— gefüllt wurde. Die eigenartige Farm I in Posen im Stich lassen! Lieber noch träte ich Aar imferc > in den ehemaligen Glashütten Syriens rheinischen Provinzen ab Kann man )td) ein schlagenderes
sonders guten Marke - _______ _ _ ..
der Nasche ist für die in den ehemaligen Glashütten Vynens her gestellten Glaswaren durchaus charakteristisch. Ter Fall ist nicht sehr überraschend, da zwischen Syrien und der Gegend von Bordeaux kaufmännische Beziehungen bestanden haben; man besitzt in Bordeaux darüber drei auf Syrien bezügliche Inschriften.
rheinischen Provinzen ab. wann man )ta) ein icyragenoeres Zeugnis für die Wichtigkeit denken, die unser größter Staatsmann unserer Ostmark beimaß?
Rotationsdruck und Vertag der Brühl'fch« Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
iich in (o glücklicher Mischung vereint haben, geneigt sein, eine hervorragende und vielleicht entscheidende Rolle rn dieser Angelegenheit zu spielen. Wenn Amerika, Deutschland und England in neidloser Freundschaft zueinander ständen, so würde das schwierigste Problem der Zukunft in der vorteilhaftesten Weise gelöst, sein."
Die „Siebener Zomilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kteisblait für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Leitfrage«" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: es® 51. Redaktion:e^ll2. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
Die deutsch-englische Kritgswolie.
In der neuesten Ausgabe von „McClures Magazine" veröffentlicht Professor Theodor Schiemann einen Artikel über „Die Bereinigten Staaten und die Kriegswolke in Europa". Kurz zusammengefaßt entwickelt Professor Schiemann drei Argumente in seinem Aufsatz: 1. Die deutsche Flotte wird zum Schutze des deutschen Handels gebaut. 2. Deutschland nimmt jeden Vorschlag zur Einschränkung der Rüstungen übel. 3. Der Reid Großbritanniens auf, den wachsenden Handel Deutschlands bildet die wahre Gefahr. Zum Schlüsse gibt Professor Schiemann der Hoffnung Ausdruck, daß die drei germanischen Völker, Deutschland, England und die Vereinigten Staaten, sich zur Aufrechterhaltung des Friedens zusammentun möchten. ~ Wir möchten aus dem sehr interessanten Aufsatz größere Stellen wiedergeben, weil ja gerade jetzt das sogenannte Friedensproblem wieder aktuell geworden ist. Prof. Schiemann, der bekannte Mitarbeiter der „Kreuzztg.", hegt dieselben Ansichten, die auch wir bereits darüber geäußert haben. Er sagt il a.: Die Bevölkerung der Bereinigten Staaten wuchs «ich aus einer hvlländisch-englische.n Wurzel zu einer Nation aus. Rach den zwei großen Kriegen, von denen der eine die politische Unabhängigkeit und der andere die nationale Einigkeit befestigte, haben die Vereinigten Staaten eine so große Menge deutschen Blutes aufgesogcn, daß sich sowohl die Engländer, als auch die Deutschen als ihnen eng verwandt betrachten. Die intellektuelle, wie die, politische Entwicklung Englands sowohl als auch Deutschlands findet ein wertes und sympathisches Interesse in Amerika, und im Falle eines Konfliktes zwischen den beiden Ländern würden die Sympathien des amerikanischen Volkes ziemlich gleichmäßig geteilt sein.
Obgleich der politische Antagonismus, der die Weltlage heute beherrscht, jungen Ursprunges ist, reichen seine Wurzeln doch weit in die Vergangenheit zurück. Im Laufe der dreieinhalb Jahrhunderte seit den Tagen der Königin Elisabeth lind auf dem englischen Boden gewisse politische Traditionen ausgewachsen, die der Ration so in Fleisch und Blut übergegangen sind, daß man sie als nationale Instinkte 'bezeichnen tann. England hat diese Instinkte in der wunderbaren Energie und dem entschlosseiien Egoismus zum Ausdruck gebracht, mit denen es jede starke Seemacht, die entstand, vernichtete. Spanien, Holland, Frankreich und schließlich Ritßland sind alle durch dieselben Erfahrungen gegangen."
Professor ,Schiemann beschreibt dann die Stadien, die Aur Einigung des Deutschen Reiches führten: „Die deutsche Einigkeit mußte durch „Blut und Eisen" in den Jahren 1864—66 eingeleitet werden, und mit „Blut und Eisen" mußte sie in "den großen Jahren 1870—71 aufrechterhalten werden. . . . Seit 'den achtziger Jahren mußte Deutschland ein großes Kolonialreich schützen, das, obwohl es sich nicht mit den ungeheuren englischen oder französischen Kolonien vergleichen läßt, chm doch ein weites Feld für die Entwicklung bietet; und diese kolonialen Besitzungen würden einem Feinde gegenüber einfach hilflos sein, wenn Deutschland sie njcht mit einer genügend starken Flotte schützen könnte. Und schließlich bedarf der deutsche Handel des Schutzes in allen Meeren. Ter Schwache kann seinem Richter nicht trauen, und der Traum der Friedensapostel ist nur ein Traum."
— Ein unbekanntes Tacitus-Bruchstück? Die französische Wochenschrift La vie de Paris brachte vor kurzem einen Aussatz, der von dem Funde eines bisher völlig unbekannt gebliebenen Tacitus-Bruchstücks in der Bibliothek zu Fes zu berichten wußte. Begreiflicherweise erregte diese Nachricht in der wissenschaftlichen Welt großen Zweifel, wenn sie auch nicht widerlegt werden konnte. Tas Journal des Tsbats befaßt sich nun in einer längerem Abhandlung mit dieser interessanten Entdeckung, und die Gründe, die es für die Möglichkeit, sogar Wahrscheinlichkeit anführt, sind so bemerkenswert, das; sie wenigstens in Kürze mitgeteilt zu werden verdienen. Einleitend weist das Blatt darauf hin, daß man bisher von dem Bestehen afrikanischer, vor allem innerafritanischer Bibliotheken so gut wie nichts gehört habe, und doch besaßen die in unzugängliche Bergtäler versprengten abessinischen Klöster handschriftliche Schätze, von deren Reichtum man sich keine Vorstellung zu machen vermöge. Den äußeren Anlaß zur Gründung dieser Klosterbibliotheken, die aus ängstlicher Scheu jedem fremden Auge verschlossst blieben, obwohl die heutigen Mönche sie überhaupt sticht mölfr zu benützen vermöchten, bildete die Einnahme Alexandriens durch die Araber unter Omar im Jahre 640. Der blinde und unerbittliche Haß des Mohammedaners gegen Juden und Christen war bclaniü, uni> so rafften auf die Nachricht von dem Anrücken der Araber die Mönche der in und bei Alexandrien gelegenen.' Klöster an geschriebenen Büchern alles zusammen, lvas sich in der Eile nur ergreifen liefe, und flohen damit nilaufwärts. Die zurückgelassenen Reste der Bibliothek wurden dann bekanntlich auf Befehl Omars als „aufgehäufter Wust" verbrannt. Auf diese Weise können nun tatsächlich viele Handschriften griechischer und römischer Klassiker, die bisher als verschollen galten, vor dem Untergang gerettet worden feilt. Der Hanptteil befindet sich natürlich dort, wohin sich die meisten Mönche flüchteten, in Abessinien, doch ist es selbstredend nicht ausgeschlossen, dafe einzelne Stücke«auch nach anderen Ländern gebracht wurden, woraus sich der Fund in Fes erklären würde. Sollte sich die Nachricht von der Entdeckung des unbekannten Tacitus-Bruchstückes wirklich bestätigen, so würden sich dadurch der Wissen; chast Aussichten eröffnen, an die sie bisher nicht zu denken wagen konnte^
Die hessische Gemeindesteuerresorm.
R.B. Darmstadt, 25. Mai.
Im Finanzausschuß der Zweiten Kammer wurde heute noch einmal der ganze Gemeindesteuer- Gesetzentwurf durchgesprochen und dann die Achttm- mung vorgenommen. Zunächst wurde über die Grundsteuern gesprochen und dabei das Prinzip der Besbeue- rung nach dem gemeinen Wert festgestellt. Die Bestimmung, wonach für landwirtschaftliche Grundstücke bei erheblichen Abweichungen von dem gemeinen Wert die Möglichkeit der Annahme eines mittleren Wertes von Ertrag und gemeinem Wert gegeben wird, wurde vom Ausschuß einstimmig zugestanden. Die Bestimmungen über die Gewerbesteuer wurden alsdann in der gestern mitgeteil- ten neuen Fassung der Regierung angenommen. Es wurde beschlossen, die Konsumvereine, auch die landwirtschaftlichen, ebenfalls der Besteuerung zu unterwerfen; dies entspricht auch den früheren Beschlüssen der Kammer. Weiter wurde bann genehmigt die Warenhaus- und Filialstcuer mit der Modifflation, daß auch der Umsatz bei der Besteuerung mit herangezogen werden kann. Die Steuer von gewerbsmäßigem Handel mit ländlichen Grundstücken wurde nach den Vorschlägen der Regierung genehmigt. Dann kam die Kapital st euer und die (£ i n t o m m e n ft euer in der von der Regierung vorgeschlagenen Fajsung zur Genehmigung. Die ©teuerVerteilung ist so geregelt, daß Grundsteuer, Steuer vom Gewerbebetrieb, und Kapitalvermögen nach einheitlichem Satze für jedes volle Hundert des für die Besteuerung sestg ^stellten Wertes ausgeschlageu wird. 3m Verhältnis der Steuern zueinander heißt es bann, bap für je einen Pfennig der Steuer vom Grundbesitz, Gewerbe' und Kapitalvermögen mindestens 3,5 und höchstens 8 Pfq auf die Mark staatliche Steuer auszuschlagen find. Der Gemeindeautonomie ist möglichste Freiheit gegeben; so kann die Gemeinde namentlich die Einkommenklassen bis zu 900 Mark vollständig von der Steuer freilaffen. Das Gesetz wurde iu der Gesamtabstimmung mit allen gegen die Stimme des Abg. Ulrich angenommen. Der Ausschußberichterstatter, Abg. Molthan, wird nunmehr seinen umfangreichen schriftlichen Bericht über die Vorlage fertigstellen, was binnen einigen Wochen geschehen sein wird. Es besteht alsdann die Absicht, die Vollversammlung etwa Anfang Juli zu einer Sommer- raqiing einzuberufen, damit die Kammer noch im Juli die Gemeinde st eu er reform zur Verabschiedung bringen tann.
Gehorsamsverweigerung im französischen Heere.
Die Meuterei der Reservisten in Rimes wird, so schreibt uns unser Pariser Mitarbeiter, nicht von allen' republikanischen Zeitungen mit dem Ernste besprochen, den der Vorfall erfordert. Manche suchen für die gröbliche Durchbrechung der militärischen Disziplin nicht nur Entschuldigungen, sondern direkte Rechtfertigungen und greifen die Militärbehörden an. Sie gehen noch weiter und wollen finden, daß dem Falle, den sie als eine „Unart" ober einen „Kinderstreich" bezeichnen, aus politischen Gründen nicht nur von Gegnern, sondern auch von Republv- fanern eine zu große Bedeutung beigelegt werde. Es muß auch bemerkt werden, daß die Angelegenheit, die am Montag abenb passierte, überhaupt erst in den Miltwochblättern zur ausführlichen Besprechung gelangte, obgleich die Rack- richten sehr schnell eingelaufen waren. Aus diesen geht hervor, baß achtzig Reservisten bes 240. Jnfantene-Regi- ments< nachdem ihre sehr dringend vorgebrachten Forderungen, nicht auf dem durchfeuchteten Boden des Schießplatzes von Massillcm die Nacht zuzubringen, kein Gehör gefunden hatten, lärmend das Lager verließen und in die
— Ein amtliches französisches Werk über den Krieg von 187 0 — 7 1. Der französische Minister des Auswärtigen, P i ch o n, hat am 9. März 1907 von dem Präsidenten F a 11 i e r e s eine Verfügung erwirkt, laut deren eine amtliche französische Quellenveröffentlichung über den Krieg von 1870/71 in die Wege geleitet werden sollte. Es handelt sich dabei um ent Werk von größter wissenschaftlicher Bedeutung, um die Herausgabe der Berichte der französischen Botschafter,, Gefandten und Sonderagenten aus allen europäischen Hauptstädten, beginnend vom 24. Dezember 1864 und reichend bis zum Kriegsausbruch 19. Juli 1870. Man wird also zwar nur dte französischen Akten erhalten, diese aber vollständig, „da unsere Demokratie das Recht hat, über die Wahrheit der Dinge unterrichtet zu sein, in deren Verlauf sie die volle Ausübung ihrer Souveränität erlangt hat"; und bei der großen BDeutung, die die sranzösische Politik für die Entwicklung der schleswig- holsteinischen Frage und der deutschen Frage gehabt hat, ist der Wert dieser Dokumente ganz unschätzbar. Das Werk, das den Titel „Les origines diplomatiques de la guerre de 18 7 0 — 71" Uhren soll, wird die Aktenstücke mit Anmerkungen versehen, aber in sparsamer Weise; es sollen vor allem die Texte sprechen und nur Aufklärungen gegeben werden, bic zum Verständnis der Texte unentbehrlich erscheinen, ä'S wird sich zeigen, sagt das Vorwort des Ausschusses, daß Frankreich damals auswärts gute Diener hatte, die nicht daran iwuld waren, wenn Frankreich über seine Interessen und die ihm drohenden Gefahren nicht besser uwerrichtet war. Der erste bis Ende Februar 1864 reichende Band wird demnächst erscheinen. Die K. Z. teilt daraus ein Wort Bismarcks mit, das wie für die Gegenwart geschrieben scheint. Der französische ^ondergesandte, General Graf Fleury, der Christian IX. zu seiner Thronbesteigung beglückwünschen sollte, reifte von Kopenhagen über Berlin nach Hause und hatte mit Bismarck am 24. Dezember 1863 ein Gespräch über den von Napoleon vorgeschlagenen Kongreß, der alle schwebenden europäischen Fragen regeln sollte. Bismarck sagte dabei, weil der Kongreß sich vor allem mit Polen und Italien beschäftigen sollte: „Lieber sterben, als unsere Besitzunaerr.
Arinst, Wissenschaft uttö Leben.
— Der Dramaturg auf Lebenszeit. Herzog Friedrich von Anhalt bat den Dramaturgen des Dessauer „Herzoglichen Hoftheaters", Pros. Dr. Arthur Seidl, auf Lebenszeit nunmehr bestätigt und im Charakter als Beamten des Herzoglichen Dienstes mit Pensionsberechtigung ab 1. Mai fest angestellt. Es ist dies ein wichtiger, überaus dankenswerter Schritt zur Verbesserung des Dramatiirgen-Amtes im allgemeinen; dürsten dock), derartig organisierte Posten an den Bühnen Deutschlands und Oesterreichs bislang überhaupt zu zählen sein. Noch erst jüngst vermochte die „Deutsche Theater-Zeitschrift" nicht unberechtigte Klage zu führen darüber, wie es noch immer nicht gelungen sei, das dramaturgische Fach und seine Funktionen! dem komplizierten, „Theaterbetrieb" genannten Räderwerke dauernd wirksam anzugliedern. Um so höher also das Verdienst des theatertundigen deutschen Fürsten, der damit nur wieder seinen w oft sckwn bewiesenen Scharfblick für das praktische Bühnenwesen und seine tiefere Einsicht in dessen nei^eitliche Erfordernse bekundet hat.
— Nene Elemente entdeckt. Auf dem Chemikertag in Müncken berichtete Dr. Auer von Welsbach, der Erfinder des Gasglühlicksts, über neue Elemente, die er entdeckt hat. Drei davon, die bisher als einzelne Elemente galten, hat er in großer Menge dargestellt und nachgewiesen, daß jedes dieser Elemente aus zwei bis drei selbständigen anderen Elementen besteht. Dadurch ist — die Richtigkeit der Auerschen Entdeckung verausgeietzt — die Zahl der bis jetzt bekannten, in Brasilien, auf den Carolinen, im Urai umd in Norwegen usw. vorkommenden seltenen Erden von 16 auf 22 gestiegen. Die Entdeckung der neuen Elemente hat zunächst rein wissenschaftliches Interesse.
— Ein alter Tropfen. Die auf dem galloromanischen und christlichen Kirchhof von St. Severinus in Bordeaux ungeteilten Ausgrabungen förderten cm geviertförmiges, der ersten Zeit des römischen Kaiserreiches angehörcndes Monument zutage, zu desseii Seite, unter einem Entlastungsbogen, eingefügt, sich ein riesiger Sarkophag auf einem Fußgestell von Statuen befindet. Im Sarkophag fand man neben einem Skelett eine kleine längliche Glasflasche, 45 Ztm. lang, von einer bis jetzt in Gallien unbekannten Form. Die Flasche enthielt einige Jnhaltsreste, die analysiert wurden und sichere Spuren von T a n n i n auswiesen, nach denen man schließen dürfte, bau die Flasche seinerzeit mit Wein — wahrscheinlich mit einer ganz be-
Ein deutsch-englischer Krieg würde ein Unglück für bic ganze Welt, einschließlich Englands, sein; denn es ist eine natürliche Schlußfolgerung, daß gleichzeitig mit einem derartigen Ereignis alle Elemente in Asien und in Afrika, bic den Engländern feindlich sind, sich erheben und so ungerufene Verbündete des Deutschen Reiches werden würben. Die großen Handelsverbindungen der Welt würden aus- einandergerisseii, unberechenbare Werte würden zerstört werben, und alle Böller der Erde würben an diesen Verlusten ihren Anteil erleiden. Und all das um eines Phantoms willen. Der Anspruch, daß eine Ration die Beherrscherin der Meere sein muß, läßt sich nicht mehr verteidigen. Das Motto der Zukunft heißt: „Die Meere sind frei, fret wie die Luft, deren Hochstraßen ebenfalls nicht gesperrt werben dürfen." Ebensowenig zu verteidigen ist der Anspruch einer Ration, einer anderen zu verbieten, selbst darüber ^u entscheiden, wie stark sie sich bewaffnen muß, um den Frieden zu sichern. Die Kontrolle, die unser Parlament ausübt, bietet eine Gewähr gegen närrische Hebertreibnngen. Wir wissen viel genauer, was uns an England bindet, als was uns von ihm trennt, und wir sind jederzeit bereit, die Hand zu ergreifen, die uns entgegengestreckt wird. Es wird ein glücklicher Tag sein, wenn diese Verständigung stattfindet, aber sie ist nur auf dem Boden der Freundschaft mit gleichen Rechten möglich. Ich wage keine Anregung über das „Wie". Vielleicht werden die Bereinigten Staaten von Nordamerika, wo bas deutsche und englische Blut
teil, den die Entwicklung der Erde den zivilisierten Nationen bietet. Es läßt sich unter diesen Umständen schwer verstehen, wie es in der zunehmenden Blüte anderer Völker eine Schädigung erblicken kann. Der Wettbewerb, den Amerika England bereitet, ist viel größer, als der Deutschlands; aber wir haben nichts davon gehört, daß England beabsichtigt, durch ein „Made in America"-Gesetz einen Boykott zu errichten, wie es iljn durch das „Made in Ger- many"-Gesetz gegen Deutschland hervorbringen möchte. Als Grund für die Feindseligkeit Englands gegenüber Deutschland bleibt nur der Umstand, daß Deutschland feine Flotte vergrößert hat."
Nachdem Professor Schiemann dann als Beweise für seine Behauptung zahlreiche Preßstimmen angeführt hat, fährt er fort: „Bet der Schlüssel zu der auswärttgen Politik Englands waren die Bemühungen, Deutschland zu isolieren. Alle politischer: Reisen des Königs Eduard hatten dieses Ziel im Auge: das russisch-englische Abkommen vom 30. August 1907, der Versuch, Italien vom Dreibunde -ch- zulösen, und schließlich der ergebnislose Versuch int vergangenen Jahre, den Kaiser Franz Josef zu der antideutschen Vereinigung zu gewinnen. In dieser Krise ist das deutsche Volk in aller Ruhe seiner Beschäftigung nachgegangen. Trotz der großen Ueberlegenheit der britischen Schlachtflotte brach leine Panik aus; die Bemühungen, Amerika zu einer Allianz gegen Deutschland geneigt zu machen, gingen fast unbemertt vorüber. Deutschland wußte, daß die große Republik keme Ursache zur Feindseligkeir habe, unb daß die beiden Volker in den beiden vitalsten Fragen der Weltpolitik auf demselben ..'öden stehen. Beide Mächte wünschen, daß die Meere frei *üeiben, und daß die Türen überall dem Handel der ganzen Welt zu gleichen Bedingungen offen stehen sollen. Selbst die interne Krisis, die zur Auflösung des britischen Parlaments führte, hat in Deutschland keine Panik hervorge- rusen. Sie sühne auf feiten der Unionisten zu einer nachdrücklichen Wiederholung all der Argumente, die wahrend der letzten dreizehn Monate dazu gedient haben, die öffentliche Meinung in England gegen uns aufzubringen. Aber diesmal waren es die Engländer selber, die die Verteidigung Deutschlands aufnahmen. Mr. Asquith, Sir Edward Grey und Mr. Lloyd George haben mit dem größtmöglichen Nachdruck ausgeführt, daß die „Deutsche Gefahr" nichts mehr als ein Phantom ist. Nachdem jetzt die liberale Koa- lilion den Sieg baoongetragen hat, ist vielleicht der große Augenblick herangerommen, nicht nur zum Abschluß eines ehrenvollen Friedens, sondern zur Verwirklichung des idealen Gedantens, der einer engen Verständigung zwischen den drei germanischen Nationen — England, Amerika und Deutschland — entgegenblickt.
England hat, wie Professor Schiemann weiter ausführt, leine Ursache, auf die Handelstätigkeit Deutschlands eifersüchtig zu fein. „Englands Handelsbilanz übertrifft unsere Handelsbilanz. Da die Bevölkerung Großbritanniens 41000 000 und die Deurschlcmds 62 000000 beträgt, so ist der Anteil, der auf jeden einzelnen Engländer entfällt, von größerem Werte, als der entsprechende Anteil, der auf jeden Deutschen entfällt. Deutschland, das 21000000 Menschen mehr erl alten muß und entsprechend mehr produzieren muß, trägt außerdem noch die Bürde einer Politik der sozialen Versicherung, in der ihm tein Staat der Erde nach- loinmt. England dagegen lebt von den Zinsen des ungeheueren Reichtums, den es geerbt hat, und besitzt die größten tzwldfelder der Erde; tatsächlich nimmt es an jedem Gewinn
Nr. ISO Zweites Blatt 460. Jahrgang Donnerstag 26. Mai 4810
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