Ausgabe 
3.10.1910 Erstes Blatt
 
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tri siebenen Altertumssammlmrgen mehr an die Oeffent- lichleit zu bringen. Das städtische Archiv, das w-ertvolle mittenjtufe aus französischer Zett enthält, ist den meisten Bewohnern kaum dem Namen nach bekannt, ebenso geht cs mit der staatlichen Altertumssammlung auf der Saline. Da nun Räume frei werden, will man alle Altertumssamm­lungen der x^tadt in einem Gebäude als Bad-Nauheimer Museum vereinigen.

= Bad Nauheim, 2. Okt. Die Mitglieder des Kirchenchors des Zaren", tveldye bei seinen Andachten in der russischen Kirche die liturgischen Gesänge aufführen, geben am nächsten Dienstag, 4. Oktober, im neuen Kurhausc unter der Leitung des Kapellmeisters Bogdanow ein Wohltätigkeits- Konzert. Der Betrag fällt demVerein für Säuglingsfürsorge in Hessen" und derKinderheilanstalt Elisabethenhaus" in Nau­heim zu. TasProgramm zerfällt in zwei Teile: 8 Kirä>cngesängen, il a. Cherubun, Musik von Bachmetew; Russisä^-Griechisches ^Glaubensbekenntnis, Musik von Gretschaninow, 1. Psalm mit Ehorbegleüung von Archangelsky, und in 8 weltliä>e Lieder, u. a. russisches Volkslied von Musorsky, 2 Lieder von Sokotow, Wolgalieo von Balakirew. Ein öffentliches Auftreten dieser Hof­kapelle des Zaren Männerqartette von außergewöhnlich künst­lerischen Qualitäten ist nur mit Genehmigung des Zaren Mässig, die Erträge müssen stets für wohltätige Zwecke veruxmdet werdew Tie Stellung dieser Chor sang er als Hofbeamte ist lebens­länglich und pekuniär sorgenfrei.

X G r o ß - K ar b en, 2. Okt. Eine Ack erb an- und O b st­au s st e l l u n g , verbunden Mit Tierschau, wurde gestern auf derGehspitze" im Beisein des Kreisrats Schliephacke- Frieüberg und zahlreicher Aussteller durch Landtagsabg. Breiden- baä)-Dorheim eröffnet. Den Rundgang durch die Ausstellungs­räume leiteten die Ausstellungsleiter Kreutz-Gießen und John- Friedberg. In den beiden Hauptabteilungen wurde vorzügliches geleistet. Hervorgeboben zu werden verdienen die Gesamtleistungen der Landwirte Diel-Ober-Wöllstadt, A. Hensel-Dortelweil und Hch. Bär-Groß-Karben in Ackerbau; in Obstbau zeichneten sich besonders aus die Sammelgruppen Brückmann-Groß-Karben und lBremermann-Ober-Erlendach. Bei der Tierschau wurden Sim- Mentaler Rindvieh und Saanenziegen prämiiert. An Preisen wurden auf der.Ausstellung insgesamt etwa 1200 Mark verausgabt. Der Besuch der Ausstellung war an beiden Tagen infolge des günstigen Wetters sehr stark. Die höchsten Preise erhielten in Ackerbau: Klasse 1: Beste Gesamtleistung, G. F. Diehl- Ober-Wöllstadt, Ehrenpreis S. Durchlauclst Fürsten Solms-Braun­fels; 1. Adolf Hensel-Dortelweil. Klasse 2: 1. Preis R. Herbert-Ober-Erlenbach Klasse 3: 1. Preis Al. Haas-Ober- Erlenbach. Klasse 5: 1. Preis R. Herbert-Ober-Erlenbach. Klasse 8: 1. Preis K. W. Kliem-Kloppenheim. Klasse 9: -Ehrenpreis Robert Wehrheim-Rodheim. Klasse 10: 1. Preis K. Bolz-Burggräfenrode. Klasse 11: L Preis H. F. Bär- Groß-Karben. Klasse 12: 1. Preis H. F. Die hi-Ob er-Wöll­stadt. K l a s s el 3: 1, Preis H. F. Bär-Groß-Karben. K l a s s e 16: 1. Preis Robert Herbert-Ober-Erlsnbach. In Obstbau erhiell: .Christ. Brückmann-Groß-Karbeu für beste Gesamtleistung den Ehrenpreis des Freiherrn von Leßner. Weitere 1. Preise er­hielten: Beigeordneter Jakobi-Rodheim v. d. H., Ludwig Seibold- INieder - Eschbach, Brückmann-, Margraf-Dortelwell, Ortsgruppe jOber-Eschbach, Robert Wehrheim-Rodheim, K. W. Kliem-Kloppen- !heim, Hch. Weidmann-Nieder-Roßbach, Gg. Phll. Herbert-Ober- sErlenbach, Gg. Peter Kuntz-Ob er-Roßbach, Rudolf Brememann- Ober-Erlenbach, Joh. Nik. Michel, Baumwart, Nieder-Erlenbach, Br. Äug. Bar-Mdesheim, H. Fink-Vilbel, Äise Herbert^ber- -Erlenbach, Aug. Simon-Ober-Roßbach. Bei der Tierschau wurden an folgende Züchter erste Preise ausgegeben: A. für Simmentaler Rindvieh: Bürgermeister Fauerbach-Okar­ben, Hch. Fauerbach-Okarben, Joh. Hch Geibel-Klein-Karben, Fr. Gebb-Klein-Karbeu, W. Wehrheim-Okarben, Wilh. Weiß-Klein- Äarben. L. für Saanenziegen: 1. Lämmer: W. Hch Adam- Rendel, Karl Thorn-Klein-Karben, Wilh. Kitz-Rendel, 2. Zeil- Siegen: Phil. Faß und H. M. Hirsck)-Klein-Karben, 3. Aeltere iZiegen: Fr. Maier-Rendel, Koch-Rendel, .Fr. Klös-Rendel, K. Nahrung-Klein-Karben, F--Klein-Karben, W. Kitz-Rendel, 4. jüngere Ziegen: I. P. Schäfer und Koch-Rendel, Karl Thorn- Klein-Karben, K. Silberling-Rendel u. K. Reinhardt-Klein-Karben.

Darmstadt, 2. Okt. Gestern starb hier der frühere evang, Pfarrer in Auerbach Dr. Karl Eigenbrdt.

O Krofdorf, 2. Okt. Die hiesige Apotheke ging imit dem gestrigen Tage an Apotheker Krause aus Marburg über. Herr Ruhl hat die Apotheke zu Biedenkopf er­worben, deren Uebergabe am 1. Januar 1911 erfolgt.

(!) Rodheim a. d. Bieber, 2. Okt. Am Samstag tagte bei Gastwirt Bender der Vorstand unserer bisherigen Gärossen- schaftskasse gemeinsam mit dem neu gebildeten Vorstände der für den 1. Januar beschlossenen Bezirk ss Parkas se, zu der Landrat Tr. Daniels erschienen war. Während der Verbands­ausschuß von den beteiligten 8 Gemeinden gewählt wird, wurde in der gestrigen Sitzung der Aufsichtsrat gebildet, der die Be­amten der Kasse zu wählen batte. Tie bisherigen Leiter der Kasse Hingen einstimmig aus der Wahl hervor. Direktor Heymann und 'Kassenführer Bender find feit dem Jahre 1894 in ihren Aautern; auch Kontrolleur Steinmüller wurde wieder gewählt.

Gesamtausfiug des v. h. L. nach tllsfelö.

Ter gestrige Sonntag war für die Veranstaltung des Vogels- sberger Höhen-Klubs ein herrlicher Wandertag, der fast alle Zweig- Vereine zu froher Wanderschaft hinausführte, die dann tn Als­feld gemeinsam beschossen werden sollte. Golden lache die liebe Sonne vom blauen Himmel hernieder, als wollte sie die Men- ,scheu über das Herannahen der rauhen Jahreszeit täuschen. Der Gießener Zweigverein hatte seine planmäßige Wanderung -um 8 Tage früher gelegt, damit auch seine Mitglieder der großen jHeersstau beiwohnen konnten. So ging es denn in stattlicher Zahl, über 50 Personen, von Ehringshausen durch prächtigen Laubwald, der schon in allen Farben des Herbstes schillerte, dem lieblichen Jägertal entlang nach Romrod, wo Mittagsrast gehalten wurde. Ter weitere Weg führte nach Liederbach, wo schon eine Menge wanderlustiger Leute aus nah und fern, es waren Mitglieder der Zweigvereine Lauterbach, Schlitz, Laubach, Schotten, Grünberg usw., zusammengeLmmen waren. Nach kurzem Aufenthalt erschienen auch die Frankfurter und Offenbacher, schon von fern durch herzlichesFrisch auf" begrüßt und nun ging es in hellen Schaven, wohl einige Hundert Männlein und Weiblein, voran eine Musikkapelle, dem freundlichen Alsfeld zu, das zu Ehren der Gäste teilweise Flaggenschmuck angelegt hatte. Kurz vor dem Städtchen wurden die Wanderer noch einmal angenehm über­rascht. Tie Alsfelder Jugendwehr, feldmarschmäßig ausgerüstet, mit fliegenden Fahnen, Lanzen und Gewehren, l^grüßte schon von weitem mit kräftigenFrisch auf" - Rufen die Ankommenden, um sich dann mit strammem Schritt an die Spitze des Zuges zu stellen. In Alsfeld selbst hatten sich schon einige Stunden vorher die Zweigvereine mit dem Hauptvorstand zu einer außer­ordentlichen Hauptversammlung zusammengefunden. Bon den dabei verhandelten Punkten seien erwähnt: Tie Ausnahme des jüngsten Zweigvereins Hanau mit 60 Mitgliedern und Bewilligung von 15 000 Mark zum Bau eines weiteren Unter» .kunftshauses auf dem Hoherodskops. Auch die den einzelnen Zweigvereinen vorher übersandte Geschäftsordnung für den Wegebezeichnungs-Ausschuß wurde nach längerer Besprechung mit wenigen Aenderungen angenommen. Nach dieser ernsten Ta­gung begann in dem mit Girlanden und Wimpeln festlich ge­schmückten Saale desTeutschen Kaiser" ein feuchtfröhliches Trei­ben, das leider nur zu schnell verlief. Nach einem begeistert auf­genommenen Hoch auf unseren Landesfürsten begrüßte der Vor­sitzende des Alsfelder Zweigvereins Amtsrichter Tr. Heyer die zahlreich Erschienenen in längerer Ansprache, während Bürger­meister Tr. Ising die V. H. K. er namens der Stadt be­willkommnete. Eine besondere Würze erhielt die Veranstaltung durch den Vortrag eines äußerst gelungenen ober hessischen Volks­stückchens : Ter Einzug des B. H. K. in RebHeshain, in dem namentlich das Leben und Treiben einer oberhesftschen Spimtstnbe

von früher und jetzt anschaulich geschildert wurde. Nachdem man auch dem Gesänge gehuldigt, wurde eine Anzahl Lichtbilder, präch­tig gelungene und ausgewählte Motive aus dem alten Alsfeld, das ja in Wirklichkeit wahre Perlen mittelalterlicher Baukunst birgt, vorgeführt und von Hauptlehrer Schindel in trefflicher Weise erläutert. Ter Alsfelder V. H K. war den Frankfurtern auf ihrer heurigen Begehung des weiß--roten Bandes entgegen­gegangen und bei dieser Gelegenheit eine uralte kernige Buche zwischen Groß-Felda und Romrod auf den Namen: Benderbuche geweiht, dem begeisterten Verehrer seiner oberhessischen Heimat und Schöpfer des weiß-roten Bandes zum Tanke. Diesen Moment hat der Photograph im Bilde festgehalten und am Abend in vor­züglicher Weise oorgeführt. Prof. Bender lehnte aber in be­scheidener Weise diesen Tank ab.und gedachte ferner der Eigenart der Oberhessen, denen feinFrisch aus" galt. Nachdem noch eine gelungene Szene aus dem Alsfelder Handwerkerleben vorgetragen wurde, war es höchste Zeit zum Aufbruch und hochbefriedigt ver- ließen die zahlreichen Teilnehmer die gastliche Stätte. F.

töcricbtsjaai»

[] Marburg, 2. Okt. Die Strafkammer verurteilte den schon vielfach vorbestraften Arbeiter Karl Michel aus Lollar, der beim Transportarbeiter-Verband unter Verheimlichung feiner Vorstrafen Mitglied geworden und nachher Gelder unter!tragen und sein Mitgliedsbuch gefälscht hatte, zul Jahr Gefängnis.

Nancy, 1. Okt. Das Kriegsgericht hat den Haupt m a n n kontant), ehemaligen Zahlmeister des 37. Infanterieregiments in Troyes, wegen Veruntreuung von 11 000 Franken und wegen Fälschungen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt und abgesetzt.

ziugwoche Metz-Trier.

Trier, 1. Oktober.

Tie Flugveranstaltung, die in so glänzender Weise be­gonnen hatte, endett heute mit einem tief beklagenswerten Unglücksfall, bei dem ein junges Leben vernichtet wurde. Ter Marine-Oberleutnant d. R. Haas, einer der jüngsten Flugzeugführer Deutschlands, stürzte bei Wellen (etwa 20 Kim. von Trier entfernt) in vollem Fluge jäh ab und war sofort tot. Das Flugzeug wurde vollständig zertrüm­mert.

Als es am'letzten Flugtage (Samstag) bis gegen 4 Uhr weder Thelen noch Engelhard gelungen war, ihre Apparate zum Flugplatz Trier zurüctzubefördern, kamen für die Konkurrenz nur mehr Haas und v. M o ß n e r in Betracht. Das Flugzeug von Haas war am ersten-Flug­tage bei einem mißglückten Start beschädigt worden. Im Laufe der Woche wurden die notwendigen Ersatzteile be­schafft. Die Montierung nahm jedoch offenbar unerwartet lange Zeit in Anspruch. Eine Stunde vor dem verhängnis­vollen Start waren die Monteure noch an der Arbeit. Die Zeit drängte: vor 5 Uhr nachmittags mußte der Start zur Fernfahrt erfolgen. Um 4 Uhr 4o ließen beide Führer ihre Apparate zum Startplatz fahren. Oberleutnant von Moßner lenkte den Eftgelhardschen Apparat Nr. 2, kam aber nur schwer hoch und landete nach wenigen Sekunden, wöbet eines der Laufräder beschädigt wurde. Gleich darauf erhob sich Haas mit Leutnant Rausch vom 161. Jnf.- Regt. Auch dieser Anstieg endete rasch in einem dem Flug­feld benachbarten Acker. Da dem Führer der Passagierflug nun offenbar zu schwierig erschien, bestieg er allein fernen Sitz, startete mit kurzem Anlauf, fuhr die vorbeschrtebene Runde in ganz geringer Höhe und ging dann tn rasender Fahrt aus die Reife.

Oberleutnant HaaS abgestürzc.

Der Ueberslug tn Igel (5 Kilometer) wurde sofort gemeldet. Kaum eine Viertelstunde später aber vermittelte der Draht die Schreckensnachricht von dem Absturz.

Von einem Augenzeugen wurde uns folgendes berichtet: Mitten in fchärfster Fahrt hielt der Apparat mit jähem Ruck an, die beiden Hälften der oberen Tragfläche bogen sich nach oben, brachen und wurden weggeschleudert. Der übrige Tell fiel aus einer Höhe von annähernd zweihundert Metern herab. Man sah während des Falles den Führer die Arme ausbreiten; es hatte den Anschein, als wolle er aus dem Gestänge heraus- tlettern. Im Fallen erfolgte ein dumpfer Knall. Ter wuch­tige Aufprall zersplttterte den Apparat vollständig. Die Hinzueilenden zogen den unalücklichen Führer sofort unter den Trümmern hervor. Jedoch konnte der Arzt, der im Kontrollewagen sofort zur Stelle war, nur den Tod fest­stellen.

Das Unglück ereignete fich in unmittelbarer Nähe der Kalk- und Dolomitwerke Jtschert il Co. Die Ursache konnte bisher nicht festgestellt werden. Doch sprechen alle An­zeichen dafür, duß ein Schaden an der Kette eintrat.

Gegen Abend traf von Trier aus der Staatsanwatt ein. Ein Sergeant und 10 Mann des Infanterie-Regiments Nr. 69 hielten während der Nacht die Wache. Sonntag morgen wurde die Leiche zum Garnisonlazarett überführt. Die Eltern des Verunglückten, der erst 25 Jahre zählte, sind inzwischen in Trier eingetroffen.

Oberleutnant v. Moßner unternahm vor dem Unaluck noch einen kurzen Probeflug auf dem Flugfelde, verzichtete bann aber endgültig auf den Start zur Fernfahrt.

Die >SchaufLge in Metz wurden nicht abgesagt.

Hierzu erhalten wir noch folgende Drahtnachrichten:

Metz, 1. Okt. Der Flieger Haas, der um 4 Uhr 59 Min. m Trier ohne Passagier zum Flug nach Metz startete, ist bei Wellen a. d. Mosel gestürzt. Haas ist tot, sein Apparat zerbrochen.

Metz, 1. Okt. Da um 5 Uhr Startschluß war, hat Jeannrn den ersten Preis in Höhe von 20000 Mark für den Ferns lug gewonnen.

Metz, 1. Okt. Zu dem Todes stürz des Flie­gers Haas wird noch weiter gemeldet: Die Leiche des erst 23 Jahre alten Fliegers ist schrecklich verstümmelt, namentlich am Hinterkopf. Man sah den Apparat um 5 Uhr 15 Min. über Wellen sich plötzlich überschlagen. Es schien, als ob er in sich zufammendreche. Man hörte einen Knall wie von einer Explosion, sah auch Rauch, aber feine Flammen. Dann überschlug sich der Apparat mehrere Male und fiel dicht hinter den Wellener Kalkwerken in einen Birnbaum und dann zu Boden. Zwei Stabsärzte, die im Automobil dem Apparat folgten, trafen an der Unfallstelle alsbald ein, konnten aber nur noch den $ob des Fliegers feststellen, der unter den Trümmern seines Apparats hervorgezogen wurde. Angeblich soll das Un­glück durch Bruch des Kettengestänges verursacht worden sein. Nach dem Bekanntwerden des Unfalls auf dem hiesigen Flugplatz wurden die Fahnen Halbmast ge­hißt. Die morgigen Schauflüge fallen nicht aus.

Metz, 1. Ott. Um 5 Uhr 46 Min. traf Thelen von seiner gejtrigen Landungsstelle Hauconcourt über dem Flug­plätze ein und landete um 6 Uhr 3 Min. Engelhard stieg um 5 Uhr (französische Zeit) von seinem gestrigen Landungsplatz bei Pompey auf, flog etwa 200 Meter in einer Höhe von annähernd 20 Meter, bann schlug der Apparat um und sank zu Boden. Der Apparat wurde mit Ausnahme des Motors beschädigt; der Flieger blieb un- vorletzt.

Kapitau Eugelhards Irrfahrt.

Nancy, 1. Oft. Kapitän Engelhard landete auf einer Wiese etwa 20 Meter von Meur t he freiwillig. Er wurde von den Behörden einem kurzen Verhör unterzogen, da sich aber nichts Verdächtiges ergab, seine Rückkehr frei- gestellt. Engelhard, der die Nacht auf einem Landgut in Clevy ent verbrachte, beabsichtigt, wenn sich der Nebel im Laufe des Vormittags verzogen hat, nach Trier und Metz zurückzukehren.

Metz, 1. Okt. Kapitän Engelh ard ist kurz vor 12 Uhr auf dem hiesigen Flugplatz im Automobil ein» getroffen. Er erklärte, die Franzosen hätten ihn ganz außer­ordentlich liebenswürdig behandelt und gestern abend sofort wieder in Freiheit gesetzt.

Paris, 2. Okt. Aus Nancy wird gemelbet: Kurz bevor Kapitän Engelhardt den Rückzug nach Metz aufnehnren wollte, trat ein Zollbeamter an ihn heran und verlangte von ihm als Zollgebühr für seinen Zweislächer 117 Franks mit dem Bemerken, daß er diese Summe zurückerhalte, falls er seine Flug- maschine oder dessen Trümmer über die Grenze nach Deutschland zurückbringe. Kapttän Engelhard, erlegte sofvtt den geforderten Bettag.

Zusammenstoß in den Lüften.

Mailand, 1. Okt. Bei dem Schnelligkeitswettbewerb stießen die Flieger Duckson und Thomas mit ihren Apparaten vor den Schuppen zusammen; beide Flieger fielen zur Erde und wurden schwer verletzt.

Lllstschiffahtt.

Fernfahrt desP. 4".

Chemnitz, 2. Oft. Die von der hiesigenAllgemeinen Zeitung" veranstaltete Fernfahrt des LuftschiffesP. 4" von Bitterfeld nach Chemnitz weckte in der Stadt schon in den frühen Morgenstunden reges Leben. Die hinter dem Sportplatz gelegene- als Landungsstelle besttmmte Wiese- war von einer nach vielen Tausenden zählerrden Menschenmenge umsäumt. Von einem Fessel­ballon aus wurde durch Flaggensignale das Passieren des Luft­schiffes befanntgegeben..P. 4" war um 8 Uhr 32 Minuten vormittags in Bitterfeld aufgestiegen, passierte um 9 Uhr 10 Minuten Delitzsch, um 10 Uhr 30 Minuten Probstheida und um 11 Uhr 45 Minuten Penig. Um 12 Uhr 10 Minuten wurde das Luftschiff, das auf seiner Fahrt teilweise mit heftigem Gegen- romb zu kämpfen hatte, von dem Landungsplätze aus gesehen. In der Gondel befanden srch vier Personen: Hauptmamr Ding- linger als Führer, Hauptmann Härtel, ein Chauffeur und ein Ballonmeister.P. 4" machte eine größere Schleifenfahrtj über der Stadt und landete glatt um 12 Uhr 35 Minuten, worauf Oberbürgermeister Dr. Sturm die Luftschiffer mtt einer turnen Ansprache begrüßte.

Fernfahrt desP. 6".

Straubing, 2. Okt. Das LuftschiffP. 6", das heute vormittag um 9 Uhr 2 Minuten in München aufgestiegen war, ist um IV, Uhr nachmittags hier glatt gelandet. Das Luftschiff hatte um IO1/» Uhr in der Nähe von Hallbergmoos bei Freising eine Zwischenlandung oorgenommen, von wo es eine halbe Stunde später die Fahrt fortsetzte.

Straubing ,2. Okt.P. 6" trat um 2 Uhr 50 Minuten die Rückfahrt nach München an. Das Publikum bereitete den Teilnehmern an der ^Fahtt sowohl bei der Landung wie bei der Abfahrt begeisterte Süiif)gelungen. Die Zwischenlan-- düng auf der Fahrt hierher war veranlaßt durch die Not-, wendigkett, Ballast aufzunehmen.

München, 2. Okt. Das LuftschiffP. 6" ist um 5 Uhr 7 Minuten hier wieder eingetroffen und glatt gelandet. Nach Mttteilung des Oberleutnants Stelling, der das Luft­schiff führte, erfolgte die Z wische nlaubung auf der Hin­fahrt wegen Nebels.

D as italieuische Militär lüft Mik st

Venedig, 1. Okt. Das lenkbare Militärlnftschifk Nr. 2 mußte während der Fahtt nach Venedig wegen Nebels um 6V3 Uhr abends, b« Porw Ealexia an her PoNündung landen.

Venedig, 2. Okt. Das letckbare Militärluft sch iftz Nr. 2 ist gegen 12 Uhr mittags vor seiner Halle gelandetä

ftlehte TagcschroniL.

Der Amtssekretär Liebe wurde heute in dem, GleiwiH benachbarten, Czerintzer Forst von Wilderern erschossen.

Die Erzieherin Emma Miguel, die bei der Fürstin von Pleß in Groß-Lichterfelde in Stellung gewesen ist, hat sich aus gekränktemEhrgei'z.da sie sich zurückgesetzt fühlte, im Tempelhoferkanal ertränkt. Die Leiche wurde geborgen.

Am dem Bahnhofe E l s ch e bei Göttingen wurden oonj einem Gnterzug zwei Weichensteller überfahren und getötet.

Der Bezirksamtssekretär Keller in K i tz i n g e n hat 10 000 Mark unterschlagen. Er ist seit Sonntag abend stüchtig.

In Lille wurden heute vormittag infolge eines Wolken­bruches mehrere Sttaßenüberschwemmt. Die Erdgeschosse meh­rerer hundert Häuser stehen unter Wasser.

Ein Tampfboot, das eine große Anzahl Matrosen zur Flotte,, die im H u d s 0 n f l u ß vor Anker liegt, zurückbrachte, ist, wie! aus Newy0rk gemeldet wird, unterwegs gesunken. Etwa 12 Matrosen sollen ertrunken sein, während ungefähr 60 gerettet wurden.

Am Grabe des jüngst verunglückten Fliegers Poillot aus dem Montmartre-Friedhose zu Paris erschoß sich aus Verzweiflung über besten Tod seine Geliebte, die Tänzerin Gabriele P r e v 0 st.

In der Gemeinde Croismare erschlug am Samstag abend im Verlause eines Streites der Glaser B a l tz den Glaser Friedel mit einer Eisenstange. Der Mörder wurde verhaftet.

Amtlicher Wetterbericht.

Oefsentliche Wetterdien st stelle Gießen.

Wetteraussichten in Hessen am Dienstag dem 4. Okt. 1910: Vorübergehend etwas Regen, dann wieder Aufheiterung, etwas kühler, ivindig.

GriginaUVrahtmetVungen.

^Niederwalgern, 3. Ott. Auf der hiesigen K i r» mes wurde ein Sattlergeselle totgeschlagen.

S. Offenbach, 3. Oft Der Ziseleur Imhof, der wegen seiner anarchistischen Gesinnung feine Arbeit mehr finden konnte, sollte beute früy wegen Diebstählen, Hehlerei usw. verhaftet tocr« den. Er schoß sich heute morgen eine Kugel in den Kopf und war sofort tot.

S erlin, 3. Okt Gerüchte, baß auf den Polizeipräsidenten von Jagow ein Attentat verübt worden sei, sind völlig aus der Luft gegriffen.

Buenos .Aires, 3. Oft. Das Denkmal, bas die französische Kolonie der Republik Argentinien zur Hundertjahrfeier schenkte, wurde gestern in Gegenwart des Präsidenten der Republik enthüllt

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