Ausgabe 
17.12.1910 Fünftes Blatt
 
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Ur. 296 Sflnftes Matt

160. Mrgang

6dd)etm figHtt mit lutna^me des Sonntagt.

Die wett8cnei .VomiltenblÖttef* werden dem .Anzeiger« viermal roöchentltcb betgelegt, da» Kretsblatt (1t ben Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die ..Lanbwtnlchaftltchei, Lett- frage«" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Samstag, TL Dezember 1910

Rotationsdruck und Verlag bet Brühklch« UnwersitätS Bilch- und Skeindtuckeret, R. Lange, Gießen.

Redaktion, Exvedition und Druckerei: Gchul- straße 7. Expedition und Verlag: 6L

Redaktion. 12. Tel.-Adr.: AnzergerGieß«.

hessische Zweite Komm«.

Darmstadt, 16. Dez^

Dm Negierungstische: Minister des Innern v. Homberg'k, Kehcimerat Wilh. Best.

. Vizepräsident Kor eil eröffnet die Sitzung um 9 Vs Uhr bei schwach besetztenr Hause. Es wird sofort in die Tagesordnung kingetreten und nrit der

Beratung der Landgemeindeorduung fortgefahren.

Art. 212 werden genehmigt gegen zwei Stimmen, letzterer mit einem Zusatzantrag Köhler, ferner'Art. 13 und 14.

Bei Art. 15 kommt 2lbg. Nebel (Zentr.) auf seinen gestern angekündigten Antrag, betreffend die Ortssatzungen, zurück. Es müsse ein Weg gefunden werden, die Ortssatzung aufzuheben oder abzuändcrn, falls eine Zweidrittelmehrheit des Gemeinderats das­selbe beschließt. Er beantragt einen entsprechenden Absatz 5 ein- zu. schieben.

Abg. Reh (f. Dp.) richtet an die Regierung die Anfrage, ob seine Auffassung richtig sei, daß die Aufhebung dieselben Voraussetzungen erfordert, wie der Erlaß von Ortssatzungen.

Abg. Tr. Winkler (natl.) beantragt eine Acnderung dahin, daß die Beschlüsse des Gemeinderats beim Fehlen eines Gemeinde- .hauses in der Amtsstube des Bürgermeisters aujäulegen sind.

Abg. Tr. Glässing (natl.) bekämpft den Antrag liebel als unpraktisch, ebenso Minister des Innern v. Hombergk als volitisch bedenklich. Letzterer bestätigt die Auffassung des Abg. R e h hinsichtlich der Aufhebung der Ortssatzungeu. Tie Regierung müsse unbedingt das Recht des Einspruches sich wahren, schon deshalb, weil sich in neuerer Zeit der Genreinderat immer mehr aus politischen Elementen zusammensetze. Ten Antrag Dr. Winkler könne er zur Annahme empfehlen.

Abg. Hebel (Zentr.) bleibt bei seinem Antrag. Der Aus­schußantrag wird mit der dlbänderung Tr. Winklers angenommen; der Antrag Nebel abgelehnt.

| Tie Art. 1622, Allgemeine Bestimmungen über die An­gehörigen der Gemeinde, ihre Rechte und Pflichten, werden ohne wesentliche Tebatte gegen die Stimmen der Sozialdemokraten an genommen, desgl. Art. 2332, die Erwerbung des Ortsbürger­rechtes betr. Zu Art. 33, Allgemeine Vorschriften über die Rechte der Ortsbürger am Gemeindevermögen, macht Abg. Tr. Heiden- reich (natl.) längere Ausführungen. Es herrschten unhaltbare Zustände und Unstimmigkeiten wegen der Nutzungen in den Ge meinden. Ter Staat solle das Gesetz einer Revision unterziehen 'unb die Nutzungen beseitigen.

Abg. Tr. Winkler (natl.). Die Regelung der Angelegen­heit nach dem Beschlüsse des Ausschusses sei durchaus vernünftig und sachgemäß. Eine Ablösung von Gesetzeswegen dürfe nicht geschaffen werden. Er ist gegen den Vorschlag des Vorredners. Tie Sache sei nicht so wichtig, daß man als letzte Instanz nicht den Provinzialausschuß gelten lassen könne.

Geheimerat Best: Ter Vorschlag Tr. Heidenreichs sei be­achtenswert. Tie Regierung sei der Ansicht, daß die Iiegelung des Ortsbürgerrechtes einem späteren Gesetze Vorbehalten werden soll. Tas verursache jedoch so große Vorarbeiten, daß er bitten müsse, vorerst dem jetzigen Gesetzentwürfe zuzustimmen. Der Meinung des Abg. Tr. Winkler, das Ortsbürgerrecht sei nicht so wichtig, müsse er widersprechen. Es handele sich oft um so große Streitobjekte, daß der Verwaltungsgerichtshof unbedingt als letzte Instanz angerufen werden müsse.

Abg. Köhler (wild) begrüßt die Erklärung der Regierung, daß sie das Ortsbürgerrecht nicht anbasten wolle. Abg. Tr. Heiden­reich wolle Altbewährtes ruinieren; ihm müsse er widersprechen. Eine Kollission der Auffassungen der alten und neuen Zeit zu vermeiden sei nicht so leicht. Der Vorschlag Tr. Heidenreichs 'führe zur Zerstörung des Volkstums. Es sprechen noch Abg. Tr. Winkler (natl.), Ministerialrat Best, Abg. Tr. Heiden­reich, der nochmals für seinen Antrag eintritt. Er wolle die Mißstände beseitigen, die sich aus dem Gesetze von 1852 ergäben.

Abg. liebel (Zentr.) spricht nochmals als Berichterstatter. Die Ausführungen des Dr. Heidenreich enthielten einen wahren Kern, doch ginge Dr. H. von einer falschen lzistorischen Voraussetz­ung aus. 'Das Ortsbürgerrecht sei ein erworbenes Recht und schwer zu beseitigen. Die Beseitigung wirke unsozial und komme den Reichen zugute. 'Der Ausschüiß habe mit seinen Vorschlägen das Richtige getroffen.

Ter Ausschußantrag wird angenommen, der Zusatzantrag Winkler abgelehnt.

Art. 34 fallt aus. Art. 35 wird angenommen, desgl. 36 und 37. Art. 38 bis 44, Zusammensetzung und Wahl des Ge­meinderats werden ohne Tebatte genehmigt.

Bei Art. 45, Wahlb er echt i g un g tritt Abg. Köhler (Wild) dafür ein, daß die Eingesessenen besser behandelt werden, als die neu Zugezogenen. Mit dem Ortsbürgerrecht müsse ein besonderes Wahlrecht verbunden werden.

Geheimerat Best widerspricht den Ausführungen des Vor­redners. Tas Interesse ,ter Einwohner an der Gemeinde er­kenne man daran, daß sie eine Zeit lang in der Gemeinde gewohnt Hütten.

Abg. Köhler (Wild) will nur biej eiligen geschützt wissen, die von jeher in ihrer Heimatgemeinde ansässig wanest.

Ter Artikel wird mit einer kleinen redaktionellen Aenderung gegen 12 Stimmen angenommen, desgl. Art. 46.

Art. 46 betrifft das Ruhen der Wahlberechtigung, er wird ohne Aussprache angenommen.

Art. 47 bestimmt, 1. daß zuMG e meinderat wählb ar sein soll ejder Wahlberechtigte, dessen Wahlberechtigung nicht ruht. 2. Nicht wählbar sind: Aktive Militärpersonen, der Kreisrat und dessen Stellvertreter, Bürgermeister und Beigeordnete usw. 3. Staatsbeamte und Volksschulleihrer beburfen zur Annahme einer auf sie gefallen en Wahl der Erlaubnis der vorgesetzten Dienstbehörde. Statt dieses letzten Absatzes der Regierungsvorlage beantragt der Ausschuß die Annahme folgenden Satzes: Insoweit im Dienst befindliche Staatsbeamte nicht von der Wählbarkeit ausgeschlossen, sind, bedürfen sie zur Annahme einer auf sie gefallenen Wahl der Erlaubnis des vorgesetzten Ministeriums.

Abg. Dr. Wolf-Gonsenheim beantragt, den letzten Sah des Artikels 47 in der Regierungsvorlage zu streichen. Dagegen beantragt Abg. Bach (Natl.), ben letzten Satz nach der Regie­rungsvorlage wieder herMstellen und den Ausschußantrag ab- Kulehnen.

Abg. Tr. Wolf-Gonsenheim (Freis.): Aus vielen Para­graphen des Gesetzes spreche eine Bevormundung der Gemeinden. Das Haus wolle alte Zöpfe, die die Regierung selbst habe ab­schneiden wollen, beibehalten. Ter dickste sei die Forderung, den Lehrern und Geisttichen das passive Wahlrecht vorzuenthalten. Man dürfe die Lehrer nicht mehr so beurteilen, wie vor 300 Jahren, wie es die Oberhessen täten. (Oho!) Die Kammer wolle den Artikel 47 abschaffen.

Abg. Bach (Natl.) begründet seinen Antrag auf Wieder­herstellung der Regierungsvorlage. ^>chon früher seien die Lehrer leine Gemeindebeamten gewesen und seien es auch heute nickst, ha die Gemeinde nur das Grundgehalt bezahle, der Staat aber 2/3. Man dürfe deshalb diesen Beamten nach nicht einen Teil ihren

vürgerlichen Reckste nehmen. Von den 26 Bundesstaaten gewährten, außer Hessen nur Elsaß-Lothringen, Preußen und Mecklenburg den Lehrern nicht das passive Wahlreckst. Alle übrigen Bundes­staaten seien einstimmig der Meinung, daß Nachteile sich auS dem passiven Wahlrecht nicht ergeben hätten. Der Redner verliest sodann einige Aeußerungen aus verschiedenen Bundesstaaten. Das sonst so fortschrittliche Hessen stehe in diesem Punkte selbst hinter Mecklenburg zurück, wo an einem Orte ein Lehrer sogar Vorstand des Gemeinderats sei. Man solle die schon herrsck^nde Verbitterung nicht nocki vertiefen unb verschärfen. Es handele sich um eine prinzipielle Angelegenheit, um die Beseitiaung einer Ausnahme­bestimmung. Man solle den Grundsatz^aufrecht erhalten: Gleiche Pflichten, gleiche Rechte.

Minister des Innern v. Hombergk: Tie Regierung stehe noch auf ihrem alten Standpunkte und würde eine Differenzierung zwischen Stadt und Land bedauern. Zu den Lehrern habe er das Vertrauen, daß sie sich, wenn ihnen das passive Wahlreckst gewährt iuütte, ans Standesinteresse desselben würdig zeigen würden. Die Erlaubnis der vorgesetzten Behörde sei beizubehalten.

Abg. Köhler (wild): Das beste Mittel, die Lehrer von politischen Umtrieben abzuhalten, sei, ihnen das Gemeinderats­wahlrecht zu geben. Au vielen Lehrern hätte man eine gute Stütze, Fortschritte in der Gemeinde zu fördern.

9tbg. Dr. H eidenreich (natl.) kann mit feinen Partei­genossen nicht übereinstimmen. Wenn der Minister die Frage näher kenne, würde er das Interesse der Gemeinde in den Vordergrund stellen, nicht die Stellung der Lehrer. Der Einfluß der Lehrer int Gemeindeleben, besonders bei kleinen Gemeinden, sei sehr groß; eine Parteilichkeit könne leicht Platz greifen. Deshalb sollee der Lehrer über den Parteien stehen. Nur dann könne er eine segensreiche Tätigkeit aus üben und werde seiner Wirksamkeit als Lehrer nicht entzogen. Nicht die Frage des Staatsbürgerrechtes der Lehrer, sondern lediglich die Frage des Gemeindelebens und der Schulverhältnisse Hütten den Redner zu dem Vorschlag be­stimmt, den derzeitigen Zustand belassen zu wollen. Die Lehrer hätten durch ihren Drang zur Oeffentlichkeit die Ausmerksam- teit auf sich gezogen: dieser Drang müsse beschränkt werden. Der Redner hält es für seine Pflicht, der Stimmung der Kreise Ausdruck zu geben, die er hierzu vertreten habe.

Abg. Raab (Soz.): Geistliche und Lehrer seien mit den anderen Ortseinwohnern vollständig gleichberechtigt. Mit dem Minister stimme er darin überein, baß es besser sei, wenn die Lehrer öffentlich in den Gemeinden mitarbeiteten, als wenn sie hinter den Kulissen als Schieber die Sache doch besorgten. Für die Gemeinden sei es von größtem Vorteil, wenn die Lehrer, die oft die einzigen Gebildeten im Dorfe seien, in ihrer Verwaltung mitarbeiteten. Ter Art. 47 sei in Bezug auf die nötige Erlaubnis seitens der vorgesetzten Dienstbehörde eint versteckter Bestätigungs- Paragraph, den er beseitigen wolle.

Abg. Wolf-Stadecken (Bb.) spricht gegen das passive Wahlrecht der Lehrer. Wenn diese ihn deswegen haßten, so sei sei ihm das egal. Er wolle die Lehrer vor den schmutzigen Wahlagitationen bewahren. Es treffe durchaus nicht zu, wenn be­hauptet würde, die Landgemeinden fürchteten die Intelligenz der Lehrer. Es sprechen noch die Mgg. Bach (natl.) und Köhler- Langsdorf (wild).

Abs. 1 des Art. 47 wird nach der Regierungsvorlage an- nommen, Abs. II ab gelehnt mit 21 gegen 20 Stimmen, desgl. der Antrag .Heidenreich. Abs. III wird nach der Regierungs­vorlage angenommen. Der Antrag Kohler wird einstimmig an­genommen. Die Eingaben der beiden Lehrervereine werden für erledigt erklärt. Art. 48 betrifft die Verwandtschaft unter den Gemeinderatsmitgliedern. Abg. Köhler-Langsdorf beantragt eine Erweiterung der Verwandt!chaftsgrade. Art. 48 wird nach der Fassung des Ausschusses genehmigt. Der Antrag Kohler abge­lehnt. Die Art. 49 bis 54 werden genehmigt.

Schluß der Sitzung gegen 1/s2 Uhr. Nächste Sitzung Diens­tag den 20. Dezember vormittags 10 Uhr.

(Eine Ohrenzeugin über eine Aeutzcrung Bismanfs.

Bismarck soll bekanntlich beim Ausbruch des französi­schen Krieges eine Aeußerung getan haben, daß er Elsaß- Lothringen aus dem Kriege mitbringen werde. Auch der bekannte Heinrich von Poschinger gibt diese Aeuße­rung in feinem neuesten BismarckbuchAlso sprach Bis­marck" folgendermaßen wieder:

Es war am 9. August 1870 in Homburg, wo Bismarck mit dem bayerischen Bezirksamtmann Siebert eine Unter­redung über den Elsaß hatte. Nach Heinrich von Poschinger spielte sich der Vorgang folgendermaßen ab: Siebert sagte (beim Mschied Bismarcks vor dem Aufbruch nach Saar­brücken):Wenn Sie zurückkommen, so bringen Sie uns doch Elsaß-Lothringen mit!" Daraus Bismarck:Verlassen Sie sich daraus, lieber Herr Kollege, was gemacht werden kann, wird gemacht."

Diese Unterredung spielte sich im Hause, des Bezirks­amtmannes von Homburg, Siebert, ab, der späterhin Re- gierungsrat in Neustadt a. H. wurde. Bismarck war hier im Quartier und hat hier einige sehr schöne Stunden ver­lebt. Bei der Unterredung war auch die Gattin des Re­gierungsrates Siebert anwesend, die vor einigen Monaten verstorben ist. Sie hat aber über diese Unterredung, wie über die ganze Kriegszeit, ein Tagebuch geführt, das die Unterredung authentisch wiedergibt. Wir lernen den wahren Charakter der Unterredung durch eine Zuschrift der Tochter der Frau Regiemngsrat Siebert, Fräulein Lina Siebert, kennen, die sie an dieSp. Ztg." richtet, und in der sie das betreffende Tagebuchblatt ihrer Nkutter wort­wörtlich mitteilt. Es lautet folgendermaßen:

Die Heine interessante Episode mit Bismarck spielte sich in den Tagen ab, als der König von Preußen Quartier im Bezirks­amtsgebäude in Homburg (Pfalz) bezogen hatte. Alle Zimmer waren besetzt. Meinem Vater blieb für die Amtsgeschäfte nur ein Stehpult nahe dem Bureaufenster, von welchem Platze aus er Bittstellern, Beschwerdeführern usw. durch das offene Fenster auf die Straße hinaus Bescheid erteilte. Diesen Platz räumte er am zweiten Tage Bismarck, welcher mit zwei Herren in Zivil geheime Verhandlungen zu führen hatte, auf eine falbe Stunde ein, indem er selbst das Bureau verließ. Frau Siebert schreibt nun: Als Bismarck mit seinen Begleitern wieder herauskam, be­dankte er sich in liebenswürdiger Weise böi meinem Manne für dessen diskretes Verhalten, bei welcher Gelegenheit mein Manu zu sagen wagte:

Exzellenz werden uns doch Elsaß-Lothringen wieder zurück­bringen ?"

Als Bismarck mit den Schultern zuckte, wurde mein Mann eifrig und bemerkte:

Man wird doch die uns geraubten Provinzen wieder zurück­nehmen?" worauf Bismarck meinte:

Nun, nun, wir wollen die Haut deS Bären nicht verteilen, ehe wir ihn erlegt haben,"

2lus Scaöf uiiO £anö«

Gießen, 17. Dezember 1910.

** Eine Lehrerkonser enz wurde am Freitag in befl. Stadtmädchenschule unter dem Vorsitze des KreisschulinspektorS Professor Dr. Alles abgehalten. Lehrer Linden st ruth hielt eine nrusterhafte Probelektion in Naturlehre. Der Unterricht trug in erster Linie der Sclbsttätigkeit der Schüler Rech­nung. Die Versuche zeigten die Wasserverdrängung der Körper, Gewichtsverlust fester Körper int Wasser, Bestimmung des spezi­fisches Gewichtes fester und flüssiger Körper und die Anwendung aufs praktische Leben, Wasserdruck und Rohrbrüche bei Wasser­leitungen, Auflösung von Salz und Zucker im Wasser. Die Lektion befriedigte die Zuhörer sehr, besonders wurden auch die praktischen Apparate bewundert, die Lehrer Lindenstruth zum Teil selbst angefertigt hatte. Eine von ihm hergestellte große Zeigerwage ermöglichte es den Kindern, vom Platz aus die Wiege- rcfultatc abzulesen. Danach wurde den Lefaern ein wahrer Kunst­genuß durch die Gesangsv orträge der Mädchen-Klasse des Lehrers T r a u t m a n n geboten. Ten beiden Lehrern, Linden- ftruth und Trautmann, dankte der KreissckMlinspektor namenZ der Konferenzteilnehmer. Von den weiteren Besprechungen sei in erster Linie der Hinweis auf die Fremdenlegion und die Aufklärung der deutschen Jugend mitgeteiU. In der Versassungs- tunte soll im Fortbildungsunterricht bei Behandlung der Wehr­pflicht auf die große Gefahr hingewiesen werden. Lehrer Storck- Altenstadt ist bereit, in Heimatpflegeverei neu, Volksbildungver- ciiien und Kriegervereinen über die Fremdenlegion Vorträge zut halten. Auch mit den Maßnahmen gegen die Schund- literatur befaßt sich die Konferenz. Ter Vorsitzende empfiehl-; die Verbreitung eines Flugblattes, das der Schulvorstand zu Darmstadt farausgegeben hat. Es fordert das Elkemfaus auf, kräftig gegen die Schundbück.er aufzutreten. Hauptlehrer Schaaf- Gießen teilt mit, daß die Gießener Schulbehörde von Duckchcurdlern, die derartige Schriften feil hielten, keine Lehrmittel für die Schule bezogen. Diese freien Lehrmittel erfordern jährlich 4000 bis 5000 Mk. Dem Lesebedürfnis muß durch Schüler- und VolkS- bibliothekett entgeztengekommen IDerben. Das Leichen singen findet nur noch patt in Trais und Lang-Gons. Die .Kreisschul- tommission fat beschlossen, einen neuen Katalog für die Kreis­lehrerbibliothek herzu stellen. Andere Besprechungen be­handelten noch die Volkszählung, llebenueifung ter Volks schiller in andere Orte und die Ausgabe von Zeugnissen für Fortbildungs- schiller. Ein Ausschuß wurde mit der letzteren Frage betraut, An die Konferenz schloß sich ein Essen im Hotel Schütz. Dabei begrüßte ter Senior der Lehrer des Bezirks, Schneider- Heuchelheim, unter lebhaftem Beifall den neuen Kreisschulmspekto« Professor Tr. Alles.

D i e Hauptlehrerprüfung bestanden die Lehrer H. Schmidt aus Usenborn und A. Klingler in Darmstadt, früher in Wicftck.

' Kun st verein. In der Gemälde-Ausstellung wurde ivieder ein vollständiger Wechsel der Gemälde vorgenommen. Es gelangten neu zur Ausstellung Kollektionen von P. Segtffer- Kallsruhe, G. Wustmann-Leipzig, der Freien ^Bereinigung Weimarer Künstler und eine Nachlaß-Kollektion deß 1857 verstorbenen Hamburger Künstlers Julius Bakos, der in München studierte und danach daS Atelier des Genfer Maler- Alexander Calames besuchte. Bakos unternahm Studienreisen in die Schweiz, nach Paris und Barbison und später suchte er wieder seine Vaterstadt Hamburg auf. Mit dieser Kollektion ist dem Wunsche einiger Kunstfreunde Rechnung getragen, Kunstwerke aus alter Schule im Kunftoerein auszustellen. Ferner haben die Ausstellung beschickt: R. Lipps, W. Heu­bach, S. Neumann-München, E. Firnrohr.Karlsruhe, M. Frey- Frankfurt. C. le Feubure-Toelz usw. Von der einheimischen Künstlerin Ottilie Kowarzik sind 5 Bilder ausgestellt. Die Kollektwn des Pros. L. Dettmann gelangt im Januar zur Ausstellung, da der Künstler beabsichtigt, die bereits schon hier befindliche Kollektion um einige Bilder zu vermehren, die gegenwärtig in Hamburg und Köln ausgestellt sind.

Landkreis Gietzen.

A Allendorf a. d. Lda., 16. Dez. Das hessische Tuberkulose-Wander-Museum ist heute hier im Saale des Gastwirts Ranft am Bahnhof eingetroffen unb steht den Orten der Rabenau zur Besichtigung fr et

Ltch, 16. Dez. Unsere Stadt hat mit 2739 Ein­wohnern gegen die vorige Volkszählung ein Mehr von 120 Personen aufzuweisen, eine für die hiesigen Verhältnisse recht hohe Zahl, besonders wenn man bedenkt, daß früher Jahrzehnte lang die Einwohnerzahl stehen blieb oder gar ab­genommen hat. Die Bevölkerungszunahme ist auf die stärkere Frequenz der Präparandenanstalt, vor allem aber auf die in den letzten Jahren in unserer Stadt erfreu­licherweise immer mehr steigende industrielle Tätigkeit zurückzirführen.

2$. Muschenheim, 16. Dez. Gelegentlich der Feld- bereinigungSarbeiten in unserer Gemarkung wurden an der Stelle, wo sich einst das Gräberfeld des römischen Kastells Alte bürg befand und wo vor etwa einem Jahr­zehnt schon bedeutende Ausgrabungen vorgenommen worden find, wieder eine Menge kleinere AltertumSfunde ge­macht, aber feine von größerer Bedeutung. ES waren in der Hauptsache nur Scherben, kleinere Ziegelstücke (terra sigillata) und Teile von alten römischen Weinbechern, dis bei Schleifungsarbeiten an die Oberfiäche kamen.

r. Hungen, 16. Dez. Die letzter Tage durch betx schiedene Blatter gegangene Nachricht, daß die elek­trischen Trieb wagen Friedberg Hungen und Hungen Mücke ad 1. Januar laufen würden, trifft nicht zu. Wie man uns mitteilt, dauert es noch min­destens bis Februar, es kann aber auch März drüber wer­den ; solange wird es noch bis Aur Fertigstellung der Wagen dauertt. Die neuen Wagen kommen nach Limburg, die dortigen hierher.

Kreis Schotten.

r. Schotten, 16. Dez. Nun sollen auch an bett hiesigen Kreis st raßen Obstbaumpflanzunaett mngenommen werden. In wirtschaftlicher Hinsicht ist oieA zu begrüßen, doch ist es schade um die schönen Alleen, die fallen müssen.

n. Gedern, 16. Dez. Wie sehr der Wunsch der Lehrersck>aft nach Anerkennung und Einreihttng als Staats­beamte, und Auszahlung der Gehalte aus der Staatskasse