Nr. ISA
Zweites Blatt
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160. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
Dre ^Htetzener Lamilienblätter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisbldtt für des Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- kragev" erscheinen monatlich zweimal.
Samstag A. Juli 1910
Rotationsdruck und Vertag der 8rühk*fthen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e«&L Redaktion:^^I12. Tel.-Adr^ AnzeigerGreßen.
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3ur Krage der LchiffalMabgaben.
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2lus stade und Land.
Gießen, 2. Juli 1910.
Was geschieht mit den Brunnen?
Heber all werden Wasserleitungen angelegt, weil dre wach;ende Zahl der Bevölkerung und die allgemeinen Bedürfnisse die-, bedingen. Man hat zu früheren Zeiten bei der Errichtung von Brunnen, die erstmalig, vor Erfindung der Pumpen, alle Schimpf- oder Ziehbrunnen waren,
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" Ordensverleihung. Dem Hofrat an der deutschen Gesandtschaft in Kopenhagen, Dr. Melchior Ranft, ist vom Großherzog von Oldenburg das Ritterkreuz des Verdienst- und Hausordens verliehen worden. Hofrat Dr. Ranft ist auS Beuern gebürtig und ein ehemaliger Schüler des hiesigen Realgymnasiums. Nach vollendetem Schulbesuch studierte er an den Universitäten Marburg, Würzburg, Göttingen und Christiania, wo er sich besonders den nordischen Sprachen widmete. Nachdem er als gründlicher Kenner skandinavischer Verhältnisse wiederholt mit Erfolg schriftstellerisch hervorgetreten war, trat er in den deutschen Konsulatsdienst ein. Nach mehrjähriger Tätigkeit in Norwegen und am Generalkonsulate in Kopenhagen wurde er 1898 nach Prag versetzt, wo er in Gemeinschaft mit dem Freiherrn Edwin v. Seckendorfs das dortige deutsche Konsulat begründete. Während der folgenden acht Jahre hat Dr. Ranft sich bedeutende Verdienste um die Wahrung der Reichs- und nationalen Interessen in Böhmen erworben und es bei energischem Auftreten stets verstanden, durch feinen Takt ein gutes Verhältnis zu den Behörden des Landes und den" maßgebenden slaoischen Kreisen zu bewahren. Besonders ist es Dr. Ranft zu danken, daß zur Zeit der Prager Schreckenstage von 1905 mehrere große deutsche Fabriken starke Polizeibedeckung erhielten und so dec Zerstörung durch die rasenden Pöbelmassen entgingen, daß^dec Gouverneur von Prag Truppen zum Schutz der deutschen Schulen, Turnhallen, des „Kasinos" und des deutschen Theaters zur Verfügung stellte und daß die an Gesundheit und Vermögen durch den Ausstand geschädigten Reichsangehörigen von der österreichischen Regierung volle Genugtuung und Entschädigung erhielten. — 1906 an die deutsche Gesandtschaft in Kopenhagen berufen, wurde Dr. Ranft mit dem Hofratstitel und durch Verleihung deS Roten Adler- Ordens ausgezeichnet und im folgenden Jahre vom König von Dänemark zum „Ritter vom Königlichen Dannebrog" ernannt. Seinem allezeit hilfsbereiten und freundlichen Wesen hat Hosrat Dr. Ranft die große Beliebtheit zu danken, deren er sich in der deutschen Kolonie Kopenhagens zu erfreuen hat.
Bad-Nauheim, 1. Juli. Bis zum 30. Juni sind 5 53 1 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 6635 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 30. Juni 178 873 abgegeben.
- Prämiierte Oberhessen auf der Frankfurter Sportausstellung. Ein großen Preis (goldene Medaille) erhielt der Vogelsberger Höhenklub; eine silberne Medaille A. Konrad-Hungen; bronzene Medaillen: Gg. Zinn-Schlitz, I. Beppler II.-Lan g-GönS, E. Roth- Gießen und Gustav Mandt-Lauterbach; Ehrendiplome; Leonhardt Bauer-Lauterbach und Uhrmacher Scheld-Ulrich- stein; in der Jagdtrophäen - Ausstellung erhielten Preise: Kammerdirektor Müller-Büdingen und K. Borgmann-Alsfeld; in der Ehrenpreis-Ausstellung: H. E. Mül le r-Benecke- Neuhos bei Lang-Göns und die Gießener Ruder- geseUschaft.
.. ** V o in Kolosseum wird uns geschrieben: Danny G urtler veranstaltet Sonntag noch einen Abschiedsabend vor dem Antritt seiner in Stuttgart wegen Beleidigung des Papstes erhaltenen Gefängnisstrafe. Für diesen Abend ist'es gelungen, den Naturphilosophen Karl W a ß m a n n zur Diskussion zu gewinnen. Danny Gürtler wird seine neuesten Schlager bringen. Gleichzeitig treten neue Spezialitäten aus, und ein Besuch dieser letzten Vorstellung im Kolosseum dürste daher sehr zu empfehlen sein. Anschließend findet Ball statt.
— Heuchelheim, 1. Juli. Der weit bekannte Schmiedemeister Jakob Germer II. beging gestern seinen 70. Geburtstag und gleichzeitig sein 50jährigeS Jubiläum als Mitglied des Gesangvereins „Teutonia". Aus diesem Anlaß brachten ihm die Sänger abends ein Ständchen. Germer wurde vor 50 Jahren als Soldat gezogen und ist der älteste Veteran des Kriegeroereins Heuchelheim; er ist auch Mitbegründer der freiwilligen Feuerwehr. Er erfreut ich noch der besten Gesundheit.
rs. Schotten, 30. Juni. Am 15. Juli soll die in
diesem Jahre vorzunehmende Gemeinderatswahl vor ich gehen.
oielsach eine große Kunst aufgemenoet, um diese Brunnen — btc meist im Mittelpunkte der Gemeinde stehen — der Umgebung entsprechend oder noch schöner als diese aus- '.üstatten. So steht rn Münzen berg ein kunstvoller Ziehbrunnen, der heute noch ^mn Teil benutzt wird, auf dem Marktplatz in Nidda steht ein Prachtwerk von einem B-runnen, nicht minder schön ist der Brunnen zu Hof Graß, der Kirchenbrunnen zu Schotten, der Ziehbrunnen zu Merlau. Und ioo solche Brunnendenkmäler sonst noch stehen, sie werden meist außer Gebrauch gesetzt, oct sie entbehrlich sind. Bemerkenswert ist, daß man gerade zwischen Wetterau und Bogelsbera (dem einstigen Buchonien) solche Zierbrunnen1— wenn man sie so nennen will — findet - ein Zeichen, daß dortselbst schon zu frühen Zeiten das Verständnis für Kunst zuhause war. In großen Städten werden jetzt noch Brunnendenkmäler errichtet, die dem praktischen Bedürfnisse, entrückt sind, neben ihrer hauptsächlichen Bestimmung sind diese Brunnendenkmäler das Zeichen der Wirrdigung des Lebenselements: klares Wasser. Was geschieht nun wohl in Zukunft mit unseren Zierbrunnen? Vielfach sind sie entbehrlich, ja z. T. lästig, da sie unnötig Platz versperren. Wenn sie auch unter Denkmalsschutz stehen, es wird ihnen doch nichr die richtige Pflege zuteil'werden können, fte in ihrer ansprechenden „Lebensform" zu erhalten. Zudem ist der sanitäre Gesichtspunkt zu beachten, denn Brunnen, deren Wasser nicht benutzt werden, setzen faulende Stoffe, die für die Gesundheit nachteilig sind, an Auch wird nicht immer darauf geachtet, daß Zuflüsse von außen fern bleiben, so daß wohl die Frage berechtigt erscheint: Mas geschieht mit den Brunnen, die in künstlerischer und ästhetischer Hinsicht Orhaltungswürdig erscheinen?
In der Bundesratssitzung vom 29. Juni ist der Entwurf eines Gesetzes über den Ausbau der deutschen Wasserstraßen und die. Erhebung von ^chiffahrtsabgabcn in der von den Ausschüssen beschlossenen Fassung angenommen worden. Damit ist ein Werk äum vorläufigen Abschluß gelangt, dessen Aufbau unendlichen Schwierigkeiten begegnete und dessen Zustandekommen als ein unbestrittener Sieg Preußens anerkannt werden muß. Seit Jahren schon befinden sich die Jnteressentengruppen im Streit wegen der Schiffahrtsabgaben auf regulierten Flüssen, die der ominöse § 19 des preußischen Wasserstraßengesetzes vom 1. April 1905 eingeführt wissen will, um seinen Millionenaufwendungen für Stromregulierungen ohne einen Pfennig von Entschädigung ein Ziel zu setzen. Jener Paragraph bestimmt, daß „auf den im Interesse der Schifffahrt regulierten Flüssen Schisfahrtsabgabcn zu erheben seien" und zwar „spätestens mit Inbetriebsetzung des Rhein-Weserkanals oder eines Teiles desselben". Er bestimmt weiter, die Abgaben feien so zu bemessen, „daß ihr Ertrag eine angemessene Verzinsung und Tilgung derjenigen Aufwendungen ermöglicht, die der Staat zur Verbesserung oder Vertiefung jedes dieser Flüsse über das natürliche Maß hinaus im Interesse der Schiffahrt gemacht hat". Die größte Schwierigkeit bestand für Preußen darin, die übrigen Bundesstaaten zu der Auffassung zu bekehren, daß der Artikel 54 der Reichsverfassung, der im vierten Msatz vorschreibt: „Auf allen natürlichen Wasserstraßen dürfen Abgaben nur für die Benutzung besonderer Anstalten, die zur Erleichterung des Verkehrs bestimmt sind, erhoben werden. Diese Abgaben, sowie die Abgaben für die Befahrung solcher künstlicher Wasserstraßen, welche Staatseigentum sind, dürfen die zur Unterhaltung und gewöhnlichen .Herstellung erforderlichen Kosten nicht übersteigen", mit der Ausführung des 8 19 des preußischen Kanal- gesetzes nicht im Widerspruch stehen. Gegen einen solchen Versuch erhob sich jedoch ein so entschiedener, von Männern wissenschaftlichen Gewichts und nicht zuletzt vom Reichsjustizamt selbst unterstützter Widerstand, daß die preußische Regierung schließlich den Weg einer Aenderung der Reichsoerfassung betreten mußte. Am 17. Februar 1909 legte sie dem Bundesrat einen Gesetzentwurf vor, der in seinem ersten Paragraphen dem vierten Absatz des Artikels 54 der Reichsverfassung eine Fassung gab, die die „besonderen Anstalten zur Erleichterung des Verkehrs" näher und vollständiger als „solche Werke, Einrichtungen oder sonstige Anstalten, welche den Verkehr wesentlich erleichtern" bestimmte. In einem wetteren Artikel entwickelte der Entwurf sodann den Aufbau der Zweckverbände, in deren Verwaltung den Schiffachrtsbeteiligten erne Mitwirkung eingeräumt werden sollte. Dem Entwurf folgte am 29. November vorigen Jahres eine erläuternde Denkschrift, noer ichou nach zehn Tagen lag ein entrüsteter Protest der sächsischen und badischen Regierungen vor, die mit der ganzen Wucht wirtschaftlicher, staatsrechtlicher und politischer Bedenken den preußischen Abgabenentwurf zu bekämpfen suchte. Als es endlich zur ersten Abstimmung im Bundesrat kam, schlossen sich ihnen Hessen und Reuß an, so daß sich im ganzen 12 Stimmen gegen die Vorlage erhoben. Zwei mehr — und der Entwurf wäre gescheitert, der so mit 46 Stimmen angenommen wurde. Trotzdem zeigte Preutzen noch weiteres Entgegenkommen, um die von den vier Bundesstaaten geäußerten Bedenken zu zerstreuen. Das Ergebnis war erne völlige Umarbeitung der alten Vorlage und ein neuer Entwurf eines „Gesetzes betreffend den Ausbau der deutschen Wafferstraßeu und die. Erhebung von Schifsahrtsaögaüen". Mit der Vorlage dieses neuen Entwurfes war die Versöhnung zwischen den Bundesstaaten angebahnt, die umso wertvoller ist, als die ■ paltung des Auslandes zu den Schifsahrtsabgaben noch sticht feststeht. In Frage kommen hierbei nur Holland und Oesterreich-- ‘ Ungarn, und besonders im letzteren Reich haben sich si'ihrendo 1 Staatsmänner stark gegen die Abgabenerhebung auf der Elbe । engagiert. Es wird also noch schwere Widerstände zu überwinden < geben, doch wird es wohl nicht unmöglich sein, auch dieser Herü < öu werden, und das Werk der Stromverbände zu einem alle Teile t befriedigenden Abschluß zü führen. 1
Vermischtes.
*DieTä4igkeitdes Berliner Jugendgerichtes, ^ke notwendig die Einrichtung besonderer Jugendgerichlshöfe gr- wesen ist, zeigt der in der „Deutschen Juristen?,eilung" veröffentlichte Bericht des Berliner Amtsgerichtsrats Dr. Köhne, bem1 wir folgende Zahlen entnehmen: Im Jahre 1909 wurden von dem Jugendgericht Berlin-Mitte 1753 Angellagte abgeurteüt (gegen 947 im Vorjahr!). Darunter befanden sich 1352 männliche und 401 weibliche Personen. Die Anllagen uerteilcn sich im weieitt- lichen aus folgende Vergehen: Diebstahl 734 Fülle, Mundraub 32 Unterschlagung 150, Betrug 60, Hehlerei 43, Körperverletzung 54, Hausfriedensbruch 20, Beleidigung 21, Bedrohung 6, Übertretung der Straßenpolizeiordnung 158, groben Unfug 144, Gewerbe Unzucht 129, Bettelns 58, Obdachlosigkeit 46. 502 Person^ wurden freigesprochen, darunter 153 wegen mangelnder Einsicht' 877, erhielten einen Verweis, 235 Geldstrafen/ 208 Freiheitsstrafen bis zu 6 Monaten, urtb nur bei 6 Personen überstieg diese die Dauer eines halben Jahres. Bei feder Gerichtssitzung mar ein Vertreter des Vereins zur Besserung der Strafgefangenen anwesend, dem die Mehrzahl der Angeklagten übergeben wurde, imh, der für Arbeit bezw. Aussöhnung mit den Angehörigen sorgte Die Beaufsichtigung hat gezeigt, daß der größte Teil sich dauernd, gut geführt hat. Dr. Köhne hat von privater Seite Mittel) erhalten, aus denen er die ersten Kosten der Unterbringung bestreiten kann, und hebt ausdrücklich hervor, daß die Bereitstellung mäßiger Mittel die Jugendrichter instand setzen würde, die Kosten der Fürsorgeerziehung und des Gefängniswesens erheblich zu vermindern. — Von den im Vorjahr verurteilten 947 Personen sind 42 rückfällig geworden.
Landwirtschaft.
rs. Aus dem Vogelsberg, 1. Juli. Zn Anfang deS vergangenen Monats hatten die Viehzüchter berechtigte Hoffnungen auf eine gute Heuernte und somit auch aus einen weiteren Aufschwung m der Viehzucht. Diese Aussicht ist ihnen jetzt zu rächte geworden. Tas über acht Tage dauernde anhaltende Regenwetter dal das auf den Wiesen liegende Heu fast auf die Hälfte herab- geniindert. Auf den Wiesen liegt die überwiegende Mehrheit des veiles. Dre Preise, die im Anfang der Ernte sehr gedrückt waren, werden infolge der ungünstigen Wendung nicht lange auf der alten niedrigen Hohe bleiben.
-r. Vom südöstlichen Vogelsberg, 1. Juli. Nach-- fahre der Ertrag der für die fast ausschließlich auf die Viehzucht angewiesene Landwirtschaft unseres Bezirkes äußerst wichtigen Wi,esen durchaus ungenügend war, hatte man alle Ur- ache, auf die diesfährige Heuernte große Hoffnungen zu setzen Aber leider hatte man die Ernte nur erst zum Teil geborgen, als ungünstige Witterung eintrat und mit Bangen ficht .her Land- nnrt, wie das in diesen Tagen doppelt kostbare Futter immer mehr verdirbt und unansehnlicher wird. Noch ist kein Anzeichen eines Wttterungsumschlages da, hoffentlich treffen aber die in Bezug auf die Einbringung des Heues allseitig geäußerten Befürchtungen nur A.um Teil ein. Den übrigen Feldfrüchten kam der Regen allerdings gerade recht und man ist auch mit den ErnteMissrchten x- Tm allgemeinen zufrieden, mit Ausnahme der für
die Viehhaltung seyr wichtigen Kartoffeln, die von Anfang an unter ungünstigen Witterungsverhältnissen staiiden, doch kann ffch
/mmerhin noch vieles bessern. Der Roggen z. B. steht dieses Jahr sehr gut, sind doch Halme von 21/2 Meter Länge und ^n Aeckern keine Seltenheit und anscheinend ent- 'pricyt diesem Wachstum au chder Körnerertrag. Der Obsternte wmmt in unserer Gegend keine besondere Bedeutung zu, wenn man auch neuerdings dem Obstbau erhöhte Aufmerksamk-eit zuwendet. Steinobst gibt es dieses Jahr nur wenig, von Anmobst zeigen nur die Apfelbäume hier und da reichsichvi Behang und kann man etwa von einer Mittelernte sprechen: die Birnen find mißraten. Stachelbeeren und Johannisbeeren zeigen geringen Behang, wahrend die Garteneöbbeeren und die Waldbeeren eine ergeben. Das Wild zeigt dieses Jahr eine so zahl- rerche Nachkommenschaft, daß man hier und da schon Ersatzansprüche wegen Wildschaden, geltend gemacht hat.
Nus dem Sirasprozetzausschrch.
:: Berlin, 1. Juli..
Der Ausschuß für die S tr a fpro z e ß 0 rdn u n g setzte heute die Beratung der Beftimmungen über die H a u p t v e r h a n d- lung beim $ 259 fort, der im ersten Absatz bestimmt, daß in der Urteils formet onzugeben ist, welcher strafbaren Haiid- lung der Angellagte schuldig ist und auf welche Strafe erkannt wird Auch eine etwaige Anrechnung der Untersuchungs- baft ift anzugeben. Nach dem zweiten Absatz sind in der Begründung des Urteils die Tatsachen anzugeben, in denen die gesetzlichen Merkmale der strafbaren Handlung gefunden werden und das angewendete Strafgesetz zu bezeichnen. Auch ist anzugeben, weshalb die Untersuchungshaft ganz oder zum Teil nicyt angerechuct ift. Sind von einem Prozeßbeteiligten Um- Itanöe geltend gemacht worden, die die Strafbarkeit der Tat aus- fchließen, vermindern oder erhöhen oder deren Verfolgung aus- fchlietzen, so ist auszusprechen, ob sie erwiesen sind. 'D-er drittg Abfatz verfügt eine Aeußerung über die Frage mildern der Umstande. Dem Ermessen des Gerichts bleibt es überlassen, d^.b Gründe anzugeben, weshalb es eine Tatsache für erwiesen ober nicht für erwiesen hält.
Ein Antrag eines Z e n t r u m s m i t g l i e b e s, der folgenden § 2d9 a forderte: „Auf eine erkannte zeitige Freiheitsstrafe und eine erkannte Geldstrafe ist die erlittene Untersuchungshaft unverkürzt anzurechnen", wurde gegen den Antragsteller und die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Auch ein weiterer Eventualantrag, der ebenfalls die unverkürzte Anrechnung der llnterluchungshaft fordert, sie ober ins Ermessen des Gerichts ft^lt, wenn der Angeklagte sie durch eigenes grobes Verschulden sich zugezogen yot, wurde abgelehnt. Ein sozialdemokratischer Antrag im gleichen Sinne fand ebenfalls keine Mehrheit, r ß blieb unverändert nach der Regierungsvorlage erhalten, ebenso 8 260 von der Freisprechung.
8 261 bandelt von der Verkündung des Urteils. Sie darf nom der Vorlage ausgesetzt werden, doch in der Regel nicht über cme Woche. Ausnahmen sind zulässig. Die Sozialdemokraten wollten Ausnahmen nicht gelten lassen und überhaupt nur zulassen, daß das Urteil höchstens eine Woche ausgesetzt werden darf. Der Paragraph wurde nach der Regierungsvorlage angenommen.
. § 262 trifft nähere Festsetzungen über die äußere Form
des Urteils. Nach der Vorlage soll das Urteil in der Regel binnen drei Tagen nach der Verküittnina zu den Akten gebracht werden. Der Ausschuß verlängerte diese Frist auf eine Woche.
Nächste Sitzung: Samstag.
Lustschisiahrt.
Zur Nordpolexpedition Zeppelins.
Kiel, 30. Juni. Prinz Heinrich von Preußen und der
Don Monaco statteten heute nachmittag dem Dampfer r~- £ r-n— Norddeutschen Lloyd einen längeren Besuch ab. Sie besichttgten die Schiffseinrichtungen und besprachen die Einzel- ^^en der Reise, die am Samstag angetreten wird. Die wiffen- schaMichen Mttglieder her deutschen Zevpelin-Luftschifferpedttivn nadj dem Nordpol haben sich bereits eingeschifft. Graf Zeppelin wird morgen früh hrer erwartet.
Der neue Parseval.
Bitterfeld, 30. Juni. Der neue für München bk- '~ttjlini.f Lenkballon ,,P arfeval" ist heute nachmittag zum erstenmal >zu einer kurzen Probefahrt aufgestiegen. Die Führung hatten Oberingenieur Kiefer und Oberleittnant S t e I - n g. MlAchrende waren Ingenieur Schubert uiid zwei Monteure. Nach 20 Minuten erfolgte die glatte Landung. Sämtliche Organe des Luftschiffes arbeiteten zur Zufriedenheit.
*
Paris, 30. Juni. Die i nt e r n a ti o n a le Luftschifffahrtskonferenz setzte nach sechswöchenilicher Tagung bie Beratung bis zum 27. November aus, ba viele Teilnehmer durch sonstige Verpflichtungen verhindert seien. Die bisherigen Ber- Handlungen lassen einen guten Erfolg erwarten.
?at»e. „Sieh mal, sieh mal, lieber Mann, wie mich die Wellen liebkosen." — „Ja, das glaube ich, das Meerw^isi«r hat immer einen.schlechten Geschmack." (Aus dem Guckkasten.'
* II m schrieben. „Anna, glauben Sie, daß der neue Diener nascht?" — „Ich weiß nicht, aber wenn ich ein.Schinken wäve, möchte ich nicht mit ihm allein sein."
Kleine litte
Auf der Fachausstellung in Stuttgart erzielte die Firma Job. Vaillant in Remscheid für ihre Gas--Böbeöfen und automatischen Heißwasserapparate die höchste Auszeichnung, die goldne Medaille mit Ehrenpreis.
Bei einem Ausflug, den ein Teil bet Befaßung des Linienschiffes „Kirrfürlst Friedrich Wilhelm" vom H<rfen von Stavanger aus machte, stüuzte der Matrose A. Caspar aus Frankfurt von einem 80 Meter hohen Felsen ab und mar sofort tot.
Bei der tteberschwemmnng im Komitat Krassö-Szörönu büßten nach den amtlichen Feststellungen 193 Personen ihr Leben ein; 22 Personen werden noch vermißt. Die Bevölkerunq der vernichteten Ortschaften wird in höher gelegenen Punkten an- gefiedelt
In Varis wurde am 1. Juli, morgens 3 Uhr 50 Min. der ehemalige Schuhmacher L i a b o e u s, der am 1. Januar b einen Polizeiagenten gelötet und brei schwer verletzt hatte, durck ben Schanrichter Taibler hingerichlet. - Ta sich Liaboeuf geweigert batte, ein Begnabigungsgesuch einzilreichen, konnte die Re- gieruiig nicht, wie es sonst ihre Gewohnheit, von dem Begnadigungsrecht Gebrauch machen.


