Ausgabe 
24.11.1910 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Erster Blatt

160. Jahrgang

«nzetger «icfeetu

Bonnerstag, 24. November jM vezug-prei-r monatlich7LP^ viertel­jährlich Dtk. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.S. viertel- jährl. ausfchl. Bestell«. Zeilenpreis: lokal IbPs^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; fürFeuille­ton*,Vermischtes* und

Nr. 2Z6

Der Lietzener Ifajetytt erscheint täglich, auuer Sonntag-, - Beilagen: viermal wöchentlich LietzenerLamlilenblatter; iioeimnl ivöcbcntl.Ktets« blatt für den llreir Sietzen (itenerag und Freitag); iiveimol nionatl. land» ivirtschaftlicheSeitfrage, pftnipied) - Anschlüße: für die Redaktion 112, Verlag u. Expeduwn öl Adresse iür Depeschen:

__ General-Anzeiger für Oberhessen

JTiSriUÄüS RotaNourdn-ck mrd vertag der vrühl-schen Unlv.-Vuch- und Steinörnierti H. tauge. Keöafilon, Lxptdiliou uud vnlckerek- Lchnlstratze 7. »nd

bis vorrnulags b Uhr.Expedition für vüdlngea: Vühnhosjtratze lba. - Ceiephon Nr. 50. Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

DU englischen Kämpfe.

In England geht eShoch her". Die Frauenrechtlerin- nen die dort scl-on so manchen Bennis ihrer vornehmen Ailtur gaben, haben die Minister auf der Straße ange- Griffen, ihnen die Kopfbedeckung über die Ohren getrieben, nach ihnen getreten und sie so schwer mißhandelt, daß der eine mit großen Sck-merzen heute noch das Bett hüten muß. Darob gibt es jetzt große gerichtliche Verhandlun­gen, und die weiblichen Hyänen werden bei dem jetzigen Lauf der parlamentarischen Feldzüge an8 politischen Grün­den manche Fürsprecher unb Verteidiger finden, obgleich über ihre widerwärtigen Heldentaten, abgesehen von ge­richtlichen Strafen, wahrlich kein Wort zu verlieren wäre. Die Sozialdemokraten halten merkwürdigerweise die Zeit für gekommen, vor derdeutschen Gefahr" zu warnen, währeird die Iren gegen die LordS und Großgrundbesitzer Hetzen. Inzwischen setzte das Oberhaus seine Verhaud- lungen über Lord LansdowneS Anträge fort. Wir er­hielten folgende Meldungen:

London, 23. 9tvv. Der Sozialist B l a t ch f o r d kommt in einem zwei Spalten langen Artikel in derDaUy Mau" zu dem Schlüsse, daß die Oberhauöfrage ün Ver­gleiche zu der deutschen Gefahr, die heute größer sei als sie es vor einem Jahre gewesen, ein Streitpunkt von minderer Bedeutung ist.

Die vereinigte irische Liga veröffentlicht eine Kundgebung, in der die Lords und der Groß­grundbesitz, die beide gleichbedeutende Begriffe seien, heftig angegriffen werden. Ihnen wird die Verant­wortung für die große Teuerung Irlands und sür die große Auswanderung aus diesem Lande beigcmcs.en. Erne Mii- lion von Voltsgerwsjen, dre gestorben unb verdorben sind, und fünf MiUronen von solchen, die üi5 Exil getrieben wurden, schreien so heigt es nach der Entthronung der schändlichen Körperschaft, von der )o grenzensjes Lerd herrührt.

London, 23. Nov. In der Bowstreet erschienen 156 Anhängerinnen des Frauen st immrechtes vor dem Richter. Der Minister Churchill bestimmte, daß nur diejenigen gerichtlich zur Rechenschaft gezogen werden sollen, die sich vorsLtzlick)er Sachbeschädigung sck)uldig ge­macht haben. Der Minister Birrell liegt infolge der erlittenen Verletzung, welche ihm von den Anhängerinnen des Frauenstimmrechts zugefügt wurde, im Bette. Die Verletzung verursacht ihm erhebliche Schmerzen.

AuS dem Oberhaus.

London, 23. Nov. Die letzte Phase des Parlaments- kamp^es vor der Auslosung begann heute nachmittag mit der Beratung der Entschließungen, die Lord Lansdowne am Montag ankündigte. Lansdowne er­klärte, nach Ansicht der Opposition sei keine vollkommene Regelung möglich außer aus Grundlage des reformierten neugebildeten Oberhauses. Lansdowne gab am Sck;luß seiner Rede zu, daß die wirklichen Schwierigkeiten erst be­ginnen würden, wenn die Einzelheiten des Planes zur

Beratung gelangten. Aber dies {et kein Gruird, den Ver­such nicht zu machen.

Earl o s Crewe beklagte sich über daS willkürliche Vorgehen der Opposition, die Beratung der Veto-Bill zu verschieben. Er betrachte die Bill als tot. Es sei gleich­gültig, ob der Bill die Kehle durchschnitten oder ob sie mit Watte erstickt würde. (Gelächter.) Earl of Crewe gab au, daß eine ausführliche Aussprache über die Vorschläge LansdowneS notwendig sei, da sie durchgreifende Äende- rungen enthielten.

Der Erzbischof von Canterbury tadelte die Regierunn, weil sie an den verschiedenen Versuchen zur Reform ocs Oberhauses nicht tcilgenommen habe. Er glaube, LansdowneS Entschließungen seien das Ergebnis der Erörterungen in der Vetokonserenz und bitte daher drin­gend, die Frage ehrlich und klar vor das Land zu bringen.

Das Oberhaus setzte seine Beratungen bis zu einer späten Stunde fort, doch unter immer geringerer Anteil­nahme des Hauses. Der Erzbischof von Jork tadelte die Regierung wegen der Hast, mit der die Frage vor das Volk gebracht werde. Nach weiterer Aussprache wurde die Sitzung aus morgen vertagt.

Die Unruhen In Mexiko.

Newyork, 23. 9tov. Anscheinend authentische Nachrichten aus El paso besagen, die mexikanische Negierung habe alle Städte im nördlichen Mexiko wieder in ihrem Besitz.

Eine Depesche aus El Paso berichtet von einem schweren Kamps bei Sanisidro, T na eh ei unb Chihuahua. Es wird gemeldet, daß Madcro an der Spitze einer erheblichen Streitmacht sich zwischen Monterey und Torieon befindet.

Der Kamps in Torreon, der gestern wieder begonnen hat, dauert noch fort. 2000 Revolutionäre stehen 600 Soldaten gegen­über. Es heißt, die Revolutionäre hatten große Ver­luste erlitten, die Truppen aber zurückgeschlagen und etwa hundert Mann davon gefangen genommen. Chi­huahua soll durch den Angriff von 8000 bis 10 000 Revolutionären bedroht sein.

Die Linigungsversuche zwischen den NationaMberalen und der sortschriMichen Dollspartei in Hessen.

Der Vorstand des Hess. Landesoererns der fortschritt­lichen Vollspartei hat an den geschäftsführenden Ausschuß der nationalliberalen Landesparlei für das Großherzogtum Hessen folgendes Schreiben gerichtet:

Ihr Schreiben vom 19. November d. I. geht von zwei unrichtigen Unierftellungen aus: eurmal, daß wir vor EintrUt in die Verhandlungen Ihre Unterwerfung unter die von uns einseitig ausgestellten Bedingungen gefordert hätten, und zum zweiten, daß wir durch Ausstellung von Kandidaten und durch Aitbahnen eines Kompromisses mit den Sozialdemokraten den Ver­handlungen vorgegrijsen hätten. Beides ist unrichtig, baut

L haben wir ketne Bedingungen formuliert, sondern lediglich die der pvlUischen Lage entsprccheltden Voraussetzungen mitgcteiU, unter denen allein mir von unserem Landcsausschuß ermächtigt sind, mit Ihnen in Verhandlungen einzutreten. Diese Voraus­setzungen entsprachen vollständig der Haltung Ihrer Rerchstags- iraltion und sind die gleichen, unter denen ein Kompromiß zwischen den Ratwnallcheralen und der Fortschrittlichen VollSparrei in Württemberg zustande gekommen ist. Und

2. ist uns für die Reichstagswahlen von dem Anbahnen eines Kompromisses mit der Sozialdemokratie in irgend welchem hes­sischen Reichstagswahlkreise nicht das geringste bekannt, em solcher ist auch zu keiner Zeit in Aussicht genommen gewesen. Kandidaten

sind unsrerseits nur in Alzey-Bingen und in Offenbach ausgestellt tvorden. Daß diese Kandidaturen aber fein Hindernis für eine etwaige Verständigung abgeben konnten, gehl auS dem Schlußsätze unsere- Schreibens vom 15. b. Mts. unzweifelhaft hervor, worin wir ausdrücklich hervorgehoben haben, daß wir in der Lage sind, über unsere sämtlichen Parteikandidaturen zu verfügen. Das gleiche haben wir auch bezüglich der von Ihnen in vier Wahlkreise« darunter auch in solchen, die für uns von besonderem Interesse sind bereits aufgestellten Kandidaturen vorausgesetzt.

Im übrigen läßt auch Ihr zweites Antwortschreiben jede Erklärung darüber vermissen, daß Sie auf der von uns mitge^ teilten Grundlage zu Verhandlungen bereit sind. Wir können itur feststellen, daß Ihr Kampf lediglich gegen die Sozialdemokratie sich richten soll, daß Sie also nicht gewillt sind, auf der von uns mitgeteilten Grundlage in Verhandlungen mit uns einzutreten. Unsere Anfrage ist somit verneint, und wir müssen es nunmehr Ihnen überlassen, ob Sie es für angezeigt erachten, auf der von uns mitgeteilten Grundlage mit Vorschlägen an uns heranzutreten.

Das bedeutet wahrscheinlich das völlige Scheitern der versuchten Einigung, denn einen Streit um Worte wird man doch wohl nicht zu führen brauchen, nachdem die nationalliberale Partei die Voraussetzungen oder Bediug- unßen, wie man es nennen mag, die von der fortschrittlichen Seite ausgingen, abgelehnt hat.

politische Lagesschart.

Zur Vieheinfuhr aus Frankreich.

Mir lesen in der .Deutschen Voltswirtsch. Korresp.*:

Nach den vorliegenden Zeltungsmeldungen ist bis jetzt die Emfuhr von französischem Schlachtvieh in die Schlacht- böfe folgender Städte gestattet worden: München, Nürn­berg, Augsburg, Regensburg, Hof, Kaiserslautern, Ludwigs­hafen, Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim, Heidelberg, Straß­burg, Mülhausen und Metz. Die freigegebenen Wochen­kontingente belaufen sich für alle diese Städte zusammen auf 3320 Stuck Rindvieh und 3800 Schweine.

So viel Stück Vieh soll also Frankretch wöchentlich nach Deutschland liefern. Dazu reicht aber der Viehbestand Franko reichS auch nicht annähernd auS, und die betreffenden süd­deutschen Regterungen hätten durchaus nicht nötig gehabt, so hohe Kontingente festzusetzen, der zehnte Teil hätte genügt. Auf den Mannheimer Viehmarkt sind denn auch, obwohl daS ganze dortige Wochenkoniingent von 200 Stück Rindvieh und 200 Schweinen freigegeben war, insgesamt nur 22 Stück Rindvieh auS Frankreich eingeführt worden, deren Preise sich genau so hoch stellten wie die beS einheimischen Schlachtviehs. In Frankreich sind infolge der Maßnahmen der süddeutsche« Regierungen die Viehpreise sofort gestiegen, in den süd­deutschen Städten sind sie aber nicht herabgegangen. Großen Erfolg wird man sich daher von dec Oeffnung dec Grenze für die Vieheinfuhr auS Frankreich nicht versprechen dürfen«

IL Bethmavn-tzollweg a« die philosophische FakrütLt der Berliner Universität.

Der Reichskanzler hat ans Anlaß seiner (Ernennung zum Ehrendoktor der philosophischen Fakultät der Berlins Universität das nachstehende sympathische und inhaltreiche! Dankschreiben an den Dekan der philosophischen Faknli tat, Geh. Regierungsrat Pros. Dr. Gustav Roeche, ge­richtet:

Euer Hochwohlgeboren bitte ich, der philosophischen Fakultät der Universität Berlin für die hohe Ehre, die Sie mir durch die»

vor 40 Jahren an der Loire.

L

(Aufmarsch der Heere.)

Nach dem Treffen bei Eoulmiers hatten sich die Truppen des Generals v. b. Tann mit den übrigen Teilen ber unter dem Oberbefehl des Großherzogs von Mecklen­burg-Schwerin stehenden Armee-Abteilung vereinigt (vergl. den AufsatzCoulmiers" in Nr. 263). Als die Franzosen nickst nachd rängt en, sich vielmehr nördlich von Orleans zur Ver- tewigung einrichteten, übernahm die Armec-Abtellung (1. bay- Tisthes Armeekorps, 17. unb 22. Jnf.-Division, 2., 4. unb 6. Kaoallerie-Tivilion) den Sck-utz de» deutscheu Linschließungs- heereL von Toury über Chartres bis Houban, während sich weiter nördlich eine Garde-Lanowehr-Brigabe uiib Teile ber Mans- armee anschlossen. Nachdem aber am 14. November die ersten Gruppen (y. Korps) der 2. Armee unter Prinz Friedrich K a r l an der oberen Seine unb der Honne (bei Fontaineblean- üngetroiien waren, wurde ber Bereich der Armee-Abteilung im ^-uben nur bis Boves ausgedehnt, während die 3 Korps der Armee sich zwilchen PariS und Orleans einfchieben sollten. Ties geichah (unter teilweisen Kämpfen mit dem Gegner) bis zum 21. November, an welchem Tage das 9. Korps bei Anger- tiiUc, das 3. bei Pithiviers und daS 10. bei Moiuargis Stellung bezogen. Von hier aus wollte Prinz Friedrich Karl nut bau 9. und 3. Korps gegen Orleans vorgehen, indeß das 10. sich gegen Königes wenden sollte (wie man in Versailles vorgesehen hatte). Als man aber festgestellt, daß der Feind eine starke Stellung von Ärgeres bis Beaune la Rolande besetzt hielt unb dahinter die ^iai)i Orleans zu einer zähen Veneidigung eingerichtet hatte, beiujioß Der Prinz, nut allen drei Korps voraussichtlich am

Aovcmber den Angriff zu unternehmen. Zu t)ic|em Zwecke forderte er den Grotzherzog auf, mit jeiner Ableitung über Le Aians gegen TourS vorzurücken, damit der Feind vor Orleans Sur temienoimg von Truppen nach jener Richtung gezwungen nurbc. Der Großherzog hatte am 17. einen Vorstotz gegen 7-ieux mu) Chateamieus gemuckst unb gefunden, daß nach dieser ^ue Die leüibuujen Sireukräste nicht bcöculenö und dai-er nicht önuijiiia) für das Einschlietzungsheer waren. Deshalb trat er aenui'o einem Befehle aus dem Großen Hauptquartier! am lo. um ^oimar,ch gegen Oe Mans^ours an; die Weisung des Prinzen Friedrich Karl traf ihn also schon unterwegs nach dem Darin bezeichneten Ziele. Unter»bc|mnbigem Zurücrdiängen jetno-

Oruppenmasien gelangte er jo bis zur Höhe BeilameNogeiit le bioirou Bron, als er (am 22.) die Aufforderung des Priiizen echteli. Kaum hatte er dementjprechenbe ^inordiuingen zu einem beichleunigteu rvorge^en gegen ve Mans getrogen uno die Truppen

diese z. T. schon auszufuhreu begomien, als er (am 23.) von Versailles aus die Anweisung erhielt, sofort in ber Richtung auf Bcaugcncy (an der Loire, südwestlich von Orleatis) abzubrecheii, währciid Prinz Friedrich Karl aufgefordert wurde, bis zum Ein­treffen dieser Unterstützung den Angriff gegen Orleans aufzu- schieben. Tie bcfohleiie Linksschtvenkung der Armee-Abteilmig wurde am 24. morgens eingeleitet; dabei kam es nur anfangs au Zusammenstößen mit dem Gegner, währeiid nachher nirgends mehr geschlossene Abtellungen angctroffen wurden. Schon in Bonneval trat die vorgesandte Kavallerie des 9. Korps mit bet 22. Zns.-Dioision in Vcrbiiidung. Am 28. war Ruhetag; bas Gros der Armee-Abteilung lag zwischen Bonneval und Chateaudun. Tie 2. Armee hatte unterdessen überall gegen den Fcittd auf­geklärt, und bet Oberbefehlshaber war zu der Ueberzeugung ge­kommen, da^ß inan ftairzösischerseits einen Vorstoß in der Rich­tung auf Fontainebleau beabsichtigte. Dct Prinz hatte damit rockst, beim die Regierung in TourS drängte sckstm längere Zell den Oberbefehlshaber, General d Aurelie de Poladincs, den vor- gcsehetien Marich zum Emsatze von Paris anzuireten, der General aber hielt es, linier Hinweis aus die (von ihm aber Diel zu hoch angeschlagene) Zahl der deutschen Truppen, die sich vor seiner öiellung befanden, für besser, ben Angriff ber Deutschen selbst zu erwarten, unb wünschte, als er nach Eintreffen von bedeuicTi- den Verstärkungen wieder zum Vorgehen aujgesordert wurde, erst eine Verständigung mit Paris betreffs eines Dutchbruchs- vcrsuches bcrbeifrutubwL Da wurde Gambetta in TourS un­geduldig unb befahl, um sowohl die Truppen zu ermutigen, als auch dem französischen Volke ben Wunsch nach Daten zu beinebigen, daß ber rechte Flügel ber Armee gegen PiihivierS vorgeschodeii werden sollte. Die Ausführung dieses Befehls brachte bie beiden Gegner in nähere Berührung niiteuianbcr, aus der die Gefechte bei Ladon unb Akaizietes (am 24. November) ent» standen; beim bie bisher bei MontargiS uniergebrachien Truppen bes 104 beutfckstm Korps wollten sich an demselben Tage um Beaune la Rolande konzentrieren, so daß sich al)o bie Franzoien und Deutjcheii gegenieitig in ben Weg liefen. Der Kamps endete bamit, daß bie Deutschen ihre neuen Quartiere entnahmen, bie Franzosen aoer in Benegarbc unb BoiScommun untergebracht würben. Am 28. jedoch sollte ber Vormarsch gegen Pithiviers nach einem neuen Befehl vorn 26. durch einen An­griff aus Beaune, Juranville unb Maizieres enbgültig inS Werk gesetzt werben. Es kam infolgedessen zu ber Schlacht bei löeaune la Ro 1 anbe, roeid)e ben Anfang zu einer Rell-c von blutigen Kämpfen gegen bie. sranzofischen VvllShcere bilbeie.

Tie Zahl ber französischen Truppen, bie um Orleans ver­sammelt waren, belief sich aus etwa 200 000 Mann. Davon waren bas 15. uub 16. Korps (die bei bouimwrs gerampft hatten), jowze

bas 17. KorpS unb 2 Freischaren-Adtellungen unter Oberst Cathe- lineau unb Oberslleutncmt Lipowski bem Befehl des Generals! b^ A u r e l l e unterstellt, während bie beiden zuletzt angekommene« Korps, das 18. unb 20., unter dem Befehl des Generals E r 0 u z a t standen. In der vorderen Linie ber Stellung von Orleans befanden sich: bie Freischaren Lipowskis (als linke Seiten- deckung), bas 16. Korps (linker Flügel), das 15. Korps (Milte) unb die Freischaren Cathelincaus (rechter Flügel). Dahinten bas 17. Korps am linken Flügel, während die beiden Korps Crouzats (bas 18. und 20.) bie Mitte und ben rechten Flügel verstärken sollten, schließlich aber den äußersten rechten Flügel bildeten. Dieser Macht gegenüber waren bie Deutschen sehr in ber Minberheit, and) war bas Gelände ben Franzosen günstig, boch hob sich ber Unterschieb einigermaßen burch den Umstand auf, daß bie ftanzösisd-en Korps größtenteils aus neu ausge­hobenen, ungeübten und nur lose zusammengefügten, wenn auch tellweise sehr begeisterten unb fanatisierten Massen bestanden, nährend bie deinsd-en Truppen kampsgeübte unb sieagewohnte Männer waren; dieser Untersdsted machte sich im Laufe der wochenlangen Kämpfe auch Überall geltend. Daher konnte die bcutsche Heeresleitung immerhin ziemlich beruhigt ben Zusammen­stößen entgcgensehen.

Wiener Musikbrief: Leo Fäll im Theater a. d. Wien. Man schreibt mis aus Wien, 20. November: Leo Fall hat in dieser Saison das Erbe Lehars angetreten, Heuer wird er in allen drei Operettentheatern dominieren, unb nun ist er and) mit einerromantischen" Operette erschienen.Die schöne Ri­sette" gehört zu den mißglücktesten Produkten der letzten Jahre- eine Kolportageromantik mit stark sentimentalem Einschlag, in das graue Mittelalter verlegt. Schabe um bie Musik Leo Falls, die an diesen Stoff verschwendet ist. Fall hat damit seine feinste Arbell geliefert, eine Arbeit, die auf lange Strecken bas Gebiet der tomtjdjen Oper durchschneidet. Ties kann aber kein Lob sein. Tie Operette bleibe Operette, bie komische Oper bleibe auch, was sie ist. Wenn wir auch bie neueste Operette Falls als eine schone künstlerische Arbeit anerkennen, so darf ihm beiuiod) der Vorwurf nicht erspart werben, daß er ein solch minderwertiges Textbuch vertont unb daß er um der lieben Tantiemen willen ben Titel Operette" nicht scheut.Tie schöne Risette" ist ein Irrtum, hoffen wir, daß er bei Fall der einzige bleibt

Kurze Nachrichten aus Sun ft u. Wissenschaft. Der Königsberger Polizeipräsident verbot nach der ersten Aufjührung von WebekindsFrühlings­erwachen" die weitere Aufführung des Stücke-.