Ausgabe 
22.2.1910 Erstes Blatt
 
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Die Versüssung für Bosnien und die Herzegowina.

Die motnigcn Amtsblätter in Wien, Budapest und Sarajevo Veröffentlichen die vorn .Vaijer sanktionierte Verfassung für Bos­nien und die .'ocrgenoimitti. Das Landesstaluk für Bosnien und die ftcrAegonnna bestimmt, dass diese Länder ein Verwallungsgebiet bilden, das unter der Leitung und Oberaufsicht eines gemeinsamen Ministeriums steht 3n die Kompetenz des Landtages fallen die inneren Angelegenheiten Bosniens und der Herzegowina, sowie auch das Budgetrecht, während d>e Fragen, die die Inte- essen Oesterreichs oder Ungarns oder der ganzen Monarchie be- rühren, nicht in seinen Wirkungskreis gehören. Die Gesetzent­würfe des Landtages bedürfen der Kaiserlichen Sanktion, nach­dem die Regierungen der beiden Staaten der Monarchie vorher ihre Zustimmung zu ihnen erteilt haben. Der Landtag wird in der Regel einmal im Jahre vom Kaiser ciitbcrufcn. Der Kaiser ernennt alljährlich aus den Mitgliedern des Landtages den Präsi­denten und zwei Vizepräsidenten: jede der drei Hauptkonfessionen des Landes must im Präsidium vertreten fein.

Hinsichtlich der Angelegenheiten, an welchen außer Bosnien und der Herzegowina auch einer oder beider Staaten der Monar­chie interessiert sind, wird ejit neingliedriger, durch den Landtag auls feiner Mitte geivählter Landesrat eingerichtet. Der Lan­desrat ist ein Beratungskörper mit konsultativer Stimme, welcher durch die Regierungen der beiden Staaten durch Vermittelung des gemeinsamen Ministeriums befragt wird und seinerseits auf dem gleichen Wege als beide Staaten Vorstellungen machen kann.

Die Wahlordnung, welche für die 72 gewählten Ab- geordneieu festgesetzt ist, ist das Dreikurienshstem' auf lonfessio- nellc;r Grundlage, in der zweiten und dritten Kurie allgemeines und direktes Wahlrecht. Die Mitglieder des Landtages sind 1 ) 20 Vlrilisten, darunter die Chefs sämtlicher Konfessionen, 2.) 72 gewählte Abgeordnete. Jede der drei Hauptkonfessionen wählt die aus sie nach der Bevölkerungsstatistik vroportionell entfallende Zahl Abgeordnete für sich, wodurch der Schutz der Minderheiten gewährleistet wird. Demnach sind für die Katholiken 16, für die Zflamiten 24, für serbisch-orthodoxe 31 und für die Israeliten ein Mandat gesichert.

mit großem Erfolg aufgeführt wurde, hat auch hier seine Wirkung nicht verfehlt. Die Rollen waren gut besetzt, jeder Spieler trug sein Möglichstes zum guten Gelingen des . Stückes bet. Das Zusammenspiel war vorzüglich. Die ! Dekoration und die Kostümierung waren ebenfalls gut. Die Pausen wurden durch Musikoorträge eines Streichquartetts (Mitglieder des Orchestervereins) ausgefüllt.

** Der Hungerkünstler Ricardo Sacco wurde gestern nachmittag um V35 Uhr im Kolosseum in sein ' Glashaus eingeschlossen, in dem er sich nun 40 Tage lang auf- zuhalten gedenkt. Das Gemach, in dem sich der unentwegt.. 1 «jüngerer während seiner freiwilligen Gefangenschaft aufhält, ist etwa 24 Geviertmeter groß und enthält eine vollständige Einrichtung. Die vier Seiten bestehen aus Glaswänden über einem Drahtsockel und auch die Decke ist aus Drahtgeflecht. Außer einigen Büchern hat Sacco 1000 Zigaretten und ! eine größere Menge von Mineralivasser ausgenommen, das seine einzige Nahrung sein wird. Nach einem Musikstück wurde Sacco gewogen sein Gewicht beträgt 65 Klgr. und nach einer kleinen Ansprache verließ er die Welt und zog sich in sein Kämmerlein zurück, wo er nun unbeirrt von allem weltlichen Treiben seine 40tägige Hungerkur durch- macht. Während eines zweiten Musikstückes wurde dann die letzte Scheibe in das Häuschen eingesetzt und die zahlreich anwesenden Neugierigen zerstreuten sich, um den anderen Schaulustigen Platz zu machen. Während der Dauer der Vorführung wird Sacco von Mitgltedern der Sanitätskolo ne I bewacht.

** Nochmal«Nebenverdienst durch Ad ressen­schreib en!" Rian schreibt uns vom Lande: Ein schreib- gewandter Arbeiter teilte mir auf die Besprechung des I Adressenschwindels in den letzten Nummern Ihres geschätzten I Blattes hin mit, daß auch er sich vor Weihnachten bei dec genannten Firma in Böhlitz-Ehrenberg zum Adressenschreiben gemeldet habe. Es ging ihm daraufhin ein Schreiben zu I mit der Bitte, 1,90 Mark einzusenden, worauf die Lieferung des nötigen Materials erfolgen könne. Der Mann überlegte sich die Sache noch einmal, schöpfte Verdacht und unterließ die Einsendung. Nach etwa 34 Wochen erhielt er dann eine Zuschrift einesInternat. Adressen-Bureaus" in Luxem­burg. Dieses schrieb, es habe durch Zufall davon Kenntnis erhalten, daß er sich bei einer deutschen Firma um Schreib­arbeit beworben habe :c. ec. Hieraus geht klar hervor, daß die Böhlitz-Ehrenberger und LuxemburgerFirma" in Ver­bindung mit einander stehen oder vielmehr standen. Viel­leicht sind auch beide Geschäfte identisch und es handelt sich nur um schleunigsten Ortsivechsel einesGeschäftsmannes".

** Ucber den Wetterfelder Einbruch wird uns noch geschrieben. In der Nacht vom 11. Februar wurden in Wetterfeld bet Laubach zwei Gänse, ein 3 Wochen | altes schwarzes Bocklamm, sowie eine Männer- und zwei Knabenhosen gestohlen. Die Männerhosc ist an beiden Knien mit gleichem Stoff geflickt, sonst noch gut. Es ist noch nicht gelungen, den Dieb zu ermitteln. Da anzunehmen ist, daß er das Lammfell veräußert hat, kann die Behörde vielleicht hierdurch auf die Spur des Täters geführt werden. Sachtunliche Angaben können an die Staatsanwaltschaft in Gießen, die Bürgermeisterei Wetterfeld oder die Gendarmerie- statlon Laubach gerichtet werden.

** Türkenlose werden neuerdings von auswärtigen (meistens ausländischen) Banksirmen unter anscheinend außergewöhnlich günstigen Bedingungen zum Kauf angeboten. Die Ankündigungen enthalten zum Teil imwahre oder zur Irreführung geeignete Angaben. Durch sie wird der Glaube erweckt, daß man für 10 bzw. 5 oder 3 Mark ein solches Los bekomme. Es kostet jedoch zurzeit 145 Mark. Ferner enthalten manche Ankündigungen die unwahre Angabe, daß jedes Los gewinne und alle Gewinne ohne Abzug ausbezahlt würden. Auch wird vielfach verschwiegen, um welche Lose eS sich handelt. Es muß daher vor diesem unlauteren Geschäftsgebaren dringend gewarnt werden.

Deutsches Reich.

Zum Nachfolger des Grafen Tattenbach als deutscher Bot­schafter in Madrid ist der Gesandte in Lissabon, Prinz Max zu R a t i b o r und Eorvcy, anSersehen.

Der Geschäftsbericht des RcichsvcrsichcrungSamts für 1909 ist dem Reichstage zugegangen. Er gibt Aufklärung über dm Arbeiten des Amtes im Jahre 1909. Im Interesse der schnelleren Erledigung der Arbeiten wurde der müitdliche Ver­mehr weiter ausgedehnl, die Errichtung fester Rekursscimle hat >>ch bewährt. Gemeldet wurden 1909 653376 Unfälle, davon wurden 136 441 erstmalig entschädigt. An Entschädigungen wur­den 162 249 Mark gezahlt.

Die konservative Fraktion des Neichstags be­antragt zum Haushalt für das Reichsamt des Innern, den Reichskanzler zu ersuchen, baldmöglichst einen Gesetzentwurf vor- r-ulegem welcher bezweckt, den Mißbrauch narkotischer Arzneimittel wirksam zu verhindern, da diese Arznei­mittel jetzt auf dem Wege des sogenannten Großhandels vielfach Hi die Hände unbefugter Personen gelangen und dem Morphinis­mus, Eoeamisinus sowie ähnlichen schwer krankhaften Erschei- liungen zu einer höchst verderblichen Verbreitung verhalfen haben

Zu Der Behauptung des Grasen Rautzau-Roslorp nn preun. LandwiNschastsrat zu Berlin, daß ein ilicretn den Ankauf deutscher Grundstücke m Nordschlesmrg leite, und daß ein reicher Kopenhagener Industrieller drei Millionen Kronen zu diesem Zivecke zur Verfügung gestellt habe, schreibt das dänische RegierungsblattPolitiken" in einem Leitartikel, daß ein solcher Verein überhaupt niemals existiert habe, der jemals einen Cerc zu Landkäusen oder zu ähnlichen Zwecken in Schleswig verwendete, und daß weder ein Industrieller, noch überhaupt irgend ein Däne oder mehrere Dänen gemeinsam eine oder mehrere Millionen oder nur annähernd diese Summe in Nordschleswig angelegt hätten.

I //~ie heute abend im Restaurattt Einhorn trmmmefttn Metzgermeister siitd einstimmig der Ansicht, daß die von der Bürgermeisterei Gießen vorgelegte und von der Stabtücrorb uetenversammlung angenommene neue S ch l a ch 1 g e b ü h r e n - ordnuug hinsichtlich der Höhe der Einzelfätze zu hoch ist- sie glauben auch, daß die von der Bürgermeisterei angenommenen Zahlen für Gruuderwerb usw. die wirkliche Höhe 'bei weitem übersteigen. Die Metzgermcister sind der Meinung, daß die Metzger nicht eher zur Beitragsleistung für die Erweiterungsbauten herangezogen werden dürfen, als bis diese fertig gestellt und den Metzgern zur Verfügung stehen. So lange dies nicht der Fall sei es unbillig, die Metzger zu diesen Kosten heranzuziehen. Die anwesenden Metzgermeister erklären sich aber trotzdem und aus drücklich bereit, die jährlich aufzuwendenden Beträge zu verzinsen und in Üblicher Höhe zu amortisieren und demgemäß eine dem­entsprechende Erhöhung der Schlachtgebühren zu bewilligen.

Rian wählte eine Kommission, bestehend aus den Ochsen- nietzgern Karl Sack und Wilh. Vogt, den Schweinemetzgeru I. Braun und Ernst Ludwig Sack sowie den Rindcrmetzgern Simon und Rosenbaum, die unter Zuziehung eines Rechts­anwalts beim Ministerium schleunigst vorstellig werden soll, damit die Sätze der Bürgermeisterei ivesentlich herabgesetzt und in der von der Stadtoerordneten-Bersammlung beschloffenen Höhe nicht genehmigt werden. Ferner wurden die Mitglieder ! der städtischen Schlachthauskommission Ernst Ludwig Sack, Schlörb und Schneider ersucht, umgehend beim Oberbürger, meister eine Besprechung herbeizuführen. Er soll veranlaßt werden, dafür cmzutreten, daß die Gebühr für die Nach. Untersuchung des von außerhalb eingeführten Fleisches vom 1. April ab wesentlich erhöht wird und geeignete Mittel ergriffen werden, um die Einfuhr wirksam zu kontrollieren.

** Vom hiesigen Hansa bund wird uns geschrieben- Es kann nicht im geringsten wundernehmen, daß eine so völlig neue und eigenartige Erscheinung, tute sie der Hansa-Bund darstellt, in seinem Wesen zunächst selbst bei Freunden nicht sofort richtig erkannt und von den Gegnern gründlich verkannt lvird. Die von der hiesigen Ortsgruppe des Hansa-Bundes auf Montag den 28. d. Mts. geplante öffentliche Ver. sammlung verfolgt daher in erster Linie den Zweck, die Oeffentlichkeit darüber aufzuklären, was der Hansa-Bund sein und was er nicht sein soll, was der Hansa-Bund will und und was er nicht will. Der Besuch dieser öffentlichen Ver­sammlung sei daher Freunden wie Gegnern dringend an­empfohlen.

Eoang. Arbeiterverein. Vor ausverkauftem Hause gelangte am Sonntag in der Turnhalle der Fünfakter Der Leiermann und sein Pflegekind" zur Auf­führung. Dieses Volksstück, das bereits in anderen Städten

so ist vor alten Dingen zu berücksichtigen, daß dieses Ge­bäude, unser altes Amtshaus, schon beinahe ein Jahrhundert lang seinen Zwecken vollständig genügt hat. Das Gebäude liegt mitten in der Stadt und ist durchaus massiv gebaut. Auch hier ist ein Neubau absolut nicht erforderlich. Aller­dings, so wie fetzt die Verhältnisse liegen, sind unhaltbare Zustände vorhanden. Die Mchter- und Schreibzimmer be­finden sich im unteren Stock des Gebäudes, und namentlich der Gerichtsschreiber hat über sein zahlreiches Personal, tvel- ches in getrennten Räumen arbeitet, feinen genügenbeu Ueberblicf. Dies ist ein fühlbarer Mißstand, welcher un­bedingt behoben werden muß. Diesem Uebelstand ist nun ans eine leichte Weise abzuhelfen, wenn der zweite Stock des Gebäudes, welcher Kurzeit als Privatwohnung des anfsichts- sührcnden Richters benutzt wird, ebenfalls zu Bureau räum en hcrangezogen wird und man außerdem noch einen dritten Stock auf das massive Gebäude erbaut. Geschieht dies, und wird namentlich die Gerichtsschreiberei im zweiten Stock des Gebäudes untergebracht, so können auch noch die Bureaus des Aintsanwalts und des Grundbuchamtes, welche zurzeit im Mathildenstistsgebäude untergebracht sind, mühe­los dorthin verlegt werden. Auf diese Weise hatte man das ganze Amtsgericht mit feinen verschiedenen Ncben- 3 irrigen in einem Hause. Selbstverständlich muß bar auf gesehen werden, daß man dem Amtsgerichtsgebaude die Gasbeleuchtung zusührt; das Amtsgericht mutz sich heute। noch mit erbärmlichem Petroleumlichte behelfen. Diesem schmählichen Zustand sollte ein baldiges Ende bereitet I werden.

Will man noch ein übriges tun, so kann man in dem geräumigen Hose des Amtsgerichts ein neues Haft- lokal errichten und das alte .Hastlokal an der katholischen Kirche, welches an durchaus unpassender .Stelle liegt, ver­laufen.

Durch diese Vorschläge, auf welche wir nicht nur den Finanzausschuß, sondern auch die Mitglieder der Zweiten Kammer aujincrtfam machen, würde unserem Lande eine weitere Ersparnis von 4500000 Mk. geschaffen, ohne daß die Interessen der Stadt Friedberg und der maß­gebenden Behörden irgendwie verletzt würden.

In Bad Nauheim erregt "es allgemeines Kopf- schütteln und Erstaunen, daß nach dem Voranschlag im Frauenwald eine dritte Par kw artwohnung für 34000 Mk errichtet werden .soll. Bei diesem Preise ist das Grundstück nicht mit einbegriffen. Wenn man bedenkt, daß in der Villen Kolonie Buchschlag für wohlhabende Rentner elegante Villen mit einem Jlächengchalt von ca. 1000 qm zum Preise von 18000 Mk. zu haben sind, so kann man schwer verstehen, wie man hier für eine einfache Parkwurt- Wohnung solch hohen Betrag aufwenden will.

21 us jptaöt und Land.

Gießen, 22. Februar 1910.

Tageskalender für Dienstag, 22. Febr. Stadt» tbcatcr: .Salome" undDer*schlechte Rus". Anfang 8 Uhr.

** In Audienz empfangen wurde vom Groß- h erzog am Samstag u. a. Amtsgerichtsrat Schultz von Bad-Nauheim.

** Land essta tistik. Der Großherzog hat den vortr. Rat im Ministerium der Finanzen, Abteilung für Forst- und Kameralverwaltung, Geheimen Oberforstrat Friedr. Joseph zu Darmstadt, den Obersinanzrat Dr. Gg. Hellwig zu Darmstadt und den Obersinanzassessor Karl Kuhn zu Darm­stadt zu Mitgliedern der Zentralstelle für die LandeSslatislik ernannt und den Geh. Oberforstrat i. P. Hch. Krauß zu Darmstadt auf sein Nachsuchen von dem Amte eines Mitglieds der Zentralstelle für die Landesstatistik enthoben.

** 21 uS dem Militär-Wochenblatt, v. Roos, Major und Bats.-Kommandeur im 4. Lothring. Jnf.-Regt. Nr. 136, mit der gesetzlichen Pension zur Disp. gestellt und zur Dienstleistung beim Landw.-Bezick Marburg (Haupt-Melde- amt), dessen Umform er zu tragen hat, kommandiert. Reich, Oberlt. im 5. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168, in das 3. Westpr. Jnf.-Regt. Nr. 129 versetzt. Zu Oberleutnants befördert: die Leutnants Boße im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116, Brunkow im Jnfant.-Leib-Negt. Großherzogin (3. Hess.) Nr. 117. Mit dem 1. April 1910 ab zur Unter» ossizierschule in Jüllch versetzt: Hamens, Oberlt. irnJnf.-! Leib-Regt. Großherzogin (3. Hess.) Nr. 117. Versetzt von! der Unteroffizier-Vorschule in Greifenberg i. Pomm. der Oberlt. Detß in das 5. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168, von der Lllilitär-Knaben-Erziehungsansialt in Annaburg Wünnen­berg, Oberlt., in das Jnf.-Regt. Prinz Karl (4. Hess.) Nr. 118. Leutnant v. Kaulla un Leib-Trag.-Regt. (2. Hess.) Nr. 24 wurde zum Oberleutnant befördert. Ein vordatiertes Patent ihres Dlenstgrades verliehen den Festungsbau-Haupt- Lenten P re ine, Haupt, Sorg und Bail von der Forti- ikation in Mainz. Zu Fähnrichen befördert die Unterofsiziere I Frhr. Schenck zu Schwetnsberg im Oldenburg. Drag.» Regt. Nr. 19 und Lambrecht im 5. Hess. Jnfant.-Regt. Nr. 168.

"Hessische Lutherstiftung. Die Studierenden der Theologie, bte sich um eines der am 1. April d. Js. frei werdenden Stipendien der Hessischen Lutherstiftung bewer­ben wollen, werden aufgeforbert, ihre Ge'uche bis zum 15. April d. I. bei dem Vorsitzenden der Stiftung, Dr. Krüger in Gießen, einzureichen. Die Stiftung ift beJ timmt, solche Studierende der Theologie, die sich verbindlich I machen, der hessischen Landeskirche zu dienen und sich durch erwtesene Tüchtigkeit würdig gezeigt haben, durch Stipen- bien bei ihrem Studium, vorzugsweise bei solchem auf der Landesuniversität zu Gießen, zu unterstützen. Die Sti­pendien betragen 350 bezw. 700 Mark und"werden in der Regel auf zwei Jahre verliehen.

" Die Mitglieder der Herdbuch.Gesellschaft ur das Vogelsberger Rind habenseinerzeitbeschlossen. Versuche anzustellcn, durch Kreuzung die heimische Gcbirgs- rasse schwerer und massiger heraus zu züchten, damit die Tiere auf Viehmäckteu der Simmentaler Rasse konkurrenzfähiger gegenüberlrekvn können. Nun hat man mit Hilfe der Land- lvirtschaftskamiuer vor 8 Wochen gelbes Frankenvieh bezogen und im Zuchthof Zwiefalten und der Bingmühle bei Lauter jc 2 Kühe, in Heuchelheim bei Gießen und in Buscnborn je einen Bullen der Frankenoiehrasse eingestellt. Im ganzen Zuchtgebiet sieht man mit Spannung dem Ergebnis der Ver- inclje entgegen.

*' Die Schlachtgebühren. Die gestern Abend im Hotel Einhorn von etwa 45 Metzgermeffter besuchte Metzger­versammlung nahm folgende Resolution über den von der Stadtverordneten-Versammlung beschlossenen Sch lacht - \ gebührcntarls an; |,

Ausland.

J'l P ar i s wird folgende amiliche Aieldung verbreitet: Im ^Ausland gehl das Gerüchr, daß zwischen Tculschiand und Frank­reich eine Meinungsverschiedenheit bezüglich der 'Utannesmann- Angelegenheit eingetreten sei. In amtlichen Streifen erklärt man, 'hierüber nichts zu wissen.

Der fra n z osls ch e St riegs Minister teilte dem .TempS" mit, er nehme die aus der Subskription des Blattes anzuschaffenden zwei LeiikballonL und vier Aeroplane an.

Der spanische K r i e g s m i n i st e r General Aznar Hal einem Berichterstatter desFnipareml" erklärt, er gedenke demnächst den Eortes einen Gesetzentwurf über die allgemeine Wehrpflicht vorzulegen. Spaniens Heer soll neun Armee- iorpö mit 22 Divisionen erhalten. Zwei Divisionen sollen m Eeuta und in Melilla stationiert werden. Ter Entwurf sieht 300 000 Maiin Linientruppeil und 300 000 Mann Rejervetruppen vor. Der Sirlegsrninister ist auch mit der Ausarbeitung eines '-planes über die Organisation der Artillerie beschäftigt.

Zu Saloniki ixrlautct, daß her ehemalige Sultan mit nent Harem wegen Verschlimmerung seines Zustandes nach .Kvn- slantmopel gebracht worden fei. Mich einer anderen Meldung ist nicht Abdul Hamid selbst, jonbent sind feine beiden Söhne und ein gros^r Tnl seines Harems unter Beobachtung größter Heim- ltchtmi noch Konstanlinopel gebracht morden. Der Zustand Abdul .Hamips ist ernst. Amtlich wird dagegen belännt- g ege beit, da, all- über das rljcinalige Befinden des ^uttans ver- breiteten Rall^richlen unzutreffend seien uitd daß sich Abdul .Hamid Nivhl beslitde. Die Abreise der Prinzessinnen und der Harcms- damen nach Konstuntiimpel sei lediglich deshalb erfolgt, iveil ue Prmzcvinnen in der Hauptstadt verheiratet werden sollen. Zum Sesuch der Hummer-Aurschujses in Friedberg und Sud Nauheim.

Aus Friedberg crhaften m.r folgende Zuschrift:

Of . , Fricd'berg, 21. Febr.

Jim c\teitiig der vergangenen Woche fand eine Besich­tigung des alten Friedberger Amtsgerichts und der Blinden­anstalt in Friedberg durch Regicrungsvcrlreler und den Fi- nanzansschuß der Zweiten Kammer statt, daran anschließend eine Besichtigung der Reitanlagen in Bad Nauheim. Zu deii Friedberger Projekten hat sich der Finanzausschuß nur teilweise zustimmend geäußert, zu den Nauheimer neuen ^oickten zwar zustimmend, doch mit Rücksicht auf die (Xinn^agc des Landes vorläufig abwartend.

Aus dem Voranschläge sowohl für 1909 und 1910 ergibt jid) das Nachstehende: 1. sott die Blindenanstalt ver­legt und eine neue derartige Anstalt mit einem Kosten-- aufwaud von ca. 400000 Mk. errichtet werden, 2. soll an Stelle der alten Blindenanstalt ein neues Amtsgericht errichtet werden, und hierfür sind ca. 150000 Mk. vor­gesehen.

Veidc Neubauten sind unseres Erachtens vollständig überflüssig; was die Blindenanstalt anlangt, so war sie 1909 von 39 Zöglingen besucht, und die Räumlichkeiten ge­nügen sowohl für die Blinden als auch für die Privat- Wohnung des Direktors vollständig. .Höchstens dürfte es sich empfehlen, für die Blinden einen neuen Schlaf­saal zu erbauen, und für die Errichtung eines solchen ist genügend Gelände im Garten der Anstalt vorhanden. Die Wohnung des Direktors ist, wenn auch nicht ganz modern, so ooch behaglich eingerichtet und für einen Mann, welchem irgendwelche Reprä,eiilatioiispflichten nicht ob' liegen, vollständig geeignet. Die jetzige Blindenanstalt könnte sehr gut noch Jayrzehnte benutzt iverden, ohne da>; der Eejundheit der Blinden Gefahr drohte.

Was das alte Arutsgerichtsgebaude anlangt,