Dem Staatsminrfter v. ‘TRolLTc wurde nach dem cinftim^ migen befehlu« der städtischen Körpersckjastcn das Ehren- bürgerrecht der Stadt Tilsit verliehcu.
In Karlsruhe vcrursacl-cn Gerüchte grobe Aufregung, an den G r o s; her z 0 g seien anonyme Drohbriefe gelangt, in denen es heißt, das Schlos; würde in die Luft gesprengt werden. Die Karlsruher Meldung besagte, der Groß- Herzog habe tatsächlich gestern mehrere Briefe vhuc Unterschrift erhalten, in denen von einem Bombenattentat aus das Schlos; gesprochen wurde. Bisher seien die Ermittelungen, die von der Polizei sofort angestellt wurden, völlig erfolglos geblieben. In maßgebenden Kreisen mißt man den Drohbriefen keine Bedeutung bei.
Ausland.
Der Graf von Turin ist von seinem zweijährigen Jägd- dufcnthalte in Afrika nach Italien zurückgckchrt.
Aus London wird gemeldet: Die Gcdächtnistafel für die Unteroffiziere und Mannschaften der Royal-Tragoons, eie int südafrikanischen Krieg gefallen sind, wurde in der Krypta der St. Pauls Kathedrale durch den Generalmajor Rüssel enthüllt. Der Militär-Attache der deutschen Botschaft legte im Namen des deutschen Kaisers einen Kranz an der Gedächtnistafel nieder.
General Laffon de Lade bat wurde zum Gcncral- st a b s ch c f der frmtZvsiscl>en Arnree ernannt.
In Bilbao veranstalteten die Radikalen und Republikaner in lärmender Weise revolutionäre Kundgebungen. Als die Polizei einschritt, bewarfen die Ruhestörer die Beamten mit Steinen und verwundeten einen von ihnen. Drauf drangen sic in den Klub der Karlisten ein. In dem nun folgenden Tumult wurde eine Person getötet; mehrere andere wurden schwer verletzt. Die Zahl der verletzten Personen beträgt sieben. Die Ruhe wurde erst durch das Einschreiten des Gouverneurs wieder hergestcllt, der den Manifestaltteu gestattete, ihren Weg fortzusetzen.
Ter s p a n i s ch e Ministerpräsident üanalejas erklärte in seiner Antwort auf die letzte Protestkundgebung des E p i s ko p a t s , die Regierung habe ein Werk der Toleranz und des Friedens unternommen, für das sich bei den letzten Wahlen die Mehrheit erklärt habe. Das Dekret betreffend die Auslegung des Artikels 11 der Verfassung verletze in, keiner Weise das Konkordat, sondern führe nur auch in Spanien die G c w i s s c n s f r e i h c i t ein.
Einer Zeitungsmeldung -ufolge soll die norwegische Regierung wegen des günstigen Standes der Staatsfiuanzen beabsichtigen, dem Slorthing vorzuschlagen, vier Millionen Kronen von dem fünf Millionen bctrageltdeu Ueverschuh des vorjährigen Budgets für außerordentliche Aufwendungen für die Marine zu verwenden.
Ter russische R e i ch s r a t nahm den Gesetzentwurf betreffend Finnland in der von der Rcichsduma genehmigten Fassung an.
Wie die „Agcnce Roumnine" mitteilt, sind die Meldungen über eine Verschlimmerung des Leidens der^r u m ä n i s ch e n Königin falsch: sie überstand die Reise nach Siuaja vorzüglich.
Die in Bukarest erscheinende Zeitung ,,2ldaverul" hatte behauptet, der deutsche Kaiser habe an den Kronprinzen von Rumänicn ein Telegramm gerichtet, in dem er den Ueberfall auf den r u m ä n i s ch e n D a mpfe r „Jmpcratul Trajan" im Piräus als eine schwere Beleidigung des gesamten Herrscherhauses Vohenzollepn bezeichnet und die Kinder des kronprinzlichen Paares zur Errettung vor den Ausschreitungen der Angreifer beglückwünscht. Das Telegramm nach der „N. A. Z." ist er- sunden. Ter Kaiser hat zu dem rumänisch-griechischen Zwischenfall in keiner Weise Stellung genommen.
Tas türkische Preßbureau d e in c n t i c r t auf Grund offizieller Nachrichten die Blattermcldiingen über eine Gefährdung der Ordnung in Egypten.
Am 23. Juni ist es am Ufer des llnterrcbia bei Kasbah zu einem Gefeclit zwischen srauzösischen fliegenden Kolonnen- stammen und' den Parteigängern Na-el-Ainims gekommen. Die M a r o k k a u e r erlitten schwere Verl u ft e, auf Seiten der Franzosen wurden mehrere verwundel. Tie französischen Truppen sollen bei Barudu zusammeugezogeu werden.
Tic chinesische Regierung verweigerte ihre Zustimmung zu einer Denkschrift, in der von Delegierten von den Provinzen und den chinesischen überseeischen Gemeinden die Gewährung einer K o nft i tut io u gefordert war. Die Regierung erklärte in ihrer Antwort, es sei unmöglich, den von dem verstorbenen Kaiser festgesetzten Zeitraum von neun Jahren abzukürzen, da die Bevölkerung für die Erlangung konstitutioneller Rechte noch nicht reis. sei.
Tiaz wurde zum Präsidenten und Corral zum Vizepräsidenten von Mexiko mit großer Mehrheit wiedcrgewähtt.
^taOt rrnd Lanv.
Gießen, 28. Juni 1910.
* * Tageskalender sür Dienstag, 28. Juni: Stadt- 1 Heal er: „Der Zigeunerbaron." Anfang 8 Uhr.
*
• * Ordensangclcgenheit. Dein Obersilt. v. Dewitz beim Stabe des Mccklenb. Füs.-RegtL. Nr. 90 wurde vom. König von Preußen die Erlaubnis zur Anlegung des Ehren» kreuzcS des Hessischen Verdienstordens Philipps des Großmütigen erteilt.
* * Erledigt ist die mit einem evana. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemcindeschull' zu Nie d er-- Seemen. Mit der Stelle ist Organisten- nnd Lektordienst verbunden. Dem Fürsten zu Stolberg-Roßla-Ortenberg steht das Präscntationsrccht zu.
** B o m Evangc11 > chcn Bund schreibt man uns: Infolge der Protest-Versammlung gegen die Borromäus- Enzyklika! ist eine größere Anzahl von Eintritten in den hiesigen Zweigverein s r c i w i 11 i g erfolgt und täglich laufen weitere Beitritts-Erklärungen ein. In den nächsten Tagen sollen aber auch noch Lasten mit der Bitte um Beitritt in den Bund in Umlaut gcjctzr werden, und es wird bei den großen Ausgaben, die der Bund zu erfüllen hat, gebeten, leine gute Sache recht eifrig durch Erklärung der Mitglied^ schäft zu unterstützen.
** Tic Gießener Ruder gescllschaft auf der Fran?fu rtcrScg attn DieGieße nerRudergesell- schäft 187 7 beteiligte »ich am Sonntag, 26., und Montag, 27. Juni, an der Rudcr-Regatla zu Frankturt a. M. und zwar mit vollem Erfolg. Da in dem Slaatsprcis für Senioren 23 Boote gemeldet waren, mußten die Vorrennen schon am Samstag uach- mittag beginnen. Tie Mannschaft wurde in dem 4. Vorrennen, nachdem sie es bis 1700 Meter geführt hatte, burdf das Auftreten eines heftigen Gewitters uni) hohen Wellengangs zweites Boot und verlor dadurch, weil stets nur das erste Boot ins Haupt- rennen kam, die Berechtigung, am Sonntag zu starten. Wemr auch die Mannschaft nicht Sieger wurde, so müssen wir doch den Schluß daraus ziehen, daß sie zwar kräftiger war, aber an Technik dem Offenbacher Rudervercfti noch nachstand, was auch der kleine Zeitunterschied von einer Sekunde in M ainz bennefen hat. In den am Sonntag vormittag von 7' . Uhr begonnenen Borrenncn mußte die Gießener Mannschaft im Aussftjeidungs- fobren mit 26 Booten kämpfen, wobei sic int 2. Vorlauf in guter Form als erste durchs Ziel ging und dadurch das Recht erwarb, im Hauptrcnnen zu starten toict lieferte die noch junge Mannschaft trotz eines leichten Gegenwindes und stellenweise hohen Wellenganges den Beweis, daß sie unter dcr Leitung ihres englischen Trainers Mr. Artet in der kurzen Zeil etwas gelernt hat. Wegen Kolttjion mußte bei 1500 Meter ein fliegender Start gemacht werden und Gießen ging mit l1 2 Längen Führung im Ermuntcrungs'-- Preis (Junior - Vierer) mit schönem Schwung und guter Form als erstes Boot durchs Ziel. Ter Preis besteht in einer prachtvollen ZLanduhr nnp fünf ftlberncn
Ehrenzeichen. Im Rennen um den Preis von -Oberrod' (Achter) konnten die beiden Mannschaften (3unteren und Anfängers trotzdem sie daS Vorrcnncn mit 10Rängen als erstes Boot gewannen hatten, am Nachmittag keinen Sieg an die Flagge ihrer Gescll- schaft heften. Trotzdem erzielte sie als zweites Boot eine gute Leistung, da in dem Nennen R uderer mitfahrcn durften, die im Vierer schon Rennen gewonnen hatten. Nach dem Ausgang dieses Ncnucns zu urteilen, kann man der Leitung empfehlen, sich durch auswärtige Zeitungsartikel nicht irreführen zu lassen und für die Folge Junioren-Rennen zu melden, um die Güte ihrer Mannschaften nicht herunterzusetzen und auch teilte zu große Anforderungen an sie zu stellen, denn vier Rennen an entern Tag zu fahren, dürfte für die jungen, strebfamcn Rudcwer noch etwas zu vtcl fein. Es ist anzucrkeuncn, daß die Gießener Ruder- (Gesellschaft vor nichts zurückschrcckt, um wieder auf die Höhe zu kommen und mit den größeren Vereinen in Konkurrenz treten zu können. Ein Besuch auf deut schön gelegenen Bootsplatz, wo allabendlich dos yZotiifboot, aus welchem dcr Trainer den Mann- schasten die Instruktionen gibt, die sricdlickien Fluten der Lahn pfeilschnell durchschitcidct,Zväre für Mftglieder oder Freunde des Rudersports ein schöner Spaziergang.
** Tie M aul - und Klauenseuche i st a u S g e - broch en: in St<rw und in Orlow en, in den Regie- rungsbczirken Marienwerder und Allenstein.
/\ Stangenrod, 27. Juni. Eines der ältesten Gotteshäuser Hessens besitzt unsere Gemeinde im Verein mit dem Nachbarorte Lehn heim. Die beiden Kirchenvorstände und Gemeinderäte haben die Wiederherstellung der baufälligen Kirche beschlossen. Die Arbeiten werden nach den Plänen des Banrats Diehm-Gicßen hcrgestellt; sie find zu 14 000 Mk. veranschlagt. Schon bis Herbst soll die Wiederherstellung beendet sein und die Einweihung erfolgen. Die Kirche stammt ans dem 12. und 13. Jahrhundert, das zeigt der Rippcnansatz der Gewölbe im Chor und überhaupt der frühgotische Baustil. Originell ist der Einbau der Kanzel, der von einer Erneuerung der Kirche herrührt. Auf den Brüstungen der Empore sind alte Gemälde vorhanden; sie sollen vollständig aufgcdeckt und neu hergestellt werden.
-r. Lauterbach, 27. Juni. Eine für heute anbcraumte Sitzung des K r e i s a u s s ch u s s e s, welche über das Gesuch des Seifeitfabrikantcn Karl S o n ö nt a n n um Konzessioitierung einer 2 a m p s k c s s e l a n l a g c für Fc11 - und T a g s ch m e l - zung beschließen sollte, war infolge Behinderung einiger Aus- Id'ufumtgticbcr beschlußunfähig. Hin eine Klärung der Sachlage hcrbeizuführcit, wurde jedoch eine unvcrbiitdlichc Verhandlung gepflogen. Tic geplante 9icuanlagc ist von der Bürgermeisterei Lauterbach und unter gewissen Vorschriften von der Damvs- scssclinfpektion in Tarmuadt gutgchcißcn, von dem Krcisgesund- hcilsamt aber ihre Errichtung außerhalb der Stadt aus hygienischen Gründen gefordert worden. Zwei Grundstückseigentümer aus der Nachbarschaft haben außerdem Einsprüche erhoben, welche nt der .Haupisaä e auf einer möglichen Explosionsgefahr für die benachbarten Gebäude, aus der erhöhten Feucrsgcfahr und dadurch bedingten erhöhten Versicherungsprämien sür die Nachbargruud- stücke fußen, schließlich auch auf eine mögliche erhöhte Belästigung der Anwohner durch üble Gerüche Hinweisen. Ta cs sich um eine alte Anlage handelt, kann ihre Entfernung aus dcr Stadt ohne weiteres nicht utchr geioröert werden. Dcr anwesende Gc - Werbeinspektor für -Oberhessen, Tr. Gerhardt, gibt nach längeren Ausführungen ein Gutachten dahin ab, daß- dem Gesuch entsprochen werden könnte, wenn in der in Frage stehenden Anlage nur nachts geschmolzen würde und durch entsprechende Ventilattons- und Avzugsoorrichlungen in einen hohen Schornstein für möglichste Beseitigung dcS belästigenden Geruches Sorge getragen werde. Eine Explosionsgefahr sei bei dem in Betracht kommenden Kessel kleineren Umganges für die Nachbargrund- ftürfc kaum vorhanden. Die Einsprüche der Gegenpartei wurden vorläufig aufrecht erhalten.
0 Bad-Nauheim, 27. Juni. Zu dcr gestrigen Benzinexplosion ist noch mitzuieilen, daß auch die gesamte Werkstätte und außer den sieben Automobilen auch noch zirka 30 Fahr- und Motorräder durch das Feuer vernichtet worden sind. Der gestern verhaftete Chauffeur, ein Franzose, ist auf eine Kaution hin, die seine Herrschaft stellte, wieder sreigelassen worden. Die Untersuchungen sind im Gange.
0 Friedberg, 27.Juni. Ein bedauerlicher UnglückZ- fall ereignete sich in einer Mädchcnklasse der Bk u sierschule. Jiii naturkundlichen Unterricht entstand bei Versuchen mit Wasserstoff eine kleine Explosion. Eine Retorte wurde zersplittert. Eine Schülerin wurde erheblich verletzt, indem ein Glassplitter ihr ins Auge drang. Das Mädchen kam nach Gießen in die Klinik. Ob cs mit dein.Auge davon komnit, weiß man noch nicht. Die Lehrerin trifft keine Schuld.
d. Mainz, 27. Juni. In der heutigen geheimen Sitziing der Stadtverordneten-Versammlung lüiirbc an die Stelle des in Pension getretenen Hofrats Emil Steinbach der Dirigent dcs Rühl'schen Gesangvereins in Frankfurt, Karl Schuricht, unter 72 Bewerbern zum städtischen Kapellmeister gc- ivählt. Die Wahl ist auf 5 Jahre erfolgt, davon gilt das erste als Probejahr. Dcr AnfangSgehalt beträgt 5000 Mk. Noch in letzter Stunde ging dcn Stadtverordneten ein mit „Schmidt" unterzeichnetes gedrucktes Pamphlet gegen Schuricht zu, das keinerlei Beachtung fand.
s. Wetzlar, 27. Juni. Die Umgestaltung des Bahnhofs Wetzlar, an der jetzt nahezu 4 Jahre gearbeitet wird, geht ihrer Vollendung entgegen. Seit vorigen Herbst wird an den Ueberführungen gearbeitet. Während Bahnsteig I (Strecke Gießen—Deutz) Ende Februar vollendet wurde, ist nun auch Bahnsteig II (Strecke Gießen—Coblenz) in Betrieb genommen worden. Jetzt ist nur noch Bahnsteig III (Strecke Lollar—Wetzlar) zu vollenden.
|| Königsberg, 28. Juni. Bei den Wasser- leitungSarbeiten wurde gestern iu der Nähe des Friedhofes ein gut erhaltenes menschliches Skelett gefunden.
Bombenattentat uns Bantraub in Friedberg.
Der zweite Attentäter, Karl Seiner, Yak, wie das Wolffsche Depeschenbureau meldet, an die sechzehnjährige Verkäuferin Holl- mann in Kaiserslautern einen Brief gerichtet, dem er das schon erwähnte Schreiben an feinen Bruder Albert beilegte. In diesem Schreiben bekennt er, daß er die Tat begangen hat und spricht seine Reue darüber aus; er schließt seinen Brief mit den Worten, daß man ihn in diesem Leben wohl nicht mehr Wiedersehen würde.
Werner ist seinem Helfersheiser W i n g c ß im Gcsängnis bekannt geworden, der wegen Bankraubes in München zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Im Frühjahr dieses Jahres unterschlug W. in Leipzig 8000 Mark, deren Rest in Höhe von rund 4700 Mark nach feinem Tod noch bei ihm gefunden wurden. Wcrncr, der bis zum Jahre 1908 die Oberreal- fchule in Kaiserslautern besuchte, hatte unter dem Einiluß von Schundlitcraiur feine Schülerpflichten derart vernachlässigt, daß er sitzen geblieben wäre. Seine Eltern nahmen ihn deshalb aus der Anstatt. Im März 1908 wurde bei dem Uhrmacher Berg ut Kaiserslautern eingebrochen, wobei dcn Gaunern für annähernd 10000 Mark Wertgegenstände in die Hände fielen.
Kurz darnach wurden im Laboratorium der Oberrealschule zwei Einbrüche verübt, und der Verdacht lenfte sich aus Weruer. Bei
einer Haussuchung wurden im Keller auch die gestohlenen Uhren eingegraben gefunden. Werner wurde wegen dieser Einbrüche sowie wegen Fälschungen, durch die er eine Pauk geschädigt hatte, zu 14 Monaten Gesängnis verurteilt, die er in Niedcrschöncnseld verbüßte wo er auch' den Wingeß kennen lernte. Nachdem ihm wegen guter Führung ein Teil der Strafe erlaffen worden war, arbeitete er im Geschäfte seines Vaters. 5>ier wurde er von Wingeß besucht und zu den Attcutatcn in Frankfurt und Friedberg verleitet. —
Rach diesen Feststellungen erscheint es ausgeschlossen, daß die Anschläge von mehr als zwei Personen ausgeführt wurden, immerhin bedarf es noch der Aufklärung, besonders wegen dcs rätfei» haften Automobils, das verschiedentlich erwähnt wurde.
Das Frankfurter Polizeipräsidium veröffentlicht
ein neues Avsschreibcn,
in dem es 800 Mark Belohnung und folgendes bekannt gibt:
Tie Verbrechen in Frankfurt a. M. und Fricdbcrg find von dcn nachstehenden Personen begangen worden:
1. Kommis Otto Adolf Friedrich Wingeß, geb. 24. 9. 89 in Leipzig-Eutritzsch, welcher sich aus der Versolgung entleibt bat, 1,80 m groß, schlank, kräftig, hageres Gesicht, hat das Aussehen eines etwa 25jährigen, dunkelblondes, links gcfchefteltes, volles Haar, bartlos, trug dunkelblauen zweireihigen Sackanzug, wcißcn Strohhut. Tätowierung: Auf dem rechten Unterarm deutsche uuL amerikanische Flagge gekreuzt. Im linken Oberkiefer künstlicher Eckzahn.
2. Tachdcckcr — früher Oberrealfchüler — Friedrich Karl Werner, geb. 29. 9. 90 Kaiserslautern, welcher flüchtig ist, etwa 1,68 m groß, schmächtige Gestalt, blasses schmales Gesicht, graue Augen, blondes Haar, Auslug von Schnurrbart — vielleicht wegrasiert — hohe Stirn mit Narbe, trug dunkelblauen oder grauen modernen Sackanzug, oder grau-braun fcingcstreisten Sportanzug (Ehausscuranzug mit Kniehosen, weißen Strohhut oder Rcisemütze oder grünen Sammethut, wechselt häufig die Kleidung, nannte sich Friedrich Schmitt, Reisender aus Darmstadt, auch Georg Müller, Techniker aus Tarmstadt.
T-er Täter zu 2. ist festzunchmcn. Ferner ist über feinen Verkehr mir dem Selbstmörder zu 1., feinen Aufenthalt und fein Treiben vor der Tat am 14. 6. bezw. 22. 6. 1910 nachzuforfchcn. Der schwarze Muster-Handkoffer ist noch nicht ermittelt.
Ferner ist festzustcllen, woher die Verbrecher die Bomben sich verschallt haben. Dieselben waren mit Gclatine-Tynamit gefüllt. Am zylindrischen Blechmantel der einen Bombe stcht: „Taß 30 Gramm".
Ter Polizeipräsident ersucht um geeignete Maßnahmen, möglichste Weiterverbreitung, auch an etwa unterstellte Behörden, und Drahtnachricht, auch an die Großh. ^tantsanwattschast Gießen. Personen, die sachdienliche Mitteilungen machen können, wollen sich an die nächste Polizei-Verwaltung wenden.
Frankfurter Regatta.
F r a it f s u v t a. M., 27. Juni.
Vorrennen. Vierer. Erste Abteilung. 1. Ruderverein Fechenheim 7 Min. 147s Sek., 2. Rv. Hellas-Offenbach 7:17, 3. Rv. 9iürnberg 7 :24-/o. Zweite Abteilung. (Zeit wurde nicht genommen.) 1. Gießener 9t n b c r g c f e l i f cf) a 11, 2. Frankfurter Rg. Sachsenhausen, 3. Mainzer Rg. Trillo Ableilnng. 1. Mannheimer Ruderklub 7 : 233/6, 2. Hanauer Rkl. Heissia 7: 41, 3. Frankfurter Rg. Oberrad auigegeben. — Achter. Erste Ableilchig. 1. Gießener R u d e r g e j e l l s eb a f t 6:327z, 2. Frankfurter Rklb. 6:37, 3. Frankfurter Rg. Obcrrad 6:40'7. Zwcile Abteilung. 1. Offenbacher Ruder- gescllschaft Undine 6:27-/z, 2. Frankfurter Rv. 6:38'/z, 3. Mannheimer Rg. 6:40. — Eiuer. Erste Abteilung. I. Ruderverein Sturmvogel Leipzig (F. Wagner) 7:57',.,, 2. Rkl. Bamberg (I. Eichels-- bövfer) 8:oöl/s, 3. Mannheimer Rv. 'Jlmiciiia <K. Schmidt) 8:06. Zwecke Abteilung. 1. Frankfurter Ruderklub (W. Reubold) 8 :125/s, 2. Kölner SU. für Wassersport (B. Sanguinctto) 8:21, 3. Hanauer Rg. (W. Spielmann) 8:347z. — Vierer. Erslc Abteilung. 1. Offenbacher Rudcrgesellseiiaft Undine 7 :27'. |r 2. 'JL’iamiljcimcr Rkl. 7 : 34, 3. Frank'. 9lti. 7:48. Zwcile 2lbt. 1. Alannh. Rv. Ainuckia 7: 16' 2. Rv. Hellas Offenbach 7 :28 ". 3. Hanancr Rkl. Hasfia 7:56.i
Ansängcr-Vicrcr. 1. Gießener Rud e r g esc i 1 schast 7 Min. 34-/5 Sck., 2. Franisurtcr Rg. Sachsenhausen 7:39-I, 3. Rkannheimer Zckl. 7:44. Acik zwei Längen gewonnen. '— Kaiser-Vierer. 1. Mainzer Ruderverein 6:541 , 2. Ludwigshafener Rv. 6:58. Der Sieger ging mit dcr Führung itö und hatte im Ziel l1/» Längen Vorsprung. Zweiter Dovvclzwcicu: ohne Steuermann. Tauuusprcis. 1. Ulmer Ruderklub Tonau 7 :06’/5, 2. Kölner Kl. für Wassersport <: 11' ... - Zweiter Pierer. Regatta-Vereinspreis. 1. Frankfurter Ruderverein 6: 11- 5 2. Kastel cr Rg. 6:550, 3. Heilbronner Rg. Schwaben 6:56. — Iunivr-Eincr. Preis vom Roten Hamm. I. Ruderverein Siurm- oogcl Leipzig (F. Wagner» 7:380, 2. Frankfurter Rkl. <W. Reu- boiö) 7:460p 3. Rkl. Bamberg (I. Eichclsdorser) 7: 48*-5.
Trost-Ächter Preis von Obcrrad. I. Offenbacher Rudcrgcfcll' schäft Undine 6:15‘ 2. Gießener R g. 6: 31, 3. Franllnrter
9111. 6: 410- — Erster Vierer, Ausstcllungsprcis. 1. Mainzer Ruderverein 6:510, 2. Mannheimer Rkl. 6:58-0. Unbcftrittcncr Sieg. — Erster Einci. Preis von der Gerbe» mühle. 1. Mainzer Ruderverein (R. Lucas' 7:34' 2. Rndcrriege des Essener Turn- und Fcchtklubs (H. Böttinger) 7:410, 3. Frankfurter Rg. Germania (O. Müller> 7:51. — Dritter Vierer. Preis von Sachsenhausen. .1. .Heilbronner Rudergescllschast Schwaben 7:000, 2. Hanauer Rg. 7:040, 3. Offenbacher Rv. 7:08. — Zweier ohne Steuermann. Inselpreis. Ludwigshafener Ruderverein ging in 8:00 allein über die Bahn. — Anfänger-Viei er. Preis von der Kaiferlay. 1. Ruderverein Hcllas-Osscnbach 7: OG'/s, 2. Mannheimer Rv. Amieitia 7:10'.'.;, 3. Mannheimer Rkl. 7:370. — Erster Achter. Germaniavreis. I. Mainzer Ruderverein 6:250, 2. .Mannheimer Rkl. 6:32',/,, 3. Ludwigshafener Rv. 6:33.
Lmtfchiffahrt.
Düsseldorf, 28. Juni. L Z. VII ist heute früh 8i 2 Uhr aufgestiegen, um mit Vertretern, der Presse eine Fahrt über das Bergische Land zu machen.
Vermischtes.
— D i e Schule der Fidjiinfulaner. Unter allen Schöpfungen, die das Airdenken der Königin Viktoria lebendig erhalten, sind die nützlichsten und dauerndsten die Schulen, die unter ihrer Regierung in den englischen Kolonien gegründet wurden. Eine solche, die Gouoerncmenlsichule in Sura, dem Haupthafen dcr Kvrallcninseln, ist von den Fidjilnfulancrn mit einem Kostenaufwand von 2000 Pfund Sterling gebaut worden und wird mi-5 den Abgaben der Infcln, die ungefähr 16 000 Pfund Sterling! im Jahr betragen, unterhalten mit einem jährlichen 'Aufwand vo-n 1250 Pfund Sterling. Tic aufgcncmtmcncn Schüler zahlen nichts. Ursprünglich sollten nur die Söhne dcr Häuptlinge dort muei> richtet werden, die bestimmt sind, später in ihren Heimatsdörfern auf den verstreuten Inseln verantwortliche Posten als Beamte, Aerzte und aller Art Beschäftigungen zu übernehmen, für die ein geschulter Verstand nötig ist. Nach Erössnung der Schule fanb sich aber eine ganze Menge intelligenter Jungen, deren Väter teilte Häuptlinge waren und auch diesen wurde die Schule zugänglich gemacht. Bei einem Besuch der Schule fand der englische. Sudfeerciscnde Will Erooks daselbst 70 Jungen. Sie sind, wie der genannte Reisende berichtet, niemals müßig, treiben alle beliebten englischen Spiele, wie Fußball, Icitnic-, Krocket, Hockey usw. imb bebauen rn ihren Mußestunden ein kleines rtüd Land, das zu der Schule gehört. Wenn sie eintreten, von dcn fernsten Inseln hier zusammenkommend, sind sic einander srernd,^ aber bald schließen sie Freundschaften. Als W. Ervvks die Schule betrat, sand er die Knaben mit der Ueberfetzung eines englischen Buches m die Fidjisprachc beschäftigt. Sie bestürmten ihn mit allen möglichen Fragen: Ob er lesen könne ? Zum Beweis Mußte er ihnen ein Kapitel aus einem englischen Reisewerk vorlesen.. Ob er den König schvn einmal gesehen habe ? Wie der rnissehe?. Und als cr ihnen jagte, daß dieser, ein Mensch wie andere wenn cr ihnen begegnete, sie beZrüßen und ihn cm Pi? HaZL


