Ausgabe 
3.6.1910 Erstes Blatt
 
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El saß-Loth ringen betr. die Abänderung des Spar- 1 as s e n g e s etz e s vom 14. Juli 1896.

DerReichsanzeiger" meldet: Auf Einladung und unter der Leitung des Reich s-Eisenbcll>namtS begannen die kom­missarischen Beratungen der an dem Eisenbahnwesen beteiligten Bundesregierungen über hjcitcre Sicherungs- Maßnahmen für den Zugverkehr.

Nach dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis erhielten bei der Reichstagsersatzmahl im Wahl­kreise Landshut-Bolkenhain-Jauer Proll (Soz.) 6483, Büchtcmann (fortschr. Vp.) 6429, Stroßer (kons.) 3878, Herschel (Zentr.) 3823 Stimmen. Zersplit­tert sind zwei Stimmen.

Die Blätter melden aus Berlin: Zur Aussper­rung im Baugewerbe verlautet, das; die Einigung über einzelne Bedingungen großen Schwierigkeiten be­gegnet. Bor völligem Abschluß aller Verträge fei an eine Aufhebung der Aussperrung nicht zu denken.

Aus Berlin wird gemeldet: Daß eine Erhöhung der Zivilliste geplant ist, wird allgemein zugegeben. Nach derVoss. Zig.'" soll die Erhöhung nicht schon in diesem Jahre oder noch vor Schluß der Landtagssession in den nächsten Tagen durchgeführt werden, sondern vermutlich erst im kommenden Jahre. Nach demVorwärts"" hätten die Vertreter der bürgerlichen Parteien beschlossen, der Ein­setzung von 2i/2 Millionen Mark als Zuschuß für die König­lichen Theater Auzuftimmen.

Aus P e k i n g wird gemeldet: m t l ich c Gesandt­schaften erhielten anonyme Zuschriften, wie man vermutet, von der revolutionären Partei in Schanghai. In den Zuschriften l/eißt es, daß ein großer a n t i - d y n a st i- s ch er Aufstand bevorstehe. Wenn sie nicht die Mandschus unterstützten, sollte den Ausländern lein Leid zugefügt wer­den, im anderen Falle sollten sie in dem allgemeinen Gemetzel um kommen. Die Zuschriften wurden in ge­heimnisvoller Weise zugcstellt und trugen veraltete Brief­marren. Angesichts ähnlicher Briefe, die die Konsuln in ilianking kürzlich erhielten, macht sich, eine allgemeine Be- unruhigung bemerkbar.______________

ArrsLano.

Aus A m st e r d a m wird gemeldet: Die Königin be­gab sich am 1. d. M. in Begleitung des Prinzgemahls zur Werft der Mederlärrdischen Schiffsbaugesellschaft, und taufte dort ein neues Schrff, das größte, welches bisher "in Holland erbaut wurde, auf den NamenPrinzessin Juliana". Abends wohnte die Königliche Familie einer Galavorstellung im Theater bei.

Der französische Marineminister erklärte einem Berichterstatter, daß die französischen Untersee­boote seit ihrem Bestehen 30050Tauch Übungen vor- genommcn haben, bei denen im ganzen drei Unfälle vorge- tommen seien. Nach dem Bericht eines Marineoffiziers sollen die mit der Hebung desPlnviose" beschäftigten Taucher festgestellt l-aben, daß die Deckklappe ungefähr ein Drittel abgeschraubt war. Man zieht daraus den Schluß, daß die Atannschaft des Unterseebootes versucht hat, sich durch diese Oeffnung zu retten.

Aus Washington wird gemeldet: Tie Baltimore and Ohio-Bahngesellschaft .hat eine Erhöhung der Tarifsatze für Waren jür den Transport von Ch t c a g 0 nach Newyork angemeldet.

" Aus Washington berichtet man: Das Komitee des Repräsentantenhauses für auswärtige Angelegenheiten er­stattete einen günstigen Bericht über die Gesetzesvorlage, welche die Bildung eines Fr iedcnskomite.es vor­sieht. Das Komitee soll d-ie fremden Hauptstädte besuchen im Interesse der Beschränkung der Rüstungen und der Er­haltung des internationalen Friedens. Dem Vernehmen nach gab Taft seine Bereitwilltgtcit zu erkennen, Roosevelt zum Vorsitzenden des Komitees zu ernennen, wenn beide Häuser der Gesetzesvorlage zustimmen sollten, wie jetzt als wahrscheinlich angenommen wird.

Aus Stadt und Lund.

Gießen, 3. Juni 1910.

In der nächsten Schwurgerichtsperiode kommen nachstehende Fülle zur Verhandlung: 1. Montag, 6. Juni, vormittags 9% Uhr: G?meinderechner Peter Götz von Schlechtenwegen wegen Verbrechens im Amte; die An­klage vertritt GerichtSasscssor Neuroth und die Verteidigung führt Justizrat Katz. 2. Dienstag, 7. Juni, vormittags 81/, Uhr: Taglöhner Peter Müller von Hühnlein, Straf­gefangener im Landeszuchthaus Marienschloß, wegen Mord- vcrsuchZ; Anklagevertreter: Staatsanwalt Trümpcrt, Vertei­diger: Rechtsanwalt Dr. Jung. 3. Mittwoch, 8. Juni, vormittags 8*/, Uhr: Franz MatuszewSki Ehefrau, Tag- löhnerin in Gießen, wegen Meineides. Anklagevertreter: Oberstaatsanwalt Lang, Verteidiger: Rechtsanwalt Arnold.

* * Von der Stadtkasse. Mit ber Anstellung des seitherigen Oktroiinspettors Mäser als Stadtrechner hat

hundert geschriebene Handschrift war, wie ein teilweise in aller­dings nicht zu dculcudcr Geheimschrift auf dem Schlußblatte ein­getragener Vermerk besagt, im Beginn des 15. Jahrhunderts im Besitze des bctannlen Abtes Johann von Trittenyeini. Das Auf­treten neuer Uebcrlleferungen zu den wichtigsten historiographischen Quellen des ältesten deutschen Mittelalters ist nachgerade so selten geworden, daß der neue Fund und seine Sicherung für Deutschland freudig zu begrüßen ist. Im letzten Hefte des neuen Archivs für ältere dentsck>c Geschichtskundc macht O. Holder- Egger über die Hairdschrift und tl>re Bedeutung eingehende Mitteilungen. Gibt )tc uns auch sachlich keine neuen Aufklärungen, da sie zu der durch die Montecassineser Handschrift vertretenen Klasse zu rechnen ist, so fatut sic doch stellenweise zur Ver­besserung und Sicherstellung des Textes dienen. Gerade aus englischenr Privatbcsitz sind vielleicht noch .am ehesten weitere Zünde dieser Art zu erhoffen.

Die drahtlosen Zeitsignale vom Eiffel­turm sind 8 um ersten Male am 23. Mai um Mitternacht auf den Ozean hinausgesandt worden. Das Unternehmen beruht auf einem Plane, dessen Seele der Pariser Gelehrte Bouquet de la Grye gewesen ist. Der Zweck ist ein doppelter, nämlich einmal die llebcrmittlmig genauer Zeiten an Ozeandampfer wäh­rend ihrer Fahrt auf der hohen See mrd zweitens die Ausführung von Sängcnbeftimmungen; beides steht freilich in inniger Be­ziehung zueinander. Außerdem soll noch eine entsprechende Warte auf dem Gipfel des Pik von Teneriffa errichtet werden, um bie Tätigkeit dcS Eiffelturms zu unterstützen und zu ergänzen.

' Zu der bezeichneten Stutcde ist also zum erstenmal genaue Pariser .Zeit durch drahtlose Telegraphie an alle mit Empfangsapparaten für dies Verkehrsmittel audgerüfteten Warten und Schiffe inner­halb eines Umkreises bau 4000 bis 5000 Kilometern verkündet .worden. Das benutzte System wirkt selbsttätig, indcnl ein Zeichen des Atprfe Mphabets zuerst um Mitternacht, dann zwei Minuten und cnwtd) vier Minuten danach in den Raum hinaus gefanbt wirch Wie groß diese unmittelbar praktische Bedeutung dieser Eiffelturmsignalc ist, muß erst der Versuch zeige».

Kurze Nachrichten aus Kunst ».Wissenschaft. DerDrrcktorposlcii des Leipziger Sladttheaters ist öffentlich ausgeschrieben worden.

die neneOrganisationunsererStadtkasse ihren Abschluß gesundem Dne Ortssatzung über die Einrichtung des Kassewesens der Bürgermeisterei hat die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung gesunden. Sie bedarf noch der Genehmigung des Ministeriums des Innern, au dessen Zustimmung nicht zu zweifeln ist. Die Aufgabe des Stadtrechners besteht darin, die Dienstführung der Beam­ten und Bediensteten der Städtkassc zu überwachet und Un­regelmäßigkeiten sofort zur Kenntnts der Bürgermeisterei zu bringen. Er itt für die Stellung der Rechnung und ihre Richtigkeit, für die Führung der Handbücher und die Auf­bewahrung der Belege sowie für die Beitreibung verant­wortlich und hastet nach Art. 84 der Städteordnung für Zahlungen, die entgegen den bestehenden Vorschriften ge- leistet werden. Die Führung der Hauptkasse und eines in mehreren Teilen zu sichrenden Tagebuchs und der er­forderlichen Hilfstagebücher ist einem besonderen Beamten übertragen, der diese Arbeiten nach den Bestimmungen der Dienstanweisung für die Gemeindceinnehmer usw. unter eigener Verantwortung auszusühren hat. Es ist dem Kassierer verboten, neben den städtischen Kassen noch eine andere Kasse zu führen. Die Führung der Handbücher, die Rechnungsstellung und die Beitreibung sind der Buchhaltung der Kasse übertragen. Zur Entlastung der Haupttasse ist für die Vereinnahmung von Gemeindesteuern, Kanal gebüh- reit, Beiträgen zur land- und forstwirtschaftlichen Berufs- genossenschaft und zur Landwirtschaststammer eine besondere Erhebestelle eingerichtet und diese einem selbständigen Er­heber unter eigener Verantwortung übertragen. Dem Er­heber wird ein Gegenbuchführer bcigegebcn. Die Haupt- lasse, die während des Tages nur dem Kassierer £ur Ver­fügung steht, ist jeden Abend, nachdem ihr Bestand fest- gestellt ist, unter gemeinschaftlichem Verschluß des Stadt­rechners und des Kassierers zu nehmen. 'Der unter Ver­schluß genommene Kässenbestaird ist täglich in einer Aufstel­lung nachzuweisen, die die einzelnen Münzsorten enthalten und von beiden Beamten unterschrieben jein muß. Der Stadtrechner, der Kassierer, der Erheber und der Gegen- buchführcr müssen in jedem Jahre zu einem von der Bürger­meisterei bestimmten Zeitpunkt und für eine von ihr be­stimmte Zeit von ihren Obliegenheiten zurücktreten und werden inzwischen durch ernannte .Vertreter ersetzt. Aus einen Beamten, der im Jähre einen 14tägigen Urlaub ge­nommen hatte, kommen diese Bcsttmmungen in dem be­treffenden Jähre nicht in Anwendung. Durch diese Organi­sation des Kässenwesens ist nach Möglichkett dafür gesorgt, daß Irrtümer und Unregelmäßigkeiten vermieden werden.

* * Das 1. Abonnements-Konzert unserer Militärka,peNc hatte gestern abend sehr zahlreiche Zu­hörer in den Garten des Neuen Saalbaues gelockt. Man sah das gewohnte Bild: die studentischen Verbindungen an langen Tischen, cm der Peripherie gruppierte sich das übrige Publikum. Das Wetter^, das vorher etwas gewitterdrohend ausgesehen hatte, blieb prächtig, und dieser erste musi­kalische Sommerabend verlief schön. Obermuftkmeister Löbcr hat seine Kapelle wohl einstudiert, und auch die schwierigeren Teile seines unterhattend ausgesuchten Spielplanes, z. B. die Phantasie aus der OperFaust" und die Ouvertüre zu Wilhelm Teil'", wurden flott und sicher gespielt. Haupt­sächlich fesselten noch Tonbilder aus ^,Siegftäcd" und die Einleitung zur OperLoreley". Daneben zeigte die Jn- fanterietäpell.e in leichten, graziösen Klängen, flotten Mär­schen, ihr rechtes Können. Eine besondere Anziehungskraft hatte der Gast des Abends, der bekannte Darmstädter Vir­tuose Herr L. Kümmel, ausgeübt; feinCornet a Pistons" meisterte Töne von ungewöhnlick)er Reinheit und Schön­heit. Er gab u. a. sein eigenes PolkasoloPistonetta" zum Besten und erttzückte darauf wieder durch den weichen Schmelz sentimentaler Lieder.

v* Schulausflüge. Die Frühjahrsausflüge der Schüler des Realgymnasiunts und der Oberrealschule fanden gestern statt. Während die obersten Klassen mehrtägige Aus­flüge in weitere Gegenden unternahmen, machten die übrigen Klassen TageStouren ins Lahntal, den Vogelsberg, Taunus, Homburg, Braunfels, Weilbiug, Biedenkopf, Westerwald usw.

* * Wohlfahrtspostkarten. Das Patronat der Großh. Zentrale für Säuglings- und Mutterschutz in Hessen bittet uns darauf aufmerksam zu machen, daß die Wohlfcchrtsposttarten des Patronats mit dem Bildnis des Großherzogs, der Großherzogin und der Großherzvglichen Prinzen nunmehr in sämtlichen Post- tartcnbanblungen zu haben sind. Der Ertrag dieser Postkarten wird zum Besten der Säuglings- und Mutterfürsorge in ganz Hessen verwendet.

* * Zum Schreibgehilfen wurde Wilh. Hönig aus Lehnheim bei dem Finanzamt Gießen ernannt.

* * Gießener V 0 lksbad. Jin 'M a i d. Js. wurden 11 384 Bäder verabreicht gegen 9072 im April 1910 und 12 212 im Mai 1909 oder im Durchschnitt täglich 367 Bäder gegen 302 im April 1910 und 394 im Mai 1909. Der Besuch hat sich im einzelnen wie folgt verteilt:

Schwimmbad: 4523 Männer, darunter 1076 zu 10 Pfg., 1174 Frauen, , 231 10

Wannenbäder 1. Klasse 273 Männer, 95 Frauen,

2. 968 622

Brausebäder 1. Klasse 1248 Männer, 380 Frauen,

2. 1460 504

Dampf- u. Heißlustbäder, sowie Massage zus. 112 Männer, 25 Frauen Die Perfonenwage wurde von 240 Personen benutzt und das Bad von 3 Personen "besichtigt.

* Oessentliche Lesehalle. Im M a i wurden 2032 Bände ausgeliehen. Davon fommen auf erzählende Literatur 988, Zeitschristen 332, Jugeudschriflen 230, Pers- dichtungen und Tranten 33, Literaturgeschichte 33, Länder- und Pöikerkunde 46, Kulturgeschichte 19, Geschichte und Biographien 95, Kunstgeschichte 21, Naturwissenschaft und Technologie 101, Heer- und Seewesen 31, HauS-- und Landwirtschaft 19, Gesund­heitslehre 24, Religion und Philosophie 15, Staatswissenschaft 13, Sprachwissenschaft 10, Fremdsvrachltches 22 Bände. Nach auswärts kamen 74 Bände.

Erfolge der Wetterauer Ziegenzucht. Auf der Ausstellung in Hamburg hat, wie uns von dort ge­schrieben wird, der Kreisziegenzuchtverein Fried­berg von allen Ziegenzüchteroereinen am besten abgeschnttten. Auf 10 ausgestellte Tiere fallen 7 Preise, worunter für jüngere Böcke die Gemeinde Rod he im v. d. H. einen la Preis, für jüngere Ziegen Konrad Adami in Nieder- Weisel einen la Preis und für ältere Ziegen Heinrich Winter in Nieder-Weisel ebenfalls einen la Preis erhielten. Auch der große Sammlungspreis wird hauptsächlich Friedberg zufallen.

D ie Ma ul- und Klauenseuche ist erloschen im Schlachtviehhofe zu Chemnitz am 1. Juni.

L. Friedberg, 2. Juni. Am 9. Juni wird es ein Jahr, daß unser hiesiges Städtisches Schwimmbad eröffnet wurde. Nach dem (Yeschäftsberichtc, der sich vom 1. Juni 1909 bis 1. April 1910, also auf 10 Monate erstreckt, kann man den (Hescbäftsvctrieb als gut bezeichnen. Die Hinnahmen beliefen sich in den 10 Monaten ans 18812.52 Mark, denen 14 763.08 Ml. Ausgaben gcgenüberstanden, mit­hin ein Gewinn von 4048.74 Mt. Die Zahl der abgegebenen

Bader belief sich auf 67 222. Schwimmbäder wurden ge­geben an Herren 31900 und an Damen 17 957. Die Zahl der Volksläider an Herren betrug 3904, an Frauen 499. Hier ist ein wunder Punkt. Durchschnittlich.wurden täglich 227 Bader verabreicht. Arbeitertreise sollten unsere Volks- bäder mehr benutzen, da es doch in unserer Stadt an sonstiger Gelegenheit zum Baden fehlt. DaS Grundstücks- Konto des Schwimmbades beläuft sich auf 28000 Mk., das Gebäude-Konto auf 132000 Mk. und das Maschinen-Konto auf 35000 Mk.

A Friedberg, 2. Juni. DaS 4. Jahresfest der Wetterauer Kirchengesangvereine findet am 5. Juni hier statt. Im Festgottesdienst in der Stadtkirche wirken aus den Bundesveremen etwa 400 Sänger mit. Dekan Orth- Nieder-Wöllstadt hält die Festpredigt. Die Nachfeier wird in Steinhäusecs Felsenkeller abgehalten.

X Bad-Nauheim, 2. Juni. Der in den neuen Kolonnaden befindliche Kunstpavillon, der sich aus vier Räumen mit Seitenlicht und Oberlichtsaal zusammensetzt, wurde an den Kunsthändler Banger- Wiesbaden verpachtet Herr Banger, ein geborener Darmstädter, eröffnet hier eine Kunstgewerbe-Ausstellung, in der hauptsächllch die neue hessische Kunst zur Geltung komnten soll. Das Militär- kurhaus ist gegenwärtig mit der höchstmöglichen Ziffer be­legt: mit 10 Offizieren und 50 Mannschaften (zumeist in­valide, nur wenige aktive Soldaten). Seit diesem Frühjahr untersteht die Anstalt der Leitung eines aktiven Oberstabs­arztes. Heute abend gabs auf der Terrasie die erste Lampionbeleuchtung in dieser Saison. Die sorgfältig vorbereitete Veranstaltung hatte leider etwas unter dem plötz­lichen Witterungswechsel zu leiden.

Bad Salzhausen, 2. Juni. Bis Ende Mai sind 92 Kurgäste angekommen. Im Monat Mai wurden 587 Bäder abgegeben, darunter 64 Freibäder.

w. Frankfurt, 2. Juni. Unter Mitwirkung der Deutschen Bank, Filiale Frankfurt, ist unter der FirmaTerrain-Ak­tiengesellschaft Holzhausenparr"" in Hannover eine Aktiengesellschaft mit dem Sitz in Frankfurt a. M. und einem Kapital von ztvei Millionen Mark gegründet worden, die den Er­werb, die Verwaltung und die Verwertung des den Erben des Freiherrn Georg von Holzl>ausen gehörigen, im Nordend-Wohu- viertel von Frankfurt gelegenen Holzhausenparts zum Gegenstände hat. Die Erben des Freiherrn Georg v. Holzhausen erhalten als Entgelt für die Einbringung des Geländes den größten Teil der Aktien des Unternehmens, sowie einen Barbetrag in Höhe von rund zwei Milliotren Mark. Es ist beabsichtigt, einen er­heblichen Teil des Holzhausenparks einschließlich des alten' Holzhausenschen Herrensitzes unentgeltlich zwecks Erl)altuiig als öfsenttiche Anlage an die Stadt abzutreten. Der erste Vorstand der Gesellschaft wird gebildet aus Architekt Gustav Günther und Gerichtsassessor Dr. Bowl.

** Kleine Mitteilung en aus Hessen und den Nachbarstaaten. ZwisckMr den beiden nördlichsten Orten des Kreises Alsfeld, Ruhlkirchen und B e r n s b u r g , wird eine neue Kreis st raße erbaut. Tas Buudesfest des Wetterauer Sängerbundes findet am 12. Juni in Setten au statt. In Klein-Karben wurde der seitherige verdiente Bürgermeister Neuhardt mit 183 Stimmen einstimmig wiedcrgewählt.

<9crid?tdfaaL

w. Leipzig, 2. Juni. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Schlossers Ernst Loose und sieben Ivefterev Angeklagten, die am 16. Februar vom Schwurgericht in Hallo wegen Landfriedensbruch, Körperverletzung und Beleidigung, be­gangen bei Gelegenheit des M ansfelder Bergarbeiter-, S t r e i k s, zu längeren Gefängnisstrafen verurteilt ivorden waren.

Lustschiffahrt.

London, 2. Juni. -per englische Flieger Rolls flog, heute von Dover über den K. anal und kreiste über S a n g a 11 c westlich von Calais.

London, 2. Juni. Rolls kehrte, ohne zu landen, pm, 8 Uhr 5 Min. nach Dover zurück.

vermöjchtes.

* Nicht gut Kirschen esse n.Hier ist nicht gut Kirschen essen", odermit dem ist nicht gut Kirschen essen", das sind bekannte Redensatten, über deren Ursprung ettvas zu er­fahren von Interesse ist. Sie ist uralt unb stammt bereits aus dem 13. Jahrhundert. Zu Ende dieses Jadrhunderts besaß das Schloß Hirschstein der Bischof Witigo 1. von Maßen, ein geborener Graf von Camenz. Dieser hatte den Markgrafen von Meißen- Friedrich Tutha oder Tente, d. h. der Stammelnde genannt, aus tödlichem Hasse, weil er ihn in einer Fehde besiegt, auf Schloß Hirschstein zur Jagd geladen und hier mit Kirschen, die vergiftet» iuaren und die jener zur Löschung seines Durstes 0erlangt hatte, aus der Welt geschafft. Im Volke bildete sich damals jene Redens« art heran, die sich bis heute lebendig erhalten hat.

Alleine SaitCvaifouiL

Im Atter von 70 Jähren starb der Erbauer der Pi- latusbahn, der auch am Bau des Simpion-Tunnels hervor-» ragenb beteiligt gewesene Ingenieur Lo che r - Fr e u d e r in Zürich.

In mehreren Gemeindeschulen und in einer höheren Schule des 9tordens von Berlin sind 50 Kinder, fast ausnahmslos Knaben, an einer Haarkrankheit erkrankt, die sich äljn- lich äußert wie die im April 1908 in Schöneberg ausgeb rochen^ Seuche.

Der vor fünf Jahren an dem Dienstmädchen K 0 nradd in Lichtenberg verübte Mord ist nun aufgeklärt worden. Dir Frau des Gättnereibesitzers Weber bei der das umgebrachte SDtäbdjcn in Dienst war, soll gestern auf dem Sterbebette das Geständnis abgelegt haben, daß sie das Aiädchen in der dtacht zum 29. Januar 1905 erschlug.

In B och u m - E h r e n f e 10 hat sich die Eheftau des Bäcker­meisters Nüsse aus Verzweiflung darüber, daß für einen auf 600 Mark lautenden Wechsel keine Deckung vorhanden war, mit ihren beiden Kindern ertränkt. Als der Ehemann davon hotte, erhängte er sich.

Während eines Zeitigen Gewitters, das heute nachmittag mederging und großen Schaden anrichtete, traf der Blitz ein auf der Hamburger Binnenalster fahrendes Boot und tötete beide Insassen.

Das ganze Dorf Altschlawe soll seit gestern in Flammen! stehen.

In einem Steinbruck) der Union Boston Zementwerke in Devlls Slide, nick)t weit von Ogden, sand gestern eine Ex^ p l 0 s i 0 n durch vorzeitige Entzündung von Dyna­mitpatronen statt. Zwanzig Arbeiter wurden ge­tötet, eine Anzahl anderer schwer verletzt. 3n dem Stein* brud) sind größtenteils grieckzische und fapanische Arbeiter tätig.

Im Keller eines Hauses in Przemysl in Galizien, in dem sich eine Pulverniederlage befand, ereignete sich eine Explosion. Das Haus ist eingcftür81. Mehrere Nackwar- Häuser mürben sehr stark beschädigt. Eine Person ist t 0 t. Zwei Knaben werden vermißt. Mehr als zehn Personen wurden durch Glassplitter verletzt, andere Personen vermißt.

Auf der New Yorker Untergrundbahn ereignete sich an der Station Mott Avenue ein leichter Z n s amm ensto ß zweier Züge, der an und für sich ohne große Bedeutung war. Als jedoch der augcranute Wagen Feuer fing und der Tunnel sich mit Rauch füllte, entstand eine furchtbare Aufregung, (ftwa h u n d e r t P e r s o n e n mürben b c w nßtl 0 s fortgetragen doch sind anscheinend Menschenleben nicht verloren gegangen.