Sroeites Blatt
8t. 274
tdcfietm täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
General-Anzeiger für Gberheffen
1
Die „«teBener Kamtltendlätter- werden dem (ytinAetfler* viermal wocdenlltcd betgelegt, daS „Krtisblatl für öen Krets Gießen" zweimal wvchenlilch. Die „Landwtrtfchaflltchen Seit« fragen" erichemen monatlich jroeunaL
Dienstag, 22. November l9lv
Rotationsdruck imb Verlag der Vrühlfche« UnwerfuätS • Buch- mid Steindrucleret.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 6L
Redaktion: 112. Teü-Adru AnzeigerGietzen.
besorgt darum, daß sein iüngerer Siamerab sich mir nicht in irgend-1 müde, sie zu betrachten und ihre abgemessenen einer Weise überanstrenge. beobachten; beständig entdeckt man neue Züge <
t in . . ... f.-r <_____» re_ r .jii t- <■ , ....k r:. r.. . ..K K UlrU ^f^ZTX ..„k
und findet sie so au!
Habiüullah ist ein ganz besonderer Typus. Er sucht förmlich
i Bewegungen r«j .g entdeckt man neue Züge an diesen Vieren tzerordentlich malerisch und so gut sür dieses'
öde, einförmige Land geeignet.
Wir befanden uns jetzt in einer Gegend, wo aller Schnes verschwunden war und nur noch Schmelzwasserlachen standen» und hätten wir eine Säugpumpe gehabt, so hätten wir den Inhalt der Lachen sammeln und das erbärmliche Wasser, das wir in dar Lederschläuchen Mitnahmen, weggießen können. Denn dieses Wasser war in einigen Schläuchen so braun wie Tee, und inj andern hatte es eine so verdächtige Farbe, als sei es mit Tinte vermischt worden. Es hat einen unangenehmen Beigeschmack, der an ranziges Oel erinnert, und man trinkt es am liebsten; als starken Tee mit sehr viel Zucker und eiskatt; man schüttet die ganze Tasse auf einmal hinunter, atmet mit offenem Mund und zündet sich schnell eine Zigarette an. Aber noch leiden wir nicht darunter, und infolge des starken Feuchtigkeitsgehaltes der Luft spürt man gar kein Verlangen nach Wasser.
s
— EineKtrnstakademieinArleS. Der neue französische Minister des öffentlichen Unterrichts Maurice Faure will einen bedeutsamen kunstpolitischen Plan zur Ausführung bringen; und der französischen Kunstakademie in Rom eine neue Knnst - schulezur Seite stellen, die in Arles ihren Sitz haben wird. Arles, stellt mit seinem Forum, seinem antiken Theater, seinen großartigen alten Mauern und anderen wundervollen Denkmälern des, romanischen Geistes einen idealen Aufenthalt für jungt Künstler dar, die sich an diesen Denkmälern einer typisch französisch^ Kultur zur Schöpfung eigener Werke nationaler Kunst begeistern können. Die Gründung geht von dem Glauben aus, bafj dia Deutlichkeiten des französischen Südens keine geringere Bedeutung für die Ausbildung des Künstlergeistes besitzen als die Wunder Roms.
— Kurze No cürichten aus Kunst u. Wissenschaft. Am meteorologisch-geophysikalischen Institut des Pyysikalischen Vereins in Frankfurt a. M. wurde nach dem „Jahresbericht" eine luitelektrische Abteilung neu« gegründet, für die ein vollständiges Instrumentarium ans den lausend bewilligten T-hiteln angeschafft werden konnte. Dieses besteht au§ einem Registrierelektrometer für Potenttalgefälle nach Professor Bendorf, einem Flammenkollektor, einem Polonium- kollektor, einem Apparat zur Messung der Ionenzahl und Beweglichkeit nach Professor Ebert und einem Apparat zur Messung der elettnschen Leitfähigkeit der Lust nach Tr. (Serbien. — Professor paeckel bat fernen Austritt aus der evangelischen Kirche erklärt. — In Straßburg i. Els. ist der emer. ord. Professor der Ehemie an der dortigen Universität Dr. Rudolf Fitlig im 7o. Lebensjahre gestorben. Er war ein geborener Hamburger.
Eine zusammenfassende Regelung des Heilgewerbes 'durch Reichsgesetz, so erwünscht sie sein mag, wird wegen »der in der Sache liegenden Schwierigkeiten in absehbarer | »Zeit noch nicht zu erwarten sein. Umsomehr tritt dass
nach einer Veranlassung, mit den ankern zu zanken, und seine durch einen Messer hieb gespaltene Nase verrät, daß er früher manche Schlägerei gehabt haben mag. Nachdem er heute etwa eine Stunde zu Fuß gegangen war, zwang er das Leitkamel durch einen festen Ruck am Half tcr strick, sich niederzulegen, und ritt dann, bis wir an den neuen Lagerplatz kamen. Aber auch so machte er seine Sache ausgezeichnet und er ließ die Marsch- geschwindigkeü nicht im geringsten geringer werden. Bei den Kamelen ist er in seinem Element; er geht, springt und schlängelt sich wie ein Delphin zwischen ihnen umher und zieht nicht einmal die Stirn kraus, wenn sie ihm gerade ins Gesicht spucken. Sie sind in seinen Händen wie Lämmer und verstehen ihn gleich, wenn er wie eine Schlange zischt, schnalzt, pfeift und gestikuliert. Aber Awul Kasim darf sich nicht unterstehen, Habibullah irgendwelche Vorschriften zu mack)en, denn dann bekommt er sofort eine scharfe Erwiderung zu hören und wird als Luft betrachtet. Der gute Kasim, der die ganze Ausrüstung besorgt hat, mag nMl im Stillen gehofft haben, die Rolle eines Befehlshabers über die andern spielen zu dürfen, aber damit hat et kein Glück, und ich habe ihm auch keinen Ferman dazu gegeben. Mirza ist mein Sekretär und steht daher, seiner Ansicht nach, nur unter mir; er ist stets zugegen, wenn die geographischen Namen des Tages ausgezeichnet werden oder ich mit dem Krtchodah über den Weg beratschlage. Da überdies auch die Kosaken ihre Befehle direkt von mir erhalten und die Kameltreiber nur mit ihren Schutzbefohlenen zu tun haben, sind Awul Kasims Pläne ganz in Rauch aufgegangen, und er geht deshalb mit der Miene einer un- verstandenen Größe unter uns umher. In Zentralasien und in Tibet muß man stets einen Karawanenführer haben, der die andern in Ordnung hält, aber hier in Persien bin ich selbst der Karawan-baschi, und alles geht ohne erwühnensiverte Reibungen seinen glatten Gang.
Jetzt ist es der dritte Tag, daß die Kamele keinen Tropfen Wasser getrunken haben; sie scheinen aber nicht einmal daran zu denken, daß sie mittlerweile durstig sein müßten, und wenn wir an einer größeren Schmelzwasserlache neben dem Pfade Haltmachen, um sie daraus trinken zu lassen, bequemen sie sich kaum dazu, ihr auch nur einen Blick zu schenken. Sie stehen still, atmen ruhig und abgemessen und lafjen ihre würdevollen, reservierten Blicke ohne einen Schimmer rtrn Besorgnis über die öde Steppe fliegen, die sich Tag sür Tag vor uns ausbreitet. Die langen Märsche, die Kargheit der Steppe und der Durst scheinen ihnen gar nichts a uz uh ab en, und sie fügen sich mit erhabener Gleichgültigkeit in ihr Schicksal. Sei der Marsch kurz oder lang und die Last schwer oder leicht, die Kamele folgen geduldig und ohne Murren ihrem Führer. Es sind bewunderungswürdige Tiere, und man suhlt wohl m ihrer Gejellichast. Ich iverde nie
■
gemacht haben, zu laden. Dem Polizeileutnant Folte wird I aufgetragen, die Adresse desjenigen Kriminalwachtmeisters zu er- der an den fraglichen Tagen an der betreffenden Straßenecke Dienst hatte. Auf Befragen erklärt der Zeuge Preuß noch, daß von emer Plünderung seines Ladens keine Rede sein könne Es seren nur zwei Schaufenster zerschlagen und einige ausgelegte Waren entwendet worden. Der Verteidiger Rosen- b erg fragt den Zeugen, Polizeileutnant Götze, ob er wisse, daß Schutzleute einen Angriff auf Leute machten, die auf dem Trottoir standen. Diese Leute wiesen sich dann durch Hoch- Heben der Stöcke als Kriminalbeamte aus. Der Zeuge erklärt das für möglich, er weiß aber nichts davon.
Bedürfnis hervor, aus einzelnen Gebieten, wo sich Miß-1 gemacht haben, zu laden, stände gezeigt und von Jahr zu Jahr mehr breit gemacht haben, vorweg die bessernde Hand anzulegen. Ein solches Bedürfnis hat sich seit längerer Zeit besonders auf dem Gebiete des Kurpfuschertums ergeben. Diesen Erscheinungen gegenüber soll versucht werden, durch eine reichsgesetzliche Regelung mittelst dieses Entwurfs die dringend notwendige Abhilfe zu schaffen.
Die Angeklagte Frau Sattler bekundet, daß ein Kriminalbeamter, der sie nach dem Alexanderplatz transportierte und demgegenüber sie sich beschwerte, ihr gesagt habe, das sei nicht so schlimm, er selbst habe Schläge bekommen, so daß er jetzt noch Striemen davon habe.
Hieraus wird die Zeugin Frau Preuß vernommen, Vie die Aussagen ihres Mannes bestätigt. Insbesondere hat sie genau gesehen, daß ein junger Mann der ruhig seines Weges ging, von den Schutzleuten geschlagen wurde, so daß er zu Boden fiel und um Hilfe schrie.
Der folgende Zeuge ist der Pastor Schwedler von der Reformationskirche. Er schildert zusammenhängend: Ich fuhr mit einem Wagen der Linie 12 am Montag abend nach Hause. Plötzlich hielt der Wagen und ich sah, wie ein junger Bursche einen Stein aufnahm und die letzte noch brennende Laterne zertrümmerte. Dann wurde mir aus der Menge zugerufen: Da geht der Pfasse! Schlagt den Hund tot! Weil mir die Sache sehr bedenklich vorkam, hielt ich es für das beste, möglichst schnell die Flucht zu ergreifen. An der Reformations- kirche angekommen, hörte ich wieder den Ruf: Da läuft er. Schließlich hörte ich Rufe, die aus der Wiclefstraße kamen, und ich ging nach dem Gemeindehaus, in dem ich wohnte. Das Schloß ging auf, aber nicht wieder zu. Einigen Mitgliedern! der Kirchenrates gelang es schließlich gegen 12 Uhr das Schloß in Ordnung zu bringen. Zu persönlichen Angriffen gegen mich ist es nicht gekommen. Das Ganze vollzog sich mit unglaublicher Geschwindigkeit. Die Menge setzte sich aus jungen Leuten von 15 bis 20 Jahren zusammen. Es waren aber auch reichlich viel weibliche Wesen darunter. Die Hälfte aller Personen bestand aus Janhagel. Ich bin ja daran gewöhnt, daß ich bei allen möglichen Gelegenheiten insultiert werde, auch bei den aller- ernstesten, so zum Beispiel bei Leichenbegängnissen. Da gibt es immer einzelne Menschenkinder, die niemals zurückhalten können.। Auch nach den Unruhen sind derartige Insultationen vorgekommen. Daß gegen die Kirche Steinwürfe geschleudert wurden, habe ich erst später gehört. Man sah Arbeiter, denen man anmerkte, daß sie ohne Schuld hineingekommen waren; Leute, die ihr Arbeitszeug bei sich hatten. Die Menge wurde in der allerfreundlichsten Werse aufgefordert, weiter zu gehen. Sie wurde durchaus nicht provoziert. Der Zeuge hat auch nicht gesehen, daß jemand von Schutzleuten geschlagen wurde. Einzelne Gemeindeglieder haben allerdings ihrer Meinung dahin Ausdruck gegeben, daß etwas sehr scharf vorgegangen worden fei Der Zeuge meint, es fei schwer, in solchen Fallen zwischen Gerechten und Ungerechten zu unterscheiden. Am besten wäre es, wenn bei solchen Vorfällen! d i e Gastwirtschaften radikal geschlossen würden^ wenn die Häuser zu einer bestimmten Zeit nicht mehr geöffnet werden dürsten und wenn die Gruppierung der Menschen einfach, verboten würde. Allgemein äußerte sich der Zeuge noch dahin, daß der Stadttell Moabit ihm genau bekannt sei Er habe zu verschiedenen Kreisen, auch Arbeiterkreisen, die freundlichsten Bo- Ziehungen. Aber durch Lektüre, durch Zeitungsartikel toerben oie Leute kopfscheu gemacht. Sie werfen dann alles, was nach Obrigkeit aussieht, in einen Topf. Besonders schädlich sind die in einzelnen Buchhandlungen ausgehängten und unterstrichenen Artikel der Zeitungen. Die Lektüre der Arbeiter ist eine ein^ feitige. Es wird vor allem nur gelesen, was in gewissem Widerspruche gegen die Staatsordnung steht. Da liegt die Quelle; dafür, daß sich an solchen Aufruhrszenen nicht nur Männer, sondern auch Frauen beteiligen. In erster Reihe kommen die Artikel der „Welt am Montag" und der „Zeit am Montag" in Betracht. Das schlimmste Blatt ist freilich der „SünplizissimuS".
Der Zeuge beklagt den depravierenden Einfluß der Fabrikarbeit, auf die weibliche Jugend. Daher seien auch die schlimmsten Eie-!
Die Moabiter Straheiilrawalle vor Gericht.
4 Berlin, 21. Nov.
In der heutigen Verhandlung wird noch einmal auf die Aussage des Warenhausbesitzers Preuß zurückgegriffen. Die Verteidiger befragen den Polizeileutnant Folte über verschiedene Einzelheiten. Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld fragt, ob es nicht aus einem ganz bestimmten Anlaß zu einem heftigen Zusammenstoß, ja sogar zu einet Schlägerei zwischen Kriminalbeamten und uniformierten Schutzleuten gekommen sei.
Der Polizeileutnant Folte erklärt, daß er jede Beantwortung dieser Frage ablehuen müsse. Hieraus beantragt der Verteidiger, einen Beschluß zu fassen, ob diese Frage zulässig sei. Polizeileutnant Folte überreicht sodann eine Karte der betreffenden Gegend, aus der zu ersehen sein soll, daß der Zeuge Preuß von seiner Wohnung aus gar- nicht die Vorgänge auf der Straße beobachten konnte.
Der Zeuge Preuß demonstriert an der Hand der Karte einen Standpunkt und behauptet, daß er, als er auf dem Balkon land sogar von einem Beamten mit Erschießen bedroht worden ei. Der Beamte habe ihm zugerufen: Gehen Sie vom Balkon herunter oder ich schieße. Ob der Beamte einen Revolver in der Hand hatte, weiß der Zeuge nicht mehr. Der Zeuge Preuß bemonftriert auf der Karte weiter, wie die Schutzmannsketten standen.
Polizeileutnant Folte behauptet demgegenüber, daß diese Darstellung des Zeugen polizei-technisch ein furchtbarer Unsinn sei. Zeuge Preuß wiederholt, daß auch mehrere Nachbarn von ihm die gleichen Beobachtungen wie er gemacht habe; insbesondere sei eine alte schwächliche Frau von Schutzleuten blutig geschlagen worden.
Die Verteidiger beantragen diese Frau und noch eine ganze Anzahl anderer Zeugen, die die gleichen Beobachtungen wie Preuß
Mttzstände im Heilgewerbe.
Der Entwurf gegen Mißstände im Heilgewerbe ist dem Reichstage zugegangen. Der Entwurf richtet sich in erster Linie gegen die gewerbsmäßigen Krankenbehandler, also solche, deren Tätigkeit auf einen fortgesetzten Erwerb gerichtet ist. Es fallen demnach nicht unter das Gesetz gelegentliche, oder aus Nächstenliebe oder in Notfällen vorgenommene Hilfeleistungen ärztlicher Natur. Getroffen werden sollen nicht nur die Behandlungen von Krankheiten, sondern um die Tätigkeit möglichst weit einzuschränken, auch die Behandlung von Leiden und Körperschäden. Der Entwurf will, daß als Leiden oder Körperschäden auch Abweichungen von der Norm zu gelten haben, die von der Rechtsprechung nicht oder nicht immer als Krankheiten anerkannt, aber mit Vorliebe von Kurpfuschern und Geheimmittelsabrikanten zum Gegenstände der Behandlung gemacht werden.
Mit der vorgeschriebenen Meldepflicht folgt der Entwurs einem schon in zahlreichen landesrechtlichen Verordnungen fick findenden Vorgang. Durch die Meldung soll der Behörde die zur Ueberwachung des Betriebs nötige Kenntnis von dessen Beginne, sowie von seiner Einstellung gegeben werden. Ziemlich hoch im Vergleich mit anderen Gesetzen sind die Strafbestimmungen dieses Entwurfs namentlich für die Fernbeyandlung und für den widerrechtlichen Handel mit Mixturen, vorgesehen sind Gefängnisstrafen von 6 Monaten und Geldstrafen bis zu 1500 M k.
Der Entwurf will namentlich der sogenannten Fern- bebandlung bei Menschen entgegentreten, die sich in den letzten Jahren zu einem umfangreichen Geschäftsbetrieb au5gebilbet hat und die durch das sclMindelhaft betriebene Reklamewesen nicht nur erhebliche gesundheitliche, sondern auch vermögensrechtliche Schädigungen weiter Volkskreise herbeigeführt hat. Nicht als Fernbehandlung sollen angesprochen die gelegentliche briefliche ober telephonis che Beratung wegen einer Krankheit, wenn der Beratende hierdurch lediglich eine auf Grund eigener Wahrnehmungen an der betreffenden Person vorgenommene Behandlung sestsetzt.
Ein Hauptverdienst des Entwurfs ist, daß er gegen die Tätigkeit der Kurpfuscher auf dem Gebiete der Geschlechtskrankheiten energisch vorgeht. Der Entwurf nimmt an, daß der diesen Krankheiten viele Leidende, be- fonberä in kleinen Städten aus falscher Scham sich scheuen, den Arzt aufzusuchen und dann geneigt sind, sich an einen Lvrpfuscher zu wenden. Um dies ein für alle Mal zu verhindern, verbietet der Entwurf den Kurpfuschern die Behandlung dieser Leiden und «nderer sogenannter Geheimleiden. Auch hofft der Entwurf mit seinen allerdings etwas strengen Bestim- ttungen auf dem Gebiete der Frauenleiden viele Wohl- laten der leidenden Frauenwelt erweisen zu können. Daß her Entwurf den schwindelhaften Aufkündigungen gewisser Kurpfuscher einen Riegel vorschieben will, dürfte allseitig begrüßt werden.
Um auch Annoncen durch Mittelspersonen entgegen- treten zu können, d. h. solchen Personen, die aus anaeb- ticher Menschenliebe Adressen von Kurpfuschern angeben, schreibt der Entwurf vor, daß auch diese Personen zu bestrafen sind, wenn ihre in den Annoncen erhobenen Behaup- timgen nicht auf Wahrheit beruhen.
In der allgemeinen Begründung wird u. tu aus-
hedias Karawane.
ÄUs Hedin, Zn Land nach Indien (Leipzig, I. A. Brockhaus).
Wir entnehmen diesen Abschnitt mit Erlaubnis des Verlages Vrockhaus dem soeben erscheinenden neuen Reisewerk: „Zu Land »ad) Indien durch Persien, Seistan, Belutschistan. Von Sven Hedin"; zwei Bände von 821 Seiten mit zahlreichen Abbll- bilbimgen nach Photographien, Aquarellen und Zeichnungen des Verfassers und mit zwei großen Karten. (Geburwen 20 Mark.) Wir kommen auf das Werk, das gerade jetzt besonders wlllkommen sein wird, noch ausführlich zurück und bemerken heute nur, daß die Fortsetzung dieser interessanten Reise in Hedins berühmtem Werk „Transhimalaja" geschildett ist. Der Forscher führt den Leser in meisterhafter Darstellung auf selten betretenen Wegen durch Persien, das dem Untergang geweihte uralte Land der Sonne und des Löwen, durch das peswerseuchte Seistan und das beinahe unpassierliche Belutschistan. Tie Sumpf- und Sakzwüsten, in denen so viele Karawanen den Untergang gefunden haben, hat Hedin wiederholt durchzogen. Es ist ein Genuß, dem kühnen Reisenden durch Gefahren unb Abenteuer zu folgen.
Während der ersten Stunde deS Tagemarsches gehe ich gewöhnlich zu Fuß, um mir Bewegung zu machen. Obgleich die Kamele ruhig und langsam einherzuschreiten scheinen, kann man nicht neben ihnen herschlendern, sondern muß tüchtig ausschreiten, wenn man mit ihnen Schritt halten wlll. Nach diesem Spaziergang sitze ich dann mitWohlbehagen droben in meinem weichcnVogel- neft auf dem Rücken meines gewaltigen Trägers. Die ersten Stunden der schaukelnden Bewegung vergehen stlntell, dann aber scheinen sie immer länger zu werden, und schließlich sehnt man sich noch dem neuen Lager und hat selten Grund, verdrießlich darüber zu sein, wenn der Führer sagt, daß wir dott angelangt seien.
Newenk, der Hund, ist jetzt ganz zahm und dank der rücksichtsvollen, beinahe schmeichlerischen Behandlung, die ihm im Lager von allen Seiten zuteil wird, findet er sich auch in seine neuen Lebensverl-ältnisse. Er geht schon frei umher, hält sich meistens in der Nähe des ersten Kamels auf und wedelt zutunlich mit dem Schwanz, sobald ihm jemaub bie geringste Ausmerksantteit zuwendet. In den Lagern erfüllte er alle Pflichten eines wachsamen Hofhundes untadelhaft und erlangte dadurch in unserer Wcnrdertruppe eine gewisse.Popularität. Er hatte einen ziemlich dichten, üppigen Pelz, den er in der Winter kälte gut brauchen konnte; aber die Beit wird kommen, in der er sehr unter der Hitze zu leiden haben wird.
Em alter Kamelhengst, der mir schon in Teheran allerlei Beb en len erregt hatte, zeigt Spuren von Erschöpfung und kann ein schwereres Gewicht als da-s emeß Reiters nicht mehr tragen, ^ie beiden Kosaken reiten ihn abwechselnd; aber Hussein Ali itebt davn den heueren Teil, denn AvbaA ftuli Bek iji sichtlich
Dos8lotknbauprogrommöeröfterreid}ifd)cnlleglcrung
Die „Neue freie Presse" meldet: Das gestern im gemeinsamen Ministerrate durchberatene gemeinsame Budget wird eine er st e Baurate für die drei Dreadnoughts enthalten, außerdem wird es für Heer und Marine zusammen eine regelmäßige Steigerung von 10 bis 12 Millionen Kronen aufweisen. Das Wehrgesetz wird erst im Jahre 1911 den gesetzgebenden Körperschaften vorgelegt und nicht vor dem Jahre 1912 in Wirksamkeit treten. Das Rekruten- konttngent für das Jahr 1911 wird dasselbe wie bisher bleiben. Der Bau der ^drei Dreadnoughts wird zusammen 180 Millionen Kronen in Anspruch nehmen, bie Kosten werden auf drei Jahre verteilt. Für die erste Baurate der Dreadnoughts und für die normale Steigerung der Heer- und Marineerfordernisse für das Jahr 1911 werden etwa 50 Millionen Kronen in Betracht kommen.
Wie verlautet, ist das Flottenbauprogramm der österretchisch-unaarischen Kriegsmarine folgendes: vier Schlachtschiffe, davon zwei, zu 20 000 und zwei zu 23 000 Tonnen Deplacement, drei Schnelllreuzer, 10 Torpedofahrzeuge, 12 Hochseetorpedoboote und 6 Unterseeboote. Die Gesamtkosten betragen 310 Millionen Kronen. In das Marinebudget sür 1911 sind eingestellt 47 Millionen für Marinebedürfnisse ausschließlich Schiffsbau, 20 Millionen als restliche Verbindlichkeiten für die bereits fertig gestellten Schiffe der Radetykdivision, und 22 Millionen als erste Rate für Dreadnoughts. Zusammen beträgt daher das Marineersordernis pro 1911 gegen 90 Millionen.


