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Zweites Blatt
Nr. 20
160. Jahrgang
Dienstag 23. Januar 1010
Gietzener Anzeiger
Erscheint tSglkch mit Ausnahme des Sonntag«.
General-Anzeiger für Gberheffen
Die „Sietzener LamtliendlStter- werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblati Mr den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtfchastlichea Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Rotationsdruck and Verlag der vrühklch« UnwersitätS • Buch- und Steindruckerei. ÖL Lange, Gießen.
Redaktion, Exveditton und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: 5L
Redaktion: ^^112. TeL-Adr^AnzetgerGleßen.
lassungen hervorgeru
sich heute erlaubt, daß man die mittleren Baubeamten 2 ter Bahnklasse fahren läßt. Fabreu doch selbst akademische Beamte, welche das Fahrgeld nicht sp^iell zu liquidieren brauchen, 3 ter Klasse.
Deutsche Kolonien.
— Die alljährliche Denkschrift über die Entwicklung des Kiauts ch0u-G e b i e t es ist soeben dem Reichstage zugegangen. Das Jahr 1909 brachte auch dem Kiautschou-Gebiete eine entschiedene Besserung der Lage, indem die Krisis langsam überwunden wurde, die während der vorangehenden Jahre den Weltmarkt beherrschte. Die Tatsache darf man, ohne sich allzu großem Optimismus hinzugeben, gewiß als Zeichen für eine gesunde Grundlage ansehen, auf der die Entwicklung der Kolonie aufgebaut ist. Der Gesamtwert des Handels ist von 49 704985 Doll, im Jahre 1907/08 auf 65 019877 Doll, im Berichtszeitraum, also um 36,8 Prozent, gestiegen. Gegenüber der bislang günstigsten Entwicklungsperiode (1906/07) mit 51502 440 Doll, beträgt die Steigerung 13 427 437 Doll, oder rund 25 Prozent. Hieran rst be- onders die Ausfuhr beteiligt. Die Gesamtausfahr stellte ich auf 26 449 426 Doll, gegen 18416 548 Doll, im Vorahr. Der Schiffsverkehr des Tsingtauer Hafens ist von 432 Schiffen mit 519 292 Reg.-Tons in 1907/08 auf 511 Schiffe nrit 670 085 Reg.-Tons in 1908/09 angewachsen; das ist eine Ste urung von rund 18 bezw. 29 Prozent. Der Gesamtbetrag der eigenen Einnahmen der Kolonie belief sich auf 2 399000 Mk. Die eigenen Einnahmen übersteigen bereits den für die Deckung oer fortdauernden Ausgaben der Zivilverwaltung erforderlichen Betrag. Aus dem Berichtsjahre ist hervorzuheben: Die Gründung einer chinesischen Handelskammer, die Einrichtung einer Zweig- niederlasiung der chinesischen Staatsbank in Tsingtau. Als charakteristisches Anzeichen dafür, daß das Vertrauen auf die Entwicklung Tsingtaus auch von anderen Nationen geteilt wird, ist zu verzeichnen, daß hervorragende fremde Firmen in zunehmendem Maße damit vorgehen, im deutschen Schutzgebiete Zweigniederla,sungen zu begründen. Große fremde Schiffahrtslinien haben begonnen, den Hafen der deutschen Kolonie auf direkten Fahrten nach Europa anzulaufen. Das Betriebsjahr brachte erhebliche Fortschritte rm Ausbau des Bahnnetzes nach dem Hinterlande.
Schule, Litern und Lehrherren.
Man schreibt uns: Es sei einem Sei/rer gestattet, in folgendem kurz auf einen llebelftanb hinzuweiien, den zu beseitigen im Interesse der Geschäftswelt sowohl, als auch der Schule und ihrer Lehrer gelegen ist. Der herannahende Entlassungstermin der Volksschüler gibt die Veranlassung, sich nut einer Klage zu befassen, die hin und wieder in Kaufmanns- uno Gefafaststteisen zu hören ist. Mancher Kaufmann hat ein Lehrmädchen, mit dem er weder bezüglich der Kemstnisse, noch der Fähigkeiten, noch auch des Betragens zufrieden ist. In den meiften Fällen wird der Schule, bezw den Lehrern, der Vorwurf gemacht, daß jene jungen Leute nicht genügend vorgebildet aus der Schule entlassen worden seien. Ja, haben sich die GeschäftsherrLN immer ü-o r der Ausnahme eines Lehrmädchens versichert, vb sie mit ihm gut fahren werden? Haben sie sich ihre Schulzeugnisse bordeigen lassen? Sind sie mit dem Lehrer jenes Mädchens in Verbindung getreten, um eine gewissenhafte Auskunft zu erlangen? — Aus meiner Erfahrung sei ein Fall erzählt, der zu denken gibt. Aus meiner Klasie war ein Niädcheii. entlassen üDrden, dessen Zeugnis die Betragensnote 4 auftvies. Nicht wenig erstaunt war ich, als ich hörte, es sei als Lehrmädchen in einem der ersten Geschäfte hier tätig. Ich wunderte mich jedoch nicht, als ich nach einiger Zeit vernahm, daß cs Weyen Untersclstagung entlassen iwrben sei. Trotzdem scheute sich ein anderes Geschäft nicht, es gleichfalls mit ihm zu versuchen; mit welckMN Erfolg, wage ich mir zu vermuten. Solche und ähnliche Erfahrungen haben wir schon so oft gemacht, daß es uns notwendig erschien, die Geschäftsinhaber aus diesem Wege zu bitten, sich in allen Fällen, wo Mädchen sich um eine Stellung bewerben, an die betreffenden Lehrer zu wenden und sich eingehend nach den Verhältnissen der Stellesuchenden zu erkundigen.
Zugleich) sei auf etivas anderes aufmerksam gemacht, was auch die Eltern angeht. Muß denn jedes Mädchen, wenn es ihm
Man schreibt uns aus Gießen:
Die dieser Tage in Mainz abgehaltene Versammlung derBauaspiranten,die aus dem ganzen Lande stark besucht war, bot in ihrem Verlaufe einen Beweis der starken Erregung, die durch die von der Regierung verfügten Entlassungen hervorgerufen ist. In längeren Ausführungen wurden die Bauverhältnisse des Großherzogtums, sowie die Ursachen der derzeitigen trostlosen Lage der Bauaspiranten beleuchtet. Hierbei wurde besonders hervorgehoben, daß die dem Kunststraßengesetz anhaftenden großen Mängel sehr viel zur Verschlechterung ihrer Verhältnisse beigetragen haben, da die Kreise ihre technischen Hilfskräfte nach Belieben annehmen und nicht die geprüften hessischen Baudienstanwärter dem Dienstalter nach verwenden. Sogar nichthessische Techniker würden bei manchen Kreisverwaltungen verwendet. Würde hier einmal Abhilfe geschaffen durch Entlassung nichtgeprüfter und nichthessischer Techniker und das Kunststraßengesetz von 1896 dahin abgeändert, daß die Kreise gesetzlich verpflichtet würden, nur Bauaspiranten zu verwenden, dann wäre die Notlage der Bauaspiranten beseitigt.
Die von der Regierung abgegebene Erklärung, nach der bereits im Oktober v. Js. Erhebungen durch einen Referenten stattgefunden hätten, mußte insoweit als richtig bezeichnet werden, daß man wohl von Personal-Erhebungen gewußt habe, jedoch etwas Bestimmtes konnte von den vorgesetzten Behörden nicht in Erfahrung gebracht werden. Ebenso sei die Ankündigung vom 2. Dez. v. I., daß ein Teil der jüngsten Aspiranten entlassen werden müßte, dem Personal an den Aemtern er ft am 14. Dezember zur Kenntnis mitgeteilt worden; 14 Tage später, am 28. Dezember,
Vorschläge zur Organisation der hessischen Baubehörden.
Aus einem Kreise Oberhessetts erhalten wir folgende Zuschrift:
Die „düstere Finanzlage^ Hessens beherrscht zurzeit alle Kreise unseres engeren Vaterlandes. Ueberall begegnet man Vorschlägen zu Verbesserungen. So hat auch der Finanzausschuß bei der Haushaltsberatung alle möglichen Verbesserungsvorschläge gemacht und u.a. auf die Notwendigkeit einer Abänderung der Organisation der Baubehörden hingewiesen und in dieser Richtung seinem ernsten Willen dadurch Ausdruck verliehen, daß er a ch t Hochbauinspektorenstellen nur auf den „Inhaber" bewilligte. Auch die Regierung will auf diesem Gebiete eine Aenderäug und hat il a. schon daraus hingewiesen, daß das Straßenwesen unter die Oberaufsicht der Prvvinz zu stellen sei. Die schlechte und teuere Organisation der Baubehörden von heute ist hauptsächlich durch das 1896 er Kunststraßengesetz herbeigeführt worden. Wird diese „praktischer" gestaltet, so rann in der Tat Geld gespart werden und nicht zum wenigsten an Diäten und Reisekosten.
Der Abgeordnete Dr. Osann hat vor nicht langer Zeit die Ansicht ausgesprochen, „Hessen werde viel zu viel von akademischen Beamten regiert", es gäbe eine Menge von Arbeiten, die man ebensogut den „mittleren Beamten" übertragen könne. — Wohl auf keinem Gebiete wäre dies leichter möglich, als auf dem der Straßenbauverwaltung. Das Straßenwesen kann unbedenklich den mittleren Baubeamten mit etwas mehr Selbständigkeit überlassen werden, zumal neue Straßen kaum nodh gebaut werden. Es ist nicht nötig, daß, wie es heute der Fall ist, die Straßen von allen möglichen Beamten „revidiert" werden, es genügt vollauf, wenn dies durch die Kreisstraßenmeister unter der Oberleitung eines Provrnzialbaubeamten geschieht.
Anders verhält es sich auf dem Gebrete des Hochbauwesens. Hier ist es nötig, daß eine Organisation geschaffen wird, die den Jnteresien des Staates und des Publikums vollauf entspricht und nicht zu teuer wird. Das Hochbauwesen uno alles, was damit zusammenhängt, wie bte Baupolizei, die Gebäudebrandversicherung und die Denkmalspflege muß in „eine Hand" gelegt werden, so daß jeder Kreis ein „Kreisbauamt" erhält, das sowohl bas Bauwesen des Staates wie der Gemeinden auszusühren hat. Und damit nicht allzu viele Reisekosten entstehen, sollte man das Unterpersonal rm Kreise verteilen und auch diesem mehr Selbständigkeit einräumen, insbesondere was die Unterhaltungsarbeiten angeht. Dabei wäre es falsch, die „Kreisbauämter" an die Kreisämter anzugliedern. Der Vorstand des Kreisbauamts als „Fachmann" mit akademischer Bildung, braucht keinen Verwaltungsbeamten, der rhm den Weg zeigt, wie im Kreise gebaut werden muß. Werden die Beamten mit mehr Selbständigkeit ausgerüstet und es erfolgt eine vernünftige Einteilung der Bezirke, so sind weniger Beamte nötig und der Staat spart an Gehälter und Pensionen. Andererseits muß die Regierung aber auch verlangen können, daß der Beamte seine Schuldigkeit tut und ferne ganze Kraft für die Interessen des Staates einsetzt und sich nicht, wie dies heute vielfach der Fall ist, mit „Privatarbeiten" beschäftigt Man soll deshalb Beamte, wie die Gewerbe-Haupt- lehrer, die nur fünf Monate des Jahres beschäftigt sind, die übrigen sieben Monate des Jahres zur Beschäftigung bei den Kreisbauämtern heranzieyen, denn der Staat kann verlangen, daß diese Beachte, welche als Nicht-Akademiker bis zu 4600 Mk. Gehalt beziehen, auch voll beschäftigt werden. Schließlich sei noch daraus hingewiesen, daß auch die „Diätenmacherei" auf dem Gebrete der Bauverwaltung in eine Erscheinung getreten ist, die es angezeigt erschernen läßt, auch hierin Wandel zu schaffen. Die Diäten müssen Wegfällen und den Baubeamten, die vorzugsweise auswärts sein müssen, hierfür entsprechende Entschädigung ge- währt werden. Jedenfalls ist es aber ern Luxus, den man
folgte schon ihre Kündigungsverfügung.
Einstimmig wurde beschlossen, die Regierung zu ersuchen, die Prüfung für den mittleren Baudienst brs aus weiteres nicht mehr abzubalten, nur dadurch würden Leute von einer vollständig aussichtslosen Laufbahn abgehalten.
Nach eingehender Aussprache wurde folgende Entschließung angenommen:
„Die Versammlung erblickt in der überraschenden Aufkündsi gimg von 28 bei der Staatsbauverwaltung seit 2Vs—7 Vs Jahren beschäftigten Bauaspiranten eine große Härte, welche für die hierdurch plötzlich beschäftigungslos werdenden Beamten in dieser Zeit allgemeinen wirtschasllichen Tiefstandes ganz be- sonders fühlbar wird.
Die Versammlung hofft, daß Hohe Regierung und die Zweite Kammer der Landstände für dieses Etatsjcchr doch noch die erforderlichen Mittel bewilligen, damit die geßinbigten Bau-' aspiranten so lange weiter beschäftigt werden können, bis dieselben anderweite Stellung gefunden haben. Des weiteren hofft die Versammlung, daß Hohe Regierung und die Zweite Kammer der Stände für das Kunststraßengesetz von 1896 in geeigneter Weise Ergänzungen schaffen, durch welche die Kreisverwallimgen gesetzlich verpflichtet werden, nur Bauaspiranten zur Besetzung der Kreissttaßenmeisterstellen dem Dienstalter gemäß zu verwendens_________________________________________
Das Wirtschaftsjahr <909^
L
Tie Einleitung zu Dem demnächst int Druck erscheinenden Jahresbericht der Handelskammer für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach lautet:
In der Einleitung unseres vorjährigen Berichts haben wir ausgeführt, daß zu der ungünstigen wirtschaftlichen Lage im Jahre 1908 die unsicheren politischen Verhälmisse sowie die schwierige Finanzlage des Reiches ungemein viel beigetragen haben. Auch tn dem abgelaufenen Jahre konnte sich ein wesentlicher und nachhaltiger Umschwung zum Bessern auf wirtschaftlichem Gebiete nicht vollziehen, weil es nock) immer an den Grundlagen einer gedeihlickren Entwickelung von Handel und Industrie fehlte, nämlich an der politischen Ruhe und an der Bewegungsfreiheit.
Es war wohl zu Anfang des Jahres in der allgemeinen politischen Lage durch das Marokko-Abkommen sowie durch die Ber
auch noch so sehr an Fähigkeiten dazu mangelt, unbedingt ent „Ladenfräulein" werden? Gibt es nickst so viele andere Berufe, die ihm besser „lagen"? Aber mir scheint, als ob Arbeitsscheu und die Sucht, wie etwas „Besseres" auszusehen, die Haupte Ursache wären, warum sich manches Mädchen scheut, einen anderen! Beruf Lu ergreifen. Wer will heutzutage noch Dienstmädchen werden? Ta müßte man sich ja ichämen! Nicht wahr? Gerade als solches aber hätte es Gelegenheit, sich in allen häuslichen. Fertigkeiten auszubilden. Und vor allen Dingen lernt es den Wert der Arbeit schätzen, was ihm im späteren Leben nur von Vorteil sein kann.
Versammlung der hessischen Bauaspiranten.
ZCUines ^cuitUtoiu
— Angelo Neumann über feine Berliner Planc. Einem gelegentlichen Berichterstiatter tn Prag gegen» über hat sich der Generaldirektor der zu errichtenden „Großen Oper" in Berlin, Direktor Angelo Neumann, über feine Ab- fübten und Pläne näher ausgesprochen. Auf die $rage, ob er die „Große Oper" als ausgesprochenes Wagner-Theater führen will, antwortete ec mit „Selbstverständlich nein". Die Zeit zur Gründung eines Richard Wagner-Theaters sei vorbei, und schon oer Name „Große Oper" sage, daß der Spielplan alle jene Kunstwerke umfassen müsse, die man unter großer Oper verstehe. Es solle selbstverständlich auch Wagner der breiteste Raum im Spielplan überlassen bleiben, doch sollen alle ktasmchen gvotzen Opern liebevollste Pflege finden. Steummtn äußerte jid> tlehr begeistert über die Aufnahme, die er in Berlin gefunden habe, und ist überzeugt, daß das kunstsinnige Berliner .Publikum. im „Große Oper", so wie er fit zu führen beabsichtigt, wärmstens begrüßen und auftichtig unterMtzen werde. Heber fein Scheiden von Prag äußerte sich Neumann folgendermaßen: „Es ist ftlbit- verständllch, daß sich an einem Arbeitsfeld, das ich durch 25 Jahre bearbeitet habe, mit großer Liebe hänge, und kaum irgend ein anderes Angebot aus irgend einer anderen -Stabt der Well Ijätte mich bewegen föimen, Prag zu berlall'en. Berlin ledoch hat mick) bereit gefunden, sogar den Posten, den ich durch em Vierteljahrhnndert hier als Wächter deutscher Kunst in Böhmen aus dem heiß umstrittenen deutschen Boden der Hauptstadt Prag gehallen habe, zu verlassen. Berlin ist mir stets mit großer Anerkennung entgegengekommen und hat mich schon bor 2U Bahren mit offenen Armen empfangen, als ich gelegaituch metner Tournee mit einem Ensemble dort gastiert habe Ter Wirlungs- ireis, der meiner in Berlin wartet, ist ]o groß und künstlerisch verlockend, daß sich mir volle Befriedigung veriprechen barf. Hubern hat man mir so glänzende Bedingungen gestellt, daß ich schon aus dieser Tatsache ersehen habe, ivelchen Wert man auf meine Mitarbeiterschaft legt, und es war mir bald vollkommen klar, daß ich dem Rufe folgen und diese Sendung erfüllen müsse Teis so dankbare und verständnisvolle, Berluter Publikum wird mit uns fein, und ich bin der festen Zuversicht, daß ein großes, ehrliches und künstlerisck>es Werk zustande kommen wird." fJteumaiui ist von größter körperlicher und geistiger Frische, und wenn er von jemer Berliner Ausgabe spricht, isigt er die Lebhaftigkeit und den Schaffensmut eines Jünglings.
— Eine drollige Ze n s u r g es chichte batte die Aufführung des muiit<tiifä^n Dramas „Mis6 Brun' von Pierre
Maurice in Graz im Gesvlge gei-aot: Die gestrenae Zensur hatte, wie die M. N. N. in einer Besprechung mittcilen, sämtliche lateinischen Texte der würdigen Geistlichkeit bei der Prozession im ersteit Aufzuge und in der letzten ejene verboten. So mußte das Orchester einzelne Sätze ohne Chor spielen. Bei der Hinrickstungsszene im letzten Alle gab die Obrigkeit den weisen Rat, anstatt des „Kyrie eleison" irgend ein undeutliches lateinisches Gemurmel hören zu lassen. Und so ließ der etwas übermütige Regisseur die frommen Mönche ein dusteres — „Gaudeamus igitur" murmeln! Sv ward die Zensur beruhigt und das ahnungslose Publikum immer noch tief erschüttert!
Dbk. Die Aufgabe des Lesers. Balzac meint einmal, die Aufgabe des Romanschreibers sei es, die Ideen gehörig zu gestalten. An einem überjeugenben Beispiel will der episckse Dickster etwas aussagen über den Sinn des Weltgeschehens. Er schildert eine Reihe Mensckxcn, schildert ihre Umgebung, die Triebfedern ihrer Handlungen und ihre Schicksale. Er wirkt das ganze Gewebe von Figuren und Gescksthnissen, um die höl-ere Idee, die dieses Getriebe bestimmt, darzulegen. Demnach hätte der Leser Die Ausgabe, durch diese dichterische Gestaltung vvrzudrmgen zu dem ideellen Leitgedlmken. Er müßte, so er den eigentlichen Wert des Wertes erfassen will, von dem gegebenen Einzelveiipiel wieder dem Rückschluß machen auf das Weltganze, das Kdsmisckst. Viele bleiben beim Lesen stets an der Ooerfläckst. Sie suchen. rncksts als leichte Unterhaltung, folgen entzückt oder gespannt dem Verlaut der Getcksthnisse, die Abwicklung der Begebenheit nimmt sie völlig gefangen, Menschen aller Art ziehen an ihrem inneren Auge vorüber wie die Personen, die man vom Fenster aus über die Straße vommen sieht. Was aber bleibt? Die Fabel ist doch ichließlich nur ein Fall, den der Verfasser herausgreift aus dem tunten, vielgestaltigen Leben. Es gibt langweilige und unter- K'1 |amc, gleichgültige, rührende und ergreifende Fälle, ^hre ntnis macht den Menscheii innerlich noch nicht reicher, -tau Eheleute einander lieben und betrügen, daß Schulknaben unter Oie Räder kommen, daß Künstler oder Erfiiider mitunter ichlunme Schicksale zu erdulden haben, ehe sie anerramit werden, sind Tatsachen, die einem weit eindringlicher das tägliche Leben aufzeigt. Unter der Führung des Dichters die Gesctzlichkeft lüldjer Vorkommnisse zu finden, ist Has Erlösende, das Beireiciide. Man steht dann dem Leben nicht mehr so eritaunt hilflos gegenüber, man erkennt die Wurzel, sieht in der mitunter so bizarren Verknotung der Schickiale die eljerne Notwendigkeit, xaö ist der fee* Lifate Gewinn, den der Dickster zu geben hat iutb geoen will. Er bleibt in seinen letzten und feinften Absichten unoerItanben von den Leuten, die sich bei ihm obenhin unterhalten .oollcn, die aus
Mangel an eigener Phantasie zu der fremben ihre Zuflucht nehmen, wenn sie über eine langweilige Stunde hinwegwvllen. Diese Neigung hat nnebemm abgefärbt auf eine ganze Menge Schreiber, die mit flinker Feder immer flott an der Oberfläche hcruniplätschern. Sie muten ihren Lesern gar nicht mehr zu, Pwblemen nachzuspüren. Die Balzacsche Forderung, Ideen zu gestalten, verlachen sie. lieber ein paar Bogen hinweg wird eine Fabel gesponnen. Menschen treten auf und ab, bis zum Schluß alles wie eine Seiferi- blafe bläht. Es ist die sogenannte „Unterbaltungälettüre", die als leichtes geistiges Betäubuirgsmlltel gedacht ist. Solche Erscheinurrgen waren es wohl, die Strindberg zu dem sarkastisck^en Wort verleiteten, daß Bück)erlesen eine besondere Art von Fauchest |ct. Dem rechten Leser ist das Lesen neben der ästhetischen Freude an der Form eine AuseinaliderfetziUig mit einem Stück Welt. Tie sckfale Gedankenlosigkeit lehnt er entrüstet ab, um in erzhaltigen Schächten zu schürfen. Paul Westheim.
— Eisblumen, ,^JHr lacht svohl über den Träumer, der Murn en im Winter sah?" heißt es in einem der schönsten Lieder ans SckMbert-Müllers „Wiisterreise". Damit sind die phantastiü schen Gebilde gemeint, die der Frost an die Scheiben unserer Bimmer zaubert. Nicht nur Kinder, auch die für künstlerische Tinge empfänglich-en Großen freuen sich der durchsichtig-zierlichen Schöpfungen, die an exotische Wunderpflanzen und ganze Palmenhaine erinnern. Wie ein Vorhang sckstießen sie das trauliche Zimmer von der unwirtlichen Außenwest ob, und wer hinaussehen will, muß es machen wie der kleine Stal) in dem schönen Andersen- ichen Blärchen und eine heiß gemachte Kupfermünze an das Glas pressen. Wie entstehen nun die.zierlichen. Kristallfvrmationen? Ter in der Zimmerluft enthaltene Wasserdampf verdichtet sich beim Austressen auf die kältere Fensterscheibe^ scheidet sich an ihr ab und erstarrt zu Eis, wobei es sich zu Kriltallln formt. Geht die Kristallbildung schnell vor sich, was bei größerer Kälte unb Wind der Fall ist, dann werden die Eisblumen besonders schön. Jeder sich ansetzende Kristall zeigt nämlich auf der senkrechten Fläche die 'Neigung zu fallen, aber in dem Augenblick, da er sich neigt, schicht schon ein anderer Kristall an und so fort. Dadurch erklärt such auch die Kurvenform, in der die von unten nach oben schießenden Kristalle sich anorbnen. Diese Kunstformen der Natur sind so vielgestaltig und prächtig, daß Professor H. Schoentjes in Gent ein Bändchen über Eisolumen mit vierzig Bildtafem nach Pl^otographien herausgegebcn hat. Er lehrt darin auch die Kunft, Eisblumen zu photographieren, und sie üt es wert, geübt «1 werden.


