Ausgabe 
30.7.1910 Zweites Blatt
 
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ID 30/7

Dr. Mueller, Liebigstr. 47. Dr. Steinreich, NeuenBäue 22.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

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Wetter

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Ochsen.

Dollfleischige, ouSgeniaftete, höchsten

Schlachtwertes, höchstens 6 Jahre alt 4650 8487 Junge, fleischige, nicht ausgemästete und

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Höchste Temperatur am 28. bis 29. Juli

Niedrigste , , 28. 29.

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Niederschlag: 1,1 mm.

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1910

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fc. Wiesbaden, 29. Juli. Heu- und Strohmarkt An gefahren waren 37 Wagen Heu und Stroh. Alan notierte: H e u, neues, 4.005.00 Mk., altes 6.400.00 Mk., Stroh (Richt- strcch), neues, 5.606.40 Alk. Fruchtmark 1. Haser 16.40 bis 17.00 Mk. Alles iür 100 Kilo.

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Gießen, 30. Juli. Marktbericht. Auf heutigem Wocben- markte kostete: Butter yr. Pfd. 1.201.25 Alk., Hühnereier 1 St. 89 Psg., Enteneier 1 Stück 9 Psg., Käst pr. St. 68 Pf., Käsematte pr. St. 56 Psg., Tauben pr. Pr. 0,801,00 Alk., Hühner pr. St. 1,001,60 Mk., Hahnen pr. Stück 0,801,80 Alk., Enten pr. Stück 1,802,20 Alk., Ochsenfleisch pr. Psd. 8088 Psg., Rindfleisch pr. Pfund 8084 Psg., .stubfleisch 70 Psg., Schweine­fleisch pr. Pfund 8096 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 8688 Psg., Hammelfleisch pr. Md. 6084 Psg. Kartosseln (neue) pr. 100 51g. 9.00 bis 10.00 Alk., Zwiebeln per Ztr. 8,0010,10 Alt., Alilch per Liter 20 Psg., Kirschen per Pfund 4050 Psg., Nisse 100 Stück 50 bis 60 Psg., per Ztr. 000 Alk. Marktzeit von 71 Uhr.

F.C. Wiesbaden. Viehhoi-Marktbericht vom 29. Juli. Auftrieb: Rinder 53, Kälber 114, Schafe 37, Schweine 231.

Tendenz: Rinder mittelmäßig, Kälber mittelmäßig, Schafe mittelmäßig, Schweine mittelmäßig. Preis Durch-

Mäßlg genährte junge und gut ge- nährte ältere.........3740

Färsen, K ü h e.

Vollsielschige ausgemästete Färsen höchst.

Schlachtwertes........44-49

Pollfleischige ausgemästete 51ühe höchst.

Schlachtwertes bis zu 7 Jahren . . 3943 Aeltere ausgemästete Kühe und wertig

gut entwickelte jüngereKühe u. Färsen 3538 Mäßig genährte Kühe nnd Färsen . . 2934 Kälber.

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Gebrauchsmuster Warenzeichen

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London, 29. Juli. Das Landwirtschastsministerium gibt bekannt, das in Yorkshire alle Tiere, die an der Maul- uit i), Klauenseuche erkrankt waren, jetzt geschlachtet worden sind. In der Nachbarschaft ist bisher kein Seuchenfall entdeckt worden. Man hat Grund zu der Annahme, daß die Seuche nicht weiter um sich greifen wird.

Auszug a. d. Ztan-esamtsreglstern der Stadt Sichen.

Aufgebote.

Juli 22. Karl Trechsler, Postbote, mit Anna Wenderoth, beide in Gießen. Johann Bechte, Ingenieur ui Hanau, mit Elise Braun in Gießen. 27. Heinrich Lotz, Lehrer, mit Frieda Michel, beide in Gießen. 28. Friedrich Böckel, Schneider, mit Margarete Schneider, beide in Bermuthshain. Heinrich Lenz, Prokurist in Lelde, mit Elise Jung in Gießen.

Eheschließungen.

Juli 23. Heinrich Hinkler, Kassenbeamter, mit Elisabetha Schul- meyer, beide in Gießen. Ernst Weller, Ziegelmeister, mit Hedwig' Schrader, beide in Gießen. Friedrich Meifarth, Kauf­mann in Lemgo, mit Johanna Hollmann in Gießen. Christian Geldbach, Postassistent in Ronsdorf, mit Elisabeth Elmer in Gießen-

Geborene.

Juli 16. Dem Schlossermcister Georg Etller eine Tochter. 18. Dem Pflasterer Karl Gerhards eine Tochter, Alma. Dem Eisenbahn-Pnckmeister Peter Urrigshardt ein Sobn, Heinrich. 19. Dem Postboten Andreas Fuchs eine Tochter, Karola Katharine Elise. 20. Dem Kaufmann Louis Mendelsohn eine Tochter, Elisabeth. Dem Schuhmachermeister Heinrich Müller eine Tochter. 21. Deut Oberpostsekrelär Karl Hedrich ein Sohn. 22. Deut Landwirtschaftslehrer Heinrich Schmalbach ein Sohu, Karl. Heinrich. Dem Taglöhner Wilhelm Ude eine Tochter, Thekla Wilhelmine. 23. Dem Vizefeldwebel Ernst Heller ein Sohn, Karl Ernst. Dem Schrmjetzer Richard Strohwig ein Sohn, Walter Franz Lottis Wilhelm.

Gestorbene.

Juli 23. Georg Kieler, Kaufmann, 32 Jahre alt, Frankfurter Straße 5. Henriette Heddaeus, geb. Ab6, 80 Jahre alt, Bis- marcksrr. 28. 24. Friedrich Dietrich, Arbeiter, 44 Jahre alt, Große Mühlgasse 8. 25. Christian Arnold, Stellwerksweichen­steller, 63 Jahre alt, Licher Straße 17. 26. Barbara Pflanz, geb. Gremm, 70 Jahre alt, Am Rodberg 1. Marie Lotz, geb. Leng, 66 Jahre alt, Großer Steinweg 26. 28. Konrad Breitstadt, Hilfswagenmeister, 77 Jahre alt, Wetzsteinstr. 46.

her Fall gewesen sei; damals hätte Nauheims Einwohner- Waft beinahe zehn Jahre zu leiden gehabt. Nun werde mit diesem neuesten Projekt wieder die größte Beunruhigung in die Nauheimer Bevölkerung und weitere FinanMeise getragen. Meiler wird darauf hingewiesen, daß die sRe- -gierung seil 1904 rund 8 Mill, für Erbauung der neuen Badehäujer und sonstigen Anlagen aufgewendet habe; es wäre dies doch nicht, notwendig gewesen, wenn man jetzt durch Errichtung eines Riesenbadehotels einen Teil den teuren Badehäuser leer stehen lassen wollte. Durch Errich­tung des Hotels würde die Steuerkraft der größeren und kleineren Hotels empfindlich geschädigt Hier seien einzelne Hotels, die 16 000 Mark Steuern jährlich bezahlen; in Zu­kunft würde dies wohl weniger werden, denn es dürfte doch 'nur eine Frage der Zeit sein, daß dieErstklassigen" das bequemere Hotel vorziehen würden usw. Um nun einen Vergleich zu ziehen über den Gewinn aus dem Gelände­verkauf für das Badehotel und den Wasserverbrauch in ihm und den späteren drohenden Verlust der Steuern dürfte nachstehende Uebcrsicht von Interesse sein: Gesamte für die Gemeindcbesteucrung in Betracht kommende staatliche Ein­kommensteuer 131 157,07 Mark, hiervon Gemeindesteuer 162111 Mark, gesamtes Gemeindesteuerkapital 227 696,03 Mark, hiervon Grundsieuerkapital 84 430 Mark; gesamtes Gewerbesteucrkapital 94 466 Mark, hiervon Gewerbesteuer­kapital 35 028 Mark; gesamtes Kapitalrentensteuerkapital 34 798 Mark, hiervon Kapitalrentensteuerkapital 12 903 Mk. Die zu erwartende Einbuße an Steuern wiege wohl die Einnahme von 40 000 Mark auf, die der Staat für Zinsen aus dem Geländeverkaufspreis und für Wasser erhalten soll. Wie schädlich das Projekt nun schon gewirkt hat, geljt daraus hervor, daß eine Großbank eine gegebene Zu­sage für Kapital wieder so lange zurückgezogen hat, bis das Projekt endgültig beseitigt sei. Ferner sei der Verkauf eines der größten Hotels für ly2 Million rückgängig ge­macht worden, trotzdem bereits Anzahlung, Bedingungen, Ueb er nähme usw. bis auf die Notariatsurkunde fertig waren.

R. B. Darin stadt, 29. Juli. Der Hessische Auto­mobilklub veranstaltete heute einen Vortragsabend, um die Mitglieder und sonstigen Interessenten mit den Wirkungen des neuen Automobil Haftpflichtgesetz es bekannt öu_ machen. Redner des Abend war Rechtsanwalt Sieger, der Rechtsbeistand des Klubs, der sich über das neue Gesetz verbreitete, das von außerordentlicher Wirkung und Wichtigkeit für alle, nicht nur für Automobilfahrer ist. Das Gesetz sei der Not­wendigkeit entsprungen, den immer zahlreicher werdenden Un­fällen, die mit der Zahl der Autos wachsen, zu steuern. Maß­gebend für die Gesetzesbestimmungen war einerseits ein erhöhter Schutz des Publikums, andererseits mußte vermieden werden, durch eine Ueberspannung den Automobilverkehr so zu belasten, daß seine Entwicklung gehemmt oder geschädigt werden kann. Der beste Schutz gegen Autounfälle sei 1. daß das Auto den Anforde­rungen entspricht, die im Interesse der öffentlichen Sicherheit gestellt werden müssen, 2. daß der Führer eine gute !und fachgemäße Ausbildung besitzt. Dem trägt das Gesetz durch genaue Vorschriften Rechnung. Für die sehr strenge und harte Haft­pflicht waren im Wesentlichen die ehemaligen Bestimmungen der Eisenbahnen maßgebend. Das führte aber zu Härten, die umso weniger berechtigt sind, als das Auto immer mehr aus einem Luxusfahrzeug ein fast unentbehrliches Verkehrsmittel wird. Das Autofahren stellt an die Führer die größten Anforderungen. Das Gesetz macht den Besitzer haftpflichtig, wenn ein Unfall entstand durch irgend einen technischen Mangel, er ist für den Schaden verantwortlich ohne Rücksicht auf die Ursache. Der Geschädigte ist nicht verpflichtet, den Nachweis eines Verschuldens zu erbringen, vielmehr hat der Autobesitzer die Pflicht eventuell zu beweisen, daß er den Unfall nicht verschuldet. Jedenfalls ist jedem Autofahrer die Haftpflichtversicherung dringend zu empfehlen. Der Redner ging dann auf verschiedene wichtige Einzelheiten des Gesetzes ein. Nicht haftbar ist der Automobilhalter nur, wenn ein Unbefugter sein Auto benutzt, oder wenn der Beschädigte ein Insasse des Autos war. Haftbar bleibt der Auto­mobilhalter, wenn er von der Benutzung feines Autos durch Dritte Kenntnis hat, auch ohne daß er die Erlaubnis gab und wenn er sein Auto nicht s o gut verwahrt, daß d i e Be­nutzung durch Unbefugte ausgeschlossen i st. In zweiter Linie haftet der Führer, wenn er den Unfall verschuldet. Die Schadenersatzpflicht beträgt bis 50 000 Mark, oder bis 13 000 Mark Jahresrente bei Tötung eines Menschen und bis zur drei­fachen Summe bei Tötung mehrerer Menschen, oder bis 10 000 Mark bei Sachschaden. Neben Haftpflicht tritt Bestrafung. Wichtig in diesen Bestimmungen ist, daß mit Gefängnis bestraft wird, wer einen Ueberfahrenen hilflos liegen läßt.

Die Sommerhitze bringt große Gefahr für alle mit Milch ernährten Säuglinge, und treten Darmkrankheiten und Brechdurän fälle in erschreckender Weise auf. Wer feinen Liebling dieser großen Gefahr nicht aus setzen will, beuge vor und verabfolge dem Kinde eine gleichbleibende, die Verdauung nicht störende Nahrung. Dm beste Gewähr bietet hierin das seit Jahren altbewährte Nestle'sche Kindermehl, weil dasselbe nur mir Wasser zubereitet werden braucht. ss6/z

X. Hanau, 29. Juli. Die Errichtung einer elek­trischen U eberlandzentrale wurde auf dem heutigen Kreistag des Landkreises Hanau beraten. Der Kreistag be­willigte den Betrag von 2000 Mk. zur/Bestreitung der Kosten für die ersten Vorarbeiten. *

=o. Wiesbaden, 29. Juli. Ein Mord wurde im nahen Dotzheim verübt. In der Luisenstraße wohnte der 77 Jahre alte fleißige und solide Taglohner Franz Schip­per, Vater von vier Kindern, seit einiger Zeit mit zwei ledigen Brüdern, den Arbeitern Riebel, die vor lürz,er Zeit erst nach Dotzheim zogen, in demselben auseH zusammen. Da die Brüder äußerst freche Menschen waren, wollte Schipper mit ihnen keine Gemeinschaft haben und nur aus diesem Grunde suchten sie beständig mit dem Manne Hän­del, auf die sich Schipper nicht einließ. Als Schipper gestern abend gegen 11 Uhr heim ging, lauerten ihm die beiden in der Nähe des Hauses auf und überfielen ihn. Ohne jede Ursache zog der jüngere der Brüder einen Revolver aus der Tasche und gab auf Schipper einen Schuß ab, der nur zu gut traf, denn der Arme ft a r b, als er sich mit einigen Schritten in seine Wohnung geschleppt hatte. Das entsetz­liche Jammern der Frau Schivpers und ihrer vier Kinder machte nicht den geringsten Eindruck auf die Mordbuben, sie gaben kalten Blutes zu, wegen der Differenzen, die schon längere Zeit zwischen ihnen und Schipper bestanden hätten, beschlossen zu haben, ihnaus dem Wege zu schaffen". Der eigentliche Mörder ist der 23 Jahre alte. Maj'chinenhobler Aloys Riebel.

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