Ausgabe 
5.1.1910 Zweites Blatt
 
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Landwirtschaft.

Mainz, 4. San. Der I a n b to. Vortra^skursus der hessischen Landwirtschaftskammer wurde heute Dormittag 10 Uhr vom stellv. Vorsitzenden Böhr eröffnet. Als Gäste waren an^ wesend: Als Vertreter der Regierung Landesökonomierat Müller, von der Provinztaldirektion als Vertreter des verhinderten und entschuldigten Prvvrnzialdirektors von Hornbergk, Regierungs- rat Gennes, ferner der Oberbürgermeister der Stadt Mainz Göttel- mann, Kreisrat Wolf-Oppenheim und der Vertreter des Landes- Pferdezuchtvereins Rittmeister Fenner. Der Besuch ist außer­ordentlich zahlreich, und ;n>ar wurden ausgegeben 400 Dauer- und Tageskarten. Den c;-iieit Vortrag hielt Geh. Hofrat Prof. Dr. Wagner über:Welche Handelsdünger sind zurz. am'oorteil- haftesten zu verwenden?" In leicht verständlicher und inter­essanter Weise behandelte der Referent die wichtigsten Fragen über die Verwendung der verschiedenen Düngemittel. In einem zweiten Vortrage behandelte Generalsekretär Bussen, Hannover, die Frage über:Die Anwendung der Elektrizität im Landwirt­schaftsbetrieb und ihre Beschaffung durch genossenschaftliche Or­ganisation".

eingedenk dec historischen Lehre, daß überlichte Staatseinrich­tungen zusammenbrechen müssen, sobald eine entschlossene und opferbereite Volksmehrheit den Kampf gegen das Unrecht auf­zunehmen bereit ist. Um einen solchen Wahlrechtssturm nicht nur in Preußen, sondern in ganz Deutschland zu entfesseln, beauftragt der Parteitag die preußische Parteileitung, ungesäumt alle Vorkehrungen zu treffen, die geeignet sind, den reaktionären Widerstand zu brechen."

Der Berichterstatter führt hierzu aus, daß wir offenbar am Vorabend einer Wahlreform stehen, obwohl die Konservativen den König unaufhörlich zum Wortbruch reizten, so daß nicht einmal die persönliche Ehre des Monarchen vor den Zumutungen seiner Leibgardisten sicher sei. Der Redner bespricht, dann die Haltung der einzelnen Parteien zur Frage der Wahlreform. Von dem heuchlerischen Zentrum, den Freisinnigen und National-. liberalen sei nichts zu erwarten, ihre Verbesserungsvvrschläge seien 41 ur Flickwerk. Die Reform dürfe nicht abhängig gemacht werden von dem Geldsackparlament, der Wahlrechtssturm müsse draußen 4m Lande entfesselt werden. Es gelte, die freisinnigen und christlichen Arbeitermassen aufzurüttclu.

Jeder ehrliche Liberale müsse dasselbe Interesse an der Wahl- refvrm haben wie ein Sozialdemokrat. Die Reform würde für Preußen bedeuten: die Befreiung des Volkes aus Knechtschaft und Sklaverei. (Anhaltender Beifall.)

Auf Antrag von Adler-.Kiel wird von einer Erörterung abgesehen und die Entschließung unter stürmischem Beifall und Händeklatschen angenommen. Der Parteitag erledigte dann noch einige Anträge zu dem Thema: Agitation und Allgemeines. Angenommen wurde ein Antrag, wonach Dovpelmandatc ZU den gesetzgebenden Körperschaften möglichst vermieden werden solten, ferner ein Antrag, der eine Agitation für Einführung des Recchs- tagswahlrechts auch in den Kommunen verlangt. Darauf wurden die Verhandlungen auf morgen vertagt.

Verseuchtes.

* Das Berliner Sechstage-Rennen ist glücklich zu Ende. Tas sechstägige blödsinnige und zwecklose Ringen in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten zu Berlm hat mit dem Siege von Rütt-Clark, den Helden des' letzten Newporter Secbstage-Rennens, geendet. Rütt fällt der Haupt­anteil an dem Erfolg zu, wenn er auch von seinem Partner Clark nach besten Kräften unterstützt wurde. Bei der ganzen Sache ist es am bedauerlichsten, daß manche Zeitungen über diesen Unfug gewissenhaft jede Einzelheit berichteten. Welchen Sinn hat cs denn eigentlich, daß sich Menschen 6 Tage lang bis zur Erschöpfung abhetzen, um sich dann durch Packungen, Massage, Sauerstvff- behandlung u. a. schöne Hilfsmittel zu neuem Unfug fähig machen zu lassen? Das hat mit Sport nichts mehr zu tun. Es ist ledig­lich ein widerliches Geldgeschäft, das mit der sensationslüsternen Masse rechnet und leider auch auf seine Kosten kommt.

* W l e H o f t l a t s ch e n t st e h l. DieDaily News" hatte von einem Zusammenstöße des Königs der Bulgaren mit dem deutschen Kaiser bei dem Hochzeitsfrühstück im Braunschweiger Residenzschlosse eine abenteuerliche Mär verbreitet. Danach sollte der Kaiser dem Könige der Bulgaren, als dieser sich zum Fenster hinauslehnte, einen Schlag auf einen gewissen Körperteil versetzt haben, worauf der König die Bemerkung gemacht habe, er verbäte sich derartige handgreiflichen Scherze, nnb aus Braunschweig ab* gereist sei, ohne sich vom Kaiser verabschiedet zu haben. Diese Erzählung ist, wie dieBraunschw. Landesztg." schreibt, offenbar durch folgenden Vorgang entstanden, den ein Augenzeuge verbürgt hat. Als der bulgarische Fürst in Betrachtung versunken zum Fenster hinauslehnte, trat die Kaiserin an seine Sette und berührte mit der Hand leise seine Schulter. Sofort wandte sich der König etwas hastig um und zeigte sich, als er die Kaiserin neben sich gewahrte, aufs angenehmste überrascht und geehrt. Ehrerbietig machte er ihr seine Verbeugung, ergriff ihre Hand und küßte sie nut ritterlicher Galanterie, und soivohl in seinen Mienen wie in der Art, mit der er sprach, malte sich der Ausdrlick der Freude. Das ist die harmlose Tatsache, aus welcher der Hintertürentratsch die Anekdote geformt hat.

* E r n seltsamer Ausstand. Die kleine Gemeinde B e r ch e m unweit Aiitwerpen ist seit einigen Tagen in hellem Aufruhr. In der Krrche des heiligen Willibald ist das getarnte Personal in den Ausstand getreten. Vom Glöckner bis zum Küster herauf will keiner mehr arbeiten. Selbst die Meßbuben und die ehrsamen Schließerinnen haben sich der Bewegung angeschlossen. Grund: der Pfarrer hat auf Veranlassung seiner Köchln einen Chorsänger, der ihr denRespekt" veriveigerte, kurzerhand davon gejagt. Alle erklärten sich mit dem Entlassenem solidarisch und deshalb stockt in Berchern seit acht Tagen jeglicher kirchliche Betrieb. Auch der Bürgermeister konnte den Streit nicht schlichten. Denn weder des Pfarrers Köchin noch der Chorsänger wollen nachgeben. Und so hat man schließlich dem Kardinal-Erzbischof Mercier in Mecheln die Akten eingeschickt, damit er Frieden schaffe. Hoffentlich gelingt ihm das.

* Aufregende Eisenbahnfahrt. Wie schon gemeldet, wurde dieser Tage der München-Dresdner D-Zug dicht vor Frei­berg dadurch zum Halten genötigt, daß der Sturm mehrere gvoße Baume entwurzelte, die mit den Wipfeln auf den Zug stürzten, wodurch eine gvoße Anzahl Fensterscheiben zertrümmert, aber glücklicherweise weiter kein Unglück angerichtet wurde. In der amtlichen Mitteilung über den Unfall wird noch gesagt: Hätten sich die Bäume, die erst hinter der Lokomotive den Zug trafen, nur wenige Sekunden früher über das Gleis gelegt, so wäre eine Entgleisung kaum zu vermeiden gewesen, die bei der Schnelligkeit des Zuges ein großes Unheil hätte anrichten können." Sehr anschaulich schildert eine Reisende, die in dem Zug saß, in denDres-dn. Nachr." den Unfall. Sie berichtet u. a.:In den Cvupös waren schon die Lampen angezündet, doch konnte man noch deutlich unterscheiden, wie der lorEanartige Sturm draußen die Wipfel der Bäume beugte. Trotz des Rollens der Rader ver­nahmen wir die Stöße des Sturmes, die, wie es schien, mit immer größerer Gewalt einherbrausten. Plötzlich dröhnt ein entsetzliches Krackten durck den Zug, ein Rucken und Stoßen durchschütter t die Wagen, über unseren Köpfen erschallt ein Donner, als bräche mit Macht die Decke hernieder, ein Splittern und Brechen ist um1 uns, mit hellem Gellirr biedren draußen im Gang die großen Fenster­scheiben an unseren Cvupätüren und zerschellen auf bem Boden in tausend Stücke. Ein Schreien durchgellt den Wagen: wer sollte bei diesem typischen Zeichen einer Katastrophe nicht das Schlimmste befürchten! Die Menschen llammern sich in ihrem Schrecken an die Gepäcknetze, um denr Erdrücktwerden auf den Bänken zu ent­gehen, Stoßgebete durchhallen den Raum. Mir gegenüber verfällt ein junges Mädchen in tonvulsivische Krämpfe, in der anderen Ecke ist eine Frau ohnmächtig umgesunkem Wir erwarten jede Sekunde, daß sich unser Wagen hebt, oder daß er aus dem Gleise geschleudert wird. Entsetzliche Augenblicke, die man nie vergessen wird. Jetzt hören wir, wie die Bremsen sich mit ungewöhnlicher Wucht an die Räder legen. Rack) schrecklichen Stößen imb Rucken hält endlich der Zug: Die Fenster reißen wir auf, da sehen wir, daß wir mitten im Walde halten. Tas Zugpersonal durcheilt die Wagen und ersucht die aufs höchste erregten Passagiere, sich zu beruhigen. Man spricht von einem Blitzschlag, einer Wind­hose, umgestürzten Bäumen u. a. Nach viertelstündiger genauester Prüfung aller Röder setzte der Zug seine Fahrt langsam durch den Schneesturm fort In Dresden, wo wir natürlich mit Ver­datung eintrafen, mußte der ganze Zug, in dem man die Glas- iplitter körbeweise sammelte, ausrangiert werden, so daß der um 5 Uhr nach Breslau abgehende Zug aus neuen Wagen zusammen- gestellt werden mußte.

* Eine histvris chc Ueberwurst. In einem alter. geschichtlid)en Werk über Preußen wird erzählt, daß die Fleischer meister in Königsberg in Ostpreußen zum 1. Januar 1601

Airche itttfc Schule.

Die Evangelische Konferenz für das Großh. Hessen (Friedberger Konferenz) hält ihre Provin­zial- bertv. Bezirks Versammlungen dieses Winters in folgen­der Ordnung ab: Am 12. Jan. in Fried berg (Drei Schwerter): Vortrag von Prof. D. Gunkel-Gießen über Israel im Rahmen der Weltgeschichte". Am 20. Jan. in Darmstadt (Restaurant Oper): Vortrag von Prof. D. Schian-Gießen überWird tirchenlose Religion das Schlag­wort der Zukunft sein?". Am 26. Jan. in Gießen (Hotel Schütz): Vortrag van Prof. D. Gunkel-Gießen überIsrae­litische und babylonische Schöpfungsgeschichte". Am 31. Jan. in Mainz (Evang. Bereinshaus): Vortrag von Direktor D. Eger-Friedberg überDie biblischen Wunderberichte und der Religionsunterricht". Am 2. März in Alsfeld wird der Letzgenannte voraussichtlich über dasselbe Thema sprechen. An die Borträge soll sich jedesmal Diskussion an sch ließ en.

Gießener Strafkammer.

)( Gieße», 4. Jan.

Eine verwechselte Schippe

krachte den wegen Diebstahls mehrfach bestraften Taglöhner W. W. wvn Bensberg unter Anklage. Nach einer kurzen Tätigkeit in der Chanwttesteinfabrik bei Bad Nauheim trat er aus und ver­kaufte seine Schippe an einen Arbeitskollegen. Als er am Bahnbau wieder Arbeit gefunden hatte, bedurfte er der Schippe wieder, weshalb er an die alte Arbeitsstelle ginn und die Schippe mitnahm. Der Bestohlene ging an die Arbeitsstelle des Angeklagten, um nach der Schippe zu forschen. Als ihn dieser kommen sah, versucht: er die Scknpve zu verbergen, und als ihm dies nicht gelang, ver­nichte er sich mit einer Verwechslung zu entschuldigen. Bei der Verhandlung gab er natfj anfänglichem Leugnen zu, unrecht ge­bandelt zu 'haben. Es wurde auf die MiniMalftrafe von drei Monateii Gesängnis, abzüglich 2 Wochen Untersuchungshaft, er­kannt.

Diebstahl und Hehlerei

ist dem Gärtnergehilfen I. K. aus Karlsbad zur Last gelegt. Er hat lick in Friedberg uml^ergetrieben und hat einem Wirt drei Paar Hosen gestohlen, die er auf der Herberge verkaufte, da sie ihm nickt paßten. Bei seiner Verhaftung sand der Gendarm' einen Feldhafen bei ihm Dor, den er von einem Handwerksburschcn für eine Niark getauft l-oken wollte. Wenn diese Angaben auch sehr unwahrsckxinlich sind, so konnte doch mangels eines Nachweises, Idas- er den Hasen etwa gewildert oder gestohlen hat, mir wegen Hehlerei Verurteilung erfolgen nnb zwar um deswillen, weil er fick sagen mußte, daß der Hafe nicht auf rechtmäßigem Wege erworben sei. Für den Diebstahl wurden 4 Monate Gefängnis anqesetzt: die Hehlerei sollte mit einer Woche Gefängnis geahndet iverben, wurde aber nur mit 4 Tagen in Anrechnung gebracht. Auf die Straft sind ein Monat und vier Tage Unterfnchungshaft anzurechnen.

Unter falscher Flagge gesegelt

ist der Bäckergeselle A. G. von Neustadt a. d'. Hardt, Er hat iid) unter dem Namen Adolf Hemmer zu einem Bäckermeister in *Zad Nauheim' verdungen, weil er Unter seinem richtigen Namm von mehreren Behörden steckbrieflich verfolgt wurde. Als für.-, nach seinem Eintritt eines Mittags seine Arbeitskollegen schliefen, nahm er aus dem gemeinschaftlich benutzten Schrank zwei Gesellen je eine Uhr mit Kette, die diese an ihren Westen in' den Schrank gehängt hatten. Weiter entwendete er aus einer Hose, Tire im Zimmer hing, denr einen Gesellen ein Portemonnaie mit *12 Mark, sowie dessen Papiere und ein Paar Stiefel. Auch des Lehrlings Barschaft in Höhe von 60 Pfennigen hieß er mitcrefjeit, äts er verschwand. Er wurde in Landau wegen Urkundenfälschung verurteilt, weil er sich falsche Legitimationspapiere ausstellen ließ, auch erhielt er mehrere Strafen wegen Diebstahls, die er zur Zeit in Zweibrücken verbüßt. Man fand bei ihm einen Pfandschein über eine Uhr, die von dem Bestohlenen als sein Eigentum crn-- crFarmt wurde. Trotzdem er auch auf Grund einer Photographie für ten Täter gelten mußte, leugnete er, bis er sich bei der Ver­handlung, als er sich den Zeugen gegenüber sah, zu einem' Ge­ständnis bequemte. Von einer noch fehlenden Krawattennadel und dem Diebstahl der Papiere wollte er jedoch nichts wissen. Er wurde aber für schuldig befunden, sämtliche fehlende Gegenstände ge- stohlen zu hoben. Unter Einbeziehung einer Gefängnisstrafe von 9 Monaten, die ihm' in Landau zueriannt worden war und einer solchen von einem Jahr in Frantenthal, wurde auf eine Gesamt- mchthausstrafe von 2 Jahren und 1 Aöonat, sowie fünfjährigen Ehrverlust erkannt. Bei der früher in Anrechnung gebrachten Untersuchungshaft behielt es fein Bewenden.

Freisprechung erzielte

irrr Schuhmacher L. B. von Burkhardsfelden,derein seinen Einspruch znrückweisendes Erkenntnis des hiesigen. Schöffengerichts angefochten hatte. In dem auf 2 Mark Geldstrafe lautenden Strafbefehl war ihm zur Last gelegt, Holz auf entern Gemeinde- vlatz direkt an der Straße gelagert zu haben, so daß der freie Verkehr gehindert war: auch hatte er es unterlassen, nachts ein Licht dabei _ anzubringen. Beim' Schöffengericht hatte er vor- gebracht, daß die Gemeinde und andere Bewohner Steine und Holz aus dem Platze lagerten, ohne nachts Licht anzubringen, es wäre aber niemand angezeigt worden als er. Tas Schöffengericht ent­schied, da ßdie Behauptung, er habe das Recht, .Holz dort zu lagern, ihn nicht vor Strafe schützen könne; wenn andere wegen der näm­lichen Uebertretung nicht zur Anzeige gebracht worden sind, so fei dies kein Grund, ihn freizusprechen. Es rvies deshälb seinen Einspruch zurück und der Angellagte focht das Urteil an. In der BcrufungsverHandlung wurde festgestellt, daß ein großer Teil des Platzes nicht für den öffentlichen Verkehr beftintmt ist: die Gemeinde lagert dort Steine und verschiedene Bewohner haben dort Bauholz liegen. Tie Gemeinde hat aud) einen Platz rum Holz schneiden freigegeben und das Holz, das der Angellagte dort hingebracht hat, war dem Holzschneider zum Zerkleinern über­gebe,: worden. Dem' Angeklagten konnte somit der gute Glauben nickt äbgesprochen werden, zumal er annehmen konnte, der Holz­schneider sei für da§ weitere verantwortlich. Das Urteil wurde deshalb aufgehoben und der Angeklagte freigespvochen.

Den Kanalanschluh verweigert

hat der Zimmermeister Chr. M. von Büdingen, weshalb ihm ein Strafbefehl über 3 Niark Geldstrafe zuging, auf dessen Einspruch das Schössengericht die Strafe auf 1 Mark herabsetzte. Nack dem von dem Angeklagten angefochtenen Urteil ist er Besitzer chics Eckhauses, dessen Abwässer seither in den alten Kanal gelüftet wurden. Infolge Anlegung einer neuen Straße auf der anderen Seite des Hauses mit dem neuen Kanalsystem wurde er mehrfach ausgefordert, fehl Anwesen an den neuen Kanal an- s.mcl lleßen. Er behauptete, erst zum Anschluß an den neuen Kanal vtt Pi licktet zu sein, wenn der alte beseitigt sei unb zwar gründet sich seine Behauptung aus die Auslegung des Ortsstatuts. Er glaubt, man ,volle thn zum Anschluß 'zwingen, weil dies die Entrichtung der Kanalsteuer nad) sich zieht. Wie das Schöfftn- gericht, nahm aud) das Berufungsgericht an, daß der Angeklagte die iragliche Polizeivenordnung fahd" auslegt, und er verpflichte: ist, den -Anschluß an den neuen Kanal zu bewerkstelligen. Tas Schöfftngerichtsurteil mußte deshalb seine Bestätigung finden.

vermutlich um den Jahrhundertwechsel durch eine große Tat Ak feiern eine Wurst hergestellt hatten, die wohl die Bezeichnung. Uebertourft" verdient. Sie hatte die stattliche Länge von 1005 Ellen und das nicht minder stattliche Gewicht von 885 Pfund. Gemeint ist wahrsdieinlich die sogenannte kurze Elle; trotzdem kann die Wurst nidjt sehr dick gewesen sein, und mxm scheint ' den größeren Wert auf ihre Länge gelegt zu haben. Die Riesen­schlange wurde in feierlichem Auszüge von 103 Fleischergesellen durch die Stadt getragen. Verwendet wurden zu ihrer Herstellung 81 Schweineschinten = 118 Mark 10 Groschen; anderthalb Tonnen Salz = 3 Mk. 5 Gr.; anderthalb Tonnen Bier = 3 Mk.: 18y» Pfund Pfeffer = 24 Mk. 13 Gr. Für Kränze zur Schmückung der Wurst wurden 112 Mk. 16 Gr. und 3 Pfennige verwendet. Es fällt uns auf, daß der Chronist behauptet, es fei auch Bier zur Wurst genommen; das soll aber in der Tat früher häufig geschehen fern. Im ganzen kostete die Wurst nach damaligem Gelds 412 Taler 16 Groschen 3 Pseimige, wobei der Täler zu 36 Groschen gerechnet ist. Ta die Königsberger Bäcker von den Fleischern eingeladen waren, an der Vertilgung der Wurst teil* zunehmen, so lieferten sie als Gegenleistung 8 Bretzeln und 6 Handbretzeln. Von den ersteren waren zwei 4% Ellen lang, llebrigens verbrauchten nach demselben Berichte die 3 Meister und 87 Gesellen, die die Riesenwnrst herstellten, bei ihrer andert- hcllbtägigen Arbeit für 480 Mark Bier. Die UebenrxuTft scheint also schon vor ihrer Vertilgung auch einen U.eberdrcu>. erzeugt zu haben.

Arznut in England. Es ist hirrläuglich bekannt, daß nirgendwo fo wie in England neben unermeßlich ~n Reichtum bitterste Armut, neben unendlichem Luxus die benfbv. niedrigste Lebenshaltung zu finden ist. Ziffernmäßige Nachweise hierüber werden aber selten kund, deshalb dürsten einige Zählen interessieren. In Glasgow leben über 100 000 Personen in Wohnungen von nur einem Zimmer, und ihre Sterblichkeit beträgt über 32 vom Tausend. Ter Altololismus der Arbeiterbevölkerung ist entsetzlich Frauen haben richtige Trinkvereine. In den östlichen Stadt­teilen Londons sind 90 v. H. aller Schulkinder infolge körperlicher Schwäche nicht imstande, das Schulpensuni zu bewältigen. 16 v. H. davon in London, 1530 v. H. in Blicken von Edinburg und Manchester sind ständig unterernährt. Das ist die Kehrseite des gewaltigen englischen Industrialismus?

* Roo sevelts Jagdtrophäeir. In der letzten Sitzung der Smithsonian Jnstttution machte Mr. Walcott interessante Mitteilungen über die von Roosevelt auf seinem afrifanifdjen Jagd­zuge erbeuteten Trophäen, die alle der Smithsonian Institution, überwiesen werden. Bis zum 10. Dezember hatte Roosevelts Jagdzug nicht weniger als 6663 Felle erbeutet, von denen die Hälfte bereits in Amerika cingetroffen ist Die cingegangene. Sammlung umfaßt bis jetzt 243 Häute großer Säugetiere, 1500 Felle kleinerer Säugetiere und 1356 Vogelbälge. Auch eine Anzahl menschlicher Schädel sind cingetroffen, die längs der Straßen gesammelt wurden, bereit sich früher der Sklavenhandel bediente. Wie es Roosevelt als Präsident der Vereinigten Staaten immer verstanden hat, für sich Reklame zu madjen, scheint er es auch, als ,Läger" zu halten. Ob aber eine derartige Schlächterei die Menschheit angenehm berührt, das ist eine andere Frage.

Höchste Temperatur am 3. bis 4. Januar + 6,3 *C.

--- 4- 0,8 eC.

4.

des

Börse, 4. Jauuar, L15 Uhr.

Berliner Börse, 4. Januar. Aafau^karaa.

182.20

137.70

249.90

95.20

163.10

104.60

63.30

65.30

23.70

160.30

136.00

U440 35.30 94.25 85.30 93-50 93.00 99-65

Berliner Handelsges. Darmstädter Bank «. Deutsche t>ank . . Deutsch - Asiat. Bank Diskonto-Kommandit Dresdner Bank . .

107.00 141.10

211.30 220 90

135.70

210.60

201.00 103.40

112.30

182.90

137.60

249.70 164.00 116.40

163 20

211.30

Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .

Tendenz matt.

47.50

91.75

67.45

99.70

Lombard. Eisenbahn Oesterr. Staatsbahn .

Prince - Henri - Eisenb ahn 5.

kirchliche Nachrichten.

^oaugeiljche (Dciiiemoe.

Donnerstag den 6. Januar, abends 8 Uhr, im Markussaal:

B i b e l st u n d e. (Bilder aus dem Leben Jesu.)

Pfarrer Schwabe.

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4°/0 Oesterr. Goldrente .-? 4'/i6/n Oesterr. Silberrente98435

4°'o Ungar. Goldrente 95.60

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Nordd. Lloyd .?. . . . Oberschles. Eisen-Industrie

3°,0 Portugiesen III .

4*/,% russ. Staatsanl. 1905 99-50

41 japan. Staatsanleihe 96.75 4°/o Conv.Türken von 1903 94.50 Türkenlose 181.00

Eisenbahn ....... .<- 118.40

Gotthardbahn . . -.

Harpener Bergwerk . 210.00 Laurahütte . . . . 4.4. 200.20 Lombarden E. B. . 23.50

Nordd. Lloyd .. 103.50

Türkenluse , ,.. . . . 181.10

Die englische Krankheit der Säuglinge bewirkt, besonders bei nicht rationeller Ernäbruna. sehr oft ein bedeutendes Zurück­bleiben der Entwickelung der Arme und Beine im Verhällnisse zu dem großen Kopse. Durch die Ernährung mitKuseke" und Kuh milch beugt man der Krankheit vor, daKufeke" die Entwickelung der Knochenbildung und des Muskelfletsches in günstigster Weise beeinflußt.___________________________________________________________hvH/ft

Sänger und Redner.

Das Gute bricht sich Bahn. .Dieses alte Wort bewährte sich in den letzten Wochen ganz besonders bei den Anstrengungen, welche die Fabrikanten von Wybert-Tabletten gemacht baden, um für ihre seit 60 Jahren hochgeschätzten Produkte neue Freunde zu erwerben. Die Nachfrage nach Wybert-Tabletten ist so groß, dass die Fabrikanten Mühe haben, in diesen Wochen, in welchen Tausende von Gratisproben die glänzendsten Beweise ihres Wertes erbracht haben, genug Tabletten zu produzieren. Die Stimme wird durch regelmäßigen Gebrauch von Wybert - Tabletten so wohlklingend und ausdauernd, daß Sänger und Redner nur noch Wybert-Tabletten verwenden, die in allen Apotheken in Schachteln ä Mk. 1 erhältlich sind. Depot in Gießen: Pelikan - Apo­theke. Kreuz 2. (ss*/,»

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Tendenz schwach.

Meteorologische Beobachtungen der Station Stehen.

.5

Nebel

Wetter

Jan.

1910

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