Seid umschlungen, lUtiHionen !" —
V. Bülow am 6. 9Rärz 1899
CK sei noch erwähnt bau Hans
Süppei* Aufführung der
die Spuren vieler Streichungen und Einschaltungen trage. Die Thronrede kündigt im übrigen keine Gejetzcntwurfe an.
Politische Tagesschau.
Die Wahrheit über die türkischen Kriegsrüstungen.
In Konstantinopel ist man mit Eifer dabei, die nationale Wehrmacht wieder zu stärken. Das bciueift z. B. auch der vor einigen Tagen genretdete Anlauf von 1 Torpedobooten bei der Firma Schichau in Danzig. Generaloberst Frhr. v. d. Goltz legt nun in einem interessanten Artikel im „Tag" dar, daß die Sorge vor angeblichen Kriegsrüstungen in der Türkei unbegründet sei, daß die Jungtürken nur aus Pilichtgcsüht den alten Schlendrian beseitigen wollten. Frhr. v. d. Gottz schreibt u. a.:
In der Türkei l)errscht gegenwärtig unzweifelhaft reges militärisches Leber, 'Aber Mazedonien starrt trotzdem iiod) nidst von Bajonetten, und kriegerische Gelüste des Jungtürlcntums sind cm Ort und Stelle nirgends zu spüren. Bei den jmigst in meinem Beisein abgelxütenen Manövcrn war es mehrfach nicht lewst, in den größeren Garnisonen gcmijdjjc Brigaden von^ einigen tausend Ätann zu den Ucbungcn zu vereinigen, weil die Truppenstärken zwar im allgemeinen das für die Aufredsterl-attung der Ruhe und Sicherheit des Landes notivcnüigc Ataß^ ater leinen Ucberscl-uß ergaben, der zu kriegerischen Extravaganzen hätte verleiten können. 9hir bei Mrianopel traten zwei ganze Diviivonen als kämpsende Parteien auf, doch hatten hier beiondere Bor-
Zur Limührung in den dritten Grchesterabend.
Zur Einführinlg in den dritten Orchesterabend des Gießener Üvnzertvereins wird uns geschrieben:
Im dritten Orchefterabcnd, der am 24. d. M. im vstadtty.ater stattsindet, werten dank der Bemühungen Prof. Trautmanns zwei Symphonien der größten Tondichter aufgeführt und zwar I BralMs (1833—1896) mit seiner 2. Symphonie und L. v. Beethoven (1770-1827) mit der „Neunten".
Der große, allgemeine Erfolg, den die zweite Brahmsfchc Symphonie (op. 73. T-dur. 1878) bei ihrer ersten Aiissülirung in Wien unter des Meisters Zeitung (10. Januar 1878) errang, mar ein Beweis gegen die von Seiten Wagnerischer Veis^'rne, in töNiger Verkennung des Sinnes ihres eigenen Meisters, cms- gespwchene Ansicht: Seit Beethovens „Neunter" fer der Inhalt der Symphonie nie erschöpft, und diese selbst ohne Exiftenz-Be- rcchtigung. Ter Grundtmr dieser zweiten Symphonie im Gegensätze zu ihren anderen drei Schwestern, ist em heiterer^unö selbst in ihren schwermütigen Teilen (Adagio) herrscht seelische Anmut und ein friedvoller Sinn. Wenn auch dre 1. Symphonie (L-nwll) an Gedanrentiefe und Gefoult der Empfuidung hoher steht, so ist gerade die zweite durch Freundlichkeit und ^unigleit ausgezeichnet: sie ist eher der Ausdruck ruhiger behaglicher Freude über das Gelingen der gewaltigen, pathetifäfen l., Symphonie. Las Verhälttiis der C-moll zu der zweiten bei Brahms tlti ungefähr dasselbe wie bei Beethovens„Erviea." zu der 4. oder zur Pastorale. Ist die C-moll ein „Epos", so i)t. Die D-dur em „Märchen". Sie ist eine der romantischen Knnpofitwnen Brahms, dessen Name einst die Musikgeschichte, aller Wuhrfäiemlichkeit nach, an die Spitze einer ganzen Periode der inftrumelltaluli Tonkunst
land gegenüber erforderlich sei, das man doch erst öor Jahren im Felde teiieqt habe, xsobann muß feder annwikiam.. Beobachter der- Bollsftimmung herausfühlen, daU ^' PchawlüNM ^ Augenblick gekommen ist, wo in den Massen stillfchweigend aber bestimmt der Entschluß feststeht: Bis lneryer , ;
Tie Gefahr kann sehr wohl durch eine andauernde ciurgiM' Laltuna der kretischem ScimtzmäclNe gebannt werden, aber M leugnen ist sie nicht, imd es lfeißt dahin, aufmerksam fein. Jedenfnlb. wäre der Gedanke verlfängnisvoll, datz die-Türkei, wie chebaii so ost, aud> diesmal wieöer am letzten Ende fchwach Mid gutmutig ein und die Zeche zahlen nnnte. Pas tut |ic ziveisollvs diesmal lM und wird selbst die Gefahr enies Krieges aus )idt ncpmai, der, einmal begonnen, leubt nxiter nm sich greifen kann, als anfänglich zu vermuten ist." *
„Sinfonie mit Schlußchor über Schillers Ode „An die tfreube sür großes Orchester, vier Solo- und vier Chorftimmeii, tompomert und seiner Atajestät dem König von Preußen Friedrich Wilhelm III. in tiefster Ehrsurckst zngeeignet von Ludwig van Beethoven. 125-les Werk." So Rautet die Ikbendyrijt auf der Partitur der „Neunten". — Elf ^ahre vergingen )eck Bolleiidung der achten Symplonie bis Beethoven an die fj^rtiyrr feine^ Neiinten, üeser auch bis jetzt noch von keiner ubertroneuen, Symphonie zu Ende des Jahres 1823 oder Anfang 1824 die letzte Vaud legen konnte. Aber die frühesten Notierungen (der erste -^atz der Symphonie) fiiiden sich aus losen Lbzzendlattem nocl) aus dem ^ahre 1817, und Schillers 1785 geschriebene Ode „An die Freude hat bei dem Tondichter stets in beianderer Gunst xstanden. la es ist schon für 1793 nachgewiesen, daß Beethoven damals Sch-illers Gediclst bearbeiten wollte. , , <-
Ter erste Satz der Symphonie ickiltert. uns nach H. v. Bülows Prograninibiich) einen im großartigsten oinne au -
Die Beseitigung des Zollkonfliktes mit Haimba.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeittmy" schreibt: Am 15. Februar 1910 wurde von Dem kaiserlichen Konsul ut Montreal und von dem kanadischen Finanzminister Fiel- dina eine Vereinbarung unterzeichnet, in der,vom 1. Marz 1910 ab den unten ausgeführten E r z e u g n i f s e n K a n a - d a s bei der E i n f u h r n a ch D e ust s ch l and die deutschen Vertraassätze eingeräumt werden. Während der Renten dieser Verständigung werden die deutschen Erzcugniffe bei der Einfuhr nach Kanada vom 1. März 1910 ab zu den Sätzen des kanadischen Gen er alt ar iss zugelasfen.
Die Verständigung ist eine provisorische. Wenn nach angemessener Zeit ein Handelsvertrag nicht zustande gekommen ist, kann jeder der hierin vertretenen Teile die auf Grund der vorliegenden Verständigung gewahrten bezüglichen Zugeständnisse aufhören lassen oder zuruck- ziehen, indem er der anderen Regierung von dieser semer Absicht Kenntnis gibt. Die erwähnten deutschen Vertragssätze beziehen sich auf die folgenden 25 Nummern des deut- chen Zolltarifs: 2 (Weizen), 3 (Gerste), 4 (Hafer), 18 (Klee- aat), 19 (Grassaat), 47 utiü 43 (frisches und getrocknetes ^bst), 76 (längs gesägtes Bauholz), 83 (Fastholz), 100 (Pf'erde), 103 (Rindvieh), 104 (Schafe), 108 (Fleisch) 123 .Hummer und Langusten), 126 (Schweineschmalz und Olete Margarine), 162 (Mehl), 208 (eingedickte Milch), 219 ("Nahrungsmittel in luftdicht verschlossenen Behältnissen), 316 (Kalziumkarbid), 349 und 350 (Holzgeist, roh und gereinigt), 545 (Leder-Kernstücke und Schweinsleder), 556 (-schuhe aus Leder), 650 (Holzmasse), 651 (grobe Pappe).
Die Vereinbarung, die ausdrücklich als provisorische bezeichnet ist, und der ein allgemeiner Handelsvertrag folgen soll, ist dem Bundesrat vorgelegt worden, der ermächtigt ist, in dem Abkommen die deutscherseits.zugesicherten Ver^ tragssätze Kanada einzuräunien. Die entsprechende Bc^ fchlußfassung des Bundesrats wird noch vor dem 1. Mrz erfolgen. Anderseits soll die Aushebung der bisher kana difcherseits erhobenen Zuschlagszölle durch eine Verordnung des Generalgouverneurs in Kanada bewirkt werden. Es wird somit dem bisherigen Zollkonflikt ein Ende gemach! und der Boden für eine spätere endgültige Regelung unserer handelspolitischen Beziehungetl zu Kanada geebnet. Einstweilen darf erwartet werden, daß die Beseitigung des allgemeinen Zollzuschlags auf deutsche Waren in Kanada und die Anwendung der Jertragssätze aus einer, großen Teil der kanadischen Einfuhr in Deutschland einen für beide Teile erlvünschten lebhaften Warenaustausch an- bahnen wird.
Wie mit einem grellen Aufschrei beginnt der vierte und letzte Satz. Der wilde chaotische Aufschrei der _ unternehm teil Leidenschaft bringt noch stärker als vorher an unser Ohr. Ta tritt eine menschliche Stimme dem Toben der Instrumente entgegen: „cm Freunde, nicht diese Töne! Sondern laßt uns angenehmere an- ftimmen und freudenvollere!" Mit diesen Worten wird es Lickst in dem Chaos. Wir hören klar und deiitlich das auSgeiprochcn, was j>eni gequälten Streben nach Freude als sestzul-attendes höchstes Glück erscheinen muß: „Freude, sclstuer tiöttcrjunlen usw. ' Mutige, kriegerische Klänge nähern sich; wir sehen eme Lchar von Jünglingen mutig sid> in eine Sdstaclst stürzen, derm Sieges- frucht die Freude sein soll. Ter Sieg, an dem wir nidst zweifelten, ist erkämpft. 9hm bringt im HodMfühl bet Freude ber Ausspnich allgemeiner Menschenliebe aus der Brust hervor. Zu erhabener Begeisterung wenden mir uns zu dem großen Schöpfer der 9Zahir, Denn im Bunde mit der von G o t t neiveibten allgemeinen Menschern iebe, dürfen nnr bie npnipten• Dem milden Glücke ber Freube folgt
bereitungen stattgesunden. „ , . .
Alles, was zurzeft an militari, chen Vorbereitungen in bet Türkei getrossen wird, liegt durchaus in bem regelreästen Plane ber WieöeiHerstellung der von dem alten Regime in der bedenklichsten Art vernachlässigten Wehrmackst des Reiches Es haben nur wenig Leute im Auslände geahnt, wieviel auf die,en Gebieten nauXfUljuien war, als die große Umwälzung vom 23. culi 1908 endlich frece Bahn schaffte. 9Locy map lange nickst alles Notweiidige zur Besserung ber alten Schäden in Gang gebrachl, als die unglückselige Meuterei vorn 13. April v. c- das bis dahin Errungene zum größten Teil wieder permdstete. Em Arrnee- koist)S wurde nahezu aufgelöst, zlvei andere mutzten im Juterc, m Per Wieder hersteliung der Ordumig in der Hauptftadt auseiiiander- gerisseii und vermisdst werden. Daiui tarn bald der Aufstand m 9)einen, tarnen die Utum: en in Albanien, die Massakers von Adana und mauern^ andere noch, was Trup'penaufgebote erforderte irnb die Krästc zersplitterte. Erst allnuiblid) kehrt jetzt bie Ruhe so weit zurück, daß bie unLcrbrod;cne Arbeit wieder autgeiwmmen nxrrbeii konnte, und nur diese ist es, die jetzt abgetan wird und Pen Stofs zu Den journalistischen Alarmruien geliefert I)at.
An anderer Stelle fährt v. d. Goltz fort:
„Zum Alarmschlagen ist feine Ur fad,u* vorhanden. Die gegenwärtige türkische Regierung verdient mit Recht die Bezeichnung: „Friedlick>, aber fest" Trotzdem ist die heimlich lauernde Kriegsgefahr auf der BaAanyaldinsel nicht zu verkennest. Mr lagen freilich als nücksterne Realpolitiker, daß bie Insel Kreta der Türkei langst wirklich verloren sei und an ter Erhaltung emes platoiufchen Hoheitsredstes wenig gelegen sein könne. Es lohne nickst der Acute, darum bie Möglichkeit eines Krieges ^rcrufzubeschwören chas müsse mau auch in Konstantinopel einsehen. Tatsächlich ist Pies Puvchaus Per Fall. Alle türkischen Slaatsmänner wissen so gut wie wir, daß mit ber völligen Loslösung von Kreta und seiner Angliederung an Griechenland für das Osmanische Reich materiell! nichts mehr verloren geht. Dennoch wirb bie Regierung ihr Souveränitätsrecht über Die Insel ohne Kanipf nickst aufgebcn, und man muß gerecht sein und gleich hiiizufügen: ite kann es auck- nicht. Nimmermehr würde bie ntobammeöanqdjc Bevölkerung verstehen, warum dieselbe Nachgiebigkeit wie gegen Oesterreich uiib Bulgarien nebst seinen Hintermännern auch dem kleinen Gnecheu-
Neunten veranstaltete. Die beiden Ausführungen lüttrem nur burdi eine telbftünbige Pause yoncinaitber getrennt. P.
— Die neuentdeckte GoetheHandschrift. Mit ter Herausgabe und Erklärung des von dem Zürickier Gymnasialprofessor und Privatdozenten Dr. Billeter entdeckten unb bis Ijcr als verschollen gegoltenen Werkes von Goethe „Wilhelm Meisters theatralische Senbung" ber ersten nie gebrückten Fassung von „Wilhelm Meisters- Lehrjahren", ist, wie ber „Bunb" mit- teilt, der Literaturhistoriker unb Professor an ber Universität Bern Dr. Mayne betraut worben. Die Handschrift des in Zürich entdeckten Werkes umfaßt 600 Oktavseiten. Die Hanbschriu, die unter falschem Titel in der Bibliothek eingereiht war, stammt aus dem Befttz der Familie Schultteß unb war von Goethe un Barbara Sdmltheß, seine treue Freundin, gesandt warten. Goethe hatte von biefem Werke versd>icDene Abschriften an seine Freunde! geschickt. Die nun aufgefnndene Fassung war besonders van' Herder unb Wieland zu ungunften der im Buchhandel erschienenen gelobt worden. Tie „Neue Zürch. Z." bemalt zu dem Funde, ,eft Entdeckung des Göchhausenfcben UrsansteS sei ein Goethesund von dieser Wichtigkeit nicht gemadü worden. Ja, man dürfe sagen, die Bedeutuiig des Wilhelm Meister in ter uiiprünglitben Gestalt sei noch weit allgemeiner.
— Ausstellung hessischer Privatarchikckt e, n. Im Oberlichlsaale ter Zentralstelle für bie Gewerbe in T-jufm stabt würbe heute vormittag eine Ausstellung bes Erteilte-.' hessischer Privatarchitekten eröffnet, die ein recht rühmliches Bild von den in den letzten Jahren in Hessen ausgeführlen Bauten gtbi. Die Ausstellung enthält Photographien, farbige Schaubilder, Grundrisse, Skizzen unb Modelle und soll abwechselnd jedes Jahr in Mainz, Gießen, Offenbach, Worms unb Darmstadt ab<u halten werden. Aus diesen fünf Ortsgruppen haben fick) im ganzen 50 Architekten beteiligt. Die Ausstellung in Darmstadt soll bis zum 28. März dauern.
— Die Reichstags bi lder des Münchener Malers Pros. Jank werten Ende Juni im großen Sckueibsaal angebracht icerben. Cs sind nirgenbd sonst im Reichstagsgebäude, auch im Treppenhause, genügend große Wandsläd-en für die drei Bild r vorhanden gewesen. Aenderungen an den Bildern werden nicht vorgenornmen. Das Reprvbuktionsrcckit ist Prof. Jant übertrog i tvorben. Tie 9(jigelegcnl)eit erscheint somit in einer sür i u* Künstler befried igendeir Weise erledigt.
— Kleine Chronik aus Kunlt und Wissenschaft. Wilhelm Backhaus erhielt von dem König von Württemberg nach einem Hoskonzert bie Goldene Medaille für Kunst und Wifsenschaft am Bande des Friedrichsordens. - Der Astronom. Siublin erschoß sich in O f en pest wegen einer unheilbaren Krankheit; er war der erste Astronom, der eine kosmische Er ilärung für die Erdbeben aufstellte.
Erreichen, neues Verschwurteü, neues Suchen, neues Kämpfen die Elemente der rastlosen Bewegung dieses munter bar en Tonstückes. Am Schlüsse des Satzes scheine diese düstere, freudlose Stimmung, zu riesenhafter Größe aiiwadüend, das All zu umspannen, um in erhabener Majestät Besitz von dieser Wett netjmen zu wollen, die Gott — zur Freude schuf.
Eine wilde Lust ergreift uns foglecch nut dem Anfang des zweiten Satzes. Von Verzweiflung getrieben, flöhen nur vor ihr, um in rastlosen Anstrengungen ein neues, unbekanntes Gluck zu erjagen, da das alte uns gänzlich entrückt und verloren gegangen zu sein scheurt. Eine gewisse derbe FröhluhkeU der trbn djen Lust Iprid)! zu uns aus dem Mittelsatze. Solch eng beschränkte Vctter- l'eit als das Ziel unseres rastlosen Jageils nach Glück und edelster Freude anzuerkennen, sind wir aber nicht gestimmt, mir menten uns ab, um uns von Neuem jenem rastlosen Antriebe zu über» lassen, der uns mit bem 2rängen ter Verzweiflung unaufhaltsam vorwärts jagt, um bas Glück anzutreffen, bas mir so nickst an» treffen sollen.
Wir anders sprechen die Tone des dritten Latzes zu unierem Herzen! Wie rein, mic himmlisch besänftigend lösen fügten Trotz, teil wilden Drang der von Verzweislung geängftetcn Leele in weiche, wehmütige Evipsindung auf! Cs ist, als ob uns Erftmerwig erwack;e, Erinnerung an ein früh genvfsenes reuistes Glück Mit dieser Erinnerung kommt uns auch wieder Die fuße Sehnsucht ter Liebe an, die mit ter Hoffnung zusammen ihre lanfte Gewalt Über unser gemartertes Gemüt zu erringen suchen. Tas mimbe Herz scheint zu genesen, sich zu erkräftigen, uich sich zu mutiger Erhebung zu ermannen, aufjne uns ber fast triumphierende Gang gegen bas Ende des Satzes hinteutet.
„Aber ach! schon fühl ich bei dem besten Willen Befriedigmig noch nicht aus dem Busen quillen!"
Die englische Thronrede.
London, 21. Febr. Der König und die Königin bc- gaden sich gegen V/4 Uhr in Galawugen in Begleitung der hohen Hofbecnnten von dem Buckingham-Palast nach Westminster zur Eröffnung des Parlaments. Tropen bildeten Spalier. Auf dem ganzen Wege bereitete die Menge den Majestäten Ovationen. Um 2 Uhr trafen der König unb die Königin im Parlament ein; sie begaben sich nad) dem Ober hause, wo der König die Thronrede verlas. Kurz vor bem Königszuge trafen der Prinz und die Prinzessin von Wales, sowie Pr in z un d P rin z e f s in Hern- rich von Preußen im Parlarnentsgebäude ein.
Dis Thronrede besagt, die Beziehungen Englands tu allen auswärtigen Mächten seien andauernd freund- sd-aftlich. Sie kündigt die Begründung der Union in Südafrika an, die für Ende nächsten Monats feistgesctzt sei, sowie die Entsendung des Prinzen von Wales, der im Herbst, bevor er das neue Parlament eröffne, eine ausgedehnte Reise in den südafrikanischen Besitzungen machen Jolle; der König betrachte mit besonderem Interesse und Vergnügen diesen Besuch, worauf fein Sohn das Vorrecht habe, das parlamentarische Leben des großen geeinigten Dominiens zu eröffnen und der Fürst werde seine — des Königs — und des Reiches heiße Gebete für die Wohlfahrt und künftigen Fortschritt des Volkes überbringen. Nach einem Hinweis auf die jüngst erfolgte Begründung erweiterter legislatwer Räte in Indien fährt die Thronrede fort: Der Etat des folgenden Jahres wird Ihnen in gebührender Zeit voraelegt. Er ist mit bem innigsten Wunsch nach Sparsamteit ausgestellt, aber die Erfordernisse der Verteidigung der See haben es nötig gemacht, eine '.vesentliche'Erhöhung der Marine- ausgaben v o r zu s ch l a g e n. Da für die vom letzten 'Parlament genehmigten Ausgaben Einnahmen nicht durch Steuern befclstifft sind, hat man unter Zustimmung des Parlaments zu einer zeitweiligen Anleihe Zuflucht nehmen müssen. Es müssen aber Au Ordnungen getroffen werben, um sobald wie möglich der so gefchasfeneii finanziellen Lage zu begegnen. Die Thronrede erwähnt daun die ernsten auf wiederholte schwere Meinungsverschiedenheiten zlvifchcn bem Ober- und Unterhause zurüctzu- führenden Schlvierigleiten und sagt, es würden Vorschläge unterbreitet werden, um die Beziehungen zwischen den beiden Häusern in der Richtung fortzusetzen, daß dem Unter hause ein ungeteilter Einfluß auf die Finanzen und das 11 eb ergo wicht in Bezug auf bie Gesetzgebung zustehe.
Rach den üblichen Reden sagte Balfour, er begrüße mit ber größten Genugtuung die Ankündigung der Thronrede in Bezug auf die Marine und vertraue darauf, daß dies bedeuten solle, daß die Regierung entschlossen sei, die Lage ins Auge zu safsen und ohne Ztücksicht auf die Kosten sur eine angemefsene Fkottenverteidigung des Reiches zu Jorgcm 21. Febr. Man bespricht die U u k 1 a r h e i t der Fassung der Thronrede, Eine Stelle sei sogar fast unvevständlich, da sie sich in Wirklichkeit auf das Oberhaus beziehe, während sie vom Unterhause zu sprechen scheine. Die ionservativen Blätter glauben, daß die Fassung
tesaßten Kamps bet nach Freude ringenben 'exhc gegen bc^ ■ - Freude genießen!
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Erstes Blatt 160. Jahrgang Dienstag »S. Februar 1 »10
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General-Anzeiger sur Oberhessen MM
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