Erstes Blatt
160t Jahrgang
Montag ».Oktober 1910
Bezugspreis.
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diePost Mk. 2.—viertel- jährl. ausfchl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz, Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Feuilleton" und.Vermischtes" K. Neurath: für.Stadt u. Land" und „Gerichts-
Nr. 5831
Der Oietzener Snptatt erscheint täglich, nutzer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich OietzenerKamillenblatter; zweimal wöchentl.tllell- blatt für den UreiL Stehen ^Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land, wirtschaftliche Setstragev Fernsprech-Anschlüfie: für die Redaktwn 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen
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jährlich Mk. 2.20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 60 Pf.; durch
Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.
Vie Einberufung des Reichstags.
Während in parlamenllvrischen Kreisen allgemein die Ansicht herrschte, daß der deutsche Reichstag, der bis zum 9. November Vertagt wurde, möglichst zu diesem Termin zusammentreten müsse, um das reichhaltige, 'ihm vorliegende Material tunlichst so schnell aufzuarbeiten, daß für die Wahlbewegung Zeit genug übrig bliebe, wird jetzt durch die „Nodrd. Allg. Ztg." mitgeteilt, daß der Reichstag erst am 22. November wiürer zusammentreten soll. Als Grund für diese Hinausschiebung der Wiederaufnahme der parlamentarischen Arbeiten, die man höchstens bis zum 15. November erwartet hatte, wird angegeben, daß „der Stand der Arbeiten der wahrend des Sommers tauenden Ausschüsse, insbesondere der gerechtfertigte Wunsch des Versicherungsausschusses, seine Arbeiten vor Beginn der Vollverhandlungen zu einem Abschluß zu bringen, für die Wahl dieses Zeitpunktes bestimmend gewesen fei".
Es ist richtig, die Verabschiedung der Reform der Ber- sicherungsordnung durch den jetzigen Reichstag wäre ebenso wünschenswert, wie die Verabschieoung der hier nicht ausdrücklich genannten Reformen auf dem Gebiete des Reichsjustizwesens. Aber wir glauben, daß die beiden Ausschüsse ihre Arbeiten am 22. November ebensowenig abgeschlossen haben werden, wie am 15. oder 9. November. Denn gaty abgesehen davon. Laß der Beratungsstofs in beiden Fällen viel zu weitschichtig ist, um selbst bis Aum 22. November eine sachgemäße Ausschußerledigung finden zu können, scheinen, wenn nicht alle Anzeichen trügen, die Arbeiten überhaupt kein positives Ergebnis haben zu sollen. Die Reichsversicherungsreform dürfte ebenso wie die Justizreform an gewissen Differenzen scheitern, wie sie im Laufe der Ausschußberatungen zwischen der Majorität der Parteien wenig angebracht erscheint, den Zusammentritt des deutschen Reichstags bis zum 22. November hinauszuschieben, lind außerdem! Wird sich, selbst wenn der Versicherungsausschuß und Justizausschuß bei der zweiten Lesung zu einer Einigung mit der Regierung gelangen sollten, im Plenum des Reichstags Zeit genug finben, um ^iese recht umfangreichen und tief in alle Verhältnisse einschneidenden Gesetze wirllich ausgiebig zu erörtern Aind zu verabschieden?
Denn neben diesen beiden großen Vorlagen soll sich der Reichstag auch mit dem Wertzuwach s st euer - aesetz, dem Arbeitskammergesetz, dem neuen Friedenspräsenzgesetz unb natürlich, wie immer, auch mit dem neuen Reichsh aus y u.l. beschaff, mn, bie seine wegen der Neuwahlen nur verhältnismäßig kurz bemessene Zeit schon an sich reichlich in Anspruch nehmen dürsten. Nimmt man noch dazu das Gesetz über dieSchiff- sahrtsabgaben, die Versicherung der Privatbeamten, die Gewerbeordnungsnovelle und Die elsaß-lothringische Verfassung, Gesetze, die schließlich ebenso wichtig sind, wie Reichs- versicherungsordnung' und Strafjustizreform, und rechnet man da^u all die kleineren Vorlagen, die sich noch in Vorbereitung befinden, wie die Novelle zum Gesetz über die Staatsangehörigkeit und zum Patentgesetz, das Kur- pfuschereigesetz, das Abdeckereigesetz, die Regelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe, das Hllfskajsengesetz und die Handelsverträge mit Schweden, Japan und Guatemala, so
ist es schon an sich äußerst zweifelhaft, ob der deutsche Reichstag dieses reichen Beraturidsstofses, auch ohne Reichs- Versicherungs- und Strafjustizresorm, nur annähernd Herr zu werden vermag.
Wegen der strittig gewordenen Reichsversicherungs- resorm und Strafjustizreform aber den größten Teil des Monats November ungenützt verstreichen au lassen, während eine Anzahl der oben genannten Vorlagen, wie a» B. das Arbeitskammergesetz, zur Beratung reif sind, andere, wie z. B. die Gewerbeordnungsnovelle und das Wertzuwachssteuergesetz dringend der weiteren Förderung in den Ausschüssen bedürfen, und eine dritte Gruppe endlich, wie z. B. der Reichshaushalt und das Gesetz über die Friedenspräsenzstärke, eine Ausschußberatung so früh wie möglich erheischt, heißt doch geradezu die diesmal ganz besonders kostbare Zeit des deutschen Reichstages vergeuden — zugunsten einer ziemlich aussichtslosen Sache.
Nein, wenn man hier den Ansprüchen, die unsere auch in gesetzgeberischer Beziehung schnellebige Zeit an den deutschen Reichstag stellt, gerecht werden wollte, so mußte man die deutsche Volksvertretung schon zum 9. November einberufen und den Reichsversicherungsausschuß veranlassen, seine Arbeiten auch während der Tagung fortzusetzen, wie es doch sonst bei zahlreichen Ausschüssen geschieht. Die Einsetzung der beiden Sommerausschüsse bedeutete schon an sich ein Novum, das sich, da ihnen die Verbindung mit den Fraktionen fehlte, absolut nicht bewährt hat.
Klerifak Kundgebungen in Spanien.
Madrid, 2. Sept. Zahlreiche Katholiken, die heute früh der Messe in der Kirche Virgendel Pilar beiwohnten, zogen zu dem Palais des Zivilgouverneurs. Während dieser eine Abordnung empfing, umringten dieManifeftanten das Palais und fangen geistliche Lieder. Eine Gruppe von Republikanern antwortetemitderMar- seillaise. Es entstand eine Schlägerei.^ Die Gendarmerie zerstreute die Manifestanten mit Säbelhieben. Heute nachmittag herrschte wieder Ruhe.
Auch in zahlreichen Provinzstädten sind heute Wider- spruchslundgebungen gegen die Politik der Regierung veranstaltet worden, die überall, ausgenommen in den Provinzen von Valenzia und Saragossa, ruhig verlaufen sind.
Aus San Sebastian wird gemeldet: Am Sonntag wurde hier von etwa 30 000 Katholiken eine Kundgebung veranstaltet, bei der zahlreiche Reden gehalten wurden, die scharfe Anklagedie R girrung enthielten. Die Kundgebung verlief in vollkommener Ordnung.
Die Minister-Begegnung in Turin.
Turin, 1. Oft. Um 10 Uhr fuhren Graf Mehren- thal und Marchese di San Giuliano einem Besuch des Schlosses Mogne. Nach ihrer Rückkehr' speisten sie zusammen und begaben sich dann zum Bahnhof, von wo Graf Aehrenthal die Rückreise nach Wien antrat.
Aehrenthal sandte von .Pontebba'aus an San Giuliano folgende Depesche:
„Bevor ich Italien verlasse, drängt es mich. Ihnen heimlich für den liebenswürdigen Empfang zu danken, den Sie mir zu bereiten die Güte hatten. Es war mir besonders angenehm, unsere
Unterredungen wieder aufnehmen zu können, die uns gestatteten, die Uebereinstimmung unserer Ansichten betreffend die Fragen, die uns beschäftigen, feststellen! zu können. Aufrichtige, fteundschaftliche Gruße."
San Giuliano antwortete mit folgendem Telegramm :
,Lch danke Ihnen herzlich für die liebenswürdige Depesche. Meinerseits drängt es mich, Ihnen die Versicherung zu geben, daß Ihr Aufenthalt in Italien bei uns das beste Andenken hinterlassen hat, und daß ich mich Ihnen anschließe, um nochmals mit Genugtuung die Uebereinstimmung unserer Anschauungen seftzustellen.. Auftichtige und fteundschaftliche Grüße."
Die Zusammenkunft in Turin wird von den italienischen Blättern in sympathischer Weise besprochen. Sie heben die Bedeutung des Handschreibens des Kaisers Franz Josef und die Verleihung des Annunziatenordens an den Grasen Aehrenthal hervor, was ein Beweis der Intimität der Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien und zwischen den drei Mächten des Dreibundes sei. „Cor- riere d'Jtalia" sieht in dem Kommunique über die Zusamt menfunft eine autoritative Erklärung, durch welche die Gerüchte von angeblichen Aenderungen in der internationalen Lage, die nach der Salzburger Zusammenkunft eingetreten seien, in kategorischer Weise dementiert werden.
Die gefährliche Lage in Mazedonien.
Saloniki, 3. Okt. Heber bie Umgebung von JSnid- sche wurde der Belagerungszustand verhängt. Die Entwaffnung der Bevölkerung und die Haussuchungen werden mit größter Strenge durchgefühtt. Bei Gumendsche wurde eine 15 Mann starke Grie chen bande vernichtet.
AuS Janina wird die Meldung amtlich bestätigt, daß die Griechen eifrig dabei sind, die Grenze von Arta bis Loros zu befestigen und Geschützpositionen zu errichten und daß zahlreiche Offiziere dott eingetroffen sind. Auch die Schutzmannschaften an der Grenze wurden erheblich verstärkt.
Aus Heffe«.
Aus dem! Reichstagswahlkreis Alsfeld-« Lauterbach wird uns geschrieben: Sonntag den 9. Okt sindet in Lauterbach in der Burgwirtschaft eine national^ liberale Vertrauensmänneiw ersammluna des ganzen Walft- kreises statt, in welcher die Aufstellung des Rerchstagskandi- baten für 1911 erfolgen soll Wie bestimmt verlautet, wird ein Lanbw.rt aus dem Krerse Alsfeld aufgestellt oerderr,
Deutsches Reich.
PvlizeipHsident v. I a g ft' hatte an den amerikanischen Journalisten W i l e auf eine Beschwerde einen Brief gesandt, in dem es hieß: „Eure Hochwohlgeboren und Herren Berufs genossen haben sich mutig aber ordnungswidrig in eine Ausarnmengerottete Menschenmenge (§ 125 Reichs straf- gesetzouches) begeben. Ich bedauere lebhaft die Ihnen dadurch entstandene Unannehmlichkeit und wünsche dem verletzten Herrn Lawrence baldige Heilung. Der Dienst der Schutzmannschaft war in diesen Tagen ein außerordentx lich schwieriger. Wie ich mich selbst überzeugt habe, verrichtete die gesamte Schutzmannschaft ihn mit hochaner-
Vie Blume der Barmherzigkeit.
Mainz, 2. Oktober.
„Es war ein Sonntag hell und klar, ein selten schöner Tag im Jahr." — — — Helleren Auges, erfreut über das muntere, ameisenlebige Treiben fröhlicher Menschlein, lachte der blauwvlbige Himmel herab, besah sich die sttah- lende Sonne das Bill» fiebember Eile, sprühenden Lebens. Zu Hunderten eilten die weißröckigen, blitzäugigen Mädels durch die Sttaßen, Bastkörbchen mit quellenden Papierblumen gefüllt in den fchlcmk-weißen Armen. Sie sind noch heiterer wie der Tag. Sie gehen ganz in ihrer Betätigung als Blumenmädchen auf; denn erstens gehört es zum guten Ton, sich an einer solchen mildtätigen Veranstaltung zu beteiligen und anderersells hat es auch einen gewissen Reiz, sich der als Beruf armseligen Arbeit einer Blumenverkäuferin hinzugeben. Frei und ungezwungen kann man sich geben, lachend die Freuden dieser Betätigung einheimsen. Für all die luftigen Kinder ist es ein Sport, ihnen gilt nicht das persönliche Verdienst, für sie geht es nicht ums tägliche Brot. Die arbeiten unter oern Banner der offenhändigen Barmherzigkeit, der spendenden Nächstenliebe. Das gibt den Kerlchen Mut. In den Sttaßen, den Bahnsteigen, den Stagen drängen sie sich., kühn ihr Opfer verfolgend. Hat er Gluck, so schieben sich, ihm zwanzig weiche Mädchenarme entgegen, blitzen ihn muntere, aufforbernbe Augen an: „Bitte, eine Blume ber Barmherzigkeit!" Keine zögert, selbst die Verschämteste unter ihnen nicht. Es ist ja nicht für sie. Für kleine strampelnde Menschlein, die man vor Not und Krankheit bewahren will. Wer könnte da widerstehen. Man kauft v— kauft — — und kauft, vielleicht weniger des edlen Zweckes wegen als der schönen Anbieterinnen zu Liebe. Upb hat man nun gar Bekannte unter ihnen, so hat man natürlich erst recht für flotten Abgang zu sorgen, ja man ist geradezu verpflichtet. Allmählich zieht sich ber Verkauf um bie Stellen zusammen, wo die Regimentsmusiken ihre Weisen ertönen lassen. „Dort gibt es ein gutes Geschäft." In bunten Wirbeln drängt sich Jung-Mainz, Far- benglaft und Lebensmut allüberall. Gleich, einem lebendigen Blumenstrauß drängen-sich die buftigen Elfchen durch die wogenden Massen, ihre Waren mit Eifer verbreitend. Hier sieht man ein kleines Blondchen seinem Käufer die Blume ins Knopfloch heften, dort hält eine andere mit keckem Mut einem säumigen Käufer ihr Körblein unter die Nase mix läßt ivW- ab, biä er sich ein Blumleim er*i
standen hat. Und so geht es in wechselnden Bildern, in Hurtt gern Verkaufe bis $um Abend, ber dem Treiben ber Pseuboblumenmäochen ein viel zu frühes Ende setzt. Nach der lastenden Wärme des Tages senkt sich der neblichte Abend herab, schleicht die Dämmerung durch die Gassen. —- — „Es war ein Sonntag . . 0. N.
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— Der internationale Kongreß zur Bekämpfung der Krebskrankheit wurde am 1. Okt. in Paris durch den Anterrichtsminister Doumergue eröffnet. In seiner Rede pries der Minister die Führer im Kampfe gegen die KrebskranHeit, besonders die Professoren Ehrlich und Czerny, zeigte die Notwendigkeit, alle Bestrebungen in Einklang zu bringen und so für jede Entdeckung die Aussichten auf Erfolg bedeutend zu erhöhen, und setzte hinzu, man müsse den Kampf gegen die Krebskrankheit voll Vertrauen auf den Erfolg der gemeinsamen, gegen)eittg geprüften Arbeit fortsetzen. Auf dem Kongreß ist Deutschland durch den Geheimen Obermedizinalrat Professor Dr. Kirchner, die Doktoren Kolb und Remb o ld vertreten. Unter den Teilnehmern befindet sich auch ein Mitglied des preußischen Herrenhauses, Graf v. Hutten-Czapski. — Am gestrigen Sonntag gab der Präsident des Kongresses, Geheimrat Professor CAerny, im Palais d'Orsay einen Empfang s ab end. Der sehr angeregt verlief. Außer den Kongreßteilnehmern wohnten ihm zahlreiche andere Gäste, unter ihnen der deutsche Geschäftsttäger, Baron von der Lanken, mit mehreren Herren ber beutschen Botschaft bei.
— Eine Ausstellung gegen die Schundliteratur tofrb von der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung in H a m- b u r g vom 3. bis 8. Oktober 1910 veranstaltet. Die Ausstellung, die für jedermann unentgelllich zugängig ist, wird im Gebäude der Hamburgischen Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe, stattfinden. Es ist geplant, die Ausstellung fvätex, auch für andere Städte zur Persügung zu stellen. Anftage/n. deshalb können schon jetzt an die Deutsche Dichter-Gedächtnis- Sttftung in Hamburg-Großborstel gerichtet werden.
— Die deutschen Städte auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden 1911. Das Interesse der beutschen Stäbte für die Internationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911 ist in stetem Wachsen begriffen. Täglich laufen Neuanmeldungen ein von Städten, die es für ihre Aufgabe halten, auf ber Ausstellung mit ihren spezifisch hygienischen Einrichtungen hervorzutreten. In den letzten Tagen haben sich Konstanz, Saarbrücken und Werni
gerode a. H. gemeldet, ebenso bie Reichshauptftabt Berlin, Deren Stadtverorbneter^-Versammlung den Betrag von zwanzig tausend Mrrk bewilligt Hat.
— Künstliche Klimaveränderung. In einem bemerkenswerten Arttkel der Newyorker „Century" gibt ein englischer Schriftsteller an, wie man in der Landwirtschaft gegen den Frost ankämpfen kann und in Kalifornien mit Erfolg bereits seit neun Jahren ankämpft. In einer einzigen- Nacht werden Orangen, die fast zum Abpftücken reif sind, vom Frost vollständig vernichtet und damll bie nmhsame Arbeit eines ganzen Jahres. Seit 1897 wird in Kalifornien nun folgendes System mit Erfolg angewendet, das man der Natur abgelauschL hat: man erzeugt künstlichen Wasserdampf, da bie Landwirte ber Ansicht sind, daß gegen den Frost möglichst rasch erzeugte Wärme das wirksamste Mlltel ist. Der künstliche Nebel ist gleich einer Decke, die in kalten Nächten die Pftarrzen und Bäumchen vor dem Frost schützt. Man wendet verschiedene Arten an, um diesen Wassernebel zu erzeugen. So z. B. werden mit glühenden Kohlen angefüllte Drahtkörbchen in bestimmten Zwischenräumen in den Orangen- oder Zitronenanlagen aufgestellt, lftnpfehlenswert ist es, auf die Körbchen flache Pfannen mit Wasser zu stellen, das langsam verdampft und die Lust erwärmt. Für große Anlagen werden ganze Katarakte von warmem Wasser erzeugt. Auf einer großen Farm wurde mit Erfolg ein interessanter Versuch gemacht. Man setzte einen Röhrenkessel von 12 PS. in Tätigkeit, das 85 Grad heiße Wasser wurde in einen künstlichen Wasserlauf geleitet, bie heißen Dämpfe stiegen etwa 4 Fuß hoch über den Erdboden in die Höhe und erwärmten die Lust über den empfindlichen Obstbäumen. Aus dem Wasserlauf fließt das Wasser langsam in verschiedenen Furchen ab. Am Ende einer solchen 600 Fuß langen Furche hatte das Wasser noch 45 Grad Fahrenhell^
— Kurze Nachrichten aus Kunst n. Wissenschaft Am Samstag fanö in Gegenwatt des Königs, der Spitzen der stattlichen und städttschen Behörden, sowie vor 500 geladenen Gästen die feierliche Einweihung des neuen Rathauses in Dresden statt. Die Festrede hielt Oberbürgermeister Dr. Beutler. Nach einem Rundgang des Königs fanb Festtafel statt, an ber der Monarch und das Gefolge teünabmen. — Die in Weimar tagende Hauptversammlung des Deutschen Schillerbundes beschloß, im Jahre 1911 Hebbels „Nibelungen", Shakespeares „Wie es eud) gefallt" und Schillers „Räuber" als Nationalfestspiele fiir bie deutsche Jugend aufzuführen. Geheimrtt v. Oettinger, Direktor des Goethe-Nationalmuseums, wurde tts Vorsitzender! wiedergewählt. — Die Teilnehmer des elften Tages für Denkmalspflege beschlossen die Tagung in Danzig mit einem Ausflug nach Mattenburg. Nach einer Ansprache des Vorsitzenden des Tages, Professor Dr. v. Oechelhauser, wurde ein Be- grüßungstelegrasM an j>en Kaffer noch RMvllen abgesandr.


