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Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^BL Redaktion:^^112. Tel.-AdruAnzeigerGießen.
Rotaüonsdruck und Verlag der Br üblichen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Aehrenthal in Berlin.
Wir erhalten aus Berlin folgende Mitteilungen, die, wenn sie sich als ganz zutreffend erweisen sollten, manche Sorge beseitigen würden:
Am heutigen Dienstag trifft der österreichisch-ungarische Minister des Auswärtigen, Graf Lexa o. Aehrenthal, in der Reichshauptstadt ein. Er wird an demselben Tage vom Kaiser in Audienz empfangen werden und abends an einem Diner bei dem Staatssetretär des Auswärtigen, Herrn von Schoen teilnehmen. Am Mittwoch findet in der österreichisch-ungarischen Botschaft ein Festessen statt, zu dem auch der Kaiser sein Erscheinen zugesagt hat, und am Donnerstag wird Graf Aehrenthal Gast des Reichskanzlers sein, um noch am Abend desselben Tages die Heimreise über München anzutreten.
Selbstverständlich ist dieser Besuch zunächst als eine Erwiderung der Antrittsvifite aufzufassen, die Herr von Bethmann-Hollweg im September v. Js. dem Kaiser und ben Leitern der österreichisch-ungarischen Politik in Wien machte. Die Erörterung der internationalen und der Dreibundspolitik wird aber ohne Zweifel im Mittelpunkt der Gespräche des Grafen Aehrenthal mit den deutschen Staatsmännern stehen. Reben der Kcetasrage, an deren Lösung, wie es ja heißt, sich auch Deutschland und Oesterreich-Ungarn beteiligen wollen, neben den verschiedenen Balkanproblemen und der Lage in Griechenland, bte ja jetzt verwirrter denn je ist, wird es vor allem das BerhältnisOesterreich- Ungarns zu Italien und zu Rußland sein, das den Diplomaten Stoff für ihre Unterhaltungen liefert, ohne daß dabei freilich bindende Beschlüsse nach der Seite einer anderen Orientierung der deutsch-österreichischen Politik gefaßt werden dürsten. Insbesondere dürsten die jetzigen Erörterungen dem Reichstanzler die Grundlage für Vorstellungen in Rom geben, wenn er dort während der parlamentarischen Osterferien seine Antrittsvisite macht. Die V e r st ä n d i g u n g s a k t i o U zwischen Oesterreich und Rußland, die im Januar cinsetzte, hat in Verbindung mit gewissem höfischem Parkettktalsch in Deutschland recht viel Staub aufgewirbelt. Man glaubte, anncymen zu müssen, daß Graf Aehrenthal, wie bei der Besitzergreifung Bosniens, so auch bei der Verständigung mit Rußland seine eigenen, vor Deutschland geheimgehaltenen Wege gehen wollte. Diese Annahme aber hat sich als irrig erwiesen. Die Berliner Wilhelmstraße ist vom Weener Ballplatz aus über Beginn, Verlauf mio Inhalt der Verhauetungen mit der Säug erdrücke stets auf dem Lausenden gehalten worden, und in Berlin har man gerne anenannt, daß eine öfter-
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener Zamllienblätter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich bcigelegt, das ^.Kvdsblatt für den Ureis Gießen" zweimal wöchentlich Die „Landwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
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Reichrtagspräsident Graf Stolberg.
Ueber die Persönlichkeit des verstorbenen Reichstags- Präsidenten wird uns aus Berlin noch geschrieben:
Graf 11bo zu Stolberg Wernigerode, der Präsident des deutschen Reichstages, kränkelte schon seit geraumer Zeit, so daß es schon im Jahre 1908 nötig war, einen Aushilss- prasidenteu für ihn zu wählen. Der Reichstag wird sich nun zur definitiven Wahl eines Präsidenten entschließen müssen, wobei es nicht ausgeschlossen erscheint, daß bei dieser Gelegenheit auch die Wahl eines zwerten Vizeprüstreuten nötig wird, da, wie man zu wissen glaube, Prinz yohenlohe-Laugerrburg dieses Amt, das er einigermaßen Unfreiwillig übernahm, und das ihm bisher nur Wider- 'värtigkeiten brachte, lieber heute als morgen niederlegen möchte. »
Der verstorbene Präsident gehörte der schlesischen Seitenlinie des bekannten .Danses an und besaß, wie fern Vater, der sich 1866 um die freiwillige Krankenpflege große Verdienste erworben, und als Oberpräsident von Schlesien starb, dre schlesische Fideitommißherrschast Krcppelhof und Oie ostpreußische Dönhoffstadt. Welchen Ansehens sich Gras
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Landwirtschaft.
** Der Anbau von Braugerste tvar infolge der niedrigen Preise im letzten Jahr wenig lohnend. _ Ta an sich der Anbau dieser Frucht mehr Arbeit ui;d Sorgfalt verlangt., wie der anderer Getreideartcn und auch ein größeres Risiko mit Rücksickst auf den Einfluß, schlechter Witterungsverhältnisse auf die Qualität bedingt, sind die Landwirte leicht geneigt, die Anf- baufläche dieser Kulturpflanzen einzuschränken. Es ist aber zu bedenken, daß, durch entspreck)ende Düngung, Bodenbearbeitung und Svrtenauswahl der Ertrug an Körner gesteigert und die Qualität günstig beeinflußt wird. Besonders die Auswahl der für bte; Boden- und klimatischen Verhältnisse geeigneten Sorte ist wichtig. Der Landwirt muß mehr wie seither die für feine Verhältnisse geeignete Sorte wählen. Vor allem sollten auch die Landwirte mehr eine Sorte anbauen, um dadurch dem Käufer zu ennöglid>en, von einer Sorte und Qualität größere Mengen in einer bestimmten Gemarkung kaufen zu köirnen. Während die Riedgerstc in erster Linie für die Gegenden des Rieds in, Betracht kommt, dürste Hanna-Gerste zu empfehlen sein, too außer bekannten Landsorten oder im Stroh stärkeren, Jmperialgersten zweckmäßigerweise nicht an gebaut werden. Tie Jmperialgerslen wie Rem burtvn malting, Goldthorp^ verlangen mehr Fenchtigteit im Boden wie Ried- und Hannas Gerste. Tie angegebenen Sorten haben sich beim Anbau in der Praxis gut bewährt. Saatgut davon können die Landwirte aus den Saatbaustellen der Landwirtschaftskammer beziehen.
** Die Pferde- und Fohlenauktion in Darm-, stadt, die am nächsten Freitag statlfindet, wird mit 118 Pferden und Fohlen beschickt sein. Den Katalog, den die Landwirtschaftskammer in Darmstadt versendet, führt Tiere getrennt nach ArbeitS- und Johlen beschickt sein. Der Katalog, den die Landwirtschafts- kammer in Darmstadt versendet, führt die Tiere getrennt nachArbeits- Gewährsmängel und sind verpfliästet, etwaige Fehler der Tierq anzugeben.
Stolberg-Wernigerode, der noch ein Konservativer von altem Schrot und Korn ohne agrarische Färbung war, bei allen Parteien.des Reichstags erfreute, geht besonders daraus hervor, daß trotz der veränderten innerpolitischen Situation bei seiner letzten Wahl zum Präsidenten auf thn von 258 gültigen Stimmen 256 entfielen, also auch dre Gegner des neuen Blockes nicht gegen ihn stemmten, sondern sich mit der Abgabe weißer Zettel begnügten. Und dieses lersönliche Ansehen verdiente Graf Stolberg. Zwar wurde er stets nervös, wenn es im Reichstag zu stürmischen Debatten kam, aber er blieb dennoch immer Herr der Situation, weil er es verstand, mit einer Art behaglichem Humor, der niemand verletzte, die Differenzen zwischen den einzelnen Parteien hinsichtlich der Geschäftsordnung zu schlichten und eines Amtes mit einer über allen Zweifel erhabenen Ge- rechtigkett zu walten. ~ „
So bedeutet der Tod des Grafen Stolberg für den deutschen Reichstag einen großen Verlust. Sein voraussichtlicher Nachfolger, Hans Axel Tammo Graf von Schwerin-Löwitz, ist Präsident des deutschen Landwirtschaftsrats. Er wurde am 19. Mai 1847 zu Schwerins- burg geboren, besuchte das französische Gymnasium in Berlin, machte dann im Kürassierregiment Nr. 7 die Feldzüge mit und bewirtschaftet jetzt — gleichzeitig Kammerherr und ErbMchenmeister von Pommern — das Familiengut Löwitz. Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses ist er seit 1896 und des deutschen Reichstags schon seit 1893 (Anklam-Demmin).
Berlin, 21. Febr. Die Wahl des neuen Präsidenten des Reichstags findet voraussichtlich erst in der nächsten Woche statt. Graf Schwerin-Löwitz hat sich bereit erklärt, die Würde anzuneymen. In parlamentarischen Kreisen glaubt man, daß der Reichstag nicht in die Karwoche hineintagen wird, wie es der Seniorenionvent vorgesehen hat, sondern daß man die beiden verlorenen Tage dadurch einholen kann, indem man die vorgesehenen Schwerinstage aus fallen läßt.
Der verstorbene Reichstagspräsident Graf Stolberg war der zehnte Präsident des deutschen Reichstages. Bekanntlich wurde er am 20. Februar 1907 zum erstenmal gewählt. Ter erste Reichstags- Präsident war Dr. v. Simfon, der die Geschäfte des Reichstages bis zum Jahre 1874 führte. Sein Dtechfvlger war der Abgeordnete und Berliner Oberbürgermeister Forckenacck, der am 20. Mai 1879 wegen zollpvlitischer Fragen fein Präsidium niederlegte. Es trat nun an feine Stelle ein konservativer Abgeordneter Theodor von Setzdewitz, während der Zentrnmsabgeordnete Frhr. v. Francken- ftein erster Vizepräsident wurde. Seydewitz war aber nicht lange Reichötagspräsident, da schon am 13. Februar 1880 Graf Arnim- Do itzenburg an seine Stelle trat. Auch ihm >var kein langes Wirken beschieden. Ein Jahr später am 17. Februar 1881 wurde Herr v. Goßler Reicl>stagspräfident, der kaum 9 Monate seines Amtes waltete, da idjon am 19. Nov. 1881 ihm Herr v. Levetzow die Bürde seines Amtes obnahme. Dieser^ Reichstagspräsident legte fein Abgeordnetenmandat nieder, so daß am 22. November des Jahres 1884 Herr v. Wedel-Pilsstorf zum Präsidenteti des Reich s- rages gewählt wurde. Nach den Neuwahlen im Jahre 1887 wurde der alte Neichstagspräfident aufs neue gewählt und er blieb in dieser Würde bis zum Jahre 1890. Im Jahre 1890 löste ihn Herr v. Levetzow ab. Ter erste Vizepräsident wurde Gras Balle- strem, der spätere Reichstagspräsident. Levetzow war 5 Jahre als Präsident tätig Und wurde am 27. März 1895 von dem Frhrn. v. Buob-Berenberg, dem ersten Reichstagspräsidenten, der zur Zentrumspartei gehörte, abgelöst. Sein Nachfolger war Graf Ballestrem, der am 7. Dezember 1899 zum Präsidenten gewählt wurde und gleicherweise wie fein Vorgänger der Zentrumspartei als Abgeordneter angehört hatte. Baltestrems Nachfolger war der soeben verstorbene Graf Stolberg, der 3 Jahre seines Amtes waltete.
reichisch-ruffische Verständlgung über die Balianfragen im Interesse des Dreibunds und des Volkerfrreden!-läge.
.Auch was Oesterreich-Ungarn und Preußen-DeutMmrd speziell unter sich abzumachen haben, ift kemesMls bedeutungslos. Die Erneuerung des Dreibunds steht m einigen Jahren bevor, der Handelsvertrag zwischen beiden Ländern bedarf in noch kürzerer Zeit der Verlängerung, und die Frage der Schiffahrtsabgaben bildet wegen der Elbakte für Preußen und Oesterreich eine gemeinsame Angelegenheit. Bei den Schifsahrtsabgaben kvird Preußen tief m die Tasche der Konzessionen greifen müssem um Oesterreich für sie zu gewinnen. Oder soll etwa der ^eLunbanten» dienst, den Deutschland Oesterreich-Ungarn im vorigen Frühjahr gelegentlich der Baltanwirren leistete, bereits die Vorausbezahlung bilden für die Zulassung 'ber schrffa^rts- abgaben auf der Elbe?
Berlin, 21. Febr. Die „Norbbeuische Allgem. Zig." schreibt: Der österreichisch-ungarische Minister des Aeußern wird am Dienstag in Berlin eintressen, um den Besuch zu erwidern, den der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg un vorigen Herbst in Wien abstattete. Als Leiter der politischen Geschicke der uns verbündeten Monarchie ist Graf Aehrenthal des herzlichsten Empfanges sicher. Die Sympathien, mit denen wir dem Besuche entgegensetzen, werden vertieft durch die frische Erinnerung an Ereignisse von historischer Bedeutung, wobei sich die Allianz zwischen Oesterrerch-Ungarn und dem Deutschen Reiche bewährte. In dieser Perwbe ist dem Grafen Aehrenthal eine weithin sichtbare Rolle beschieden gewesen. Als furchtloser, unerschütterlicher Verfechter der ihm anvertrauten Interessen der österreichisch- ungarischen Monarchie erwarb er sich einen Ehrenplatz m der Geschichte des habsburgischen Reiches. Die Pflege der Be- ziehungenzuDeutschland behandelte er, alten Traditionen und eigener Ueberzeugung folgend, mit Vertrauen, das ebenso rückhaltlos erwidert wie gegeben wird. Unter diesem Zeichen des gegenseitigen Vertrauens wird auch der Besuch in der deutscheii Hauptstadt stehen. Wir begrüßen den ausgezeichneten Staatsmann in Berlin und heißen ihn von Hetzen willkommen.
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Deutscher Reichstag.
'41. Sitzung, Montag, 2L Februar.
Der Präsidentenstuhl ist schwarz umflort
An den Tischen des Bundesrats haben der Reichskanzler, die Chefs sämtlicher Reichsämter und eine Reihe preußischer Minister auf bet einen Seite, auf der anderen Seite sämtliche Vertreter der anderen Bundesstaaten Platz genommen. In der Hofloge sind in Begleitung eines kaiserlichen Adjutanten die Damen des Stolbergschen Hauses mit dem Schwiegersohn des verstorbenen Präsidenten, dem Grafen Eulenburg-Praffen, erschienen.
Die Abgeordneten in schwarzer Kleidung sind sehr zahlreich anwesend.
Vizepräsident Dr. Spahn
tritt neben den Sessel des Präsidenten und halt, wahrend die Versammlung sich erhebt, folgende Ansprache: Ich habe dem hohen Hause eine traurige Mitteilung zu machen. Mit bangem Zagen lind wir den Nachrichten gefolgt, die seit Wachest über das Befinden unseres Präsidenten unS zugekommen sind. Tieferschüttert hat uns die Kunde getroffen, daß unser Präsident uns entrissen ist. Dr. Graf zu Stolberg-Wernigerode, der von uns allen Hochverehrte, der bis zur Weihnachtspause das Amt des Präsideisten verwaltet hat, lebt nicht mehr. Der Herr über Leben und Tod hat am Samstag abend 6% Uhr seinem zeitlichen Wirken ein Ziel gesetzt. Das erstemal hat der Tod dem hohen Hause seinen Präsidenten mitten aus seiner Tätigkeit heraus hinweggenommen. Auf den Schlachtfeldern Böhmens und Frankreichs hat der Ent. schlafens in blutigem Ringen dem deutschen Volke des neuen Reiches Herrlichkeit mit er ft ritten. Bei Königgrätz lag er schwer verwundet. In Siebe zu Kaiser und Reich hat er seine volle Kraft im öftentlichen Leben wie im Verwaltungsdienst mit der gleichen Begeisterung wie draußen für die Ehre und Größe des Vaterlandes im Innern für des Volkes Wohl und Heil erfolg- ^^^Jm^Rci^stag vertrat er den Wahlkreis Oletzko-Lhck-Johannes- burg. In fast 30jähriger Zugehörigkeit zu unserem Hause haben wir in der gemeinsamen Arbeit für das Reich bie ebel« männische G e s i n n u n g d e's Verstorbenen schätzen gelernt. Der Reichstag ist seiner Persönlichkeit durch die Wahl zu seinem Präsidenten gerecht geworden und hat ihm damit den —rt- but seiner Anerkennung gezollt. Seines Amtes hat er mit Treue, Liebenswürdigkeit und Unparteilichkeit, mit Sachkunde und Ge- schäftskenntnis gewaltet. Unter seinem Präsidium hat der Reiws- tag Beschlüsse gefaßt, die für die Geschichte des deutschen Volkes von weittragender Bedeutung sein werden. Der Tod hat ihn uns wie der gräflich Stolbergschen Familie nach menschlichem Ermeßen zu früh entrissen. Nicht einmal den siebzigsten Geburtstag hat er erreicht. Doch der Wert des menschlichen Lebens wird nicht durch seine Länge bestimmt. Gute Arbeit gibt herrlichen Lohn. Für die Mühen, Arbeiten und Sorgen, welche der Verstorbene unserem Hause und dem deutschen Volke gewidmet hat, wird ihm mit uns das deutsche Volk ein dauerndes und warmes Gedenken bewahren. An dem unersetzlichen Verlust, den die gräflich Stolbergsche Familie erlitten hat, nehmen wir tiefgefühlten innigen Anteil. Unsere aufrichtige Anteilnahme möge dazu beitragen, den Schmerz der Familie zu lindern. Das hohe Haus bitte ich, mich zu ermächtigen, der Frau Gräfin und
.. der gräflichen Familie unsere Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen. Da niemand widerspricht, nehme ich an, daß diese Ermächtigung hiermit erteilt ist.
' Reichskanzler v. Bethmann Hollweg:
Der schwere Verlust, den der Reichstag durch den Tod seines Präsidenten erlitten hat, wird von den verbündeten Re. gierungenschmerzlich mitempfunden. Der deutsche Kaiser und der Bundesrat fühlen sich eins mit dem Reichstag in der Würdigung der Verdienste, die sich der Verstorbene um das Wohl des Reiches erworben hat. Die Pflichten eines hohen Amtes waren ihm Inhalt seines Lebens, und ihre treue Erfüllung sichert diesem deutschen Mann Achtung, Dankbarkeit und Liebe nicht nur im Reichstage, sondern bei allen, welche berufen waren, in Gemeinschaft mit ihm dem Vaterlande zu dienen.
Vizepräsident Dr. Spahnr
Eingegangen ist ein Beileidstelegramm Sr. Kgl. Hoheit des Prinzregenten Luitpold von Bayern aus Hohenschwangau: „Dem Präsidium des Deutschen Reichstags spreche ich aus Anlaß des schweren Verlustes, den es durch den Heimgang seines hochverdienten Präsidenten, des Grafen Udo von Stolberg-Wernigerode erlitten hot, mein aufrichtiges Beileid aus." Ferner folgendes Telegramm von dem früheren Präsidenten, Grafen von Ballest r e m : „Euer Hochwohlgeboren erlaube ich mir meine tiefgefühlte Teilnahme für den schweren Verlust auszusprechen, den der Reichs, tag und fein Präsidium aus Anlaß des Hinscheidens des Präsi- benten Grafen von Stolberg-Wernigerode, meines langsährigen Mitarbeiters und Htachfolgers, erlitten hat und bitte diese Teilnahme dem Hause zur Kenntnis zu bringen."
Weitere Beileidsbezeugungen sind von den Regierungen von Bayern, Baden, Württemberg und Hessen eingegangen und werden von dem Schriftführer verlesen. Ebenso eine B e i l e i d s k u n d g e bu n g namens des Hauses der Abgeordneten.
Vizepräsident Dr. Spahnr
Ich schlage Ihnen vor, die heutige Sitzung nicht abzuhalten, sondern btc Verhandlungen abzubrechen. — Da niemand widerspricht, nehme ich Jbr Einverständnis an.
Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr: Reichskontrollgeseh, Etat des ReichsantteS des Innern.
Schluß W2 Uhr.
Sport
** Der „Gießener Ballfpielklub 1904" hat in der letzten Spieteeit die M e i st e r f ch a f t in der L-Klasfe bes 8. Bezirks bes Westdeutschen Spielverbandes mit der ersten und der zweiten Mannschaft errungen. Aus diesem Anlaß hielt er am letzten Samstag ein Winterfest, verbunden mit Sieges^ feier, auf der Liebigshöhe ab. Die stattliche Anzahl der Erschienenen bekundete durch ihre Anwesenheit ihr Interesse am Rasensport und der Veranstaltung. Von Brudervereinen waren vertreten der Gießener Fußballklub 1900, der Gießener Verein für Bewegungsspiele und der Frankfurter Fußballklub Alemannia, äußere dem der Männerturrtverern Gießen und der Ruderklub Hasste Für dre Unterhaltung war aufs beste gesorgt. Neben einem flott gespielten Theaterstück und verschiedenen komischen Vorträgen erregten besonders die lebenden Bilder lebhaftes Interesse, es wurden Acomente aus dem Zliasenfport dargestellt. Nach Schluß des Programms folgte Tanz. Am Sonntag nachmittag spielte die erste Mannschaft des Ballsvielklubs gegen die erste des Frankfurter Fußballklubs Alemannia. Eine große Zuschauerzahl umrahmte das Spielfeld und verfolgte den 'Verlauf mit lebhaftem Jntereste. Anfangs schien es, als wollten die- Gaste den Sieg mit nach Hause nehmen, denn zur Halbzeit führten
mck 2:1 Toren; aber in der zweiten Spielhälfte konckten die Ernhermtichen noch 4 Tore buchen; ein Freistoßtor und ein Ab- teftstor wurden nicht gegeben^ die Gießener errangen einen schönen Lrieg mit o: 2 Nach dem Spiel fand man sich mit den Gästen zu einer gemütlichen Nachfeier auf der „Germania" ein.
.... Bezirkstag des Hess. A 1 h 1 e t e n-V e r b a n d c s. Am «onntag tagte un Vereinslokal des Athl.-Klub Germania u;
der 2. B ezirkstag des III. Bezirks vom Hess. A^-Erband. Ter 2. Verbandsvorsitzende Mackenroth- Friedberg erössnete die Tagung mit einer Begrüßung und gedachte hierbei des verstorbenen Verbandsmitgliedes Aug. Trep- Pinger-Gießen. Zu dessen Ehren erhoben sich die Anwesenden von ihren sitzen. Vertreten luaren alle Vereine. Der Athleten Klub „Einigkeit" Gießen und der I. Stemm und Ring-Klub Friedberg wurden in den Bezirk ausgenommen. Bei der Vor standswahl wurden gewählt: 1. Bors : E. Simon, St u R ^lub Götzen; 2 Vors.: I. Schneider, St. u. R.-Klub Marburg; Lchriftlührer: Albert dteidel-Heuchelheim; Kassier: Karl .'ckacken- roth, „Germania" Friedberg: Stemmwart: H. Semmler-Wetter - Ringwart: K. 5)ormel-Marburg; Beisitzer: H. Dörr, St u R- ?lub«5yt-c-bl)ct"9- Bezirksfest, das im Mai stattfindel, wurde, dem Kraftiportverein Wetter übertragen. Als Hebungen wurden sestgeietzt: Gruppe A: Schleuderballweitwerfen, Steinstoßen aus "^2 Meter Quadrat, beidarmig Stoßen. Gruppe L: Laufen über 100 Nieter, Diskuswerfen, Kugelstoßen mit Anlauf, Schleuder-
Zweites Matt 160. Jahrgang Dienstag Februar 1010
Gietzener Anzeiger Emeral-Anzeiger für Gberhessen


