Erstes Blatt
Mittwoch 28. September 1910
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
tnupft an di- A-ußerung der .KreuztZweifel und mißt,mit Gläsern, Flaschen und Tellern aus d,e Polivndeamteu innfn n n rm! on o»-i X m/inirnrrHi*n» 'H o X z> ... , ________; x .
man Radau-AntisernttismuS nenne, habe abgewirtschaftet.
T,
Abkehr der Konservativen vom Antisemitismus?
zen ir
a
a
ol ul
h la
y fl
n> ili
160. Jahrgang
über den Kirchhof St. Lalena bis zum Judenkirchhof bei Königshofen ausgedehnt. Von ihr aus richtete sich das Vorgehen gegen die Bastionen 11 und 12, die an der nach Vtorbtoeften vorspringenden Spitze der Festung lagen. In der Nacht zum 2. September begann der Bau der zweiten Parallele, der mit großen Schwierigkeiten verknüpft war und heftige Kämpfe nach sich zog. Bei Tagesanbruch am 2. September unternahm die Besatzung einen größeren Ausfall, und als dieser zurück- gewiesen war, eröffnete die Artillerie der Festung ein so heftiges Feuer gegen das Arbeitsfeld, daß dieses geräumt werden mußte, bis die deutschen Batterien die feindlichen zum Schweigen gebracht hatten. Am 3. September, demselben Tage, an dem die Belagerer den Sieg von Sedan durch Vikwriaschießen verherrlichten, erfolgte ein neuer heftiger Ausfall, der bis
Nacht wurde das Bombardement mit gesteigerter Heftigkeit fortgesetzt, und neue Verwüstungen waren die unausbleibliche Folge. Etwa 4 5 0 Häuser w urden zerstört und 10 000 Menschen dadurch obdachlos. Tas Museum, die Gemäldesammlung, die neue Kirche, das Stadthaus und das Theater, die Kommandantur und die Bibliothek mit 200 000 Bänden waren niedergebrannt, auch der herrliche Münster zeigte an einigen Stellen die Spuren der Granaten. Während von Norden und Westen her die Batterien ihre Kugeln in die Stadt sandten, donnerte von Osten her das Feuer der bei Kehl ausgestellten badischen Artillerie gegen die Zitadelle, deren Tore zerschmettert und deren Magazine vernichtet wurden, so daß sie einem Trümmerhaufen glich. Trotz dieser Erfolge führte die Beschießung zu keinem entscheidenden Ergebnis. General U h r i ch blieb standhaft; eine Aufforderung des Generals von Werder wies er ebenso ab wie die Bitten der Einwohner, durch eine Kapitulation ihre Leiden zu beendigen. Es blieb daher nichts anderes übrig, als zu dem zeittaubenden und mühsamen förmlichen Angriff zu schreiten, der nun mit aller Kraft begonnen wurde.
General von Mertens übernahm die Leftung der Pionier - arbriten, General von Decker die der artilleristischen Tätig- krit. Als Angriffsfront wählte man den nordwestlichen Teil der Befestigungen zwischen dem Steintor und dem Zabernertor, wodurch man die Verteidiger überraschte, welche ein Vorgehen gegen die Westftont erwartet hatten. In der Nacht zum 30. August wurde die erste Parallele (vorgetriebene, durch Laufgräben verbunderre Schützengräben. T. Schriftt.) nahe am Glacis eröffnet und dann auf der ganzen Strecke vom Rhein-Marnekanal
— Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Ter achte internationale Physiologen-Kongreß wurde am Dienstag in Wien eröffnet. — Der 6. internationale Gynäkologen- kongreß findet im Herbst 1912 in Berlin statt.
Lin neuer badischer Zinanzmlnifter.
Karlsruhe, 27. Sept. Wie die „Karlsruher Ztg." amtlich bekannt gibt, hat der Großherzog den stellvertretenden Bevollmächtigten -um Bundesrat, Ministerialdirektor Josef Rheinboldt &um Minister der Finanzen ernannt.
Josef Rheinboldt iinirbc 1860 in Sinzheim bei Baden-Baden geboren, studierte Kameralwissenschaft, wurde 1884 Finanzpraktikant, 1887 Hauptamtskontrolleur und 1888 Zollinspektor in Mannheim, 1889 Finanzinspektor, 1890 Finanzasscssor und 1892 Finanzrat bei der Zolldirektion in Karlsruhe. 1900 ging er als Rrichsbevollmächtigter für Zölle und Steuern nach Magdeburg; im gleichen Jahr wurde er Geheimer Finanzrat. 1906 trat er als Vortragender Rat ins Reichsschatzamt ein. Wieder in den badischen Staatsdienst zurückgekehrt, wurde er 1909 zum stellvertretenden Bundesratsbevollmächtigten für Baden in Berlin mit dem Rang eines Ministerialdirektors? ernannt und war als solcher bis jetzt tätig.
ihnen vorwiegend wahltaktische Bedeutung zu.
Die .Deutsche Tages ztg.' widerspricht den Bemerkungen der »Kreuzztg.' und meint, die betr. Stelle des Parteiprogramms müsse aufrecht erhalten werden. Nur was
Die Eroberung von Straßburg.
28. September 1870.
vezugspreiS:
monatlich 7b viert el- ▲ jährlich Mt. 2.20; durch ■ 2lbhole- u. Zweigstellen ▼ monatlich 66 Pf.; durch
die Post M. 2.—Vierteljahr!. ausschl. Beslellg. ZeilenpreiS: lokal 15Pf, y auswärts 20 Pfennig.
Chefredakteur: 91 Goeg.
Verantwortlich für den politischen Teil: August Doch; für .Feuille- ton' und .Vermischtes* K. Neurath; für.Stadt u.Land" und »GerichtS- 7 saal": E. Heß; für den
Anzeigenteil: H. Beck.
Deutschevungelischen Bund wörtlich:
3 Soweit der Evangelische Bund sich zum Schutz des evangelischen Glaubensinhaltes unsrer Kirche auf unsere Seile stellt, werden wir ihn als Bundesgenoffen schätzen und ehren; aber die Erregung 'oniessioneller Le,denschaiten mißbilligen wir überall. Die fort- ervative Partei hat sich in ihrer großen Mehrheit ja auch davon ; äberzeugt, daß sich der antisemitische Passus ihres d Programms praktisch nicht mehr rechtiertlgen läßt. Sind doch auch im Judentume konservative Kräfte lebendig I and wirksam, wie un5 die erireuliche Tätigkeit zahlreicher jüdischer R1 Männer im praktischen Leben, in Wissenschaft nnb Kunst täglich । leiht, während die im Judentume so auffallenden destruktiven Kräfte sich leider in reichem Maße auch bei rassereinen Deutschen entwickelt haben. So soll uns vollends der Katholik als Staatsbürger, als Mensch und als Christ nicht von vornherein Gegen-
" sland des Mißtrauens sein, sondern wir wollen seine Mitarbeit »in Lecht nationalem Geiste zum Segen des Vaterlandes" willkommen . heißen, wo wir sie finden.
Der „antisemitische PaffuS* des Tivoli-ProgrammS der Konservativen vom Dezember 1892, lautet wörtlich: ,9Bir «bekämpfen den vielfach sich vordrängenden und zersetzenden jüdischen Einfluß auf unser Volksleben. Wir verlangen für das christliche Volk eine christliche Obrigkeit und christliche
genben Tagen die Arbeiten, so daß erst am 9. September dick zweite Parallele, die in ihrer ganzen Ausdehnung von fast 2000 m fußhoch mit Wasser gefüllt war, vollständig fertig wurde. Nunmehr konnte die Artillerie besser wirken, 96 gezogene Ka- iwnen und 38 Mörser warfen ihre Geschosse aus nahe den Werken angelegten Batterien gegen diele. Jedes Geschütz sollte bei Tage 20 Granaten, bei Nacht 10 Schrapnells verfeuern. Ter Erfolg blieb nicht aus; die Verteidigungsartillerie war gezwungen, ihrs Kanonen hinter die Brustwehr zurückzuziehen, und feuerte nur noch mit Wurfgeschossen. Tas Steintor wurde so stark besck-ädigt, bafc es mit Sandsäcken zugesetzt werden mußte. Als man entdeckte, daß sich vor Lünette 53 Minengänge befanden, ließ sich ehe kühner Jngenieuroffizier, Hauptmann Ledebour, mit einigen: beherzten Pionieren an Stricken in den Graben hinunter und end, fernte die gefahrdrohenden Pulverladungen.
Allmählich und unter andauernden Kämpfen schob sich den Angriff mit Hilfe der Sappe und zum Teil des Wälz korbet näher an die Werke heran. Ter Verteidiger räumte die Lünetteq 52 und 53, welche alsbald die deutschen Mörser und Kanonen- batterien aufnahmen. Am 23. September begann das Brescho- schießen gegen die Ostseite der Bastion 11 und die Westseite der; Bastion 12. Schon am 24. stürzte nach 600 Schuß das Mauerwerk in Bastion 11 ein, und am 26. September gelang es, nachdem 467 Langgranaten gewirkt hatten, die Mauer von Bastion 12 in einer Breite von 36 Fuß zu öffnen. Ta nun der Sturmi auf den Hauptwall jeden Augenblick zu erwarten stand, einck Aussicht auf Hilfe von außen aber nicht zu hoffen war, entschloß sich General Uhr ich wir Kapitulation. Am 27. September nachmittags 5 Uhr erschien auf dem Turm des Munsters das freubtg begrüßte Friedenszeichen, die weiße Fahne. 39 Offiziere und 894 Mann hatte den Deutschen der Kampf um dis Stadt gekostet, während der Verlust der Franzosen sich auf 2500 Köpfe bezifferte. 500 Offiziere und 17 000 Mann wurden kriegsgefangen, die Offiziere gegen Verpfändung des Ehrenworts aber entlassen, ebenso die Nationalgarden und Franktireurs gegen das Versprechen, sich in Zukunft aller Feindseligketten zu enthalten. 1200 Geschütze, 200 000 Handfeuerwaffen und große Mengen an Kriegsgerät waren die reiche Beute. Deutsche Tapferkeit hatte Sttaßburg, die „wunderschöne Stadt", vor 200 Jahren mitten, im Frieden von den Franzosen geraubt, dem Vater lande zurück-- erobert.
Nr. 327
Der Oietzener Anzeiger erscheint täglich, außer tzonntagL. - Beilagen: Viermal wöchentlich -ietzenerKamilienblätter, zweimal wüchentlUtreiL- dlatt für den Ureis Gießen fDienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche rettftagev
Die Ltrahenlämpfe in Moabit.
Die Ausschreitungen im Moabiter Stadtteil sind, wie von der gesamten Berliner Presse sesrgestellt wird, geradezu haarsträubend gewesen. Die Haupttäter waren junge, arbeitsscheue Burschen, während einige B.ätter behaupten, die organisierten Arbeiter hätten sich ziemlich zurückgehalten. Die Nachrichten über die Demolierung der Reformationskirche haben sich als übertrieben herausgestellt, dagegen bestätigt es sich, daß am Montag und in der Nacht auf Dienstag insgesamt 38 Offiziere und Schutzmänner, einige von ihnen schwer, durch Steine und Messerstiche verletzt wurden. Die Zahl der verletzten Aufrührer war noch nicht genau festtzustellen. Viele werden sich wegen Landfriedensbruches zu verantworten haben und zu Zuchthaus verurteilt werden.
Die Straßenschlacht am Montag.
geworfen, dre .nun mit einem starken 'Angriff vorqinaerr und das Lokal räumten. Als die ^lizei sich gegen 10 Uhr zuruckzog, strömte die Masse alsbald wieder zusammen. Dre Folge waren erneute Zusammenstöße, wobei ein Schutzmann schwer verletzt wurde. Der Pöbel Kertrüm- werte fast alle Straßenlaternen. Die Geschäftsleute hatten dre Jalousien heruntergelassen, so daß die Straßen im Dunkel da lagen.
Zwischen 12 und 1 Uhr nachts griff die Menge die Re- ^ormattonskirche in der Wiclefstraße an. Zahllose Steinwürfe Kertrümmerten zwölf Stellen der großen Kir- chenfenster mit Glasmalereien. Von einem Pfarrhause in der Wiclefstraße wurde die Menge mit der blanken Waffe zurückgetrieben. Am Warenhaus der Gebriider Preuß,Ecke Beußel- und Erasmusftraße, wurden die Fensterscheiben eingeschlagen und ein Teil der Schaufenster itnb Schau kästen geplündert. Ein Schanklokal, in das sich ein (einem Kameraden vorausgeeilter und dabei in das dränge geratener Schutzmann Kurücriog, wurde von der Menge vollständigdemoliert. Außerdem wurde auch der Versuch .gemacht, die auf der Wache des 84. Polizeireviers Sistierten zu befreien. Die Angreifer wurden jedoch von der Polizei mit der blanken Waffe zurückgeschlagen. Von der Schutzmannschaft sind bis 2 Uhr nachts durch Steinwürfe und dergleichen 38 dienstunfähig geworden.
Nachdem die Ruhe wieder hergestellt war, bezog die Schutzmannschaft an der Stätte der Ausschreitungen eine fliegende Wache, soweit sie nicht zu den PatrouiUengängen herangezogen werden mußten. Schutzmann Sperling aus Charlotteuburg, der einer solchen Patrouille angehörte, wurde morgens in der Huttenstraße in einem Hausflur besinnungslos ausgefunden. Ihm war der Helm durchgeschlagen und der Kopf crheblick) verletzt. Auf der Unfallstation in der Erasmusstraße ließen sich im Laufe der Nacht 22 Zivilpersonen verbinden. Drei batten Schußverletzungen, die anderen Wunden von Säbelhieben. Eine Schußverletzung rührte jedoch nicht von einer Polizeiwafse her.
Am Dienstag früh um 7 Uhr erschien der Polizeipräsi^ dent auf der fliegenden Wache. Für den Fall von neuen Ausschreitungen sind scharfe Maßregeln bof-4dr-'rt~- worden. Die Sickingerstraße und ihre Zufahrtstr abßesperrt. Die Reformätionskirche ist durch ri
gerilsprech-Anschlüsse: ■ W v Hl W HD
für die Redaktion 112, Ä Sy
DZ General-Anzeiger für Oberhessen
bL »ota»cmzdruck Md vrrlag der Srühpschen 8uiv..Such- Md Stellldruckerei B. taugt. RedaNIm, Lxptdltlm Md Draderd: Zchuistratzt
politische Tagesschau.
^erchStagsabg. v. Payer über den sozialdemokratischen Parteitag.
Es war bemerkenswert, daß nicht zuletzt auch bie fortschrittliche Presse im Reich überaus scharfe und abfällige Urteile über den Magdeburger Partettag fällte. Aus einer Rede, die der ReichStagsabg. v. Payer am Samstag in Nürnberg gehalten hat, zitiert heute die „Voss. Ztg." noch folgende Satze:
Befterndeud ist das sozialdemokratische Mißtrauen gegen Führer, Parlament und Presse. Wir Demokraten sind tonon ausgegangen, daß das gegenseitige Vertrauen stark macht Tie Orgamsationen, die auf Mißtrauen eingerichtet sind, haben sich stets als despottsch herausgestellt. Wir beneiden niemand um die Freudigkeit des Arbeitens, wenn jeder jederzeit hinter jedem den dummen oder schlechten Kerl zu wittern von Amts wegen verpflichtet ist. Tie Politiker und Abgeordneten, die angehalten sind, das Wohl des Landes zu vertreten, sollen Selbständigkeit des Urteils und Festig kett nach oben und unten haben Bei der Sozialdemokratie ist daher der Begriff des parlamentarischen Lebens auf den Kopf gestellt. Wenn der oberste Leitstern für den Abgeordneten nur die Parteidisziplin sein darf, dann steht die Sache wirilich Übel. Eine Volksvertretung, die so zusammen- I gesetzt ist, wie die Sozialdemokratie das will, bildet eine traurige J Karikatur. Tas kann nur der wollen, der den Massendespotismus m der Polittk anerkennt. Was die Sozialdemokratie sonst in der üt Budgetfrage beschloß, ist uns gleich, ebenso rb sie die Frage als taktisch oder prinzipiell erflären, was sie mit ihren „Hofgängern" anfangen wttl, wenn sie ihnen nicht zuttaut, daß sie, wenn sie als aufrechte und selbständige Männer in einen Palast hinein» gehen, als solche auch wieder herauskommen.
Abg. v. Payer schloß: Wir wollen nicht zu Hütern I bürgerlicher Freiheit diejenigen, die weder die Meinungs- lit fteiheit noch die Gewissenspflicht des einzelnen respektieren und die eigenen Vertreter zu Marionetten und noch tiefer degradieren. Diese Leute lverden Deutschland nie frei und - glücklich machen können. Sie können zerschlagen, aber nicht aufbauen.
kommando beschützt.
Berlin, 27. Sept. Mättermeldungen zufolge wurde bei den gestrigen Streikunruhen in Moabit auch ein Schutze mann durch einen Schuß schwer verwundet. Die Zahl der verletzten Zivilpersonen wird auf weit über hundert geschätzt. Bei der Reformationskirche wurde ein Geistlicher aus einem vorüberfahrenden Straß enbahnwagen herausge-errt, und mißhandelt.
Neue Skandale am Dienstag.
Berlin, 27. Sept. In Moabit sind im ganzen 43 Verhaftungen vorgenommen worden Bis Nachmittags 5 Uhr herrschte durchweg Ruhe. Im Laufe des Nachmtt- tags fußten sich die Beussel- r;nd die anderen Querstraßen und die Sickingerstraße nnebef mit halbwüchsigen arbeitsscheuen Burschen und noch mehr mit Frauen und 5rindern. Von 5 Uhr ab versammelten sich die von allen Revieren her abkömmlichen Schutzleute im Hauptquartier auf tenr Kohlenplatz, unterwegs vielfach von Burschen, Weibern und Kindern mit Hohnrufen begrüßt. Gegen Abend hatte eine etwa 3000 Personen zählende Menge sich in der Beusseb-
Die Ausschreitungen gegen Ärbeitswiflige der Köh- lenfirma Kupfer & Co., die am Montag mittag von Angestellten der Löweschen Fabrik begonnen wurden, nahmen gegen Abend einen immer größeren Umfang an und führten gegen 10 Uhr abends zu einer förmlichen Schlacht, wobei es auf beiden Seiten zahlreiche Verletzungen gab. Nachdem gegen 7 Uhr abends vorübergehend Ruhe eingetreten toar, füllten die Beußel-, die Sickinger-, Rostocker- und andere Straßen sich bald wieder mit großen Menschenmengen, darunter viele halbwüchsige Burschen, aber auch Schulkinder uni) Familienväter, die sich dadurch Ku schützen suchten, daß sie die Kinder auf oem Arm trugen Die Mahnungen der Polizei wurden mit aufreizendest Redensarten, aber auch mit Gejohle und Steinwürfen beantwortet. Aus den Häusern, die dem Kohlenplatz der Firma Kupfer am nächsten liegen, wurde Wasser auf bie Beamten gegossen. Ferner wurde das Mosaikpslafter aus den Bürgersteigen herausgerissen, um zu Wurfsteinen verwendet zu werden. Die Polizei unternahm wiederholt Abwehrangriffe. Gegen ... _ 9 Uhr wurden aus den Fenstern einer Schankwirtschaft in der
Lehrer für christliche Schüler". Tie lmksliberale Presie I Sickingerstraße, wo sich die Tumultuanten festgesetzt hatten,
Tie deutsche Heeresleitung hatte gleich nach dem Siege von Wörth die Eroberung von Sttaßburg ins Auge gefaßt. Nach mehr als einer Richtung war die Besitzergreifung dieser Stadt von hohem Werte. Es galt der uralten deutschen Stadt, dem Hauptorte des Elsaß, welches man für Deutschland zuruckerobern wollte, und neben dieser geschichtlichen wie politischen Bedeutung handelte es sich um einen wichtigen Waffenplatz, der von den ftanzösischen J Ingenieuren zu einer der bedeutendsten Festungen Frankreichs 5 au^gebaut war und als Brückeickopf am Rhein eine beständige Bedrohung Süddeutschlands bilbete. Hierzu kam noch, daß der Platz als Knotenpunkt dreier Eisenbahnlinien für die hj Sicherste!lung des Nachschubes der in Frankreich fte- et henden deutschen Heere großen Wert besaß. Infolgedessen wurde el von der 3. (kwnprinzlichen) Armee die badische Division ad- gezweigt, die am 11. August vor Straßburg erschien und ungeachtet ihrer geringen Stärke, ohne vom Verteidiger daran ge- hindett zu werden, bis sum RHein-Jll-Kanal vorging, das nur auf Gewehrschußwette von den Werken entfernt lügende Dorf Schiltig heim besetzte und in die Vorstadt Königshofen eindrang. Im Laufe der folgenden Woche traten unter dem Befehl des Generals von Werder den Einschließungsttupven nod? hinzu die Garde-Landwehr- und die 1. Reserve-Division nebst einer Kavalleriebrigade, ferner rin Belagerungstrain von 200 gezogenen Kanonen und 88 Mörsern mit 6000 Futzartüle- riffen und 10 Festungs-Pionierkompagnien, zusammen 40000 Mann. Mit diesen Kräften komtte die vollständige Einschließung bet Festung durchgeführt werden. Am 18. August begann auf dem ^.Bahnhof Wendenheim das Ausladen der aus Magdeburg, °i Koblenz und Wesel eintteffenden Geschütze, mtt dessen Erledigung " bie Bedingungen gegeben waren, in den eigentlichen Arig^if', ctI^ zutreten, der auch nicht lange auf sich warten ließ. Die Geiamt- iß zahl der Besatzurrg belief sich auf etwa 23 000 Mann, deren! öl Befehlshaber der General Uhr.ich war, ein geborener Eft aff er, :t 68 Jahre alt, dem infolge seiner Leistungen in der Krim und in 'S Italien der Ruf eines tüchtigen Offiziers zur Seite ltand.
c Um in möglichst kurzer Zeil die Uebergabe zu erzwingen, wurde deutscherseits der Versuch gemacht, durch eine Beschießung der Stadt und der Festungswerke den Kommandanten zur Kapitulation nt SU bewegen Da der Bau der Bombardementsbatterien in ben
Frischen, finsteren Nächten auf große Schwierigkeiten stieß, —^"Parallele vorstieß.
J richtete zunächst die Feldartillerie ihr Feuer gegen die -stadt, Generals U brich ein kurzer
In ihrer Uebersicht über die innere Politik der Woche ^schreibt die „Kreuzztg." in einer Auseinandersetzung mit dem


