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25.5.1910 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

General-Anzeiger für Oberhessen

160. Jahrgang

Nr. 110 Erstes Blatt 160. Jahrgang Mittwoch 25. Mai 1010

Der «etzever Anzeiger Ä a ä vezugSpretS:

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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Der deutsche Kaifer und die Zriedensiüee.

Ein ehemaliger norwegischer Minister hat die angeb­lichen Kaisern-oric in London zum (Gegenstand von öfsent- lichen Betrachtungen gemacht, die das amtliche Wolff'sche Bureau »ociterocrbreitet. Daß die Kleinstaaten den Frie- densgedantcn nachhaltiger anhängen, ist begreiflich; sre haben dabei nichts aufs Spiel zu sehen. Bon dem norwegi- schcn Staatsmann wird auch die nicht ganz von der Hand zu weisende Vermutung ausgesprochen, Rooftvelt Jonne den Kaiser zu seinen Aeusterungen angeregt haben. Das könnte die von uns bereits geäußerten Bedenken gegen denFrie- dcnsbund" nicht gerade entkräften:

C h r i st i a n i a, 24. Mai. Der Vorsitzende des norwegischen 9Lotelkomitees, der ehemalige 'Staatsminister und Minister des Aeußern Lövland, beschäftigte sich in der Abendnummer des Dagblads" mit der angeblichen Aeutzerung KaiscrWilhelms gegenüber dem französischen Minister des Aeußern, P i ch o n, über die Begründung eines Friedensverbandes der euro­päischen Staaten und bemerkt unter anderem:

Nach den eingegongenen kurzen Mitteilungen ist es noch un­klar, worauf ber Kaiser hinzielt; ob darauf, daß die europäischen Staaten sich organisieren sollten und zwar derart, daß sic sich verpflichten, Frieden zu halten und den Frieden aufrecht zu er­halten, falls ihn jemand stört, oder daß die Staatskunst in der allgemeinen Friedens- und Kulturarbeit ihre Ziele haben soll. Gehen wir nun davon aus, daß der Kaiser die Gelegenheit be­nutzte und der französischen Regierung direkt und vertraulich sag«, daß man jeßt an eine europäische Fricdensorganisationj denken müsse, so ist dies umso leichter zu verstehen, als er gerade von seinem Zusammensein mit Roosevelt in Berlin kam, der in seinem Robelvvrtrag in Christiania die gleichen Gedanken entwickelt hat; teils wies er, wie früher Carnegie und andere, auf die Bereinigten Staaten mit ihrem höchsten Gericht (nid) bei Streitigkeiten zwischen einzelnen Staaten hin, teils sprad) er sich für eine Friedensliga zwischen den Staaten aus, die wirklich den Frieden wünschen, mit reinen Händen austreten können und von anderen den Frieden verlangen. Endlich verwies er energisch auf die Schaffung einer internationale nPolizci- b e h ö r d e zur Aufrechterhaltung des Friedens. Die Annahme liegt nahe, daß diebeiden auSgeprägtenGegenwarts-- m e n s ch e n im Laufe des Gespräd)es gemeinsame Ideen gefunden haben, denen der Kaiser nun aud; auf seine Weise Ausdruck gegeben hat. Bisl)er ist diese Idee vor der Masse der Politiker gcwöhnlicb für eine unpraktische Utopie angesehen worden. Neu ist, daß die aktuellsten Politiker unserer Tage die praktische Erörterung aufnehmen. Nichts zeigt klarer das Wachsen des Friedensgedankens in unserer Zeit. Man darf sich nicht täuschen lassen bezüglich der praktischen Schwierigkeiten. Ist erst der Will e da, so müssen auch die Schwierigkeiten überwunden wer­den können. Die Aufgabe ist groß, und die Staatsmänner, die sie der praktischen Lösung zuführen, werden einen größeren Namen in der Geschichte der Menschheit gewinnen als die Führer der großen Eroberungskriege.

Aus der englischen Presse wird noch einiges müßiges Gerede mitgeteilt, aus dem aber auffällig die Behauptung herausfällt, der deutsche Kaiser habe es jetzt in der Hand, ben Frieden 31t sichern. Dahinter stecken wohl ähnliche Absichten wie hinter dem gemeldeten und abgewiesenen Wunsch des Bureaus'Reuter, der Kaiser möge England einÄbschicdswort" sagen.

London, 24. Mai TerDailv Chronicle" schreibt: Der Kaiser, als der größte Kriegsherr Europas, h a t die cnt- spreäiendc Macht, den Frieden zu,fordern, und wir schließen uns der Hoffnung derNorddeutschen Allgemeinen Zeitung" an, daß die Ueberzeugung sich kräftigen möge, daß zwischen den beiden Reichen keine Schwierigkeiten bestehen, hie nicht durch guten Willen und gegenseitige Verträglichkeit besei­tigt werden rönnen. Hierzu wird beitragen, wenn bei offen!- Heften Erörterungen in beiden Ländern jedes an den anderen ben Maßstab anlegt, den es auf sich selbst angewendet zu sehen wünscht. Wenn die Rüstungen dann noch eine Zeit lang in beiden Ländern

fortgesetzt werden müssen, dann möge man sie auch hier fort- sctzen auf der gemeinsamen Grundlage, daß ein Jeder berechtigt ist, seiner eigenen nationalen Interessen sich zu wehren, ohne dem Verdachte der Drohung gegen Andere ausgesetzt zu sein. Dadurch, daß wir demgemäß sprechen und handeln, können wir alle dazu beitragen, die Wirkung der an der Bahre Stinig Eduards versammelt gewesenen Trauerkonferenz nachhaltiger zu machm.

Daily Telegraph" schreibt: Der ganze Verlauf der Anwesenheit des deutschen Kaisers in unserer Mitte stärkt die Hoffnung, daß die Teilnahme an unserer Trauer eine bleibende und greifbare Frucht zeitigen möge. Es wird für beide Nationen unmöglich sein, zu ihrer regelmäßigen politischen Arbeit zurück­zulehren, ohne die Erinnerung an die rührenden Szenen, welche den Haii'c*- und den König so nahe zusammengebracht haben. Wenn früher auf beiden Seiten der Nordsee ein gewisses Maß von Verdrießlichkeit und Reizbarkeit zutage trat, so ist es. sicher­lich jetzt an der .Zeit, wo düte jede Nation die Ereignisse ftei- nuitig nach ihrer Bedeutung für sich selbst beurteilen und den Gedanken verwirklichen kann, daß Deutschland und England in gleichem Maße für den Frieden der Welt verant­wortlich sind. Der deutsche Kaiser vor allem hat diese Entscheidung in der Hand. Wir sind uns darüber klar, daß ibn in erster Linie die Dinge beschäftigen, die das deutsche Volk angehen, während wir uns das Recht Vorbehalten, die Dinge unter englischen Gesichtspunkten zu betrachten. Aber jenseits dieser nationalen Verschiedenheiten bleibt so viel Ge­meinsames, eine so breite Basis guten Willens und ein so un­endliches Interesse an der Ausbreitung der Zivilisation durch einen friedlichen Handel, an dem beide Nationen ihren Anteil nehmen können, daß der Gedanke eines dauernden Mißverständ­nisses hinfällig und fast bedeutungslos erscheint. Wir sehen mit Vertrauen auf unsere große Schwesternation: die Deutschen ar­beiten Hand in Hand mit uns mit gleich ausdauernter Energie dem hohen Ideal des allgemeinen Friedens guten Willens ent- gegen.

Gehorsamsverweigerung im französischen Heere.

Wieder einmal wirb aus Frankreich über Fälle berichtet, in denen die militärische Disziplin aufs Schwerste gefährdet worden ist:

Paris, 24. Mai. 600 Reservisten des 232. und 277. Infanterie-Regiments, welche zu einer Waffenübung in das Lager von Ruchand bei Tours geschickt worden waren, richteten an den Kriegsminister eine gcmeinsameBitt- s ch r i f t, in welcher sie unter Hinweis darauf, daß bas Lager sich in einer sumpfigen Gegend befinde, baten, die Waffenübung in einer gesünderen Gegend abhalten zu dürfen. Da derartige gemeinsame Reklamationen ver­boten sind, dürfte der Kriegsminister gegen die Reservisten strafrechtliche Maßnahmen treffen.

Nimes, 24. Mai. Im Lager von Massillan weigerten sich gestern abend 80 Reservisten, die Nacht in Zelten zuzu­bringen und verließen das Lager um 11 Uhr mit Waffen und Gepäck; sie marschierten unter Absingung der Jnter- nationaien nach Nimes, wo sie nach der Präfektur zogen, wurden jedoch auf dem Wege von zwei Kompagmen auf­gehalten und nach der Kaserne gebracht, von wo sie heute morgen nach dem Lager von Mcrssillcm zurückmarschierten.

Paris, 24. Mai. Nach MeldunLen, die im Kriegs- ministerium eingegangen sind, handelt es sid) bei der Weige­rung der 80 im Lager von Massillan untergebrachten Re­servisten, die Nacht in Zelten zuzubringen, nicht um eine antimilitaristische Kundgebung, sondern led'grich um einen unüberlegten Streich dreser Reservisten, die sich für eine Nacht der im Lager herrschenden Disziplin entziehen wollten.

Ob die französische Heeresverwaltung gegenüber der- artigen Vorkommnissen wirklich so duldsam bleiben wird?

politische Tagesschau.

Die Tabakverteuerung in Frankreich.

Aus Paris wird uns geschrieben:

Gegen die Verteuerung des feineren Tabaks und der milden Zigaretten legt sich der Entrüstungssturm nicht.

Liebenswürdigkeiten französischer Studenten.

Unser Pariser Mitarbeiter schreibt und:

Eine unentschuldbare studentische Kundgebung fand am Montag fm großen Hörsaale der medizinischen Fakultät bei dem Wett­bewerbe um das sogenannteAggregat" statt. Die Einwände gegen diese Einrichtung sind gewiß berechtigt, da sie von den hervorragendsten freien Gelehrten, die nicht dem Bonzentume angehören, nachhaltig verteidigt werden und die dafür vorge brachten Begründungen allen Unbefangenen einleuchten: aber gegen die Form muß scharf Einspruch erhoben werden. Sofort als die Iurv unter dem Vorsitze des Dekans Landouzh erschien, brad) in dem überfüllten Saale ein ungeheuerer Lärm aus. Es war unmöglich, zu dem Namensaufrufe der Kandidaten zu schreiten, so daß der Sekretär mit Kreide an die Wandtafel schreiben mußte:Nach der Verfassung des Reglements wird zu dem Aufrufe der Kandidaten geschritten: Sie müssen Ihre Namen auf der ausgelegten Liste einzeichnen." Als einige junge Mediziner, die als Söhne oder Angehörige der medizinischen Mandarine" bei ihren Kollegen schlecht angeschrieben sind, dieser Aufforderung Folge leisten wollten, nahm der Skandal nngc- heuerliche Ausdehnung an. Ein wahrhaftes Bombardement mit allen möglichen unappetitlichen oder schmierigen Gegenständen, faulen Eiern, Tomaten, unreifen Früchten usw. begann. Auch mehrere^Aerzte beteiligten sid) an diesem Treiben, durch das der guten Sache gewiß nidjt gedient wurde. Zwischen den Saal- Wachtern und den auf den Vorstand eindringenden Aufrührerischen entstanden wahre Handgemenge, bei denen mehrfache Verletzungen vorkamcm. Eine Gegenkundgebung steigerte die Verwirrung noch mehr. Trotzdem wurde der Namensaufruf in der angegebenen Art fortgesetzt und auch die Unzufriedenen entschlossen sich vielfach zum Unterzeichnen der Liste, uni auch weiterhin in den Prüfungs­fach gelangen^und in den nächsten Tagen den Lärm fortsetzen zu fönnen. Schließlich wurde sogar ein Feuer aus Zeitungen in einer Ecke des Saales angezündet, das nur mit Mühe erstickt merben konnte. Die RufeEntlassung, Entlassung",Rücktritt, Rücktritt",Raus mit bat Mandarinen",Nieder mit den Favo- riten!" hallten immer drohender wieder, so daß man es als eme^wahre Erleichterung empfand, als endlich gegen 31, - Uhr geräumt wurde. Nachher unterzeichneten 52 von den kür die-Prüfungen äugelai jenen Kandidaten einen Protest gegen tee Ruheftörer, die ihrerseits in einer im Cafä Soufflet am

Abend abgehaltenen Versammlung beschlossen, ihrenWiderspruch" aufrecht zu erhalten. Denn es folgen noch fünf andere Aggregats- Wettbewerbe für die verschiedenen Sonderfächer. Das verspricht sehr heiße Tage, ohne daß abzusehen wäre, wie den Tumchten tiergebeugt werden könnte. Dieliebenswürdigen Studenten" erklären, die ganzen Zulassungs-Prüfungen seien ungültig wegen der durch sie erzwungenen reglementswidrigen Form, und somst sei Hoffnung vorhanden, daß endlich dem Aggregatsunwesen der Garaus gemacht werde. Uebrigens halten auch die Professoren des Prüfungs-Ausschusses mit ihrer Geringschätzung der ver­alteten, zu zahllosen Mißbräuchen Anlaß gebenden Einrichtung nicht zurück und Professor Landouzh beispielsweise erklärte selbst daß das Aggregat mindestens sehr reformbedürftig sei,

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Das Kasseler Jugendbildnis Schillers. Das angeblich nach England verkaufte und als verschollen geltende sogenannte Kasseler Schiller-Bild, von dem, um eine Art Ersatz zu bieten, die Kasseler Galerie 1904 eine Kopie von ziemlich geringem Kunstwert angetauft hatte, ist durch die Bemühungen von Dr. M. Rubenfohn wieder aufgefunden worden. Es ist, seitdem es 1785, nach Kassel gekommen, stets hier geblieben und nach dem Tode seines vorletzten Besitzers, des Geh. Sanitäts- rats Dr. Schmidt, (1891) als teures Vermächtnis von dessen Erben, dem Rechnungsrat R. Bode, in treuer Obhut bewahrt worden. Dr. Rubenfohn, der dem Bilde ein eingehendes Studium widmen durfte, ermittelte durch Entdeckung der Signatur auch den Maler: eshwar rin Zögling der Karlsschule, IakobFriedrichWecker- len <17611815), der mit Schiller seit 1773 bekannt war und das Bild 1782, also im 23. Lebensjahre des Dichters malte. Das rötliche Haar Schillers wie die roten Augenbrauen, die Sommersprossen, die trotzig hervorragende Unterlippe, die charak­teristische Nase mit, ihrem in der Mitte gewölbten Rücken, der zarte Bartflaum auf der Oberlippe sind von dem jungen Künstler mit auffälliger und doch 'nicht aufdringlicher Kunst der Realistik zur Anschauung gebracht worden, wie anderseits auch des Dichters stolzer Genius, dasPathos der Seele", das deren Gefäß durch­glüht, aus den Zügen hervorleuchtet. Es macht dem Kunstsinn des hessen-kasselschen Erbprinzen Wilhelm, der damals als Ver­walter der Grafschaft in Hanau residierte, hohe (Ehre, daß er, wie Dr. Ruten sahn nachweist, gerade dieses Bild 1782 bei einem Besuche in Stuttgart erwarb, wobei er auch die Karlsschule und

sondern wird immer heftiger. Nachdem sich schon eine Liga gegen denzynischen Gewalrstreich gegen die Raucher" ge bildet hat, werden jetzt Stimmen von Aerzten laut, die diese Verteuerung als ein Verbrechen gegen die öffentliche Hygiene bezeichnen. Denn der Finanzmimster Cochery er zwinge durch seine Reform eine Erweiterung des Ver­brauches des gewöhnlichen französischen Tabaks (Eaporal orbinaire), der wegen seines starken Mlotingehaltes un­geheuer schädlich sei. Die Arbeiter, die nur in gewissen Stunden rauchen könnten, würden weniger von dieser Ge fahr getroffen, aber die Schriftsteller, .Künstler, Gelehrten: für alle geistigen Arbeiter, die das Rauchen für die 2ln- regung ihrer Gedanken nicht entbehren können, bedeute die kolossale Preiserhöhung der £rient»3igarettcn eine un absehbare Gefahr. Denn ivenn ihre Mittel üjnen nicht diese Ausgabe gestatteten, würden sie durch denCaporal orbinaire", zu dem sie greifen müßten, der Mlotinvergif- tung unwiderruflich ausgeliefert. An den Greisen, denen das Rauchen noch der einzige Lebensgenuß sei, und an ben zahlreichen Politikern habe Cochery mit seiner Tabat- preiserhöhung ein wahrhaftes Verbrechen begangen, das nicht ungesühnt bleiben dürfe. Es sind schon wegen kleinerer Ursachen als einer Erhöhung der Tabakpreise sehr gefährliche Bewegungen in Frankreich drohend emporge­wachsen, so daß man diese nicht über die Achseln hinweg behandeln darf.

Die deutsch-ägyptischen Handelsbeziehungen.

Zur Verlängerungdesdeutsch-ägyptischen Handelsabkommens schreibt die Zentralstelle für Vor­bereitung von Handelsverträgen:

Eine interessante Ergänzung der amtlichen Denkschrift, die zur Begründung der Vorlage kürzlich dem Reichstage unterbreitet wurde, liefert der Bericht des englischen Ge­neral-Konsuls in Kairo über das Jahr 1909. Diesem ist zu entnehmen, daß Deutschland das einzige unter den großen Konkurrenzländern war, dessen Ausfuhr nad) Aegnp ten durch die ungünstigen Verhältnisse des Jahres 1909 keinen Rückgang erfuhr. Die Einfuhr aus Großbritannien, Fraukreick), oer Türkei, Oesterreich-Ungarn, Italien, Belgien verzeichnet durchweg eine Verminderung, die Einfuhr aus' Deutschland sogar eine kleine Steigerung. Umsomehr muß es aufsallen, daß unser Anteil an oer ägyptischen Ge­samteinfuhr leider noch immer recht bescheiden ist und nicht nur hinter dem Anteil Englands weit znrücksteht, sondern auch von demjenigen Franlreichs, der Türkei und Oesterreich-Ungarns übertroffen wird. Im Jahre 1909 ent­fielen von der Gesamteinfuhr 30,3 v. H. auf Großbritannien- 13 v. H. auf Frankreich, 11,8 auf die Türkei, 6,4 auf Oester­reich-Ungarn und nur 5,7 auf Deutschland.

Es bleibt also itodj viel zu tun, wenn wir uns auch irr Aegypten einen unserer sonstigen Stellung auf dem Welt­märkte entsprechenden Platz fid)ern wollen. Erfreulicher­weise läßt sich das laufende Fahr gut für uns an: Dio ägyptische Einfuhr aus Deutschland erfuhr im ersten Viertel-- fahr 1910 eine weitere beträchtliche Steigerung. Mit gutem Fortgang des Ausfuhrgeschäfts nad) Aegypten darf umso­mehr gerechnet werden, als nach Ausweis der Zahlen über die Gesamteinfuhr die geschäftlichen Verhältnisse sich wieder zu bessern beginnen.

Deutsches Asich.

Müs Potsdam wird amtlich gemeldet: Prinz Louis Ferdinand von Preußen, der zweite Sohn des Kron Prinzen Paares, ist feit Montag an einem fieberhaften Bronchialkatarrh, verbunden mit rechtsseitiger Mittelohrentzündung erkrankt. Der bisherige Verlauf der Krankheit ist befriedigend.

deren Künstlerzimmer besichtigte. Er nahm es, als er 1^85 als Landgraf Wilhelm IX. feinem Vater Friedrich TI. folgte, mit nach Kassel, wo es in der Porträtgalerte ter alten Kattenbürg seinen Platz fand. 'Diese brannte unter .Jerome 1811 ab, und hierbei wurde das Bild, ftrilich nur muvescntlich, beschädigt. Daher wurde es, wie noch viele andere, versteigert und tarn so in die Hände eines Lakaien, dessen Nachkommen cs der oben erwähnte Dr. .Schmidt um 1880 abkauftc. Seine Veröffentlichung steht, wie die K. Z. schreibt, schon in den nächsten Wochen bevor.

60 Millionen für eine Universitäts-i Stiftung. Durch das Vermächtnis des kürzlich verstor­benen amerikanischen dNillionärs Isaac W y man aus Salem in Massachusetts ist die Universität Princeton nun zu einer der reichsten Universitäten Amerikcrs aufgerückt. Wyman, der an der Princeton-Universität studiert hatte, vermachteals ein Erinnerungszeichen alter Anhänglich, feit an meine liebe Alma mater" der Universität 60 Millio­nen Mark.

Preisaus schreiben. Professor T. Sanel onguef in Paris hat, wie dieKlin.-therapeM. Wochenschrift^ meldet, eine goldene Medaille und einen Preis von 5000 Francs für die teste chirurgische Leistung gestiftet. Der Wettbewerb ist inter­national, doch soll die Medaille nickst zweimal nacheinander An­gehörigen ter gleicher! Nation verliehen roerten. lieber die Zu­erkennung des Preises, der dem Chirurgen zufällt, ter in den letzten zehn Jahren die beste chirurgische Entdeckurrg gemacht oder die beste Arbeit über rin chirurgisches Thema verfaßt hat,, entscheidet ein internationaler Ausschuß.

-7 Das Buch der Gouverneurin. In Rußland hat sich ein Zensurstücklein abgespielt, das immerhin einzig in seiner Art sein dürste. Die Moskauer Zensur hat eine Ver­ordnung erlassen, durch die das in Kaluga erschienene BuchIn ter Welt der Pferde" beschlagnahmt wird, weil es im höchsten Grade unsittliche Sck)ild.rungen aus ter russischen Gesellschaft enthielte. Nachdem das Verbot erlassen war, stellt sich heraus, daß die Verfasserin des Buches die Gattm des Gouverneurs von Kaluga, die Fürsttn Gortschakow ist. Die Bestürzung in Moskau soll nicht gering gewesen fein, und man hätte gar zu gern das beschlagnahmte Buch sofort als eine geeignete Lektüre für Backfische bezeichnet, wenn es sich nur trgenb hatte machen, lagen.