Ausgabe 
25.4.1910 Zweites Blatt
 
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Montag 2S. 2lpril 1910

Zweites Blatt

160. Jahrgang

Nr. 95

Erscheint »glich mit Ausnahme deS Sonntag«.

in

eräug

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Universität- - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

DieSiebener Lamiliendlätter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für öen Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die .Landwirtschaftlichen Seit, fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: 6d>ul- stratze 7. Expedition und Verlag: fceS 51.

Redaktion: ejÄ 112. Tel.-2ldru AnzeigerGießen.

Km Mx taijffl oentuell auch Mädchen wir: er ncn. f. banttnbe Beschaitz. ir Sofort aelutbt.

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vom SrüningerMorsgiUer tiiartwalö.

Von Grüningen wird uns geschrieben:

Ein frül-ercr Bericht, der die Mitgliederversammlung der Marktcilhaber der Mark Grüningen und Dorsgill vom 2. April l I. schildert, war unnuiglich, bevor man dem .Artikelschreiber vom Lande in Nr. 73 des Gießener Anzeigers beweisen ton nie, daß außer unserem Herrgott iwd) eine Oberaufsicht über dem ersten Märkerineister steht, wo jedermann sein Riecht jinden [aitn und dieses ist das Landgerickst der Provinz Oberhesscn.

Nun zur Schilderung:

Wie genügend durch die Tageszeitungen bekannt, hat am 2 April l. I. eine Mitgliederversammlung slattgefunden, welche von dem ersten Vorsitzenden mit der TagesordnungErnennung eines Vorstandes" beruicn mar uiü> zwar war diese Einberufmrg in Grüningen und Dvrfgill durch) die Ortsschelle und an die Mit­glieder, bereit genaue Aorene bclannt war, mUrelft Poitkarte erfolgt.

ES fanden sich nun 99 Markteilhaber ein, welche mit Mehr beit, ohne sich an die Tagesordnung zu kümmern, vorerst das seit dem 2. April 1839 bestel>ende Statut aushoben, die Be­stimmungen dieses verwarfen und ans Antrag des Lehrers Leidich in Langsdorf die seitherige Oberaufsicht dem Großh. Kreisamt Gießen mit dem Iubelschrei entzogen:Die Martgenossenschajten im Großh. Hessen sind gänzlich unabhängig unb nxber das Streik amt nod) das Ministerium oder die orbcntlid)-en (Berichte Haden eine verwaltungsrechtliche Versügunysmad)t";nur der Borstand, mit dem Markenmeister an der Spitze, ist völlig souverän".

Die Minderheit mar jedoch anderer Meinung, erhob Einipruch gegen die ungesetzliche Einberufung unb somit gegen die auf ungesetzlicher Basis beruhenden Beschlüsse.

Trotzdem verhandelte die Mehrl)eit weiter und wählte den im Gießener Anzeiger vom 5. April l. I. benannten NLärkermeister mit Vorstand. w ,

Jedem Markteilhaber steht an dem WaldkomplexMarl Wald" wegen Entscheidung ungültiger Beschlüsse ein nicht ver­mögensrechtlicher Anspruch zu und dieser Anspruch wird durd)

Ichon glänzend bezahlt wurde.Stormfield" sollte bie Statte emer idyllischen Muße werden. Den Bau überließ er dem Architekten und seiner Tochter.Wenn das Haus fertig ilt und die Katze auf dem Teppich vor dem Stamm schnurrt, bann werbe ich'S mir anschauen."Id) habe alles Zutrauen zu dem Geschmack der anderen, aber gar keins zu meinem eigenen. Meine Einmischung würde nur Sbonsnsion herbeisühren. Ich verlange bloß drei Dinge: ein Zimmer für mid), das ruhig sein muß, ein Billardzimmer, grob genug, daß man mit den Queues keine Löcher in die Wände stößt, und ein Wohnzimmer von 40 zu 20 Fuß." Nichts ging iljm über das Billardipielen:Wenn ich einmal aufhöre, Billard zu spielen, dann höre ich überhaupt auf.'

Den größten Teil seines Lebens hat Mark Twain im Bett verbracht.Ich ziehe das Bett jedem anderen Aufenthaltsorte vor," pflegte er zu sagen.Wenn mid) jemaiib beiucyt, den ich keine Lust zu sehen habe, lasse id) ihm sagen, ich sei noch zu Bert. Ist es aber jemand, den ich gern )ebe, io sehe id) ihn neuer un Bett als irgend anderswo." Welche Bestürzung erregte es, wenn er mittags um 12 Uhr in seinem Empfangssalons mitten unter dem Schwarm hervorragender Besucher, die gekommen waren, ihm ihre Aufwartung zu modjen, nachdem er sich einige Minuten unterhalten hatte, ganz ruhig erklärte:Nun muß ich ms Bett.

Behaglich in seiner großen geichnitzten Bettstelle auSgestredt, die aus einem schottischen Schlosse stammte, mit den Fußen am ftoöienbe, wie einer, der wirtlich das Oberste zu unterit kehren will, seine schwere Zigarre schmauchend, empfing er auch die vielen Neugierigen und plauderte mit ihnen, den meinen itopi in die Kissen zurücklehnend. Kösllick) verstand er es^da, ^chmocls, die ihn über alle geringsten Einzelheiten seines oamihenlebend ausiorschen wollten, auch einmal ein wenig anzusühren.©mb Sie das einzige Kind Ihrer Eltern gewesen?" iragte ibn etwa einer.Es ist mir leider unnweiid), mich daran zu erinnern, kommt es müde aus dem Bett zurück.Wie?" fragt der andere hartnäckig weiter,und das Bild dort an der Wand, das -öbnen so außerordcu ich ähnelt? Ist cs nicht das Bild >)hres Bruders.

Ach ja, nu.'. geht mir ein Licht aus. Es ift wirtlich William, der arme Willy, wie man ihn zu nennen Pflegte."Ihn zu nennen pflegte? Ist er denn tot?"Gewiß, oder vielmehr, ich nehme cs an. Die Sache ist nämlich sehr geheimnisvoll. Wir waren Zwillinge, der Verstorbene und ich. Eines Tages, wir waren kaum zwei Wochen alt, vertamchte man uns im Baoe, ja, unb einer von uns beiden ist dabei ertrunken. ..can weiß nicht mehr, wer es war; die einen glauben, Billy lei cd ge­wesen, die anderen, ich. Und nun will id) ^hnen ein Geheimnis anvertrauen, das id) bis heute noch nicmanbcm arwerttaut habe: Emer von unS beiden hatte auf dem linken Handrücken em lehr deutliches Muttermal; das war ich und dieics Kind gerade ist ertrunken." Der F. e.cllcr, der -t großen Augen ver-

Iunn- Kärtiicr sucht SitlL: un liebsten alö.herrschaslszir Schriftl. Angebote unter i® an den Giebener Anzeiger ni

Sietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Cberhesjen

Anewoten aus Mark Twains Leben.

Im Jahre 1870, kurz nach seinem ersten großenliterarischen Treffer", zog f)Nark Twain denHaupttreffer" seines Lebens: er heiratete. Es war in derQuälerstadt" Philadelphia, wo er zum erstenmal seiner zukünftigen Frau Olivia L. Langdon be­gegnete. Die beiden waren rasch miteinander einig, aber die Einwilligung des zukünsligen Schwiegervaters fehlte nod). Aus eigenartige Weise trug Mark Twain seine Werbung vor.Mr. Langdon," sagte er mitten in einem angeregten Gesprächs plötzlich in seiner langsamen, schleppenden Sprechweise,haben Sie nid>! irgend etwas Besonderes zwischen Ihrer Tochter und mir be­merkt '?"Nein," antwortete Longdon erstaunt.Nun wohl, entgegnete der Freier nachdrücklich,dann halten 'sie mal jetzt Fhre Augen hübsch offen und Sie werden was merken." Xie heirat fand denn auch bald darauf statt, und der Schwiegervater schenkte dem jungen Paar ein hübsches Haus. Mark Twains Antwort bestand darin, daß et den Schwiegervater benachrichtigte, ec dürfe jetzt auch zu jeder Zeit zu ihm kommen und sogar bei ihm übernachten. Bon diesem seinem ersten Heim aus sah der glückliche Ehegatte eines Morgens nach dem Hause gegenüber unb er sah etwas, das chn veranlaßte, eilig aufzustehen und den auf der Veranda beim Frühstück versammelten Nachbarn folgende berühmt gewordene Rede zu halten:Mein Name ist Giernens. Meine Frau und ich haben bereits seit längerem die Absicht ndjabt, uns Ihnen vorzustellen und Ihre werte Bekanntschaft zu machen Wir bitten Sie hierdurch um Verzeihung, daß das bis setzt noch nicht geschehen ist. Nehmen Sie es mir auch bitte, nicht übel, daß ick) zu dieser frühen Tageszeit und in so sotrnloser Manier bet Ihnen eindringe, aber Ihr Haus brennt.'

Mark Twains schönster Aufenthaltsort ist stets sein Heim gewesen, das ihm seine Frau und seine Kinder mit einem ,liebe­vollen Glück erfüllten. Er bezeichnete es als den schwersten Schlag seines Lebens, als seine Gattin starb. Bevor er sich vor etwa 4 ober 5 Jahren in der wundervollen Umgebung von Webbing seine schöne, in Renaissancestil gehaltene VillaZ-torm- fielb" erbaute, wohnte er lange 3eit in einem schlichten Lauschen mitten in ben Abirondackbergen im Norden des Staates Newyork. Fast unzugänglich für jeden Besucher, in schöner Einsamkeit, umrahmt von Bergen und Seen, brachte er feine -tage mit Boot- sahrtcn, mit langen Spaziergängen und eifriger Arbeit zu. Nicht weit von dein Häuschen hatte er sich an einem l^attigcn Fleck ein kleines Zelt erbaut, in dem nur ein einziger -stuhl und em Tisch standen. Punkt 10 Uhr war er hier leben Morgen zur Stelle unb begann zu schreiben, 7 Stunben lang, wobei er durch­schnittlich 1800 Worte, wenn die Feber rasch lies, auch 2o00 bis 3000 Worte zu Papier brachte. Damals bekam er freilich für das Wort noch nid). 30 Ccu.s (l/-a Md), obgleich er auch

wundert zugehört, ergreift bei diesen Worten unauffällig den Hut unb schleicht zur Tür hinaus. Mark Twain aber tut einen kräftigen Zug aus seiner dicken Zigarre und legt sich befriedigt im Bett zurück.

Einmal wollte Mark Twain ein Buch laufen. Er tragt nach dem Preise und erinnert zugleich daran, daß er als Ver­leger Anspruch auf 50 v. H. Nachlaß habe. Der Buchhändler ist einverstanden.Und da ich Sd)riftsteller bin," jährt Mark Twain fort,so habe ich noch einmal Anspruch auf 50 v. H " Der junge Mann, der ihn bedient und natürlich kennt, ver­beugt sich zustimmend.Nun bin id) doch aber ein persönlicher Freund von Ihrem Chef," fängt der Humorist verschmitzt von neuem an.Da werden Sie mir doch den üblichen ''Nachlaß von 25 v. H. gewähren. Eine neue zuvorkommende Verbeugung deS Verkäufers.Unter diesen Bedingungen nehme ich al,o das Buck)," endete Mart Twain.Was kostet es?" Der Buch­händler rcd)net:Sie erhalten also von uns das Buch und noch 37Vs Cent dazu. Beehren Sie uns bald wieder!"

Eine ergebnisreiche Fors chnngs r e i s e in B o l i v i a hat der schwedische Reifende Erland Nordenskiöld vollendet, die hauptsächlich ben einzelnen Ind i a n e r - Stämmen gewidmet war. Während seines zweuährigen Aufenthaltes hat er große ethnographische unb archäologisch- Sammlungen angelegt, die sich auf etwa 11000 Gegenstände be­laufen. Nach seinen Mitteilungen im Globus galt lein Be­such zunächst ben verschiedenen Stämmen im Ehaco-Gebiet, die untereinander nahe verwandt sind. Nachdem er bei dem zer­sprengten Stamm der Chans am Rio Itiyuro ein reiches .sagen material gesammelt unb sich in ihre religiösen Vorstellungen ein gelebt hatte, verweilte er längere Zeit bei ben engöerroanbleii Ehereti unb Asluslay. In elf Asluslaydörfem, die vorher nod) nie ein Weißer betreten hatte, hatte er Gelegenheit, prachtvolle Tänze, große Sportspiele u. bergt. zu beobachten. Da in Ehaco das Gestein vollständig fehlt, so sieht man jun ganzen Rio Pilcomayo keine Steinwerlzeuge. Messer, Lägen, Pfriemen, Nadeln usw. werben aus hartem Holz und Knochen hergestellt. Besonders bie Frauen leben in manchen Gegenden noch in einer Art Holzzeit. Vom Rio Pilcomayo wandte sich Nordenskiöld nach dem Rio Parapiti, wo bie tiesstehenden, z. T. noch nomadisch lebenden Stämme wohnen. Im Kampf um den Besitz des Flusses haben sich diese Stämme ausgerieben und in ihrer Entwicklung sehr gehemmt. Am oberen Rio Parapiti in Caipipendilalc gelangen dem Reisenden interessante archäologische Funde. Dann wandte er sich nach Samaipata, in der Nähe von ea. Cruz de la Sierra, wo er einen merkwürdigen, über und über mit großartigen Skulp­turen bedeckten Berg entdeckte. Auf der etwa 1000 Quadratmeier großen Oberfläche des Berges süitz Tierüguren, Ruhebänke, Tische,

tort der

*1*

Anfang

Eine Haushälterin, Stütze,j Hausmädchen, sowie ein burittic suchen Stelle durch ll'" Frau Du l ter, NeuNadl W Für 15iabr. kräst M'- von auSw. wird Llellc ge>. K Frau Äeihenbach, Sreuzvlor Anständiges Fräulein sucht^ mitiagsStellezuMKmk

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lde Soldat.

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Tienstnfiidchen

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__ Chirurgische fllinii, Mi Küchen-, Hauö , Simnc nadchcn erhalten flute Stell ur sofort durch

Frau Herr, Sonnenln. >

ou öen Wahlen in Srantreiä).

Paris, 24. April. Nach einer Meldung aus Cognac wurde dort ein Mitglied des Wahlbureaus von einem Wähler erschossen.

Cognac, 24. April. Das hier von einem Wähler ge­tötete Mitglied des Wahlbureaus ist der Bür­germeister von Eraville. Dem Vernehmen nach ist die Tat nicht auf politische Gründe, sondern auf Gründe privater Natur zurüclzuführen.

Saint Etienne, 24. April. Hier wurde bei der Wahl zur Deputiertenlammer Ministerptäsident Briand mit einer Mehrheit von 8000 Stimmen gewählt.

St. Etienne, 24. April. In der Gemeinde Cham- bon-Feugerolles wurde wührend der Feststellung des Wahlresultates ein Angriff auf das Gemeinde­haus verübt, der die Gendarmerie zum Einschreiten veranlasite. 5 Gendarmen erlitten Verletzungen.

Paris, 25. April. In Cha inb 0 n Feugerolles wurde das Gemeindehaus von den Ruhestörern ver­wüstet und inBrandgesteckt. (Ein Gendarm wurde ver­letzt.

Quimpre, 24. April. In der Gemeinde Penmerit wurde der konservative Kandidat S e r v i g n y von der Be­völkerung in der Bürgermeisterei gefangen gehalten. Gendarmerie ist nod) Penmerit entsandt worden.

Berlin, 23. Älpril.B- Z." meldet aus Paris: Als Kammerpräsident Brisson gestern in Marseille eine Programmrede halten wollte, verursachten die Gegner einen so gewaltigen Lärm, daß die Polizei die Versamm­lung auflöste. Brisson konnte nicht reden; außerdem wurden an seinem Automobil die Pneuma.iks durchschnitten.

Paris, 24. April. Heute 'Jiaajt riefen antipar- la rnentarische Revolutionäre und Anar­chist e n in einer auf dem Montmartre abgehalteuen Wähler­versammlung des fozialijlischen Kammeclandidaten Roua- net durch Avfeuern von Revolverschüssen eine große Panik hervor und mißhandelten Rouanet, welcher mehrfache Verletzungen caDonirug. Ferner drangen Anar­chisten in die Rebatiion der soziatistiichenHumauite" ein, prügelten einen Diener durch, zerschnitten die Tele- ph 0 n d r ä h t e und richteten daselbst auch sonst rnehrsachcn Schaden an.

Paris, 25. April. Bis Mitternacht waren 209 Wahlergebnisse bekannt; gewählt sind 17 Konservative und Nationalisten, 16 Progressionisten, 15 Liberale Repu­blikaner, 60 Radikale und Sozialistisch Radikale, 9 Unab­hängige Sozialisten, 16 Geeinigte Sozialisten. 7 6 Stich­wahlen sind erforderlich. Die Stärkeverhältnisse der Par­teien weisen bis jetzt: wenig Veränderung auf._____________

(Eine amtliche Erklärung zur preußischen wahlrechlsvorlage.

Die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung^ nimmt Bezug auf die Parteiäußerungen zu den Verhandlungen dcö 9luSschusses deS Herrenhauses über die preußische Wahl- reform, die durchweg auf pessimistischen Ton gestimmt seien, und schreibt: .

Ehe das Herrenhaus selbst Stellung genommen hat, erscheint uns ein Urteil verfrüht. Die Staatsregierung wirb sich jedenfalls noch weiter bemühen, ein annehmbares Ergebnis in der zweiten Lesung nn Herrenhause herbeizunihren. Dabei wirb sie, wie bisher, sich nur vom sachlichen Interesse leiten lassen, das darin beliebt, bie Reform in der Gestalt zu verwittlichen, 01c offenbare Mangel der Dreillassenwahl beseitigt oder mildert und daher Tauer vei- jprichl. Dieser Gesichtspunkt ist in allen Aussührungen, die der Ministerpräsident im Laufe der Beratungen gemacht hat, so deutlich erkennbar, daß es nicht verständlich ist, ivie man In seinen Erklär­ungen vor dem Aiisschuß des Herrenhauses Abneigung oder Vor­liebe sür einzelne Parteien har erblicken wollen. Es ist auch nicht richtig, daß, wie noch ganz neuerdings in einer sonst zutreffenden Betrachtung behauptet worben ist, der Aiiniiter-

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piuiidenk bei leuiein Voraeyen un Herrenyause Alehryeiisverhalt- msse de« Abgeordnetenhauses oder deren Aenderung un Auge ge­habt hätte; vielmehr war und ist eS lediglich aui eine ihm wchlich alö zweckmäßig und notwendig erscheinende Aenderung der Wahl- reckitsvorlage selbst gerichtet. Aiinisterpräsident v. Beihmann- Hollweg hat die Wahlreiorin in keinem Stadium als Parteisrage behandelt. Zu einem guten Ende wird sie auch nut dann geführt werden können, wenn c6 noch gelingt, die Parteiinteressen hinter sachlichen Ueberlegimgen zurückzudrängen und Herrenhaus und Ab. geordnetenhauS aus der Grundlage zusammenzuführen, bie der Ministerpräsident bezeichnet hat.

Die Eröffnung der vrüffeler Weltausstellung.

Brüssel, 23. Älpril. Die inlernalionolc Weltausstel­lung ivurdc heute nachmittag um 2 Uhr in Anwesenheit des Königs, der Königin, des diplomatischen Korps, des Ministeriums, sowie der Mitglieder der Parlamente eröffnet. Bon deutscher Seite wohnten der F-eier der deutschc Gesandte v. Flotow bei, ferner als Vertreter des Staats- selretärs des Innern der Direktor im Reichsamt des Innern Just, ReichswminiZar Geh. Regierungsrat Albert, der Präsident des deutschen Attsstellungsiomiiees Geh. Kom­merzienrat Rav en 6, sowie Geh. Kommerzienrat Gold­berger, Prüfibent des Ständigen Ausstellungsaussd-usses für die deutsche Industrie.

Der König und die Königin wurden bei ihrem Eintritt in den einfach dekorierten Festsaal mit Begeisterung emp­fangen. Der VorZtzende des Ausstellungsiomitees Baron Janssen hielt oie Begrüßungsansprache, in welcher er an den verstorbenen König Leopold erinnerte, der stets von einem größeren Belgien geträumt habe. Auf die Be­deutung der Ausstellung eingehend, führte der Redner aus, daß der friedliche Wettstreit unter den Böllern wertlos sei, wenn damit mir der Zweck verfolgt werde, auf dem Gebiete des Handels und der Industrie das Geleistete su zeigen. Das höhere Interesse müsse auf eine Annäherung der Volker untereinander gerichtet sein, in diesem Sinne fei die Aus­stellung ein wahres Friedenswerk.

Der MinifterfürIndustrieundArb^eit dankte hierauf im Namen der Negierung den fremden Staaten für ihre starte Beteiligung. Die Ausstellungen seien ein Wahr­zeichen des Fortschritts auf allen Gebieten menschlicher Tätigkeit. .

Alsdann gab König Albert ebenfalls seiner Befrie­digung Ausdruck über bie prächtige Beteiligung des Aus­landes, die eine Anerkennung darstelle für das, was Belgien geleistet habe. Dafür müsse er den Dank der Nation aus- iprechen, da dies einen Grad der Achtung beweise, den Belgien »ich erivorben habe. Der interiialionale Charalter der Aus­stellung verbürge diesem Werk einen großen Einfluß auf das allgemeine Friedenswerk, das ihm besonders am Herzen liege. Nachdem der König allen Mitgliedern seinen Dank ausgesprochen hatte, erklärte er unter begeistertem Beifall die Ausstellung für eröffnet

Darauf traten der König und die Königin einen Nuu tz- gang durch bie belgische, englische, französische, italienische, deutsche, holländische und spanische Au^stelluiigsapteilung an.

Bei ihrem Rundgang durch bie deutsche Abtei­lung sprachen der König unb bie Königin bent Reichs- lommijsar Geheimerat Albert unb bem Borsitzenben bes Komitees Geh. Rat Ravens ihre Bewunberung über bie Leistungen ber beutschen Aussteller aus, bie allein von allen Nationen am Eröffnungstage eine fertige Abteilung zeigen könnten. Minister Hubert bezeichnete bie b e u t s ch e A b - teilung als einen Triumph unb ein Beispiel für alle Stationen. Am Montag wirb ber König ber feier­lichen Eröffnung ber beutschen Abteilung burch Ministerial- birektor Just bellvohnen und.sie bann eingehend besichtigen,

Vaden und die Schiffahrtssragen.

Karlsruhe, 23. April. In der heutigen Sitzung der Ersten Kammer wies der Minister des Innern, Freiherr von B 0 b m a n , darauf hin, daß in der Frage ber Schiff» fahrt s abgaben ein wesentliches Entgegenkomnien der Bundesstaaten, besonders Preußens, stattgefunden habe. Die Leitung des Zweckverbandes werde gebildet durch einen Lerwaltungsausschuß, dem ein Strombciral zur Seite stehe. In diesem würden Handel und Industrie, bie Lanbwirtschast unb bie Hafenstädte vertreten sein. Es ist uns gelungen 0 führte ber Minister aus im Bernxtttungsansschus; unser Stimmengewicht zu steigern, auch soll Batzen im Strombeirat mit acht anstatt vier Stimmen vertreten fein. Enbgültige Beschlüsse seien allerbings nod) nicht gefaßt. Die oerbünbeten Regierungen hätten ihre Einsicht babui ansge sprachen, daß der Zweaverountz die Ober- R h e i n r e g u - licrung in den Bereich feiner Aufgaben aufzunehmen habe, falls sich ihre BauauS,ührbarkeit unb Wirl,chastlich- teit ergäbe, vorausgesetzt, daß,ich die Schweiz unb Oester reich ihren Interes,en entsprechend beteiligen.

Karlsruhe, 23. April. Die sozialdemokra­tische Fraktion ber Zweiten Kammer brachte folgenbe Anfrage ein:

Ist die Großh. Regieriing bereit, darüber Auskunft zu geben, ob unb in welcher Weise die Unternehmer an- gehalten werden, während ber Bauarbeiteraus- Sperrung die staatlichen Bauten weiter zu führen.

Die liufftanösbewegung in Tschangscha.

London, ^3. April. Dem ijief.gcn Auswärtigen Anit wurde von der Gesaudtichaft in Peking cm von gestern spät abends datiertes Telegramm des Generaltoniulö in Tschangscha übersandt, wonach dort organisierte Banden in ber Umgebung eine neue Aufstandsbewegung ins Wert gesetzt haben. Alle Ausländer mit Ausnahme eines einzigen flüchteten sick; an Bord der beiden im Hafen liegend en b ril is ch en Dampfer.