember 1911,

Abg. Graf Kanitz (Kons):

Diese Vereinbarung bringt für eine ganze Reihe deutscher Erportprodukte beträchtliche Zollerhöhungen. Beim Abschluß eines neuen Handelsvertrages muffen unsere Unterhändler darauf dringen, daß hier den deutschen Interessen cntgegengekommcn wird. Ich gebe zu, daß unsere Bevollmächtigten kein- ganz leichte Stellung hoben werden. Aber es darf nicht nach dem Prinzip des Herrn Gothein verfahren werden, nach dem wir von vorn. icrein unser Portemonnaie weit aufmachen tollen. Der deutsch, chwedifche Handelsvertrag wird die letzte handelspolitische Tat ieses ReickStagS fern. Wie steht eS mit den französischen Zoll, crhöhungen? Der Wirtschaftliche Ausschuß hat die Anwendung strengster Maßnahmen dagegen verlangt ES wird zur Beruhi- gung weiter kommerzieller Kreise beitragen, wenn vom Regie- rungStisch erklärt würde, daß wir unö diesen Zollerhöhungen nicht einfach untc-werfen werden, auch wenn wir Frankreich natürlich olle unsere Karten nicht gleich offen zeigen. (Beifall rechts.)

Die Verlängerung wird genehmigt.

Es folgt die 8 Lesung des Gesetzentwurfs über die Haf- kung des Reichs für seine Beamten.

Abg. Heine (Soz.):

Wir sind nach wie vor gegen den Ausschluß der farbigen Beamten aus diesem Gesetz.

Ein Antrag Schultz (Rp.), Erzberger (Zentr.) und Rotb (Wirtscb. Vg.), der auch die Beratung deS Schutzgebiets Kiautschou in das Gesetz einbezieht, wird angenommen und in dieser Fassung daS ganze Gesetz.

DaS Gesetz betreffend die Aenderung deS Reich-schuld» buchs wird in 3. Lesung unverändert angenommen.

Die Uebersicht der Reichs-Ausgaben und -Einnahmen für 1906 wird in dritter Lesung erledigt, ebenso die Uebersichtcn der Einnahmen und Ausgaben des Schutzgebiets Kiautschou für 1904 und 1905.

ES folgt die dritte Lesung der

Deteranenbeihilfen.

Mg. Prinz Tchönaich-Earolalh (Natl.)':

DaS Haus ist sich einig, nur die Deckungsfrage macht! Schwierigkeiten. Was soll nach der Ablehnung der Wehrsteuer nun geschehen? So leicht wie der Schahselretär nehmen wir die Sache nicht. Es muß das notwendige Geld beschafft werden. Der Schatzsekrctär möge aus seiner Reserve heraustreten unb1 in einer Konferenz mit Mitgliedern aller Parteien über die DeckungSfrage verhandeln. Wir dürfen uns dem Vorwurf nicht aus setzen, daß wir bei der DeckungSfrage versagt haben. .(Beifall.)

Reichsschatzsekretär Wermuth:

Die Ablehnung der Wchrsteuer bestätigt die Richtigkeit! meiner Ausführungen am letzten Sonnabend. Ueber die Wehr- steuer liegen sechs Entwürfe im ReichSschatzamt fertig vor. (Heiterkeit.) Aber sie hat eben keine Mehrheit im Hause. Ter Vorwurf kann dem Reichstag nicht erspart werden, daß er für eine beschlossene Ausgabe keine Deckung vorgesehen hat. Darauf, mußte ich Hinweisen und habe harte Worte dafür einstecken müssen. Daran habe ich mich gewöhnt, denn der Schahsekretär darf nicht beliebt sein. (Heiterkeit.) Ich bitte, diese Heiterkeit nicht als von mir provoziert ansehen zu wollen, sonst bekomme ich wieder Vorwürfe zu hören. Mir ist die Sache vielmehr bitter ernst. Im übrigen hege ich noch die Hoffnung, daß eS vielleicht möglich sein wird, einen Teil des Ertrages der ReichSwertzuwachS- steuer für die Veteranen zu verwenden. (Dhal.Rufe.) Der Ge­danke stammt nicht von mir, sondern ist aus der Mitte deS Reichs, tages angeregt worden. Dann aber muß dieses Gesetz bald der. abschiedet werden.

Abg. Groever (Zentr.) r

Wer soll denn die Wehrsteuer bezahlen? Die Eltern, deren Söbne nicht zu dienen brauchen ? Oder auch die Eltern, die nur Töchter oder gar keine Kinder haben? Wie konnten wir da einer Resolution zustimmen, die ganz allgemein die Einführung einer Wehrsteuer verlangte? (Zustimmung im Zentrum.),

Wg. Arnstadt (Kons.) :

Die Rede deS Reichsschatzsekretärs vom vorigen Sonnabend hat im Volke sehr enttäuscht. Ter Schatzsekretär wird sich sofort beliebt machen, wenn er für die Deckung sorgt. Wir halten an der Wehrsteuer fest, biö uns bessere Vorschläge gemacht werden. (Beifall rechts.) ________________________________________________

(op.):

Wrr werben gern an der vom Prinzen Carolath angeregten Konferenz teilnehmen. Für die Deckung muß rasch gesorgt wer- den. Tie Wehrsteuer ist schon deshalb nicht der richtige Weg. Die Herabsetzung der Branntwein-LiebeSgabe hätte alle Schwie­rigkeiten schnell gelöst.

Mg. v. Lieöert (Rp.):

Unsere Verhandlungen am Sonnabend haben im Lande ge- radezu Entrüstung hervorgerufen. (Sehr richtig!) Mit schönen Reden ist unseren Veteranen nicht gedient. (Bei'all.) Ter Schotzsekretär sagte, wir hätten mit der Veteranenfürsorge alle Nationen überflügelt. Keine Nation hat aber auch solche Sieger wie wir. (Beifall recht«.)

Wg. Werner (Ref.-P.) f

Dir dürfen nicht mehr warten. Sonst sterben die Veteranen auS. Der Schatzsekretär scheint die Veteranen als Vorspann zu benutzen für die Reichswertzuwachssteuer. .(Sehr richtig! rechts.) Darauf lassen wir uns nicht ein.

Reichsfchahfekretär Wcrmuth:

Alle Reden schaffen die Tatsache nicht auS der Welf, daß für Einnahmen hier nicht gesorgt worden ist. Ich muß den Etat balancieren und für Mehrausgaben mutz die Deckungsfrage ganz bestimmt gelöst werden. Auf dem Wege der Wehrsteuer kann die TeckungSsrage für die Veteranen nicht rasch gelöst werden. Ich kann doch nicht irgend einen meiner sechs Entwürfe dem Reichs, tage vorlegen, ohne daß er Aussicht auf Annahme hat! Nun mache ich einen Vorschlag mit der Wertzuwachssteuer und Sie sagen, das geht nicht! Was soll ich weiter tun? Woher soll ich die Mittel neymen?

Mg. TchSpflin (Soz.):

Nicht an der Wehrsteuer scheitern die Veteranenbeihilfen, sondern an dem hartnäckigen Festhalten der Agrarier an der Liebesgabe,

Abg. Biudewald (Wirtfch Dg.):

Wozu hat denn die Regierung studierte Finanzmänner, wenn sie uns keine DeckungSgesetze Vorschlägen kann. Die Re­gierung hat hier Unrecht, daS lasse ich mir nicht auSreden.

Abg. Dr. Arendt (Rp.):

Die Regierung kann höchstens das Inkrafttreten der Vete- ranenbeihilfen abhängig machen von der Lösung der Deckunas- frage. Aber sie darf die Lösung der DeckungSfrage uns nicht zu- schieben. Ter Hauptwid-rstand deS Gedankens der Wehrsteuer liegt nicht beim Reichstag, sondern beim BundeSrat. Den Ertrag der Reichswertzuwachssteuer überschätzt der Schatzsekretär.

Reichsschatzsekretär Wermuth:

Ueber den Vorschlag deS Prinzen Carolath habe^ich mich bisher nicht ausgesprochen, weil mein Vorschlag, diese Sache mit Der Wertzuwachssteuer zu verbinden, rascher zum Ziele zu fuhren scheint. Gegen die Konferenz habe ich natürlich nichts einzu­wenden.

Abg. Lehmann-Wiesbaden (Soz.):

Bisher war es nicht Brauch, daß für bestimmte Zwecke be­stimmte Stimmen aufgebracht werden müssen. Wenn wir eine Ausgabe beschließen und der Bundesrat zustimmt, dann müssen eben d-e Einnahmen deS Reiches zur Deckurg dienen.

Abg. Prinz zu SchSnaichCarolath (Natl.):

Sind denn Ueberschüsse über den Etat vorhanden, auS denen die Beihilfen gewährt werden könnten?

Reichsschahsekretär Wermuth:

Die neuen Einnahmen haben dazu gedient, daS Defizit, das wir 1909 gehabt haben, von 240 auf 180 Millionen Mark zu reduzieren, so daß 1911 bis 1913 noch je 60 Millionen Mark ao- zubürden sind. DaS ist ja gerade die große Schwierigkeit der Finanzierung der nächsten Jahre, die uns Daran hindert, selbst Die Angelegenheiten, denen wir mit warmen Herzen gegenüber­stehen, zu erledigen, da die Leistungsfähigkeit unserer Reichs- kajse es nicht ermöglicht.

Abg. Dr. Semler (Natl.) 2

Der Staatssekretär hat meinen Parteifreund, den Prmzen zu Schönaich-Earolath, falsch verstanden. Seine Frage ging dahin, ob die Jsteinnahme der neuen Steuern größer ist als die Soll­einnahme, und um wieviel sie größer ist, und »weiten?, warum das Geld nicht für die sehr dringenden Wünsche, die hier geäußert werden, vertoendet wird. Ich wiederhole daher diese Frage.

Staatssekretär Wermuth:

Ich kann nur wiederholen, was ich schon in ausführlicher Rede in der Budgetkommission dargelegt habe, daß sich zurzeit eine Aufteilung der alten und der neuen Steuern noch nicht vor­nehmen läßt. Tie Hauptbestandteile können ziffernmäßig erst 1910 erfaßt werden. Zum Beispiel ist es bei der Branntwein- steuer ganz unmöglich festzustellen, welche Beträge aus den neuen Steuern sich ergeben werden. Fch kann nur sagen, daß d i e neuen Steuern so ziemlich den Erwartungen

entsprechen werden, die wir gut sic gesctzc haben. Ein Mißtrauen, dag mir unerwartete Mehrerträgmuc zu irgendwelchen Zwecken beiseite legen, ist wohl nicht am Platze.

Damit endet die Aussprache.

Abg. Dr. Arendt (Rp.) (zur Geschäftsordnung)) beantragt Enbloc - Annahme.

Abg. Basscrmann (Natl.):

Eine Enbloc-Annahme ist Wohl nicht möglich, da in der zweiten Lesung Abänderungen getroffen wurden.

Daß Haus nimmt sodann einstimmig wie in zweiter Lesung in dritter Lesung die An­träge betreffend Gewährung der Beihilfe an K* , e gst e ilne hmer an. Tie DeckungSfrage bleibt ungelöst.

Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung Freitag 2 Uhr: Zusatzabkommen zum Handelsvertrag mit Aegypten, geschäftliche Behandlung der Strasvrozeßordnung unb Reichsversichcrungs- ordnung, Nachtragsetat, südivestasrikanische Aufstarrds kosten, Stellen- Vermittlergesetz.

Schluß 4H Uhr.

Die Kdwestasrikaiiische Entschließung Des Sndgetauzschusser.

:: Berlin, 27. April.

Die Ergebnisse der gestern zum Abschluß gekommenen Ver­handlungen des Budgctausschusses des Reichstages über bte süd> westafrikanischcn Angelegenheiten wurden gestern von einem Re- daktionsausschuß in eine Entschließung gefaßt, die dem Budget­ausschuß in seiner heutigen Sitzung oorlag und von ihm angenommen wurde. Sic enthält die von den verschiedenen Parteien gegebenen Anregungen, mit denen Staatssekretär Dern- burg sein Einverständnis erklärt hat, und hat folgenden Wortlaut:

Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen: 1. in Erwägung zu nehmen, ob und in welchem Umfange, im Hinblick auf die neuere Entwicklung in den Kolonien, eine Abänderung des Schutzgebietsgesetzes in die Wege zu leiten ist, insbesondere auch eine Abänderung der bergrechtlichen Bestimmungen in der Richtung zu erwägen L) ob die früher verliehenen, etwa Dritten noch zustehenden vohcrts- r echte (Privilegien), nötigenfalls gegen Entschädigung, auf­gehoben werden können, b) wie durch eine Revision der kaiser­lichen Verordnung vom 8. August 1905 über die Aus-- Übung des Bergrechts die Rechte und Pflichten der Schürfer und der Grundeigentümer abgegrenzt und sichergestellt werden können, c) ob ein besonderes Gesetz Über die Gewinnung unb den Absatz von E d e l st e i n c n unter Wahrung wohlerworbener Rechte Dritter zu erlassen ist; 2. einen Gesetzentwurf vor­zulegen, durch den in dem Schutzgebiete Südwestafrika vor Ausbruch des dortigen Aufstandes domizilierte leistungsfähige Personen und Gesellschaften zur Entlastung des Reichs­fiskus herangezogen werden; 3. dem Reichstag eine Denk - fdjrift über die Frage vorzulegen, unter welchen Voraus setzungen unb in welchem Umfange ein Schutzgebiet durch direkte Besteuerung zur Deckung von Kosten heranzuziehen ist, die aus Kriegsmaßnahmen in diesem Schutzgebiet erwachsen sind.

Der Budgetausschuß verhandelte hierauf über die zu diesen Fragen vorliegenden Bittschriften. Berichterstatter ist Dr. Semler (Natl.). Von der Lüdcritzbuchter Eingabe des Bürgermeisters Kreplin und fünf anderer Mitglieder des Bezirksrates werden zur Berücksichtigung überwiesen die Sitten, dic dahin gehen, daß das zurzeit bestehende Sonderrecht zugunsten der Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika über den 1. Avril 1911 hinaus, sei cs zu deren Gunsten oder einer anderen Gesellschaft, nur unter solchen Bedingungen ver­längert wird, die eine angemessene Gegenleistung zugunsten des Fiskus des Schutzgebietes vorsehen. Ferner, daß den Förderern die Möglichkeit gegeben wird, eine wirksame Kontrolle über die Verwertung ihres Eigentums durch die Regiegesellschaft aus- zuübeu. Zur Erwägung werden übertoiefeit die Bitten, daß neue Sonderrechte nicht mehr verliehen werden, es sei denn zu­gunsten des Fiskus des Schutzgebietes, und daß Landkonzessionen nicht mehr verliehen oder im Wege des Vertrages bestätigt werden, daß vielmehr die von Landgesellschasten zu Unrecht erhobenen Ansprüche auf Land- und Bergwerksgerechtsame, wie die der Kolonialaesellschasi auf das Gebiet zwischen dem 26. Grad und dem Kuisib, unter Verweisung der Gesellschaft auf den Prozeßwcg zurückgewicfen werden. Die Eingabe, daß sämlliche Verträge, durch welche das Schutzgebiet finanziell belastet wird, zum Bei­spiel Eisenbabnbauverträge, Eisenbahnkaufver­träge, sowie Verträge und Abkommen mit den verschiedenen Gesellschaften, welche in Berlin abgeschlossen werden, dem Landes­rat zur gutachtlichen Anhörung vorgelegt werden sollen, wird als Mater i a l^übcrwiesen; soweit die gutachtliche Anhörung auch des kaiserlichen Gouvernements gewünscht wird, wird Uebergang zur Tagesordnung beschlossen. Zur Tagesordnung wirb auch übergegangen über die Eingabe, daß der Pachtvertrag über

die mit

Bearbeitung desFaust", und. die Ausführung fand dann viel Erfolg statt.

Wieviel Tierarten gibt es auf der Erde?

Sr. Exzellenz den Willen des Herzogs mittetlic und hinzufügte, er könne ans Pietät und Verehrung für den großen Dichter die Sache nicht vorsichtig genug anfassen, ersuche deshalb um gütige Winke und Andeutungen, wie das Werk in des Dichters Simr darzustellen sein dürfte. Nach einer Panse von länger denn 14 Tagen traf die Antwort GoetheS ein. Leider ist sie im Wort-, laut nicht wiederzugeben, da der Brief ans dem Archiv ver­schwunden ist, aber er soll nach Versicherungen etwa so gelautet haben:Ew. Wohlgeboren! Als Antwort auf Ihr Schreiben vom 4. November bemerke ich, daß mein Werk im 'Druck er- schienen und Gemeingut des Publikums geworden ist. Ich füge hinzu, daß ich mich seit Jahren nicht mehr mit dem Theater be­fasse, machen Sie daher mit meinem Faust, was Sie wollen, v. Goethe." Nun unternahm Klingemann wohl oder übel selbst

In der Britischen Gesellfchist zur Förderung der Wissenschaften hat der bekannte Zoologe Ä. E. S h i p l e y einige interessante: Mittellustaen gemacht über die Fortschritte der zoologischen For­schung. Lor etwa einem Jahrzehnt hat Günther eine auf ge­nauesten Studien aufgebautc Liste der Tierarten ausgestellt, die man um 1830, und eine von denen, die man 50 Jahre später kannte. 1830 waren der zoologischen Wissenschaft 1200 ver­schiedene Säugetiere bekannt; 1881 war die Zahl ans 2300 au- gewachsen. Tie Vogelarteu wurden 1830 auf 3600 beziffert; 1881 kannte die Forschung deren 11000. Bei den Reptilien schritt die Forschung von der Kenntnis 543 zu! 3400 (im Jahre 1881); je kleiner die Tiere sind, desto größer ist die Zahl der Arten, die inzwischen bekannt wurden. Von 18301881 stiegen die Fischarten von 3500 aus 11000, die Mollusken von 11 000 auf 33 000, die Schaltiere von 1290 (1840) auf 7500, die spinnenartigen Tiere von 1048 auf 8070, die Tausendfüßer von 450 auf 1300, die Insekten von 49 100 auf 220 150, die Stachel­häuter von 230 (1838) ans 18 043, die Würmer von 372 (1838) auf 6070, die Coelenteraten von 500 (1834) auf 2200, die Schwämme von 50 (1835) auf 400 und die Urtiere von 305 (18381844) auf 3500. Ilm 1840 also kannte man insgesamt rund 73 588 Tierarten; um 1881 war die Zahl der erforschten Tierarten bereits auf 311653 angewachsen. Man wird nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß seit 1881 alljährlich durch­schnittlich 12 000 neue Tierarten entdeckt wurden, so daß man heute wohl gegen 600000 kennt.

an und können durch Nachdenken und bei schärferem Hin­sehen uns sehr wohl von dieser Illusion befreien und oft verschiedene, hintereinander liegende Teile von Kugelschcllen verschieden großen Halbmessers feststellen."

ZurerstenAufsührung von GoethesFaust". Die erste Aufführung des GoetheschenFaust" hat bekannllich unter der Leitung August Klingemanns am 19. Januar 1829 am Hoftheater in Braunschweig stattgefunden. Wie diese erste Darstellung des Werkes, das man damals für unausführbar hielt, zustande kam, darüber erzählt Gustav Starcke imNeuen Weg" nach den Erinnerungen eines alten Schauspielers interessante Einzelheiten. Klingemann hatte selbst ein viel gespieltes Theater­stückFaust, ein dramatisches Gemälde in fünf Aufzügen, nach der alten Legende bearbeitet", verfaßt. Am 31. Oktober 1820 wurde dies Stück auf der von ihm geleiteten Bühne gespiell, und Herzog Karl von Braunschweig kam auf die Bühne, um ihm sein Lob auszusprechen. Ter Herzog, der es liebte, in kurz abgebrochenen Sätzen zu sprechen, streckte den Zeigesinger aus und sprach zu Klingemann:Fameux, fameux mir gefallen gut gespielt mich prächtig amüsiert in dem Stück." Ter Dichter verneigte sich pflichtschuldigst und sagte bescheiden:Durchlaucht, es ist kein Goethejcher Faust."Goethe? Minister Goethe? Weimar? Faust geschrieben? Warum nicht aufführen?"Durch­laucht," erwiderte Klingemann,er ist nicht für die Bühne be­stimmt."Was? Nicht bestimmt? Für die Bühne Herrichten! Machen!"Durchlaucht," erlaubt sich der Direktor zu bemerken, ba» ganze Gedicht ist von großer Schönheit, aber es enthüll nur lose aneinander gereihte Szenen, es ist kein Drama, es ist kein Ganzes."Was? Kein Ganzes? Gut ganz machen! Glauben wohl Ihren Faust zu schädigen? Erst recht aufführen! Punktum! Aufführen! Mir Buch schicken!" Und damit drehte sich Durchlaucht auf dem Absatz herum.Grundgütiger Himmel," seufzte Klingemann, die Hände zusammenschlagend,was soll das werden?!" Am nächsten Morgen sandte man dem Herzog das Buch von Faust. Mittags erhielt es Klingemann zurück mit Der lakonischen Bemerkung:Aufführen!" Ja, das ließ sich wohl sehr leicht schreiben: aufführen aber wie? Wie konnte man die einzelnen Szenen zu einem Ganzen schmieden?! Klinge­mann machte sich nun mit einigen seiner Schauspieler daran, eine Bühneneinrichtung herzustellen und die Rollen zu verteilen. Es kam zu keinem Resultat. Nun setzte er sich hin und schrieb einen untermürfigen, ausführlichen Brief an Goethe, in dem er

Aunft, Wissenschaft nnd Leben.

Weshalb muß uns der Himmel als eine hohle Halbkugelschale erscheinen? Auf diese Frage gibt Prof. Dr. Max Schneidewin in Heft 14 der Natur (Verlag von Th. Thomas, Leipzig) folgende

^,Ter^Raum an sich muß doch als unendlich vorgestellt werden, d. h. nicht in einem Widerspruch als vollendete Unendlichkeit, sondern deshalb, well jede ihm einmal in Gedarnen gegebene Begrenzung als in Wirklichkeit unmöglich vom Verstände, den: Gesetzgeber der Natur, erkannt wird. Ter Raum ist also als unendlich nichtgegeben", sondern wird es durch einen in Gedanken möglichen, wie Kant sagt, progressus in infinitum". Als unendlich kann er aber keine bestimmte Form haben. Warum sind wir gezwungen, dasjenige von ihm, das in unsere Wahrnehmung tritt, als eine hohle Kugelschale anzuschauen, warum sehen rtnr uns nicht, um die nächstliegende andere Möglichkell äu nennen, als von einem Kubus umgeben? Well kein Grund vor­liegt, daß wir nach irgendeiner Richtung naher oder weiter blicken können als nach jeder anderen. Der geometrische Ort aller Punkte nun aber, die oberhalb unser im freien Raum gleich well von uns entfernt sind, ist eben die Schale einer Hohlkugel, deren Radien alle in unserem Auge zu- jammen- und von uns gleich well in die Itnendlichkell laufen. Warum aber sehen wir den bewölkten Himmel «leichfalls als eine Hohlkugel, während wir uns doch sagen müssen, daß die Wolken über uns sehr verschieden well «der hier lieber gesagt nahe von uns entfernt sein Bonnen und oft sind? In diesem Falle liegt in der Tat keine Kugelform für uns vor, wie wir oft bei schärferem Jusehen auch feststellen können: wenn wir sehen, daß Ziehendes Gewölk vor einem wetteren Hintergründe anderer Wolken sich befindet. Der für astronomische Beobachtungen hn Betracht kommende Himmel muß aber immer ein freier Ibtnunel sein, der aus dem angegebenen Grunde als hohi^e iLugelschclle erfcheinen muß. Den bewölkten Himmel sehen 'vir also nur aus -Aewohnhett gleichfalls als kugelförmig