VezugSvretSr monatlich 75 ^„vierteljährlich Mk. 2.20; durch Äbhole- iu Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- fährt, ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokallöPf., auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: 2t. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Feuilleton" und.Vermischtes" K. Neurath; für.Stadt
Nr. 180 Erstes Blatt 160. Jahrgang Donnerstag 4.Angnst!010
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Gießener Anzeye
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für die Redakt,on HL,
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fiiv b:e Sageänummer Rg«aNonrdr«ck und Verlag der vrühl'schen llniv.-Vuch. und Steinöruderci K. Lange, riedaition, Erpedition und Druckerei: Lchulstrahe r. A° eigenteü: H. Beck.
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vom halleyfchen Kometen.
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Aus Manchester (92efo Hampshire) wird gemeldet: 17 Baumwollspinnereien der Amoske Corporation schließen am 26. August bis 12. September ihre Betriebe zwecks Fabrikationsemschrankung. 16000 Arbeiter werden betroffen.
Wie die „Times" aus Konstantinopel meldet, haben Drusen in Hauran zwei Lhristendorfer zerstört und ein Blutbad unter den Einwohnern an- qerichtet. Die Regierung hat Sami Pascha, einen Schule» des Generalobersten Freiherrn von der Goltz-Pascha, mit ■>6 Bataillonen und acht Batterien nach Hauran cnt,andt.
der Wind nid)t ben toönen ÄomeUn.. des
schalten z. 'S. aus ben Fahren 1793, 1803, 1820 in wesentlichem
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Teilen mit' den heutigen Mmsurgebränchen übereinstimmen. Lier Gedenkfeier wurde vom 30. Juli bis 2. August d. Js. durch ein mehrtägiges Fest begangen, au dem sich neben den heutigen Aktiven fast sämtliche lebenden früheren Mitglieder versammel halten und zu dem sich auch die Enkelin eine- „Alten Herrn' aus dem Jahre 1790 und die Tochter eines solchen von 182a an* gefunden hatten. Ten Höhepunkt bildete der feierliche Kommers» in Gegenwart des Rektors der Universität Halle Am nächsten: Tage fand ^ine prächtige plufsahrt durch die Straßen der Stadt Hal^ statt, da drei heutige „Aktive", davon zwa u, getreuen, nach alten Bildan kopierten Pommernkostümen von 1^90 und 1830 und der dritte in modernem Wichs, voranritten. Die Porneroniw hat den Namen Landsmannschaft getreu ihrer Geschichte zah festgehalten und ist heute Mitglied der Deutschen Landsmannschaft. (Koburger L. C.)
— Tie schmerzlose Einspritzung des neuen Ehrlichschen Svvhilispräparates ist jetzt auch rm Magdeburger altstädtischen Krankenhaus und der Landesheuanstalt Uechtsprünge, wo die asten Versuche nut Ehrlich-vata 606 angestellt worden sind, erreicht worden. Bei der ^niektlpn in die Muskeln war die erhebliche Schmerzhaftigkeit ein großer Uebelstand. Mit Einspritzungen in die Venen sind letzt ber Anwendung eines besonderen Verfahrens bisher üba 120 Kranke behandelt worden. Tie Jnjekttonen verlaufen, wenn kern technischer Fehler gemacht wird, völlig reaktionslos und der Kranke fühlt so gut wie nichts. Tie klinischen Erfolge treten an'cheinend oft viel schneller ein. Beispielsweise verlor ein Patient die Wasser- mannsche Reaktion in 40 Stunden.
— Die Werke des K ö n i g s O s k a r v o n Schweden. König Oskars Poetische und belletristische Werke werden demnächst in Form einer Nationalausgabe erscheinen, die airßer den epischen Dichtungen, Balladeru Sonetten und Oden des Königs auch seine weniger bekannten or'amatischen Versuche, sowie seins verschiedenen Uebersetzungen deutscher klassischer Werke, wie Goethes „Tasso" und Haders „Eid" enthalten wird, einer besonderen Abteilung dieser Ausgabe kommen die wisienschaftlichen und rünft- lerischen Essalis, die Tagebuchaufzeichnungen und Reiseskizzen, die noch 'in den letzten Lebensjahren des Königs ergänzt wurden, snr Veröffentlichung. Auch sonstige literarische Erzeugnisie, die König Oskar bei seinen Lebzeiten zurückhielt, dürften nun ans Licht kommen.
werden würden, ist selbstverständlich, und indem die „Libre Parole" darauf hinweist, kann sie nur die öffentliche Meinung in der Billigung eines solchen Vorgehens der französischen Regierung bestärken.
Paris, 3. Aug. Aus Anlaß des für gestern zu erwartenden Besuches des Königs von Spanien beim Präsidenten der Republik schreibt die „Aurore": Der König von Spanien begibt sich mit seiner Gemahlin zu kurzem Besuch nach England und überläßt Canalejas die Sorge, die Beziehungen mit Rom fortzusetzen oder abzubrechen. Die Reise des Königs ift ein Beweis für seine vollständige Uebereinstimmung mit seinem Mnücherpräsi- bentcii. Tas ist alles, was man aus dem Besuch des Königs in Paris schließen kann.
London, 3. Aug. Das spanische Königspaar ist zum Besuch der Pmnzessin von Battenberg auf der Insel Wight eingetroffen.*
kühler Wind— ,, schwänz wegwehen?"
Tie drei folgenden Nächte war dann der Komet wieder von Wolken verdeckt. Am Pstingstmorgen aber (lo, Mm) sahen wir ihn dann wieder in u n v e r h u l l t e r Ma j c ft a t. >^as war ein herrlicher Pfingftmorgen! M der anderen Sette der Umba, rechts von uns, liegt auf einem Felskegel die alte Veioen- stadt M l a l o. Von dort her dröhnte die T r o m mc l und h e t d- nischerSingsang. Tann aber mit einem Male erlchvll links von dem hochgelegenen Christcttdorf Ararat laut und rein in der Schambalasprache: „Lobe den Herrn, den mächtigen König ber Ehren." Ganz aussich heraus hatten die Chriften dieses Lied angestimmt. Bald antwortete das auf einer anderen Hohe gelegene Dorf Sakare: „,Schönfta Herr Jesu, Herrscher von uns allen." Und .nun wurde die heidnische trommel übertönt von den Liedern, die eins nach dem andern zur Ehre Gottes nach dem gestirnten Himmel emporstiegen.
Welch ein Gegensatz! Tort heidnische Furcht vor dem Kometen, hier anbetende Freude über Gottes Wundermacht. ■— Wir sahen dann den Kometen noch öfters, brauchten nicht einmal amzustehen, sondern konnten ihn Bon unseren Betten aus bewundern. Bis er bann die Sanne "miauten fiatte, tm SSeften stand und — snachdern er noch oft des .bends (7—8 Uhr) von nn$ angeschaut war— allmählich in den weiten Himmelsräumen
Ein Missionar schreibt der „Tagl. Rundschau , datiert vom 5 Juli, aus H o h e n f r i e d e b e r g bei Wilhelmstal in T eut fch- Ostafrika: Mit besonderer Spannung grill ich diesesmal zu den Zeitungsnummern, welche mit letzter Poft gekommen waren, um zu sehen, welchen Empfang Europa dem H all e Y sch en K o - meten bereitet und wie letzterer sich eingefuhrt habe. Ta la^ ich nun fast Nummer für Nummer, daß dieser seltene Gast sich sehr wenig liebenswürdig gezeigt und die sehnsu^ttg harrende Menge recht enttäuscht habe. Auch hier in Deut sw- Ostafrika scheinen ihn — soviel ich bis jetzt gehört und habe — nur wenige in seiner Erdnähe gesehen zu haben, -lo. möchte ich Ihnen doch mitteilen, daß wir auf der Missionsstation Hohenfriedeberg sehr vom Glück begünstigt worden sind.
Unsere Station liegt 1400 Meter hoch am Nordostrande von Usamb ara, da, wo 'der Umba sich durch den Wtrg§rano in tiefen Schluchten nach wer Steppe zu Bahn bricht Wahrend sonst unfer Blick durch die uns umgebenden, bis 2400 Meter aufsteigenden Berge gehemmt ist, können mir nach Osten zu, dem Umbatal entlang, bis weit in die Steppe sehen. ____
Mit Spannung erwarteten wir den Kometen, nicht nur wir Weißen, sondern -mch die Schwarzen, die unter dem Einfluß der Mission stehen und durch mündliche Belehrung wie auch durch unsere zwei Zeitungen „Pwam na lara" (Kiswaheli ~ Küste unb Inland) und ,.,Mkoma Mbeli" (Kishambala = Der Erzähler) auf die seltene Erscheinung vorbereitet waren. — Die eifrige Lehrerin unserer deutschen Schule hatte es übernommen, uns zu wecken, falls frer Komet sichtbar wurde. Nacht für Nacht schaut sie aus' Nebel! Nebel! Ta endlich, am Mittwoch,vor
Deutsche Zängersahrten ins Ausland.
J- Berlin, 2. Aug Erst kürzlich hatten die Müteilungen des Vereins für das Deuischium im Ausland über den erfolg- reichen Valauf berichten können, den die Ostseerundfahrr der Berliner Liedertafel zumal in den baltischen Provinzen, Petersburg und Finnland genommen hat. Inzwischen hat dieses Beispiel eine glänzende Nachahmung in der Sängerfahrt gefunden, die ein zweiter großer und angesehener Baliner Männerchor, der Berliner Sängerverein, nach den Niederlanden unternahm. Die beiden großen Konzerte, die der Verein in Amsterdam und im Kurhaus zu Scheveningen vor einem erlesenen Publikum
bei außerordentlich starkem Besuch gab, fanden bet ber musikalisch verwöhnten und kritischen holländischen Gesellschaft eme geradezu enthusiastische Aufnahme. Die ganze maßgebende holländische Presse äußerte sich m begeisterten Kritiken, wie man sie iw Lande ber ruhig und kritisch abwägenden Mynheers sonst wayrlich nicht gewöhntest. Dabei begründen diese Kritiken ihr uneingeschränktes Lob in durchaus sachlicher und ausführlicha Weise Besonders erfreulich ist, daß überall der Takt und die gesellige Liebenswürdigkeit da deutschen Gäste besonders helltönend gefeiert werden. So hat diese Sängerfahrt den doppelten Gewinn gebracht, den zumal in ihren oberen Schichten immer noch für französische Kttltur einseitig eingenommenen niederdeutschen Stammesvettern in Holland die künstlerische Kultur eines deutschen Dilettantenvereins in glänzendem Lichte zu zeigen und gleichzeitig bei ihnen mancherlei
Unruhen in Tidet.
Zur Erklärung der neuesten Unruhen in Tibet veröffentlich n die englischen Zeitungen mehrere Telegramme aus Peking und Indien. In Peking erklärt man danach bie gegenwärtigen Unruhen damit, daß die Tibetaner durchaus die Wiedereinsetzung des vorigen Talai Lama verlangen, der sich noch immer in Darjeeling befindet, wohin er im Frühjahre vor den chinesischen Truppen geflohen ist. Die Chinesen meinen, die Hauptgefahr bestände darin, daß die Tibetaner die beiden britischen Poften in ihrem Lande angreifen könnten, weil sie der Ueber- zeugung seien, daß Großbritannien nicht genügend eingreife,, um die Rückkehr des Talai Lama zu ermöglichen. Diese Auffassung scheint bis zu einem gewissen Grade durch eine Meldung bestätigt zu tverben, welche die „Daily Mail" aus Darjeeling veröffentlicht. Tarin heißt es nämlich, daß der Dalai Lama seine immer wieder anfgeschobene Absicht, nach Peking zu gehen, nunmehr endgültig ausgegeben habe. Anstatt dessen werde er nun leinen Sekretär nach London schicken mit der Aufgabe, den wahren Sachvahalt dort ausführlich klar zu stellen. Auf der anderen Seite wird aus Indien gekabelt, daß es sowohl in offiziellen Kreisen, wie auch unter den Kaufleuten heiße, daß die Tibetaner der britiich-indilchen Regierung außerordentlich dankbar seien für die freundliche Auf nähme, die dem Dalai Lama in Indien gewährt worden sei, als er vor den Chinesen flüchten mußte. Es sei daher vollständig ausgeschlossen, daß die Tibetaner die Absicht hegen konnten, die britischen Agenten anzugreifen. Wenn Schwiengkaten entstanden seien, so seien sie sicher darauf zurückzuführen, daß die Chinesen versuchten, die Tibetaner dafür zu bestrafen, daß diese die chme- fischen Truppen daran hinderten, seinerzeit den Talai Lama gefangen zu nehmen.
zu wecken, falls per Koma iianoar rouiut. ^uu l .ul iw™ sie aus: Nebel! Nebel! Ta endlich, am Mittwoch vor Pfingsten (11. Mai), früh nach 4 Uhr, klopft es an unterem Schlafstubenfenster: „T er Komet ist daV\ Im Nu waren wir in den Kleidern, eilten hinaus vor die Tur und wurden fast überwältigt von der H e r r l i ch k e i t der himmlilchen Enchanung.
Zahlen vermag ich nicht anzugeben, aber wir sahen den strahlenden Kern des Kometen über der Steppe stehen und seinen breiten, bis an den Zenit reichenden Schweif in wunderbarem Glanze. Etwas rechts oben über dem Kern leuchtete der M o r g e n ft e r n in leb toter Helligkeit. Komet und Venus aber waren unirahmt von dem funkelnden Heer ber übrigen Gestirne ' Lange standen wir, Dermalen in den über alle Matzen schonen Anblick. Mernleins merama Töchterchen aber fragte dann etwas besorgt es wehte em |
vir Keife des Königs von Spanien.
Zur Reise des Königs Mfons nach Paris und England • wird uns aus Paris geschrieben:
O Paris, 3. August.
lieber die Zusmntnenkunft in Rambouillet zwischen dem König von Spanien und dem Präsidenten ber Republik sowie über die eingehende Unterhaltung des jungen spanischen Herrschers mit dem Ministerpräsidenten Briand und dem Minister des Aeußern Pichon wird von der republikanischen Presse eine auffällige Zurückhaltung bewahrt. Selbst die sonst so beliebten Kttmbinatio- nen, bei denen der Phantasie oft ein zu großer Spielraum gewahrt wird, fehlen diesmal fast gänzlich. Aber trotzdem wird ohne Eingehen auf Einzelheiten hervorbehoben, daß dieses Zusammentreffen in dem für Spanien kritischen Augenblicke sicherlich eine Bedeutung habe, die man in Rom nicht verkennen dürfe. Worüber aber die Unterhaltung geführt w-urde, welche Möglichkeiten man ins Auge faßte, darüber verlautet in den Zeitungen, die die berufenen Organe des Regimes sind, absolut gar nichts.
Dagegen verhehlen die klerikalen Zeitungen ihren Grimm darüber nicht, daß König Alfons unter den obwaltenden Umständen einen Schritt unternommen hat, der den Anschein erwecken müsse, als suche er an der kirchenseindlichen Republik einen Rückhalt gegen die Empörung seiner frommen katholischen Untertanen. Sie entblöden sich auch nicht, den Vorwurf gegen ihn z-u erheben, er sei der angekündigten Kundgebung der Ultramontanen in Bilbao aus dem Wege gegangen, mache sich also der Feigheit schuldig, indem er alle Folgen des Vorgehens Canalejas, das er doch begünstige, diesen allein tragen lasse. Aber auch diese Auslassungen sind noch verhältnismäßig diskret gehalten.
Vtit wahren „Enthüllungen', bie allerdings in hypothetischer Form gegeben werden, tritt nur die „Libre Parole" hervor. Wir führen die Hauptstellen dieser Ausführungen lieber wörtlich an, um nicht der Verdrehung der Worte bezichtigt zu werden:
„Alfonlo XIII. ist sich völlig des Ernstes der Lage bewußt. Wenn er Spanien verlassen hat, so liegt dem ein sehr gewichtiges politisches Motiv zu Grunde: aber welches? Wir behaupten nüfcit, in der Sage zu sein, es zu enthüllen, wenigstens für den Augenblick nicht, aber wir geben die darüber umlaufenden Gerüchte wieder. Dil- Frechheit des lidaalen Ministers dem Vatikan gegenüber hat bie spanischen Katholiken in hefüge Empörung versetzt und ihre Sympathien für die ältere Linie wieder toad)gerufen. Ter Car- lismus ist ivenigstens im Norden, besonders in Navarra und Biscaya, ber hauptsächliche Nutznießer der antiklerikalen Politik Canalejas. Alfonso XIII. wäre also deshalb nach Frankreich ge- kommen, um von der hiesigen Regierung zu verlangen, die car- listische Organisierung zu lähmen, bereit Sitz Perpignan ist. Man weiß ja, daß Frankreick) bereits einen ähnlichen Tienst der alfou- sistischen Dynastie erwiesen hat. Tic langen Unterhaltungen, die ber König am Dienstag mit Briand und Pichon hatte sollen keinen anderen Gegenstand gehabt haben. Uebrigens fiel Allen, bie Alfonso XIII. zu seihen Gelegenheit hatten, sein , or gen- voll es Gesicht auf. Er hatte die gute Laune verloren, die ihm ehedem nie abhanden kam. Noch etwas: Canalejas hätte Alfonso eingerebet, er folgte, indem er seine Politik billigte, nur der lieb erlief eruitg seiner Vorfahren, der Könige von Frankreich, die stets das Eingreifen Roms in bie Staatsangelegenheiten bekämpft hätten. „ , «
. Nun geht Alfonso XIII. auch nach England: er begibt sich mit seiner Fran dahin, die vierzehn Tage bei ihrer Mutter, der Prinzessin von Battenberg, der Enkelin des polniichen Juden Häuck, zubringen will. Vergessen wir nun nicht, daß ber ganze Skanbal in Spanien wegen der Protestanten hervorgerufen ist, deren Mekka London ist. Aber vielleicht wird diese Nebeneinanderstellung gewisse dunkle Horizonte aufklären.
Daß dem Carlismus, wenn er sich rühren sollte, von Frankreich bie erforderlichen Hindernisse in den Weg gelegt
entschwand. *
— Ein Jubiläum der ältesten studentischen Korporation. Aus Halle wird uns geschrieben: In diesem Jahre begeht die älteste studentische Korporation, die Land sm ann- schast P o m et a n i a in Halle, die Gedenkfeier ihrer Begrutv- dang vor 200 Jahren. Das ganze 18. Jahrhundert hindurch und bis in die Freiheitskriege waren die itudentifchen Vereim- auuaen, die sich nach Landesteilen nannten, LanbEannichaften UI bem Sinne, daß.sie statutengemäß nur Mitglieder aus ihren Provinzen ausnehmen durften, also wirklich .nur aus Pommern, Schlesiern, Sachsen usw. bestanden. Spater ist die Bochrankung aefallen, und es ist der alte Name nur aus ^rabition beibehalten worden, vielfach auch der B. in den Stattüan von 1820 mit bem Wort Landsmannschaft noch abwechselnd und ohne Unterschied gebrauchte Ausdruck Corps angenommen worden. Tie erhaltenen und als wertvolle Reliquien ausbewahrteii Statuten, Komments, Silhouetien, Stamnibücher der Landsmannschaft Po- merania ihre Kartell punkte mit anderen Landsmannichaflen reichen tief in das 18. Jahrhundert hinein. Es zeugt jur die
Vorurteile gerade dem Preußen- und Berlinertum gegenüber zir^ zerstreuen, Vorurteile, die auch in den politischen und wirtichaft-- lieben Beziehungen zweier Länder als Unterströmungen manche hemmende Wirrungen ausüben können, zumal wenn die „Konkurrenz" sich ihrer geschickt und skrupellos zu bedienen weiß.
Oetttdches Resch.
Wie aus Swinemünde gemeldet wird, ließ sichl- Mittwoch früh der Kaiser von Bord der „Hohenzollern"^ zum „Sleipner" übersetzen, der nach Hisfung der Kaiser- 'tandarte und unter dem Salut der Festung! nach Stettin» abfuhr. Das Publikum brachte dem Kaiser lebhafte M- chiedsgrüße dar. Die ,chohenzollern" und die „Stettin"' gingen unmittelbar nach Abfahrt des „Sleipner" naG Kiel in See. Der Kaiser traf um 10 Uhr aus dem „Sleip^ ner" vor der Hakenterrasse in Stettin ein. Er besichtigte: )as Grenadier-Regiment König Friedrich Wilhelm IV. (1. Pommersches Nr. 2). Nach der Kritik setzte sich bee Kaiser an bie Spitze des Regiments und führte dieses zuvü Stadt zurück. Um 12 Uhr machte der Kaiser an der Nord-- spitze der Buggenbagenkirche Halt und ließ hier das Regt-, ment noch einmal in Sektionen vorbeimarschieren. Hier-- nach nahm der Kaiser das Frühstück bei dem OffizierkorpL. des Grenadier-Regiments König Friedrich Wilhelm IV. ein. Um 2 Uhr reiften der Kaiser und Prinz Eitel Friedrichs nach Berlin ab.
Die Kaiserin ist am Mittwoch früh in Berlins eingetroffen und begab sich in das königliche Schloß.
JmReichsamtdesJnnernist unter den Kanzlev- beamten eine Art Revolution ausaebrochen, weil sie für Ueberstundenarbeiten nach ihrer Anficht zu schlecht bezahlt werden sollen, weit niedriger, als früher, und weigern: sich deshalb, solche Arbeiten zu erledigen. Nach^dem Berl. L.-A. liegen infolgedessen Tausende wichtiger Schriftstücke unerledigt da. In Betracht kommen in erster Reihe das Patentamt und bas Reichsversichernngsamt. Eine großes Anzahl der Beamten des Patentamts ist der bewilligte Urlaub infolgedesjen um vierzehn Tage verschoben worden. Jtn Reichsversicherungsamte bessert sich die Lage. Die Mehrzahl der Beamten hat nach und nach,die Ueberstunben- cirbeit wieder ausgenommen.
Die Nachricht der „Neuen Badischen Landeszeitung", daß ber ReichstciZsabgeorbnete Bassermann bei der nächsten Reichstagswahl im 12. badischen Reichs tags Wahlkreise kandidieren werde, wird vom Mannheimer „Generalanzeiger" als aus ber Luft gegriffen bezeichnet.
Aus Hamburg kommt folgende-Nachricht: Nachdenä die Reedereien und ber Verein deutscher Seeschiffswerften die Forderungen ber hiesigen Verwaltungsstelle bes Deutschen Metallarbeiterverbanoes abgelehnt hat, haben die Arbeiter in einer am Mittwoch abenb ob gehaltenen Versammlung mit großer Mehrheit beschlossen, Donnerstag die Arbeit einzustellen.


