Ausgabe 
21.12.1910 Erstes Blatt
 
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(50. Jahrgang

auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: U Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz s fürFeuUle- ton", .Vermischtes* und

Nr. 299

Der Siebener IwptptT erscheint täglich, auser EomuagS. Beilagen: viermal wöchentlich »tebentr^amilicnbläher,

Mittwoch, 2\. Dezember 1910

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Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten.

vcotsch niederlSndische Handelsbeziehungen.

Holland will feinen Zolltarif wesentlich erhöhen, über, ftne es in den Zeitungen heißt, vom Freihandel zum Schutz- roll übergehen. Auf die deutsch-nieoerländiscl>en Handels­beziehungen kann dies natürlich nicht ohne Einfluß bleiben. Wie bedeutend diese Handelsbeziehungen sind, geht daraus hervor, daß wir im Jahre 1909 für 253 Millionen Mark Waren aus Holland bezogen und für 4.54 Millionen Mark Waren dorthin geliefert haben. Dazu kommt aber noch unser Warenumsatz mit den niederländischen Kolonien; aus diesen haben wir für 186 Millionen Mark Waren eingeführt, wahrend die Ausfuhr dorthin an Wert auf 41 Millionen Mark sich beläuft. ES ergibt sich also eine Gesamteinfuhr von 439 Millionen Mark und eine Gesamtausfuhr von 495 Millionen Mark Wert. Die Bilanz ist für uns aktiv, soweit der Handel mit Holland selbst in Frage kommt, dagegen passiv, soweit es sich um den Verkehr mit den Kolonien, handelt. Was wir aus Holland beziehen, sind hauptsächlich landwirtscl)aftl'icl)e und Fischerei-Erzeugnisse, während wir nach Holland neben Steinkohlen, Roggen und Weizen vor­wiegend Fertigfabrikate ausführen. Mit keinem anderen Lande hat Holland einen so bedeutenden Handelsverkehr wie mit Deutschland, was bei der geographischen Lage beider Länder zueinander auch ganz natürlich ist. Der sehr bedeutende Durchfuhrverkehr durch Holland von und nach Deutschland ist in den vorstehenden Wertzisfern noch nicht einmal enthalten. Dieser Durchfuhrverkehr bildet aber einen wesentlichen Bestandteil der beiderseitigen Ver­kehrsbeziehungen.

Der deutsch-niederländische Handelsvertrag von 1851 befaßt sich in der großen Mehrzahl seiner Paragraphen mit der Regelung der Schiffahrt auf dem Rhein uno seinen Nebenflüssen und mit der Befreiung der Rheinschiffahrt von Schrssahrtsabgaben. Da es nun in der Absicht der beutfdjen Regierung liegt, Schiffahrtsabgaben wieder eilt* zu führen, so muß außer der Rheinschiffahrtsakte auch der deutsch-niederländische Handelsvertrag außer Geltung ge­setzt, d. h. gekündigt werden. Die mit Holland wegen Der Einführung von Rhernschiffahrtsabaaben zu führenden Verhandlungen werden sich dann auf den Abschluß eines neuen Handelsvertrages zu erstrecken haben. Oder mit an­deren Worten, um Hollands Zustimmung zur Aufhebung der Dbgabefreiheit auf dem Rhein zu erlangen, werden wir den Holländern wohl handelspolitische Zugeständnisse, u. a. auf dem Gebiete unseres Zolltarifs, machen müssen. In Wirklichkeit wird also die Sache darauf hinauslausen: 1. Durch die bevorstehende Einführung seines neuen Zoll­tarifs erhöht Holland seine Zölle auf deutsche Jndustrie- erzeugnisse. 2. Wir müssen den Holländern Zollerleichfe- rungen gewähren, z. B. eine Zollermäßigung für Holländer Käse, vielleicht auch Erleichterungen hinsichtlich der Ein­fuhr von holländischem Vieh und Fleisch nach Deutschland, o. Wir erlangen dafür die Berechtigung, Schiffahrtsabgaben auf dem Rhein zu erheben. 4. Anderseits verlangt aber auch Holland die Berechtigung, die deutsche Schiffahrt aus dem Rhein und auf den Rheinkanälen innerhalb Hollands mit ^Abgaben zu belegen.

Man ersieht hieraus, daß die Chancen bei den Ver­handlungen für uns nicht sehr günstig sind. Außerdem geben wir mit der Kündigung des bestehenden Handels--

Alte Mädchen.

Don Ludwig Speidel.*)

Wie gewöhnlich, wenn die Weihnachtszeit herannaht, babe ich wieder eine Nase voll Tannenduft, und diese von der Kind­heit her vererbte angenehme Gewohnheit, «die ich noch jetzt in jebcm Sinne grün nennen möchte, stimmt mich mitteiläm, soweit ein von Natur so kurz angebundener Mensch auf solche freigebige Bezeichnung Anspruch machen darf. Doch schäme sich des Kindes in ihm, wer da will wir wollen nicht die Philister sein, die altklug von der Höhe ihrer Weisheit herabschauen, wenn unseren Kindern der Wald ins Haus wächst und in jedem Tannen- wedel das Harz sich rührt und das warme Gemach mit Wohl­geruch erfüllt. Tas ist der wahre Dust der Seligkeit, die Atmosphäre des Kinderhimmels. Das riecht nach Gluck und bringt es auch, erschiene es nun in Gestalt von funkelnden Diamanten oder vergoldeten Walnüssen. Ich höre es wieder in den Wänden rieseln, als ob tausend geschäftige Geister ihr Wesen treiben; die Türklinke knackt leise, ohne daß jemand in die Stube tritt, und ein Rascheln und Flüstern geht durch das Haus, welches man nicht allein dem geschüttelten Rauschgold zuschreiben möchte. Die Familiengeister gehen um, zumal der hundertsältig sich teilende Geist der Mutter, der jedes Bedürfnis rennt und wahrt, vom ausgezogenem Saume des zu langen Unterröckchens bis zum Seelenheile des kleinen Naturheiden, der ihrem Schoße entsprossen. Zwischendurch, wenn eine ferne Tür ausgeht, erschallt frisches Kinoergelächter, oder ein zärtlich fortge­scholtenes neugieriges Gesicht guckt in das Zimmer herein. Aber die Heranwachsenden Mädchen sind schon vom Geiste der Mutter beseelt denn während die Gute selbst, jeden Wunsch bedenkend den Familienbaum rüstet, putzen sie für arme Kinder eine Reine Tanne, auf deren Spitze sie ein kleines Knäblein setzen, welches sehr gesund aussieht, und von dem in kindlichen Kreisen die Sage geht, daß es die Welt erlöst habe. Und die Sage hat recht, Kinder, kleine wie große wenn sie groß geworden nennt man sie Genies erlösen die Welt noch täglich, und am heu­tigen Kindertage, ihr Kleinen, ist unsere Seligkeit nur ein Ab­glanz der eurigen. Die kleinen Heilande blicken uns aus ihren

*) Wir entnehmen dies gemütvolle Feuilleton dem soeben erscheinenden dritten Band der Schriften Ludwig Speidels. Das verhältnismäßig sehr wohlfeile Buch enthält eine Auswahl der schönsten Weihnachtsfeuilletons, die der Meister Ludwig Speidel tm Laufe von Jahrzehnten geschrieben. Eines seiner berühm­testen Weihnachtsblätter ist das Feuilleton, daS wir hier im Einverständnis mit dem Verlag Meyn U- Jessen, Berlin SW.) zum.Abdruck bringen.

Vertrages auch einen Vorteil preis, der uns durch diesen Handelsvertrag zugesichert ist und der uns beim Abschluß eines neuen Handelsvertrages wahrscheinlich nicht wieder zugestanden werden wird. So veraltet nämlich auch der Handelsvertrag von 1851 im allgemeinen ist, so enthält er doch eine für unseren überseeischen Handelsverkehr sehr wertvolle Bestimmung, die darin vereinbarte Meistbegünsli- gung erstreckt sich auch auf unseren Handel mit den nieder­ländischen Kolonien, und zwar derart, daß deutsche Waren beim (Eingang in die Kolonien im allgemeinen keinen an­deren oder höheren Zöllen unterworfen werden dürfen als die gleidjartigen Waren des Mutterlandes. Dadurch sind Zolldisfetenzierungen in den niederländischen Kolonien zu­gunsten des Mutterlandes im wesentlichen ausgeschlossen. Wird uns Holland beim Abschluß eines neuen Vertrages dieses wichtige Zugeständnis erneuern? Nachdem fast alle übrigen Kolonialstaaten außer Deutschland dazu übergegangen sind, den eigenen Erzeugnissen und Fabrikaten Vorzugsbegünstigungen in ihren Kolonien und über­seeischen Besitzungen einzuräumen, wird voraussichtlich auch Holland sich die Möglichkeit zu ähnlichen Maßnahmen offen halten wollen. Man sollte sich daher die Sache recht sehr überlegen, bevor man zu der Kündigung des Vertrages schreitet.

Die Vereinfachung der hessischen Staatsverwaltung.

R.-B. Darm stadt, 20. Dez. Der im vorigen Herbst auS Mitgliedern beider Ständekaminern gebildete Ausschuß zur Vereinfachung der Staatsverwaltung hielt heute nachmittag im Sitzungssaals der Ersten Kammer unter Vorsitz deS Staatsministers Ewald eine Beratung ab, der von der Negierung noch die Herren: Minister des Innern o. Hombergk und Geheimeräte Dr. Becker und Best, sowie der Präsident der Oderrechnungskammer Geh. Rat Dr. Ewald beiwohnten. Die Beratung drehte sich ausschließlich um die Frage der Umgestaltung der Oberrechnungs kämme r. Bei der vorjährigen HauShaltSberatl>ng war von beiden Kammern übereinstimmend an die Regierung das Ersuchen gerichtet worden, in Verbindung mit der Vorlage zur Ver­einfachung der Staatsverwaltung eine Umgestaltung der Ober- rechnungLkammer durchzuführen und zwar nantenlllch unter dem Gesichtspunkte der Reorganisation, sowie der Anstellung von Revtsionsbeamten bei den Lokalverwaltungsbehörden zwecks Aufhebung oder Entlastung der zweiten Abteilung lIustifikatur). Infolge dieses Beschlußes hat nun auf Er­suchen deS Staatsministeriums die Oberrechnungskammer eine Denkschrift über die Organisation dieser Kammer angefertigt, in der sowohl über die Tätigkeit und die Ausgabe der Ober- rechnungskammer, wie über die ähnlichen Institute in den anderen deutschen Bundesstaaten ausführliche Angaben gemacht worden sind.

Ueber diese Denkschrift, sowie namentlich über die von den Kammern angeregte Frage der Dezentralisierung erstattete nun in der heutigen Sitzung deS Ausschusses ein Mitglied der Ersten Kammer, der Fürst zu Isenburg-Birst ein, einen eingehenden Bericht, an dem sich eine allgemeine Be­sprechung anschloß, in der namentlich die Gründe für und gegen die Dezentralisierung ausführlich erörtert wurden. Während von der einen Seite die Durchführbarkeit der

großen Kinderaugen erstaunt an; sie kennen die arge Welt noch nicht und spielen lächelnd mit einer Passionsblume.

Wenn ich aber bei den Kindern dankbar zu Gast sitze und mich jm ihrer Seligkeit sonne, so muß ich jedesmal der Stief­kinder des Glückes gedenken, denen der Himmel nur graue Tage und öde Nächte beschert. Ich will nicht von den Armen reden, denn was ist arm und reich? Wir sind nie reich genug um den hohen Flug unserer Wünsche zu erreichen, und selten so arm, daß wir nicht tählicy einen Sonnenstrahl der Freude einfangen könnten. Ich will von wahrhaft armen Wesen sprechen, die so oft, wenn alles sich freut, traurig beiseite stehen, traurig und unbeachtet wenn nicht gar verachtet. Diese Aschenbrödel der bürgerlichen Gesellschaft, am Weihnachtstage, als dem Feste der Kinder doppelte Asck>enbrödel sind das Wort will kaum aus der Feder die alten Mädchen. Alte Mädchen! Mädchen und alt! Es besteht ein solcher Widerspruch zwischen diesen Wörtern, daß sie selbst erstaunt sind, so hart nebeneinander zu stehen. Mädchen ein Geschöpf voll Verheißung, eine blühende Anweisung auf Leben, Genuß und Glück! Und alt der Abgrund alles Unwünschenswerten!

So grausam «aber diese Bezeichnung auch sein mag, sie ist nicht grausamer als das Geschick, der damit Bezeichneten. Ein altes Mädchen sein, heißt ein Schicksal tragen, an welchem eigene Verschuldung nur in den fettesten Fällen einen bedeutenden Anteil hat. Man ist meistens ein altes Mädchen, wie man ein Genie ist: ohne Verdienst oder Schuld, nur mit dem scheidenden Unter­schied, daß dem Genie, weil es das selbstverständlich Göttliche ist, alles als Verdienst, dem alten Mädchen aber, weil es ein schicksalsvolles Unglück trägt, alles als Schuld angerechnet wird. Es gibt im strengsten Sinne notwendigerweise alte Mädchen: Natur und gesellschaftliche Verhältnisse wollen es so; was aber notwendig ist, gerade das an mir verspottet und verlacht zu sehen, ist das Unbarmfrengifte und Unerträglichste. Ein altes Mädchen fordert wenn nicht Mitleid, doch Mitgefühl heraus.

Schon in frühen Zeiten hat die Frage der alten Mädchen die Geister beschäftigt. Mit seiner heiteren Anschaulichkeit schil­dert her Vater der Geschichte eine babylonische Sitte, die es mit unserem Gegenstände zu tun hat.In jedem Dorfe," erzählt Herodot,wird alle Jahre also einmal getan: Wenn die Mädchen mannbar geworden, so mußten sie alle zusammengebracht und auf einen Haufen geführt werden. Ringsumher stand die Schar der Männer. Sodann hieß der Ausrufer eine nach der anderen aufstehen und versteigerte sie. Zuerst die allerschönste; bann sobald diese um vieles Geld erstanden war, rief er eine andere aus, welche nächst dieser die schönste war, aber alle mit dem Beding, daß sie geehelicht würden. Was nun die Reichen unter den Babylonem waren, die da heiraten wollten, überboten ein­ander, um die Schönste zu feelommcn; was aber gemeine Leute

letzteren betont wurde, wiesen die ReglerungSocrlreter an der Hand der Darstellung in der Denkschrift auf die großen Schwierigkelten hin, die sich bet einer (Übertragung der Re- öifionSarbeiten auf die Kreisämter ergeben würden. End­gültige Beschlüße wurden in der heutigen Sitzung noch nicht gefaßt, es soll vielmehr im nächsten Monat eine wettere Be­ratung über diese Materie stattfinden.

württembergische und sächsische Maßnahmen gegen die Zleischieuerung.

Stuttgart, 20 Dez. Das Ge s a m tko lleg inm? der Zentralstelle für die Landwirtschaft, teiä' gestern in Gegenwart des Ministers des Innern über Maß­regeln gegen die Fleischteuerunb verhandelte, hat, wie der Schwab. Merkur" berichtet, einstimmig beschlvssm, zur all­mählichen Ausschaltung des Zwischenhandels eine Vieh­verwertungszentrale für das ganze Land zu schaffen. Weiterhin wurde einstimmig eine Erllcirung ange­nommen, die von dem Standpunkte aus, daß die Zulassung fremden Schlachtviehs für die einheimische Fleischprodu^ tion nachteilig sei, die Regierting auffordert, diese Zulassung' bei Rindvieh allmählich, bei Schweinen tunlichst bald zurück­zuziehen.

Dresden, 20. Dez. DerSachs. Landesdiens^ mel­det: Der sächsische Gesandte in Berlin wurde von der säch­sischen Regierung telegraphisch angewiesen, bei des Reichsregierung zunächst die Einführung französi­schen Viehs für die Schlachwiehhöfe Dresden, Leipzig, Chemnitz, Plauen und Zlvickau zu beantragen.

Lin Vertrauensvotum für vriand in der französischen Kammer.

Paris, 20. Dez. In der französischen Kammer erklärte am Dienstag der Ministerpräsident Briand, auf tert Staatsbahnen werde keine Entlassung aufrecht erhalten, die nur wegen der Teilnahme an dem Streik ausgesprochen worden sei. Die Eisenbahngesellschaften versprachen ebenso vorzugehen. Don einem allgemeinen Straferlaß könne nicht die Rede fein, da man sonst Gefahr liefe, die Disziplin nachteilig yt beeinflussen. Die Regierung wolle einen ausgü»ehnten sozialen Fortschritt und um ihn zu erreichen, müsse sie Ordnung haben. Briand nahm sodann die Tagesordnung Rubi er an, die von den Erklärungen der Regierung Akt nimmt und ihr das Vertrauen ausspricht, daß sie beabsichtige, bei den Staatsbahnen eine Revisio-n der Kündigungen mit Wohlwollen vorzunehmen und in diesem? Sinne auch bei den Eisenbahngesellschaften vorgehen lvolle. Da­rauf stellte Briand'die Vertrauensfrage. Der Teil der Tagesordnung Rubier, der von der Regierungserklärung AkÜ nimmt, wurde schließlich mit 425 gegen 80 Stimmen, der Teil, der der Regierung das Vertrauen ausspricht, mit 354 gegen 106 (Stimmen, die gesamte Tagesordnung mit 405 gegen 90 «Seim* men angenommen.

Das Ergebnis öer englischen Wahlen.

L ondo n, 20. Dez. (6 Uhr abends^) DieWahlensind^ beendet. Heute wurden 1 liberaler, 1 Redmondist, 1 Dbricniflf gewählt. Die endgültigen Ziffern sind: Liberale 2 71 a Unionisten 27 2, Vertreter der ArbeiterpartqH 43, Redmondisten 74, Obrienisten 10. Die Unio­nisten gewinnen 28 Sitze und verlieren 29, die Liberalen gx winnen 23 und verlieren 26, die Arbeiterpartei gewinnt 4 von tert Unionisten und 1 von den Liberalen und verlieren 3 Sitze, btd Redmondisten gewinnen 2 von den Unionisten und 3 von tert Obrienisten und verlieren 2 Plätze an die Obrienisten. Das waren, denen es nicht um Schönheit zu tun war, die bekamen die häßlichen Mädchen und noch Geld dazu. Denn wenn der Ausrufer alle schöne Mädchen verkauft hatte, so mußte die Häß­lichste aufstehen, und nun rief er diese aus, bis sie dem Mindest- sordernden zugeschlagen wurde. Das Geld aber kam ein von den schönen Mädchen, und auf diese Art brachten die schönen die häßlichen an den Mann. . ." So weit Herodot. Dieser^ babylonischen Methode, eine soziale Frage zu lösen, hängt doch» vom übrigen Bedenklichen abgesehen, ein großer Fehler an: sie legt einen schwankenden Maßstab zugrunde. Denn was ist häß­lich? Es gibt immer noch eine Häßlichere, also keine unbedingt Häßliche. Häßlich sein ist noch kein Hindernis, reizend zu sein, und wie oft es gehört zu den Geheimnissen der Liebe werden die schönsten Männer von häßlichen Frauen beseligt. Häß­liche Mädchen, die ihre schöne Seele nicht an den Mann ge­bracht haben, sind die Minderzahl unter den alten Mädchen.

Man wird aus allen möglichen Gründen ein altes Mäd­chen, aber zumeist, weil die Natur die Geschlechter ungleich ver­teilt hat und weil die Verhältnisse der bürgerlichen Gesellschaft nicht darnach angetan sind, das gesamte Liebeskapital der Mädchen fruchtbrinaend anzulegen. So sind die meisten alten Mädchen reine Opfer. Alle die verschiedensten menschlichen Motive spielen zwischendurch. Das alte Mädchen ist oft aller Romantik voll. Sie hat einen Roman gehabt, einen erlebten oder einen er­träumten. Er ist ihr gestorben, er hat sie für eine untere ver­lassen, oder er hat ihr stilles Werben nicht bemerkt. Sie hat ihr Glück vielleicht versäumt, es unbedacht ausgeschlagen, ober es ist nie ft> nage an sie herangetreten, daß sie es mit betf Hand erreichen konnte. Sie sieht sich von der höchsten Aufgabe der Frauen ausgeschlossen, und der Kummer darüber geht ihr zeitlebens nach, wenn sie nicht zufällig eine Amazone oder eine »eilige ist. Manche nennen sie glücklich, denn wenn sie dir Freude nicht habe, so fehle ihr dafür auch das Leid. Daß sie aber auch die Freude des Leids nicht hat, das vergessen die meisten. Glück im höchsten Sinne zu gewähren, ist ihr be­nommen. Frauen können so beglücken, daß in ihnen ' selbst, sogar unter Kummer und Sorgen, eine Fülle des Glücks wohnen muß. Oder ist nur diese überschwängliche Fähigkeit, beglücken zu können, ihr wahres Glück? Ein unberührter Schatz von Liebe ruht oft in dem Herzen alter Mädchen und geht ungenützt mit ihnen zu Grabe. Ihre verfehlte Bestimmung können sie nicht vergessen, selbst wenn sie ihr Leid ins Kloster tragen. Die Nonne noch spielt mit der Liebe, mit der Ehe. Da ihr das nächste- nicht erreichbar gewesen, stteckt sie die Arme nach dem F-ermsteiu aus; aber nur, um eS ihren Bräutigam zu nennen. Schöner, liebt man alte Mädchen in irdischer Tätigkeit walten, indem ifc.i wenn auch innerlich verblutend, und ihre Tränen verschluckend | LU Schutzgenien ihrer jüngeren .Geschwister, jchrer Familien oder!