Erstes Blatt
160* Jahrgang
Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten.
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man die Et<rtsansätze des Jahres 1910 außerordentlich knapp bemessen und bte Ausgaben danach eingerichtet, also beschränkt hat. In diesem Zeichen wird auch der Haushalt für
monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jährt, ausscht. Bestellg. ZeitenpceiS: lokal 15 Pf^ auswätts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Feuilleton' und.Vermischtes' K. Neurath; sür .Stadt u. Land- und.Gerichts-
Freitag S8. Oktober 1910
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1911 stehen, so daß es im Zusammenhang mit den lieber- schlissen der Reichshauptkasse aus dem Jahre 1909 (1131/2 Millionen) und dem 72 Million en er lös für das Tempelhofer Feld glaubhaft erscheint, daß der Haushalt für 1911 ohne neue Steuern, also wahrscheinlich auch ohne Reichswertzuwachssteuer und eventuell nur mit Hilse einer Anleihe von höchstens 150 Millionen Mark balanziert werden soll.
nur 4 Millionen erbracht hat, so haben auf der anderen Seite die StenDelschen» Reformen ihre Etatsansätze öfter überschritten. So der Frachturkundenstempel um 0,3 Mill-, die Personenfahrkartensteuer um 1,6 Mill. Der Stempel für Kraftfahrzeuge hat sogar im ersten Halbjahr mit 1,9 Mill. ; den Etatsansatz für das ganze Jahr erreicht, der Stempel auf Vergütungen an Aufsichtsratsmitglieder den Etatsansatz um 0,7 Mill, überschritten, während die Erbschaftssteuer
den halbjährigen Etatsansatz (17 Mill) um 3,6 Mill, über- • steigt. Zählt man diese Mehreinnahmen zusammen und verdoppelt sie, so ergibt das 16,2 Mill. Üvi ansatz hinaus und hilft wenigstens etwas die Mängel der je letzten Finanzreform zudecken.
Man darf aber nicht vergessen, daß dieses relativ gün- ’j stige Ergebnis zum Teil in der wieder st eigendenKon- i u n! t u r, zum Teil auch darin seine Ursache hat, daß
— Aus einem zerstörten Paradies. Von beit Inseln, die um den Golf von Neapel gelagert sind, ist Ischia die größte. Während der Neapolitaner sie ihrer l-eißen Quellen wegen sogar Capri vorzieht, wird sie von Ausländern weniges besucht; viel zu wenig, denn die landschaftlichen Reize dieses grauen Jnselgebirges, zu dessen Füßen die weißen, ganz orien^ talisch amnutenden Häuser mit ihren gewölbten Dächern liegen, sind sehr eigenartig. Ischia gehörte im frühen Altertum gleich Sizilien, den unteritalischen Städten und Neapel selbst zu Großgriechenland; von Griechen war die Insel zuerst kultiviert worden, und vom Golf von Neapel hinüber nach Sizilien bis in die eigentliche Heimat, ja bis an die kleinasiatische Küste beherrschte dia eigentliche Heimat, ja bis an die kleinasiatische Küste beherrschte die griechische Welt und Kultur das Mittelmeer. Wie in Messina, Reggio und an anderen im Erdbeben- oder Vulkangebiet liegenden Stätten wurden auch auf Ischia die blühenden griechischen Gemeinwesen immer wieder durch Katastrophen zerstört, so im Jahre 474 vor Christus, als eine Eruption des Epomeus (heute Monte Epomeo) die Insel verwüstete; in der Folge blieb Ischia Jahrzehnte hindurch von Bewohnern fast ganz verlassen. Andere Ausbrüche ereigneten sich in den Jahren 300 und 92 vvr Christus, ferner unter den Kaisern Titus, Antonius Pius und Diokletian. Nach der antiken Mythologie sollte der Riese Typheus, vom Blitz Jupiters durchbohrt, unter dem Berg Epomeo begraben liegen; sein Grollen in dem Felsengefängnis ließ die Erde von Zeit zu Zeit erbeben, sein Atem sandte Feuergluten aus dem Berg heraus. Ter letzte historisch beglaubigte Ausbruch fand im Jahre 1302 statt. Aber nicht nur durch elementare Katastrophen mürbe die Insel oft heim^esucht, sondern fast ebenso oft burd) Feueij und Schwert des jeroeiligen Herren Italiens 813 und 847 brachen die Sarazenen, 1135 die Pisaner ein, und die deulsck)<m Kaiser Heinrich VI. und Friedrich II. richteten große Verwüstungen an. Mü Sizilien erhob sich die Insel 1282 gegen die Dynastie Anjou, wurde jedoch 1299 von Karl II. von Neapel unterworfeni und blieb seitdem mit Neapel vereint, dessen Schicksal politisch auch das der Insel blieb. Von Anfang des 16. Jahr hundert bis 1734 bekleideten Mitglieder der Familie Pescara die erblick» Statthaltersck)asl der Insel; zwei yroße Frauen der Renaissance wählten sie als Wttwensitz: Maria von Aragon und Bittoria Colorma, die Freundin Michelangelos.
daß die großen Städte an diesen Binnenseeküsten, besonders aber Chicago, in immerhin absehbaren Zeiten bei Fortdauer des Phänomens unaufhaltsamer Ueberschwemmung entgeaengehen Schon einmal mußten in Chicago, als es sich um die Entwässerung der versumpften Stadtteile am See handelte, itmfangretdje Bezirke gehoben werden, um für die Kanalisation das erforderliche Gefälle herzustellen. Wenn man aber um einige Jahrhunderte vorausdenkt, ergibt sich als unabweisbarer Schluß, daß ganze Stadtteile einst preisgebeben werden müssen. Der Geologe Gilbert prophezeit, baß in 400 Jahren ber Michigansee bei hohem Was,erstände seine Fluten in ein südwärts gelegenes, in der letzten Eiszeit entstandenes Becken ergießen wird, das sich vor Jahrtausenden in den Michigan entleerte. In zweitausend Jahren aber sei zu erwarten, daß der Niagara kein Wasser mehr führen werde und daß mit Ausnahme des Ontariosees sämtliche großen nordamerikanischen Seen ihre Wässer in mächtigen Strömen dem Mississippi zuführen werden, der sich zn den mexikanischen Golf ergießt.
Das Kaiserpaar in Brüssel.
Brüssel, 27. Okt. Das Kaiserpaar empfing heute nach- mittagj im königlichen Valais das deutsche Konsulartorps in Belgien, die Aeltesten der deutschen Kolonie in Brüssel und Antwerpens die Vorstände der deutschen Vereine, der^Veretanen- und Offiziersvereine in Brüssel und Antwerpen. Später nahmen die Majestäten und die Prinzessin Viktoria Luise den Tee bei dem Herzog und der Herzogin von Arenberg.
Heute abend nahmen die Majestäten an einem Di ney in der deutschenGesandtschaft teil. Der deutsche Männer- ckior in Brüssel trug einige Lieder vor. Die Abreise erfolgt beule abend 11 Uhr (westeuropäische Zeit) vom Bahnhof Quartier Leopold nach der Station Wildpark.
— Wallots angeblicher Rücktritt. Aus Dresden wird berichtet: Die Meldung verschiedener Blätter, ber Erbauer des Reichstagsgebäudcs Geheimrat W a l l 0 t, ein geborener Oppenheimer, würde ftch von seiner Lehrtätigkeit au der Technischen Hochschule und der Akademie der bildenden Künste in Dr esden vollständig zurückziehen, scheint sich nicht zu bestätigen. Geheimrat Wallot gibt hierzu folgende Erklärung ab: „Ich habe für dieses Semester aus Gesundheitsrücksichten meine Vorlesungen an der Technisck)en Hochschule eingestellt und meine Beurlaubung beantragt. In der Akademie der bildenden Künste setze ich meinen Unterricht fort. Ob ich im nächsten Jahre meine Lehrtätigkeit ausüben werde, kann ich noch nicht sagen. Das hängt von meinem Gesundheitszustand ab. Alle anderen Mü-
teilungen entsprechen nicht den Tatsachen."
— Ein neues Werk von Richard Wagner wird demnächst im Handel erscheinen. Dies mag verwunderlich klingen, aber es ist Tatsache, daß der Meister, als er vor 40 Jahren an die Zusammenstellung der Gesamtausgabe seiner Schriften und Dichtungen ging, nicht weniger als 35 Arbeiten aus den Jahren 1832—1849 ausgeschlossen hat, die dank der Einwilligung des Hauses Wahnfried vom Verlage Schuster u. Loefsler in Berlin herausgebracht werden und jetzt den allerersten Band der Werke des Meisters bilden. Unter diesen Schriften, die lückenlos zu- 1 sammen-usuchen sich mancher vergeblich bemüht hat und deren
auf welche die Voraussetzungen dieses Grundsatzes zuträfen, nach der Regierungsvorlage einen wesentlich höheren Steuersatz (meist 2—3 Prozent) zu tragen hätten. Dem weiteren Einwand, daß die ftärrere Berücksichtigung des Ertrags- Werts die Finanzen ber Gemeinden sehr ungünstig beeinflusse, da die Erträge vieler Gewerbebetriebe starken Schwankungen unterworfen seien, glaubt die Kammer ba* durch begegnen zu können, daß sie vorschlägt, den Ertrags- Wert nach dem dreijährigen Durchschnitts er trag zu berechnen.
Die Handelskammer schlägt weiter vor, entweder auf die Erhebung der minimalen Steuersätze von 10, 20, 30 und mehr Pfennigen ganzen verzichten, oder einen Minima l st e u e r s a tz s e st z u 1 e g e n , der die Kosten der Veranlagung und Erhebung deckt. Zum Schluß spricht sich die Kammer noch gegen die im Art. 19 für sämtliche Steuern pflichtige vorgeschriebene Deklarationspflicht aus, und schlägt vor, wenigstens für die Gewerbetreibenden, deren Ertrag unter 2600 Mk. bleibt, nach dem Beispiel des Gesetzes über die Einkommensteuer eine steuer amtliche Einschätzung der Gewerbesteuer vorzusehen.
Das wandern der nordamerikanischen Seen.
Im „Bulletin vf the Amerie. Geographie" behandelt Thomas G i b s 0 n die langsam fortschreitenden Bewegungen im Wasserstande ber fünf großen norbamerikanischen Seen, des Oberen, Michigan-, Huron-, Erie- unb Ontariosees, benen man zwar schon vor etwas mehr als einem halben Jahrhunbert auf bie Spur kam, über die pber erst jetzt genügend lange Beobachtungsreihen vorliegen, um klare Sd)^u^e auf die Veränderungen zu gestatten, die sich für dieses größte Zentrum der Binnenschiffahrt im Laufe langer Zeiträume aus den säkulären Schwankungen ergeben müssen. Im allgemeinen vollzieht sich die Lageveränderung in der We se, daß bie norböstlichen Küsten emporsteigen unb den Wasserinhalt ber Seebecken nach Sübwest drängen, wo die dort gelegenen Küsten von langsam heranschleichenber Ueberflutung bedroht werden. Am wenigsten bedenklich sind diese Veränderungen an dem tiefstgetegenen Ontariosee, weil zwischen ihm und dem benachbarten und nächsthöheren Eriesee bie volle 100 Meter hohe Bodenstufe liegt, bie ber Niagara mit seinen großen Fällen durch- schneibet. An seinem Sübwestenbe bei Hamilton ist der mittlere Wasserstanb im Lause eines halben Jahrhunberts auch nur um 17 Zentimeter gestiegen. In Tolebo und Monroe am Eriesee beläuft sich das Wachstum dagegen schon auf 22 Zentimeter, während am Huronsee und seinen beiden umfangreichen Anhängseln, der Georgian Bay und dem Norty Channel, ein Sinken des Wasserspiegels tim 26 Zentimeter sestzustellen ist. Am Michigansee, der am tiefsten nach Süden herabreicht, vollzieht sich bie Schwankung in der Art, daß in der Mackinacstraße, ber Verbind düng mit dem Huronsee, der Wasserspiegel in einem halben Ändert um 15 Zentimeter gestiegen ist unb auf einer tbington nach Manitowoc gezogenen Verbindungslinie unverändert bleibt, während im Südwesten unb Süben bei Milwaukee unb Chicago ein Steigen von 18 bis 27 Zentimetern sestzustellen ist.
Daß bas Reichsschatzamt ein gewisses Recht dazu hat, dieses erfreuliche Ergebnis als Zukunftsmusik dem deutschen Volke darzubieten, soll ihm nicht bestritten werden. Der eigentliche Grund für dieses Finanzergebnis liegt aber in der Hauptsache nicht in den Wirkungen Der Reichssinanz- resorm vom Sommer 1909, sondern bei den Zö.len darin, daß die Voreinfuhr Mich endlich einmal verbraucht ist, unb bei den Steuern unb Gebühren hauptsächlich in ber Stengel- ,sch en Finanzreform, bie jetzt ihre Wirkungen zu äußern beginnt. Denn wie bie Tabaksteuer im ersten Halbjahr ffhtt rund 7 Millionen Mark nur 5 Millionen, bie Branntweinsteuer statt 90 nur 71, bie Leuchtmittelsteuer statt 7y2
Lin neuer Vorschlag zur hessischen @emeinöeumlagenreform.
R. B. Darmstadt, 27. Okt. Zu bem Gesetzentwurf Über bie öemeinbeumlagenreform, ber demnächst bie Erste Kammer zu beschäftigen haben wirb, hatte jüngst ber hessische Hanbelskammertag in einer Eingabe ,an Die Kammer besonbers die schon früher geltenb gemachten Abänderungsvorschläge zu Art. 10 in Betreff »er Gewerbesteuerveranlagung wiederholt Auch- bie Wormser Handelskammer hat nun eine Eingabe an die Erste Kammer gerichtet, worin sie für den Fall, baß über den Antrag bes Handelskammertages ^u Artikel 10 zwischen den gesetzgebenben Faktoren keine Einrgung erlangt werden sollte, einen anberen Vorschlag macht, bder bei etwas veränderter Berücksichtigung des Kapital-- und Ertragswertes nach den der Eingabe beigefügten genaueren Berechnungen höhere Erträgnisse an Gewerbesteuer erbringt, als der Vorschlag des Hanbelskammertages, sonst^aber auf bem gleichen Prinzip aufgebaut ist, in Bezug auf Einfachheit der Berechnung aber nach Meinung ber Handelskammer jeden anderen Vorschlag weit übertrifft. Dieser Eventualvorschlag geht dahin, die Gewerbesteuer durch eine Kombination des halben Kapitalwerts (§ 9) und des halben Ertragswerts zu veranlagen, ber sich unter Anwendung ber gleichen ober einer ähnlichen Degressivskala für kleinere Betriebe ergibt. Durch die in diesem Vorschlag lieg en be stärkere Berücksichtigung bes Erttags würbe, wie sich aus ben Berechnungen mit Gewißheit ergibt, in ben Fällen ein billiger Ausgleich erzielt, in benen bei ber Veranlagung nach der Regierungsvorlage ber Steuerbetrag in einem Mißverhältnis zum Ertrag steht. Nach Meinung oer Handelskammer hat der Vorschlag vor allen bisherigen Vorschlägen den Vorzug, daß bie nach ihm berechneten Steuerbeträge in einem ziemlich gleichmäßigen Verhältnis zum Ertrag, der schließlich doch die Quelle aller Steuerleistungen bleibe, stehen, so zwar, baß ber Steuersatz von unten nach oben in schwacher Progression steigt. Von ben 221 in einer Gemeinde probeweise veranlagten Gewerbetreibenden hätten nach bem Vorschlag nur brei eine Gewerbesteuer zu zahlen, bie mehr als 3 Prozent bes Ertrags übersteigt. Dieser Besteuerungsvorschlag erfülle daher die erste Anforderung, die an eine Steuer gestellt werden müsse, bie Ansorberung gleichmäßiger Wirkung. Der Vorschlag ermögliche ferner auch eine Korrektur ber Veranlagungen nach bem Regierungsentwurf in ben Fällen, in benen ber nach Art- 9 bes Gesetzentwurfs zulässige Schulbenabzug eine zu weit- gehenbe steuerliche Entlastung einzelner Gewerbebetriebe zur Folge hätte. Die neue Regierungsvorlage belaste sehr kapitalkräftige Betriebe auf Kosten ber großen Mehrzahl ber Gewerbesteuerpflichtigen nur noch mit verhältnismäßig ganz geringen Steuerbeträgen. Diese Steuerverteilung könne auch nach bem Grundsatz von Leistung unb Gegenleistung nicht als gerecht anerkannt werben, ba bie übrigen mittleren unb größeren Gewerbebetriebe ber Probegemeinbc,
Die österreichische polüik und der Zustand des österreichischen Heeres.
Auch im Ausschuß ber österreichischen Delegatton wurde bas Verhalten Deutschlanbs bei ber Änverleibungskrise hoch gepriesen. Im Anschluß bar an erfolgten Inter Miaute Fest-, Stellungen .über bas österreichische Heereswesen. Wir erhalten folgenben Bericht:
W i e n , 27. Okt. Der Ausschuß ber österreichischen Delegatton für Auswärtige unb bie Angelegenheiten Bosniens unb ber Herzegowina genehmigte ben Bericht des Marquis Baoquehem über das Budget des Ministeriums des Aus- roärtigen. Die auf die Haltung Deutschlands in der Annexionskrisis bezügliche Stelle des Berichts lautet:
Deutschland ließ von Anbeginn der Balkanwirren keinen Zweifel, daß es alle Konsequenzen aus dem Bündnisse ziehe. Die bedeutsame Entschlossenheit Deutschlands, die beharrlich unb auf das unzweideutigste kundgegeben wurde, die Monarchie nachdrücklichst zu unterstützen, wirkten mächtig. Schon die erste Kundgebung des Fürsten Bülow über die Unerschütterlichkeit des Bündnisses und der hohe Ernst, mit dem Deutschland seine Bündnispflicht betrachte, machten großen Eindruck in Europa und festigten das Vettrauen in den Frieden. Deutschland zögerte nicht und schwankte nicht, um seine Bundesfreundschaft in vollstem Maße zu gewähren. Es stellte sich von Beginn der Krisis vorbehaltlos auf unsere Seite. Es wollte keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, daß es entschlossen sei, keine Zumutung an uns stellen^ zu lassen, die mit der Würde der Monarchie unvereinbar wäre. Diese Haltung Deutschlands, die eine so hohe Auffassung der Bündnispflicht zeigte, wird bei «uns unvergessen bleiben.
Im Laufe ber Verhandlungen betonte Reichskriegs-
Schöpfungen, sechs Aufsätze kritischer Art, mehrere Arttkel per» sönlich-polemischer Gattung einige auf die Revolution von 1849 bezügliche Exkurse, von denen mehrere kaum noch auffindbar waren, ja als verschollen galten, und endlich eine noch nie gedruckte umfangreiche Arbeit aus der Zeit seiner Dresdener Kapellmeister-Tätigkeit, ein Reformwerk, betitelt „Die Königliche Kapelle betreffend". Der 500 Seiten umfassende Band wird unter dem Titel „Der junge Wagner" herausgegedar.
Die Veröffentlichung ber Ueberficht ber Reichseinnahmen aus Zöllen, Steuern unb Gebühren, wie sie ber Reichsanzeiger für bie Zeit vorn 1. April bis 1. Oktober bes laufenden Haushaltsjahres am Montag brachte, verdient nach mehr a!ls einer Seite hin Beachtung. Denn vergleicht 2' ’ , ' Zolle während dieses Zettraums
(305629 305 Mk) mit bem Jahresvorainschlag des Haushalts (631900000 Mk.), so zeigt sich, daß die Einnahme aus den Zöllen um 20641290 Mr. dahinter zurückgeblieben ist, eine Erscheinung, an ber wohl in ber Hauptsache bie vor her Reichssinanzreform bes vorigen Sommers einsetzenbe Voreinfuhr unb Vorverzollung bie Schulb trägt. Bei den Steuern unb Gebühren bagegen, bie im Voranschlag mit 809 588 560 Mk. eingestellt waren, wirkt ba3 Bild des ab gelaufenen Halbjahres etwas erfreulicher, weil sie bereits V insgesamt 395 831 381 Mk. erbrachten, also, für bas ganze ' Jahr berechnet, nur um 18925 794 Mk. hinter bem Vor- 0 anschlagsansatze zurückgeblieben finb, so baß wir, eine weitere a gleichmäßige Entwicklung ber Reichseinnahmen voraus- ff gesetzt, nur auf ein Defizit von ccr 40 Millionen für bas Jahr 1910 zu rechnen hätten. Im Reichsschatzamt scheint ff )nan nun aber, wie bie Berechnungen ber Solleinnahmen für bas zweite halbe Jahr bewei>en, bar auf zu hoffen, dieses Defizit nicht nur um ein bedeutendes verringern zu können, sondern sogar in ein kleines Plus zu verwandeln. Denn zählt man Ist ein nähme (701460 738 Mk) und Solleinnahme (751640 587 Mk) zusammen, so ergibt sich gegenüber dem Jahresvoranschlag (1441 488 560 Mt) ein Plus von etwa 12 Millionen Mark.
Nr. «53
Der Oietzenrr Anzeiger edchemi täglich, außer Sonntag«. - Beilagen: p, er in al wöchentlich SitfientrSamillenblätter, Iivennalivöchentl.rttels- latlfiirdenNreir Stehen (Dienstag nnd Freitag); zweimal monatl. Land. lvirlkchaftNche Seltfragr» Fernjprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112,
«S Seneral-Anzeiger für Sberhesieil W w ÜÄ Rofaflonsbrn» und Verlag der vrühl'schen llnlo.-vuch- und Steindruckerei H. Lange. Redaktion, Expedition und vruckerel! Schulstrahe 7.
' Es handelt sich also im Grunde genommen um denselben Vorgang, wie wenn man einen flachen, mit Wasser gefüllten Teller aus ber horizontalen Lage langsam ein wenig nach einer Seite kippt. Wenn diese Veränderungen wäbrend ber kurzen Beobachtungszeit auch so geringfügig _ _
Unb, daß es ein Triumph der Meßkunst ist, sie überhaupt > älteste letzt das ehrwürdige Alter von 78 Jahren erreicht hat, !estgesteltt zu haben, so darf doch nicht übersehen werden, Gesinden sich sechs Dichtungen und Entwürfe, achtzehn novellistische


