Ausgabe 
4.8.1910 Erstes Blatt
 
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wn PoNzetvehörden dürfte es übrigens ganz angenehm fein, wenn die Auslieferung nicht so schnell geschieht, denn sie hat noch große Schwierigkeiten überwinden, ehe der Prozeß beginnen kann. Es ist bisher vielfach angenommen worden, daß Crippen so ohne weiteres des Mordes angellagt werden wird, aber ehe das geschehen kann, ist es nötig, nach- zittveisen, daß die in dem Hause Crippens gefundenen Leicheu- teile wirklich von der Frau Crippen herrühren, und daß diese ermordet wurde.

London, 3. Aug. Tr. Crippen soll bekannt haben, mit seiner Frau in Streit geraten z-u sein. Der Zank sei zu Tätlichkeiten ausgeartet und in der Wut des Augenblicks soll er sie erschlagen haben.

Dcrmifcbtcs.

* Bayerische Gemütlichkeit. Auf der Haltestelle Gronsdorf in der Umgegend von München hatten etwa 300 Sonntagsausflügler den letzten Zug verpaßt, der sie wieder Mün­chens Häusern zuführen sollte. Guter Rat war teuer. Aber die braven Bayern wußten sich zu helfen. Es mußte noch ein Schnell­zug durchkommen, der allerdings auf der Station nicht hielt._ Das machte jedoch nichts, alle 300 Personen lagerten sich auf dem Geleise, und brachten so den Schnellzug zum Stehen. Jubel­geschrei und Fluchen der Schaffner! Die Türen zu den Abteilen werden geöffnet und trotz des entsetzten Widerspruchs der Zug- beamtcn nimmt alles Platz. Was blieb dem Zugführer übrig, als loszufahren, um München zu erreichen. Daß bei der Ankunft allda eine ganze Reihe von Personen festgestellt wurde, störte die hohe Befriedigung der glücklich nach Hause Gekommenen weiter nicht besonders. Sie wissen wohl, daß ein Richter, der das bayerische Temperament kennt, den Fall milde beurteilen wird, vielleicht selbst über die Findigkeit lachen wird.

Kleine Tap.cschrouik.

Der Opernsänger A u m a n n , seit mehreren Jahren Mit­glied des Stadttheaters in Halle, erschoß dort Dienstag abend in einem Anfall von Geistesgestörtheit seine Frau und erhängte sich dann selbst.

Zwischen Füssen und Oberdorf stießen, wie aus München gemeldet wird, am Dienstag zwei Personenzüge zu­sammen ; fünf Passagiere wurden leicht verletzt, einige Wagen zertrümmert.

Aus Wittenberge wird amtlich gemeldet: Der Borzug I) 6, an Wittenberge 2,38 Uhr, fuhr Mittwoch über die gewöhnliche Haltestelle hinaus und mit der bereitgestellten Vorspannlokvmotive zusammen. Tie Lokomotive wurde beschädigt. Vier Reisende wurden leicht verletzt. Der Zug fuhr mit 37 Minuten Verspätung weiter. Tie Untersuchung ist eingeleitct.

Ein von G a r m i s ch irach Innsbruck fahrendes Auto­mobil ist einen Abhang hinabgestürzt. Der Chauffeur Günd- hart wurde getötet: von den Insassen, Frau Rivers und Sohn aus Ncwyort, wurde die Frau schwer, der Sohn leicht verletzt.

Aus Langen berg wird gemeldet: In Stübla ch sind 50 Personen an Fleischvergiftung erkrankt.

In Metz haben am Mittwoch die Lus tschiffmanöver ibr Ende erreicht, wenigstens soweitZ. 1" undM. 2" in Betracht kommen, da die Gasfüllungen zu weiteren Ausstiegen nicht mehr ausreichen und eine- zweite Füllung nicht vorgesehen» ist.M. 2" ist bereits entleert.P. 1" wird noch einige Tage manöveriercn, so lange das Gas dazu ausreicht.

Ans Kol berg meldet man: Auf der Pcrsante kenterte am Dienstag ein mit drei Berliner Badegästen besetztes Boot. Die Insassen stürzten ins tiefe Wasser. Zwei vorübergehende Offiziere stürzten sich sofort in den Strom: es gelang ihnen, alle drei zu retten. Ein Leutnant geriet dabei in Lebensgefahr. Er wurde aber von einem anderen Offizier gerettet.

Wie aus Paris gemeldet wird, ist die Seine am Dienstag bei der Austerlitzbrücke um 30 Zentimeter gestiegen;

es wird erwartet, daß das Steigen des Flusses noch bis züm Freitag andauern wird.

Aus Petersburg meldet man: Ein karserl icher Lakai hatte große Mengen kaiserlichen Tafel­silbers aus dem Palais in Gatschina ge st o h l en; bet einem Altsilberhändler fanden sich iroch aimähcrnb 80 Pfund Taselsilber vor: der Händler und der Lakai wurden verhaftet.

Aus Oran wird gemeldet: Von den der der Eisenbahn- katastrophe bei Tletat Verstorbenen wurden 13, die nicht identifiziert iverden konnten »der von ihren Angehörigen nicht reklamiert lvorden waren, unter Anteilnahme der Behörden feier­lich bestattet. Nachdem von den Verwundeten noctji einer ge­storben ist, beträgt die Zahl der Toten nunmehr 2 5.

Daniel.

Deutsche-Seefischerei. Der Ertrag der deutschen Seefischerei im Nordsee- und Ostseegebiet stellte sich nach der amt­lichen Statistik 1907 auf 28 945 000 Mk., 1908 auf. 29 225 000 Mk., 1909 ans 33 215 000 Mk. Er ist also in den letzten zwei Jahren um 4 260 000 Mk. 14,7 Proz. gestiegen. Auf das Nordsee­gebiet entfällt der größjte Teil des Ertrages, nämlich 1907: 22 224 000 Mk. (darunter für 7 472 000 Mk. Salzheringe), 1908: 22 792 000 Mk. (darunter für 7 345 000 Mk. Salzheringe) und 1909: 26 833 000 Mk. (darunter für 10 693 000 Mk. Salz­heringe). Nächst den Heringen ergaben im Nordseegebiet die größten Erträge Schellfisch, Karpfen, Kabliau (Dorsch», Schlei, Scholle und Rotzunge. Im Ostseegebiet ragen Dorsch und Flunder mit den größten Erträgen hervor.

Deutsche Fahrradindustrie. Der Export dieser Industrie hat sich, wie aus Fachkreisen mitgeteilt wird, im ersten Halbjahr des laufenden Jahres äußerst günstig entwickelt. Tie milde Witterung hat die Nachfrage nach Fahrrädern in den ersten Monaten sehr begünstigt, auch eine starke Steigerung des Aus­landsabsatzes bewirkt. Auch in den Sommermonaten hat die Nach­frage erfreulich angehalten. Die Zahl der von den deutschen Fahrradfabriken im Ausland abgesetzten Fahrräder weist im Ver­gleich des Semesterabsatzes der beiden letzten Jahre eine Zu­nahme von 46 335 auf 55 180 oder um 8845 Stück auf. Auch die Ausfuhr von Fahrradteilen hat eine bedeutende Kräftigung namentlich nach überseeischen Ländern erfahren. Es ist eine Steigerung des Auslandsabsatzes der deutschen Fahrradfabriken um 7,19 Millionen Mark erfolgt.

Märkte.

th. Gießen, 3. Ang. Ter gestrige N i n d v i e b m a r k t hatte einen Vorrat uon etwa 1000 Stück Großvieh und 350 Jungtieren und Kälbern. Der Besuch des Marktes iuar stärker denn je, so daß der £>anbel sehr flott in Gang kam. Tas Geschält in Milch- ivare wurde gut beeinflußt durch Einkäufer aus Thüringen und Baden, btc größere Transporte Milchtiere auffauften und auch für mittlere Ware hohe Preise bezahlten. Der Handel in Rindern und Kälbern wurde von den Handelsleuten aus den Großstädten ge­wacht, die gute Stücke weit über üblichen Preis bezahlten und so für die Verkäufer den Anreiz gaben, sich die Ware hoch bezahlen zu lassen. Die Nachfrage in fetten Kühen war wieder nicht der­artig groß, daß em Preisaufschlag erfolgte, so daß die Aufkäufer für die Provinz die Ware zu angemessenen Preisen erwerben konnten. Jungvieh, welches etwa in Höhe von 100 Stück am Markt war, wurde diesinal weliig begehrt, hielt aber seinen alten Preis. Bezahlt wurden für das Stück Kühe frischmelkeiid uni) tragend 1. Qual. 550 vis 600 Alk., 2. Qual. 450 bis 525 Mk., 3. Qual. 380425 Alk. Jungtiere für Mast und Zucht je nach Alter und Forin 130 bis 23 > Mk. Bezahlt wurde für den Zentner Schlachtgewicht: Fette Rinder 1. Qual. 80 bis 82 Mk. (einzelne sehr schone Tiere bis 85 Alk.), 2. Qual. 77 bis 79 Alk., fette junge Stiere 76 bis 78 Alk., fette ältere Bullen 73 bis 76 Mk., fette Kühe 1. Qual. 67 bis 72 Alk., 2. Qual. 6366 Mk., 3. Qual. 58 bis 62 Mk. Kälber 1. Qual. 86-90 Mk., 2. Qual. 76 bis 82 Alk., 3. Qual. 68 bis 74 Alk. Fette Ochsen werden von den Handels- Iculcn tu 1. Ware mit 85 bis 87 Alk., in 2. Qualität mit 83 bis 84 Alk. pro Zeunter Schlachtgewicht angeboten.

tt. Friedberg, 3. Aug. Der heutige SchweineiUarkt ivar außerordentlich gut befahren, wie man es vorn Augustmarkt gewöhnt ist. Namentlich hatten größere Oekonomen der Wetterau schöne und gesunde Ware zti Markt gebracht. An 1400 Stück Ferkel halle man aufgetrieben, auch der Käufer waren genug er­schienen. Trotzdem sich die Preise etwas niedriger wie im vorher­gehenden Monat stellten, war der Handel kein flotter. Das Paar Ferkel kam 30 bis 40, auch 5*) Alk. Größere Tiere, bereit Zahl diesmal gering war, wurden entsprechend höher bezahlt.

ke. Frankfurt a. M., 3. Aug. Der heutige Arbeits­pferd e m a r f t war stark besucht. Die Gesamtzufuhr an Pferden betrug 1500 Stück, die durchweg von guter, zum Teil, besonders die schweren Pierde, von vorzüglicher Beichasfenheit waren. Das Geschäft ging flott. Preise wären zufriedenstellend. Ter nächste Hailptmarkt findet am 25. und 26. September statt.

Griginar-DrahttneLdungerr«

Ukberschwemmung und Unwetter.

P I o dj i n g e u , 4. Aug. Ter Neckar st eigtfortgesetzt, doch ist bis jetzt noch keine unmittelbare Gefahr verhandelt.

Schwäbisch-Gemünd, 4. Aug. .Heute nacht ging hier und in der Umgebung ein Wolkenbruch nieder, der stellen­weise sehr großen Schaden anrichtete und an verschiedenen Orten sogar gefährliche Ueberschwemmungen hervorrief. Tie Rems trat über die Ufer und das Wasser stand über 2 Meter hoch in den Straßen. Tie Feuerwehr mußte mehrfach in Tätigkeit treten, um Menschen aus bedrohten Anwesen zu retten. , Der Schaden ist sehr bedeutend; mehrere Brücken wurden weggespüll.

Zürich, 4. Aug. In der Schweiz ist infolge des Wetter­sturzes in dem höheren Gebirge wieder Schnee gefallen, und zahlreiche Bergsteigpartien wurden durch das schlechte Wetter in den Schutzhütten zurückgehalten. In den Greizer Alpen stürzte em junger Berner Kaufmann beim Edelweißpslücken 150 Meter tief ab, so daß er mit zerschmettertem Schädel tot liegen blieb. Vorgestern nachmittag verirrte sich eine Kolonne von fünf Personen am Gotthard. Tabei stürzte bcr~Bankier Blendinger-Hirzel aus Basel ab und war sofort tot. Ein Herr aus Bern wurde mit seiner Frau und zwei Kinder in die Tiefe ge­rissen. Die Frau und das eine Kind sind schwer verletzt, der Herr und das zweite Kind leichter verletzt.

Saragossa, 4. Aug. In einem kleinen Torfe, in der Nähe von H u e s z a sind ungefähr 5 0 Häuser eingestürzt, in die aus einem Seitenkanal des E b r o Wasser eingedrungen war.

*

Sch. Darmstadt, 4. Aug. Die F er i e n kämm er verhandelte heute gegen den Leutnant Freiherrn v. Beuel vom Garde-Jnf.-sRcgt. wegen einer Wechselsorderung von 4300 Mk., die ein Frankfurter Oberkellner gegen ihn an­hängig gemacht hatte. Der Vertreter des Beklagten machte die Einrede der Minderjährigkeit und legte die Ge­burtsurkunde vor. Es wurde daraufhin ein neuer Termin festgesetzt. Der Leutnant hat insgesamt 25000 Marl Wechselschulden ausgenommen und hat sich deswegen nach Südamerika begeben.

Sch. D ar m sta dt, 4. Aug. In Begleitung des russi­schen Kaiserpaares wiro auch die Großfürstin Ser­gius am Großherzaglichen Hofe eintreffen.

Paris, 4. Aug. Die Angestellten der Unter­grundbahn, deren Vertreter vorgestern eine Unterredung mit dem Vorstand der Gesellschaft hatten, hielten heute nacht aber­mals eine Versammlung ab, in der über den Ausstand be­raten wurde. Es kam jedoch zu keiner Entscheidung, und cs ist anzunehmen, daß die Arbeit ausrechterhalten wird.

London, 4. Aug. Tas Exekutiv ko mitee im Schiffsbau­gewerbe hielt heute in C a l i f l e eine Sitzung ab, um zu einem auf der Cli de werft ausgebrochenen Streik Stellung zu nehmen. Es wurde beschlossen, alle Mitglieder der Verbände der Kessel­schmiede und der Schiffszimmerleute am 13. August auszusverren, wenn die Ausständigen nicht morgen zur Arbeit zurückkehren.

K 84/10. (B21/7

Donnerstag den 1. Scptbr. 1910, nachm. 3 Uhr, werden in unterem Amtszimmer die dem Heinrich Abel und Ehefrau geb. Oman zugeschriebenen, nach­stehend verzeichneten Parzellen versteigert:

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Sandkauterweg links hinter den Gärten.

13/50,4 = 213 qm Ho freite daselbst.

Gießen, den 20. Juli 1910.

Großherzogliches Ortsgericht.

Gros.

K 85/10. (BV«

Donnerstag, 15. September 1910, nachm. 3 Uhr werden in unserem Amtszimmer die den Heinrich Himmelreich Eheleuten in Gießen zugeschriebenen, nach­stehend verzeichneten Parzellen versteigert:

Fl. III Nr. 7745/ioo Grabgarten hinter bei Burg, 323 qm.

Fl. III Nr. 7741/ioo Hosreite das, 251 qm (Moltkestr. 4).

Gießen, den 3. August 1910.

Großherzogliches Ortsgericht.

Gros.

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Aliendorf a. d. Lahn, den 3. August 1910.

Die Beerdigung findet Freitag den 5. August, nachm. 3 Uhr, statt.

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Krofdorf, den 1. August 1910.

Der Bürgermeister.

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14 ausgemusterten Hengsten findet Montag den 8. August 1910, nachmittags 2 Uhr, im Reitliauie des Landgestüts Dillenburg statt gegen Barzahlung.

L'sten sind vom Donnerstag den 4. d. MtS. gegen 50 Pig.

-mit Fehlerangabe gegen 1 Mk.) vom Gestütsekretariat zu beziehen. Kal. Gestütdirektion.

Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dass meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter und Grossmutter

Frau Katharina Elisabeths Wagner

geb-

heute nacht 11 Uhr nach langem, schwerem, mit grosser Geduld getragenem Leiden im Alter von 73 Jahren sanft m dem Herrn entschlafen ist.

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Gießen, den 4. August 1910.

Kimmel, Polizei-Wachtmeister.

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