Ausgabe 
27.5.1910 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten.

zu gewagt. Aber die Preisrichter wollten auch das Vorspiel hören Md so setzte sich denn Mascagni ans Klavier und spielte und sang, so gut es ging. Der Erfolg schien dem jungen Musiker günstig zu sein, bald trat Marchetti heran, begleitete Mascagni und unterstützte ihm beim Singen.Eine meiner schwersten Sorgen in diesen Tagen", so erzählt Mascagni,war gerade diese Aufgabe, dem Ausschuß meine Oper vorzusühren: ich wußte, daß meine anderen Kollegen einen Sänger mitgebracht hatten uiw eine Violine, die ihren Vortrag unterstützten, während ich ganz allein gelommen war und auf mich selbst und das Klavier angewiesen war Wir siel natürlich eine schwere Last vom Herzen, als nun der Maestro Marchetti mir seine Hilfe anbot und mir das gab, was mir fehlte v- und noch mehr." Als Mascagni lernen Vortrag beendet hatte, traten die Preisrichter zusammen und sprachen mit halblauter «Stimme miteinander; der junge Munter lauschte in grenzenloser Aufregung dem Gespräche, aber er konnte nicht viel verstehen. Er hörte nur, daß einmal von der Aus­führung gesprochen wurde: da übermannte ihn die Freude, er trat vor und sprach die Preisrichter an. Aber die Antwort war wie eine kalte Dusche: wie auf ein Signal schwiegen die Herren und einer erklärte ihm kühl, die Probe sei beendet mw er dürfe sich nun zurückziehen. Die Verlegenheit trieb Mascagni das Blut in die Wenigen und aufs tiefste gedemütigt schlich er hinaus. Aber von der Tür aus noch glaubte er ein freundliches Lächeln auf den Lippen der ernsten Männer zu sehen,/Marchetti begleitete ihn sogar bis zum Flur, drückte ihm ausmunternd die Hand uni) sagte ihm einige beruhigende Worte. Als Mascagni auf die Straße trat und dort den feiner harrenden Freunden sein Herz ausschüttete und von seinen kühnen Hoffnungen sprach, da lachten ihn die Kollegen aus und vergnügten sich weidlich über seineländliche Unschuld".Traurig und mutlos .wlstch ich in mein kleines Hotelzimmer suritef; aber bevor ich ein,chlies, glaubte ich noch einmal das gütige Gesicht des Maestro .Mar­chetti vor mir zu sehen, wieder stieg die Hoffnung rn nur aus, und nun schlief ich' glücklich ein . . /'

Ein neues Opernhaus in London für 10 Millionen. Thomas Beecham, der in diesem Jahre die Oper im Covent Garden geleitet hat, bei der auch dieElektra gegeben wurde, uiiö der nun in His Majestys -^heatre eine Reihe komischer Opern aufführt, hat auf Grund seiner Erfahrungen den Plan gefaßt, in London ein großes Opernhaus zu errichten, für dessen Bau 10 Millionen Mark aufgewandt werden sollen. Es scheint, daß der bekannte englische Impresario ebne übertriebene Erwartungen an seinen Plan herantritt, denn in seiner letzten Spielzeit hat er größere Summen zugesetzt und er erwartet auch nicht, daß eine ständige Oper in London sich sosort bezahlt machen

wird Die Oper ist in London nicht populär, sie wird mehr als eine gesellschaftliche Rotwendigkeit betrachtet, denn als eine Ge­legenheit zu künstlerischer Erbauung. Aber ich möchte das Publi- tum davon überzeugen, daß eine gute Opernaussuhrung die Muhe und Kosten lohnt." Beecham hat in den drei Lpielsahren, die er in London veranstaltet hat, rund 350 000 Mark nur sur Pacht des Hauses bezahlt. Ter Bau des neuen Opernhauses soll be­ginnen, so bald ein geeigneter Bauplatz dafür gewonnen ist.

Luftfederung für Kraftwagen. Eine wichtige Neuerung, die für den Kraftwagcnboii bedeutsame Veränderungen nach sich ziehen kann, wird in den nächsten Wochen von dem ameri­kanischen Ingenieur W e st i n g h o u s e, der auch die Luftdruck­bremse erfunden hat, auf den Markt gebracht werden. Es handelt sich um die Einführung von Luftfederung. Tie Luftfeder besteht aus zwei Messingröhren, die ineinander greifen: für ieben Wagen würden vier solcher Luftfedern nötig werden. Tie Erfindung würde es ermöglichen, von den bisher gebrauchten Hohlreisen abzusehen und fortan die ungleich widerstandsfähigeren massiven Kautschuk­reifen zu verwenden, da die neue Federung alle Erschütterungen! ableitet. Westinghouse hat mit den Luftfedern an einem 4600 Pfund schweren Wagen Versuche angestellt, die die Erwartungen übertrafen: der Wagen wurde mit massiven Gummireifen aus­gerüstet und gab bei der Fuhrt doch keine nennenswerten Er­schütterungen.

Kurze Nachrichten aus K u n st u. W i s s e n s ch a f t. kDer Geheime Kircheiuat Professor Di. theol. et Phil. Rudolf Hugo Hofmann, <oenior der Leipziger theologischen Fakul­tät, der erst kürzlich das 50 jährige theologische aottoriubiläum feierte, wurde zum Geheimen Rat ernannt. Prof. Hofmann steht int 86. Lebensjahre. Tas Befinden Peter Roseggers hat sich erfreulicherweise bedeutend gebessert, a.as Fieber ist geschwunden, die Temperatur normal. Er braucht nur noch einige Zeit zu ruhen.Licht und Schatten" neniit sich eine neue, im gleichnamigen Münchener Verlage vom Oktober d I. an erscheinende, voii Hanns von Gumppenbcrg herausgegebene' Wochenschrift, die ein Mittelpunkt für Schwarzweißkimst, lyrische Dichtung und die dichterisch wertvolle Novellettc werden will. Ter Verlag veranstaltet schon jetzt ein Preisausschreiben für Novelletten von dichterischem Wert, das für die drei besten ernsten und die drei besten heiteren Novelletten je drei Preise von 1500, 1200 und 1000 Mark aussetzt. Tie Arbeiten müssen bis zum 1 August eingereiebt werden Prof. Dr. Henry T ho de in Heidelberg wird auch noch im nächsten Wintersemester (1910/11) Vorlesungen ab halten, dann aber feine Professur nieder­legen und sich auf seine Besitzung am Gardasee zurückziehen.

gangen toar. Zweifellos hatte es eine Tauchn bu n g vorgenommen und war im Au g e n b l i ck e d e s Wic derauftauchens von einem Schaufelrade der ,Ma s de Calais" getroffen worden. Ter Damp fer hat einige Beschädigungen erlitten und kehrte nach Calais zurück. Die Passagiere werden mit einem anderen Dampfer befördert. Man kann sich nicht erklären, wie das Unterseeboot auf einem von so vielen Schiffen befalfteneft Wege eine Tauchübung hat vornehmen können. Die Nachricht von dem Unglück rief die größte Bestürzung hervor. Zwei Schleppdampfer sind nack) der Unsallstätte abgegangen.

DerPluviose" war um 12 Uhr 30 Minuten zu einer Uebungsfahrt ausgelaufen und tauchte um zwei Uhr unter. Als sich das Boot unter Wasser befand, wurde es von dem Dampfer Pas dc Calais" angcrannt. Während der Tauer von zehn Minuten ragte der Vorderteil desPluviose" drei Meter aus denr Wasser hervor. Tann verschwand das Boot ganz. Nach der Havarie des Dampfers zu schließen war der Zwammenstop außerordentlich heftig und derLuvtose" muß durchbohrt worden Em Nach einer offiziellen Mitteilung hatte derPluviose" 25 Männ 'Besatzung, darunter drei Offiziere. Die Schlepp­dampfer und Torpedoboote sind um 9 Uhr abends wieder znruck- gekehrt, ohne etwas neues zu berichten. Tas Wetter ist schon.

Um 5 Uhr 30 Min. begab sich das UnterseebootBentost an die Unfallstelle. Zwei Taucher ließen sich vergeblich in die Tiefe Nack zwei Stunden kehrte das Boot nach dem vafen zurück und berichtete, daß es unmöglich sei, mit demPluviofc' die Verbindung aufzunehmen und in Ernährung zu bringen, ob die Besatzung noch am Leben sei. Es bestätigt sich, daß ntb o^t Bord desPluviose" 27 Mann befanden, darunter zwei Offi­ziere und der Kommandant Prat von der Unterseeboot,tatwn.' Calais. , ,.

Das UnterseebootPluviose", welches 4o0 Tonnen fatzte, war im Jahre 1907 nach den Plänen des Ingenieurs Laubeus gebaut worden. Der PostdampferPas de Calais" gehörte der Nordbahngescllschaft.

Di? kretische Frage muj$, wenn man .nicht die ganze orien­talische heranj'beichwörcn dilatorisch behandelt wer­den, und dafür i^t es das uefte, wenn sich von ihrer Lösung Deutschland und Oesterreich-Ungarn solange sernhaltcn l^s die Interessen des letzteren wirklich durch England bedroht sind. ... m ,

Von viel geringerer politischer Bedeutung ift der Befuck, König Alberts von Belgien in Berlin. Zwar darf es als ein Zeichen der weiteren Befestigung der guten Be- 'iehunaen zwischen Belgien und Deutschland gedeutet wer­den, das; König Albert seine Antrittsreise an den europa^ scheu Höfen nicht, wie zuerst vorgesehen, in London und Paris, sondern in Berlin beginnt. Aber für diese Ent- ichließung mag vielleicht der Umstand ausschlaggebend ge­wesen sein, daß ein Monarch nur schlecht seine Bejuchs- rournee bei einem Präsidenten eröffnen konnte, und die Trauer, die augenblicklich gan$ England beherrscht, den Besuch in London einstweilen verbot. König Albert, der eine deutsche Prinzessin zur Gemahlin hat, wird in Berlin mit Sympathie begrüßt werden, nachdem er, dessen Vor­gänger Leopold II. für Deutschland nichts übrig hatte, bet der Eröffnung der Brüsseler Weltausstellung Worte der Anerkennung für die deutsche Industrie gefunden hat, und nachdem auch das deutsch-englisch-belgische Kongogrenz- äbkommen zu einem alle Teile befriedigenden Abschluß ge­führt ist.

Aunst, wiffenfchait unS Leben.

Die Rückkehr der Teneriffa-Expedition. Die von Professor Pannwitz geleitete wissenschaftliche Te­neriffas-Expedition .(In Nr. 80 der Gießener Familien­blätter haben wir ein paar lustige Einzelheiten davon berichtet. T Red ) fand nach programmäßiger Durchführung der phyfw- logischen und astronomischen Arbeiten im Hochgebirge des Pic von Teneriffa ihren Abschluß. Die unter Führung von Geheimrat Z u n tz - Berlin mit den physiologischen Untersuchungen über die Höhen- und Sonnenwirkung beschäftigten deutschen, österreichischen und englischen Gelehrten sind bereits rn ihre Heimat zuruck- qekehrt Jetzt hat auch der sianzösische Astronom Mascart seine Beobachtungen im Observatorium auf dem Monte Guaiara beendet Die bei wolkenlosem Himmel wochenlang ohne Unter­brechung fortgesetzte Beobachtung des Halleyschen Kometen führte zu sehr wertvollen Ergebnissen und lieferte namentlich vorzüg­liches photographisches Material. Zugleich mit dem Franzofen kehren auch 'die Mitglieder des Observatoriums in Potsdam, die sich in den letzten Wochen in Teneriffa vorzugsweise mit Unter­suchungen über Luch-Elektrizität beschäftigten, mit dem Dumpfer Cap Blaneo" des Hamburg-Südamerika-Tienftes zurück. Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Expedition sollen demnächft ver- öffentlickst werden. _. . ,

Erläuterung des Bürgerlichen Gefetz- buches. Eine Reihe von Mitgliedern des höchsten deutschen Gerichtshofes hat sich zu einer Erläuterung des BGB vereinigt Das Werk soll im Manuskript nahezu vollendet Vorlagen und bereits nach den diesjährigen Gerichtsferien als abgeschlossenes Ganzes crsckfeincn. Nachdem wir bald eme 10 jährige Praxis des Bürgerlichen Gesetzbuches hinter uns haben, steht zu erwarten, daß die Bearbeitung durch die Reichsgerichtsräte die Zufammen- iassung der iu diesem Zeitraum sortgebildetcn Rechtssätze des Bürgerlichen Gesetzbuches darbieten wird.

- Z u m I u b i l ä u m d e rC a v a l l e r i a r u ft i c a na, die vor 20 Jahren ihre Uraufführung in Rom erlebte, erzählt Mascagni im Orfeo von den Stunden der Angst, der Unsicher­heit, de-s Hoffens und des Zagens, die dem großen Tag voraus- gingcn. Die schlimmsten Stunden, das war die Probe vor dem musikalischen Ausschuß. Fünf Richter sollten über das Erstlings­werk Mascagnis entscheiden, Sgambati, T'Arcais, Galli, Platania und Marchetti. Als Mascagni den großen niedrigen Saal, in dem die Probe stattsinden sollte, betrat, waren die Männer, die über sein Werk entscheiden tonnten, bereits versammelt und warteten ernst und schweigsam auf den Tondichter. Mascagni hatte das Vorspiel zu seiner Oper mit der Siciliana unter dem Arm; er hatte es nicht gewagt, dies Vorspiel einzureichen, es schien ihm

Zwei Besuche am Berliner Hose.

Man schreibt uns aus Berlin:

Am 27. Mai wird der italienische Ministerprafident, der zugleich der auswärtigen Politik Italiens vorsteht, Mar­quis di San Giuliano, und am 30. Mai das bel­gische Königs paar in Berlin eintreffen, der erste, um sich am Berliner Hofe in seiner neuen Würde vorzustellen und den Besuch Bethmann-Hollwegs in Rom zu erwidern, das Königspaar, um nach seiner Thronbesteigung seinen Antrittsbesuch zu machen. Würde es sich nur um dieses beiden Besuchen gemeinsame Moment handeln, so käme ihnen keinerlei votiiische, sondern lediglich eine höfische Be­deutung zu. Was ist es nun, das dem Besuch des Marquis bi San Giuliano eine politische Bedeutung geben könnte? Keinesfalls das Verhältnis Italiens zu Deutschland, schwer­lich auch das Verhältnis Italiens zu dem dritten Dreibund­staat, Oesterreich-Ungarn, das zwar nicht besonders freund­lich, aber doch immerhin trotz der neuesten Wiener Orient­politik ein korrektes ist. Nein, die Anwesenheit des Marquis di San Giuliano in Berlin gewinnt nur deshalb eine poli­tische Bedeutung, weil Italien zu d^n kr e t i s ch e n Schutz­mächten gehört und die Nachrichten aus Kreta, Athen und Konstantinopel so ernst lauten, daß über Kreta im nahen Orient Verwicklungen zu befürchten sind, die, wenn auch nicht direkt Deutschland, so doch jedenfalls Oesterreich- Ungarn in Mitleidenschaft ziehen können.

Reichskanzler Fürst Bütow hat bei der kretischen Frage dieFlöte aus der Hand gelegt", weil die deutschen In­teressen im östlichen Becken des Mittelmeers so gering sind, daß es Deutschland an sich gleichgültig sein kann, ob Kreta weiter der Türkei untersteht, oder ob es an Griechenland angegliedert wird. Oesterreich-Ungarn dagegen hat, wenn es auch nicht zu den kretischen Schutzmächten gehört, doch wegen seiner ausgedehnten Levanteschifsahrt so große Inter­essen, daß es ihm nicht gleichgültig sein kann, wenn Kreta etwa Griechenland einvcrlcibt wird und die Griechen dafür England die Sudabav überlassen. Denn es würde wohl nur eine Frage der Zeit sein, daß sich hier eine englische Gesellschaft niederließe und der österreichischen Levante­linie Konkurrenz machte. Man hat ja nun schon versucht, auch die beiden Kaisermächte in das kretische Konzert Eng- lands, Frankreichs, Italiens und Rußlands zu ziehen. Bis­her ohne Erfolg, weil man sich in Berlin und Wien sagte, daß man es mir der Türkei nicht verderben dürfe, wenn man

' Em französisches Unterseeboot vernichtet!

Calais, 26. Mai. Das UnterseebootPlu- v i o s e" ist infolge eines Zusammenstoßes mit einem Post- dampfer gesunken. 23 Mann der Besatzung des Pluviose" sind ertrunken.

Ueber das Unglück wird weiter gemeldet: Der Kvpitan des PostdampfersPas de Calais" hatte ungefähr eine See­meile entfernt eine Art Wrack bemerkt und sofort den Befehl erteilt, rückwärts zu falyren. Die Geschwindigkeit, mit der das Schiff fuhr, verhinderte aber den augenblicklichen Er­folg des Manövers, un d s o er ei g n et e s ich d e r fürch­terliche Zusammenstoß. Da der DampferPas de Calais" ebenfalls beschädigt war, kehrte er auch nach Calais zurück. Die Reisenden fuhren um 4 Uhr nachmittags mit einem anderen Dampfer nach Dover. Mehrere Torpedo­boote, Torpedobootszerstörer, Schleppdampfer, Baggerschiffe und Schwimmdocks mit Rettungswerkzeugen sind an die Unfallstelle abgegangen, haben aber die Stelle, wo das Unterseeboot liegt, nicht gefunden. Man weiß nicht, ob die Besatzung des Tauchbootes noch lebt. fAußer der gewöhnlichen Besatzung hatte diePluviose" noch drei Offtziere der Unterseestation von Calais an Bord. In Calais herrscht ungeheure Aufregung. Auf der Mole verfolgt die Menge ängstlich das Rettungswerk.

Nach einer weiteren Darstellung hatte der Dampfer Pas de Calais", der regelmäßig zwischen Dover und Calais fährt, soeben den letztgenannten Hafen verlassen, als eins seiner Schaufelräder einen außerordentlich heftigen Stoß erhielt. Der Dampfer stoppte, der Kapitän glaubte zunächst, er (jabe eine unter Wasser befindliche Boje be­rührt. Dann aber tauchte hinter dem Dampfer ein kleines Fahrzeug auf, in das man ein Unterseeboot erkannte. Da der Kapitän niemand an Bord des Unterseebootes be­merkte, ließ er ein Boot klar machen, um Aufklärung zu erhalten. Die Mannschaft des Bootes ruderte nun an das Unterseeboot heran, klopfte an seine Wände, er­hielt aber keine Antwort. Bald darauf versank das Unterseeboot in den Fluten. Es stellte sich her­aus, daß es derPluviose" war, der 23 Mann an Bord hatte und eine halbe Stunde zuvor von Calais in See ge-

Die Stäöteoiönung im Zonderausschutz.

R.B. Darmstadt, 26. Mai.

Der Sonderausschuß für dic Verwaltungsgesetzrevision hat heute unter Vorsitz des Abg. Oberbürgermeister ^r. (Staffing) die endgültige Beratung des ersten der sechs Gesetzentwürfe die S t ä d t e o r d n u n g , ausgenommen und die ersten oO Artikel der Vorlage durchberaten und angenommen. Der Geietzentwurc war der Zweiten Kammer am 29. April v. v>. erneut von der Regierung vorgelegt worden, wobei die von der «omim bei der früheren Beratung geäußerten Wünsäze mti) Beschlüsse be­rücksichtigt worden sind. Ueber einzelne wichtige Fragen noch bestehende Difserenzen soll spater noch gemeinsam mit den Re­gierung in Beratung getreten werden. Tie ersten ->0 Artckel der Vorlage beschäftigen sich mit der Einrichtung der stadtstchcn Ver­waltung, dem Geltungsbereich der Städteordnung, der Begrenzung der Stadtgemeinde, der Bildung, Umgestaltung und Auflösung der Gemeinde, der Abtrennung einzelner Gemarkungsteile, dann mit den Ortssatzungen, den Bestimmungen über die Angehörigen der Stadtgemeinden, ihre Rechte und Pflichten, die Rechte der Orfs- bürgcr und der Stadtverwaltung und ihre Organe, ju den ersten Artikeln wird bestimmt, daß jede Stadtgcmeindc un Sinne dieses Gesetzes einen Verband zur Selbswerwaltung ihrer An­gelegenheiten bildet mit den Rechten einer Körperschaft des öffent­lichen Rechts. Anstatt der seitherigen BezeichnungGrosty. Bür­germeisterei" wird die amtliche Bezeichnung künftig lautenDas Bürgermeisteramt". Ein wesentlicher Vorzug des Entwurfs ist, daß die Genehmigung der Staatsregierung bet der Bildung, Um­gestaltung und Auslösung, sowie bei der Abtrennung einzelnen Gemarkunasteile und Vereinigung mit einer, Nachbargcniarkung einheitlich 'im Gesetz vorgeschlagen wurde an -teile der feitherigeit verschiedenartigen Regelung. Die Beftimmungen, welche von den Angehörigen der Stadtgemeinden, ihren Rechten und Pflichten handeln, erhalten in den vorliegenden Artikeln eine neue praztic Fassung Tas Ortsbürgerrecht, welches für die stcidtpche Ver-

die Möglichkeit haben wollte, sich ihrer als eines zuver­lässigen Bundesgenossen gegen Rußland und die kleinen Balianstaaten zu bedienen. Denn auf eine Schwächung der Türkei wird, wenn auch die Schutzmächte sich der kretischen Frage gegenüber bisher recht hilflos erwiesen haben, die Sache dock schließlich hinauslaufen, auch dann, wenn man Kreta die Autonomie nach der Art der früheren Oftrumeliens gibt. Nun scheint Marquis di San Giuliano den Auftrag zu haben, doch einmal in Berlin auf den Busch zu klopfen, ob man nicht jetzt geneigt ist, dem kretischen Konzert beizu­treten, weil das Abseitsftehen von Deutschland und Oester­reich-Ungarn der Pforre den Rückhalt bietet, den Wünschen der Kreter und Griechen den stärksten Widerstand entgegen- zusetzen. Wir wünschen, daß Marquis di San Giuliano, wenn er in Berlin diesen Vorschlag macht, eine höfliche, aber entschiedene Ableh nung erfährt, selbst auf die Gefahr hin, daß dann im Orient bei der Begehrlichkeit der kleinen Balkanstaaten und ihrer auch durch die Monarchenbesuche in Konstantinopel nicht beseitigten Feindschaft gegen die Türkei wegen Macedoniens der Krieg aller gegen alle auilodert.

Nr. Hl Erstes Blatt 160. Jahrgang Freitag 27. Mai 1910

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