Ausgabe 
28.7.1910 Zweites Blatt
 
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fttcScnß Sa t f o n=* u n d F e nfl e r s Hm u ck irrare für die Ber- Ischöncrungsvereine ein dankbares Thema. Es soll die Blumen- liebc aber nicht gefördert werden, um damit nach außen hin zu '-prunken, sondern um ihrer selbst willen. Der Wettbewerb, der in einigen Städten zur Pflege der Balkons eingerichtet worden ist, -ist nicht vonnöten und entspricht nicht dem gewollten Zwecke. Wünschenswert ist, daß nicht nur die Verschönerungsvereine, son­dern auch die tzeimatschutzvereine, die Waldschutzvereine, die Tier­schutz- und die Verkehrsvereine, die Kunst- und Gewerbevereine sich der Frage der Verschönerung der Heimat annähmen. Alle diese Vereine müßten sich zusammenschließen und zweckmäßig eine Zentralstelle schaffen, um eine richtige Arbeitsteilung vornehmen zu können. Sie müßte beraten werden von Künstlern und Fach­leuten, die sich gewiß freudig in den Dienst der Allgemeinheit stellen werden. Dann können wir wieder wie einst eine hohe kulturelle Schönheit in deutschen Landen erstehen sehen. (Lebh. Beifall.)

In der Aussprache über den Vortrag wurden Zweifel laut, ob die hohen idealen Ziele des Vortragenden auch in der Wirk­lichkeit durchueführt werden könnten. Von anderer Seite wurde verlangt, daß bereits die Schule den Sinn für Naturschönheiten bet den Kindern wecken müßte. Leider stehe heute die Pflege von Naturmerkwürdigkeiten zu sehr im Vordergründe.

politische Tngcsschnri.

Eine Anzeige wegen Steuerhinterziehung.

Unter dem TitelEine Verleumdung" brachte dieKon­servative Korresp." kürzlich eine Warnung vor einem Ge­rücht, das den konservativen Landtagsabgeordneten Frhrn. v. Richthofen-Mertschütz betraf. Es wurde dabei aus eine Meldung derDeutschen Journalpost" Bezug genommen, die int Zusammenhang mit der Affäre des 'Hauptmanns Grafen Hans v. Pfeil darauf hingewiesen hatte, daß gegen den Freiherrn v. Richthofen-Mertschütz ein Strafverfahren wegen angeblicher großer Steuerhinterziehungen beantragt worden sei. In derKonservativen Korrespondenz" hieß es dann:

Es handelt sich anscheinend um Verleumdungen seitens eines vom Herrn Freiherrn v. Nichthofen entlassenen Wirt­schaft s be a m t e n , gegen den bei der Staatsanwaltschaft in Licgnitz die Untersuchung wegen Untreue und Unterschlagung schwebt. Herr Freiherr v. Richthofen-Mertschütz wird gegen alle diejenigen Blätter, die die obenerwähnte unwahre und verleum­derische Mitteilung veröffenllicheu, unverzüglich Strafanzeige er­statten."

DieJournalpost" veröffentlicht darauf eine auf Aus­sagen des Wirtschaftsinspektors K a r l Kaste n gestützte Auf­stellung der angeblichen Einnahmen und der Steuerdekla­rationen des Landrats a. D. Frhrn. v. N i ch t h o f e n - Mert- schütz, Mitgliedes des Hauses der Abgeordneten. Hierzu ist dieKons. Korr." zu folgender Erklärung ermächtigt:

Die durch viele Zeitungen gehenden Mitteilungen des Wirt­schaftsinspektors Karl Kasten über die Steuerdeklaration und die Einkommensverhältnisse des Landrats a. D. Freiherrn v. Richt- hofcn-Mertschütz, M. d. H. d. Abg., sind falsch.

Herr Freiherr v. Richthofen-Mertschütz hat am Montag vor der Veranlagungskommission des Landkreises Liegnitz auf Grund genauester Buchführung den Beweis erbracht, daß er sein Ein­kommen mit peinlichster Gewissenhaftigkeit deklariert und niemals einen Pfennig an Steuern zu wenig gezahlt hat.

Selbstverständlich wird Herr Freiherr v. RickUhoscn-Mertschütz gegen den Verbreiter der Mitteilungen über seine Einkommens- Verhältnisse die erforderlichen Schritte unternehmen.

Was das von verschiedenen Zeitungen erwähnte Zeugnis an­langt, das vom Freihcrrn v. Richthofen-Mertschütz am 14. De­zember 1909 dem Wirtschaftsinspektor Kasten ausgestellt worden ist, so steht fest, daß dem Kasten in der Tat mehr als sieben Jahre lang vom Freiherrn v. Richthofen-Mertschütz volles Vertrauen geschenkt worden ist. Dieses Zeugnis ist indessen z u r ü ck ge­fordert worden, seitdem gegen den Wirtschaftsbeamten die Unter­suchung hat eingeleitet werden müssen.

*

Deutschfeindliche Stimmen aus den Reichslanden.

DerMessager d'Alsace-Lorraine" veröffentlicht in seiner neuesten Nummer einen äußerst anmaßenden und gehässigen Artikel,Commemoration", der mit den Worten beginnt:

Die Deutschen schicken sich an, in vierzehn Tagen mit jener steifen Feierlichkeit, die ihr Geheimnis ist, die 40. Wiederkehr ihres Sieges zu feiern. Sie haben zu dieser Kundgebung den nach Sprache, Ucbcrlieferung und Sitten französischsten Teil des elsaß- lothringischen (Gebietes ausgeivählt, wo selbst das plumpste Dladi- denken sie verstehen lassen müßte, daß sie alle Enipstndungen der Bevölkerung beleidigen werden. AVer vielleicht ist es gerade dieser Gegensatz, der ihnen gefällt. Wenn sie in eine Gegend kommen, deren Einwohner eine andere Sprache sprechen, betonen sie mit mehr Kraft und Nachdruck das Recht der Eroberung und setzen gewaltsam die Tatsache ins Helle Licht, daß die Annektierten nicht .Brüder" desselben Stammes sind."

Noch eine andere Stelle verdient niedriger gebangt zu werden :

Wahrend Deutschland den Erfolg seiner Waffen feiern wird, werden die Elsaß-Lothringer alle Einzelheiten des Dramas wieder vor Augen sehen, deren Bühne ihr Laiid vor 40 Jahren war. Es ist gut, fiel) zu erinnern und kaltblütig die Ereignisse im Abstand von 40 Jahren zu beurteilen. Elsaß-Lothringen,' das das Lösegeld der Niederlage mar, muß ebenso wie Frankreich den schrecklichen Lehren der Vergangenheit das Ohr leihen. Pente, wo es im Be­griffe steht, sein moralisches Erbteil wieder herzustellen, ziemt es sich, daß es wisse, durch welche Umstände, durch ivelche sträfliche Schwäche einer Dynastie und wagen wir's, es zu sagen einer Nation es einReichsland" geworden ist."

Man siebt, mie vorsichtig man noch in der Beurteilung der reichsländischen Politik zu fein hat!

*

Die rote Flut.

Das Internationale sozialistische Bureau in Brüssel ver­öffentlicht, wie derTägliche Korrespondent" meldet, eine Statistik der sozialistischen Stimmenzahl unter den Stimm­berechtigten der einzelnen Länder. Danach verfügt die Sozial­demokratie in Deutschland über 31/* Millionen bei 60 Millionen Einwohner, Frankreich über 1,1 Mill, bei 42 Mill. Ein- wohner, Oesterreich über 1 Mill, bei 46 Mill. Einwohner, in den Vereinigten Staaten über 0,6 Mill, bei 84 Mill. Ein­wohner, England über 0,5 Mill, bei 34 Mill. Einwohner, Belgien über 0.5 Mill, bei 7 Mill. Einwohner, Italien über 339 000 bei 34 Mill. Einwohner, Finnlad über 337 000 bei 23/4 Mill. Einwohner, Schweiz über 100 000 bei 3,3/4 Mill. Einwohner, Dänemark über 99 000 bei 23/4 Mill. Einwohner, Norwegen über 90000 bei 2^ Mill. Einwohner, Holland über 82 000 bei b1/, Mill. Einwohner, Schweden über 75 000 bei 51/, Mill. Einwohner. Keine Auskünfte hat das Bureau erhalten von Rußland und Australien, ferner keine bestimmten Notizen von den letzten spanischen Wahlen. (Der einzige span. Sozialdemokrat, der gewählt wurde, Iglesias, erhielt über 40 000 Stimmen in Madrid). In Serbien wurden von den Sozialdemokraten bei den letzten Wahl?» 30 000 Stimmen, in Bulgarien 3000, in Argentinien 5000 gezählt. Auch in Japan macht sich eine sozialistische Bewegung geltend; aber Steuerbestimm­ungen und andere (Wahlrechts-)Einschränttmgen hindern vor­läufig die Entwicklung; dasselbe trifft für Rumänien und noch verschiedene andere Länder zu. Nach der Rechnung hätte Detitschland, nicht nur absolut genommen, die meisten Sozialdemokraten.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 28. Juli 1910.

* Forst Personalien. Die Forstwartaspiranten Phil. Kirschner aus Roßdorf und Ferd. Lohfink aus Bingen­heim wurden zu Forstwarten der Forstwarteien Thomashütte und Alsfeld ernannt.

* * Lehrerpersonalien. Ernannt wurde der Schul- verwalter Emil Wolf zu Worms zum Lehrer an der Vor­schule der Oberrealschule zu Worms unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer.

* * Den Nachweis der Befähigung zur Ueber- uahme eines Kirchenamts haben erbracht die katholischen Geistlichen Karl Neundörfer aus Wöllstein und Hch. Weber aus Eppertshausen.

* * Das Patent als Geometer 2. Klasse erhielten für den Kreis Gießen Otto Müller aus Hungen und Karl Schäfer aus Bettenhausen.

** Zinsscheine als Zahlungsmittel. Mau schreibt uns aus unserem Leserkreise: Im allgemeinen In­teresse möchte ich Sie auf einen Uebelstand aufmerksam machen, der in letzter Zeit leider sehr zugenommen hat, nämlich das vorzeitige Abschneiden von Zins- scheinen (sog. Kuvons) seitens der Besitzer von Wert­papieren und ihre Ausgabe in Zahlung. Jetzt im Juli sind mir von verschiedenen Geschäftsinhabern hier Kupons gezeigt worden, die erst in 3, 4 und 5 Monaten (bis 1. Januar 1911) fällig werden und trotzdem haben diese Leute die Kupons genommen aus Besorgnis, einen Kunden zu verlieren. Da fällige Kupons schon an und für sich ungeeignete Zahlungsmittel sind, weit tut Augenblick oft gar nicht der wirkliche Wert festgestellt werden kann (das Wertpapier könnte ja inzwischen ausgelost ober notleidend sein), so sind nicht fällige Kupons geradezu minder­wertig und sollten nur unter Vorbehalt der Nichtigkeit und auch nur dann in Zahlung genommen werden, wenn sie spätestens in 14 Tagen zahlbar sind. In jedem Falle sollte aber der Namen des Vordermannes sowie Datum des Empfanges darauf geschrieben werden.

* * Von öen neuen 25-Psennig-Stücken, die sich bekanntlich im Publikum feiner besonderen Sympathie er- reuen, werden in diesem Jahre für 2 709 500 Mk. neu aus­geprägt. Daß auch die Geschäftswelt sich mit den neuen Geldstücken wenig befreundet hat, geht u. a. daraus hervor, daß bei einzelnen Stellen der Neichsbank die 25-Pfennig- Stücke keine Abnehmer finden, diese vielmehr im Tresor un­berührt liegen bleiben. An Kupfergeld werden in diesem Jahre zum ersten Male wieder nach längerer Pause Zwei­pfennigstücke neu ausgeprägt, und zwar im Gesamtbeträge von 108 300 Mk.

** Der Verband Mittelrheinischer Volks­bildungsvereine gedenkt seine Hauptversamm­lung am 20. und 21. August in dem reizend gelegenen, durch seine Stahl- und Moorbäder bekannten Badestädtchen L a n g e n s ch w a lb a ch abzuhalten. ImRussischen Hof" daselbst wird am 2. Bersammlungstage nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten Professor Nover- Mainz einen Vortrag überVolksbildung" halten. Da ja >er Zutritt zu den Verhandlungen jedermann frei steht, o ist zu hoffen, daß der Besuch recht zahlreich wird. Viele dürfte auch noch der Umstand anziehen, daß sich mit dem Besuch der Versammlung eine Fußwanderung durch den Taunus oder an den Rhein recht bequem in Verbindung bringen läßt. Auch Lang en schwalb ach selbst wird seine An- ziehungskraft iricht verfehlen, zumal unter fachkundiger Füh­rung eine Besichtigung des Kurhauses, der Kuranlagen owie der Umgebung des Städtchens vorgesehen ist. An­meldungen zum Besuch der Hauptversammlung erbittet der dortige Volksbildungsverein an seinen Vorsitzenden W. Becht bis zum 15. August.

** Studen tinn enh eim. Wir werden um Aus­nahme der folgenden Notiz gebeten: Vor Schluß des Sommersemesters werden die studierenden Frauen, die nach Berlin zu gehen beabsichtigen, auf das Studentinnenheim in Berlin NW., Siegmundshof 6, aufmerksam gemacht. Das Heim ist kein geschäftliches Unternehmen; es ist, dank der Mithilfe weiterer Kreise, ins Leben gerufen worden lediglich im Interesse der Studentinnen selbst. Aufnahme finden die an den Hochschulen Berlins und Charlottenburgs ein­geschriebenen Frauen. (Legitimationspapiere erforderlich.) Der Pensionspreis ist vorauszuzahlen und wird von 85 Mk. an monatlich berechnet. Am Mittagstisch tonnen auch außer­halb des Heims wohnende Studentinnen teilnehmen. Meldungen sind schriftlich zu richten an Frau Dr. Proelß, Berlin W., Gossowstr. 4 oder an Frau v. Pfaff, Exzellenz, Berlin W., Ausburger Straße 30.

** Hundeausstellung in Friedberg. Man chreibt uns: Die in Friedberg vomVerein der Hunde­freunde Wetterau" abgehaltene Kreisschau für Hunde aller Rassen war außerordentlich gut besucht. Das zahlreich aus­gestellte Material (es waren über 150 Hunde gemeldet) war größtenteils recht gut. Auch Gießen war dabei wieder erfolgreich vertreten. Die Boxer des Herrn Krämer er­hielten verschiedene erste Preise in beiden Klassen; die auch bei der Polizeihundprüfung ausgezeichnete Dobermann- Hündin des Herrn Klös konnte in offener Klasse den 2., in der Jugeirdklasse den 1. Preis behaupten. Der deutsche Schäferhund Prinz von Starkenburg (Bes. Apoth. Eck er lin) wurde in der offenen und begrenzten Klasse mit je einem ersten und Ehrenpreis ausgezeichnet.

)-( Ruppertenrod, 27. Juli. Unsere K i r ch e wird in diesem Jahre zweihundert Jahre alt. Sie wurde im Jahre 1710 im einfachen Renaissancestil erbaut. Mitten int Dorfe auf dem Straßenkreuz stehend, das von den zwei Hauptstraßen Gicßen-Lauterbach und Gießen-Alsfeld gebildet wird, zeichnet sie sich durch ihren eigenartigen, schönen, acht­eckigen Turm aus, der in diesem Stil kaum noch bei einer anderen Dorflirche Oberhessens vorkommt. Bei dem großen Brand des Jahres 1884 schwebte sie, da der Feuerherd in ihrer nächsten Nähe sich befand, in höchster Gefahr. Nur den großen Anstrengungen der Löschmannschaften gelang es, das Feuer von ihr abzuhalten. Im Jahre 1892 erhielt die Kirche an Stelle der zwei alten Glocken, von denen eine zersprungen war, ein neues Dreiglockengeläute.

L. Bad-Nauheim, 27. Juli. Mit dem 1. August verschwindet ein Stück Alt-Nauheim von der Bild- läche. Die seit uralten Zeiten bestehende Salin en werk­ln e i st e r w o h n u n g wird an diesem Tage geräumt und dann abgerissen werden; verschwinden werden auch die daran grenzenden früheren Gewächshäuser und zuletzt die sogen. Trinkhalle, um der neuen, großen Trinkkuranlage Platz zu machen. Unserer Einwohnerschaft wurde eine lieber- raschung zuteil. Die hiesigen Metzger gäben einstimmig bekannt, daß Ochsen- und Rindfleisch 5 Pfg. mehr denn seither kosten, 90 bezw. 85 Pfg. Die Bäcker-Innung hat dagegen einen Preisabschlag eintreten lassen.

? G.ar henhe lm, §5. Juli. Nach nahezu zto?nähriger Bauzeit steht nunmehr unsere neue Schule vollendet da und soll anfangs August ihrer Bestimmung übergeben werden. Sie ist für zwei Klaffen und zwei Lehrerwohnungen eingerichtet uni) hat Gas- und Wasserleitung. Es ist die erste Schule des Kreises Wetzlar, die eine vollständige Badeeinrichtung besitzt, in der auch Dampfbäder verabreicht werden können. Infolge der steten Zunahme der Bevölkerung wird auch die bisherige, noch ziemlich neue Schule weiter ihren Zweck erfüllen.

(!) Königsberg, 25. Juli. Während unsere Höhen schon seit Jahren eine vorzügliche Wasserversorgung für Rodheim und Bieber abgeben, konnte jetzt erst für unser Städtchen die Wasser­frage gelöst werden. Tie Ouellen liegen in der Nähe. Kreis­baumeister Achenbach-Biedenkopf hat das Projekt ausgearbeitet, während die Erdarbeiten durch einheimische Arbeiter besorgt wurden. In Hohensolms, dem höchstgelegenen Torf des Kreises Wetzlar, ist dagegen die Wasserfrage noch nicht gelöst.

)( Marburg, 27. Juli. TieArminia", die älteste Burschenschaft Marburgs, die im Jahre 1860 aus schon seit 1818 bestehenden studentischen Vereinigungen sich bildete, begeht ihr 50jähriges Stiftungsfest und zugleich auch die Einweihung ^des im Arminiagarten gm Wehrdaer Weg erbauten neuen Vereinshauses. Den Glanz­punkt der Veranstaltungen, die am Montag ihren Anfang nahmen, bildere der Festzug, der sich heute abend durch die Stadt bewegt. Berittene Arminen bildeten die Spitze, in 6 Wagen saßen je 4 der ältesten Semester, meistens weißhaarige Greise und dann folgten Hunderte buntbemützter alter Herren, denen sich die Aktiven anschlossen. Für Ende nächster Woche steht noch ein größeres Stiftungsfest, das 85jährige Bestehen des KorpsTeutonia" in Aussicht.

Landwirtschaft.

-a. Aus dem Vogelsberg, 27. Juli. Daß die Bienen mitten im Sommer gefüttert werden müssen, unb daß sogar Völker, wie Schwärme, aus Nahrungsmangel verenden das ist eine Erscheinung, wie sie während eines Menschenalters nur selten vor­kommt. Wenn es allerdings zwei Monate hindurch wie gegen­wärtig jeden Tag mit weniger Unterbrechung regnet, bann wird ein solches Vorkommnis erklärlich. Schon der diesjährige Früh­ling hemmte die Bienen in ihrer Entwickelung, so daß es wenige, auf manchen Ständen gar keine Schwärme gab. Erst im Juli, also zu spät, fielen Schwärme. Diesen jungen Völkern war nun jeber Ausflug unmöglich; sie mußten da, wo keine Fütterung geschah, elendiglich zu Grunde gehen. Das ist in der Tat häufig genug vorgekommen. Aber auch alte Völker, die schwach oder die man beim Schleudern etwas hart gefaßt, besuchen sich in Nahrungs­mangel. Es muß deshalb jetzt im Sommer zur Darreichung von Futter geschritten werden. Hierfür gibt es kein besseres und billigeres als den Fruchtzucker, wie ihn Gürttler in Frankfurt a. M. herstellt. Als jahrelanger Imker haben wir die besten Erfolge damit zu verzeichnen. Er ist nicht nur billiger als gewöhnlicher Zucker, sondern auch müheloser in seiner Verabreichung und der beste Ersatz für echten Bienenhonig.

Berlin, 27. Juli Die Landwirtschaftsverbände der Rhein Provinz und Westfalen sowie in Hannover haben beschlossen, in Verbindung mit der westfälischen Zentral- genossenschaft tu Weilmünster, dem westfälischen Bauernverein unb der Berliner Zentrale für Viehverwertung in Essen in der Form einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung eine Viehverkauss- Itelle einzurichten.

Die«Getreideernte-Aussichten in Frank­reich werden, so schreibt man uns aus Paris, jetzt etwas weniger ungünstig geschildert als vor einigen Tagen, da der ewige Regeii nachzulassen scheint. Indessen bleibt die Temperatur trotzdem so ungewöhnlich niedrig, daß das Reifen besonders in den nördlichen Gegenden fast gar keine Fortschritte macht. Jedenfalls siiid die Getreide- und damit auch die Brotpreise in Paris be­reits empfindlich in die Höhe gegangen, was zu heftigen Klagen der ärmeren Bevölkerung Anlaß gibt. Tie Aussicht auf Futter- not veranlaßt weiterhin zahlreiche Züchter zu großen Ver­käufen, die den Preis des Schlachtviehs für den Augenblick zwar herabdrücken, aber eine F1 eischnot für die kommenden Zeiten erwarten lassen. Besonders empfindlich wirkt der Ausfall in der Obsternte in der Umgegend von Paris, wo taum der dritte Teil eines Normaljahres eingeheimst werden konnte.

wandern und Reisen.

** Fefte Rund'r ei se ka rte n z u ermäßigten P r e i s e n B a d e n S ch w a r z w a l d S ch w e i z. Reisende, die mit einer Reise nach der Schweiz aüch einen Besuch des Schwarzwaldes verbinden wollen, dürste es interessieren, daß zu diesem Zweck von badischen Stationen feste Rundfahrkarten zu ermäßigten Preisen ausgegebeu werden. Z. B. beträgt der Fahr­preis für eine Rundxeise von Heidelberg über Basel nach dem Berner Oberland und zurück über Luzern Zürich! und die Schwarz­waldbahn II. Klasse 47,70 Mark, III. Klasse 31 Mark für alle Züge und 60 Tage gültig. Fahrtunterbrechung ist beliebig oft gestattet. Ermäßigte Rundfahrten bestehen u. a. auch nach dem Vierwaldstättersee, nach der Ostschweiz und dem Engadin (einschl. Bodensee). Ein Verzeichnis der badisch-schweizerischen Rundreisen ist durch die amtliche Auskunftsstelle der Großh. Badischen Staats­eisenbahnen im Internationalen öffentlichen Verkehrsbureau in Berlin, Unter den Linden 14, kostenlos erhältlich. Durch die gleiche Stelle sind ab 29. d. M. auch ausführliche Fahrpläne mit Preisangaben für die am 13. August von Berlin, Halle, Hamburg und Bremen abgehenden badischen Ferienzüge nach Basel, Schaffhausen und Konstanz zu beziehen.

vermischtes.

* Noch ein Märtyrer der X-Strahlen. Erst vor toenigen Tagen ist in London Dr. Cox als ein Opfer der X-Strahlen nach langem, qualvollem Leiden dahingerafft worden: nun wird aus Philadelphia berichtet, daß auch die amerikanische Wissen­schaft in kurzer Zeit den Verlust eines eifrigen Forschers wird beklagen müssen: im Jefferson-Hospital liegt Dr. Mihran K Kassabran tm Sterben. Er war einer der ersten Gelehrten, die in Amerika die Erforschung der gefährlichen X-Strahlen be­gannen, und wie Dr. Cox stirbt auch er an den Folgen her geheimnisvollen .Strahlenvergiftung. Ter heroische Gelehrte hat seine Leiden mit der größten Sorgfalt verheimlicht und erst jetzt wird der Ursprung und die Tragweite seiner Erkrankung bekannt. Die Aerzte geben zu, daß es sich um eine Art Hautkrebs handelt, der durch die Verbrennung der Haut durch X-Strahlen entstanden ist. Bereits im vergangenen Jahre hatte das unaufhaltsame Leiden bedrohliche Fortschritte gemacht, der ganze linke Arm war in Mitleidenschaft gezogen, die Drüsen hatten sich erweitert, unb man schritt zu einer Operation. Der Chirurgieprofessor an dem Jefferson Medical College entfernte die Drüsen, aber die Wunden heilten nicht, und der Zustand wurde immer schlunmer. Man wußte bald darauf zu einer zweiten Operation Zuflucht nehmen. Alle größeren Muskeln der linfcn Brustseite wurden vor etwa 4 Mo­naten durch diesen neuen chirurgischen Eingriff entfernt. Aber die Erhoffte Erleichterung ist ausgeblieben, alle Mittel der Wissen­schaft, das liebet zu bekämpfen, waren fruchtlos. Die Aerzte neben jetzt zu, daß feine Hoffnung mehr bleibt und daß Dr. KassabiaTt als ein zweites Opfer der X-Strahlen nur durch den Tod binnen kurzem Erlösung von seinen mannhaft erduldeten Qualen finden kann.

* Ein Pferdemuseum soll, wie uns aus Paris berichtet wird, in dem schönen Schlosse von Saumur, das von einem ziemlich steilen Felsen die ganze Stadt be­herrscht, neben der berühmten Kavaklerie-Schule eingerich­tet werden. Das Komitee ist bereits gebildet und zählt neben dem Senator Gervais und dem Abg. Etietine meh­rere hohe Offiziere und Rennstallbesitzer zu seinen Mit­gliedern. In diesem eigenartigen Museum soll alles, was