Samstag 27. August 1910
160. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 200
Gießener Anzeiger
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger für Gberheffen
Rotationsdruck und Verlag der Br Ührchen UnwersüätS - Buch- und Steindrucke« i.
R. Lange, Gießen.
Die „Wietzener Kamilienbiütter" werden dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen 3eit- frageu" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftratze 7. Expedition und Verlag: Redaktiomd^ 112. Tel.-Adru AnzeigerGießen.
Linienschiffe mit Motorenbetrieb.
£ London, 26. August.
Die von einem in Portsmouth erscheinenden, gelegentlich über Mottenangelegenheiten gut unterrichteten Matt gemachte Ankündigung, daß die Admiralität beschlossen habe, Linienschiffe zu bauen, die von Motoren getrieben werden sollen und daher keine Schornsteine mehr brauchen würden, wird von der gesamten Presse eifrig besprochen. Die Ansichten über die Richtigkeit der Meldung sind allerdings verschieden, denn viele Zeitungen halten das Experiment für sicher, während andere glauben, daß es vorläufig nicht möglich sein werde, mit solchen Maschinen die notwendigen Pserdekräfte zu erzeugen, immerhin wird es für nicht ausgeschlossen bezeichnet, daß eine weitere Entwicklung in dieser Richtung demnächst bevorsteht. Es wird darauf hingewiesen, daß man in Deutschland die Dieselmaschinen sür so weit entwickelt ansieht, daß man den Versuche machen will, ein großes Schiff damit auszurüsten, und erklärt, daß eine solche Neuerung eine vollständige Umwälzung auf dem Gebiet des Baus von Kriegsschiffen bedeuten würde. Derartige Linienschiffe würden die Dreadnoughts noch mehr überflügeln, als diese es mit sthren Vorgängern machten. Für England würde es ein großer Nachteil sein, so warnen verschiedene Blätter, wenn es anderen Machten gelänge, in dem Bau dieser neuen Klasse von Linienschiffen mit Großbritannien gleichen Schritt zu halten, die bisher errungenen Vorteile würden ebenso verloren gehen, wie seinerzeit, als die Dreadnoughts gebaut wurden, die damals bestehenden. Immerhin sei es aber noch besser, wenn die britische Admiralität den Anfang mache und es anderen Mächten nicht ermögliche, in dieser Beziehung gar einen Borsvrung zu gewinnen.
Es wird darauf hingewiesen, daß die wichtigsten Vorteile dieser neuen Klasse von Schiffen darin bestehen würden, daß sie zmuichst natürlich keine Schorn st eine mehr brauchen würden. Dadurch würde das ganze Deck absolut frei für die Geschütze werden, denen nichts mehr im Wege stehen würde. Die Geschütze könnten somit alle nach allen Seiten gefeuert werden, was natürlich bisher der Schornsteine wegen nicht möglich war. Dann würde es möglich werden, die Zahl der Geschütze bedeutend zu erhöhen, verschiedene Sachverständige sprechen von zehn oder gar zwölf der allerneuesten 13,5 zölligen Geschütze, und vielleicht würden sich diese auch noch verstärken lassen. Die Schiffe würden nicht so viel Platz für Heizungsmittel brauchen, und der Betrieb der Maschinen würde überhaupt billiger werden. Die Besatzung würde nicht mehr so groß zu sein brauchen, und die Mannschaften an Bord könnten beinahe alle zur Bedienung der Geschütze und so weiter benutzt werden. Endlich würden die Maschinen beinahe kein Geräusch macben und man würde keinen Rauch sehen, so daß die Schiffe auf See nicht so leicht in der Entfernung zu erkennen sein würden, was natürlich auch einen unberechenbaren Vorteil bieten würde, besonders, wenn die Schiffe mit einer Farbe angestrichen würden, die dem Wasser einigermaßen ähnlich sieht.
Die „Daily 9äews" erklärt, daß die Meldung in wohlunterrichteten Kreisen mit der größten Reserve ausgenommen worden sei, will aber auf der anderen Seite wissen, daß die Admiralität bereits Experimente mit Motoren habe ausführen lassen. Auf verschiedenen Werften, auf welchen die Zeitungen Nachfragen halten ließen, wurde meist die Erklärung abgegeben, daß von derartigen Experimenten nichts bekannt sei, und daß es sich jedenfalls um einen sehr gewagten Schritt seitens der Admiralität handeln würde.
politische Tagesschau.
Der Vertretertag der nationalliberalen Partei.
Für den am 1. und 2. Oktober in.Kassel stattfindenden 12. Allgemeinen Vertretertag der nationalliberalen Partei liegt das Programm vor. Am 1. -Oktober wird Herr Bass ermann über die inner politische Entwicklung im Reiche seit Verabschiedung der Reichsfinanzreform: Herr Fuhrmann über Wirtschasts- und Sozialpolitik berichten. An beide Vorträge wird sich eine Aussprache knüpfen. Am Sonntag, 2. Oktober, spricht Landtagsabg. Dr. Schröder über Mittelstandspolitik. Nachmittags sollen zwei Versammlungen stattsinden, und zwar mit öffentlichen Vorträgen des Reichstagsabgeordneten Dr. Stresemann und Landtagsabg. Dr. Hintz mann, des Reichs tag sabg. Dr. Heinze und Landtagsabg. Dr. Lohmann
Die Verhaftung des englischen Spions.
Aus London schreibt man uns:
Die Verhaftung der beiden mutmaßlichen Spione auf Borkum erregt hier natürlich einiges Aufsehen, aber bisher haben die Zeitungen es vermieden, näher auf den Fall einzugehen, sie begnügten sich damit, die Berichte in einem ungläubigen, teilweise höhnischen Ton abzusassen. Heute widmet jedoch die „Daily Mail" der Sache einen Leitartikel, in welchem ausgeführt wird, daß schon die Tatsache, daß der zweite Engländer seinem Kameraden nach Emden folgte, als genügender Beweis dafür angesehen werden müsse, daß es sich nicht um Spione handeln könne, die auf keinen Fall so töricht sein würden. Dann beschwert sich das Blatt darüber, daß man in Deutschland diese lächerliche Affäre zweier Ferienreisender zu einer großen internationalen Affäre aufzubauschen suche. Die Geschichte von den mysteriösen Luftschiffen scheint wieder ganz vergessen zu sein.
Die „Mail" kündigt übrigens« an, daß ihr Kriegsberichterstatter Mr. William Maxwell seine Ferien soeben aus Borkum verbracht habe, und er werde in den nächsten Tagen den Lesern der „Mail" alles über die Befestigungen erzählen. Sein Artikel werde vielleicht das Wiederaufleben der Spionenfurcht bis zu einem gewissen Grade erklären.
Der „Standard" führt aus, daß die deutschen Militärbehörden sich in einem andauernden Zustande des Alarms befänden, es vergehe kein Monat, wo nicht mehrere Personen wegen Spionage verhaftet würden, besonders an der französischen Grenze.
Die „Daily News" tellt mit, daß Nachforschungen in Oxford bisher nicht ergeben hätten, daß die beiden Verhafteten der Universität angehören. Sie seien dort unbekannt.
Der Handel Korea?.
Die „Deutsche volksw. Korresp." schreibt:
Die Einverleibung Koreas durch Japan bedeutet nicht nur eine politische Maßnahme Japans, sondern auch eine wirtschaftliche Maßregel, deren Bedeutung gegenwärtig noch nicht klar zu übersehen ist. Vom japanischen Standpunkte erschien ein nicht unbedingt unter japanischem Einflüsse stehendes Korea als ein Hindernis für die weitere Machtentfaltung über den Bereich der japanischen Inseln hinaus. An die wirtschaftliche Ausbeutung Koreas hat Japan nach der bekannten Darstellung des Grasen Okuma große Hoffnungen geknüpft: Graf Okuma rühmte zunächst den großen Reichtum der koreanischen Küste an Fischen, besonders an Heringen, Salmoniden und Walen, die in Zukunft einen wichtigen Eriverbszweig ermöglichen würden; er hob weiter hervor den Reichtum an Vieh, an Kohle und Eisen.
Was den koreanischen Handel betrifft, so wies die Einfuhr Koreas 1909 einen Wert von 36648770 Den auf gegen 41025 523 Yen im Jahre 1908, und die Ausfuhr einen Wert von 16 248 888 Yen gegen 14113 310 Yen im vorhergegangenen Jahre. Während somit die Einfuhr des letzten Jahres gegenüber dem Jahre 1908 um 4 376 753 Yen g^allen ist, ist die Ausfuhr um 2135578 Yen gestiegen.
Vorläufig, d. h. zunächst für fünf Jahre, wird für den Handel mit Korea jedenfalls die Politik der offenen Tür beobachtet werden, aber man wird nicht zögern, sie zu schließen, fobalo es sich lohnt und die Zeit gekommen ist. Zur wirtschaftlichen Ausbeutung Koreas gehört zunächst natürlich Geld. Weiterhin sind allerdings die Rückwirkungen, die Japan von der Besiedlung Koreas erwartet, nicht gering zu veranschlagen.
Petersburg, 26. Aug. Die „Nowoje Wremja" vergleicht die Annexion Koreas durch Japan mit Englands Kämpfen um die Normandie. Die Zukunft werde zeigen, ob die Festsetzung Japans auf dem Kontinent mit dem Siege des koreanischen Karls des Siebenten oder Ludwigs des Elsten enden werde. Auch auf den Widerspruch zwischen der japanischen Annexionspolitck und dem kürzlich erschienenen Jahresbericht Japans über Korea wird hingewiesen. — Die „Birschewija Wjedomosti" führt aus, Rußland habe jetzt statt der willenlosen Koreaner einen starken Nachbar und die Sicherheit seiner Besitzungen hänge ausschließlich von der Entwicklung seiner Verteidigungskräfte ab.
Eine Versuchsstation in Palästina.
Die zionistische Vereinigung ersucht uns um Aufnahme der folgenden Notiz:
„Einige Kilometer südlich von Haifa, bei den Ruinen des alten Kreuzfahrerschlosses Athlith wurde kürzlich eine landwirtschaftliche Versuchsstation errichtet, die einem langgefühltcn Bedürfnis der europäischen Ansiedler in Palästina entgegenkommt und für die wirtschaftliche Erneuerung dieses alten Kulturlandes von großer Bedeutung zu werden verspricht. Das Zustandekommen dieses Unternehmens ist hauptsächlich dem jüdischen Agronomen Aaronsohn zu verdanken, der bereits durch seine Entdeckung des Urweizens bekannt geworden ist. Aaronsohn fand bei seiner eben beendeten mehrmonatigen Studienreise durch die Vereinigten Staaten von Amerika bei dem Landschaftsamt wie auch bei amerikanisch-jüdischen Kapitalisten großes Verständnis für die Notwendigkeit und Nützlichkeit einer solchen Versuchsstation, derenl Arbeiten ebensowohl Amerika, das in Kalifornien eine Landschaft von ganz ähnlichem Charakter wie Palästina besitzt, als auch Palästina selbst zugute kommen werden. In Palästina wird die Versuchsstation in erster Linie den zahlreichen Kolonien einge- wanderter osteuropäischer" Juden Nutzen bringen, aber auch die kleinen deutschen Kolonien werden ähnlich wie es ftüher z. B. bei der Errichtung der jüdischen Ackerbauschule in Mikweh Israel (Palästina) der Fall war, von solchen systematischen landwirtschaftlichen Arbeiten auf modern-wissenschaftlicher Grundlage sicher den größten Vorteil haben. Der Initiator der Idee, in Palästina eine solche landwirtschaftliche Versuchsstation zu begründen, ist der auch in deutschen Kolonialkreisen hochgeschätzte Tropenbotaniker Professor Dr. Otto Warburg-Berlin, der als Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees auf dem Frankfurter Delegiertentage der Zionistischen Vereinigung für Deutschland (11. und 12. September) in seinem Referat über die im Entstehen begriffene Versuchsstation interessante nähere Mitteilungen machen wird. Es ist auch für die Allgemeinheit interessant, zu sehen, wie die Juden, denen man die Befähigung zum Ackerbau gemeinhin abzusprechen liebt, in Palästina nicht nur über 30 blühende Kolonien geschaffen haben, sondern sogar neue schöpferffche Ideen auf diesem Gebiete zu realisieren verstehen."_____________________
Heer und Flotte.
Neufahrwasser, 26. Aug. Die Flotte wird am Sonntag vollzählig im hiesigen Hafen versammelt sein. Für Montag sind Parade und Manöver vor dem Kaiser an- gesetzt, voraussichtlich nimmt daran auch der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin auf dem Linienschiff „Mecklenburg" teil, ferner entsprechend dem Wunsche des Kaisers über 300 Offiziere des 17. Armeekorps auf den Schiffen und Torpedobooten. Den diesjährigen Kaiser-Schießpreis der Hochseeflotte erhielten das Flottenftaggschiff „Deutschland" beim zweiten Geschwader, „Hannover" beim ersten Geschwader, „York" bei den großen und „Königsberg" bei den kleinen Kreuzern.
Ans Stadt und Land.
Gießen, 27. August 1910.
'* Vom Großherzoglichen Hose. Prinz und Prinzessin Hermann zu Stolberg-Wernigerode sind gestern von Wolfsgarten wieder abgereist.
* * Audienz. Der Groß Herzog empfing am 26. August u. a. den Privatdozenten Dr. R e i ch e l t von Gießen.
* * Bestätigt wurde am 20. August d. I. der von dem Fürsten zu Stoloerg-Roßla-Ortenberg aus die Lehrerstelle an der Gemeindeschulc zu Nieder-Seemen präsentierte S-ckul- amtsaspirant Hugo Maurer aus Heuchelheim, Kreis' Büdingen, für diese Stelle.
• • Veränderungen im 18. Armeekorps. Be- f ör bert zu Leutnants die Fähnriche: Bering im Füs.- Regt, von Gersdorff (Kurhess.) Nr. 80, Frhr. Schenk
v. Schmitt bürg im 1. Kurhess. Insantene-Regt. Nr. 81, Leisnering im 2. Nass. Inf. - Regt. Nr. 88, Rose, Dingel de in im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, Mieter, Bückmann, Schoeller im Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, Volkmar, Müller im Jnf.-Regt. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118, Naumann im 5. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168, Danner im Thür. Ulan.-Regt. Nr. 6, Fl otho im Kurhess. Pion.-Bat. Nr. 11 unter Versetzung in baß 2. Nass. Pion.-Bat. Nr. 25, Bert im 1. Nass. Pion.-Bat. Nr. 21, Lohmann in dems. Bat., unter Versetzung in das 2. Nass. Pion.-Bat. Nr. 25, Frhr. v. Hoiningen gen. Huene im Füs.-Regt. von Gersdorff (Kurhess.) Nr. 80, v. Gehrmann, Knoblauch im 1. Kurhess. Jnf.-Regt. Nr. 81, Merbach, v. Lin stow im 2. Naff. Jnf.-Regt. Nr. 88, de Harde im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, Ziemßen im 5. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168, RottenbuVg im Telegraphen-Bat. Nr. 2. — Zu Fähnrichen befördert die Unteroffiziere: Stürmer im Füs.-Regt. v. GerSdors (Kurhess.) Nr. 80, Ritter im 1. Nass. Jnf.-Regt. Nr. 87, Gentz im Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, Riedesel Frhr. zu Eisenbach im Leib-Drag.-Regt. (2. Großh. Hess.) Nr. 24.
** Die preußisch-hessische Eis enbahnver- waltung hängte vor längerer Zeit auf ihrem Gebiete MM Schutze der Vögel Nistkästen aus, die sich gut bewährt haben; ungefähr 10 v. H. nur sind nicht von den Vögeln benutzt worden. Die Verwaltung hat nun die Bahnmeistereien, die mit dem Aufhängen der Nistkästen seinerzeit Beauftragt waren, den Auftrug gegeben, sich über die richtige Benutzung der Nistkästen zu informieren und keine Sperlinge darin zu dulden.
** Eine Erinnerung aus 1866. Der alte Herr, der das hübsche Stückchen aus dem Kriegsjahr 1866 erzählt hat, er ruht leider bereits auf unserem Friedhöfe, war am Ufer der Elbe geboren und hatte bei den preußischen Kürassieren in Deutz gedient. Als Handwerksgeselle war er nach Gießen gekommen und hatte hier unter den Mädchen der Stadt eine gefunden,, die es ihm angetan hatte und die er, nachdem der Krieg mit Oesterreich und den süddeutschen Staaten beendet war, auch zu seinem Weibe nahm. Als der Krieg ausgebrochen war, kam eines Tages der Gießener Polizeidiener und brachte die Kriegsbeorderung, der zufolge er sich binnen 24 Stunden beim Bezirkskommando in Wetzlar melden sollte. Der P-olizeidiener hatte eine ganze Hand voll solcher Beorderungen an wehrpflichtige Preußen, die damals ,tn Gießen, also im feindlichen Lande, in Arbeit standen. Das preußische Bezirkskommando in Wetzlar hatte die Zettel an die hessische Bürgermeisterei nach Gießen gesandt, in der Erwartung, daß die Behörde die freundnachbarliche Aushändigung an die wehrpflichtigen Feinde veranlassen würde. Der Polizeidiener gab aber zu der Beorderung dem ehemaligen Deutzer Wrassrer noch den guten Rat: „Mache se, daß se ibber die Grenz komme, sunst lasse se nich mehr erras aus dem Ländchen." Der Rat wurde auch befolgt. Wer es klappte damals in Preußen doch noch nicht rote 1870, denn ehe der Kavallerist aus Gießen erngelleidet war, vergingen Tage, unb als er endlich zu feinem Truppenteil nach Oesterreich kam, roar Königgrätz geschlagen und der Krieg so gut wie vorbei. Der feinHlliche Polizerdiener mit der preußischen Kriegsbeorderung und der Yftch- nung zur Eile, damit der König von Preußen nur nicht um einen Mann komme, war feine beste Kriegserinnerung.
---Bad-Nauheim, 26. Aug. Bis zum 25. August sind 2 8 806 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 6583 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 25. August 359 047 abgegeben.
B. Friedberg, 26. Aug. Seit heute Mittag ist der Eingang zur Burg geschlossen, jedoch wird der Wachdienst bis jetzt noch von einem hiesigen Schutzmann versehen, welcher auch das Aus- und Ablassen des Schlagbaumes re- spektiv das Aus- und Einlassen von Passierenden zu besorgen hat. Das hintere Burgtor ist gänzlich geschlossen und wird auch während der Anwesenheit des Zarenpaares nicht mehr geöffnet. Ueberhaupt ist die Kontrolle trotz wiederholter Dementis eine sehr strenge. Da sich die Gasleitung für Licht und Koch gas als zu schwach erwies, wurde eine neue Bettung gelegt, die trotz der Kürze der Zeit noch fertig gestellt werden konnte.
L. Fried berg, 26. Aug. Ein ungemein regetz Treiben, wie man eS sonst nur bei festlichen Gelegenheiten gewohnt ist, herrschte heute nachmittag in den Straßen unserer Stadt, insbesondere auf der Kaiserstraße. Sehr viele Fremde, namentlich Kurgäste Nauheims, wandeln auf der schön geschmückten Kaiserstraße, die zum Teil prächtigen Schmuck aufzuweisen hat. Dazwischen die viele Dienerschaft der Großh. Familie. Gegen 11 Uhr rückte das Militärkommando ein; 200 Mann (mit 6 Offizieren) unter Führung eines Hauptmanns. — Die erste Manöoertrnppe hatten wir heute in Friedberg, 2 Batterien des Feldartillerie-Reg. Nr. 27 mit dem Abteilungsstab liegen hier in Quartier. Das Regiment hielt in unserer Umgebung ein Scharfschießen ab. Die Absperrung der Burg ist seit heute mittag in Kraft getreten. Sämtliche Schulen werden zum Empfang des Großherzogspaares Spalier bilden.
R. B. Darmstadt, 26. Aug. (Provinzialiams- schuß.) Das Kreisamt Bensheim hatte beantragt, der Hebamme Krämerin Ober-Beerbach, die in letzter Schwur- gerichtsperiode wckfien Vergehens gegen § 218 St.-<N.-B. zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt rtrurbe, die sie in Butzbach verbüßt, ihr Prüfungszeugnis für verlustig $u erklären, damit sie später ihr Gewerbe nicht mehr ausuben kann. Dem Antrag wurde stattgegeben und die Hebamme zur Zahlung der Kosten des Verfahrens und 5 Mk. Geld strafe verurteilt.
8. O f f e n b a ch a. M., 26. Aug Schlachthausdirektor Zeeb, der neulich vom Amtsgericht wegen Vergehen gegen das Nahrungsmittelgesetz (in der städtischen Kindermilchanstalt iuar Milch mit zu geringem Fettgehalt aus un vorschriftsmäßig verschlossenen Gesäßen mit vorschriftswidriger Bezeichnung verkauft worden) mit 120 Mk. nebst 21,60 ßNk. Kosten bestraft worden war, hat die immerhin nicht ungewöhnliche Kühnheit gehabt, in einer Eingabe an die Bürgermeisterei um llebernabme der Strafe auf die Stadtkasse nachzusuchen. In der gestrigen nichtöffentlichen


