Nr. 122
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Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntag-.
Die „Siehener Zamklienblätter" werden dem „Anzeiger* viermal wöchentlich beigeleqt. das „Kreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Zeil- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Ministerpräsident Dr. v. Bethmann Hollweg:
«Ter Herr Abg. v. Heydebrand hat im Lause ferner Ausführungen bemerkt, seine Freunde hätten nicht erwarten, tonnen, daß die Staatsregierung im Herrenhause aus die ^rrttetungs- frage so entscheidendes Gelaicht legen wurde Er hat s uh zum Beweise dafür auf meine Erklärungen fiter m dreiem Hoheit Hause berufen. Ich möchte, damit keine Mißverständnisse für bie, Zukunft entstehen, hervorfieben, daß ich fiter im Abgeordnetenhause in der dritten Lesung erklärt habe, die Königliche ^taatsregierung sei bereit, sich mit dem Prinzip der uibiretten gefieimeit Wahl abzu- fiichen, da dieses Prinzip aus,den Beschlüssen des,hohen Hauses hervorgegangen war, daß sie sich aber damit —
drücklich hinzugefügt — an die Einzelheiten des Gesetzes Nicht binben könne. Daß unter diesen Einzelheiten neben der Frage ber Kulturträger die Drittelungsfrage bte erste Rolle spielte, das konnte doch wohl nach den Verhandlungen, die vor und hinter den von dem Abg. v. Heydebranb genannten KiAissen geführt wurden, nicht zweifelhaft sein. (Sehr richtig.) W; v. Heydebraich fiat am Schluß seiner Rede gesagt, seine Partei
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R. Lange. Gießen.
Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedltton und Verlag: Redakttom^SllZ. Tel.-Adr^AnzelgerGteßen.
Die wahlrechtsvorlage im preuh. Abgeordnetenhaus.
7 2. Sitzung, Freitag, 27. Mai.
Am Ministertisch: v. Betfimann-Hollweg, v. Moltke
Das Haus ist sehr stark besetzt, sämtliche Tribünen und Logen
Beratung der vom Herrenhause abgeändert übernommenen Wahlrechtsvorlage ersolgt in ber Form ber dritten Lesung. Zu Beginn der Beratung liegen Anträge vor vom Zentrum, von den Konservativen und den N a t t o n a ll i b er alen.
Das Zentrum beantragt die Wiederherstellung ber Beschlüsse des Abgeordnetenhauses. _ . . „
Die Konservativen beantragen, bte Drtttelungsbezirie nach oben auf 5000 Einwohner zu begrenzen, gegen 10 000 Einwohner nach ben Herrenhausbeschlüssen. In Gemeinden mit mehr als 5000 Einwohnern sollen die Drittelungsbezirke von der staatlichen Verwaltungsbehörde gebilbet werden; die untere Grenze sollte nach den Beschlüssen des Herrenhauses 1749 Einwohner betragen. Die Drittelungsbezirke sollen räumlich zusaiitmenhangen, tunlichst abgerundet und tunlichst gleich an Einwohnerzahl sein. Sie müssen, wenn die Gemeinde in mehrere Landtagswahlbezirte. geeilt ist, innerhalb dieser Bezirke liegen. Ein zweiter Antrag beseitigt die Lücke in den Herrenhausbeschlüssen durch die Hinzufügung folgenden Absatzes zu 8 6: „Ist infolge der Bildung von Drittelungsbezirken in einer Abteilung des Summvezirks kern Wähler vorhanden, so ist, wenn diese Abteilung nur einen Wahl- ntarui zu wählen hat, die Wahl von ber nächst niederen Abteilung, falls die betreffende Abteilung aber zwei Wahlmänner zu wählen hat, von den übrigen Abteilungen gleichmäßig zu bewirken. Em dritter Antrag der Konservativen maximiert nicht nur, wie die Herrenfiausbeschlüsse, die Staatssteuer, sondern auch die Gemeindesteuerzuschläge. „ , r .. . .
Die Nationalliberalen haben ihre Anträge aus ber früheren Beratung im Abgeorduetenhause Widerhall Der eine Antrag fordert neben den geheimen die direkte Wahl, also bte seitigung ber Wahlmänner! Ein zweiter Antrag setzt die untere Grenze ber Drittelungsbezirke auf 3500 Einwohner test Der dritte Antrag maximiert bei 5000 Mark uich in Gemeinden mit mehr als 20000 Einwohnern bei 10 000 Mark. ^Weiter wird die Anrechnung des fingierten Steuersatzes von ? Mark statt von 4 Mark beantragt. Die erste Wahlerklasse soll mindestens 10, die zweite mindestens 30 Wähler enthalten, Der Kulturträger- Paragraph soll ergänzt werden durch die Einfügung der Mitglieder der Provinziallandtage, Kreistage und StadtverorbnctenDersamm- lungen, der Gewerberichter, Kausmannsrichter und Mitglieder von Arbeiterausschüssen, serner der Besähiguiig für den höheren Verwaltungsdienst, die Einkommen von mindestens 2700 Mark bei einer Altersgrenze von 30 Jahren. Der Wahlbezirk, bezw. der Stadt- und Landkreis, dem ber Stimmbezirk ougehort, als Bezirk für die Entnahme der Wahlmänner. Durchweg Fristwahlen. Schließlich eine Entschließung auf Aenderung der WafilkreiSein- t'ilung. , „
Ministerpräsident Dr. v. Betfimann-Hollweg:
Es mag auffallend erscheinen, daß ich zu den wichtigsten der dem hohen Haus oorliegenben Anträge das Wort ergreife, noch ehe die Herren Redner ber Fraktionen Gelegenheit hattm, ihre Anträge zu begründen. Nachdem indessen die Materie dieser Anträge hier im Abgeordneteiihause und im Herrenhause wiederholt eingehend und vielfach behandelt worden ist, mochte ich glaiwen, daß es einem Wunsch der Parteien entspricht, wenn ich die S t e 1= lungrtafirne der Königlichen Staatsregterung zu diesen Anträgen ganz kurz präzisiere - Was zunächst den Antrag Nr. 403 des Freiherrn v. Richthof en anbetrifsst der bte Drittelung der Wahlbezirke behandelt, so hat bte Königliche Staatsregierung die darin vorgescklagene Lösung bereits ut den Verhandlungen des Herrenhauses als nicht genügend bezeichnet Dabei bleibt die Königliche Staatsregierung stehen Dasselbe ailt natürlich auck gegenüber dem Anträge des Herrn Abg. Dr Porsch aus Wiederherstellung der Beschlüsse des Abgeordneien- hauses in allen ihren Einzelheiten. Ich glaube mich einer '-Wren Ausführung hierüber enthalten zu können. Zu dem Vorschläge, die geheime und direkte Wahl gleichzeitig einzufuhren, den ber nationalliberale Antrag Nr. 406 nneber bringt habe ich mich bereits am 16. März namens der Königlichen Staatsregierung in diesem hohen Haufe ablehnend geäußert M. H-, die König liche Staatsregierung kann die Stellung, die fte in bw'eu ouMen eingenommen und namentlich auch in den Verhandlungen o Herrenhauses mit Nachdruck vertreten hat, nick), verlassen. Werui daher eine Mehrheit in diesem hohen Hause außerstande sewllte, die Herrenhausbeschlüsse zur Grundlage ihr^Enttcheidungen^
machen, so sehe ich allerdings keine Aussicht, mit der Vorlage 1 zu einem positiven Ergebnis zu kommen.
Abg v Heydebrand (Kons.): Dem Antrag des Zentrums 1 auf Wiederherstellung der Fassung des Abgeordnetenhauses können meine politischen Freunde,nicht zustimmen, weck fte gewillt sich), , ben im Herrenhaus geäußerten Wünschen auf Entgegenkommen -u entsprechen. Wir werden auch gegen bte $n£age b« liberalen stimmen. Unsere Anträge sind von der Absicht geleit^ den Wünschen des Herrenhauses entgegenzukommen. «.Gelachter links.) Die Anträge beziehen sich, auf die Drittelung in den Urwahlbezirken, ferner ist bann eine Veraicherung der Maximierung vorgesehen, ein Antrag, der der Beschlußfassung des Herrenhauses entgegenkommt. Jtie größte Bedeutung gewinnt ber Antrag betr. die Art der Drittelung in den Gemeinden dadurch, daß der Ministerpräsident eben erklärt hat, falls die Ve- schlußsassung des Herrenhauses eine Mehrheit tm Abgeordneten- yause nicht findet, die Vorlage keine Aussicht auf Durchführung yabe. Wir bedauern nun, ben Beschlüssen des Herren- h a u s e S, die eine vollständige Neuorganisation für die Drittelung emführen wollen, nicht zustimmen zu könncn.
Die Beschlußfassung des Herrenhauses ist derartig, datz fte Überhaupt nicht ohne weiteres eingeführt werden kann, weil sie ganz eklatante Lücken läßt, die nickst ausgmillt werden lounen durch die Verwaltungspraxis, wenigstens nicht ausgefullt werden sollen, denn wir legen Wert darauf, baß die vom Herrenhause neu eingeführten Stimmbezirke nicht von einer Gemeindebehörde ungeordnet werden sollen, sondern daß eine staatliche Kfiorb. cj ist, die darüber wacht, daß diese Neuordnung m einer Weise geschaht, ivie sie dem wahren staatlichen Interesse entspricht. tZu^ rui links'' Der Landrat!- Es bleibt uns also gar nichts anderes torig als unkte «itträgc zu stellen W die Vorlage uns fiier zuletzt beschäftigte, ist seitens des Ministerpräsidenten gesagt worden, daß die Regierung mit der Vorlage tm allgemeinen einverstanden fei, und daß es sich nur um eme Aenderung bei Einzelheiten handle. Danach konnte man unmöglich glauben, daß bann eine Einzelheit im Herrenhause geschaffen werdm wurde, ^ic Don ber Staatsregierung als so wichtig angesehen wurde, daß Qcrab^u deswegen das .Gesetzgebungswerk gefährdet werden wurde (^ebh. Zustimmung rechts.) Es ist tm Herrenhause gesagt worben, .2 fei timt uns das Prinzip der öffenthefien Wahl aeopftrt wordew -Davon kann absolut keine Rede lern. (<oefir richtig. links.) Wir haben
verschied.nen Gelegenfi.it. n ganz unzw.iftlhaft ausgesprochen den Standpunkt, den wir heute noch einnehmen, datz meinpolitischen ■ Zreundc, abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen noch heifti. : die öffentliche Wahl für das richtige halten «pefir richtig ! reefitä), : und zwar bei den Urwahlen wie bei den Mgeorbnetenwahlen Ich i konstatiere hier vor dem Lande, daß in keiner Phase dieser ganzen : Angelegenheiten, weder vor noch hinter den so beliebten Kulis i m : irgend etwas von meinen politisch«m Freunden gesagt worben ist, ■ das sich mit dem Ausgeführten nicht vertragt. ^Beifall rechts.) ' Wir wollten einer Regierung, die ben loyalen und ehrlichen Ver- such machte und bis zuletzt gemacht hat, ^ kEglic^s Ver- sprechen einzulösen, htlttetch zur ^eite stehen (Gelachter links ) .luf dem Standpunkt stehen wir heute noch.. Aber es gibt, für eine Unterstützung der Regierung gewisse Grenzen, und roenu von ber Regierung etwas als notwendig bezeichnet wird, was wir mit unserem Gewissen nicht vereinbaren können, sa, bann fickst mis das alles nichts, dann müssen wir unserer Ueberzeug.ung folgen, mag daraus entstehen, was oa will. ^Lebhafter Beifall rechts, Zischen links.)
keine Wolken, keine Farben, es gibt kein Deck, wo sie einmal die von Bewegungslosigkeit matten Glieder strecken können, es gibt keine Luke, durch die man einmal frische, wirtlich frische Luft schöpfen kann. Das Boot ist eine große Maschine und der, Mann nur Nebensache. Es gibt keine Kabinen, überall sind Maschinenteile, Drähte, Hebel, Klappen, zwischen denen man fast unbeweglich steht und eine ewig gleiche Aufgabe erfüllt Wenn die Wintermonate nahen, dann wirb das Boot zum Etskuhler und oft stehen die Matrosen stundenlang bei einer Temperatur von Null Grad auf ihrem Posten, ohne sich durch kräftige Bewegung erwärmen zu können. Das Boot ist vielleicht nur halb unter* getaucht, durch den turmartigen Aufbau sieht man die üree, in ber dumpfen, muffigen Atmosphäre wird die Sehnsucht nach ftischer Lust übermächtig; aber wenn bte Luke geöffnet wird, schlagen vielleicht eiskalte Wogen in bas Innere. Wer einen Augenblick frei ist, schleicht sich in die Nahe des Gasmotors um ein wenig Wärme zu empfangen. Jedermann an Bord ist sich bewußt, daß ein kleines Versehen, ein Zufall, eine geringfügige ^Mässigkeit das Schicksal aller besiegelt und darum werden auch nur die zähesten, mutigsten und djarafterftarfften Leute ausgewählt, um im Unterseeboot ihrem Lande zu dienen. Die Auswahl ist streng und nicht viele bestehen die Probe, bte sie ableqen müssen, um in dies Elitekorps der Marrne aufgenommen au werden. In Amerika macht jede Bemannung eines Unterseebootes eine sogenannte Prüsungsfahrt mit, bei der allenMatro- fen an Bord Ziel und Dauer der Reise unbekannt bleibt. Mtt vollem Ballast sinkt das Boot in die Tiefe, bte Lichter erloschen und die Fahrt beginnt. Nur der Mann am Kompatz kennt bie Richtung. Die übrigen stehen im Dmtkeln an ihrem Posten, fte spüren, wie bie Stahlhütte unter der. Arbeit der Maschine zittert, aber sie wissen nicht mehr, wo sie sind und was werden wird. Da zeigen sich Mut und Selbstbeherrschung. Das ist auch der Augenblick, in dem der Ossizier die Nerven seiner Mannsckxlften prüft das ist die Stunde, bei der Schwächen unfehlbar erkannt werben Kein Wort fällt; aber der Mann, ber bet dieser Prü- sunassabrt nur für wenige Sekunden Anwandlungen von L-chwäche oder Unruhe gezeigt hat, über den ist das llrtell gesprochen. Er scheidet aus dem Unterseebootkorps aus und nie wieder betritt fein Fuß die Stafilfliesen eines Tauchbootes."
könne mit gutem Gewissen aus die Haltung zurückbticken, die sie in dieser Frage eingenommen fiat. Ich.crferatc ej oTTen un dankbar an, daß die konservative Partei und sweifcllos auch in gewissem Sinne das Zentrum (Lachen links) — auch das Zen irum, das haben die Herren doch selber, dem Zentrum in ben Verhandlungen vorgehalten und voraeworfen —, baßbic ^nfer vativen auf eine ganze Reihe von An,Men, von Ueber>eugungen verzichtet haben, um es der korngl. ^taahregierung "^öltch M maefien, zu einem positiven Ergebnis zu kommen Ww ge^gt, ich erkenne ganz offen dies in feder Beziehung an. xer -log. v. Heydebrand hat bann aber hinzugefügt, es gibt für eme grotze Partei, die etwas aus ihre Autorität, auf ihr Äfttsehen halten muß, eine Grenze, über die hinaus em Nachge.ben nicht "?efir möglich M. M. H„ in derselben Lage befinbct sich die kömgl. Staat-regierung^ (Sehr richtig!) Auch sie hat em großes Gntgegentommen, ente Nachgiebigkeit gezeigt, und wenn es nun doch nach Ihrer ^ber zeugung notwendig ist, um das Prinzipvreutz chen Wahl- nchts, was sie unter allen Umständen aufrecht erhalt, bas abgc stufte Wahlrecht, »u sichern, die Frage der Drittelung anders zu regeln, wenn sie zu dieser Frage eine ganz nachdrückliche und ausdrückliche Stellung im Herrenhause emgcnomnien hat, so wird Herr v. Heydebrand mir zugeben, gibt cs auch für die komgl. Staatsregierimg einen Moment und eme Grenze, wo 'agQi muß: von dieser Position .können wir nicht hermfter^ Wenn der Schluß sein sollte, batz wir nicht zu einem positiven Ergebnis kommen, so werde ich das aus den allgemein politischen Grunds bie auch ber Abg. v. Heydebrand erwähnt hat, 'N bemfelben Smne bedauern, wie er es getan hat. Das kann aber bie konigl. staats rcaicrung nicht davon entbinden, eine Stellung, die sie em- genommen hat, festzuhalten, selbst auf die Gefahr hm daß eine Majorität für ein positives Zustandekommen des Gesetzes sich tu diesem hohen Hause nicht finden sollte.
Abg Herold (Zentr.): Wir haben uns bemüht, noch besten Krästen in möglichster Anlehnung an die Regi<^ngsvorlage zu einem positiven Ergebnis 5u kommen. (Lachen.) ^klerdings mft ben unbedingt notwendigen Verbesserungen, ,uick> zu diesen gehört in erster Linie die geheime Wahl. Wir sind'für die gefiemte Wahl eingetreten nicht aus parteipolitischen GiÄnden. (Rufe Ach, ach!) Daß wir bei ber öffentlichen Wahl gerade so gut unsere Mandate erhalten wie bei ber geheimen, »abm die Tatsachen erwiesen. (Sehr wahr! im Zentr.) Die einzigm Mommte, bie uns zu so entschiedenem Eintreten für die geheime Wahl veranlassen, sind eben ethische. (Lachen.) Angenehmer wäre es uns gewesen, wenn die P r i v i l e g i e ruit g vollständig au. der Welt geblieben wäre. Gewiß, wir legen großes ÄttvE auf 'die geheime Wahl, aber wir wollen sie nicht ertaufen burch eine Herabbrückung bes Wahlrechts des Mittel- und des Arbeiter stanbes. Nun scheint es ja, nach, den ErklaiTungen.des Minister-- präsidenten zu ben Anträgen, daß aus diesem Gesetz nichts wm- ; den wird. Wir beklagen das und verttaneii.auf.^e.Zukunft, die ein besseres Wahlrecht brmgen wird. (Beifall im Zentrum.)
Abg. Dr. Friedberg (Natl.). Wir verhehlen uns nicht i und haben uns niemals verhehlt,, daß, wenn wir die Drittelung - beseitigen, damit allerdings in unser Wahlrecht eine plutokrattsch^ Tendenz fiineinfommt. Wir teilen in dieser Beziehung die An- icht des Zentrums und halten uns deshalb fiir verpflichtet, ein gewisses Gegengewicht vorzuschlagen, was durch unsere Anträge geschehen ist. Wir haben unsere Vorschläge in die vmsichttgste b:orm gebracht, und wir haben dem Gesichtspunkr ber Konservativen Rechnung getragen, daß eine völlige Neuemteiluna bet Wahlkreise in bestehende Rechte emgreisen wurde. Wir haben uns deshalb darauf beschränkt, eine Vermehrung der Manbatt für jene Bezirke zu forbern, bie besonbers benachteiligt sind. Wir haben durch diese maßvollen Forderungen, die uns schon ein qanzes Stück von unserer prinzipiellen Ansicht abbringen, gewiß großes Entgegenkommen gezeigt, aber wir haben aus der anderen Seite keinen Zweifel gelassen, daß das bte Mmdestforberungen sind, unter bie wir aus feinen Fall hinuntergehen können. (<Lehr richtig' b. b. Natt.) Nun fiat das Herrenhaus die Hand geboten zu einer Abschwächung ber Drittelung in ben Urwahlbezirken und hat dadurch weite Kreise zu großem Dank verpflichtet. (Gelächter rechts.) Es ist dankbar anzuerkennen, daß das un großen und ganzen konservative Herrenhaus sich durch die Kompromisse in diesem Haus nicht fiat beirren lassen. Ich bin bei dieser Gelegenheit auch dem Herrn Ministerpräsidenten Anerkennung schuldig dafür, daß er mit seiner Person für diese Anträge eingetreten ist. 3d) mochte unseren Dank dafür aussprechen, daß die Regierung bemüht war, etwas Brauchbares zustande zu bringen, unb ich kann biefen Dank mit derselben Ausrichtigkeit aussprechen, wie ber Abg. von Heydebrand. (Abg. Kovsch: . Mit d e r s elb e n Ausrichtigkeit ist gut! Gelächter links.) Wir sind weiter ent- gegenfletommen als bie Konservativen, unb wenn ber Abg. von Heybebrand sagt, es gibt gewisse Grenzen ftir die Ueberzeugung ber Rechten, so muß ich sagen. Ob bte Drittelung m ben Urwahlbezirken ober in größeren Bezirken erfolgt, das kann dock» keine Prinzipienfrage sein. (Sehr richtig! lmks.) Da müssen doch andere Rücksichten politischer Natur mcksprechen als Prinzipien- ragen. (Sehr richtig! links.)
Wir haben uns bie Frage vorgelegt, ob bie Erfüllung dieser wichtigen Forderungen uns bte Vorlage annehmbar machen würde Diese Frage müssen wir verneinen. (Hört! Hört? rechts j Gewiß gibt eS bei utö eine Reihe von Mitgliedern, die besonderen Wert darauf legen, daß derartige Bestimmungen in bie Vorlage fiineinfotnmen. Das sind besonders die Herren aus dem Westen unseres Vaterlandes. Aber auch diese Mitglieder unserer Fraktion verlangen, daß die bezl. Herrenhausbe.schlüsse ergänzt werden durch weitere Bestimmungen im Sinne unsere Forderungen auch diese Mitglieder unserer Fraktion wollen nicht, daß das Wahlrecht plutokratisch rückwärts revidiert werde. Die Lücke, die durch den Aussall von Wahlmännern entstehen würde, muß ausgesüllt werden. Sie durch eine Notdrittelung auszufüllen, ist aber nicht möglich. Auch bie jetzt eingebrachten konservativen Anträge sinb sicher nicht geeignet, diese Lücke auszufüllen. (Sehr richtig! links.) Einem größeren Teil meiner politischen Freunde würde aber auch bie Vorlage des Herrenhauses noch nicht annehmbar erscheinen. Wir mutzten uns die Frage vorlegen, ob bas vom Herrenhaus Beschlossene als eine Abschlagszahlung von uns betrachtet werben kann. Nach nochmaliger sachkundiger unb gewissenhafter Prüfung müssenwirdiese Frage miteinem glatten Nein beantworten. Wir können von unseren Mindestforderungen nicht abgehen, ivenn das Gefetzgebungswerk überhaupt noch unter dem Gesichtswinkel einer Reform betrachtet werden soll. (Sehr richtig! links.) Deshalb haben wir in letzter, ernster Stunde uns noch einmal der Pflicht unterzogen, eine Reihe von Anträgen einzubringen, um damit aufs neue zu dokumentieren, daß uns an positiver Arbeit bis zum letzten Moment gelegen ist. (Sehr richtig! bei den Natl.) Wenn diese Wahlrechtsvorlage nach ben Wünschen ber Konservativen verabschiedet worden wäre, so würde es doch nur eine Frage ber Zeit sein, ob sich die indirekte Wahl aufrecht erhalten läßt. Ein technisch so ver- kelxttes und innerlich unwahres Prinzip kann sich auf bie Dauer nicht halten. (Sehr richtig! links.) Ich habe mich auch wundem müssen über das Liebeswerben, mit dem man versucht hat, uns nach der einen ober anderen Seite hinüberzuziehen. Ich muß mich wundern über die entstellten Preßberichte, die bis zum letzten Tage, ja bis zur letzten Stunde gekommen sind, über bie unrichtigsten Darstellungen, über die intimsten Vorgänge selbst in unserer Fraktion (Sehr richtig! bei den Natt.), als ob es nichts Interessanteres unb auch nichts Rätselhafteres gäbe, als die Haltung der nationalliberalen Partei. Wenn man uns etwas
3m Unterfeeboot.
Der Untergang des französischen Tauchbootes „P l u v i o s e" im Hasen von Calais lenkt den Dl'ck auf die harten Bringungen und die stete Gefahr, unter denen die Besatzung der Unter- seeooote ihre nervenausreibende Pflicht ermllt. Welche Emdrucke und Gesühle auf die Insassen eines Unterseebootes wahrend einer längeren Fahrt cinbririgen, schildert ein nnr^lkanifcher ^auch bootlommanbant. „Das Bvot ist untergetaucht, das Tageslicht verschwunden, man hört nur das dumpfe, iormge Rammen der Maschine. Die erite Wahrnehmung, bieJicfi bem Bewußt,ein aufbrängt, bas ist ber Geruch. Die Atmoiphare ist ähnlich der des Maschinenraums eines großen Schlachtschiffes; aber dort kann man sich bewegen, kann vorwärts gehen, kann sehen, -vier bift du in ein heißes, dumpfes, enges Loch^emgepretzt. uefist nichts,
du hörst nichts als die arbeitende Maschine. Dein Auge mutz cm Kompaß haften, du verfolgst da6 Schwanken der Nad^ u^ nach kurzen Glockensigna en bewegft du die Hebel, deren Hanv- fiabung ^ir übertragen ist. Du. selbst wirst zu emer Maimine einer menschlichen Maschine, die eine andere im Gang halt. Wenn das Boot senkrecht herabsinkt, spürst du gar...nichts; nur ein Beiger verrät vir, baß du mit deinem Stahlfische in bie Atefe hinabgleitest. Wenn du tauchst, dann verrät dir wenigstens bie leichte Senkung des Bodens die Bewegung unb bu mußt dich vorwärts oder zurück neigen, um das Gleichgewicht zu behalten. Wenn du den Blick emtrnioenbeft und durch bie Luke chauen willst dann siehst du nur einen dünnen grünlichen Lichtschimmer, ber dir vom Tageslicht erzählt Hin und wieder steigst du empor, um durch das Periskop nach deinem Ziele Ausschau zu halten Aber bas sind kurze Augenblicke; dann wieder mußt du hinunter, dünner unb biinner wird bas Tageslicht, bis nratte grünliche Finsternis dich wieder umgibt. Alle Bewegungen ^s Bootes, bat Tauchen und Auftauchen, muhen langsam und vorsichtig bewirkt werden, denn dein Leben hangt davon ab, daß bte Chemikatten in den Batterien nicht meiimnber geraten. Abn nnen Augrnblick gibt es doch, wo wir Unterieebootsleute ein Glucksgesuhl kennen lernen: bas ist an schönen Tagen, wenn wir nach langer Fahrt im Dunkeln aussteigen und durch die Deckluke empor,chauen. Lichter unb lichter wird es bann, bas Dunkelgrün wird zu einem Hellgrün, wir kommen dem Seespiegel naher. Das ist, als glitten wir hinaus zu einem mächtigen, lichten, ftlberblitzenben Spiegel. Aber dieses GesÜhl der Erlösung ist dem Unter)eemann nur selten geschenkt unb ist teuer erkauft durch lange Stunden unb ^age in ungewisser Finsternis. Der ^tann ans einem "Schiffe kann getroit ben Kampf mit dem Sturme'chnd dem Zorne bes Meeres nufnebmen, er hat ben Himmel über sich, er hat Licht, er } t e fi t lein schick,al und kann mit ihm ringen. Aber bie zehn ober zwanzig yJianner, die im Unterseeboot ihre Pflicht tun, sehen nichts von ber Lwnne,
Zweites Blatt 160. Jahrgang Samstag 28. Mat 1910
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gderhejjen
Ueber den Untergang des Unterseebootes „Plü- viose" wird aus Calais gemeldet: Den Tauchern ist es bisher noch immer nicht gelungen, das gesunkene Unterseevoot zu erreichen. Die erforderlichen Rettungsvorrichtungen konnten Freitag nachmittag aus Cherbourg eintreffen. Dann wird Versuch gemacht werden, den „Pluviose" mit Hebeketten zu be-


