fttathnrg im allgLmcincu nur wemg Bedeutung besitzt und hn wesen flichcu nnr noch für die Lurrdgemernden in Betracht kommt, hat eine bemerkenswerte Vereinfachung erfahren. Das seitherige Privileg für die Söhne von Beamten, Pfarrern und Lehrern zur Erlcrngrmg des OrtSbürgcrrechts rtnrrbc1 beseitigt, desgleichen das besondere Wahlrecht zur Gemeirrdevertretung, welches bis jetzt mit bem Ortsbürgerrecht verknüpft war. Die gänzliche, Ablösung des Nutzungsrechts des Ortsbürgers soll nach Maßgabe besserer, rwch zu erlassender gesetzlicher Bestimmungen zulässig sein. Im übrigen ist noch zu bemerken, baß sich die neue Gesetzesvorlage int wesentlichen nach den früheren Grundprinzipien aufbaut und die allgemeine Tendenz verfolgt, einerseits solche Bestimmungen, die sich seit dem Inkrafttreten der Städtcordirung als mißftändig oder überflüssig erwiesen haben, zu verbessern oder zu beseitigen, andererseits M<bc Vorschriften neu einzufügen, die nach den in der Zwischenzeit gemachter: praktischen Erfahrungen zur Ausfüllung von Lücken dienen. Daneben läuft das Bestreben, die Bestimmungen einer Reihe mit der Städtevrdnung in Zusammenhang stehender Sondergesetze im neuen Gesetze zu verarbeiten. Der Sondcrausschutz gedenkt in nächster Zeit die Beratung der S t ä d t e o r d n u n g und der Landgemeindeordnung zu Ende zu führen, so daß alsdann beide Gesetzentwürfe im H erb st von der Zweiten Kammer verabschiedet werden können.
Deutsches Betcb.
Im preußischen Abgeordnetenhaus ging zur Wahlrechtsvorlage, die am heutigen Freitag beraten wird, ein Zentrumsantrag ein, die Vorlage nach den Dc- scWissen des Abgeordnetenhauses in allen Punkten wieder- h e r z u st e l l e n.
Die Blätter melden aus Berlin: Die neuen Einigungs- Verhandlungen für das Baugewerbe begannen heute vormittag im Reichstage. In Kiel haben die ausgc- sperrten Bauarbeiter gestern eine eigene Baumaterialien Handlung eröffnet.
In der italienischen K a m m e r erwiderte der Unter» staatssekretär int Auswärtigen Amt, F ü r st d i S c a l e a, auf eine Anfrage Cabrinis über ben e t a n b des ArbeitsMarktes int BangewerbeDeut sch lands', die italienische Regierung sei der Entwickelung dieser Krise mit Aufmerksamkeit gefolgt. Sie habe am 20. März ein Rundschreiben veröffentlichen lassen, um die italienischen zeitweiligen Auswanderer in Kenntnis.zu setzen, daß sie vermeiden sollten, sich in Deutschland in einen Konkurrenzkampf einzulasscn, durch den sie Feirtdseligkeiten der Ausständigen Hervorrufen würden. In den ersten Tagen des Avril sei eine zweite Veröffentlichung erlassen worden, in der bekannt gegeben wurde, daß die Verhältnisse auf dem Markte noch immer ernst seien; auch sei eine Depesche int selben Sinne an die Präfekten der Provinz geschickt worden. Cabrini zollte dem Vorgehen der Negierung Beifall.
Aus Amsterdam wird gemeldet: Die königliche Familie ist am Donnerstag nachmittag um 51/2 Uhr zum erstenmal mit der Prinzessin Juliana hier eingetroffen. Auf dem ganzen Wege vom Bahnhof bis zum Palais bereitete eine ungeheuere Menschenmenge der Familie einen unbeschreiblich begei- Werten Empfang. Als später die Königin, die kleine Prinzessin auf dem Arm, und der Prinzgemahl sich auf dem Balkon des Palais zeigten, brach die Menge abermals in brausenden Jubel aus. Das Gedränge war so groß, daß mehrere Personen in Ohnmacht fielen.
Im französischen M i n i st e r r a t c erklärte der Kriegsminister, die Reservisten, die am 23. Mai in Nimes meuterten, hätten am 25. d. M. exerziert, ohne daß etwas vorgekommen sei. Ihr Gesundheitszustand sei gut. Die Meuterei sei einerseits darauf zurückzuführen, daß zahlreiche Reservisten glaubten, man würde sic in Nimes lassen, statt Ins Lager zu schicken, andererseits auf die Gegenwart einiger Hitzköpfe, die noch von dem Wahlkampf aufgeregt seien. Seitens der Militärbehörde werde die Untersuchung fortgesetzt. Die Rädelsführer sollen vor das Kriegsgericht gestellt, die anderen Schultagen, disziplinarisch bestraft werden.
Wie die Blätter aus Konstantinopel melden, verständigte der Minister des Innern alle Gouverneure, daß der Aufstand in Albanien als beendet betrachtet werden kann.
Ans Stadt rrnd Land.
Gießen, 27. Mai 1910.
Aus der Litzuug der Stadtverordneten.
Die gestrige Sitzung der Stadtverordneten-Bersamm- Tung, die eine recht reichhaltige Speisekarte aufwies, verlief trotz der zutage getretenen Redseligkeit recht flott, da nichtige grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten sich nirgends bemerkbar machten. Den wichtigsten zur Erörterung stehenden Gegenstand bildete der Neubau der Oberreal- fchule, die, nachdem man die frühere Absicht, sie auf dem Aktienbrauereigelände zu errichten oder das alte Kliniksgebäude da^u zu verwenden, aufgegeben hatte, an der Stephanstraße zunächst dem vorhandenen Realschulgebäude errichtet werden soll. Dadurch werden gegen die Heiden anderen Projekte 100 000 Mk. gespart, ganz abgesehen von den Ersparnissen, die durch die unmittelbare Nachbarschaft der beiden Schulgebäude im Schulbetrieb möglich sind. Einen breiten Raum in den Verhandlungen nahm das Wappen der Stadt Gießen ein. Stadtv. Dr. Ebel hatte schon vor längerer Zeit angeregt, das jetzige heraldisch unmögliche und unschöne Wappen durch ein anderes zu ersetzen, das das alte Gießener Reitersiegel zum Vorbild haben sollte, 'Ittin- mehr legte er die Frucht seiner Studien hierüber in einem Vorschlag vor, der eifrig besprochen wurde. Neben Freunden des Vorschlags machten sich auch Stimmen geltend, denen das jetzige Wappen noch gut genug war und andere fürchteten den Spott, daß das neue Wappen bei seiner Helmzier auch Hörner erhalten solle. Schließlich verwies man die Sache an den Vorschlagsausschuß. Das dieses Jahr wieder fällige Jugend fest wurde auf den 28. Juli festgesetzt.
Außerordentlich wichtig war auch die Tagesordnung der nichtöffentlichen Sitzung. Die Stadtrechnerstelle wurde dem Oktroiinspektor Mäser übertragen. Die Verträge mit Geh. Kommerzienrat Gail wegen der Durchführung und Verbreiterung der Sandqasse, 'smme mit Wilh. Plank II. wegen der Durchführung des Tiefenweges werden genehmigt. Auch der Geländevertauf hinter der Ost- Anlage an Kommerzienrat S ch a f f st a e d t, Professor Dr Sentert und die Firma I. B. N oll, der in der letzten Sitzung eine ausgedehnte Besprechung hervorrief, fand seine befriedigende Erledigung dadurch, daß sich die drei Anlieger einigten. Die .Herren S^hafsstaedt und Dr. Leutert erhalten das hinter ihren Besitzungen liegende Gelände, während die Firma Noll eine Parzelle an der Wiesenstraste erhält. Die Einigung erfolgte durch die Vermittelung Des Justizrats Grünewald. Schließlich wurde der Vertrag nut Krofdorf wegen der Abgabe von elektrischem Licht und Strom genehmigt. Nach diesem Vertrag übernimmt die Gemeinde Krofdorf ans 30 Jahre die Garantie, daß jährlich für mindestens 6200 Mk. Strom abgenommen wird. Für die Abgabe an die einzelnen Verbraucher werden die in Gießen zu zahlenden Preise zugrunde gelegt. Die elektrische Energie wird im hiesigen Elektrizitätswerk als hochgespannter Drehstrom von 3 mal 3000 Volt Spannung erzeugt, in einer Freileitung nach Krofdorf geführt und dort in einen Drehstrom von 3 mal 120 Voll Spannung umgewandelt. Die Versorgung mit dem in der Stadt eingesührten Gleich
stromnetz von zweimal 220 Bolt Spannung ist wegen der großen Entfernung nicht möglich. Der Oberbürgermeister sprach die Hoffnung aus, daß der Vertrag mit Krofdorf der Anfang Au einer größeren elektrischen Ueberlandzentrale lper- den möge. Ferner teilte er mit, daß er dem Bürgermeister von Wies eck bei der Verhandlung loegen der elektrischen Bahn ebenfalls ein Angebot wegen des Bezuges elektrischer Energie für Ficht und Kraft gemacht habe, aber bis jetzt weder bezüglich des Angebots der Stadt hinsichtlich der Straßenbalpn noch hinsichtlich der Stromlieferung eine Antwort erhalten hübe.
• • Von: Großherzoglichen Hofe. Das Großherzogspaar traf am Mittwoch abend in Begleitung des Burggrafen und der Burggräfin zu Dohna-Schlobitten von Lich wieder im Neuen Palais zu Darmstadt ein.
* * Groß Herzog und Nosegger-Spende. Der Großherzog spendete, wie uns aus Wien gemeldet wird, für die Rosegger-Sammlung des Deutschen Schulvereins einen Sauft ein im Werte von 2000 Kronen.
” Einziehung von Reichskassenscheinen. Die mit dem Datum vom 10. Jan. 1882 ausgefertigten Reichs- kassenscheme zu 50, zu 20 und zu 5 Mark sowie die mit dem Datum vom 5. Jan. 1899 ausgefertigten Reichskassenscheine zu 50 Mark werden vom 1. Jan. 1911 ab nur noch bei der Preußischen Kontrolle der Staatspapiere eingelöst.
**Der Verein hessischer Zahnärzte hält morgen und übermorgen hier sein 16. Stiftungsfest ab, mit dem die Feier des fünfzigjährigen B e r ii fsj u bi l äu m 8 seines Ehrenvorsitzenden, Dr. med. G. W. Koch-Gießen verbunden ist. Einem heute abend im Hotel Großherzog stattfindenden Empfangsabend folgt morgen früh 9 Uhr eine Mitgliederversammlung des Vereins in der Freimaurerloge und sodann um 11 Uhr eine Feier im Festsaal der Freimaurerloge mit Ansprachen und einem Vortrag de§ Prof. Dr. Michel-Würzburg über die Aetiologie der Karies. Nach einer Frühstückspause folgen fachwissenschaflliche Vorträge, deren im ganzen 17 angemeldet sind, darunter von allgemeinem Interesse ein solcher von Dr. Koch- Gießen über die Zahnheilkunde vor 50 Jahren. Am Abend findet im Hotel Großherzog ein Kommers statt, dem sich Vorträge, Deklamationen und die Aufführung cineS kleinen Lustspiels anschließt. Am Sonntag vormittag werden die Vorträge und Demonstrationen im großen Hörsaal der Anatomie zu Ende geführt, worauf ein Festmahl im Hotel Großherzog und ein Ausflug mit Damen auf den Schiffenberg den Schluß der Tagung bilden werden.
* • Stadttheater. Wegen Todesfalles in der Familie Melzer und Krankheitsfällen im Personal muß die heutige Vorstellung von Richard Heubergers Operette „Der Opern» ball" auSfallen. Das melodiöse Werk wird nun am kommenden Sonntag als dritte Operetten-Abonnements- vorstellung und letztes Gastspiel des Emser Kurtheaters gegeben werden. Verbunden ist mit der Aufführung ein Ballett- Gastspiel der Schwestern Cortini, womit dem letzten Auftreten der Emser Gäste, die sich hier in der kurzen Zeit ihres Verweilens viele Sympathien erworben haben, ein volles HauS gesichert sein dürfte.
** Eine Zirkus-Zeitung des Zirkus Charles, der am Montag hier feine Vorstellungen beginnt, liegt der heutigen Ausgabe bei, worauf wir aufmerksam^ machen. Das Unternehmen, das derzeit das größte und vornehmste reisende Zirkus-Unternehmen ist, verfügt über 14 Zeltanlagen, worunter ein Niesenzelt mit 56 Meter Durchmesser, 52 mit Kugellagern versehene Transport wagen, 23 Löwen, Eisbären, ^elöwen, Elefanten unb hervorragende Sct>ul- und Freiheitsdressuren. Unter den Künstlern und Künstlerinnen befinden sich nur Kräfte allerersten Nanges. Die neueste Errungenschaft des Zirkus sind sieben wildeingefangene Tiger, die die Dompteuse Miß Charles vorsührt. Außerdem hat das Unternehmen für dieses Jahr mehrere größere, für hier ganz neue, Sensationsnummern, wie Chinesen- und Japaner-Truppen und Original Indische Fakire, sowie erstklassige Reiter und Reiterinnen verpflichtet. Die Niesenwanderfchau wird mittels 80 adliger Sonderzüge befördert.
** Eine recht mysteriöse Angelegenheit 6c- fdjäftigt gegenwärtig mehrere Behörden. Ter Arbeiter Paul Gottwald von hier verließ im Oktober v. Js. seine Familie, angeblich, um auswärts Arbeit zu suchen und ließ nichts mehr von sich hören. Am 16. Dezember 1909 wurde nun in Frankfurt a. M. eine bereits stark verweste unbekannte männlidjc Leiche aus dem Main geländet unb Frau Gottwalb erkannte mit Bestimmtheit bie Kleiber ber .Leiche als bic ihres Mannes an, obgleich der Trauring unb ber Militärpaß, ben Gottwald mit sich geführt hatte, nicht vorhanben waren. Gottwalb würbe für tot erklärt unb feiner Ehefrau würben bic Invaliden- und Sterbegelder ausbezahlt. In biefein Frühjahr nun wurde in Aachen ein Mann wegen Obdachlosigkeit sistiert unb loiebcr freigelassen, ber sich mit bem Militärpaß bes Gottwalb legitimierte. Man neigte zur^ Annahme, es sei ein Verbrechen verübt worben, weshalb auf ben Besitzer bes Gottwald'schen Militärpaffes gcfahnbet wird. Die Sad)c wird wohl nicht eher geklärt toerben können, bis bicser Mann ermittelt unb ber Frau Gottwalb gegenübergestellt ist, benn aller Wahrscheinlichkeit hat sich bic Frau boch geirrt unb ihr Mann lebt noch.
)!( Hungen, 26. Mai. Heute nack)mittag Mürbe ein 9jähriger Junge von einem sck)weren Steinsuhrwerk, frei dessen Pferben er ftanb, üb erfahren. Er erlitt außer Verletzungen im Gesicht einen Beinbruch oberhalb bes Knies. Die Pferbe scheuten burch ein Geräusch und sprangen auf bie Seite, woburch bas Unglück entstanb.
):( Lauterbach, 26. Mai. .Heute tagte hier unter bem Vorsitz bes Ab. Kvrell, bem Vorsitzenben des Lanb- wirtschaftslammer-Ausschusses für Oberhessen, eine Anzahl gelaberter Mitglieder ber Lanbwirtschaftskam- m er und dem V 0 rstanbe ber Stadt Lauterbach. Der Lanbwirtschaftskammer-Ausschuß plant hier für ben Herbst bieses Jahres eine Kr eissch au für den Kreis Lauterbach, bie sich über sämtliche Probuktionsgebiete ber Landwirtschaft erstrecken soll. Zu ber Vorbesprechung waren außerdem geladen der Präsident des Provinzialvereins für Oberhefsen Oekonomierat Schlenk, ber Vertreter bes Lanbespserbezuchtvereins Major v. Starck-Darm- stabt, ber Vertreter des Obstbauvereins für Oberhesfen, des Geflügel- und Bienenzuchtvereins. Der vorgelegte Ans- stellnnasplan, bie Feststellung bes Ausstellungsplanes, bes Ausstellungstermins, bie Wahl bes Ausstellungsplatzes wurden nach einiger Besprechung, bic zur Folge hatte, baß sich bic Ausstellung auch auf Lrchasvieh erstrecken soll, ein- sttmmig genehmigt. Die Bilbung der Ausschüsse fand keine Schwierigkeiten. Die Schon soll am 2 4. September vormittags eröffnet werben, währenb schon am 23. Sept, bie Prämiierung ber Erzeugnisse bes Ackerbaues, bes Obstbaues unb bes Geflügels vorgenommen werben soll. - Am 25. September Sonntags nachmittags gegen 2 Uhr findet ein Festzug statt. Die prämiierten Tiere bleiben bis zum Spätnachmittag des 25. in ber Ausstellung, damit bic Sonntagsgäste bic Tiere in Rduße nruiftern können. Am Mon
tag ben 26. September wirb die Schau geschlossen. Zahl» reiche Geldpreise sind durch ben La n b wir tsch af t s kam mer - Ausschuß bereit gestellt, bic vermehrt werben burch Preise bes landwirtschaftlichen Vereins für bic Provinz Oberhessen. Zahlreiche Ehrenpreise ber Stanbesherren des Kreises und anderer sind crngemclder ober kommen beimtächst zur An melbung. Zum Schluß würbe noch die geräumige unb sehr stattliche Turnhalle besichtigt, bie mit ihrer tveiten Umgebung bie Ausstellung auf nehm en soll unb jetzt prächtige Runbblickc gewährt. Die Schau wird burch ben Stadt- vorftanb unb bie Bürger Lauterbachs angelegentlichste Förbc- rung erfahren. — Der Termin ber Schau 'mürbe mit Rück- sichr auf bie Obstaus'ftellung, mehr noch wegen des Manövers, das sich in der Umgebung Lauterbachs abjpielt und erst am 22. September seinen Abschluß findet, so weit hinausgelegt.
R. B. Darmftab t, 26. Mai. In dem Hause Woogsplatz 13 machte ber bortige Kaufmann Georg Hellmuth seinem Leben burch Erschießen ein Enbe, nachdem er vorher seine Ehefrau durch einen Rev 0 lverschnß in bic Schläfe getötet hatte. Die Veranlassung zu bieser Bluttat scheinen Zahlungsschwierigkeiten zu sein. Der Ehemann ftanb im Anfang wer 60 er Jahre, bie Frau in ben 50 er Jahren; bie Ehe war kinderlos. Das Ehepaar verzog vor etwa 10 Jahren! von Offenbach hierher j^tb errichtete nut bem Maler Gustav Eibam die Dekorationsmaler- unb Weißbinberfirma Eibam unb Hellmuth. Vor etwa Jahresfrist trat Eibam aus ber Firma aus und Hellmuth, der auch das .Haus erworben hatte, führte! das Geschäft mit zehn Arbeitern unb einem Geschäftsführer weiter. Er geriet in Zahlungsschwierigkeiten unb bic Frau sah sich veranlaßt, zwecks Nebenerwerbs ein Maskengarberobe - Vcrleih- geschäft zu betreiben, hatte auch kürzlich imdi ben Verkauf von Kleiberstoffen übernommen. Tie Angst vor neuen unübertoinbbaren Zahlungsschwierigkeiten scheint ben Unglücklichen zu ber Tat getrieben zu haben. Das Ehepaar war als fleißig unb rechtschaffen bekannt unb ihr trauriges Schicksal begegnet in ber Stabt allgemeinem Bebauern.
fc. Groß-Gerau, 26. Mai. Die hiesige Bezirks- sparkasse hat durch die Nachlässigkeit ihres Rechners Müller einen S cha den von 46000 Mark erlitten. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung beschloß, Müller ohne Pension zu entlassen und auf dem Wege der Klage den Schaden von ihm zu fordern. Entlastung' wurde dem Vorstände nicht erteilt.
b. Mainz, 26. Mai. Jnstizininifter Dr. E w a l b besichtigte vorgestern in Begleitung des Lanbgerichtspräsibenten Dr. Hangen bas neue Justizgebäube. In ben Gerichtsferien finbet die Uebersiebelung ins neue Gebäude statt. Von einer Eröffnungsfeierlichkeit wurde in Anbetracht ber Finanzlage bes hessischen Staates abgesehen.
-o: Oppenheim, 26. Mai. Die Unterschlagungen, bes Rechtsanwalts Hubert sinb viel bebeutenber, als zuerst angenommen würbe; bic persönlichen unb dienstlichen Forderungen, bie bis jetzt angemelbet sind, summieren fid) bereits aus über 200000 Mark. Das traurigste ist, baß die Hauptsache ber Unterschlagungen Mündel gelber sein werben, bic Hubert in seiner Eigenschaft als Notar anvertraut waren. In Oppenheim unb Umgebung herrscht große Bestürzung unb viele ber Leute, bic ihr Vermögen verloren haben, können die nieber- schmetternbe Tatsache nicht fassen. Viele Depots sinb verschwunben, andere verringert. Es soll Aussicht bestehen, daß vermögende Verwandte Huberts bie bicnstlid;en Fehlbeträge decken werben. Es wirb behauptet, der Tod Huberts am 27. April d. I. sei auf Vergiftung zurückzuführen, boch läßt sich in bicser Hinsicht nichts mehr feststellen, ba Hubert seine Leiche Verbrennen ließ. Hubert genoß großes Ansehen, er war auch von der hessischen Regierung mit ber Leitung ber Domanial-Weinversteigerungen betreut, unb dieses Ansehen verhinderte auch, baß burch Hubert Geschäbigtc; sich nicht heraustrcuitcn. Vor Jahren sckwn wurde z. B. erzählt, baß Hubert Leute, bic ihr Vermögen von ihm ausgezahlt erhalten sollten, ben Empfang burch Unterschrift bc|"d)cinigai ließ, ohnÄ ihnen je Gelb zu geben. Mit Rücksicht auf beteiligte Verwandte unterblieb bie Anzeige. Hubert verbrauchte für sich selbst große Summen, hatte aber and) für (inbcrc Aufwcnbnngen zu machen.
X .Hanau, 26. Mai. Der mit der Streckenpatrouille beauftragte Hilfsweichcnsteiler Jakob Gräuel aus Soden bei Salmünster geriet, als er die Strecke begehen wollte^ bei Steinau unter die Räder des v-Zuqes Berlin—Basel und wurde zerma'imt. Einige Stunden später verunglückte auch sein Neffe, der 20jährige Run gier arbeit er Adam Gräuel aus Ahl bei Salmünster, als er im Ostbähn- Hof Hanau eine Lokomotive mit einer Wagengruppe zusammenfügen wollte. Er geriet unter bic Lokomotive, wobei ihm z-wei Rippen gebrochen und die linke große Zehe abgequetscht wurde.
Markte.
fc. Frankfurt a. M., 27. Mai. Heu- und S t r 0 h m a r r t. Angeiahrcn waren 8 Wagen Heu und 0 Wagen Stroh. Man notierte: Heu 4,50—4,80 Mk., Stroh (Körnlangstroh) 0,00 bis 0,00 Mk., Wirrstroh 0,00—0,00 Mk. Alles per 50 Kilo. Geschäft gut. — Die Zufuhren waren aus dem Taunus und dem Kreis Dieburg.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetter bien st stelle Gießen.
Wetteraussichten in Hessen am Samstag dem 28. Mai 1910: Meist wolkig, Regen, vielerorts Gewitter, kühler, windig aus West. Nock; heute Nacht Trübung und Gewitterregen.
Ortgrnal-VrahtmelSungen.
Die Wahlrechtsvorlage im preußischen Abgeordnetenhaus.
Berlin, 25. Mai. Im ÄbgeorbnetenhauD/ wurden heute bic Beratungen über bic Wa h l r c ch tFv 0 r -- läge bei bichtbesetztem Hause unb überfüllten Tribünen wieber ausgenommen. Zu Beginn ber Sitzung erklärte der Ministerpräsibcnt v. B et hm an n Hollweg, daß die Anttäge der Nattonalliberalen unb bes Zentrums sowie des Abg. Richthofen unannehmbar seien. Wenn man sich nicht anbers einigen könne, dann wüßte er keinen Ausweg, um mit der Vorlage zu einem annehmbaren Ergebnis zu kommen. Diese Erklärung wurde mit un- verholener Mißstimmung ausgenommen.
Zum Untergang des „Pluviose^'
Calais, 27. Mcri. Den Tauchern ist cs bis jetzt noch nicht gelungen, bis zu dem gesuukenen Unterseeboot vorzudringen. Heute nachmittag erwartet man bic Ankunft der Rettungsmanmschaften, doch ist nicht daran zu denken, daß das gesunkene Boot vor morgen früh an die Meeresoberfläche gebracht wird.
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Wetzlar, 27. Mai. Die Konscrvattven haben für die nächste Reichstags wah l int Wahlkreise Wetzlar- Altenlirchen den Landrat von G 0 r s ch c n als M andi datcn aufgestellt, der auch, wie das konservative Partei- blatt^bestätiK, bic Unterstützung des Zentrums jinben wird.
Thorn, 26. Mai. Cberbürgcrmeiner Dr. Seiften ist gestern nachmittag in ber Schumamtfchcn Klinik g c starbe n.
Washington, 27. 'Mai. Ter Kommandant ber Marinestreitkräfte ber Vereinigten Staaten an ber Küste von Nicaragua erhielt den Austrag, den amerikanischen Interessen vollen Schutzzu gewähren, nötigen» falls durch bie Landung von Marin eso (baten.


