Die neue wahlkreireinteilung m Hessen.
R. B. Darmstadt. 25. April.
Der Gesetzgcbungsausschuß der Zweiten Kammer wird voraussichtlich in der nächsten Woche seine Sitzungen wieder aufnehmen und sich in erster Linie mit der Beratung der neuen Wahlkreiseinteilung beschäftigen. Die WahlkreiSeinteilung bildet bekanntlich den dritten der Gesetzentwürfe -zur Einführung des direkten Landtagswahlrechts und in mehr als einer Hinsicht auch mit den trächtigsten. Doch es leuchtet wohl jedermann em, daß auch die beste und volkstümlichste Wahlrechtsbestimmung einfach über den Haufen geworfen werden kann, tvenn die Grundbedingung für das Wählen überhaupt, die gleichmäßige, gerechte Einteilung der Wahlkreise, nicht erfüllt wird. Haben wir doch schon bei den früheren Wahlrechtsberatungen die Tatsache feststellen können, daß unter Zuhilfenahme einer geschickten Wahlkreisgeomctrie Vorschläge zustande gebracht wurden, die durch Zusammenfügung jetzt getrennter Teile von Wahlbezirken und Bevölkerungsgruppen manchen Parteien einen starken Mandatszuwachs in den Schoß gelebt hätten und daß einzelne Abgeordnete sich ihren Wahlkreis so schön „abgerundet" zu gestalten bestrebten, daß ihnen dadurch der sorgenlose Besitz des Mandats ^sür alle Zukunft garantiert worden wäre.
Eine neue Wahlkreiseintelluna in Hessen muß erfolgen, weil die Zahl der Landtagsmalidate bei Einführung des direkten Wahlrechts von .50 auf 58 erhöht werden soll. Es gibt ja viele Leute im Lande, die der durchaus nicht von der Hand zu weisenden Meinung sind, daß eüi Staat mit 1120000 Einwohnern sich wohl mit seinen 50 Volksvertretern ganz gut begnügen könnte; die übrigen Bundesstaaten haben zumeist im Verhältnis zur Bevölkerungszahl weniger Abgeordnete. Nachdem nun aber schon seit einer ganzen Reihe von Jahren über die auch von der Regierung als absolut notwendig anerkannte Vermehrung der städtischen Mandate vergeblich gestritten worden ist, glauben Regierung und Kammer endlich durch die Vermehrung der städtischen Mandate um fünf und der ländlichen um drei — für jede Provinz eins — den Widerstreit zwischen Stadt und Land am glücklichsten beseitigen zu können; sie tun dies selbst auf die wenig erfreuliche Aussicht hin, daß von einer so vermehrten Abgeordnetenzahl noch mehr geredet und dem Lande noch erheblichere Kosten auferlegt werden. Ten stärksten Widerspruch gegen diese Mandatsvermchrung hatte man bisher von der Ersten Kammer befürchtet. Bekanntlich hat sich aber deren Wahlrechts- ausschuß jüngst ausdrücklich mit der Vermehrung auf 58 Abgeordnete einverstanden erklärt, so daß eine darauf auf- gebaute Wahlkreiseinteilung beim anderen Hause auf keine Schwierigkeiten stoßen wird.
Es ist nun eigentümlicherweise von einem parlannnrta- rischcn Mitarbeiter des Mainzer Zcntrumsblattes der unschöne Versuch gemacht worden, die Dinge dadurch zu verwirren, daß er allerlei uncrwiesene oder unzutreffende Behauptungen aufstellte, die nur darauf ausgehen können, das nach den jahrelangen Kämpfen ach so mühsam erzielte Einvernehmen zwischen beiden Kammern zu zerstören. Seine Ausführungen gipfeln in dem Satze, daß die ganze Wcchl- rechtovorlagc durch die Stellungnahme der Ersten Kammer ernstlich gefährdet worden sei. Der parlamentarische Herr erblickt die Gefahr einmal in dem llmstand, daß der Wahlrechtsausschuß des andern Hauses erst dann in die Spezialberatung der beiden vom "Ausschuß der Zweiten Kammer fertiggcstelltcn Gesetzentwürfe cintreten null, wenn auch die Wah'llrciseintcilung ihre Ausschußberatung passiert habe. Er meint, daß damit das Reforniwerk „an einem toten Punkt angclangt" sei und behauptet, „daß die Abneigung der StandeSherren (gegen die ganze Wahlrechtsreform) int allgemeinen noch ebenso vorherrscht, als vor Jahren." Beide Annahmen sind aber nichts als leere Hypothesen, und ebenso unzutreffend ist nach unfern zuverlässigen Erkundigungen die Befürchtung des Artikelschreibers, daß die erste Kammer das leider durch die unschöne Abmachung der Mehrheits- partcien der Zweiten Kammer in die Vorlage hineinbug- |icrte Pluralwahlrecht noch erlvcitern und auch auf Bildung und Besitz auSdehnen wolle. Der parlamentarische Mitarbeiter des Zentrumsblattes ereifert sich da ganz unnötig über Dinge, die gar nicht vorhanden sind und variiert dabei das Thema von der Preisgabe von Volksrechten, Reaktion nsw. — Worte, die sich gerade von seiner .Seite und in einem Zentrumsblatte doch etlvas sonderbar aus- nchmen.
Diese ganze schiefe Beurteilung der Lage hat nun aber die dankenswerte Folge gehabt, daß in einem heute (Nlontag) abend erschienenen zweiten Artikel desselben« Blattes eine andere Zentrumsstimme zum Wort Lelangt und ^war — wie wir glauben — die tzcs Vorsitzenden des Gesetzgebungsausschusses. Er erklärt zwar einleitend, daß er mit dem ersten Artikel „nicht vollständig einverstanden" sei, weist aber fast sämtliche Ausführungen seines Fraktionsgenossen mit überzeugenden Worten zurück und sagt zudem auch den verschiedenen Parteien der Zweiten Kammer recht deutliche Wahrheiten. So wendet sich der Artikel gegen den „toten Punkt" und führt aus, die WaylkreiSeinteilung sei allerdings, wie der erste Aufsatz bemerkte, in erster Linie Sache der Zweiten Kammer; es sei aber doch von ganz besonderem Interesse für die Erste Kammer, in welcher Weise voraussichtlich demnächst die Zweite Kammer zusammengesetzt sein werde. Würde aus einer Wahlkreisein- teilung sich ergeben, daß der Radikalismus einen entschiedenen Einfluß erlangt, so sei es klar, daß diese Tatsache für die Erste Kammer von großer Bedeutung sein könnte; man könne es ihr daher nicht verübeln, wenn sie wünscht, Kenntnis von der demnächstigen Wahlkreiseinteilung zu haben. Weiter heißt es: „Man kann aus dem Vorgehen der Standesherren nicht folgern, daß die "Abneigung noch ebenso bei ihnen vorherrscht, wie vor Jahren. Im Gegenteil, wir behaupten, daß wenigstens von einer solchen Abneigung bei der Iiehrheit iveny zu spüren ist, und glauben auch nicht, daß Frhr. v. Heyl der Reform ernste Schwierigkeiten machen wird. Die Auffassung, als wollte man in der Ersten Kammer das Pluralsystem auf Bildung und Besitz erweitern, entbehrt bisher jeder tatsächlichen Unterlage; es liegen keinerlei Anzeichen vor, die darauf schließen lassen." Der Parlamentarier bezweifelt auch entschieden, daß die Erste Kammer die Vorlage scheitern lassen wolle: Im Gegentell, man weiß in der Ersten Kammer so gut wie im Lande, daß ein abermaliges Scheitern der Reform niemand angenehmer wäre, als dem hessischen Radikalismus, und daß bei dessen zweifellosem Erstarken unter dem jetzigen System eine wirkliche Reform des Wahlrechts, wie solche im Interesse einer ruhigen Entwicklung hessischer Verhältnisse liegt, kaum jemals mehr die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit finden wird."
Der Artikel betont dann, daß es jetzt Sache des Aus- fchusses der Zweiten Kammer sei, an die Wahikreiseintei- lüng heranzutreten und daß hier die Schwierigkeiten in oer Zweiten Kammer liegen. Zweifellos sei, daß
)fe diesbl^üglichen Vorschläge der Rearerung nrcht angenommen werden, aber ebenso zweifellos werde die Regierung mit der Verständigung der Zweiten Kammer ein- verstanden sein. Diese Verständigung könne aber nicht im Ausschuß, sondern müsse im 'Kammerplenum erfolgen. Der Ausschuß habe bereits vor zwei Monaten ein- timmig die Parteien ersucht, Vorschläge zu machen:
„Dieses einstimmige Ersuchen ist bis jetzt ohne jede Antwort geblieben und man kann den eiw- zelnen Parteien den Vorwurf nicht ersparen, daß durch diese Haltung das Reformwerk verzögert, ja sogar ge- ährdet wird. Wenn deshalb mit mehr oder weniger Recht an der Haltung der Ersten Kammer Kritik geübt wird, so dürste auch an der seitherigen Tätigkeit der Zweiten Kammer Kritik geübt und verlangt werden, daß die Führer der Parteien endlich die hohe Wichtigkeit der Vorlage erkennen und ihrerseits mitwirken, daß baldigst das hessische Volk Klarheit darüber haben wird, ob die Reform kommen oder ob sie auch diesmal wieder wegen der Uneinigkeit der Parteien und der beiden Kammern unerledigt bleiben wird!"________________________________________
Der Aufstand in China.
£ London, 24. April.
lieber Newhork wird folgende Darstellung der Lage in der chinesischen Provinz Hunan hierher berichtet. Danach soll die Situation eine kritische sein. Frauen und Kinder fliehen bereits aus Tschaugscha. Mehrere Dörfer, )ie in der .Nähe der Hauptstadt lagen, sind von dem Nivb vollständig zarstört, die meisten ntedergebrannt und dem Boden gleich gemacht worden. In allen Ortschaften sind Plakate angeschlagen worden, durch welche die Chinesen aufgefordert werden, alle Ausländer zu töten, deren sie habhaft tverden können. Diese Nachrichten werden von .den letzten Missionaren nach Hankau gebracht, die aus Nchangscha entflohen. Sie berichteten, daß alle ihre Häuser eingeäschert und ihre Habseligkeiten verbrannt worden seien. Weiter meldeten die Missionare, raß die britischen Kanonenboote, die vor Tschaugscha lägen, hre ^Geschütze auf die Stadt gerichtet hätten, alle Aus- änder würden an Bord derselben aufgenommen. Drei- ausend chinesische Soldaten hielten die strategisch wichtigen Punkte der Stadt besetzt und in alle die Distrikte, aus denen beunruhigende «Nachrichten kämen, würden wei- erc Truppen entsandt. «Sehr viele Chinesen sollen bei den .Unruhen bereits «ihr Leben verloren haben.
In einem Fall wurde eine chinesische höhere Schule in Brand gesteckt und über dreißig Studenten fanden ihren Tod in den Flammen. Als die ausländischen Schiffe den Fluß hinauskamen, um die Ausländer .aufzunehmen. füllte der Mob eine Anzahl Schiffe mit Petroleumfässcrn und setzte sie in Brand. Die trennenden Schiffe wurden den Fluß hinuntergestoßen, damit sie hie h eran kommenden ausländll scheu «Schiffe ebenfalls in Braud stecken sollten. Als die Missionare Tschaugscha verließen, war alle Verbindung mit dem Westen abgejchuitten. Der britische Konsul, der so lange wie möglich in Tschaugscha geblieben war, ist in» zwi,cheu auch in Hankau ctngetroffen. Er berichtete, daß das Konsulat niedergebraunt worden sei, well er bei einem Neubau chinesische Arbeiter aus einer anderen Provinz benutzt hatte.
Der Kaifer in Straßburg.
Straßburg i. E., 2b. April. Um 11 Uhr nahm der Kaiser einen Vorbeimarsch der Truppen der Garnison ab. Mittags folgte der Kaiser einer Einladung des fom- mandierenden Generals v. Fabel zur Tafel.
Der Kaiser besuchte heute nachnnttag gegen 3. Uhr das Münster und ließ sich vom Dombaumeister Knauth und Prälat Keller an der Hand von Plänen und Photographien eingehend Vortrag erstatten über die unifassenden Reparaturarbeiten, die gegenwärtig an dem großen Turmpfeiler vor- genommen werden.
Der Kaiser, die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise wohnten nach dem Diner beim Statthalter einer Festvorstellung des Straßburger Stadttheaters bei.
dum Ausstand der Bauarbeiter.
Der außerordentliche Kongreß der Geiverkschaften in Berlin, auf dem ca. zwei Millionen Mitglieder von 58 Organisationen durch 422 Delegierte vertreten sind, nahm eine Entschließung an, in der den ausgesperrten Bauarbeitern Sympathie ausgesprochen wird und sämtliche organisierten Arbeiter aufgefordert werden, den Ausgesperrten ihre Solidarität durch sofortige allgemeine Sammlungen zu beweisen. Die christlichen Gewerkschaften und die Hirsch -Dunker'schen Gewerkvereine waren der Einladung zur Teilnahme am Kongreß nicht gefolgt.
Berlin, 25. April. Als eine Kolonne Arbeitswilliger der Firma Altmann auf dem Heimwege in einem Gerüstwagen die Grolmannstraße in Charlottenburg passierte, wurde sic von etwa sechzig Streikenden umzingelt und mit Knitteln und Stangen angegriffen. Der Polier gab einen Schreckschuß auf die Angreifer ab. Ein starkes Polizeiaufgebot trennte die Streikenden und geleitete den Wagen zur Arbeitsstätte. Ein weiterer Zusammenstoß zwischen Arbeitswilligen derselben Firma und Streikenden erfolgte nachmittags am Schinkelplatz. Auch hier mußte ein starkes Polizeiaufgebot Ordnung schaffen.
Berlin, 25. April. Am Terraffenrestaurant in Halensee kam es heute früh zu schiveren Zusammenstößen zwischen Streikenden und Arbeitswilligen; ein Arbeltsivilllger gab auf die Streikenden einen Schuß ab und traf einen von ihnen in die Brust. Er will in Notwehr gehandelt haben.
Der türkische Ausstand.
Die Nachrichten aus Oberaldanien lverden ungünstiger. Bei Ghllan stehen, so heißt es, 3000. an der Drenitza 2000, in der Gegend von Lipljan 4000 bei Podrima 5000, in der Umgegend von Prizren und Podaori 3000, bei Lapteseti und bei Liuura je 6000 bewaffnete Anlauten. Hierzu kommt iwch der 2000 Mann starke Stamm der Ostrosops. Weitere zwölf Bataillone und vier Batterien sind nach Albanien untenvegs, so daß die Gesamtzahl der Truppen 52 Batalllone und 16 Batterien beträgt. Die Reservisten von Salonik sind einberufen worden, Scheftet Torget Pascha beriäumtc, das Defilö von Katschanik rechtzeitig zu btfeyeu, so daß sicht 3000 Arnauten dort festietzten und den Bahnoerkehr hindern. Sie ließen nur die Post passieren, entwaffneten 20 den Bahnzug begleitende Soldaten und zwangen diese, nach Ucstüb zurückzukehren.
Konstantinopel, 25. April. Der gestern gemeldete Kampf bei Stimlia endete mit der Zurückdrängung der Albanier, die große Verluste erlitten. Aus feiten der
Truppen wurden drei Soldaten getötet, ein Offizier und zehn Soldaten verwundet. i <
Saloniki, 25. April. Heute wurde wiederum im Engpaß Katfchanik ein Zug von Arnauten durch Schüsse aus- gehalten, die Weiterfahrt aber gestattet, da der Zug weder Militär noch Kriegsmaterial beförderte. Der Engpaß ist angeblich von 10000 Arnauten besetzt. Weitere Militärtransporte auf dieser Bahnstrecke sind eingestellt worden.
Köln, 26. April. Nach einer Meldung aus U e s k ü b 'habest ich die Stämme des oberen Albaniens dem .Auf- tand angeschlossen.
Konstantinopel, 25. April. Der Mini st errat be- chloß, die Redifbrigaden in Saloniki und Smyrna zst mobilisierest und nach Ober-Albanien zu entsenden.
Deutsche Kolonie«.
Der Entwurf über b i e Errichtung eiltet o b er ft en Kolonial- unb Konsulargerichtshofes, dessen Inhalt wir bereits mitgeteilt haben, ist jetzt dem Reichstage zugegangen. Der gedachte Gerichtshof soll eine Revisionsinstanz sein für die Urteile der kolonialen Obergerichte, deren Entscheldnng bisher endgültig war. Diese Gerichte hatten sich durchaus bewährt, doch sind in den Kolonien, namentlich in Südwestafrika, ost Rechts- fragen aufgeworfen worden, die voll einem höheren Gerichtshof zu prüfen notwendig wäre. Ter neue Gerichtshof wird ferner die höchste Instanz der Konsulargerichtsbarkeit sein, die zurzeit noch das Reichsgericht ist. Ferner bestehl die Absicht, dem Gerichtshöfe päterhin noch cme andere, auf dem Gebiete der konsularischen Betätigung liegende Aufgabe zuzuweisen. Nach der beabsichtigten Neugestaltung des Gesetzes, betreffend die Organisation der Bundes- konsülate, sowie die Amisrechte und »Pflichten der Bnndeskollsltlu, vonl 8. November 1867, sollen nämlich den nicht mit Gerichts» barkeit ausgestatleten Konsuln des Reiches die Verrichtungen der freiwilligen Gerichtsbarkeit, also insbesondere die Geschäfte des Bormundschaitsgerlchts und des Nachlaßgerichts, in Ansehung von Deutschen übertragen werden, soweit dies im Rahmen der Staatsverträge und der fremden Landesgesetze zulässig ist. Für diese Tätigkeit der Konsuln ivürde eine oberste gerichtliche Instanz em» zurichten fein, der die endgültige Entscheidung über das Rechts-^ mittel der Beschwerde gegen die Verfügungen des Konsuls zustände. Als solche Instanz käme der neue Gerichtshof in Frage, der für die Entscheidung von Fragen, die großenteils aus dem internationalen Rechtsgebiete liegen werden, besonders geeignet ist.
Aus der Nordwestprovins Deutsch-O st afrikas, Sultanat Ruanda, wird soeben die Ermordung eines katholischen Missionars gemeldet. Nach einem tcle-> graphischen Bericht des stellvertretenden Gouverneurs hatte Pater/ Lolkpias den gegen den Sultan Msinga rebellischen Grenz Häuptling Lukarra ausgesucht, um die Klage der Eingeborenen wegen Viehraubs 511 vertreten. Lukarra wollte si chentfernen, angeblich um das Vieh zu holen. Der Pater faßte ihn am Arm, um ihn zurückzuhalten, worauf die Leute Lukarras auf dessen Befehl ben Jäter mit Speeren töteten. Die Mörder fluch- . c t c n na chDer anderen, Seite des Muhavura auf kongo-belgisches Debiet. Der Vorfall ereignete fich am 1. April. Am 5. April wurde eine von der 11. Kompagnie verstärkte Polizeiabteilung an der Grenze in Marsch gesetzt. Der Vorfall ist nach der Auffassung des Residenten für Ruanda rein persönlicher Bedeutung und ivird voraussichtlich ohne weitere Folgen für die Ruhe des Landes bleiben. Die übrige Grenzbevölkerung beteiligt sich am der Verfolgung der Mörder.
Deutsches Reich.
Der Bundesrat erteilte in seiner heutigen Sitzuitg der. Vorlage betreffend das Zusatzabkommen zu dem zwischen dem' Deutschen Reiche und Aegypten bestehenden Handelsabkommen vom 19. Juli 1892 seine Zustimmung.
In einem Gnadenerlaß aus Anlaß der Geburt des Erbgroßherzogs bestimmte der Großherzog von Mecklenburg- Schwerin, daß allen Personen, gegen welche bis zum 22. ds. — diesen Tag mit eingerechnet — Geld- oder «Freiheitsstrafen von nicht mehr als sechs Wochen bezw. 150 Mark rechtskräftig er kannt sind, diese Strafen, soweit sie noch nicht vollstreckt sind, und die rückständigen Kosten erlassen werden. Haftstrafen bleiben ausgeschlossen, sofern zugleich auf Ucbenucifung an die Landespolizeibehörde erkannt ist.
26uslanO.
Das österreichische Herrenhaus nahm am lUcnulag, die Aule he nsvvr läge nach längerer Aussprache an.
Aus Brüssel wird gemeldet: Die deutsche Abteilung, der Weltausstellung wurde am Montag nachmittag durch einen Empfang seitens des Neichskommissars, Geheimrat Alberti und des Vorsitzenden des deutschen Ausstellungskomitees, Geheimerj^ Kommerzienrat Raveue, offiziell eröffnet. Der Feier wohnten ctroa 600 Gaste bei, unter ihnen als Vertreter der belgischen Re-< gicrung der Minister für Industrie und Arbeit, Hubert.
Das englische Unterhaus nahm am Montag die zwelle Lesung des F i u a n z g e s e tz e s mit 328 gegen 242 Stimmen an. Tie irischen Nationalisten stimmten mit der Regierungspartei,
Die L a g e i n d c r P r 0 v i n z ll r in i a ist nach einer Peters-, bürger Meldung eine äußerst schwierige, da loeber die persischen, Behörden noch die Führer der türkischen Truppenabteilung, die mehrere Gebiete besetzt hält, für Ordnung und Sicherhell sorgen. Die mohamedanische Bevölkerung zeigt offene Feindschaft gegen die Christen, insbesondere gegen die! orthodoxen Syrier. Die Gutsbesitzer bedrängen die in ihrer Leib-j eigeuschast befindlichen Christen. Mutben verüben nächtliche Heber-, fälle, rauben die christlichen Dörfer aus und entführen die Frauen,^ die sie zwingen, den Islam anzunehmen. Ein vor drei Wochen entführtes orthodoxes Mädchen wurde trotz des Protestes des rufsischen Konsuls nickt ausgeliefert. Ohne das energische Em" schreiten Rußlands und Englands besteht, so heißt es bezeichnend^ in der russischen Meldung, keine Hoffnung auf Wiederherstellung der Ordnung und Erleichterung der Lage der Christen.
2lus Stadt rind Land.
Gießen, 26. April 1910.
•’ Ministerialbuch Haltung. Der Gro ßherzog hat den Vorstand der Buchhaltung der Ministerien des Innern und der Justiz, Rechnungsrat Ludw. Petry in Darmstadt, auf fein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste unb unter Verleihung des Charakters als Geheimer Rechnungsrat in den Ruhestand versetzt und den Mimsterial-Buchhalter Rechnungsrat Ludw. Götz in Darmstadt zum Vorstand der Buchhaltung bei den Ministerien deS Innern und der Justiz ernannt.
** Bataillonsbesichtigung. Eine Besichtigung "deS 1. und 3. Bataillons unteres Regiments durch den kommandierenden General von Eichhorn fand gestern früh auf dem Truppenübungsplatz Darmstadt statt. Das zwelle Ba- talllon wird heute besichtigt.
’• Landw trtschaftSkamme r. Die 53. Vorst a n d s s i tz u n g der Hessichen Landwirtschaftskammer findet am Mittwoch, 4. Mai, statt. Auf der Tagesordnung stehen der Voranschlag der Landwirtschaftskammer für 1910, der Ausschlag der LandivirtschaflSkammer-Umlage, Neuwahl der Delegierten zum Deutschen Landwtrtschafts- rat, die Neuwahlen zur Landwirtschaftskammer sowie eine Anzahl weiterer Punkte, betreffend Gesetzgebung, Handel, Verkehr, Bodenkultur, Tierzticht, sowie Obst-, Wein- unb Gemüsebau.
** 'Die für Gießen erworbene ethnographische Sammln na. Zu dieser in der letzten Zeit in mehreren Ein-, sendungen besprochenen Frage wird uns geschrieben: Dem aus daS Wohl der eth^ographischett Sammlung in .Gießen so eifrig


