Ausgabe 
23.4.1910 Viertes Blatt
 
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SamStag Äk. April 1910

Viertes Blatt

160. Jahrgang

Erichen«! kvgllch mit Ausnahme deS bonnlagS.

LandwtrllchaslUchen Seit

wücheniUch.

fragen" erlehernen «wnatlidj zweimal.

abgeordneten Grasen Waldemar von Oriola in

keimte Stennrelien

bothfelne Stennrollen

Konsm-Siemwonee

oenUxr der SHrdic von 1

aber fehlenden drei.

Die

igen

und andere dem Gottesdienst gewidmete Qkgrn»

er Emanuel Oppen

aus Mainz und der 73 jährige

iirr Abstimmung über breiSfestste limgen int

Altar- Meß.

Plakate »u! Wunsch gratis 1 jurliiertl, Altm-BümfiH,

Sebend." ; eber die kam eS m

um die Frage, was dem' Erwerbspreise zuzurechnen und vom 23er- änßerungspreise in Abzug zu bringen ist.

spitzen, Rochetten, aeroänber, Spitzen

iten Broo und Oppen Heimer wollen biß

Die veisehungsseier für Gras v Oriola.

Die Beisetzungsfeicrlichkeiten für den verewigten Reichstags-

Ehorröcke, zwei Alben, zwei Altarjpitzen, vier Röchelten, ein Rauch» montel, vier weihe und zwei grüne Meßgewänder will Bicking nid)t entwendet haben, wo sie hingekommen, wisse er nicht.

sitzung verteilt. Der Ausschuh kam heute die Inlandspreise. Gegenüber den

frGttttak. du rwu Btechmads dem Btet lobolM l»'. Pcrpki 8 Volksnlhnnttteli, in- «Blntblldung fördert o. itt wleiht IFL16PI

nbe) im Gesamtwert vor vielen tausend Mark, gestohlen hat. eiter sind angeflagt der 31 jährige Antiquar Joh. 93apt. Broo

Der ArbeitSkammerausschuh führte heute die erste Lesung zu Ende, ohne dah noch weiter besondere Aenderungen an der Regierungsvorlage vorgenommen wurden. Die Anträge deS Abg. Trimborn (Zeittr.) auf Einrichtung besonderer Ab­teilungen für technische Angestellte wurden mit nationalliberalen, nicht wesentlichen Abänderungen, formell angenommen, wie sie schon vorher im Grundsatz beschlossen worden waren.

Zu Hessens nat.-lib. Partei stand er in engster Fühlung bis in die letzte Zeit. Sein Wirken dorten wird unvergessen fein itn -den Gedanken aller, die sich an den frischen leb.

ekleünd* Schweis durch kehrsvtrein.

SUtettonfbrud und vertag der vrüblichen UniDcrfitätt - Buch- und 6tembnidecel Ä. Lange. Stehen.

DieHiehener ZamllleadläNer" roerben dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich betgelegt, bas Kreliblatl für Hl Krell -letzen" zweimal

Der ReichstagsauSschuh zur Vorberatung der Straf- gesetzNovelle hat seinen Bericht durch den Abg. Dr. Heck - scher erstatten lassen. Die Novelle berücksichtigte die Beschlüsse des NeichstagSausschusseS aus dem Frühjahr 1909, so dah der jetzige Ausschuß die damals unerledigte Novelle jetzt ziemlich unverändert hatte annehmen können: es handelt sich um folgende Materien: Hausfriedensbruch, Tierquälerei, geringfügige Dieb­stähle, Kinderschuh, Erpressung und Beleidigung, zumteil sollen Verschärfungen, zumteil Milderungen eingeführt werden. Neu eingesührt hat der Ausschuß eine Verschärfung der Strafe bei Entführung Minderjähriger.

Redaktion. Expedttton und Druckerei: Schul- ftraee 7. Expedition und Verlag: ey^6L RedakttomS^SllS. TeU-2ldruAnze»gerG,ehen.

udolphsNachf.) SEX

fluslkwaren aller Art

Solide Preise oisse gratis wd franko and -Leih-Anteil Hge An«gal)eH

ein Meßbuch mit Silberbeschlägen.

vvrsen-Wochcubericht.

= Frankfurt a. TL, 22. April.

Einklang mit den AuSlandSrnärkien, an denen zur Zeit, wenig Unternehmungslust herrscht, bewegte stch auch an den deutschen Börsen das Gefchäst schleppend. Dabei war die,

nd Socken ausSternwolle billigsten, weil an AimTragen unübertroffen!

Reden, an der fruchtbringenden Tätigkeit der Politik deS Ver­storbenen erfreuen konnten. So steht er vor unseren Augen. In bester MauneSkraft mußte er von uns gehen. Schmerz­lich und tief bewegt uirS das Schicksal des edlen Mannes. Uns bleibt ein warmes tiefes Gedenken in Treue für alle Zeit an den echten edlen VaterlandSsreund. Und solche Gedanken im Herzen weihe ich ihm den verdienten Lorbeer.

Nameiis des Bundes der Landwirte und besonders der hessischen Partei legte Oekonomierat Fr i tz sch-'Dilshofen mit herzlichen Worten einen Kranz nieder, namens der Kriegs- beteranen und der K r ie g e r k a m e r a d s cha f tH a s s i a" sprach Med.-Rat Dr. Vogt-Butzbach, namens des Bundes deutscher Militäranwärter in Berlin Postsekretär Kren der- Franksurt, namenS des Landesverbandes in Hessen Eisen­bahn-Obersekretär RöSler- Darmstadt, namens der national*

Die Mainzer ttirchendiebftähle vor Gericht.

d. Mainz, 22. April.

'Ter 66 jährige frühere Vergolder Joh. Karl B i ck i n g , der 26 Jahve Kirchendiener an St. Stephan war, hat sich vor der 1. Strafkammer zu verantworten, daß er fortgesetzt seit 1906 aus der St. Stephanskirchc in Mainz Gegenstände, die dem Gottesdienst gewidmet sind (einen Weihwasserkessel, Vrillant- steine aus einer Lunula, einen silber-vergoldeten Kelch, Tabletten,

ie trauen, nurSfermeolle

__ üdeSheim Haven

gestern nadimittog in BüdeShcim stattgefunden. Unser dorthin entsandter Darmstädter Vertreter schreibt unS berühr:

Der herrlich in der gesegneten Wetterau gelegene kleine Ort Büdesheim hat wohl selten eine so zahlreiche und auSerwählte

Entwurf Damm-Kolle, die bereits eine Ermäßigung gegenüber den bisherigen Preisen enthalten, wurde auf Antrag Erzberger für Earnallit, Rohsalze und Düngesalze eine weitere Preis­ermäßigung von einem halben Pfennig beschlossen (statt von 9 bis 16 Psg für einproz. Kali im Doppelzentner 8*/o bis 15'/» Tffl ) Die Preise für Chlorkalium, schweselsaureS Kali und schwesel- faurc Kali-Magnesia wurden wie im Entwurf Damm-Kölle be­schlossen. Der Beschluß wurde nahezu einstimmig gefaßt, doch behielt sich ein Teil der Mitglieder die weitere Entschließung für die zweite Lesung deS Ausschusses vor. ES wurde nach einem nationallibcralcn Antrag die GeltimgSdauer der erstmaligen Preis- sestsetzimg nur auf den 31. Dezember 1913 statt wie im Ent- nnrrfe 1815 erstreckt. Die Preisfeststellung soll von 5 zu 5 Jahren neu erfolgen: ein nationalliberaler Antrag, der abgefeimt wurde, wollte dreijährige Perioden. Angenommen wurde weiter ein freisinniger Antrag Gothein Fegter, der die Vereinigung ovn Abnehmern zur Erlangung von Rabatten gestattet und bestimmt, daß die Ausgangsstationen für die Frachtbasen mindestens je 250 Kilometer von einander entfernt sein müssen.

Der Wertzuwachsausschuß deS Reichstages nahm den ? 6 in der Fassung der Regierungsvorlage an; c5 handelt sich hier um die Preisberechnung bei Zwangsversteigerungen Die Abstimmung über den § 7, daß, wenn ein Preis nicht vereinbart oder zu ermitteln ist, an dessen Stelle der Wert des Gegenstandes gilt, ebenso wenn die Beteiligten zum Zweck der Steuerersparung falsche Angaben machen, lourbe auSgesetzt. ß 8, wonach die Wert ermittelung in den Fällen, in denen für die Berechnung der Ab­gabe ein Wert in Betracht zu kommen hat, auf den gemeinen Wert des Gegenstandes zu richten ist, wurde nicht geändert. 8 9 wurde mit einem Antrag Cuno (Fortschr. Vp.) angenommen : Soweit eine Wertermittelung behufs Berechnung des Veräuße­rungspreises stattgefunden hat, ist der ermittelte Wert bei dem späteren Steuerfall für Berechnung deS ErwerbSpreiseS maß-

Postei

Socken :chuM unter frei».

gciMiibcr entwendet zu haben Weiter gibt der Angeklagte zu. daß er an den flüchtigen Althändler Krieger die nmfr vollen Steinen besetzte Lunula, die ein Gesckrenk des verstorbene« Kaiser Wilhelm an Pfarrer M e r z war, <ui^oeb<inbigt habe, um daraus zwei Steine he rauszu nehmen und burcU unechte zu ersetzen. Bicking will von Krieger 160 Mark erhalten haben, er habe aber nidrt gewußt, daß Krieger fämtlicbc Steine <urf der Lunula durch falsche ersetzt hätte. Bezüglich deS Weih- w a s s e r ke s s e l ch e n S , der einen Alterttnuslvert von 28 000 Mark haben soll, behauptet Bicking, daß der Angeklagte Brov ihn geliehen, habe, um ihn einem Herrn zu zeigen, erst fp&icx habe er von Broo erfahren, daß er in Ckmfcnhcim von Ddetnll- gießer Burgau eine Nachbildung habe unfertigen lassen. Er will geglaubt haben, daß der in die Kirche zurückgebrachte Kefsckli' der echte gcmefcii sei, umso mehr, als er Spuren der alten Vev»- golduug und im Innern die vom Weilnvasser herrührenben Fiecken gesehen habe. Trotz des späteren genauesten Vergleichs habe ex keinen Unterschied bemerken tonnnu Er habe nicht den geringsten Vorteil von der Verleilptug gelebt. Broo war mit bem Dr*' ginalkessel nach Köln gefahren und hatte ibn dort dem Kunsthändler Israel für 2000 Mark angeboten. Er soll dabei erklärt fribenv das Stück sei eckst. Jstrael begab sich zu Dr. Creutz, der fofüdli fand, daß der Kessel miö der Strplwns-kirche in Mainz stamme. Ter Kauf wurde nickgängig gemuckst und Broo mitgeteill. daß der Kessel nickst redlich erworben sei. Inzwischen'war Dr. Creutz nach Mainz gefahren und ließ sick) in der Stepl-anSkirche den Kessel zeigen, denn Angeklagten sagte er sofort ins Gesicht, daß eS sich um eine Nachbildung handele. Bicking holte hierauf noch am Abend den echten Kessel von Broo ab. Ten silberneui Becher will Bicking zu 8 Mark an Fritz Broo, der nickst mit* angeklagt ist, verkauft haben. 'Den Kelch nebst Teller und Löffel- dum will er an sich gntommen und au den AngeNagten Brnos für 10 Mark verkauft haben, Broo behauptet, er habe 25 Mark dafür gegeben. Die Brüsseler Spitze eines Clwrrvckes ucr* kaufte Bicking an Oppenl>eimer zu 50 Mark und vier Spitzen zu ie 2b Mark an denselben Angeklagten. Bicking behauptet Oppenheimer Habe öfters bei ihm Staubgold geholt und gelegentlich darauf hingewiesen, wenn er etwas an Spitzen hätte, taufe er sie. Bezüglich der Lunula bemerkte der Angeklagte, daß ihm der geistliche Rat Körner gesagt hätte, die Lunula habe ruunt Wert von 40 000 Mark, er könne den V.fudrm der Kirckst? bei Besichtigung deS SckmtzeS dies sagen. Er habe angenommen, daß dio Steine einen Hollen Wert besäßen unb gedachte zwei dieser Steinst würden einen genügenden Ersatz für die 160 Mark bilden, die er von Krieger haben tootlte. Die anderen Steine habe .üriegex ohne seinen Willen herauSgenommen. Zwei bei dem Angeklagten Bros gefundenen Leuchter bezeichnete Bicking als sein Eigen* tum, die hatte er von einem Fräulein, dessen Namen er nicht mehr wisse, für 12 Mark gekauft. Zwei zinnerneTab letten und ein zinnernes Meßkännchen hätten unbenutzt in der Kivche gelegen: er will sie von Pfarrer Körner geschenkt bekommen haben. Die Gegenständen wurden bei Krieger erhoben. Die sech- alten Meßgewänder seien nicht mehr in Gebrauch gewesen, er habe sie an Oppenheimer verkauft, ohne Drängen wäre er gar nicht auf den Gedanken gekommen, sie zu verkaufen. Das Silber- beschläg deS Meßbuches habe er an Krieger für 20 Mark! verkauft und daS Meßbuch verbrannt. Kännchen und Telle» chen aus Zinn will er für ein geringes an Oppenheimer verkauft! haben, ferner habe er zwei gestickte Wappenbilder bc» kauft, was er dafür bekam, wisse er nicht mehr. Die im In*

Sackten von Bicking gekauft haben, in der Mitnahme, daß <nj hierzu die Erlaubnis des PsarreS gehabt, so viele unb wintvollo Gegenstände zu verkaufen. Bezüglich deS Weihwasserkessels will Broo der Meinung gewesen sein, daß er das Original dein Bicking zurückgegeben. Original und die Nachahmung seien sckstver zu: unterscheiden gewesen. Ter Zeuge und Sad)Hcrftänbigc Dr. Creutz hatte bei der Verhandlung mit Bicking wegen des Weihwasser­kessels den Eiirdruck gewonnen, daß er uiifemübig sei. Tic Ver­handlung wird bat ganzen Tag in Anspruch cksthni N

Die meinen ber vernommenen Zeugen konnten nickst Belang baftes mitteilen. Der geistlick>c fltat Schäfer von St. Steplnm bekundete, daß Bicking ferne DienstverrichInngen gut verfeftu hätte, lieber sein sonsttgeS Verhalten sei ihm bekannt, daß er Sdwlberj gentackst unb öfters bis in die Nackst sich im Wirts Hails auf- gel-alten habe. Sonst habe kein Anlaß Vorgelegen, gegen ihm einzuschreiten. Später seien verschiebeue anonimtc Briefe an ihn gelangt, worin über baS sittliche Verhalten deS Bicking Klage geführt worben fei. Den Briesen habe er keine Bebenttiug bei­gelegt. Zuletzt sei dann der Vorfall mit dem fehlenben Johannü-- berfjer erfolgt und nach anfänglick-em Leugmni l>abe er den Verkanl' deS Bechers eingestanden. Er sei hierauf entlassen, aber bis Ende Januar im Dienste behalten worden. Inzwischen hätten sich die weiteren Diebstähle herauSgestellt. Direktor Dr. Creutz-Win sck-ähte turn Wert beS ecksten Weil-ewasserkessels auf 8000 Mnrf, allerdings hätte ein Liebhaber, wie der Amerikaner Mvrgan, viel mehr dafür gegeben. Die Brüsseler Spitzen mürben auf 300400 Mark bas Stück geschätzt, bic Meßgewänder auf 20 dis 200 Mark. Juwelier Sauer wein selstitzte die Steine, die aus der Lunula ausgebrock-en, auf je 1200 Mark per Stück. Ter Hauptstein, der von bei Pulvere-Plosion l-erstammt unb vom alten Kaiser Will-elrn gestiftet wurde, befand sich noch in der Lunula. Ter Angeklagte Bicking will die Diebstähle, von denen, er ja keine großen Vorteile hatte, in Not verübt haben. Auck- sei. er schleckst bezahlt worden. Zwanzig Jahre halu> er nur ,4001 Mark, freie Wohnung gehabt, später seien ihm 200 Mark tmflli Jahr zugelegt nwrden, so daß er im ganzen 600 Mark bezogen», hätte. Tic Webeneimtabmen seien nicht höher als auf 10020(> Mark im Jahr zu sck-ätzen. Staatsanwalt Dr. Mäher beantragte bei Bicking Annahme mildernder Umstände und Sucrfenramgi einer Strafe von zwei Jahren Gefängnis, gegen Broo wegen! Hehlerei und Betrugs feckst, Moitate OsefängniS unb gegen; Oppenheimer- Frankfurt wegen Hehlerei die glcick-c Strafe. Nach hatbftünbiger Beratung verkündete das Gericht folgendes Urteil: Bicking wird unter Annahme mildernder Umstände wegen schweren und leicksten Tiebstahls zu zwei Jahren Gefängnis ver­urteilt, die bürgerlichen Ehrenveckstc werden ihm auf drei Jahre aberkannt und drei Monate bet Untersuckmngshaft auf bic Straft anerkannt, Broo würbe von ber Hehlerei freigesprochen, bagegem wegen Unterschlagung deS Weilnvasserkessels zu vier Monaten und Oppenheimer mit Rücksicht auf seinen bisherigen guten Lew- munb unb sein hohes Alter tvegen Hehlerei nur zu sech> Wvcheit Gefängnis verurteilt.

Im KaliauSschuß deS ReichStaaes hat das Zentrum (Schiffer, Erzberger, Müller-Yulda) einen Antrag auf Gewinn­beteiligung der Arbeiter gestellt. Der neue ß 21bb soll lauten: Von dein beim Jahresabschluß sich ergebenden Reinaewinu deS Kaliwerkes wirb erstens zunächst auf baS eingezahlte K.ipital eine ordentliche Tititbenbe von 5 Prozent berechnet. Zweitens der verbleibende Rest ju an die während deS Geschäftsjahres beschäftigten Arbeiter tm Verhältnis ihrer JahreSlohniumme ge- zahlt.

Der Antrag wurde erst nach Schluß der heutigen AuSschuß-

Meßkännchcn, einen silbernen Becher, Ehorröcke, Alben,

Hus den Rdd)stagsausfcf)üficn.

: Berl in , 22. April.

Der Aeltestenrat deS Reichstages traf heute von neuem eine Verständigung über die wieder geänderte Gefchästslage. Die Regierung legt den größten Wert auf die Verabfchiedung des Wert- zuwack-ssteuergefetzeS noch in diesem Tagungsabfchnitt unb ebenso bic Erledigilna beS Kaligesetzes. Daher wirb keines-- falls bic Vertagung bcS Reichstages vor Him­melfahrt eintreten. Man rechnet mit ber Möglichkeit einer Vertagung am 11. Mai. Ein bestimmter Beschluß kann einst weilen noch nicht gefaßt werden. Der Donnerstag ber nächsten Woche ist fitzungSfrei. Morgen Sonnabcnb wirb bic heutige TagcSorbnung (Veteranenbeihüfen, Kolonialbeainlengefetz. P?aap tragSetats) erledigt. Montag stehen zur Verhandlung die Ge­setzentwürfe über die kleinen Aktien, ben Konfulargerichtshos, die Konsulatsgebühren und ferner Bittschriften Dienstag unb Mitt­woch sind für Wahl Prüfungen Vorbehalten. $rcitag soll der künstlerische unb literarische Urbeberschutz in zweiter Lesung ver- hanbclt werben unb, falls ber BubgetauSschuß damit schon fertig tst, die südwestafrikanischc Angelegenheit. Sonnabend Slcllen- vermittlungsgesetz. In der übernäd)ücn Wock>.' unb nach Himmel­fahrt die brittc Lesung beS Urheberschutzes, Südwest, bas Kailc- gesetz, bic WertzirwachSsteuer. Zweifelhaft ist, ob es gelingt, auch das Gesetz über bic Entlastung des Reichsgerichts noch vor der großen Vertagung zu erledigen. Unerledigt bleiben jeden­falls die Gesetzentwürfe über die Arbeitskammern, die Heimarbeit und natürlich auch die Reicksttversichcrungsordnung. Bezüglich der Strafgesetznovelle ist eS zweifelhaft.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhejsen

liberalen Partei deS Kreises Friedberg Justtzrat Dr. Win­de cker-Friedberg. Weiter mürben Kränze nicbcrgelegt vom Kreis Friebberg, vom Vorstand ber Zentralstelle für Obstver­wertung. vom lanbwirtfchaftlichcn Kasino zu Friedberg, vorn Nibbertbal-Sängerbund, vorn Oberpostbeamlenvvrein, Gruppe DberhcHcn, Butzbach unb Friedberg, zahlreichen GesangS- und Kriegervereinen ufro. Auch ber Kalter hatte einen großen Lor beer frans und ein Hanbsckireiben gefanbt, ebnifo die Erbprinzessin Leopold von Anhalt, der Landgraf von Hessen auS PhilippSruh, ber Fürst von Dsenburg-Bübingcn, Frau v. SBilbcnbnuf) uhv. Die Trauerftier dauerte von 3*/« bis gegen 5 Uhr. Die tieft erschütterte Witwe hatte der kirchlichen Feier ebenfalls beigeiwbnt.

Hierdurch werden die mehrfachen Schätzungen vermieden. §§ 10 unb 15, bie gemeinsam verhandelt wurden, och nicht zu einem Beschluß. ES handelt sich habet

Gesellschaft in feinen Mauern gesehen, wie heute nachmittag Eine ganze Reihe von Automobilen unb Wagen bewegte stch in den Mittagsstunden nach dort und zahlreiche Abordnungen unb Vereine, zum Teil mit umflorten Fahnen, zogen ans bem Niddertal unb weiter her herbei, um bem Manne Die letzte Ehrung zu erweisen, der seit fast einem Vicrtcljahrhundert in so unetgen- nütziger und erfolgreidKr Weise für die Interessen seines engeren und weiteren Heimatlandes eingetreten ist.» Schon gestern unb heute vormittag trafen unzählige Kranzsenbungen und Betleids- telegrammc bei ber Witwe des Verewigten ein und am Nach mittag war die Zahl der Kränze und Palmenspenden so grotz, daß ste lange nicht alle in der Kirche des Ortes untergebrad)! werden konnten, in deren Mitte der Sarkophag von brenncnbcii Lichtern umgeben und mit Palmen unb Kränzen bedeckt auf gebahrt war. Unter den Leidtragenden bemerkten wir außer bem einzigen Bruder des Verewigten, Grafen Roderich und den nächsten Verwandten der Witwe den Hausmarschall des Kaisers, Erz. v Lvnker und Gräfin v. Gersdorfs, die in einem laiferlichcn Automobil auS Homburg kamen, den kommandierenden General Er», v. Eichhorn, General v. Deines und zahlreiche andere hohe Offiziere, sowie eine Abordnung des Hanauer Ulanen-RegimentS, ferner Reichstags- und Landtagsabg. Dr. Osann, den ersten Vize­präsidenten der Zweiten hessischen Kammer, Herrn Korell und mehrere Landtagsabgeorbnete, unb eine große Reihe von Ab­ordnungen unb Vereinen aller Art. Auch die Provinzialdirektion Ober helfen unb ber oberhessische Provinzial- und KreiSausschuß waren vertreten. In ber von Glockengeläut unb Orgelspiel eingeleiteten Feier in her evangelischen OrtSkirch« hielt Pfarrer B c r n b e ck eine ergreifende Gedächtnisrede, ber er bie Worte aus bem ersten Epistel S. Pauli an bie Eorinthcr 13, 13 zu Grunde legte:Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei: aber die Liebe ist die größte unter ihnen", ein Bibel- wort, von welchem aud) das ganze segensreiche Wirken des Ver- croigten erfüllt war. Er kannte keine StanbeSunterfchiedc unb faßte es als seine vornechmste Abelspflidst aus, feine reiche, un­ermüdliche Arbeitskraft ganz in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Die Liebe, bie nimmer aufhört, sei auch bie größte Macht in feinem Leben gewesen. Der Geistliche erwähnte in Anknüpfung daran die Tatsache, daß der Verewigte sich auf ganz besondere Art dieses Dibelworl selber zum Wahlspruch erkoren hat. Er wollte noch wenige Tage vor seinem Ableben seiner Gattin zum Geburtstag daS neue Testament schenken und einen Spruch hinein- schreiben. Am besten gesiel ihm habet ber Vers auS bem ersten Corinther. AIS er aoer nachschlug unb entdeckte, daß er tm 13 Kapitel den 13. VcrS bildete, meinte er:Da paßt diese Stelle doch nicht für einen Lebenden, sondern besser für einen Toten" und er sah darnach von der Widmung ab. Unter Glocken­geläut wurde nach ber kirchlichen Feier ber Sarg auf ben herrlich neben der Kirche gelegenen Friedhof getragen, wo nach bem vom Trompeterkorps des 6. Ulancn-Regiments vorgetragenen Choral, ber Gcistlid>e ein Gebet sprach. Dann trat Reichs- und Landtagsabg. Dr. Osann an die offene Gruft unb nef bem Entschlafenen im Auftrag der natwnalliberalen Reichstagsfraktion unb zugleich namens ber hessischen nationalliberalen Partei Herz- liche DaiikcS- und Abschiedsworte zu. Abg. Dr. Osann führte aus:

Die nat.-lib. ReichStagSfraktivn hat mich hierher gesandt, inn an der Bahre ihres langjährigen Mitgliedes unb früheren Geschäftsführers Worte deS Gedenkens dem Entschlafenen zu widmen. Für bie hessische nat.-lib. Partei bin ick) hier er­schienen, bem treuen, in langen Jahren erprobten unb bemärten Manne, dem früheren zweiten Vorsitzenden unserer Partei, den tiefen Gefühlen Ausdruck zu geben, die die Partei am Grabe eines ihrer Treue-sten bewegen.

Ein Mann hat uns verlasfen, ber in die Reihe ber c b e l ft c n Politiker gehört. Mit einem tiefen Wissen, nicht allein auf dem Gebiete der Politik, umfaffenb in feinem Denken das Wohl seines Vaterlandes, seiner engeren Heimat unb ihnen dienend mit allen seinen Kräften. In bem Landtage lernte er zunächst bic kleineren Verhältnisse überschauen, in sie brang er mit Liebe ein und gab dort seinen überlegten Rat zum Besten deS Landes. Dann trat er über in bie größeren politischen Verhältnisse: bem Reichstage und dessen Ausgaben weihte er bann fein Können unb Wissen. Unb gerade in den größten Fragen wurde er ber Rebner unb Vertreter ber nat.-lib. Partei. Erfüllt von vat^ländifckwm Detvußtfein, durchdrungen von der innersten Ueberzeugung her Notwendigkeit eines starken Heeres, einer mächtigen Flotte, hat er gerade der deutschen Wehrkraft, deren Erhaltung, deren Ausbau fein wärmstes Interesse ge­schenkt unb mit Entschiedenheit der Größe unseres Vaterlandes in diesen Dingen das Wort geredet.

Unb konnte er ha in ben großen Fragen Bedeutsames leisten und wirken, nie hat er das minder wichtig scheinende außer acht gelassen. Wie hat er sick»'in der Partei bewährt in den inneren Fragen. Wie hat erdurchLicbenswürdigkeitwid er­st reitendcGci st erznversöhnen, auf friedliche Bahnen zu führen versucht. Aber bei aller Milde des Auftretens war in ihm ein unbeugsamer Wille: hatte er einmal einen Schritt für richtig erkannt, so konnte ihn niemanden von dem gewählten Wege abbringen.

War er tm Reiche bei ben Parteifreunden hoch verehrt, fo hat er seine hessische Heimat nicht vergessen und ihrer politischeii Entwickelung größtes Interesse geschenkt. Er sah die schwicrigeii Verhältnisse in Hessen mit geschärftem Blicke, suchte mit bestem Erfolge auszugleickien und betonte stets, wie Landwirtschaft, Handel und Inbusttie ziisammengehen müssen, um hem Ganzen zu gedeihlicher Entwickelung zu helfen.

Und in feinem Wesen lag, Treue zu seinen Freunden, Treue zu seinen Gedanken und Ueberzcugungen. Diese Treue nach beiden Richtungen hat* ihn in ben schwersten Stunden seines politischen Lebens nicht verlassen.

Sind auch seine politischen Wege in einem Punkte andere geworden als die seiner Partei, bie Reichstagsfraktion hat ihm ihr dankbares Gefühl für seine Wirksamkeit bewahrt.

Heimer auv Asteder-Florstabt, wvhithast in Frankfurt, wegen gäucrbSmäbiger Hehlerei.

Bicking bat eingestanden, einen silbernen dR'ckrr, einen filba* vergoldeten Kelch, Tabletten, Meßkänndieu, SilberbesdZläge eine-