Ausgabe 
28.10.1910 Erstes Blatt
 
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Partei mnnrnehmbar sei. Man sollte die fetzige bewährte Einrichtung beibehalten.

Ans der sozialdemokratischen Partei. Blät- termeldungen zufolge soll der frühere Reichs- und Land­tagsobgeordnete Balthasar Kramer-Darmstadt seinen Austritt aus der sozialdemokratischen Partei erklärt haben. Wegen seines Besuchs beim Großherzog hatte Kra- mer früher schon Konflikte mit der Partei gehabt.

Oentjcbes Neicv.

Oberlaudesgerichtspräsident Dr. Spahn, der bekannte Z-tntrumsführer, wird in gleicher Eigenschaft von Kiel nach Frankfurt a. M. versetzt.

21 ms Stadt und Land.

Gießen, 28. Okt. 1910.

Russische Ordensverleihungen.

_ f. Friedberg, 28. Okt.

Der Kaiser von Rußland hat bei seinem Scheiden von Fried- Lerg außer den bereits mitgeteilten nod) nachstehende Orden und Ehrenzeichen verliehen: Den St. Stanislausorden 2. Kl. dem Führer des Wachtkommarrdos Hauptmann Schmitz (Regt 168)- den St. Annenorden 3. Kl. Poftnrspektor Frisch-Friedberg; den St. Stanislausorden 3. Kl. den zum Wachtiommando in Friedberg kommandierten Offizieren und Sanitätsoffizieren (il a. Leutnant von Holy zu P onientzki vom Regiment 116), Bamnspektor Haag, Telegrnphensektretär Fink, Ober-Bahnhofs - vorsteher, Schwarz, Bahnmeister 1. Kl. Goth und Kassenvorsteher Hamel, wmtlrch in Friedberg: die kleine goldene Medaille am Anneiibande Hochbauauffel-er Schäfer-Friedberg; die kleine silberne Medaille am Stanislausbandc Ober-Postschaffner Ruckelshaus, Ober-Leltungsaufseher Dahmer, die Postschaffner Rau, Fischer und Henrich, sämtlich in Friedberg. In Bad-Nauheim erhielten noch Geh Baurat Dr. Es er den St. Annenorden 2. Kl., Bauinsepktor ost den St. Stairis laus irden 3. Kl. Ferner erhielten Ordens­auszeichnungen Techniker Mentzer und Brunnen aufs eher Mül­le r. Dem Badearzt der Kaiserin Dr. Grote verlieh der Zar den St. Stanislausorden 2. Kl. mit Brillanten. Den beideii Bade- fr au en der Zarrn wurden außer den goldenen Uhren Gcldaesäienkb van 200 und 150 Mcrvk zu Teil, den Brunnennrädck-en silberne Uhren und ie 50 Mk.

Einheitliches wechselrecht.

_ ,Reichsanzecher" gibt in einer Sonderbeilage das Schluß Protokoll der un letzten Sommer im Haag abge­haltenen W echselrechtskonferenz bekannt, das die auf dieser Konferenz ausgestellten Vorentwurfe eines Abkommens zur Vereinheitlichung des Wechselrechts und eines einheitlichen Gesetzes über dm gezogenen und eigenen Wechsel entl)ält. Nach einer historischen Darstellung der Bestrebungen auf Vereinheitlichung des Wechselrechts urid der Verhandlungen der Haager Konferenz » , ausgeführt, daß die dort gefaßten Beschlüsse den deutschen »erschlagen trotz einzelner Abweichungen im großen und ganzen Rechnung tragen Einen die Staaten bindenden Charakter haben die Enyvurfe nicht; sie sollen vor allem als Grundlage für die endgültige Verständigung auf einer weiteren Konferenz dienen die bald zusammentreten soll Es ist zu hoffen, daß die neue Konferenz zu einem Ergebnis führen wird, das die Annahme eines emheitlichen WMelgesetzes angängig erscheinen läßt. In diesern Smne haben sich die Delegationen fast aller Staaten, auch die deutsche, ausgesprochen. Bei Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika begegnet die Annahme eines solches Welt­vertrages besonderen Schwierigkeiten, indes dürfte Aussicht be- stehen, daß die Machte wenigstens auf autonomem Wege ihre Wechselgesetze dem neuen Vertragsrechte möglichst annähern werden

Persien.

** Gesellschaft für Erd - und Völkerkunde. Den Reigen der diesjährigen Veranstaltungen eröffnete Dr. Hugo Grothe, Leipzig, mit einem Bericht über seine siebenmonatliche Wanderung in Persien. Während dieses Land vor kurzem noch außerhalb der handelspolitischen Erwägungen Europas siand und in ihm höchstens ein Gebiet phantastischer Märchenhaftigkeit lt<nKPcArenlte? Möglichkeiten gesehen wurde, steht es heute uu Mittelpunkt des Interesses. Nachdem sich nämlich der Kampf des Absolutismus gegen die Aufklärung nach fünfjährigem Ringen zügunsten der letzteren entschieden hat, scheinen Rußland und England im Begriff zu stehen, das ganze Ländergebiet unter sich auszuteilen. Daß sich Persien überhaupt, trotz der Begehrlichkeit so mächtiger Nachbarn, seine Selbständigkeit bis auf unsere Tage wahren konnte, verdankt es neben seiner abgeschiedenen Lage der Spärlichkeit semer Verkehrsmittel. Das Innere des Landes bem wal^- und wasserlosen innerpersischen Hochlande er- sullt, das nach allen Seiten von hohen Randgebirgen umschlossen wird Diese fallen im Norden zum Kaspi-See, im Süden zum pbrffschen Golf und zum indischen Ozean ab und bieten infolge ^hres Wasserreichtums die schönsten und fruchtbarsten Landschafts- o^oer dar. Eine Reihe äußerst beschwerlicher Bergpfade führt Wer die Randgebirge und vermittelt in einfachster Weise den ^^hr zwischen der Küste und dem Innern. Nun haben Ruß- sowohl^als auch England im letzten Jahrzehnt ihren Einfluß Mi -ande dadurch gefestigt, daß sie mit ihrem eigenen Gelde Straßen angelegt und unterhalten haben. So verband Rußland Sf Ä benK ^udpunkt der transkaspischen Bahn, Dschulfa, Kr aufblühenden Hafen Enseli mit Teheran,

r Hauptstadt des Landes, wahrend eine Straße von Aschabad ganzen Nordosten dem russischen Einfluß unterstellte. England richtete demgegenüber sein Augen- etra&enöerbmbung öon Belutschistan nach dem Jnne n und dem Nordosten des Landes. Dutch ben Vertrag bon 1907 eimgten sich endlich die beiden Nebenbuhler über ihre k ntc Rußland den ganzen Norden bis nach Teheran Wt dem Nordosten zusprach, während England sich mit dem bis, zur Straße von Ormnz begnügte. Fiel so auch Rußland der Löwenanteil bei dem Handel zu, so befreite er doch England von der Sorge eines schon lange drohen­den Vorstoßes der rusffffhen Macht von Norden nach dem indischen uMfi bte 9^er.u^nfe des indischen Reiches bedroht hätte. Die Bevölkerung Persiens besteht etwa zur Hüfte (6 bis 7 Millio- ^Persern den Alt-Jranen, die das Innere, die Abhänge des Elburs und den Südosten (Parsi) be- wohnen. Nächst diesen besonders zahlreich sind die mongolischen ^tammestnle, die von Nordosten her eingedrungen und dort sowohl, als auch in der nordwestlichen Provinz Zsderbeüschan

Srrrwtsber v. vcl Geist der Armee, im be­

sonderen der Geist des Ofsttierkorps, eine Bürgschaft für die Tüchtigkeit der Armee sei, diese erfuhr absolut keine Aende- rung. Man müsse nicht immer alle Zeitungsberichte akzep­tieren und glauben, daß schon Schwefelsäure eingedrungen sei in die Institution, die eine Widerstandskraft in seltener Stärke besitze. Hinsichtlich der Verbesserung der Avance- mentsverhÄtnisse im Offizierkorps gingen die Bemühun­gen des Ministers seit Jahren dahin, das Verharren in einer Charge möglichst abzukürzen. Das letzte Verordnungsblatt beweise, dtaß das möglichst geschehen sei, doch bedürfe die Wartezeit, insbesondere für Hauptleute, noch einer weiteren Abkürzung Der Minister wiederholte, daß eine Einschräu Tung bei Einjährig-Freiwikligen-Begünstigung nicht beabsich­tigt sei. Die Frage der Berufs-Unteroffiziere sei ohne Er­neuerung des Versorgungs-Gesetzes bezw. ohne Modernisie- ru ng des Unteroffizier-Anstellungsgesetzes kaum lösbar. Das Duell ganz zu beseitigen, vermöge unter den heutigen Verhältnissen, besonders angesichts der unzulänglichen Ge setzgebung in Ehrenbeleidigungsfällen, sowie der Toleranz der Gesellschaft gegen Leute, die sich sträflicher Ehrenbelei­digungen schuldig gemacht hätten, kein Kriegsminister der Welt. Seit dem Erlaß der Vorschrift, daß jeoe Ehrenange­legenheit zwffchen Offizieren vor einem ehreurätlichen Aus­schuß gelangen müsse, gehöre das Offiziersduell zu Selten- beiten und tonne von Duellzwang in der Armee nicht mehr die Rede sein.

, Der Ausschuß der österreichischen Delegation für aus­wärtige Angelegenheiten beschäftigte sich mit der Ent­schließung des Abg. Seitz, in der die Regierung aufgefordert -vird, mit der italienischen Regierung Verhandlungen über die beiderseitige Einstellung der Flotten­rüstungen einzuleiten. Frhr. v. Sclfwegel betonte, eine derartige Abmachung zwischen zwei Staaten sei nur in Uebereinstimmung mit einem allgemeinen Vorgehen aller Staaten möglich. Es genüge der Wunsch, daß die Regie­rung Oesterreich-Ungarns bei jedem vorTommenden Anlaß in Verhandlungen über eine derartige Abrüstung eintreten werde oder solchen Verhandlungen, die zur Verminderung der schweren Lasten, die die Monarchie ohnehin zu tragen Hobe, angeregt würden, mit aufrichtiger Sympathie ent­gegenkommen werde. Bei der Mstimmung wurde dieser Antrag angenommen.

Au» Hessen.

3kr Sanbibatur öif etituStm Wahlkreis Gieben-- Nrunberg-Nrbda teilt uns bet Wahlkreisvorstanb bet natio- nalliberalen Partei bes Reichstagswahlteeises mit baft bie Dankeswotte bes Herrn Prof. Gisevius an bi'e Bet- «aücC^ma,me^?CTfammIun9' >»e butch einige allgemeine Ausführungen über bas Wesenilber nationalllberalen Partei Äwas erweitert würben, nicht alsbas Programm" unseres Reuchstagskanbibaten gelten sollten unb baher auch nicht als solches ausgebeutet werben können. DasProgramm" des Herrn Prvf. Gisevius war von ihm v o r der Vertrauens­mann er-V er sammlung ausführlich schriftlich nieder- grtegt und durch den Wahlkreisvorstand dieser wörtlich be- kannt gegeben worden und zwar v o r der Beschlußfassung Aufstellung des Kandidaten, wie dies ja für jeden ponttjch tdtiaen Mann selbstverständlich ist. Wir erklären gleichzeitig, daß wir nicht geneigt sind, schon heute in den Reichstagswahlkampf, den wir sonst absolut nicht fürchten emzutreten". ' 1 1 '

(?) Gießen, 28. Okt. Der Vorstand des Vereins der Freisinnigen Volkspartei war am Donnerstag abend im Kaiserhof zu einer Beratung zu­sammen. Man billigte die Haltung der Vertreter ' des Vereins rn der Versammlung imEinhorn" und bekundete, ^man für ein Unrecht gehalten haben würde, wenn man dem Mehrheitsbeschluß jener Versammlung auch nur passiv zugestimmt hätte, welcher von vornherein die Wiederwahl des Stadtverordneten Orbig nur weil er der Sozialdemo- frahe angehört ausschließt. Der Vorstand beschloß, sich m der Angelegenheit der Stadtverordnetenwahl vorerst zu verhalten. Betreffs der Wahl zum herrschte ebenfalls darüber Einstimmigkeit, daß der Vorschlag der Nationalliberalen, Professor Gisevius als gemeinsamen Kandidaten zu proklamieren, für die Volks­

Line Dauersitzung der mährischen Landtags.

Aus Brünn wird gemeldet: Die Obstruktion der deutschen und sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten gegen die von den tchechischen Parteien aus dringlichem Wege eingebrachten Finanzsteuervorlagen setzte am Dienstag abend ein. Die um 7 Uhr begonnene Sitzung dauerte noch um 1 Uhr früh fort. Wie verlautet, soll die Sitzung bis zur Ueberwindung der Obstruktion bis Sonntag fortgesetzt werden.

vriand in der Abwehr sozialdemokratischer Angrisse

Paris, 27. Okt. Die Besprechung in der Kammer über den Eisenbahnausstand wurde heute fottgesetzt. B o u b e r i (unlinierter Sozialist) griff den Ministerpräsidenten Briand, der etnft selber zugunsten des allgemeinen Ausstandes gesprochen habe, hefttg an.Wir ließen Sie damals nach Chalons kommen," rief er,und b e z a h l t e n I h r e R e i s e!" Der Ministerpräsi­dent erwidette: Ich kam als Advokat und war immer un­eigen n ü tz i g und ein Advokat der Niedrigen. Ich gab gelegent­lich über die sozialistische Pattei, die damals geteilt war, Er­klärungen ab, befand mich mit Millerand und Jaures, die damals von ihren heutigen Freunden geschmäht wurden und habe unter den Reformisten das Bewußtsein, immer der Republik unb den Arbeitern gebient zu haben. (Beifall.) Die Auseinandersetzungen werden morgen fortgesetzt.

öcet unb Flotte.

D i e Ueb erficht über die Ergebnisse des Heer es-Ergänzungsgeschäfts sowie eine Nach­weisung über die Herkunft und Beschäftigung der Militärpflichtigen für das Jahr 1909 ist dem Reichstage zugegangen. In den Aushebungslisten wurden 1226 730 Mann geführt, hiervon wurden ausgeschlossen 856, ausgemustett 34 890, dem Landsturm überwiesen 138 364, der Ersatzreserve überwiesen 91132, der Marine-Ersatzreserve über­wiesen 2530, au sgehoben wurden 218541, davon für das Heer als einjährige Trainsoldaten 2138, als Zweijährige 190 588, als Dreijährige 12 306, zum Dienst ohne Waffe 2730, iür die Marine 10 779. Freiwillig traten ein: in das Heer 12 383 Einjährig-Freiwillige, 47 058 sonstige Freiwillige, in die Marine 930 Einjährig-Freiwillige, 3562 sonstige Freiwillige. Von den Ausgehobenen waren auf dem Lande geboren und in ^e.r und Forstwirtschaft beschäftigt 58 586, «darunter 490 Einjährige), auf dem Lande geboren, anderweit beschäftigt 80157 (davon 3023 Einjährige), in der Stadt geboren und in der Land- und Fotttwittschaft beschäffigt 7809 (207 Einjährige), in der Stadt geboren und anderweitig beschäftigt 71 989 (8663 Ein­jährige). Es standen mithin 138 743 auf dem Lande Geborenen nur 79 798 in der Stadt Geborene gegenüber.

Die Arbeit der hessischen Aammerausschüsse.

Darmstadt, 27. Okt. Der Ausschuß der 2. Kammer yte Verwaltungsgesetzrevision ist von seinem Präsidenten, Abg. Dr. G l ä s s i n g , zur Wiederaufnahme seiner Beratungen für Donnerstag, 3. (November, einberufen worden. '3ur Beratung resp. zur Verlesung und Genehmigung werden zunächst die Bettchte der Ausschußberichterftatter für die Städte­ordnung (Abg. Dr. Glässing) und die Landgemeindeordnung (Abgg. Stöpler unb Uebel) gelangen. Daraus soll auch in die Beratung des dritten der vorliegenden Gesetzentwürfe zur Verwaltungsgesetz­revision, der Verwaltunasreü-tspflege, eingetreten werden, über welche Abg. Dr. Gut fleisch den Ausschußbettcht übernom­men hat.

Der Bittschrift en-Aus schuß der 2. Kammer hielt heute vormittag unter Vvrsitz des Aba. Breidenbach eine Sitzung ab. Zur Bittschrift der Witwe Paul I. aus Nonnen­rot h bei Gießen wurde beschlossen, die Regierung zu ersuchen, der Witwe eine entsprechende Unterstützung zu gewähren, lieber die Vorstellung des Verbandes hessischer Privatarchitek­ten wegen der von staatlichen Baubeamten ausgefühtten Privat- arbeiten liegt zunächst erft ein Rückäußerung des Ministeriums der Finanzen vor. Der Ausschuß beschloß, auch erst die Antwort des m der Frage ebenfalls interessierten Ministeriums des Innern abzuwatten, bevor er sich ich er die Vorstellung selber schlüssig macht.

anzutreffen sind. In den Gebirgsländern des Westens Hanse» Kurden und Suren, nebst den kriegerischen Bachtijaren, die in den letzten kriegerischen Verwicklungen sogar die von russischen Offizieren geführten Kosacken mit Erfolg bekämpften. An der Südküste, in der Landschaft Chnsistan, ist besonders das arabische Element von Wichtigkeit. Ter übrige Teil der Bevölkerung be­steht aus Armeniern, Juden und Chaldäern. Bei aller schein­baren Znsammenhanglosigkeit der zusammengewürfelten, Bevölke­rung bildet doch der ungewöhnliche Fanatismus der schiitischen Massen, geschütt durch zahlreiche Derwische, ein festes Band. Der Handel Persiens bedient sich mangels der Eisenbahnen noch des Karawanenbttriebs und hat seine Mittelpunkte in den vielen Karawansereien, die namentlich von Schah Abbas in oft mächtiger Ausdehnung errichtet wurden. Eine Bahnlinie von 17 Kilometern Länge zwischen Teheran und einem benachbatten Wallfahrtsotte ist mehr Spielzeug, als daß sie praktische Bedeutung hätte. Sehr im argen liegt das Bildungswesen. Mollahs (Geistliche) inmitten einer Schar von einigen Dutzend Schülern unb trichtern ihnen .eine Anzahl Koranverfe ein, das ist ein typisches Bild persischer Bilbungsbeftrebungen. Auf Anregung unseres Kaiser­hat Deutschland in Teheran mit persisch-deutschen Mitteln eine Schule errichtet, auf der in den Oberklaff'en das Deutsche bie Unterrichtssprache bildet. Diesen Versuch kultureller Einwirkung auf zukunftsreiche Länder begrüßte der Vortragende aufrichtig, bedauerte aber nur, daß der deutsche Etat dafür im ganzen nur den Posten von 90 000 Mk. aufweise, während beispielsweise Italien jährlich 25 Millionen zu demselben Zwecke ausgebe. Wenn sich der kulturellen Tätigkeit wirtschaftliche Maßnahmen an- schlössen, insbesondere die Bagdadbahn einen Vorstoß nach Nord­osten ausführe, könne auch Deutschland an der Erschließung Persiens lohnenden Antell gewinnen.

Tageskalender für Freitag, 28. Oktober: Stadt- theater:Der große Name." Anfang 8 Uhr

** Justizpersonalien. Gerichtsassessor Grohrock ist als Hilssgerichtsschreiber an das Oberlandesgericht be­rufen worden. Gerichtsassessor Dr. Kleinschmidt ist mit Vertretung des Amtsrichters Dr. Schmitt in Butzbach an­läßlich dessen anderweiter Verwendung beauftragt.

** Kreisamtspersonalien. Der Großherzvg hat beit Bureauvorstehern bei dem Kreisamte Schotten Johs. Hach zum Bureau vor steh er bei dem Kreisamte Alsfeld und den Kreisamrs- gehilfen bet dem Kreis amte Bensheim Karl 2S ingefef b zum Bureauvorsteher bei dem Kreisamte Schotten ernannt.

** Wie groß die Zahl der Mäuse im Felde i ft,tonnte man vor einigen Wochen an den Kläranlagen sehen. Innerhalb des die Anlage umgebenden Walles hat die Stadt dem Oekonomen Preiß etwa 2 Morgen Land zur Bewirtschaftung überlassen. Das .Stück ist abgeerntet und wurde vor einigen Wochen mit Älärbeckeninhalt gedüngt, also unter Wasser oder unter Pfuhl gesetzt. In Scharen tarnen die Mäuse dabei aus ihren Schlupflöchern aus dem Boden und versuchten vergeblich, das Trockene zu ge­winnen. Die Gase in der Flüssigkeit betäubten gar bald das Ungeziefer und Tausende von Mäuslein fanden oei dieser Düngung ein nasses Grab.

**ErlebnisseinderFremdenlegion. Man schreibt uns: Im SaaleZur neuen Welt" wird Herr Göllner- Düsseldorf Samstag abend über seine traurigen Erleb« nifse in der französischen Fremdenlegion sprechen Die Bilder, die hier entrollt werden, sind bestimmt von all- gemeinem Interesse und werden vielleicht manchen jungen Mami vor einem unüberlegten Schritt bewahren. (Näheres im Inseraten? teil.)

Die Pferdevormusterungen beginnen im Kreise Gießen am Freitag, 4. November. Wir verweisen die Pferde­besitzer auf die Bekanntmachung im heutigen Amtsblatt.

Vom Gendarmeriekorps. Der Großherzog hat den Oberstleutnant Frhrn. v. NotSmann auf sein Ge^ such von der Stellung ä la suite deS Großh. Gendarmerie-, korpS enthoben.

* 3eftgenommen wurde in Marburg ein vom hiesigen Bezirkskommando steckbrieflich verfolgter Mann.

Kreis Büdingen.

Echzell, 27. Okt. Das seltene Fest der dia­mantenen Hochzeit feierten heute die Eheleute Georg Mogk von hier. Die 80jährige Jubilarin, deren Lebens­abend wegen der ärmlichen Verhältnisse, Krankheit usw nicht sorgenlos ist, versieht noch den Haushalt ihres gelähmten Sohnes mit dessen 5 Kindern.

Kreis Lauterbach.

f. Lauterbach, 27. Okt. Eine Ausstellung des Tuberkulose-Museums durch die Großh Lrndesver- sicherungs-Anstalt findet auf Wunsch der Orte Schlitz und Herbstein Anfang nächsten Monats in diesen Orten statt. Als Eröffnungstermin ist für S ch l i tz der 5. Und fürHerb­st e i n der 11. November d. I. vorgesehen. In beiden Orten wird die Ausstellung 5 Tage, einschließlich eines Sountags, dauern. Vorträge, die anderwärts einen sehr großen Erfolg hatten, werden auch hier an Hand der Aus- 'tellungsgegenstände durch Sachverständige gehalten. Es bietet sich hierbei Gelegenheit, diese so gefürchtete weit ver­breitete Krankheit in ihrem einzelnen Stadium kennen zu lernen. Vereinen, Schulen und allen Personen, die auf dem Gebiete der Kranken- und Wohlsahrtsp lege tätig sind, wird der Besuch der Ausstellung besonders empfohlen. Freitag 11. Nov., vormittags 10y2 Uhr findet in den Kreisamts­gebäude zu Lauterbach eine ofsentttche Sitzung des Kreisausschusses statt mit der Tagesordnung; Ab­lösung der Streu- und Weideberechtigungen der Gemeinden Pfordt, Uetzhausen und Mieder- Stoll in den Gräflich Gortzschen Waldungen. Die Ver­handlungen hierüber schweben schon längere Zeit, konnte aber bis jcht keine Einigung erzielt werden.

f. Rixfeld, 27. Okt. Ein auf Hof Eisenbach bedien- teter verheirateter und hier wohnhafter Dien st kn echt, messen Frau noch nicht lange gestorben ist, hat seine beiden kleinen Kinder hier sitzen lassen und ist spurlos ver- ch w u n d e n.

Vorn Oberwald, 27. Okt. Die auf drei Tage angesetzte Treibjagd int Oberwald, dem Pachtrevier des Jreiherrn von Müffling und des Forstmeisters Metten- Heimer zu Nornrod ging mit Mittwoch zu Ende, eine große Zahl Gießener Herren war daran beteiligt. Das Ergebnis war so gut, wie es seit Jahren nicht der Fall war,' dazu kapitales Wild von außergewöhnlicher Stärke. Einen be- onderen Glöckssall hatte Fabrikant Wilson aus Gießen, der einen Perrückenbock bei Beginn des Dienstagstreibens er­legte, das Geweih ist von seltener Gleichmäßigkeit und Größe. Im Ganzen wurden 31 Rehe, 4 Füchse, 9 Fasanen und 15 Hasen erlegt. Daß Standgiiartier der Jagdgesellschaft ivar wie in den verflossenen Jahren Hochwaldhausen.

Kreis Friedberg.

A Butzbach, 27. Okt. In der Zeichenschule de§ Gewerbeverems findet nächsten Sonntag und Montag eine gewerbliche Ausstellung statt. Im schönsten Blütenschmuck prangt em Apfelbaum im Garten des Aufsehers Wohlfahrt.