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28.6.1910 Zweites Blatt
 
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Dienstag 28, Juni 1910

Zweites Blatt

Nr. 148

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

Bleistangen durchbohrt, Hinreichende Proben haben ergeben, daß der Raum absolut resonanzlos ist. Er wird zu klinischen Unter

, 160. Jahrgang

Aus Stadt und Land.

Gießen, 28. Juni 1910.

»* In den Ruhestand versetzt wurde der Eisen- bahngehUfe in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Hch. Reuter 511 Bleichenbach.

DieOiehener KamilienblStter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Krcisblfltt für dru Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. DieLanüwirtschostlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Rotationsdruck und Verlag der B.rühl'schen UniversitätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Sieben.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftrabe 7. Expedition und Verlag: Redaktion:«^ IIS. Tel.-Adru AnzeigerDieben.

Kunft, Wissenschaft und Leben.

Wilhelm Wetz f. Aus Freiburg kommt die Trauer­kunde, daß dort der ordentliche Professor der, englischen Sprache und Literatur, Prosessor Wtthelm Wetz, nach eurer schweren Opera- rwn im besten MonneSolter verschieden rst. Wetz ist in Eppelsheim in Rheinhessen am 7. Oktober 1858 geboren rrorbcn Er habr- litierte sich in Straßburg und. folgte dann im Jahre 1898 einem Rus san die Universität Gießen, der er bis zum Jahre 1902 an* gehörte. Später hat er den Lehrstuhl, für Anglsttik ur Freiburg angenommen. Sein Lebcnswerk ut^hakeipearc vom Standpunkt der vergleichenden Literaturgc,chrchte ,. das 1890 er­schien, aber seither nur üt einem 1. Band. Auch sonst war Wetz vielfach literarisch tätig und hat sich namentlich rn den Ärenen der Literarhistoriker einen geachteten Namen crworoen. Tre von rhm geleiteteZeitschrift für vergleichende ^.lteraturgeschicht^ ist als wertvolles Blatt hinreichend bekannr. Auch in Gießen läßt Professor Wetz viele Freuiidc zurück, die seinen frühen Umgang schmerzlich bedauern, uni) denen er als charaktervoller, prächtiger Mensch unvergeßlich bleiben wird. .. ..

Die Historische Kommin'ion s,ur Hcsfcn und Waldeck hat jetzt ihren Jahresbericht veröffentlicht. An der Jahresversammlung nahmen 2a Herren von Marburg und aus­wärts teil. Professor Frhr. v. d. RoPp gedachte der gestorbenen Mitglieder, des Geh. Reg.-Rats Prof Dr. B. Niese in DcUle Oberlehrers E. Becker und Prof L. Diemar tn Marburg Als Patron ist die deutsche Kolonialschule in Witzcnhausen bei getreten, während Geh. Reg.-Rat Tr. Eisenmann, setzt m Karlsruhe, ba5 Patronat niedcrgelegt hat. Die Rechnuiigslage ist recht günstig EE Einnahm? von 12675,17 ^^tchnS0Ä ® 5617,32 Mk. gegenüber, so daß ein Kasscnbestand von 7058,8o Mk. verbleibt. Nach der Entlastung des SchLvmeiswrS^Ge> Dr. Könneckc, wurden zu Mckalredern gewählt: J und Archivassistent Dr. Schultze Marburg. Bibliothekar

Jürgens in Wiesbaden und Prof. Dr. Roloff in Gießen ~te Lcrichte über die wissenschaftlichen Unternehmungen betra.en Fuldaer Urkundenbuch, Lanütagsakten, Chroniken von Hestcii und Waldeck, Landgrafcnrcgcsten, llrkmrdenbuch der ^tterauerReichs- städte, hessische Niiinzgeschrckftc, die i^uellen der Gt-schuyte des geistigen und kirchlichen Lebens, Quellen Geschichte der Land­schaften der Werra, Sturios Jahrbücher der Neusta^ Hanm^ Hessische B-hördenorganisatwn 'Beitragezur Vorgeschr^eder Reformation tn Hessen und Waldeck, vesstscher^chnstaat, K^ßer- lerikon und Klosterarchrvc. Als wettere Aufgaben wurden schließ lich vom Vorstande ins Auge gefatzt die BeronenAichung^.vvn Quellen zur Vsrfassungs- und Berwaltungsgeschichl». der Hs,,isch^n

= Grünberg, 27. Juni. Tie Bahnverwattung hat für Sonntag, 3. Juli anläßlich des Radsahrersestcs in^ Als- eld und des Gau -Tur n f e st e s in Grünbera einen 00 n- derzug eingelegt, der nach folgendem Plane verkehrt: Alsfeld ab 9.18 nachm., Zell-Romrod ab 9.29, Ehrings­hausen ab 9.43, Burg-Ncieder-Gemünden ab 9.49, Meder- Ohmen ab 9.57, Mücke ab 10.04, Grünbcrg ab 10.15, Göbelnrod ab 10.21, Saasen ab 10.27, Reiskirchen ab 10.33. Großen-Buseck ab 10.39, Rödgen ab 10.43, Gießen an 10.52. Die Ankunft des Zuges in Gießen ist so gelegt, daß nach allen Hauplrichtungeu Anschluß gegeben ist. Zu dem Zuge werden Fahrtarien zu dem tarifmäßigen Fahrgeld verausgabt. Die übrigen Züge sollen entsprechend ver­stärkt werden, um eine glatte Abbeförderung der Festleil- nehmer zu ermöglichen. Außer diesem Sonderzug der Staatsbahn hat auch die Nebenbahn LichGrün­der g einen Sonderzug eingelegt und zwar am 3. Juli Lich ab 11.45 Dornt., Grünberg an etwa 12.45. Desgleichen hat sie den Morgen^ug, der sonst 8.50 von Lich abgeht, auf 9 20 verlegt, um den Anschluß an den Zug aus der Rich­tung MddaHungen, der 9.13 in Lich eintrifft, herzuftellen. Auch verkehrt an diesem Tage der Abendzug nicht nur bis Lich, sondern wird bis Butzbach durchgeführt. Die Mel­dungen zum Einzelwetturnen und Wettfechten sind nun alle cingelausen. Gemeldet ftnb für die Unterstufe 343, für die Oberstufe 40 und zum Wettfechten 22. Letzteres ist dieses Jahr zum erstenmale auf dem Gauseste vertreten. Als Kampfrichter hierbei wirten mit Kreisfechtwart Stassen- Hanau, Graf-Frankfurt, Zimmermann°-Offenbach, Oppen­heimer-Butzbach und Aktuar Langsdorf vom Turnverein Grünberg. Die Zahl der Musterriegen beläuft sich auf 71. Zum Vergleiche feien die Zahlen vom vorjährigen Gau» turnsest zu Marburg angeführt. Es turnten daselbst im Einzelwetturnen in der Unterstufe 250, in der Oberstufe 38 Turner und die Zahl der Mu-sterriegen betrug 74.

= Hattenrod, 26. Juni. Heute fand die Ab- s ch i e d s f e i e r für unseren scheidenden Lehrer, Friedrich

Die Vorlage besagt, daß der Vorstand mit Genehmigung des Oberversicherungsamts Beamte auf Lebenszeit an­stellen kann. Dazu beantragten die Nationalliberalen, daß bei einwandsfreier Führung diese Anstellung nach läng­stens fünfjähriger Dienstzeit von Amtswegeu zu er­folgen hat.

Die Frage der Militäranwärter wurde lebhaft disku­tiert. Von mehreren Seiten wurde betont, daß es nicht wünschens- wert sei, den Militäranwärtern als solchen den Zugang zu den Krankenkassen zu eröffnen. Der Entwurf sieht in dieser Be­ziehung vor, daß für Militäranwärter kein Vorrecht bei der Stellenbesetzung vorgeschrieben werden darf.

Bei der Abstimmung wurde § 362 nut der Erwei­terung angenommen, daß vor dem Erlaß und bei Aenderungen der Dienstordnung die Angestellten zu hören sind. § 363, über die Aufgaben der Dienstordiiung, wurde nach Anträgen des Zentrums und der Ncttionalliberalcn dahm abgeändert, daß die Dienstordnung die Rechts- und die allgemeinen Dienstverhältnisse der Angestellten, insbesondere ihre Zahl, den Nachweis ihrer sachlichen Besähigung usw. regelt.

Sie regelt ferner, ob und inwieweit bei unverschuldeter Ar­beitsbehinderung das Gehalt fortbezahlt wird, die Dienstalters- zulagen, die Beförderung, Ruhegehalt unb Hinterbliebeneitfürforge.

Der Absatz über die Kündigung oder Entlassung wurde dahin geändert, daß festge>etzt wurde, daß die Ent­lassung nur aus einem wichtigen Grunde erfolgen dars, und daß der Rechtsweg zulässig ist. Angenommen wurde ai \\ die Bestimmung, daß die Ausübung des Vcr - einiguugsrechts, die religiöse und politische Betätigung in den gesetzlichen Grenzen nicht gehindert wer­den darf

Die übrigen Paragraphen des Abschnüts bleiben im wesent­lichen unverändert.

Nächste Sitzung: Dienstag.

Den Gipfel des Mount Mac Kinley, des höchsten Berges von Nordamerika, will jetzt auch die Parker- Erpedition erreichen, obwohl er bereüs am 3. April von einer anderen Expedition erstiegen sein soll. Die Pa tcr-Expedstlon besteht aus Prof. H. E. Parker von der Eolumbia-Urnversttat, der 1906 mit Dr. F. A. Cook den Berg besucht und zuerst die von diesem angeblich ausgeführte Besteigung geleugnet hatte, ferner aus I. H. Cuntz von Stevens Technologstchem Institut in Hoboken, dem erfahrenen Alpinisten B. Browne und einem^orst- beamten. Die Expedition hat sich von Newyork über Seattle nach Alaska begeben, um den Berg vorn Nuthgletfcher aus an der Südseite in Angriss zu nehmen. Inzwischen ist unter Leitung von H. W. Rhodes eine neue Bestimmung von Lage und Hol)e des Gipfels aus Entfernungen von 204 und 302 Kilometer aus­geführt worden. Es ergaben sich Maße, die etwas geringer waren als die 1898 bestimmte Höhe von 6237. Meter, nämlich eure solche von 6187 Meter.

Das stille Zimmer zu Utrecht. Den Anhängern und Fanatikern der Antilärmbewegung ist Heil widerfahren: endlich ist es gelungen, ein völlig g e r ä u, ch l 0 f e s Zimmer herzustellen. Versuche dazu hat es schon gerade genug gegeben: sie alle mißlangen, darunter auch der, den Wilhelm Wundt im psychologischen Laboratorium zu Leipzig angestellt hatte: eine Füllung der Mauern mit Bauschutt sollte fedes Geräusch abhalten. Nunmehr hat in einer der letzten Sitzungen der Amsterdamer Königlichen Akademie der Wissen,chaften Pro­sessor H. Zwaardemaker von der Universität zu Utrecht über feine erfolgreiche Konstruktion eines völlig geräufchloien Zimmers berichtet. Zu der absoluten Geräuschlosigkeit gehört nicht nur die Tatsache, daß keinerlei Schall von außen etnbnngcn kann, sondern auch die andere, daß kein schall im Innern zurück - geworsen wird. Tas geräuschlose Zimmer ist eine Art ,,Doppel- dose" Seine Wände bestehen aus fechs Schichten, zwifchen deren zweiter und vierter ein drei Zentimeter lustleerer Raum liegt. Mit Holz, Korkstein und Sand sind die anderen schichten aus- gefüllt. Die Innenwände, die aus porosen Steinen bestehen, sind mit geflochtenem Pserdehaar, der sogenannten ^richopwie belleidet, einem Material, das schon aus der Flämischen Natur- sorscherversammlung von 1902 durch Proseffor N. H. Bllttis lGenti als akustisch undurchlässig empfohlen worden war und das in Belgien längst zur Bekleidung von Telephon; eilen verwendet wKd Im Dach des Zimmers befinden fich Schichten aus Blei,

suchungen benutzt werden.

Der schlafende Tenor. Bei den Opernvorstellungen, die eine italienische Truppe in Montreal gibt, ereignete sich vor kurzem, wie ruir einem französischen Blatte entnehmen, eine lustige Geschichte. Als man eines Abends dieLucrezia Borgia" von Tonizetti spielte, war die Rolle des Gennaro einem Tenor über­tragen, der eine schöne Stimme hatte und überhaupt ein treff- sicher Künstler gewesen wäre, wenn er nicht häufig ein wenig zu tief ms Glas geguckt hätte. Gennaro liegt im ersten Akt im Schlummer ausgeftiedt unb wird von Lncrezia mit der Romanze überrafcht: .Sauft ist fein Schlaf". Weich unb wohlig hingegossen liegt der Tenor, während die Sängerin ihre Arie vollendet, reglos da. Tie Zuschauer können die regelmäßigen Atemzüge beobachten unb bewundern, wie tief der Sänger auch in seinem Schlummer in den Geist der Rolle eingebrungen sei. Nun ist die Romanze aus, Gennaro soll ausstehen unb mit Lncrezia ein leidenschaftliches Duett fingen. Aber Gennaro schlummert weiter. Vergebens pufft ihn, stößt ihn unb zwickt ihn Lncrezia: er bleibt eiilfchlummeri, unb während das Orchester erslannl inne hält, hört man ein sonares Schnarchen den Saal erfüllen, em mächtiges und tiefes Schnarchen, wie es nur em großer Künstler mit einer große r Stimme heroorbringeu kann. Zwei Theaterdiener kommen den Bemühungen Lucrezlas zu Hilfe, aber auch sie können den Tenor nicht erwecken. Tie Feuerwehr, die so oft aushelfen muß, schreitet auch bei diesem Unfall mit Glück ein: Ein kräftiger Strahl der Feuerspritze, der das Gesicht Gennaros trifft, reifet ihn jäh auL feinen tiefen Träumen; er fährt empor, aber die erschlafften Glieder versagen ihm auch jetzt den Ticust, und der nicht nur vom Cck)laf Trunkene kann sich nicht aufraffen. Tas Publikum, das bisher gelacht hatte, wirb nun ärgerlich, der Vorhang muß fallen, und da Gennaro nicht mehr erscheinen kann, füllen ein Aufzug ,Tra- viata" unb einerTroubadour" den Abend iwtbürftig aus.

Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Ter DereinDeulscherIngenic ure, der in Danzig feine öl. Tagung eröffnete, verlieh die Grashof-Tenkmünze an den Geh. Kommerzienrat Ziese-Elbing. Die Technische Hochschule ernannte iu Ehrendoktoren den Direktor bei Siemens unb Halske, Prof. Raps, ferner Hermann Majert (Singen), den Eisenbahn-Tirektionsprä'- dentcn R i nt r 011 (Danzig) unb den Werftüesitzer Mayer (Papen­burg a. d. Ems-,

An beu genannten Tagen war ber Regen jedesmal mit Hagel vermengt. Der Landmann hat fbarte Befürchtungen um die Kornernte. Der Stenograph en verein Stolze-Schrei) bcaDsichtigt am 24. Juli imTreppchen' hier sein diesjähriges Kränzchen ab^uhalten. Die Dar­bietungen, meist theatralischer und musikalischer Art, werden nur von Mitgliedern des Vereins ausgeführt. Die Bor bereitungcn baben sck>on mit einigen Theaterprobcn be­gonnen. Die Stenographie erfreut sich hier des aro^cn Interesses. Neben dem Verein Swlze Schrey besteht aud) noch ein Gcckelsberger Verein, dessen diesjährlger Zuwachs den des KonkurrenHvereins übersteigt. Beide Vereine ent­falten hier eine rege Tätigkeit.

ch Lich, 27. Juni. Der Krieger- und Militär- VereinHajsia" hielt gestern sein Sommersest ab. das wie gewöhnlich mit Preisscheibenschießen Dcrbunncn war. Am Nachmittag bewegte sich ein Fcstzug vom 'Jtathnnv aus nach dem Festplatz am Albacher See. Trotz einiger Regenschauer ging dort das Schießen bei guter Beteilitz'nig flott von fLatten. Als höchste Punktzahl tonnten 48 Ringe erreicht werben, von 37 Punkten an würben Preise verleitl. Die Prcisvcrteilung würbe abends im Skein'schen Saalbau vom Präsidenten Louis Heller mit einem Hoch auf Kaiser unb Großherzog eröffnet. 28 Schützen tonnten mit Auszeichnungen, die zumeist in praktischen Gebrauchs- qencnftänbcii beslanden, bedacht werden; pro 45 Ringe: Hch. 'Stengler und Rub. Konrab; 44 9tingc: Fritz Schmidt, Fr. Zimmer unb L. Jhriug: 43 Rg.: K. Zimmer, K. Jung und Fr. Textor; 42 Rg.: 5^ch. Schmidt, W. Eams, K. Schmidt und Äch. Müller; 41 Rg.: Joh. Menges und K. Reeger; 40 Rg.: Herrn. Pauli, E. Pommert, Hck). Kemps, Karl Bogt, Herrn. Schmidt unb Ehr. Schmidt; 39 Rg.: K. Kampeitz, Hch. Meyer und Hck). Textor; 38 Rg.: Ehr. Fey, Gustav Textor und Hch. Roth; 37 Rg.: Max Hisgen und L. Arnold. An die A:eisverteilung schloß sich Tcmz an.

* Heber die Tätigkeit des Chemischen Untersuch ungsamtes für Oberstes je n ist für 1908/9 ein Bericht erschienen, aus dem wir folgendes hervvr- heben: Teils von Behörden, teils von Privaten veranlagt, mürben 1104 Untersuchungen ausgeführt. Darunter be­fanden sich folgende untersuchte DLahrungsmtttel: ArKnei- mittel 2, Bienenhonig 3, Bier 12, Butter 42, Dörrobst 41, Essig 87, Fruchtsyrup 3, Gemüseton,ervcn 2, Gersten las fee 1, Mehl 4, Gewürze 41, Hackfleisch 3, Hefe 4, Käse l, Kon- bitoreüvaren 37, Pkargariue 3, Marmeladen 20, Milch 99, Palmin 1, Rüböl 7, Schokoladen unb Schweineschmalz je 10, Teigwarcn 6, Wasser 101, Wein 28, Weinessig 4, Wurst 141. Leaustanber wurden: Butter in einem, Dörrobst in 13 (wegen großer Mengen Milben), Essig in 11 (enthielten weniger als 3 Proz. Essigsäure, auch große Mengen von Essigälchen', Marmeladen in 10 (Inhalt Stärlesyrup unb Teerfarbe ohne Deklaration), Wa,ser tn 9 (waren unge­eignet zum Genuß ober für technische Zwecke), Eierteig­waren in 2 (künstlich gefärbt ohne Deklaration), Milch in 4 (waren gewässert oder hatten unter 3 Proz. Fettgehalt), Wein in 1 (war überstreckt), Weinessig in 2 (enthielt we­niger als 20 Proz. Wein) unb Wurst in 9 Fällen (wegen Stärkemehl- ober Borsäurezusatz). Die meisten Beanstan­dungen (amen auf die Kreiie Friedberg unb Gießen, näm­lich je 23, auf Büdingen entfielen 2, auf Scholten je <, au, Msfelb 6 unb auf Lauterbach 5 Beanstandungen. Die Ein­nahmen für diese Umersuchungen betrugen 4916.9j Mk. ^te chemische, physikalische unb baiteriologische Untersuchung bes Quellwassers in Queckborn, ber Quellen bei Großen-Bufeck unb im Licherwalde, die für die Wasserversorgung Gießens dienen, hakten ein sehr günstiges Ergebnis.

-r- Heuchelheim, 25. Juni. Am 23., 24. und 25. Juni gingen hier schwere Regcnfälle nieder. Einen woltenbruchartigen Regen hatten wir am 24. Ium. Es regnete zuerst nicht außergewöhnlich stark. Plötzlich um 3.40 naestmittags setzte das Unwetter ein unb bauerte bis 3.o0.

Giehemr Anzeiger

Eeneral-Anzeiger für Gberhchen

^täbte sowie bic Urbare unb Weistümer. Die Historische Kom-I Holz, Aspstaltpapier, Seegras unb Kork. Der Boden, J>er au^> Million St jetzt brä Stifter, 43 Patrone (barunter auch bic Marmor besteht, ist isoliert unb von einem dicht geweb en Smyrna- Stabt unb der ßU. «i-L-w unb 103 Mitglied« teWub bAedt ®« Sntentnanbe firö bon uoherten

Die ReichLverficherungsordimng.

Berlin^ 27. Jiun.

Der Ausschuß sür dic ReichSverficherungsordnung 5ehandeltc crm Montag nachmittag die §§ 362 bis 371, die von den Angestellten der Krankenkassen handeln.

Ein Mitglied der konservativen Fraktion betonte an der Hanb eines Anstellungsvertrages vom Jahre 1906, daß diejenigen, bic heute bie Verwaltung ber Krankenkassen in Händen haben, dazu absolut nicht geeignet sind.

>Qdd) bicsem Mustcroertvage wäre bic Kündigung eines Angestellten der Kasse nur möglich, wenn sich der dln- gestellte an dem Vermögen ber Kasse vergreist. Selbst renn ein solckfer Beamter zu hoher Gefängnis- unb Zuchthaus st rafe vcrurtcUt würbe, wäre eine Künbigung n t d) t möglich. Solche Verträge, die die Stellung der sozial­demokratischen Kassenbeamten sichern sollen, seien geradezu frivol. Sie müssen annulliert werden. Das sollte int Ein- iuhrungögcsctz ausdrücklich festgclcgt werben.

Ein Zentrumsmitglieb erklärte, baß auf Grunb ber Dorlicgcnben sozialbemokratischen Abänberungsanträgc biese Partei 'ich als bic schärfste Gegnerin ber Selbstverwal­tung bohimcnticrt habe. Die Sozialbemokraten wollen bie Krankenkassen ben wenigen Angestellten einfach ausliefern.

Ein Rcgicrungsvertretcr beftätigte, baß berartige Verträge, wie sie von konservativer Sette angeführt wurden, mehrfach vorliegen, aber für nichtig erklärt werden müssen. Be­amte au f Lebenszeit anzustellen, liegt nur in der Macht der großen .Staffen, unb biese werben bei tüchtigen An­gestellten bavon (Gebrauch machen.

Ein sozialdemokratischer Vertreter besttitt, datz die Aemtcr SinekurenfürsvzialbemokratischePartei- g ä n g e r seien und legte ein seit 1908 gültiges Vertragsformular vor, das dem von 1906 widerspricht.

Auf Anfrage eines Redners ber forts chrittlichen Bolkspartei führte der sächsische Bundesbcvoll- mäthtigte aus, bah in Dresbcn zwischen ©tabtrat unb Ortskrankenkassen ein Vertrag zustanbcgekommen sei, auf Grunb beiten zwei obere Beamte der Ortskrankenkasse vom ©tabtrat

angeftellt und besoldet werden.

Aus Antrag eines Zentrumsvertreters wurde die Drucklegung ber Vertragsformulare bezw. Verträge unb ber gerichtlichen Entscheidung beschlossen.

Ein Zcntrnmsredner bezeichnete die Vertrage, auf bic der konservative Redner hingewiesen .-atte, als e in e n une r h ö r- teu Skandal. Es handelt sich dabei um grobe Pflicht­verletzungen und offenbare Mißbrauche. Was hat ine Rcichsrcgierung dagegen getan ? Es sind bis zur zweiten Lesung genaue Erhebungen notwendig.

Der Staatssekretär teilte mit, daß in Emzelfällen gegen solche Vertragsabschlüsse »orgegangen worden sei. Die heutigen Bestimmungen reichen aber dagegen nicht aus. Turd) bic Festsetzungen der Regierungsvorlage werde aber Besserung geschaffen werden.

Ein sozialdemokratisches Mttglicd sprach ferne Ver­wunderung darüber aus, wie man sich über solche alten Ge­schichten so ausregen könne. Tie Verhandlungen darüber seien ja in voller Oessentsichlest geführt worden.

Von den Sozialdemokraten werben eme Reihe von Abänderungsantragen eingebracht, die bie Stellung der Angestellten möglichst sichern wollen. Eine sofortige Entlassung soll nur zulässig sein wegen so grober Dienstvergehen und Handlungen, daß die weitere Besckfäftigung des Beamten mit ben Interest cn ber Kasse unvereinbar ist. Eine Künbigung soll wegen sonstiger Verletzungen bei Dienstpflichten nup dann erfolgen tonnen, wenn sich ber Beamte bie. Verletzungen trotz Warnung toieberholt tm Laufe ber letzten zwölf Monate hat zu Schulden kommen laffelL Außerdem werben ber achtstünbige Arbeitstag, unverkürzte Ge­haltszahlung bei unverschuldeter Arbeitsbehinderung auf sechs Monate, mindestens zwciwöchentticher Ferienurlanb, Dicnstaltcrs- zulagen usw. gefordert. Tic AuSübungdesVereinigungs- rechtS -unb die religio sevdcrpolitischcBetatigung ber Angestellten sollen nicht gehindert werden und gelteit nicht a13 Gründe ber Künbigung oder sofortigen Entlastung.

Das Zentrum beantragt, solche Betätigung zuzulasten, aber nur soweit sie nicht gegen die Gesetzene rstoßt.

Die Sozialdemokraten verlangten ferner, batz Mtli- tärantoärtcr in feiner Weise bevorzugt werben bürten. Die Dienstordnung solle vom Vorstand ausgestellt werden

Weitere Zentrum santräge toollat die Einzelheiten der Gehaltsgewährung unb Besörberung burch bic Dienstordnung selbst regeln taffen. ____