Ausgabe 
23.11.1910 Erstes Blatt
 
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Diese waren aber unzureichend'. Erster Staat-anwalk: Vie war es mit den Revolvern? Zeuge: Der frühere Lagerverwalter war bei den Unruhen vor 4 Jal-ren so bedrängt worden, daß er ohne Revolver ein toter Marrn. gewesen wäre. Da wurden die Revolver von und angeschafst.

R.-A. Deine: Glauben Sie, daß die Arbeiter mit 43 Pfg. pro Stunde auskommen können? Zeuge: Das glaube ich nicht, aber das ist mein persönlicher Standpunkt und als An­gestellter einer Firma darf ich nicht höhere Löhne zahlen, als die Firma vertragen kann. R.-A. Deine: Sie sprachen aber von einer Machtprobe. Vielleicht handelt es sich lediglich um ein einfaches wirtschaftliches Bedürfnis? Zeuge: Das glaube ich nicht. Die Leute muhten wissen, daß es genügend Arbeitswillige gab. Die Leute hatten auch bei uns bessere Arbeitsbedingungen als anderswo. .Die Vermittlung des Oberbürgermeisters hatten wir abgelehnt, weil verlangt wurde, daß wir uns vorher dem Schiedsspruch unterwerfen. Die Verteidiger beantragen hieraus, den Oberbürgermeister Kürschner, den Magistratsrat v. Schultz und den Professor Franke von der Sozialen Praxis als Zeugen, bezw. Sachverständige zu laden.

Der Gerichtshof febt den Beschlug hierüber aus.

Lagerverwalter M u s ch e von der Firma Kupfer & Co. hat, nachdem der Streik auSgebrochen war, zusammen mit dem Platz- anweiser und dem Inspektor einen Wagen verladen und wollte ihn nach der Dunkerstrahe bringen. Sie wurden unterwegs an­gegriffen und erbaten polizeilichen Schutz. Es wurden ihnen zwei Schutzleute mitgegeben, die aber nicht genügten, so daß sie das nächste Polizeirevier antelephonierten, das ihnen zwei berittene Schutzleute zur Verfügung stellte. Der Wagen wurde abgeladen und sie gelangten dann wieder auf dem Kohlenplatze an. Dag die Arbeitswilligen Angriffe auf die Streikenden gemacht hätten, glaubt der Zeuge nicht; die Leute waren fleißig und arbeitswillig.

Bors.: Sind Sie auf dem Wege von und nach Ihrer Woh­nung belästigt worden? Zeuge: 9tein. das konnte ich auch nicht, denn ich bin während der ganzen Zeit der Unruhen nicht nach Dause gekommen.

Vors.: Dat Ihre Frau Unannehmlichkeiten gehabt? Zeuge: Ja, u. a. beim Bäcker.

Der Zeuge Arbeiter Kühne gehörte zu den Streikenden. Er hat in der Vorunteriuchung erklärt, daß er sich dem Streik an» sch liegen mußte, weil er sonst Prügel erwartet hatte. Deute nimmt er diese Auslage zurück und erklärt, er hatte die Prügel nicht von den Streikenden, sondern vom Publikum befürchtet.

Es wird hierauf nochmals der Zeuge B u s ch m e i e r aus- gerufen. Bert. R.-A. E o h n : Kommerzienrat Stinnes war berechtigt, englische Kohlen außerhalb des Syndikats nach Berlin zu bringen. Vors.: Was sollen diese Auseinandersetzungen. Pert.: Ich komme gleich darauf. Die Firma, hinter der Derr Stinnes steht, nimmt das Recht in Anspruch, mit ihren Kunden zu verhandeln. Sie spricht aber ihren Arbeitern dasselbe Recht ab, wenn diese sich bemühen, ihre Werte, das ist ihre Arbeits­kraft, zu einem höheren Preise zu verkaufen. Der Zeuge Busch- m eier erklärt, dag die Firma wohl gcw.lit gewesen sei, mit ihren Arbeitern zu verhandeln, allerdings nicht mit dem Verbände. Den eigenen Arbeitern hätte man leicht tlar machen können, daß die Verhältnisse des Betriebes es unmöglich machten, gegenwärtig eine Lohnerhöhung zu bewilligen; gegenüber Fernstehenden sei das nicht möglich.

Rach weiteren unwesentlichen .Vernehmungen wird die Ver­handlung auf morgen vertagt.

Kleine TageSchronlk.

In Düsseldorf wurde der seit vier Wochen flüchtige Kassierer der Spar- und Kreditbank in Kupferdrei), Becker, der über 60000 Mk. unterschlagen hatte, verhaftet.

In Florenz wurden die Marmorsäulen au der Fassade des Doms mit grüner Anilinfarbe be­strichen, ebenso wurde in das Weihbecken Farbe geschüttet. Einige Säulen der Fassadenballustrade wurden durch Ham­merschläge zerstört.

Auf dem gestern in Marseille angenommenen Dampfer Gertrud Wörman n" brach heute morgen Feuer aus, dessen Löschung mehrere Stunden in Anspruch nahm. Niemand wurde verletzt.

In dem Eismeere längs der ganzen Murman-Küste der Halbinsel Kola wüteten in den letzten Tagen furchtbare Schnee- stürme; ein großer Dampfer, sowie acht kleinere Fahr­zeuge sind gescheitert; die Zahl der Toten beträgt un­gefähr hundert. Viele Leichen wurden bereits an Land getrieben.

Handel.

Tie Betriebseinnahmen der preußisch- hessischen Staatsei sen bahnen beirngen im Monat Oktober gegenüber Dem gleichen Monat des Voriahies im 'Vertonen* veikehr 3,2 Millionen Mark gleich 6/>l Prozent, im Güterverkehr IV,7 Millionen Mark gleich 8,89 Prozent mehr, insgesamt nach Abzug einer gekmgen Mindereinnahme nud sonstigen Onellen 13,8 Millionen "Mark gleich 7,62 Prozent mehr. Die Zahl Der Sonn- und Werktage war ui beiden Jahren gleich. Bei dem Vergleiche mit dem Vorjahre darf müjt außer Betracht bleiben, daß die Ver- tehrsstergerung m den einzelnen Atonalen des Vorjahres eine in sich wenig gleichmäßige war. Während der ersten sieben IHoimie des Vorjahres war eine Mehreiimahme von 47,3 Millionen Mark, also von 6,8 Millionen Mark monaUlcv, ober durchschnittlich 14,4 Mil­lionen 'Mark zu verzelchuen. Selbst bei gleich günstiger Fort­entwickelung des Erwerbslebens werden daher die letzten iiinf 'Mo­nate des lau'enden Etatsjahres schiverlich ähnliche Meyreinnahluen billigen können wie der Oktober dieses Jahres.

Aulincher wawtuenu/L

Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen.

Verlaut der Witterung feit gestern trüb: lieber Rordosteuropa hat sich ein ausgedehntes, starkes Hochdruckgebiet entwickelt. Jn- lolgedessen wehen m Ostdeutschland bereits allgemein östliche Winde, Die langsam Abkühlung und Frost bringen. Auch in unserem Ge­biet ist das Wetter trocken geivorden, doch wehen vorläufig luegen eines flachen, an der Elbe liegenden Teilwirbels noch Südwest- ivinde.

WetterauSüchten in Hessen am Donnerstag, 24. Noobr. 1910: Oestliche Winde, trocken, kälter, leichter Frost.

Schlieeberlcht: Hochwaldhaujen Schnee 30 cm, Frost, Schibahn gut; Westerwald Schnee 2u cm, Frost, Schwalm gut; Feldberg Schnee cm, 8 Gr^ Schibahn gut; Hoherodskops Schnee em, Frost. Schibahn sehr gut.

Gießen, den 23. November 1910.

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Gießen, den 23. November 1910.

6416

Danksagung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden meines lieben ManneS, unseres guten Baiers jagen rote aus diesem Wege tiefgefühl­testen Tank.

Im Namen der tieftcauernden Hinterbliebenen:

Frau Pauline Strauß nebst Kinder.

Danksagung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem mich so schwer betroffenen Verluste meiner heben Gaum

Frau Sophie Pfeil, geb. Mohr

für die zahlreichen Blumenspenden, sowie die liebevolle Pflege der ev. Schwestern, sagen wir unseren herzlichsten Danr.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Louis Pfeil. Schreinermeisrer.

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Die Ruhestörungen in England.

London, 23. Nov. In dem Tijrrikt von Aberd ar; ereigneten sich gestern abend weitere Ausschreitungen. Tie Streikenden griffen in Aberarnan die Häuser der Bergwerks­beamten an und schlugen d i e Schaufenster ein, so daß sie die Polizei audemanbertreiben mutzte.

Die w derspenstigen Frauenrechtlerinnen.

London, 23. Nov. Im Lause des gestrigen abends warfen; Anhängerinnen des Frauenstimmrechts bei den Ministern Grey, Ehurck;ill, Darsourt und Burns die Fenster ein, Im ganzenj wurden gestern 156 Demonstrantinnen verhastet.

Tie Unruhen in Mexiko.

London, 23. Nov. Zu den Unruhen in Mexiko wird ans Newyork aemeldet: Tie ZahlderOpfer inTor- r e o v , wo etwa 1000 mit modernen G-wehren ausgerüstete Nevoi lutionäre mehrere Stunden lang einen Hagel von Schusseir ab«* ieuerten, ist sehr g^. Viele Arbeiter sollen mit den Revo­lutionären gemeinsame Sache machen. Die Offiziere sind tyrep Soldaten nicht sicher, da ein großer Teil aus Verbrechern besteht,' die statt ins Gesängnis ins Heer gesteckt worden sind. Ein Zug mit Soldaten traf mittags in Parral ein und vertrieb die Revolutionäre, von denen acht getötet wurden und befestigte strategisch wichtige Punkte.

S. Offenbach, 23. Nov. (XcQ Eine stark besuchte Ver­sammlung des hiesigen Tetailli st en Vereins besck-äftigtck sich gestern abend mit der Stellung der hiesigen Handels­kammer zur Frage der Besteuerung der Warenhäuser und F i l i a l g e s cl) ä f t e. Die hiesige Handelskammer hat int Gegensatz zu den übrigen hessischen Handelskammern eine solche Besteuerung nicht besürwortet. Diese Stellungnahme soll in erster üinie dem Syndikus Schloßmacher zuzuschreiben sein, der zugleich Syndikus des süddeutschen Großdetailliften-Verbandes und Werber für den deutschen Tetalllistenbund sei. Nach dem Bericht des Vonitzenden des hessischen Detaillistenverbandes, Kalb fuß, Darmstadt, hat der Landtagsabgeordnete v. Brentano erhärt, daß die Erste Kammer keine Veranlassung habe, von dem Be­schlüsse der Zweiten Kammer abzugehen, die bekanntlich eine Be­steuerung Iber Warenhäuser und Füialgeschäste entsprechend einem. Anträge des Abg. M o l t h a n beschlossen habe. Einstimmig wurde eine scharse Entschließung angenommen, in der die Ver­sammlung ihr lebhaftes Bedauern über die Stellung der Handels­kammer und chr schärfstes Mißtrauen gegen Schloßmacher aus- sprach, der nicht mehr das allgemeine Verrrauen genieße und bei feiner Stellung zu den genannten Großverbänden sein Amt als Syndikus der Handelskammer weiter zu bekleiden.

Paris, 23. Der ehemalige Finanz- und Han- delsminister I. Magnin ist im Alter von 86 Jahren ge- storben.

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