Ausgabe 
25.4.1910 Zweites Blatt
 
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Klage beim Großh. Landgericht der Provinz'Oberhessen begehrt, damit dieser Gerichtshof als rechtsuchende Oberaumchtsbehordc entscheidet, ob die Mehrheit die Minderheit mit ungesetzlichen Hand­lungen vergewaltigen kann. , .

Am meisten Interesse an den gefaßten Be,chlunen haben der Staat und die N i ch t t e i l h a b e r des Markwaldes in Grüningen, denn, nachdem der Markwald nach deren Auslegen nicht mehr im Range eines Komm un a lv e r b an de 5 als eigene Gemarkung gilt, und dieses geht aus den Befchlupen her­vor, ist derselbe Zubehör der Gemarkung Grüningen, was das Grundbuch beweist. , ..

Als Zubehör der Gemarkung Grüningen nt demnach der Markwaldft a a 1 s - u n d g e m e i n d e st e u e r p f l 1 ch t 1 g" und demgemäs: ist von der seitherigen Aufsichtsbehörde Antrag beim Großh. Finanzamt Gießen wegen Zuziehung zur Bcrmögensftcuer erfolgt, dem sich ein begehrter Beschluß unseres Gemeinderats anreihen wird. , .

Die Mark Grüningen und Dorsgill war seit 1&>6 iteuenrei, und wenn die Markteilhaber alle Gewohnheitsrechte^nach den ober erwähnten Beschlüssen aufgeben, bann ist auch dieSteuer­freiheit" aufgegeben und zwar, was behauptet wird, seit dem letzt durch die Mehrheit gebilligten Beschluß des Großh. Ber- waltungsgerichtshofs von 1901.

Ist nun die Mark Grüningen zur Staats- und Genieinde» steuer mit der Nachzahlung heranzuziehen, dann ergibt sich fol­gende Nachzahlung:

Wert laut Schätzung in Nr. 73 vom 30. Marz 1910, denn eine Vermögenssteuer - Schätzung fand seinerzeit nicht statt: I 000 000, mithin Vermögenssteuer ä 75 Pfg. für das Tausend 750 Mart im Jahr; 1. April 1901 bis dahin 1910 = 9 Jahre 6750 Mark, 1. April 1910 bis dahin 1911 -- 1 Jahr ä 95 Pfg. 950 Mark. Die Nachzahlung für Grundsteuer an die Gemeinde­kasse dürfte sich gerade so hoch, wenn nicht noch höher, be­messen ein Jubel für alle Gemeindesteuerzahler.

72. Kreisfumtag des Mittelrheinireiser.

* Ober-Lahn st ein, 24. April.

Ter 72. Kreisturntaq führte die Vertreter des Mittel­rheinkreises in den nordlvestlichen Teil seines weit aus­gedehnten Gebietes, dort, wo der alte Rhein die Wellen der Lahn in seine grüne Fluten aufninrmt, in das malerisch gelegene Städtchen Ober-Lahnstein. Herzlich war die Begrüßung, reich die Arbeit, mit Freude und Fröhlichkeit gewürzt die geringe arbeitsfreie Zeit.

Schon am Samstag, 23. April, versammelte sich der Kreisausschuß, der aus dem Geschäftsführenden und Turnausschutz, sowie den sämtlichen Gauvertretern besteht, zur Erledigung einer umfangreichen Tagesordnung, aus der erwähnt sei, daß 5 Turnvereine Unterstützungen zu Turn­hallebauten erhielten.

Ter Kreisturntag wurde Sonnrag morgen 11 Uhr von dem 1. Kreisvertreter, Schulrat Schmuck- Darmstadt, eröffnet. Ter 2. Kreisvertrerer Schatt-Hanau war durch Krankheit verhindert, zu erscheinen. Der Bürgermeister Schütz von Ober-Lahnstein begrüßte die Versammlung im Namen der Stadt und Turnverein aufs herzlichste, die hohe Bedeutung des Turnens für den einzelnen wie das ganze Vaterland betonend. Kreisvertreter Schmuck dankte und ging zur Berichterstattung über. Ein Rückblick auf die 50jährige Jubelfeier des vorigen Jahres, die den Kreis in bestem Lichte zeigte, leitete zu einem Blick in die Zukunft über, der als Leitsterne stets Vaterlandsliebe, Arbeit und Einigkeit voranleuchten möge. Ueberall entstehen neue Ver­einigungen, die plötzlich den Wert des Turnens erkannt haben, alles aber, was die Deutsche Turnerschaft, die den Grund geschaffen, geleistet hat und leistet, als minderwertig hinstellen. Der Mrttelrheinkreis hat im abgelaufenen Jahr wieder bedeutend Angenommen. In 1017 Orten befinden sich 1147 (+ 63) Vereine mit 114 285 (+ 5283) Mitgliedern. Unter diesen sind 20 884 Zöglinge (+ 1554). Ihre Zahl legt den Vereinen besondere Verpflichtungen in leiblicher 'und geistiger Erziehung auf. Die Zahl der turnenden >Frauen beträgt 2624 (+ 502). In den Küabenabteilungen turnen 4520 Knaben, in den Mädchenabteilungen 1435 Mäd­chen. Vereinseigene Turirplätze bestehen 311 (+ 10), Turn­hallen 165 (+ 4). Eine große Zahl von Büchereien weist darauf hin, daß, entgegen manchen Behauptungen, auch die geistige Weiterbildung nicht vernachlässigt wird. Der Bericht des 1. Kreisturnwarts Bolze-Frankfurt betonte die ruhige Weiterentwickelung auf turnerischem Gebiet, die Einführung einer neuen Bereinswetturnordnung und schil­derte die wichtigeren turnerischen Ereignisse des vergangenen Jabres. Besondere Beachtung und ausgedehntere Pflege verdienen die Turnspiele. Der Bericht des Vertreters für

ganze Zimmer, Badeteiche nsw. ausgehauen. Bei Ausgrabungen in der Nähe von Sa. Cruz fand er große Gräber mit verschie­denem Grabinhalt, darunter Tongefäße, die fast alle auf drei Füßen stehen. In den unerforschten Urwäldern der Provinz Sara bei Sa. Cruz leben vollständig wilde Indianer, die Siriene ge­nannt werden und mit den Weißen in Feindschaft leben. Mit dem einzigen in Bolivia vorhandenen Motorboot fuhr der Reisende den Rio Chimorö und verschiedene andere Flüsse entlang, die alle von den Yuraeare-Jndianern bewohnt werden, bei denen er große und schöne Kunsterzeugnisse zusammenbrachte. Dann be­suchte er die Chacobo-Jndianer in der Nähe des großen schönen Sees Rojo Aguade, bei denen er Sammlungen von prunk­vollem Federschmuck machte. In den Gegenden um den Rio Avari fand Nordenskiöld Dörfer, die auf künstlich angelegten Grab­hügeln stehen und in denen er Ausgrabungen mit reichem Er­trag unternahm.

23011 der Universität Peking. Die neue Reichs- nniversität in Peking soll auf ganz moderner Grundlage ausgebant werden. Bis jetzt ist schon ein stattlicher europäischer Lehrkörper gewonnen worden, und zwar werden die Vorlesungen für Rechts- unb Staatswissenschasten von englischen Dozenten abgehalten; für <#anb- und Forstwirtschaft wurden drei japanische und für Philo­sophie zwei französische Professoren gewonnen. Von deutschen Dozenten sind bisher dreiHerren in Peking eingetroffen: Dr. Schwarz und Dr. Solger für Mineralogie und Dr. Bartlet für Chemie. Zwei andere Herren, ein Bergassefsor und ein Marineingenieur, befinden sich auf der Hinreise.

Die Zähne unserer Vorfahren. Bei einem Ver­gleich der Zähne prähistorischer Menschen mit unseren Zähnen hat Th. Gastmann einen deutlichen Unterschied gefunden- Er hat nach­weisen können, daß in unseren Zähnen weniger organische Substanzen vorhanden sind und daß deshalb die Zähne unserer ältesten Vor- fahren haltbarer waren. Ter Gehalt an Kalk ist im Laufe der Jahrtausende bei den menschlichen Zähnen gleich geblieben.

Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Die Internationale Kunstausstellung in Venedig wurde am Samstag in Gegenwart des Herzogs der Abruzzen als Vertreter des Königs von Italien eröffnet. Der König hat dem ersten Vorsitzenden des württembergischen Journaliften- und Schriftstellcrvereins, Redakteur Adolf Heller in Stutt­gart, das Ritterkreuz erster Klasse des Friedrichsordens ver- liehen. Der Telegraph zwischen Täbris und Urmia, der über zwei Jahre versagt hatte, ist w i e d e r h e r g e st e l l t. Die Landesversarnrnlung des württembergischen Journalisten- und Schriftstellervereins wurde gestern mit einem Fest im Rathause zu Stuttgart eröffnet. Die Philharmonie in Wien beging gestern die Feier ihres 50jährigen Bestehens. Die a m e r 1 k a n i s ch e E x p e - dition nach dem Südpol ist für die,es Jahr aufgegeben worden, weil es an den nötigen Geldmitteln fehlt.

die Presse Prof. Wams er-Butzbach stellt fest, daß auch rm abgelaufencn Jahr die Tagespresse mit wenigen Aus­nahmen großes Entgegenkommen in der Aufnahme turne­rischer Artikel gezeigt habe. Die Zahl der Sendungen betrug über 3000. Die Kreiskasse schließt in Einnahme mit 17 166,13 Mk. und Ausgabe mit 16 728,15 Mk. ab. Das 29. Kreisturnfest in Kreuznach findet vom 30. Juli bis 3. August statt. Der Fescheitrag für Turner beträgt 2 Mk., mit Freiquartier 3 Ml. Das 30. Kreisfest für 1912 wird Aschaffenburg übertragen, das 184 Stimmen erhielt, während auf Mainz 138 entfielen. Gießen, das sich eben- alls um das Fest beworben hatte, trat in Anbetracht der älteren Rechte der beiden anderen Städte für dieses Jahr von seiner Bewerbung zurück. Das dauernde Erscheinen der Kreiszeitung in der Stärke von 12 Seiten wird einstimmig genehmigt. Der Bezug erfolgt durch die Post und alle Vereine sind zum Halten verpflichtet, da alte Bekannt­machungen des Kreises nur noch in ihr veröffentlicht werden. Dem Fechten, Spielen und Schwimmen als natürlichen Be- tandteilen des Turnens wird in Zukunft erhöhte-Beachtung geschenkt. Ihre gewählten Vertreter Stassen-Hanau, Wahl- Bockenheim und Poller-Mälstatt werden bestätigt Der turne­rische Teil während der internationalen Ausstellung für Sport und Spiel in Frankfurt a. M. wird von der Turner- chaft Frankfurt a. M. bestritten. Vertreten waren außer »em Kreisausschuß 199 Vereine mit 307 Abgeordneten, zu- ammen 353 Stimmen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 25. April 1910.

Ordensangelegenhcit. Der Groß Herzog hat dem Domdekan Dr. Jos. Selbst in Mainz die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm vom König von Preußen verliehenen Kronen-Ordcns 3. Klasse erteilt.

** In Audienz empfangen wurden vom Groß- Herzog am Samstag u. a. Kreisamtmann Dr. G 0 ertz von Büdingen und Amtsgerichtsrat Dr. Pusch von Ortenberg.

** Kaiser Wilhelm im Kampfe gegen den Alkohol. Man schreibt uns: Tie Worte, die der Kaiser bei seinem Empfang am 15. April an den Rektor richtete, daß die Studenten wohl den Alkoholkonsum jetzt etwas eingeschränkt hätten, finden in einem Referat des Dr. med. S ch m id t-Metzler in Frankfurt a. M. ihre Bestätigung und zeigen, welche Stellung unser Kaiser im Kampfe gegen den Alkohol einnimmt. In den hinterlassenen Papieren Dr. Schmidt-Metzlers, die 1908 im Druck erschienen find, heißt es: Sehr gefördert wurden die Bestrebungen (Bekämp- ung des Branntweingenusses) durch das tätige Etngreifen Seiner Majestät unseres Kaisers. Er sagte mir vor einem halben Jahre:Ich würde glücklich sein, wenn es mir noch gelänge, den Altoholteufel bei dem deutschen Volke zu ver­tilgen. Ich persönlich habe seit 10 Jahren kein Glas Bier mehr getarnten und Wein trinke ich auch nur sehr wenig." Die ^lüchternheitsbewegung macht in unserer Stadt z. Zt. auch große Fortschritte. Eine L o g e des n eu tr al e n Gut­templerordens, die bisher in Wetzlar ihren Sitz hatte, wird hierher verlegt und es ist beabsichtigt, eine Ortsgruppe des Deutschen Bundes abstinenter Studenten im Laufe des Sommers em esters an der hiesigen Universität zu gründen.

** Schutz den brütenden Vögeln. Wir leben jetzt wieder in der Zeit, in welcher die gefiederten Sänger ihre Nester bauen und die Eier auSbrüten. Es ist eine nicht zu eugnende Tatsache, daß durch die fortschreitende Kultur den Vögeln die Gelegenheit zum Nisten mehr und mehr entzogen wird. Angesichts dieser Tatsache sollten daher sich alle Vogel­freunde alle erdenkliche Mühe geben, den Vögeln Stätten zu bereiten, wo sie vor den Nachstellungen der vielen Feinde sicher sind.

** Unfall. Am Samstag geriet auf dem Seltersweg ein Metzgerlehrling unter einen Wagen der elektrischen Straßenbahn, er kam aber mit einigen Hautabschürfungen davon. Den Wagenführer trifft keine Schuld; der Bursche war aus Unachtsamkeit vor den Wogen gelaufen.

* Vermißt. Gestern morgen hat sich eine ältere Frau aus ihrer Wohnung hier entfernt und wird seitdem vermißt. Die Frau war geistesgestört und es wird ange­nommen, daß sie sich ein Leid angetan hat.

* Kindesaussetzung. Eine Frau aus Frank­furt a. M. brachte gestern ihr etwa 3 Jahre altes Kind hierher und wollte es einem jungen Manne übergeben, der angeblich der Vater des Kindes sei. Dieser schickte die Frau mit dem Kinde wieder weg und später fand man das Kind im Hause auf der Treppe sitzend. Die Frau hatte es durch einen Dienstmann dorthin bringen lassen unb war abgerelst. Das Kind wurde von der Polizei vorläusig im Spital unter­gebracht.

Klein-Linden, 24. April. Einen Münzfund aus den Kricgszeiten der französischen Revolution machte der Bahnarbeiter Jakob Bieber. Er arbeitete beim alten Friedhof hinter der Burg und fand in alten Scherben eine französische Silbermünze von Talergröße. Nach der Reinigung waren die Schriften deutlich zu erkennen. Die Vorderseite trägt die Aufschrift Kepubüque Fran^oise und LAn II. Die Aufschrift auf dem Wappen ist nicht gut leserlich, rechts und links sind Aehren und Weintrauben. Die Kehrseite zeigt die Schrift Liberty Egalitd AA 1793. Die Mitte schmückt ein Lorbeerkranz und eine Wage, die ein Jakobinerhut krönt; mitten im Kranze steht 2 8.

r. Lils seid, 24. April. Auf Einladung des Kreisans- schusses, des Kreistages, der Kreisschulkoinmission und des landw. Bezirksvereins Alsfeld hatte sich am vorigen SamStag um 4 Uhr eine zaylreiche Festversammlung hier imDeutschen Hause" emgefunben, um mit dem von hier scheidenden ehe­maligen Kreisrat des Kreises Alsfeld, H. Ministerialrat H ö l- zinger und H. Kreisamtmann Emmerling noch einige Stunden zu verleben. Nachdem der Kommersleiter, Oekonomic- rat Schade, die EröffuungSworte gesprochen hatte, brachte Kreisrat Dr. Heinrichs das Hoch auf den Grobherzog aus. Oekonomierat Schade widmete dem Ministerialrat Dr. Höl- zmger warme Worte und gedachte der zahlreichen Verdienste, die er sich während seiner 3jährigen Tätigkeit erworben, so z. B. beim Bau des Kreiskrankenhauses unb der Wasserleitungen. Die Pflege der Heimatkunde unb der Volksbibliotheken, die Sorge um bie Felbberemigung unb bie HcmshaUungSschulen lagen dem Scheibenden besonders am Herzen. Deshalb sähe man ihn, der sich mit der Bevölkerung vorzüglich verstanden habe, ungern scheiben. Kommerzienrat Grünewald gedachte des ebenfalls scheidenden KrciSamtmannS Emmerling, der sich während seines kurzen Hiersemtz zahlreiche Freunde erworben hat. Namens der Bürgermeister des Kreises sprach Bürger­

meister .Dr. Ising-Alsfeld unb Gutsbesitzer Ott-Lieder» bach für den landwirtschaftlichen Bezirksverein, um den sich Ministerialrat Dr. Hölzinger sehr verdient gemacht hat. Ober­realschuldirektor Dr. Pitz gedachte der beiden Frauen. Im Auftrage dcS Dekanats Alsfeld sprach Pfarrer Tr. Becker- Alsfeld für bie Geistlichen deS Kreises; Lehrer Neeb-Groß- felba sprach im Namen der Lehrer. Mit den Worten des Dankes verbanden die beiden Scheidenden bas Gelöbnis, dem Kreis Alsfelb unb seinen Bewohnern allezeit ein gutes An­denken bewahren zu wollen.

= Bad Vilbel, 24. April. Die hiesige Badesaison beginnt mit dem 1. Mai.

rb. Darmstadt, 24. Slpril. Der 32 Jahre alte In­stallateur Scubach, der von der Staatsanwaltschaft in Kempten wegen RückfalldiebsiahlS steckbrieflich verfolgt wurde, sollte am Samstag Abend in dem Hause Marktstr. 7, wo er sich besuchsweise aufhielt, verhaftet werden. Er flüchtete mittelst einer am Hause angebrachten Notleiter auf das Dach, von wo er die ihn verfolgenden Polizisten mit Schiefersteineu bewarf. Schließlich stürzte er sich in den Hof, wo er bewußtlos liegen blieb. Er erlag noch am Abend im städti­schen Krankenhaus den erlittenen schweren Verletzungen.

Auerbach a. d. B., 24. April. Die Sterbekasse des Hessischen Landesgewerbevereins, sowie des Verbandes Deutscher Gewerbevereine hielten heute hier unter dem Vorsitz des Stadtbauunternehmers Hch. Same s-Darmstadt ihre Vertreterversammlung ab, die von fast allen hessischen Ortsvereinen, sowie von Neallehrer Eisele-Göppingen als Vertreter des Württ. Verbandes besucht war. Der von dem Geschäftsführer Syndikus E n g e l b a ch-Darmstadt erstattete Geschäfts- und Kassenbericht ergab einen Mitgliederbestand von 1154. AuSgezahlt wurden bisher 16410 Mk. Der Reinüberschuß des letzten Jahres ergab 1 547,61 Mk., das Vermögen beträgt jetzt 104 484,98. Der finanzielle Abschluß kann als befriedigend bezeichnet werden. Einstimmig wird der Geschäftsführung Entlastung erteilt. Bezüglich der Ver­teilung des Ueberschusses wird das Folgende beschlossen: Da aus dem Ueberschuß ein voller Monatsbeitrag nicht er­lassen werden kann, wohl aber den vom Allg. Deutschen Versicherungsverein zu Stuttgart noch vorhandene Provisions- Vorrat für den Erlaß eines Monatsbeitrages der hessischen Mitglieder ausreichend ist, so dürfte für das laufende Jahr nur ein Monatsbeitrag, und zwar aus dem Prooisionsvorrat zurückzuvergüten fein. Mit Rücksicht auf den von dem Auf- ichtsamte genehmigt werdenden Beschluß bezüglich der Nicht­weiteransammlung des Sicherheitsfonds ist eine weitere Ver­teilung in diesem Jahr nicht vorgesehen. Hierzu wird die folgende Satzungsänderung beschlossen: Em nach der gemäß § 21 aufzustellenden technischen Bilanz sich ergeben­der Ueberschuß ist einer besonderen Rücklage (Sicherheits­fonds) zuzuweisen. Hat diese Rücklage die Höhe von 5 Prozent der rechnungsmäßigen Pramienreseroe min­destens aber 10000 Mark erreicht, so ist der verbleibende Teil des Ueberschusses entweder nach Maßgabe des zuletzt gezahlten vollen Jahresbeitrages an die zur Zeit der Bilanz- aufstellung vorhandenen Mitgliedes zurückzuzahlen oder zur Erhöhung der Kassenleistungen oder Ermäßigung der Mit­gliederbeiträge zu verwenden. Zu Mitgliedern des Prüfungs- ausschusseS werden Sparkasserechner Emmel - Hungen, Sparkasse-Kontrolleur Haas-Gießen, Bauführer Weber- Darmstadt, zu Ersatzmitgliedern Schaffner-Homberg und Real- lehrer Albert-Lorsch wiedergewählt.

? Waldgirmes, 24. April. Unser Bürgermeister Bernhardt steht heute 30 Jahre an bet Spitze der Oe- meinde. Zu Anfang des Jahres 1880 gewählt, wurde er am 25. April durch Landrat Seybert-Biedenkopf in diesem Amte bestätigt. Durch seine Gewissenhaftigkeit und seinen Gerechtigkeitssinn erwarb er sich das Vertrauen und die Ver- ehrung der ganzen Gemeinde, so daß er wiederholt zum Ober­haupt unseres Dorfes wiedergewählt wurde.

s. Dillenburg, 23. April. Unter dem Vorsitz des Provinzialschulrats Dr. Leist-Kassel, der RegierungSräte Flebbe- Wiesbaden und Dr. Qehl-Kassel fand in dieser Woche die zweite Lehrerprüfung statt. Von 68 angemeldeten Herren waren 59 erschienen, von denen 52 für bestanden er­klärt wurden. Das pädagogische Aufsatzthema lautete: »Wie sichert der Lehrer die Unterrichtserfolge?" Infolge der starken Beteiligung wurde die mündliche Prüfung in drei Gruppen und die Lehrproben sogar in vier Abteilungen abgehalten. Die Prüfung begann Dienstag früh und am Sanistag nach­mittag wurde das Ergebnis bekannt gegeben.

Vermischter.

* Wie wird man den Halleyschen Kometen am besten sehen? Von astronomischer Seite wird derInf." geschrieben: Bei der Annäherung des Halleyschen Kometen wird für die große Masse des Publikums die Frage höchst aktuell, wie dieses seltene Gestirn am besten wahrgenommen werden kann, denn, da ja dieser Weltenbummler nur alle 76 Jahre bekanntermaßen einmal wiederkehrt, so hat man das Vergnügen in einem Menschen­leben nicht sehr oft. 'LieLeute vom Fach", die mit allen Hilfsmitteln der Astronomie ausgeftattet sind, sind sicherlich viel glücklicher daran, da sie gleichsam an der Quelle der Möglich­keiten sitzen. Der Laie, dem eine Sternwarte unb ein großes Fernrohr nicht zugänglich sind, braucht aber darum noch nicht an der Möglichkeit, den Kometen sehr schön zu sehen, verzweifeln. Daß der Halleysche Komet als ungeheurer leuchiinder Bogen über dem ganzen Himmel zu sehen sein wird, wie viele glauben, ja, daß er nicht viel weniger als die Sonne die Nacht erhellen wird, ist ein Märchen. Im Mittelalter soll ja der Komet mit einem stark leuchtenden gekrümmten Schweif sich über dem ganzen Himmel ausgedehnt und Angst und Schrecken unter der Be­völkerung verbreitet haben, weshalb er auch allgemein dieZucht­rute des Himmels" genannt wurde. Dies war im Jahre 1456. Man darf aber annehmen, daß diese Schilderungen stark über­trieben sind und daß auch damals die Leute nicht so glücklich waren, so mühelos dieses seltene Wunder zu schauen. Wir wissen nämlich aus allen früheren Angaben, die 2Vi Jahrtausend alt sind, daß die Helligkeit des Kometen mit geringen Variationen dieselbe geblieben ist. Also kein Jahrhundert hatte einen Vorzug. Der Laie wird sich am besten mit einem kleinen sogenannten Kometensucher" ausrüsten, mit dem er das bloße Auge sehr gut unterstützt. Heut wird er damit natürlich noch nicht sehen. Aber wenn er in der Zeit vom 19. bis zum 27. Mai sich der Beobachtung des Gestirnes widmet, dann wird er ihn von allen Teilen des Landes schon mit dem bloßen Auge, aber noch besser mit einem Fernrohr von geringen Dimensionen wahrnehmen können. Die günstigste Zeit dafür wird dann eintreten, wenn der Glanz des Kometen größer ist als der noch stark beleuchtete Abendhimmel. Vorausgesetzt ist natürlich, daß auch die atmo­sphärischen Verhältnisse dem Betrachter günstig sind.