In der Sitzung des Gesamt-Bürgerschastsansschnffes als Kandidaten für das Stadtverordneten-Kollegium gewählt:
Brück, Franz, Hoflieferant
Emmelrus, Louis, Stadtverordneter
Helfrich, Friedrich, Stadtverordneter
Helm, Fritz, Stadtverordneter
Hornberger, Wilhelm, Kaufmann
Huhn, Louis, Stadtverordneter
Jnderthal, Christian, Fabrikant
nachstehenden Herren
Jann, Karl, Stadtverordneter Jaskowsly, Max, Gastwirt Krailing, Karl, Schlossermcistcr Luley, Joseph, Oberlehrer
Müller, Cmil Heinr., Schrcinermeister
Schmidt, Adolf, Agent
Mitbürger!
vom 15. November 1910 wurden die
Indem wir diese Herren der Bürgerschaft Gießens wärmstens empfehlen, machen wir besonders darauf aufmerksam, daß ihre Wahl ohne Rücksicht auf Stand, Berns oder politische Zugehörigkeit erfolgt ist.
Wir empfehlen deshalb in ihnen Männer, die geeignet erscheinen, das Nllgemerninteresse der gesamten Bevölkerung nuferer aufblühenden Stadt tatkräftig zu fördern und bitten daher unsere Mitbürger mit aller Entschiedenheit für deren Wahl am kommenden Dienstag einzutreten.
Bürgerschafts-Ausschuß:
Bäcker-Innung, Beamtcn-Verein, Bürger-Verein, Bezirks-Vereine: Nord-Ost, Nord-West, Ost, Niegelpfad, Seltersbcrg, Süd-West; Christlich-Sozialer Verein, Detailliften-Verein, Dentsch-Sozialer Verein, Fleischer-Innung, Friseur- und Perückenmacher-Jnnnng, Gastwirte- Verein, Handwerker-Vereiuignng, Hausbesitzer-Verein, Maler- und Weißbinder-Innung, p”/11)________Mittelstands-Vereinigung, Nationalliberaler Verein, Schreiner - Innung.
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Die von der gesamten Bürgerschaft erwarteten Kundgebungen der beiden Vereinigungen zur Stadtverordneienwahl liegen nun vor. Aber beide müssen die Bürgerschaft enttäuschen. Auf dem einen, dem Bürgerparteizettel, ein tolles Spiel des Zufalls, welches Namen von seitherigen hochocldienten Stadtverordneten auslaßt und andere dafür einschiebt, welche nur einseitige Interessen vertreten. Auf der anderen, der fieifinn-gen Liste, ein Paktieren mit der Sozialdemokratie. Beide Wohlvor^chlüge sind jeder für sich unmöglich und können nicht den Gesamtinteressen der Bürgerschaft dienen.
Eine Anzahl Bürger stellte deshalb eine neue Liste von Herren auf, deren Namen beiden Wahlvorschlägen entnommen sind und die die Wanten der seitherigen Stadtverordneten enthält, die nicht zu wählen kein Grund vorliegt.
Unsere Liste lautet:
1. Ludwig Emmelius, Stadtverordneter
2. Karl Brück, „
3. Wilh. Grünewald, „
4. Ludwig Huhu, „
5. Friedr. Helfrich, „
6. Friedr. Helm, „
7. Karl Orbig, ,,
8. Karl Ang. Faber, „
9. Herrn. Eichenauer „
10. Karl Jann, „
11. Max Friedberger, Kaufmann
12. Prof. l)r. Aiob. Sonrmer
13. Franz Brück, Möbelhändler
Wir bitten unsere Mitbürger, diesen Herren ihre Stimme zu geben.
Gießen, den 18. November 1 10. DiB/n
Einige unabhängige Wähler.
Detaitto! toMer!
Welche Vertreter des Kleinhandels finden sich in der Kandidatenliste der frcifinnig-sozialdemokratischen Vereinigung? Keine!
Wie viele neue Vertreter des Handwerks haben neben den vier neuen Sozialdemokraten darin Platz gesundend Keine!
Detailliften, Handwerker tut am Dienstag Eure Schuldigkeit!
D-/u Fiete Fertrelcr des Mittelstands.
Zur Stadtverordneten-Wahl!
Wähler, Mitbürger! Für die am nächsten Dienstag den 22. November vor« zunehmende Sladtverordnetenwahl wurde voin sozialdemokratischen Wahloerem beschlossen, eme gemeinsame Liste mit der Freisinnigen Volkspartei aufzuflellen. Gemäß diesem Beschlüsse Schlägen wir folgende Kandidaten vor:
Carl Orbig, Stadtverordneter
Georg Becemann, Kontrolleur Herrn. Eicncnauer,£tai)ti)cioit>. C. Aug. Faber, Spengler, Stadtv. Max Friedberger, Kausmann W. Grünewald, R.-A., Stadtv.
Louis Huhn, Architekt, Stadtv. Franz Schnell, Prwatbeamter Prof. Dr. Robert Sommer Prof. Otto Urstadt, Oberlehrer Friedrich Vetters, Redakteur.
Wir stellen nur elf Kandidaten auf, weil die freisinnige Volkspartei die bisherigen Stadtverordneten Kommerzienrat Emmelius und Friedr. Helm mit auf ihre Liste nehmen wollte, wir aber nach dem Vorgehen der Nationalliberalen, die unsere Partei von der Lladtoertrelung gänzlich ausschliefzen wollen, leinen Angehörigen dieser Partei wählen lönnen und wäre er uns auch persänlich sympathisch.
Wähler I Bisher war die Sozialdemokratie nur mit zwei Mann in der Stabt* verordneten-Versammlung vertreten. Das ifi ein schreiendes Mißverhältnis, da wir sagen können, daß mindeitens ein Drittel dec Einwohnerschaft sich zu uns zählt. Darum muß die nunderbemittelte und arbeitende Bevölkerung, als deren Vertretung sich die Sozialdemokratie bezeichnen darf, für eine stärkere Vertretung sorgen. Geht deshalb alle zur Wahl und gebt den vorgeschlageiien Zettel unverändert ab!
°VU
Tas sozialdemokratische Wahlkomitee.


