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25.10.1910 Erstes Blatt
 
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monatlich 7593t, viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Feuille­ton" und.Vermischtes" K. Neurath; für.Stadt u. Land" undGerichts-

Nr. 250 Erstes Blatt 160. Jahrgang Dienstag 25. Oktober 1910

Der Wietzener Anzeiger erscheint täglich, außer Q O

WGietzenek Anzeiger

MM General-Anzeiger für Oberhessen

rormtoa^Tüi) «otaflott$6ni<f und Verlag der vrühvschen llnio.-vuch. und Steindruckerei B. Lange. Redaktion, Lrpedition und Druckerei: Schulstraße 7. H^B-7.

Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.

Die türkische Anleihe und Deutschland.

Die türkisch-französischen Anleiheverhandlungen sind nun nach monatelangem Hin und Her doch gescheitert! Zwar wollte die Gruppe des Crsdit mobilier die von der Türkei benötigten 150 Millionen Franks ohne weiteres zur Verfügung stellen, da ihr die neue Türkei Garantie für die Sicherheit des Geldes zu bieten schien. Aber Herr Pichon, der Leiter der französischen auswärtigen Politik, hielt, vielleicht auf Ginslüsterungen des Herrn v. Iswolski hin, diese Gelegenheit für geeignet- genug, um das zu Gunsten Deutschlands in der Türkei gesunkene Ansehen wiederherzustellen. Gr machte die Zulassung der türkischen Anleihe an der Pariser Börse von einer Reihe von Be­dingungen abhängig, die trotz der Abschwächung, die sie im Verlauf der Verhandlungen fanden, doch noch gerade hinreichten, um die Pforte ein Haar in dem ihr von Frank­reich angebotenen Liebesdienst finden zu lassen. Denn die Zuteilung französischer Beamter zur türkischen Finanz- oerwaltung hätte es mit sich gebracht, daß Frankreich über alle Rüstungsaufwendungen der Türkei unterrichtet ge­wesen wäre und in angeblicher Rücksicht aus die fran­zösischen Kapitalisten hätte Ginspruch dagegen erheben können und die Ginräumung der Meistbegünstigung an Frankreich bei allen Bestellungen von Kriegsmaterial hätte bewirkt, daß die Türkei über keine einheitliche Bewaffnung verfügt hätte. Zu den Fehlern, die Pichon gemacht, in­dem er seine Forderungen überspannte und das National- bewußtsern der neuen Türkei unterschätzte, kommt als dritter - noch die Unterschätzung der deutschen Kapitalsirast. Denn augenscheinlich hätte man in Paris weiter mit sich reden lassen, wenn man nicht von der Anschauung ausgegangen wäre, daß das deutsche Kapital durch die Bedürfnisse der einheimischen Industrie genügend beschäftigt und durch Uebernahme der ungarischen Anleihe schon überreichlich in Anspruch genommen sei. Aber die Konferenzen, die der türkische Finanzminister Dschavid Bei in Berkin mit Ver­tretern deutscher Großbanken abhielt, die Bereitwilligkeit, mit der Deutsche Bank und Dresdener Bank der Türkei einen Vorschuß in Höhe von 150 Millionen anboten, hätten Sxrrn Pichon sagen müssen, daß Frankreich heute neben England nicht mehr der einzige Bankier der Welt ist, son­dern daß Deutschland, dessen Nationalreichtum heute schon (350 Milliarden) denjenigen Frankreichs überflügelt hat, bei allen Finanzattionen ein sehr kräftiges Wort mit­zureden hat.

Konstantinopel, 24. Okt. Die Pforte teilte halb­amtlich der Presee die Bedingungen der französischen Regierung für die Kotierung der türkischen Anleihe mit Dcv- nach verlangt Frankreich: 1. Ernennung e.ues französischen Bei­rates, der in alle durch den Oberrechnungshof zu revidierende Dokumente Einsicht nehmen und darüber wachen soll, daß die Befugnisse des Reänrungshvses den Beschlüssen der Kammer ent- spreck-end ausgeübt werden. 2. (Ernennung eines französischen Generaldirektors des Zentral-Rechnungsweiens. 3. Die Pforte soll im Sinne der Forderungen Frankreichs die auf dem finanziellen ' Gebiet.einzuführenden Reformen der französischen Regierung o\\v « ziell mitterlen. 4. Frankreich verlangt die Ueberioeisung des größ- 6 ten Teils der Bestellungen aus dem Ertrag der Anleihe.

Der Finanzminister erklärte den Vertretern der Presse, eine q einfache Lektüre der Bedingungen genüge, um den ablehnenden 5 Standpunkt der Pforte zu verstehen und fügte hinzu, er werde unverzüglich, vielleicht>on morgen, Verhandlungen mit

Z Die Einnahmen der Zlieger.

* Die großen Fliegerrennen werden im Sommer und in j den Tagen des Frühherbstes abgehalten, die großen Er- u eignisse der Flugwelt sind also für dieses Jahr vorüber. 0 In der Geschichte des Flugsportes werden die Jahre 1909 § und 1910 als die Epoche gewaltiger Fortschritte l sortleben. Im Figaro übernimmt es nun Frantz-Reichel, den Abschluß des vergangenen Jahres zu ziehen, und widmet i den klingenden Erfolgen der Flieger, die den moralischen 1 Siegen gefolgt sind, eine lesenswerte Untersuchung. Seine \ Berechnungen erstrecken sich über die Zeit vom 1. September

1909, dem Tage, an dem die großen Rennen von Reims zu Ende waren, bis zum 1. Oktober dieses Jahres, wobei L also die Ergebnisse der jüngsten Berliner Flugwoche j noch unberücksichtigt bleiben mußten. In den dreizehn Mo- nctten haben die Flugkünstler nach den amtlichen Zahlen st des französischen Aeroklubs an Preisen insg samt Verdi.nt

3563 247.65 Franken. 107 Flieger sind an diesem Gewinn " beteiligt, darunter 66 Franzosen und 41 anderer Völker.

An der Spitze steht P a u l h a n mit einer Preiseinnahme von insgesamt 410 262 Frauken. Ihm folgen der Reihe nach Leon Moräne mit 264 899 Fr an len, Hubert L a t h a m mit 262159.90 Franken, Henri Rougier mit 261500 Franken, Geo A. Chavez mit 246 366.90 Franken, Gra- hame White mit 175500 Franken, Alfred Leblanc mit 164000 Franken und Henri Jarman mit 116950 Franken Aus der langen Reihe der weiteren Gewinner seien hervor­gehoben: der Holländer van den Born mit 88697.25 Franken, der Russe Efsimoff mit 83 557 90 Franken, der Amerikaner Glen C u r t i ß mit 83 000 Franken, der Ita­liener C a t t a n e o mit 80 464 Franken, der Graf Lam­bert mit 62 400, Wagner mit 55 2 <0, Ble ciot mit 42 000, Tis s a n di e r mit 24900, Illner mit 17200, Fischer mit 17000 Franken, Weymann mit 16300 Franken, de Lesseps mit 13 500 Franken, A. Frey mit 11690 Franken und Tyck mit 10 000 Franken. Unt er der Zahl derer, die in der Zeit bis zum 1. Cito6er dies es Jayres mehr als 5000 und weniger als 10 0u0 Franien in Preisen verdient haben, sind zu erwähnen: der Engländer Rolls (8540 Franken), Wiencziers (7.00), Engelhardt (5670) und Grau (7500). Weniger als 5000 Franien haben gewonnen u. a.: Delagrange (700 Franken),

einer Gruppe der größten deutschen Banken be­ginnen, die entweder einen Vorschuß gegen Schahscheine zu ge­währen hat oder die Anleihe zu übernehmen bereit ist.

Türkische Vollskuudgebung für Kaiser Wilhelm.

Welche Stimmung gegenwärtig in der Türkei herrscht, geht aus folgendem Bericht hervor, den wir in mehreren Blättern lesen:

Zum Sonntag war in K o n st a n t i n o p e l von führenden türkischen und persischen Persönlichkeiten eine große politische Einspruchsversammlung ein* berufen worden, die in eine großartige, imposante Kund- febung für Deutschland und in eine begeisterte Huldigung ür Kaiser Wilhelm ausllang. Die Versammlung währte fünf Stunden. Zahlreiche hervorragende Politiker ergriffen das Wort.

Der russische Tartar Agajew, der sich durch tem­peramentvolle Bekämpfung der russischen Politik einen Namen gemacht hat, gab einen geschichtlichen Ueberb lick, der darin gipfelte, Europa habe feine Kultur vom Orient übernommen und benutze sie nun, um die orientalischen Völker zu unterdrücken. Die Türkei dürfe der Raub- politik Rußlands und Englands gegenüber nicht gleichgültig sein, da in Persien über eine Lebensfrage der Türkei entschieden werde und jene Machte eines Tages dieselbe Politik, wie jetzt gegen Persien, gegen die Türkei verfolgen könnten. Die Türkei müsse daher den Anschluß an die europäische Macht suchen, der solche Raubpolitil widerstrebe und die noch immer die mohammedanischen Völker beschützt habe.

Als zweiter Hauptredner erklärte der Komiteeführer Nadschi Bei, England habe seine Humanitätspolitik auf- gegeben mit dem Tage, da es mit Rußland jene Entente gegen den Islam geschlossen. Großbritannien habe seine Tradition als Beschützer unterdrückter Staaten verlassen. Als letzter Hauptredner sprach der Abgeordnete von Smyrna, Ubeidullah, ein einflußreicher Parlamen­tarier, in zündenden Worten zu der Versammlung, in der sich zahlreiche Offiziere, viele Abgeordnete, Kolnitceleute, Gelehrte und Geistliche befanden. Er führte aus:

Frankreich und England sind einstmals die Ideale der türkischen Freiheitsbestrebungen und des türkischen Libe­ralismus gewesen; beide haben uns schwer enttäuscht. Frankreich, das beut reaktionären Rußland Milliarden gegeben, macht unserem V e r f a s s u n g s st a a t e Schwierigkeiten bei einer. Anleihe, die man dem Iildiz in zehnfacher Höhe bewilligt hätte. England streckt seine Hand nach Persien aus, aber die Moham- medaner der ganzen Wett haben einen mächtigen Be­schützer, der ihnen zur Seite stand, wo immer sie be­drängt wurden, ob am Bosporus, in Mazeoonien oder in Marokko. Dieser Beschützer ist der deutsche Kaiser. Auf ihn richten sich in diesem historischen Augenblick die Augen der ganzen mohammedanischen Welt. Für die tür­kische Freiheit gibt es nur eine politische Kombination in Europa, bei der sie Verständnis finden kann, den Drei­bund, der ihre Interessen auch schützen wird. Wenn Sie mir daher erlauben wollen, werden wir anwesender: Mohammedaner, die wir sehr wohl für den ganzen Islam sprechen können, da ich Verrreter aller mohammedanischen Stämme hier um mich sehe, ein Danktelegramm an den deutschen Kaiser senden, um chn, den treuesten Beschützer des Islams, zu bitten, seine Hand auch über unsere bedrängten Brüder in Persien zu halten.

Jubelnder Beifall belohnte den Redner, der darauf er­klärte, ich nehme an, daß Sie nicht mir, sondern dem deutschen Kaiser zujubeln. Alles erhob sich von den Sitzen und dreimal durchbrauste der Ruf: Jaffa schim Guilebeo Jkkindschi (Hoch lebe Wilhelm II.) den Saal. Ein von der Versammlung gewählter Ausschuß hat das Hul-, digungstelegramm rebigtcrt, welches am Sonntag abgrng.

Persien und England.

Aus englischer Quelle wird jetzt übrigens behauptet, die Verhandlungen Persiens mit einem britischen Finanz- inftitut schritten günstig fort:

London, 24. Okt. Das Reutersche Bureau erfährt, die persische Regierung leitete einige Tage nach dem Eintreffen berf letzten englischen Note in Teheran mit der Kaiserlich Persischen Bank zwecks Aufnahme einer bprozenligen Anleihe von 1 200 000 Pfund Verhandlungen ein. Die Anleihe soll zur Konversion der teils bestehenden Schuld und für andere Staatszwecke, u. a. die Einrichtung eines Sicherheitsdienstes auf den Straßen im Süden Perfiens verwendet werden.

Nach einer Blätlermeldung nehmen die An leihe Verhandlung en) zwischen der persischen Regierung u. einem britischen Finanzinstitut welches bedeutende Interessen in Persien besitzt, einen gün­stig e n F o r t g a n g. Die Anleihe wird ungefähr l1/* Millionen Pfund Sterling betragen und durch die Zölle der Südküste sicher­gestellt werden.

politische Sagesscli^n.

Die Aeichsfinanzen.

DerReichscrnzeiaer" veröffentlicht eine Ueberjidjt der Einnahmen aus den Zollgebühren für Die Zeit vom 1. Llpril bis Ende September. Danach betrug die Solleinnahme an Zöllen nach Abzug der Ausfuhr­vergütungen usw. 327 647 247 Mk., die Jsteinnahme 305 629 3o5 Mk., gegenüber einem Jahresvoranschlag von 631 900 000 Mk.

Bei der Tabaksteuer betrug die Solleinnahme 5 308 416 Mk., die Jsteinnahme 4 987 494 Mk., der Jahres­voranschlag 14 413 000 Mk.; bei der Zigaretten st euer 14 401645 Mk., 10 942159 Mk., 23 711000 Mk. Bei der Verbrauchsabgabe für Branntwein 85 568025 Mk., 71329511 Mk., 180 000 000 Mk.; bei der Essigsäure­verbrauchsabgabe 306 637, 250 381, 503 940 Mk., bei der Schaumwein st euer 4 883 279, 4 948 773, 19 210 000 Mark; Leucht mittel st euer : 4 320 586, 4 068 029,

15 013 000 Mk.; Zündwarensteuer: 7292176, 6 280 283, 15 010 000 Mk.

Brau st euer und Nebergangsabgabe von Bier: 55 930 483, 53 019 774, 111500 000 Mk., Spielkarten- stempel: 792 148, 894 108, 1819 200.

Wechselstempelsteuer: 9314 266, 9314266,

20 000 000 Mk., Reichsstempelabgaben a) von Wert­papieren: 24 058833, 23 577 656. b) von Gewinnanteil- scheinen und Zinsbogen 2 590 093, 2 451144 Mk. (der Jahresvoranschlag für a) und b) zusammen 49 000 000 Mk.), c) von Kaus- und sonstigen Anschafsungs^eschästen 11586 715, 11352 138, 13 520 000 Mk.; d) von Lotterielosen a) für Staatslotterien 12 236 909, 12 236 909, 31325 500 Mk., b) für Privatlotterien 10107 393 Mk., 9 981449, 10 850 000 Mk., c) Frachturkunden 7 878 705, 7 721131,14 700000 Mk.; f) von Personensayrtarten 11123 942, 10901463, 18620 000 Mk.; g) von Erlaubnis t arten für Kraftfahrzeuge 1925 217, 1886 712, 1960 000 Mk.; h) von Vergütungen an Mit­glieder von Aufsichtsräten 2 801174, 2 745151, 3 920000 Mark; i) von Schecks 1 984 608,1 984 608, 1 944 916, 7 350 000 Mark; k) von Grundstücksüberttagungen 20194 702,

Hauptmann Ferber (200), Grade, Lindpaintner, Santos Dumont (KOO), Wachter, Wiesembach und schließlich die bekannte Fliegerin Baronin de Laroche, die 169 Franken einnahm. Sie soll jedoch vom Aeroklub noch einen Damenpreis von 5000 Franken erhaltem

Aber diese Zahlen geben nur die gewonnenen Preise, nicht die gesamten Einnahmen der Flieger, die in vielen Fällen die Preisgewinnste bei weitem überflügeln. Als Paul Han z. B. im Frühjahr in Los Angeles, in Florida und in den Vereinigten Staaten flog, hatte er einen drei­monatigen Vertrag, der ihm eine Monatseinnahme von 100 000 Franken gewährte. Nicht ungünstiger waren seine Verträge über die Flüge in Douai, Touruai und Verona, so daß man nicht fehl gehen wird, wenn man Paulyans Ein­nahmen während der letzten 13 Monate auf fast eme Million Franken beziffert. Auch L a t h a m hat für feine Teilnahme an den Wettflügen von Blackpool, Berlin, Heliopolis, Rouen usw. stattliche Gehälter gezogen. Während Blsriot in der Liste der Preisgewinner mit 42 000 Franken ziemlich weit zurücksteht, hat er außerordentlich große Einnahmen aus feinen Flügen in Wien, Bukarest, Konstantinopel und Köln erhalten. Leon Delagrange, der nur <00 Franken gewann, verdiente allein in Doncaster 90 000 und in Spa 15 000 Franken. Frau Frank erhielt 12500 Franken für ihren Flug in Boldon, und die gleiche Summe für ihre Flüge in Newcastle, Fräulein Dutrieu verdiente durch einen Vertrag für Fluge in Rußland 50 000 Franken, und für die gleiche Summe hat auch die Baronin de Laroche nach Rußland abgefchlosfen. Wenn man die Beträge, die auf diese Weise den Fliegern zugefloisen sind, höchst be­scheiden mit 2 000 000 Franken ansetzt, so ergibt sich, daß zusammen mit den Preisen an 10? Flieger öi/2 Millionen ausgezahlt worden sind, so daß auf jeden Flieger rund 47 OoO bis 50 000 Franken entfallen.

Aber diesen Zahlen steht auch die schwarze Liste derer gegenüber, die im Kampfe mit den LüEen iHr Leben verloren haben. In den letzten 13 ^Monaten sind nicht weniger als 2 4 junge, tatkräftige und hosfnungsvolle Menschenleben für den Fortschritt geopfert worden: Lefebvre, Ferber, Bojsi, Fernandez, Delagrange, Le Blon, Hauvette-Michelin, Jofely, Robl, Wachter, Speyer, Ploch- mann, Haas, Matiewitch, Rolls, Daniel Kinct, Nikolas Kmet,

Waldern, Pasca Viocudi, von Pttter, Maasdyck, Hamüton, Poiklot, und dann der kühnste von allen, Chavez, der Be­sieger der Mpen.

*

Direktor Weingartner, der Leiter der Wiener Hofoper, gab frii wiederholten Malen die Erklärung ab, daß er die Ges ck)ä s t e des Hofoperntheaters unter keänen Um­ständen behalten wolle, da er künstlerischen Neigungen nach- zugeben sich gedrängt fühle. Infolgedessen ist die Hofopeniverwal- tuug mit dem Direktor der Komischen Oper in Berlin, Hans Gregor, in Verbindung getreten und verpflichtete diesen zuck Uebernahme der Direktion des Hosoperntheaters. Der Wechsel der Direktion sindet im Frühjahr 1911 statt.

Hansischer Geschichtsverein. Aus Ham­burg wird uns gemeldet: Durch Beschluß des Senats und der Bürgerschaft von Hamburg ist dem Hansischen Geschichtsverein für die Jahre 1911 bis 1915 eine jähr­liche Unterstützung von 2500 Mk. bewilligt worden. Das Arbeitsfeld des Vereins hat in den letzten Jahren eine bedeutungsvolle Ausdehnung dadurch erfahren, daß die Be­arbeitung der deutschen Verkehrs- und Seegesckichte aus­genommen worden ist. Der Verein läßt sich damit am gelegen sein, im besten Sinne volkstümlich zu wirken, lväh- rend die früher von ihm vornehmlich gepflegte Heraus­gabe von Urkunden, Akten und anderem archivalischen Ma­terial für die hansische Geschichtsforschung kedigksch für die Gelehrtenwett in Betracht kam.

Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Bei der 2 5j übrig en Jubelfeier des Heidelberger Bach- Vereins wurde der General-Musikdirektor Professor Dr. Wol­frum von der theologischen Fakultät Heidelberg zum Ehren­doktor pronwviett. Bei dem geftrigen Festmahl überreiclstck Prinz Wilhelm von Sachsen-Weimar im Namen opferwilliger! Kunstfreunde dem Vorstand des Back-vereins die Urkunde cineu Spende von 10 0 0 0 Mark als Bach-Vereins-Jubi- laums-Stiftung. Am Montag ft a r b in Paris der Marquis de Massa, der am Hose des zweiten Kaiserreiches eine hervorragende Rolle gespielt und sich als Verfasser dramatischer Scherzspicle einen Namen gemacht hat, im Alter von 79 Jahren. In Wien ist der Maler und Professor an, der Akademie der bildenden Künste Sigismund L'Alle-« m a n d im Alter von 71 Jahren geworben. In Prag hat sich der tschechische Komponist Ferdinand L a ch n e r infolge. Nervosität erhängt. Lachner war 54 Jahre alt.